Ver­bands-Spiel­lei­ter Josef Jan­ker im Interview 

„Die Dead­line setzt die Pandemie”

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Foto: Pixabay
Das öffent­li­che und gesell­schaft­li­che Leben bleibt hier­zu­lan­de pan­de­mie­be­dingt bis min­des­tens 14. Febru­ar stark ein­ge­schränkt. Ver­bands­spiel­lei­ter Josef Jan­ker spricht im Inter­view über das Selbst­ver­ständ­nis des Ama­teur­fuß­balls in Coro­na-Zei­ten, detail­lier­te Pla­nun­gen und eine Por­ti­on Optimismus.


Bis min­des­tens Mit­te Febru­ar kann der Ball auf kei­nen Fall rol­len. Was bedeu­tet das für den Amateurfußball?

Josef Jan­ker: Dar­auf hat­ten wir uns ein­ge­stellt, denn wir erle­ben alle ja aktu­ell, wie sehr uns die Pan­de­miela­ge in die Knie zwingt. Unser gesell­schaft­li­ches Leben steht qua­si still und der Fuß­ball soll­te in die­ser schwie­ri­gen Situa­ti­on auch hin­ten­an­ste­hen – das gehört zum Selbst­ver­ständ­nis. Aber natür­lich machen wir uns im Ver­bands-Spiel­aus­schuss Gedan­ken, wie wir die wei­ter­hin unter­bro­che­ne Sai­son zu Ende brin­gen kön­nen. Es bleibt dabei: Wir haben mit der Fort­set­zungs-Ent­schei­dung Zeit gewon­nen, ste­hen noch nicht unter Druck. Aber natür­lich wächst mit jedem Tag, den wir spä­ter los­le­gen kön­nen, auch die Her­aus­for­de­rung – für die Ver­ei­ne und für unse­re Spiel­lei­ter. Aber wir sind vor­be­rei­tet und pro­fi­tie­ren jetzt davon, die Sai­son nicht abge­bro­chen zu haben. Stand heu­te bin ich opti­mis­tisch, dass wir selbst dann zu einem ordent­li­chen Ende kom­men, wenn wir erst Ende März wie­der los­le­gen kön­nen. Aktu­ell über einen Re-Start zu spre­chen, ist der berühm­te Blick in die Glaskugel.

Die für die Ver­ei­ne noch aus­ste­hen­den Meis­ter­schafts­spie­le sind an zwei Hän­den abzu­zäh­len. Aber es gibt ja noch den Liga-Pokal. Gibt es hier Über­le­gun­gen, ab wann klar ist, ob der über­haupt zeit­lich noch gespielt wer­den kann? 

Josef Jan­ker: Wie gesagt, auch wenn es Kraft­an­stren­gun­gen aller Betei­lig­ten bedarf, so bin ich guter Din­ge, dass wir auch das hin­be­kom­men, soll­ten wir Ende März/​Anfang April wie­der spie­len dür­fen. Wir hat­ten ja immer klar kom­mu­ni­ziert, dass der Modus des Liga-Pokal ange­passt wer­den kann, soll­te es die Pan­de­miela­ge erfor­dern. Soll­te auf­grund von unüber­wind­ba­ren Ter­min­nö­ten in ein­zel­nen Ligen die Durch­füh­rung des Liga-Pokals nicht mehr mög­lich sein, wird er abge­bro­chen. Denn es gilt wei­ter­hin: Die Meis­ter­schaft genießt obers­te Prio­ri­tät. Mit den Bezirks-Spiel­lei­tern ist abge­spro­chen, dass wir jetzt, wo wir wis­sen, dass vor dem 15. Febru­ar – und wohl auch nicht gleich in den Wochen danach – gespielt wer­den kann, alle am Liga-Pokal teil­neh­men­den Klubs befra­gen. Jeder muss und kann für sich selbst ent­schei­den, ob er wei­ter­hin mit­spie­len möch­te. Jeder Ver­ein muss sei­ne eige­ne Situa­ti­on im Auge haben und soll­te sich auch mit den Spie­lern und Trai­nern dazu aus­tau­schen. Es wird ja zwangs­läu­fig so sein, dass vie­le Spie­le dann auch unter der Woche aus­ge­tra­gen wer­den müs­sen. Es gibt Ver­ei­ne, für die nach der Lock­down-Ver­län­ge­rung bereits fest­steht, dass sie sich die­se Stra­pa­zen nicht antun wol­len und des­halb aus dem Wett­be­werb aus­stei­gen wer­den. Die Ver­ei­ne hat­ten übri­gens seit dem Beginn des Liga­po­kals die Mög­lich­keit des frei­wil­li­gen Rückzugs.

