Am kommenden Sonntag, dem 17. Mai, findet in diesem Jahr der Internationale Museumstag statt. Museen auf der ganzen Welt nutzen diesen Tag, um mit besonderen Führungen, Rahmenprogrammen und speziellen Angeboten auf ihre Arbeit und ihre Bestände aufmerksam zu machen. So auch in Bamberg.
Museen sind Orte des Erinnerns und Entdeckens. Sie bewahren das kulturelle Erbe der Menschheit und präsentieren es der Öffentlichkeit in kuratierter Form. Doch Museen sind heute mehr als nur Räume, in denen jahrtausendealte Artefakte lagern. Die einstigen stillen Schatzkammern sind zu Orten der Begegnung, der Reflexion und des Lernens geworden. Sie sind Orte, an denen man durch den Dialog mit der Geschichte die eigene Identität erkennen und entwickeln kann. Mit ihren Ausstellungen, Bildungsangeboten und innovativen Projekten wollen Museen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Neugier wecken und gesellschaftlich relevante Themen ansprechen. So werden Museen zu lebendigen Räumen. Ein besonders lohnender Termin für den nächsten Museumsbesuch ist in diesem Jahr der 17. Mai, denn dann findet der Internationale Museumstag statt.
Die Arbeit und Leistungen der Museen würdigen
Seit seiner Einführung im Jahr 1978 durch den Internationalen Museumsrat ICOM macht der Museumstag auf die Bedeutung von Museen als Orte der kulturellen Begegnung aufmerksam. Ziel ist es, den Zugang zu Kunst, Kultur, Geschichte und Wissenschaft zu erleichtern, Hemmschwellen abzubauen und das Bewusstsein dafür zu stärken, welche Leistungen Museen in der Gegenwart erbringen. Der Eintritt ist daher in den meisten Museen an diesem Tag frei. Gleichzeitig soll der Tag den Dialog über aktuelle gesellschaftliche Themen anregen und durch Sonderaktionen, Führungen oder Workshops neue Besuchergruppen ins Museum locken. Das Motto des diesjährigen Tags, „Museums uniting a divided world” (Museen vereinen eine geteilte Welt), soll darauf aufmerksam machen, wie wichtig ein weltweiter gerechter Zugang zu Kultur, eine offene und inklusive Gesellschaft sowie eine Zusammenarbeit über institutionelle und nationale Grenzen hinweg sind.
Auch die Bamberger Museen begehen diesen Tag und laden am 17. Mai auf den Domberg ein. Neben freiem Eintritt wird auch ein spezielles Rahmenprogramm angeboten. Hier einige lohnende Ziele.
Die Ausstellung „Mauern der Macht: Die Alte Hofhaltung in Bamberg“
Inmitten der Weltkulturerbestadt Bamberg steht die Alte Hofhaltung. Sie ist ein Ort, an dem sich die Geschichte, die Autoritäten und die Architektur vergangener Jahrhunderte verdichten. Beschäftigt man sich ein wenig mit der Geschichte des Bauwerks, so wird deutlich, dass es ein eindrucksvolles Denkmal der Bamberger -, aber auch der europäischen Geschichte ist.
Mit der Ausstellung „Mauern der Macht: Die Alte Hofhaltung in Bamberg“, die bereits am 27. März 2026 eröffnet wurde und bis zum 1. November zu sehen ist, nimmt sich das historische Ensemble selbst zum Thema. Als Sitz des Kaisers und der Bamberger Bischöfe war die Hofhaltung einst ein mächtiges Symbol kirchlicher und weltlicher Autoritäten. Die Gebäude und Mauern tragen dieses Erbe bis heute in sich, da jede Epoche ihre baulichen Spuren hinterlassen hat.
Von der Burganlage zum Museum
Die Ursprünge der Hofhaltung liegen in einer frühmittelalterlichen Burganlage, die später von Kaiser Heinrich II. zu einer Kaiserpfalz ausgebaut wurde. Mit der Gründung des Bamberger Bistums im Jahr 1007 wurde die Anlage Sitz der Bischöfe und somit erste Residenz der Fürstbischöfe. Im Mittelalter wurde die Hofhaltung mehrfach erweitert und umgestaltet. So entstand ein geschlossener Hof, der die Wohn- und Wirtschaftsbereiche des Bischofs und des Domkapitels umfasste. Ihr heutiges Aussehen erhielt sie im 16. Jahrhundert. Mit der Schönen Pforte und dem Renaissance-Palas wurde die Hofhaltung für repräsentative Zwecke umgestaltet. Nach dem Umzug der Bischöfe in die Neue Residenz diente sie als Bibliothek und Verwaltungssitz. Seit 1938 beherbergt sie das Historische Museum.
Die Ausstellung „Mauern der Macht: Die Alte Hofhaltung in Bamberg“ gibt den Besucherinnen und Besuchern einen Einblick in die über tausendjährige Geschichte dieses Ortes. Thematisiert werden nicht nur das Leben der Mächtigen mit ihren Fehden, Konflikten, Kriegen und Feierlichkeiten, sondern auch das Leben der einfachen Leute wie Handwerker, Baumeister und Bedienstete, die ebenfalls hier lebten und arbeiteten.
Neben dem großen Ganzen werden auch Einzelschicksale, die mit der Hofhaltung verknüpft sind, beleuchtet. Zu nennen ist hier beispielsweise die Ermordung König Philipps von Schwaben im Jahr 1208, die sich im Pallas der Hofhaltung zutrug. Auch Georg Haas fand dort seinen Tod. Im Zuge der Hexenprozesse wurde der damalige Kanzler des Hochstifts in der Alten Hofhaltung hingerichtet. Auch die jüngere Geschichte wird beleuchtet, beispielsweise die Nutzung der Hofhaltung als Touristenziel, archäologische Ausgrabungsstätte und kultureller Veranstaltungsort, etwa für die jährlich stattfindenden Calderón-Festspiele.
