Umstieg auf erneu­er­ba­re Energien

BUND Natur­schutz Bam­berg begrüßt Agri-Pho­to­vol­ta­ik-Aus­bau in der Region

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BUND Naturschutz Bamberg
Heiko Martin (von links), Josephina Nübold und Erich Spranger vom BUND Nauturschutz Bamberg bei Priegendorf, wo eine Agri-PV-Anlage entstehen soll, Foto: Marlene Pappenberger
Ange­sichts von Kli­ma­kri­se und Ukrai­ne­krieg mahnt der BUND Natur­schutz Bam­berg einen ambi­tio­nier­te­ren Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gien in der Regi­on an. Auf dem Gelän­de der geplan­ten Agri-Pho­to­vol­ta­ik-Anla­ge in Prie­gen­dorf lie­ßen sich Ver­tre­ter des BUND Natur­schutz Bam­berg das Pro­jekt erläu­tern und appel­lier­ten an die Gemein­den im Land­kreis: „Wir müs­sen bei den Erneu­er­ba­ren einen Zahn zule­gen und die Poten­tia­le ausschöpfen.“

Durch den Krieg in der Ukrai­ne ist es mitt­ler­wei­le zum Kon­sens gewor­den, dass die Ener­gie­ver­sor­gung schnellst­mög­lich unab­hän­gig von fos­si­len Brenn­stof­fen wer­den muss. „Dies erfor­dert nicht nur die Kli­ma­kri­se, son­dern dämpft auch die Ener­gie­prei­se“, sag­te Jose­phi­na Nübold vom BUND Natur­schutz Bam­berg. „Die­se Unab­hän­gig­keit stärkt unse­re Ener­gie­sou­ve­rä­ni­tät und been­det die Unter­stüt­zung von Kriegs­ver­bre­chern und Dik­ta­tu­ren. Unse­re Abhän­gig­keit ist enorm. Jetzt rächen sich auf bit­te­re Wei­se die für die Ener­gie­wen­de ver­lo­re­nen, ver­gan­ge­nen Jah­re. Wir könn­ten schon viel wei­ter sein.” Die Regi­on Bam­berg sol­le die Chan­cen, die sich aus der Nut­zung von Wind­kraft und Pho­to­vol­ta­ik erge­ben, zügig ergreifen.

Wind­kraft kann mehr – wenn man sie lässt

Ver­ständ­nis­los zeigt sich der BUND Natur­schutz Bam­berg, dass die baye­ri­sche Staats­re­gie­rung an der 10H-Rege­lung fest­hal­ten will. Die­se habe durch die Fest­schrei­bung über­zo­ge­ner Abstän­de zwi­schen Wind­kraft­an­la­gen und Wohn­ge­bäu­den dazu geführt, dass Bay­erns Wind­kraft­aus­bau zum Erlie­gen gekom­men ist.

Mit die­ser Poli­tik dro­he Bay­ern eine rie­si­ge Strom­lü­cke. Nötig sei die Aus­wei­sung von 2 Pro­zent der Lan­des-Flä­che für mög­li­che Wind­kraft­stand­or­te und die Abschaf­fung der 10H-Abstands­re­ge­lung. Immer­hin habe die Staats­re­gie­rung ein paar Aus­nah­men von der 10H-Rege­lung angekündigt.

„Unse­re Hoff­nung liegt der­zeit bei den Gemein­den“, sag­te Erich Spran­ger, Ener­gie­ex­per­te beim BUND Natur­schutz Bam­berg. „Die­se kön­nen über die Bau­leit­pla­nung 10H umge­hen. In vor­bild­li­cher Wei­se wen­den dies die Gemein­den Lit­zen­dorf und But­ten­heim an. Hier sind jeweils Wind­pro­jek­te in Pla­nung. Hof­fent­lich neh­men wei­te­re Gemein­den im Land­kreis Bam­berg ihre Ver­ant­wor­tung wahr und zie­hen nach.”

Dabei emp­feh­le es sich für die Gemein­den pro­ak­tiv tätig zu wer­den. Auf Wind­vor­rang­flä­chen könn­ten nach eige­nen Vor­stel­lun­gen und unter Betei­li­gung der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger Wind­kraft­an­la­gen errich­tet wer­den. Mit gleich drei Vor­rang­ge­bie­ten sieht Spran­ger die Gemein­de Bur­ge­brach beson­ders in der Pflicht.

Dazu müs­se der Frei­staat jedoch noch wei­te­re Vor­rang­flä­chen aus­wei­sen. Poten­ti­al erkennt der BUND Natur­schutz Bam­berg vor allem auf dem Jura in den Gemein­den Sta­del­ho­fen, Königs­feld und Hei­li­gen­stadt sowie auf den Höhen­zü­gen im west­li­chen Landkreis.

Unter­stüt­zung bekommt der Aus­bau der Wind­kraft im Land­kreis von der Bun­des­ebe­ne. Bei Bür­ger­en­er­gie-Pro­jek­ten bis 18 Mega­watt soll die Aus­schrei­bungs­pflicht weg­fal­len. Dies wür­de die Pla­nun­gen im Land­kreis deut­lich vereinfachen.

