Lesung „Die Stadt der Vergessenen“

Lite­ra­ri­scher Spaziergang

2 Min. zu lesen
Literarischer Spaziergang: Thomas Heilmann (links) und Pablo Noval
Thomas Heilmann (links) und Pablo Noval
Mit einem lite­ra­ri­schen Spa­zier­gang erweckt Tho­mas Heil­mann nächs­ten Mitt­woch Pablo Novals Roman „Die Stadt der Ver­ges­se­nen“ zum Leben. Wir haben den Buch­händ­ler zum Inter­view getroffen.

Die geschmück­ten Fas­sa­den Bam­bergs prä­de­sti­nie­ren die Stadt auf den ers­ten Blick nicht unbe­dingt als Kulis­se für Kri­mi­nal­ge­schich­ten. Zahl­rei­che Bam­berg-Kri­mis zeich­nen jedoch ein gegen­tei­li­ges Bild: Hin­ter die­sen Fas­sa­den schei­nen Mord und Tot­schlag zu herr­schen. So auch in Pablo Novals Mys­te­ry-Kri­mi „Die Stadt der Ver­ges­se­nen“. Der Roman des Spa­ni­ers, der seit meh­re­ren Jah­ren in Bam­berg lebt, han­delt von Max Dress­len, der in die Dom­stadt zieht, um sein Stu­di­um zu been­den. Der Vor­mie­ter sei­ner Woh­nung in der Con­cordia­stra­ße, Rai­ley, kam unter unge­klär­ten Umstän­den ums Leben. Zusam­men mit des­sen Toch­ter Eli­sa­beth ver­sucht Max, die Hin­ter­grün­de des Ver­bre­chens aufzuklären.

An den Sta­tio­nen eines lite­ra­ri­schen Spa­zier­gangs liest Tho­mas Heil­mann Pas­sa­gen des Romans an eini­gen sei­ner Schau­plät­ze vor. Zwi­schen Con­cordia­stra­ße, Dom, Unte­rer Brü­cke und Kra­nen eröff­net sich dem Publi­kum mehr und mehr, wie Max und Eli­sa­beth den Geheim­nis­sen um Rai­leys Tod auf die Spur kommen.

Herr Heil­mann, war­um haben Sie für den lite­ra­ri­schen Spa­zier­gang das Buch „Die Stadt der Ver­ges­se­nen“ von Pablo L.T. Noval ausgewählt?

Tho­mas Heil­mann: Wir, Pablo und ich, hat­ten geplant, eine Lesung mit „Die Stadt der Ver­ges­se­nen“ zu ver­an­stal­ten und haben einen Rah­men gesucht, in dem das unter Coro­na-Umstän­den klappt. In innen­lie­gen­den Räu­men ist gera­de wegen der Abstand­re­ge­lun­gen zu wenig Platz, wes­we­gen wir die Lesung nach drau­ßen ver­legt und sie gleich mit einem Spa­zier­gang zu meh­re­ren Sta­tio­nen aus dem Buch ver­bun­den haben.

Hat das Buch aktu­el­le Bezü­ge, die sich beto­nen lassen?

Tho­mas Heil­mann: Ja. Der Prot­ago­nist lebt zurück­ge­zo­gen und in gewis­ser Wei­se in Iso­la­ti­on. Das könn­te man anwen­den auf die Umstän­de des Lockdowns.

Was braucht ein Werk, um die Grund­la­ge eines sol­chen Spa­zier­gangs abge­ben zu können?

Tho­mas Heil­mann: In dem Fall bot es sich natür­lich an, weil der Roman in Bam­berg spielt und man die Schau­plät­ze mit Lesun­gen ver­bin­den kann. Gene­rell, glau­be ich, braucht ein Buch aber kei­ne bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen, um so eine Lesung in die Wege zu leiten.

Schwingt die Absicht mit, der Lite­ra­tur dadurch eine zusätz­li­che Tie­fe oder Wer­tig­keit zu verleihen?

Tho­mas Heil­mann: Ja, ich den­ke schon, dass sich so eine neue Tie­fe errei­chen lässt. Auch durch das Pro­kla­mie­ren­de des Lesens. Vor kur­zem haben wir ja bereits einen lite­ra­ri­schen Spa­zier­gang mit „Ulys­ses“ von James Joy­ce ver­an­stal­tet. Danach kamen Gesprä­che über das Werk zustan­de, die sonst wahr­schein­lich nicht geführt wor­den wären. Es gibt wäh­rend­des­sen ein­fach mehr zu sehen als bei einer Was­ser­glas-Lesung, bei der einer vor­ne sitzt und liest. Durch den Spa­zier­gang ent­steht eine Öff­nung des Raums, die die Lite­ra­tur für das Publi­kum mit der Umge­bung ver­bin­det, in der sich die Leu­te befinden.

Kommt dabei auch ein dar­stel­le­ri­scher Aspekt hin­zu? Wer­den Sie die Figu­ren im Roman ein wenig spielen?

Tho­mas Heil­mann: Nein, das nicht, aber mit ver­schie­de­nen Stim­men wer­de ich teil­wei­se spre­chen, um an die Cha­rak­te­re näher ranzugehen.

Was macht gutes Vor­le­sen aus?

Tho­mas Heil­mann: Wenn man wäh­rend der Vor­be­rei­tun­gen auf eine Lesung beginnt, den Text fast aus­wen­dig zu kön­nen, ist man tief in ihm drin und fängt an, die Schwin­gun­gen und die Atmo­sphä­re, die in den Sät­zen ent­ste­hen, zu spü­ren. Ich den­ke, ein guter Vor­le­ser soll­te so im Text drin sein, dass er durch Sprach­rhyth­mus und Ton­la­ge die­se Schwin­gun­gen über den Text hin­aus trans­por­tiert und ver­sucht, sie dem Publi­kum bemerk­bar zu machen.

„Die Stadt der Ver­ges­se­nen“ ist eine Kri­mi­nal­ge­schich­te. Ist Bam­berg mit sei­nen pit­to­res­ken Fach­wer­ken eine gute Kulis­se für sol­che Erzählungen?

Tho­mas Heil­mann: Ja, wür­de ich behaup­ten. Es ist ja nicht nur schön, son­dern auf gewis­se Wei­se schwingt auch immer so eine E.T.A.-Hoffmann-mäßige Düs­ter­nis mit. Gera­de, wenn man nachts durch die alten Gas­sen läuft.

Pablo Noval wird beim lite­ra­ri­schen Spa­zier­gang dabei sein und eini­ge Anek­do­ten bei­steu­ern. Was erwar­tet das Publi­kum dabei?

Tho­mas Heil­mann: Er hat mir noch nicht genau gesagt, was er da geplant hat. Aber ich den­ke, er wird auf Inspi­ra­tio­nen und Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Romans eingehen.

Lite­ra­ri­scher Spa­zier­gang – „Die Stadt der Vergessenen“

Mitt­woch, 29. Juli, 19 Uhr, Pfahlplätzchen

Um Anmel­dung wird gebe­ten unter:

www.facebook.com/events/309060657169189

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