1 Jahr Pod­cast „Bam­berg bassd scho!“

„Die sind so wie sie sind“

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Die
Jonas Ochs, Daniel Oppl und Sebastian Niedermaier (von links) nach dem Dreh in der Gärtnerei Dechant. Foto: Manuel Werner
Vor einem Jahr star­te­te der Pod­cast „Bam­berg bassd scho“, von dem seit­dem alle zwei Wochen eine neue Fol­ge erscheint. Im Rah­men des Drehs einer Fol­ge in der Gärt­ne­rei Dechant haben die bei­den Gesich­ter des Pod­casts, Jonas Ochs und Sebas­ti­an Nie­der­mai­er, sowie Pro­du­zent Dani­el Oppl im Gespräch mit uns zurück und auch nach vor­ne geblickt.
Im Rück­blick auf das ers­te Pod­cast-Jahr, wel­che Sen­dung war dein High­light, Sebastian?

Sebas­ti­an Nie­der­mai­er: Ich wür­de gar nicht sagen, dass eine Fol­ge jetzt die bes­te Fol­ge war, die wir bis jetzt gemacht haben, denn es war eher die­se Gesamt­schau, dass wir jetzt ein­mal durch die gan­ze Stadt gezo­gen sind, all­ge­mein die Rei­se, die wir mit dem Pod­cast bis jetzt gemacht haben.


Wenn ihr euch auf den Pod­cast bei einem Dreh außer­halb des Stu­di­os, wie hier in der Gärt­ne­rei Dechant, vor­be­rei­tet, wie viel Zeit nimmt die Vor­be­rei­tung in Anspruch?

Jonas Ochs: Es ist natür­lich so, dass du man­che von Haus aus etwas bes­ser kennst. Wenn wir jetzt in einem Wirts­haus hocken, da müs­sen wir uns nicht so sehr ein­le­sen. Aber klar ist unser Anspruch, dass wir sagen, es ist eine gute Mischung aus Spon­ta­nei­tät, dass wir auch auf den Gast ein­ge­hen, auf das, was er erzählt, und dann auch nicht zu ver­kopft sind. Es soll ja trotz­dem immer auch ein locke­rer Plausch sein und auch die Fra­gen der Hörer mitbeantworten.


Es ist ver­mut­lich ein Unter­schied, ob ihr im Stu­dio oder wie hier bei der Gärt­ne­rei Dechant vor Ort dreht. Wie viel Vor­be­rei­tung steckt in einer Fol­ge für dich drin, Daniel?

Dani­el Oppl: Ganz am Anfang habe ich die Jungs ver­flucht, als sie gesagt haben, wir kön­nen auch mal raus­ge­hen. Oh, Mann. Oh, Mann. Oh, Mann. Was kommt da auf mich zu? Und jetzt, darf ich sagen, ich bin süch­tig danach, raus­zu­ge­hen. Wir kom­men an Orte, an die kommt man sonst nicht. Es war schon eine Her­aus­for­de­rung, aber jetzt lie­be ich das, raus­zu­ge­hen mit den Jungs, um was auf­zu­neh­men. Zur Fra­ge, wie ich mich vor­be­rei­te: Es ist jetzt schon eine Rou­ti­ne da. Du packst dei­nen Kof­fer, weißt genau, was du brauchst, weil es immer exakt das Glei­che ist. Und Vor­be­rei­tungs­zeit gibt es bei uns sonst eigent­lich kaum noch. Es ist so ein­ge­spielt, so rou­ti­niert, dass wir das fast aus dem Steg­reif machen. Und die Leu­te mögen das viel­leicht gar nicht so mit­be­kom­men, aber der Sebas­ti­an und der Jonas, die sind so wie sie sind. Da gibt es kein Skript. Die set­zen sich hin, dann lau­fen die Kame­ra und der Ton und die zwei sind authen­tisch, ohne irgend­wel­che gro­ßen Vorbereitungen.


Wie sieht dein Fazit nach einem Jahr aus, Jonas?

Jonas: Wahn­sinn und über­ra­gend, glau­be ich, sind zwei Begrif­fe, die das ganz gut aus­drü­cken. Ich habe nicht gedacht, dass die Bam­ber­ger so begeis­te­rungs­fä­hig beim The­ma Pod­cast sein kön­nen, weil es trotz­dem Etwas ohne den ganz gro­ßen Bums ist, da explo­diert nichts und du hast eine Ton­da­tei, jetzt schon auch mit einem recht schö­nen Bild, das ist natür­lich von Dan ultra­pro­fes­sio­nell gemacht, aber der Grund­ge­dan­ke war echt so „schau­en wir mal“. Und das ist, das sagen ja auch unse­re Reich­wei­ten, die wir da emp­fan­gen, das ist schon krass geil, wie das ange­nom­men wird.