Pho­to­vol­ta­ik stark ausbauen

Viel Poten­ti­al für den Pho­to­vol­ta­ik-Aus­bau böten unge­nutz­te Dach­flä­chen. Der BUND Natur­schutz Bam­berg for­dert die Gemein­den auf, bei Neu­bau­ten schon jetzt Pho­to­vol­ta­ik-Anla­gen soweit mög­lich ver­pflich­tend vorzuschreiben.

„Wir sind es leid, bei unse­ren Stel­lung­nah­men zu Bebau­ungs­plä­nen immer wie­der auf die feh­len­de PV-Pflicht hin­zu­wei­sen. So begrü­ßen wir es sehr, dass die neue Bun­des­re­gie­rung Pho­to­vol­ta­ik bei Neu­bau­ten vor­schrei­ben bezie­hungs­wei­se zur Regel machen will“, sag­te Spranger.

Beson­ders hoch sei­en die Poten­tia­le aber im Bestand. Inter­es­sier­ten möch­te der BN Mut machen: Durch neue Rege­lun­gen wur­de der Betrieb von nor­ma­len Haus­an­la­gen deut­lich entbürokratisiert.

Zusätz­lich zum Aus­bau der PV-Anla­gen auf den Dächern wer­de Bay­ern ohne einen groß­zü­gi­gen Aus­bau von Frei­flä­chen­an­lan­gen nicht aus­kom­men. So begrüßt es der BN, dass schon eine gan­ze Rei­he von Gemein­den in die­sem Bereich aktiv sind. Das Land­schafts­bild betref­fend fin­det Spran­ger: „Es müs­sen nicht immer rie­si­ge Flä­chen sein. Klei­ne­re Anla­gen, die in die Land­schaft ein­ge­streut und an die Gelän­de­ge­stalt ange­passt sind, scho­nen das Landschaftsbild.”

Agri-Pho­to­vol­ta­ik in Priegendorf

In die­sem Punkt vor­bild­lich sei die geplan­te Agri-Pho­to­vol­ta­ik-Anla­ge auf einem 2,25 Hekt­ar gro­ßen Acker­strei­fen bei Prie­gen­dorf. Hei­ko Mar­tin, Geschäfts­füh­rer der KMM Kom­mu­nal Manage­ment, erläu­ter­te die Pla­nung vor Ort. Er pro­jek­tiert die Anla­ge und wird auch ihr Betrei­ber sein.

Die Agri-PV-Anla­ge kom­bi­niert land­wirt­schaft­li­che Nut­zung mit ener­ge­ti­scher Nut­zung mit­tels Pho­to­vol­ta­ik. Geplant sind soge­nann­te son­nen­nach­ge­führ­te Modul­rei­hen, die durch grö­ße­re Rei­hen­ab­stän­de auch mit ihrer Rück­sei­te durch Boden­re­fle­xi­on Ener­gie erzeu­gen kön­nen. Somit lässt sich auch auf klei­ner Flä­che ein hoher Strom­ertrag für rund 480 Haus­hal­te erzie­len und gleich­zei­tig Land­wirt­schaft betreiben.

Die gro­ßen Modul­plat­ten kön­nen senk­recht gestellt wer­den, so dass die Flä­che mit einem Trak­tor bear­bei­tet wer­den kann. In den immer tro­cke­ner wer­den­den Som­mer­mo­na­ten die­nen die Pho­to­vol­ta­ik­mo­du­le gleich­zei­tig als Schat­ten­spen­der, so dass zwi­schen den Modul­rei­hen Gemü­se gut wach­sen kann.

Das Gemü­se soll im Anschluss lokal ver­mark­tet wer­den. Einen wei­te­ren Vor­teil, den der BUND Natur­schutz Bam­berg bei der Anla­ge aus­macht: Die Pla­nung sieht im Sin­ne der Netz­dien­lich­keit einen Ener­gie­spei­cher vor. „Dies bedeu­tet einen gro­ßen Schritt zur Ener­gie­aut­ar­kie für die Stadt Bau­nach“, sag­te Martin.

Doch wie gehen die Pla­nun­gen nun wei­ter? Noch im April ist die Teil­nah­me an der Inn­voa­ti­ons­aus­schrei­bung geplant. Mit einer Rea­li­sie­rung ist dann für 2023 oder 2024 zu rech­nen. Ein wirk­lich inno­va­ti­ves und nach­hal­ti­ges Pro­jekt zur Nach­ah­mung, fin­det der BUND Natur­schutz Bamberg.

Nübold gab aber auch zu beden­ken: „Bei allem Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gien ist es uns wich­tig, auf unse­re größ­te Ener­gie­quel­le hin­zu­wei­sen: das Ener­gie­spa­ren. Das kann durch­aus mit Ein­schrän­kun­gen zusam­men­hän­gen oder auch mit Ener­gie­ef­fi­zi­enz, wie bei Ver­kehrs­wen­de, E‑Mobilität, Wär­me­pum­pen oder Hausdämmung.“

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