Die Künstlervereinigung „Form+Farbe e. V. Kunstschaffende in Franken“ feiert in diesem Jahr, unter anderem mit einer großen Jubiläumsausstellung von Anfang September bis Ende Oktober, ihr 50-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass durften wir Barbara Winkler und Andrea Landwehr-Ratka, beide Vorstände des Vereins, interviewen.
Frau Winkler und Frau Landwehr-Ratka, in diesem Jahr feiert der Verein „Form+Farbe e. V. Kunstschaffende in Franken“ sein 50-jähriges Jubiläum, unter anderem mit einer großen Jubiläumsausstellung vom 7. September bis 26. Oktober. Was zeigen Sie in der Ausstellung?
Barbara Winkler: Unsere Jahresausstellung findet jedes Jahr auf der Giechburg statt. Dabei müssen grundsätzlich neue aktuelle, noch nicht ausgestellte Werke eingereicht werden. Unsere Kunstschaffenden arbeiten in den verschiedensten Sparten der Bildenden Kunst wie Malerei, Bildhauerei, Installation oder Ton, Glas oder Filz. In diesem Jahr machen wir eine Ausnahme und es dürfen auch Werke älteren Datums gezeigt werden. Sie sollen repräsentativ für die jeweiligen Künstler sein – sozusagen ein „BEST OF“ für Form+Farbe, zugleich ein Rückblick.
Andrea Landwehr-Ratka: Wir haben aber auch einige neue, junge Künstlerinnen und Künstler dazugewonnen. Wir freuen uns sehr, deren Werke erstmalig zu zeigen.
Wie sind Sie auf den besonderen Ort der Giechburg in Scheßlitz gekommen und wo wird die Ausstellung dort konkret zu sehen sein?
Andrea Landwehr-Ratka: Die Landräte waren dem Verein immer schon wohlgesonnen. Seit der Renovierung des Turms Anfang der 80-er Jahre sind wir jedes Jahr auf der Giechburg vertreten. Wir waren die erste Künstlervereinigung, die im Giech ausstellen durfte. Zuvor hatte der Verein bereits Kontakte zum Landratsamt und stellte dort aus. Die Vereinsgründung war übrigens am 7. Mai 1975 in Wunsiedel. Nachdem der damalige Vorsitzende Erhard Sommer nach Bamberg übergesiedelt war, wurden Kontakte zum Landratsamt geknüpft.
Welche Highlights erwarten Sie bei der Vernissage, die am 14. September stattfindet, zusätzlich?
Barbara Winkler: Auf jeden Fall wird unser Allround-Künstler Sepp Kuffer die Vernissage musikalisch begleiten. Sepp ist neben der Malerei auch als Schriftsteller, Filmemacher und Musiker aktiv. Für Kinder und Jugendliche planen wir ein Quiz zu den ausgestellten Werken. Jede Teilnahme wird mit einer Kleinigkeit belohnt. Natürlich gibt es wie immer Sekt und Häppchen, damit wir auf unser Jubiläum anstoßen können. Der Landrat Johann Kalb wird persönlich anwesend sein.
Wie viele Künstlerinnen und Künstler zählt ihr Verein aktuell, welche sind in der Region besonders bekannt und sind auch noch Mitglieder aus den Anfängen in den 1970er Jahren dabei oder haben Sie langjährige Mitglieder, von denen Sie gerne erzählen möchten?
Andrea Landwehr-Ratka: Wie schon gesagt, der Verein wurde am 7. Mai 1975 in Wunsiedel gegründet. Von den Gründungsmitgliedern ist keiner mehr am Leben. Viele der älteren Mitglieder sind jedoch noch sehr aktiv. So vertritt Margot Sühler seit Jahren unseren Verein beim Kinderfest auf der Giechburg und hält Töpferkurse, darüber hinaus ist sie seit Jahrzehnten Mitglied im Beirat. Johanna Pohl war lange Jahre Vorsitzende und wirkt bis heute in Jury und Beirat mit. Auch sie gab jahrelang Workshops.
In den Workshops des Vereins kann man in der Praxis viel über Kunst lernen: über das Zeichnen, Malen oder auch den Werkstoff Keramik. Welche besonderen Workshops stehen im Jubiläumsjahr auf dem Programm und für welche Altersgruppen sind sie gedacht?