Sebas­ti­an Nie­der­mai­er: Ich fin­de, es ist ja so ein Gegen-Modell zum aktu­el­len Trend. Du hast so ein­ein­halb Minu­ten als Auf­merk­sam­keits­span­ne bei Tik­Tok- und You­Tube-Vide­os oder Shorts und wir hau­en ja eine Fol­ge, jetzt waren wir bestimmt wie­der bei 40, 50 Minu­ten, raus. Und trotz­dem hören sich das die Leu­te an.

Dani­el Oppl: Inter­es­sant ist auch, dass von uns Vide­os über Insta­gram viral gehen kön­nen mit über 160.000 Auf­ru­fen, wer hät­te sowas gedacht?


Wie weit könnt ihr einen Ablauf im Vor­feld planen?

Sebas­ti­an: Heu­te haben wir uns qua­si eigent­lich nur auf­ge­schrie­ben… also ich hab mir nur auf­ge­schrie­ben, wir fan­gen an mit Feed­back, was kamen für Hörer­fra­gen aus den letz­ten Fol­gen raus, was hat sich so ein biss­chen erge­ben? Dann gehen wir auf den Phil­ipp Dechant ein, geben ihm die Büh­ne und las­sen ihn reden, was ihm wich­tig ist, was er zu sei­nem Betrieb erzäh­len will, zu sei­nem Stand­ort, zu sei­nem Stadt­teil. Und dann haben wir gesagt, wir wol­len einen Jah­res­rück­blick machen.

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Jonas Ochs (links) und Sebas­ti­an Nie­der­mai­er mit Gast­ge­ber Phil­ipp Dechant (Mit­te). Foto: Manu­el Werner

Jonas Ochs: Es ist ja auch unser The­ma. Um Bam­berg zu reprä­sen­tie­ren, braucht es gar nicht die kras­sen Spe­cial Effects und alle zwei Minu­ten ein Geräusch, das rein­fliegt, son­dern es ist ja auch so, wie wie wir es auch ken­nen­ge­lernt haben, wir sind ja auch mit Geschich­ten groß gewor­den, ent­we­der der Sebas­ti­an in der Gärt­ne­rei über sei­nen Vater oder ich über mei­nen Groß­va­ter in der Metz­ge­rei. Ich glau­be, das ist ja auch so ein wenig das The­ma, Leu­ten zuzu­hö­ren, die Geschich­ten zu erzäh­len haben. Von daher ist es auch, genau wie der Sebas­ti­an sagt, so ein biss­chen unser Geheim­re­zept, dass wir uns gar nicht vor­her ewig über etwas unter­hal­ten, son­dern drauf loslegen.

Jonas, du bist als Rap­per aktiv, arbei­test bei der Lebens­hil­fe in ver­ant­wor­tungs­vol­ler Posi­ti­on, machst auch Coa­chings und Rap-Work­shops. Wie bringst du das alles mit dem Pod­cast unter einen Hut? Und ist ein Pod­cast dei­ner Mei­nung nach auch über einen Zeit­raum von 20 Jah­ren mög­lich, so lan­ge wie du jetzt schon mit dei­ner Band Bam­bäg­ga aktiv bist?

Jonas Ochs: Im End­ef­fekt wer­de ich bis zu mei­nem letz­ten Atem­zug ver­su­chen, den Leu­ten Geschich­ten zu erzäh­len und das Leben kurz mal ein biss­chen aus den nor­ma­len Fugen zu brin­gen. Das ist schon auch mei­ne Idee. Und ob das auf der Büh­ne, im Radio oder eben über Pod­cast-For­ma­te ist, das ist erst­mal zweit­ran­gig. Ich will die Leu­te ein wenig raus­he­ben aus die­sem Gewöhn­li­chen. Mein Vater hat’s mal an mei­nem run­den Geburts­tag gesagt, hat gemeint, für Jonas wäre das nor­ma­le 9‑to‑5 nichts. Und ich lie­be das, mei­nen nor­ma­len Job, aber ich kann ihn auch nur so gut machen, weil ich mei­ne klei­nen Escape-Rooms habe im Leben. Also, Büh­ne ist mein Sport, Pod­cast ist mei­ne Intel­li­genz­för­de­rung, sag’ ich mal. Und mei­ne Elo­quenz. Das macht mir alles Spaß. Klar muss man zeit­öko­no­misch agie­ren. Aber das ist trotz­dem halt mei­ne Lei­den­schaft und das ist auch das Schöne.

