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Bamberg - Page 45

Neu­er Vor­stand des MIB

“Die Her­aus­for­de­run­gen der Inte­gra­ti­on wer­den nicht kleiner”

Der Migran­tin­nen- und Migran­ten­bei­rat der Stadt Bam­berg (MIB) hat sei­nen neu­en Vor­stand gewählt. Seit Anfang März lei­ten, wie sie es im zurück­lie­gen­den Jahr bereits kom­mis­sa­risch taten, Mitra Sha­ri­fi und Mar­co Depiet­ri als Dop­pel­spit­ze den MIB. Wir haben mit den bei­den über die kom­men­den Auf­ga­ben, die Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie auf Inte­gra­ti­on und Iden­ti­täts­po­li­tik gesprochen.

Frau Sha­ri­fi, Herr Depiet­ri, wie­so sind Sie zur Wahl als Dop­pel­spit­ze angetreten?

Mitra Sha­ri­fi: Als unser ehe­ma­li­ger Vor­sit­zen­der Moha­med Adda­la 2018 zurück­ge­tre­ten ist, habe ich den Vor­schlag gemacht, mit einer Dop­pel­spit­ze wei­ter­zu­ma­chen. Ers­tens weil ich fin­de, dass der Vor­sitz des MIB eine Auf­ga­be ist, die sich auch gut von zwei Leu­ten machen lässt und zwei­tens, weil wir auch im Vor­stand, und in unse­ren Struk­tu­ren, Diver­si­tät haben möch­ten. Und in der Zeit, in der Herr Depiet­ri und ich als Dop­pel gear­bei­tet haben, haben wir fest­ge­stellt, dass die­se Kon­stel­la­ti­on sehr gut funk­tio­niert. Wir ergän­zen uns und kön­nen gut mit­ein­an­der. Des­halb wur­de die Sat­zung des MIB dahin­ge­hend geän­dert, dass auch zwei Leu­te den Vor­stand inne­ha­ben kön­nen, und wir haben uns gemein­sam zur Wahl gestellt.

Mar­co Depiet­ri: Ich muss sagen, dass ich am Anfang ein biss­chen skep­tisch gegen­über der Sat­zungs­än­de­rung war, weil wenn immer zwei Leu­te zur Wahl antre­ten müs­sen, aber der Fall ein­tritt, dass sie sich nicht ver­ste­hen, müss­te man die Sat­zung wie­der zurück­än­dern. Eine Dop­pel­spit­ze kann nur funk­tio­nie­ren, wenn man sich gut ver­steht. Dar­um sieht die Sat­zung jetzt vor, dass auch ande­re Sze­na­ri­en ohne Dop­pel mög­lich sind und bei Bedarf eine Per­son Vorsitzende*r wer­den kann.


Wer hat wel­che Aufgaben?

Mitra Sha­ri­fi: Ganz genau haben wir die Auf­ga­ben noch nicht fest­ge­legt. Aber Herr Depiet­ri über­nimmt zum Bei­spiel schon jetzt sehr viel unse­re Online-Arbeit. Gera­de in der Pan­de­mie hat er uns damit sehr gehol­fen. Auch im Bereich Stadt­teil­ar­beit, in dem wir noch mehr machen wol­len, ist stär­ker Mar­cos Auf­ga­be. Die Orga­ni­sa­ti­on der Inter­na­tio­na­len Wochen gegen Ras­sis­mus, die gera­de zu Ende gegan­gen sind, habe hin­ge­gen ich über­nom­men. Abge­se­hen von uns zwei haben wir im Vor­stand sehr kom­pe­ten­te und enga­gier­te Kolleg*innen, mit denen wir die Auf­ga­ben tei­len werden.


Bei der Wahl gab es kei­ne Gegenkandidat*innen. Trotz­dem gin­gen, bei einer ungül­ti­gen Stim­me, nur 13 von 20 Stim­men an Sie. Sechs Per­so­nen haben also gegen Sie gewählt. Wie gehen Sie mit die­ser Ableh­nung um?