Das wür­de aber auch bedeu­ten, dass die Modi geän­dert wer­den müss­ten, oder?

Josef Jan­ker: Ja, aber unse­re Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen sind hier ohne­hin sehr detail­liert und wir könn­ten rasch reagie­ren. Die nöti­gen Vor­ar­bei­ten hat­ten wir bereits im August ver­gan­ge­nen Jah­res gemacht. Fest steht, dass wir bei einer Redu­zie­rung der Mann­schaf­ten durch frei­wil­li­ge Rück­zü­ge eben Zeit gewin­nen wür­den. Aber auch das ist ein Sto­chern im Nebel, des­we­gen wol­len wir die Klubs ja auch aktiv ange­hen und offen fra­gen, wie sie sich den eige­nen Fort­gang vorstellen.

Ver­bands­spiel­lei­ter Josef Jan­ker. Foto: Sebas­ti­an Widmann

Eine Dead­line gibt es also nicht?

Josef Jan­ker: Die Dead­line setzt die Pan­de­mie, so schwer uns das allen fällt, aber das ist Fakt. Ich kann Ver­ei­ne ver­ste­hen, die das nicht wirk­lich toll fin­den, aber Coro­na legt uns allen Fes­seln an. Wir hat­ten solch eine Situa­ti­on noch nie – und gera­de des­halb braucht es jetzt ein Zusam­men­rü­cken und gegen­sei­ti­ges Ver­ständ­nis. Coro­na hat sich nie­mand aus­ge­sucht. Das muss jeder aner­ken­nen. Unser Land hat genü­gend Pro­ble­me, wenn ich bei­spiels­wei­se an Schu­len, Kitas oder die gesam­te Wirt­schaft den­ke. Der Ama­teur­fuß­ball soll­te sich nicht auch selbst noch wei­te­re Pro­ble­me machen. Beim Fuß­ball reden wir nach wie vor im ganz über­wie­gen­den Teil von einer Freizeitbeschäftigung.

Soll­ten die staat­li­chen Ver­bo­te län­ger andau­ern, was kei­ner hofft, gibt es dann auch Über­le­gun­gen, län­ger als geplant in den Früh­som­mer hin­ein zu spielen?

Josef Jan­ker: Ja, grund­sätz­lich schon. In man­chen Bezir­ken wird das ohne­hin schon seit vie­len Jah­ren prak­ti­ziert, da las­sen wir ganz bewusst viel Raum bei der Spiel­plan­ge­stal­tung. Eini­gen müs­sen wir uns bei den Schnitt­stel­len zur und auf Ver­bands­ebe­ne sowie zur 3. Liga. Im Über­gang von den Krei­sen zum Bezirk sind die Sai­son­enden auch vor der Coro­na-Zeit schon unter­schied­lich gewe­sen – das funk­tio­niert auch jetzt. Und soll­te die Pan­de­mie tat­säch­lich noch viel, viel län­ger andau­ern als erhofft, so ergibt sich das Pro­blem ja nicht nur in Bay­ern, son­dern im gan­zen Land.

Stich­punkt Regio­nal­li­ga: Hier ste­hen die Ter­mi­ne für die Auf­stiegs­spie­le den baye­ri­schen Regio­nal­li­gis­ten gegen den Nord-Ver­tre­ter bereits fest, die Sai­son muss hier am 8. Mai been­det sein. 

Josef Jan­ker: Ja, das ist der Stand von heu­te. Natür­lich wis­sen wir um das Datum, und natür­lich ste­hen wir im Kon­takt mit dem Nor­den. Es bleibt uns gar nichts ande­res übrig, als die Pan­de­miela­ge im Blick zu hal­ten und uns dann über die Län­der­gren­zen hin­weg abzustimmen.

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