Die bauliche Entwicklung nachvollziehen
Das Team des Historischen Museums Bamberg hat zahlreiche Objekte aus den Sammlungen der Museen der Stadt Bamberg zusammengetragen und eine interessante Ausstellung rund um ihr Museumsgebäude kuratiert. Zu sehen gibt es historische Darstellungen, interessante Dokumente aus den unterschiedlichen Epochen, sowie 3D-Modelle und Medienstationen, die die Entwicklung der Alten Hofhaltung nachvollziehbar machen. Ergänzt wird die Ausstellung durch interaktive Erlebnisstationen und ein vielseitiges Rahmenprogramm zum Internationalen Museumstag am 17. Mai.
Zeitgleich mit der Ausstellungseröffnung von „Mauern der Macht: Die Alte Hofhaltung in Bamberg“ am 27. März wurden auch die ständigen Ausstellungen des Historischen Museums aus dem Winterschlaf erweckt und dem Publikum zugänglich gemacht. „Jüdisches in Bamberg“, der „Bilderspaziergang“ durch die Gemäldegalerie im Historischen Museum und „Eine neue Zeit bricht an“ über das Bamberger Bürgertum sind die Klassiker der Bamberger Museumslandschaft und immer wieder einen Besuch wert.
Anlässlich des E.T.A.-Hoffmann-Jubiläumsjahres lädt der „E.T.A.-Hoffmann-Tanzsaal“ im Historischen Museum zur Entdeckung seiner phantastischen Welt ein. Seit dem 29. April präsentieren die Preisträger des Berganza-Preises des Bamberger Kunstvereins ihre zum Thema passenden Werke. Die Ausstellung wird durch eine hoffmanneske Veranstaltungsreihe mit Lesungen, Vorträgen und Workshops ergänzt, die die Vielschichtigkeit des Künstlers zeigen.
Alle Ausstellungen im Historischen Museum Bamberg sind bis zum 1. November 2026 zu sehen.
Staatsbibliothek Bamberg: „Vergessene Kunst in Bamberg: Alexej Borutscheff“
Gleich nebenan in der Staatsbibliothek Bamberg widmet sich die Ausstellung „Vergessene Kunst in Bamberg: Alexej Borutscheff” einem moderneren Künstler. Er war, wie E.T.A. Hoffmann, kein gebürtiger Bamberger, hat aber, wie Hoffmann, die Bamberger Kunstszene entscheidend geprägt.
Alexej Archipowitsch Borutscheff wurde 1911 in Russland geboren. In den 1930er Jahren studierte er Architektur und Kunst in Moskau. Während des Zweiten Weltkriegs geriet er als Offizier der Roten Armee in deutsche Kriegsgefangenschaft und kam 1945 nach Bamberg, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1994 lebte.
„Fragiles Erbe – bleibendes Licht“: Museumstag im Diözesanmuseum
Im Diözesanmuseum nebenan widmet man sich mit der am 16. Mai eröffnenden Ausstellung „Fragiles Erbe – bleibendes Licht“ dem Bamberger Andreasfenster. Im Zuge der Restaurierung der Andreaskapelle im Bamberger Dom wurde das Glasfenster untersucht und konserviert, um seine historische Bemalung zu sichern. Das Fenster ist das einzige erhaltene, mittelalterliche Buntglasfenster im Dombestand und stammt aus dem frühen 15. Jahrhundert. Am Internationalen Museumstag haben Besucher die Möglichkeit, live bei der Restaurierung dieses Kulturschatzes dabei zu sein und den Experten bei der Arbeit zuzusehen. Zudem sind eine interaktive Station für Kinder und Vorträge über mittelalterliche Glasproduktion geplant. Das Museumscafé wird ebenfalls geöffnet sein.
Bumiller Collection /Universitätsmuseum für Islamische Kunst
Auch die Bumiller Collection /Universitätsmuseum für Islamische Kunst beteiligt sich mit einem Programm am Internationalen Museumstag. Die Bumiller Collection zählt zu den bedeutendsten Sammlungen frühislamischer Kunst.
Sie stammt aus den Erwerbungen des Sammlers Manfred Bumiller und ist heute im Universitätsmuseum für Islamische Kunst in der Austraße in der Bamberger Inselstadt beheimatet. Am Museumstag findet um 10:30 Uhr eine Führung durch die Sammlung statt. Zu sehen gibt es Keramiken, Glas, Schriftstücke und Elfenbeinobjekte aus den Kulturen entlang der Seidenstraße. Um 14 Uhr wird Rolf-Bernhard Essig in den Museumsräumlichkeiten einen gewohnt kurzweiligen Vortrag mit dem Titel „Die fliegende Ziege und ein Esslöffel Öl” halten.
Viel geboten am Dom
Zum Internationalen Museumstag wird in Bamberg viel geboten. Die Teams der Bamberger Museen haben sich Mühe gegeben, um den Besucherinnen und Besuchern mittelalterliche Machtzentren, vergessene Kunstschätze, Hoffmanns fantastische Welten und frühislamische Kunst zu zeigen. Wer am 17. Mai den Weg auf den Domberg und in die Bamberger Innenstadt findet, unternimmt eine Reise durch die Epochen und erlebt, wie Museen Menschen, Geschichten und Perspektiven miteinander verbinden. So wird das Motto „Museums uniting a divided world” ganz konkret erfahrbar – und das mitten im Schatten des Doms.
Ausführliche Informationen zum Programmablauf sind auf der Homepage zu finden.