Sebas­ti­an Nie­der­mai­er: Und wie der Jonas da ein­fach spon­tan eine Stun­de raus­bal­lert, in einer Reak­ti­ons­ge­schwin­dig­keit, da ken­ne ich nie­man­den, der das so kann.


Sebas­ti­an, du kan­di­dierst als Ober­bür­ger­meis­ter. Du als Kan­di­dat mit Bam­ber­ger Wur­zeln bist ja bekannt und beliebt und hast schon bei dei­nem erst­ma­li­gen Ein­zug in den Stadt­rat vor zwölf Jah­ren ein sehr gutes Ergeb­nis erzielt. Wie lie­ße sich das Amt des OB mit dem Pod­cast vereinbaren?

Sebas­ti­an Nie­der­mai­er: Dan hat es ja gesagt und uns geht es ja hier wirk­lich um die Spon­ta­ni­tät und die Authen­ti­zi­tät beim Pod­cast. Das heißt, es hält sich eigent­lich wirk­lich in Gren­zen und es ist jetzt auch für nie­man­den von uns ein gro­ßer Arbeits­auf­wand. Son­dern das ist ja wirk­lich Ent­span­nung und du bringst den Men­schen so viel Posi­ti­ves mit. Und gera­de in der Kom­mu­nal­po­li­tik kommst du doch manch­mal an die Gren­zen. Und was oft fehlt, ist die Nah­bar­keit von Poli­ti­kern, und des­we­gen ist sowas wie der Pod­cast, glau­be ich, ganz wich­tig, dass die Bam­ber­ger was Posi­ti­ves zu ihrer Stadt bekom­men und den Men­schen, den Poli­ti­ker, der dahin­ter steht, auch mal ein biss­chen mehr ken­nen­ler­nen. Ich glau­be, das ist ganz wich­tig, des­we­gen ver­stel­len wir uns auf kei­nen Fall.

Dani­el Oppl: Es ist gut, dass du das sagst. Es pas­siert kei­ner­lei Poli­tik bei den Abspra­chen oder wenn wir uns sehen und irgend­was bera­ten. Das ist über­haupt gar kein The­ma. Und das Gute ist, dass du so per­sön­lich ange­fan­gen hast, noch bevor irgend­wie was Kri­ti­sches pas­siert ist mit der Wahl. Und die Leu­te haben dich so ken­nen­ge­lernt, wie du tat­säch­lich bist. Und das kann man dir nicht mehr neh­men. Also, die wis­sen, wer der Sebas­ti­an Nie­der­mai­er ist. Tat­säch­lich, im ech­ten Leben ist der Sebas­ti­an wie vor der Kamera.


Hast du, Jonas, dir grund­sätz­lich auch schon mal Gedan­ken über poli­ti­sche Ambi­tio­nen gemacht?

Jonas Ochs: Ich ver­su­che auch ohne poli­ti­sches Amt schon, die Stadt trotz­dem in eine gewis­se Rich­tung zu brin­gen. Natür­lich ist Sebas­ti­an als Pod­cast-Kum­pel und mein Freund natür­lich mein Lieb­lings­kan­di­dat, aber ich las­se die Poli­tik für mich per­sön­lich raus aus dem Pod­cast. Ich freue mich, wenn Bam­berg auf lan­ge Zeit eine lebens­wer­te Stadt, eine sozi­al ein­ge­stell­te Stadt bleibt. Für mei­ne Kin­der auch vor allen Din­gen. Ich wür­de jetzt sagen, Poli­tik über­las­se ich lie­ber den Leu­ten, die Plan davon haben. Ich mache ger­ne mit bei Bene­fiz­ak­tio­nen, mit sozia­lem Enga­ge­ment, mit mei­ner Lebens­hil­fe­tä­tig­keit, mit unse­rer Musik, die auch poli­tisch ist, tra­gen wir dann unse­ren Teil als Teil der Stadt­ge­sell­schaft, als Band und als Ein­zel­per­son bei, aber jetzt nicht irgend­wie auf einer Liste.


Dei­ne Work­shops, zum Bei­spiel, gehen ja auch in Rich­tung Demokratie-Förderung.

