ArtEast Thea­ter Bam­berg e. V. 

“Kraut­sup­pe, tief­ge­fro­ren” von Vla­di­mir Sorokin

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Das „ArtEast“ vor ausverkauftem Haus im JuZ Bamberg am Margaretendamm mit "Krautsuppe, tiefgefroren", Foto: Alexander Roßbach
Das ArtEast Thea­ter Bam­berg begeis­tert Kul­tur­in­ter­es­sier­te immer wie­der mit sei­nen Auf­füh­run­gen, zuletzt wur­de Vla­di­mir Soro­kins “Kraut­sup­pe, tief­ge­fro­ren” gespielt. Ein wahr­lich gro­tes­kes Dra­ma erzählt mit aller Här­te über die Absur­di­tät von Ideologien.

Wir befin­den uns im Jahr 2040. Die Grü­nen haben unwi­der­ruf­lich die Herr­schaft im Ver­ei­nig­ten Eura­si­en an sich geris­sen. Infol­ge­des­sen steht sowohl auf Tier­tö­tung als auch auf die blo­ße Vieh­zucht Gefäng­nis, wodurch zahl­rei­che Meis­ter alter (fleisch­hal­ti­ger) rus­si­scher Koch­kunst sich gezwun­ge­ner­ma­ßen in mafia­ähn­li­chen Struk­tu­ren auf­grund der vor­han­de­nen Gene­ral­über­wa­chung im Öko­staat im Unter­grund orga­ni­sie­ren müs­sen und sich in einem ste­ti­gen Kampf um ver­bo­te­ne Rezep­te und rare Zuta­ten befin­den. Alles in allem ein äußerst gro­tes­kes Dra­ma, das uns womög­lich mehr über die Absur­di­tät von Ideo­lo­gien nahe­le­gen möch­te und dar­über hin­aus auf aktu­el­le Pro­ble­ma­ti­ken poli­ti­scher und gesell­schaft­li­cher Natur hinweist.

Euge­ni­ya Ersho­va, Ben­ja­min Geh­rig, Micha­el Jan­de­j­sek, Chris­ti­ne Ren­ker, Michel­le Wie­der­kehr und Alex­an­dra Kaga­now­s­ka als Schau­spie­le­rIn­nen woll­ten unter der Regie von Kris­ti­na Kroll (Per­for­mance: „Lach­pil­len­on­kel“) ihren „Umgang mit der Welt“ in den Vor­der­grund stel­len, wie die Regis­seu­rin sagt. Sie erklärt, wes­halb sie sich genau für die­ses Stück ent­schied: „Die The­ma­tik des Kli­ma­schut­zes ist bekannt­lich nicht erst seit ges­tern von enor­mer Bedeu­tung, rück­te bedingt durch die Wah­len jedoch wie­der zuneh­mend in den Fokus. “Kraut­sup­pe, tief­ge­fro­ren“ kari­kiert eine öko­lo­gi­sche Anti-Uto­pie. Hier­bei steht unser Umgang mit der Welt im Vor­der­grund, jedoch wird auch auf kapi­ta­lis­ti­sches Den­ken sowie eine gesell­schaft­li­che Abkehr von Tra­di­tio­nen und Kul­tur Bezug genom­men. Das Stück bie­tet eine wun­der­ba­re Grund­la­ge, um Schief­la­gen in der Gesell­schaft auf­zu­zei­gen ohne dabei zu dik­tie­ren, was rich­tig und falsch ist.“

Borschtsch à la Mos­kau, Koch mit Amts­ge­walt, wird wegen Zube­rei­tung von öko­lo­gisch schäd­li­chen Spei­sen zum wie­der­hol­ten Male in ein Son­der­straf­la­ger geschickt. Ihm gelingt letzt­lich die Flucht, sodass er sich auf den Weg macht, um einen ris­kan­ten Auf­trag zu erfül­len. Der Koch macht sich mit sei­ner Bei­schlä­fe­rin Laris­sa auf die Suche nach der „Pas­tu­chov­schen Kol­lek­ti­on“ – eine gefro­re­ne Kraut­sup­pe uner­mess­li­chen Wer­tes, die ein Meis­ter­koch im Ver­bor­ge­nen in 30 Rezept­va­ria­tio­nen für die Nach­welt der Fleisch­lieb­ha­ber kre­iert hat. Dabei herrscht eine stän­di­ge Grad­wan­de­rung zwi­schen Sex, psy­chi­scher Gewalt und einer brei­ten Aus­wahl von Obs­zö­ni­tä­ten, die gekonnt auf poli­ti­sche Unstim­mig­kei­ten im aktu­el­len Welt­ge­sche­hen auf­merk­sam machen.

“Kraut­sup­pe, tief­ge­fro­ren“ signa­li­siert, dass jede Geis­tes­hal­tung, Gesin­nung oder sogar eine – posi­tiv gemein­te – strik­te Welt­an­schau­ung neben den klar ersicht­li­chen Vor­tei­len auch diver­se Nach­tei­le mit sich brin­gen kann – umge­kehrt selbst­ver­ständ­lich genau­so. Dabei wird nichts­des­to­trotz immer wie­der unter­schwel­lig dar­auf hin­ge­deu­tet, dass man bestimm­ten Mei­nungs­fak­to­ren in der Gesell­schaft – ob man die­se unter­stützt, ist dabei zweit­ran­gig – zumin­dest ein Gehör ver­schafft und sich selbst und sein Han­deln in der kapi­ta­lis­ti­schen Welt – ohne Rück­sicht auf die Natur – hin­ter­fra­gen soll­te. Denn: Woher nimmt der Mensch sich eigent­lich das Recht, so zu sein, wie er sich in den heu­ti­gen „Amou­ren der Welt“ verhält?

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