Barbara Winkler: Ein Workshop für Kinder mit dem Titel „ABENTEUER ZEICHNEN“ fand bereits in den Osterferien statt. Für Kinder und Jugendliche sind diese Workshops übrigens kostenlos. Dadurch können wir unsere Gemeinnützigkeit zeigen. Margot Sühler bietet zwei Töpferkurse mit dem Titel „TÖPFERN MIT GOURMETEINLAGE“ in ihrem Atelier an. Unsere Kurse können auch von Außenstehenden besucht werden. Im vorigen Jahr hat sich Form+Farbe auch bei den Nachhaltigkeitstagen in Coburg mit einer Ausstellung beteiligt. Zu unserem Thema „Fußabdruck“ fand begleitend ein Workshop für Kinder und Jugendliche statt. Beide Veranstaltungen waren sehr erfolgreich für uns.
Der regelmäßige Künstler-Stammtisch des Vereins steht für kreativen Austausch, Inspiration und Vernetzung. Was macht für Sie und die Künstlerinnen und Künstler diese Treffen aus?
Andrea Landwehr-Ratka: Die künstlerische Arbeit findet in der Regel alleine im eigenen Atelier statt. Zudem sind wir Künstler*innen in ganz Franken weit verstreut. Da wir keine eigenen Vereinsräume haben, ist der Stammtisch besonders wichtig. Wir treffen uns regelmäßig am ersten Mittwoch eines Monats, jedoch an wechselnden Lokalitäten. Genaueres kann man der Website des Vereins unter www.formundfarbe-bamberg.com entnehmen. Der Stammtisch gibt uns die Möglichkeit zum zwanglosen Miteinander und Austausch und fördert den Zusammenhalt.
Wie lange sind Sie selbst jeweils schon in die ehrenamtliche Vereinsarbeit eingebunden und was ist Ihnen dabei besonders wichtig?
Barbara Winkler: Ich bin seit 2005 Mitglied bei Form+Farbe und seit 2012 mit kurzer Unterbrechung dessen Vorsitzende.
Andrea Landwehr-Ratka: Ich bin seit 2012 Mitglied und seit 2021 2. Vorsitzende.
Barbara Winkler: Der Verein schafft Ausstellungsmöglichkeiten, die der einzelne nicht bewerkstelligen könnte. Uns ist wichtig, dass die Ausstellungen gut konzipiert sind. Um die Qualität zu bewahren, ist eine strenge Jurierung notwendig.
Andrea Landwehr-Ratka: Auch gute Öffentlichkeitsarbeit ist notwendig! Ich möchte unsere Mitglieder motivieren mitzugestalten, ihnen Mut machen… ein offenes Ohr haben.
Barbara Winkler: Mir ist außerdem wichtig, dass die einzelnen Werke so angeordnet sind, dass sie sich positiv beeinflussen und ergänzen. Das ist jedes Mal auf´s Neue ein spannender Prozess!
Worin sehen Sie für den Verein Entwicklungspotenzial?
Andrea Landwehr-Ratka: Das Potenzial ist in jedem einzelnen von uns. Je kreativer und offener wir sind, desto mehr wird möglich. Das konnte man an unserem Projekt 1000 Jahre St. Stephan sehen, das wir in der Corona-Zeit durchzogen. Damals waren die Kirchen die einzigen Orte, die den Menschen zugänglich waren. Oder unser Recycling-Projekt, das so erfolgreich war, dass es nach der Giechburg ins Bauernmuseum nach Frensdorf und anschließend ins Steigerwaldzentrum wanderte.
Barbara Winkler: Natürlich ist es auch wichtig, immer wieder neue junge Mitglieder zu gewinnen.
Gibt es konkrete Zukunftsprojekte, über die Sie uns schon etwas verraten können oder möchten?
Barbara Winkler: Zum Jubiläum erscheint ein wunderbares Booklet, das rechtzeitig zur Ausstellung zur Verfügung steht. Auch damit geben wir unseren Mitgliedern die Möglichkeit, öffentlich in Erscheinung zu treten.
Andrea Landwehr-Ratka: Zusätzlich haben wir in diesem Jahr ein neues Format entwickelt, wir nennen es „Gespräche über K(uns)t. Einzelne Mitglieder bringen sich mit ihren eigenen Themen ein und öffnen ihre Ateliers für einen Abend. Sepp Kuffer hat den Anfang mit einem dadaistischen Vortrag gemacht. Im Gespräch ist auch ein Gang durch den Wald mit der Möglichkeit, in sich zu gehen und die Gestaltungsmöglichkeiten, die der Wald bietet, künstlerisch zu nutzen. Dieses Angebot kommt von unserem Mitglied Herbert Herlitz.