Jonas: Genau, das ist ja unser Ding. Das ist ja Hip-Hop all­ge­mein schon. Das ist so: Hip-Hop ist poli­tisch. Und gegen Aus­gren­zung und Dis­kri­mi­nie­rung set­ze ich mich auch schon seit­dem ich den­ken kann ein. Das ist mir per­sön­lich auch wichtig.


Was war das Unge­wöhn­lichs­te, was ihr sei­tens der Hörer zu hören gekriegt habt?

Sebas­ti­an Nie­der­mai­er: Lus­tig fin­de ich, dass Leu­te uns zum Ein­schla­fen hören.

Dani­el Oppl: Was super ankommt bei den Leu­ten, sind die Emp­feh­lun­gen für Essen und Trin­ken. Dar­auf wer­de ich am meis­ten ange­spro­chen. „Kommt mal wie­der eine neue Fol­ge mit, wo es das und das gibt?“ Da sind sie alle ganz heiß drauf.


Was hat euch am meis­ten über­rascht in die­sem ers­ten Jahr eures Podcasts?

Jonas Ochs: Ich wür­de wirk­lich lügen, wenn ich sage, ich hät­te nicht gedacht, dass es so krass gut ankommt. Also ich habe es mir gewünscht, aber dass es wirk­lich so ist, ist dann trotz­dem eine Über­ra­schung. Ich habe auch nicht gedacht, dass wir immer wie­der neue The­men fin­den und es jedes Mal auch neu total span­nend wird. Dass ich sel­ber mich auch immer wie­der dar­auf freue.

Sebas­ti­an Nie­der­mai­er: Ich hät­te nicht gedacht, dass es so vie­le Emo­tio­nen bei den Men­schen aus­löst und dass die Leu­te auch mit einer emo­tio­na­len Anspra­che auf einen zukom­men. Sowas wie der Jonas, wo er den Satz mal gesagt hat, das Atri­um war die Mit­tags­be­treu­ung der 90er. Mit dem Spruch kön­nen sich ganz vie­le iden­ti­fi­zie­ren. Und da hat sofort jeder den Geruch vom Brun­nen mit dem Atri­um im Kopf, mit dem gan­zen Chlor da drin­nen. Also, wie du so Bil­der bei den Men­schen im Kopf erzeu­gen kannst. Das hät­te ich nicht gedacht, dass es so eine Wir­kung bekommt.

Dani­el Oppl: Tat­säch­lich ist es bei mir auch die pri­va­te Anspra­che. Die Leu­te kom­men, sind ganz per­sön­lich, erzäh­len dir irgend­wie was Pri­va­tes, einen Schwank aus dem Leben in Bezug auf einen Pod­cast. Weil das sie moti­viert oder inspi­riert hat.


Wie seid ihr mit der Fre­quenz zufrieden?

Sebas­ti­an Nie­der­mai­er: Super. Ich hät­te nicht gedacht, dass das auf so einem Niveau bleibt. Du hast ein­fach in einem Jahr eine soli­de Stamm­hö­rer­schaft auf­bau­en kön­nen. Das hät­te ich nicht gedacht.

Jonas Ochs: Jeder hat ja sei­ne eige­nen Bedeu­tungs­we­ge in einer Fol­ge. Und da ist es total krass, mal unab­hän­gig von den sehr guten Hörer­zah­len, die wir haben. Wir spre­chen über Bam­berg, wir sind ein Bam­berg-Pod­cast. Das Ding ist wirk­lich, es hat eine ganz eige­ne Fan­ba­se. Und das siehst du ja hier, die Leu­te kom­men aus Coburg hier­her gefah­ren. Du hast Jung und Alt, die Men­schen erzäh­len mir, wo sie das hören. Manch­mal wird es mir selbst an der Rewe-Kas­se ein biss­chen zu per­sön­lich, wo das anschei­nend läuft, und die mei­ne Stim­me hören oder die vom Sebas­ti­an. Und die Leu­te fan­gen die­ses Erzäh­len an. Das war ja auch die Idee von Sebas­ti­an, der auch im ers­ten Sin­ne die Idee zu dem Pod­cast hat­te, wirk­lich die Leu­te wie­der Bam­berg so nahe zu bringen.

Dani­el Oppl: Wir machen ja alle­samt gute Arbeit, mit dei­ner Poli­tik, mit dei­ner Musik, bei mir mit mei­nem Stu­dio. Und der Pod­cast ist das, wo ich tat­säch­lich am meis­ten ange­spro­chen wer­de. Egal, wel­che Pro­jek­te ich sonst mache. Tat­säch­lich, die Leu­te öff­nen sich von ganz alleine.

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