Mitra Sha­ri­fi: Ich glau­be, dass die­se sechs Leu­te im MIB immer noch star­ke Pro­ble­me mit dem Wahl­brief der SPD von 2019 haben, der mög­li­cher­wei­se gegen den Daten­schutz ver­sto­ßen hat. Die­ser mög­li­che Ver­stoß hat aber nichts mit dem MIB zu tun. Der Bei­rat hat­te nichts falsch gemacht, son­dern die Stadt­ver­wal­tung hat­te die Daten an die SPD gege­ben. Das ist nach dem Wahl­ge­setz erlaubt, aller­dings nur nach Alter und Adres­se sor­tiert. Ver­wal­tung und Ober­bür­ger­meis­ter hat­ten ange­nom­men, dass die Sor­tie­rung von Adres­sen auch nach dem Merk­mal der Natio­na­li­tät erlaubt sei, was nun von einem Gericht anders gese­hen wur­de. Aber der MIB hat­te mit dem Gan­zen gar nichts zu tun. Im Übri­gen war Herr Adda­la auch mit 13 Stim­men gewählt worden.


Wer­den Sie ver­su­chen, die­se sechs Leu­te umzustimmen?

Mar­co Depiet­ri: Das ist auf jeden Fall unser Wunsch. Ob wir das hin­krie­gen, wird sich zei­gen. Aber das Ver­trau­en wie­der her­zu­stel­len, ist kei­ne Ein­bahn­stra­ße – es muss auch etwas von die­sen Leu­ten kom­men. Wir wer­den aber nicht ver­su­chen, die kri­ti­schen Stim­men zu iso­lie­ren. Es gibt viel zu tun und wir kön­nen unse­re Auf­ga­be nur gemein­sam bewältigen.

Mitra Sha­ri­fi: Wir haben uns dar­um bemüht, die Beden­ken die­ser Kolleg*innen aus­zu­räu­men. Lei­der haben wir das noch nicht geschafft. Mir scheint, dass sich die Ver­hält­nis­se bei die­sem The­ma ein biss­chen fest­ge­fah­ren haben. Es gab auch For­de­run­gen, Mar­co sol­le nicht zur Wahl antre­ten oder die Wahl zu ver­schie­ben, bis der Pro­zess gegen den OB geklärt ist. Aber eine gro­ße Mehr­heit im Bei­rat hat dies abge­lehnt und will nach vor­ne schau­en. Wir arbei­ten dar­an, dass Ver­trau­en wie­der ent­steht. Ich hof­fe, dass Mar­co an sei­nen Taten beur­teilt wird und Stadt­rat, Par­tei­en und Medi­en uns die Chan­ce geben, unse­re Arbeit zu machen.


Aber fin­den Sie die Beden­ken bezie­hungs­wei­se Anschul­di­gun­gen an sich falsch?

Mar­co Depiet­ri: Ich habe die Sache schon in der öffent­li­chen Sit­zung vom April 2020 erläu­tert und geklärt und mich für die Irri­ta­tio­nen ent­schul­digt. Das habe ich dann auch in ande­ren Sit­zun­gen sowie zuletzt in der Wahl­sit­zung wie­der­holt. Man konn­te im Vor­feld nicht wis­sen, wel­che Aus­wir­kun­gen der Wahl­brief hat. Es gibt im MIB zwar auch Mit­glie­der, die den Brief nicht für einen Feh­ler hal­ten, aber ich habe auch gesagt, dass jede Irri­ta­ti­on eine Irri­ta­ti­on zuviel ist. Es ist natür­lich berech­tigt, dass ande­re anders den­ken. Aber ich habe in lan­gen Son­der­sit­zun­gen jede Fra­ge zum The­ma beant­wor­tet und wir möch­ten es been­den und im MIB ein neu­es Kapi­tel aufschlagen.


Vor­her haben Sie die Dop­pel­spit­ze des MIB kom­mis­sa­risch aus­ge­füllt, jetzt sind Sie wirk­lich an der Macht. Was hat sich seit der Wahl geändert?

Mitra Sha­ri­fi: Eigent­lich nicht viel. Aber man wird vom MIB mehr hören – auch in der Kom­mu­nal­po­li­tik. Wir haben uns vor­ge­nom­men, weil wir ja auch unse­re Aus­schüs­se neu gewählt haben, mehr The­men gründ­li­cher zu bear­bei­ten und auch mehr Anträ­ge in der Poli­tik ein­zu­brin­gen, um die Inter­es­sen von Migrant*innen noch deut­li­cher zu artikulieren.

Mar­co Depiet­ri: Mitra hat es schon erwähnt – die Stadt­teil­ar­beit wird in den nächs­ten Jah­ren grund­le­gend für uns. Wir wol­len nicht, dass die Migrant*innen zu uns kom­men müs­sen, son­dern wir kom­men zu ihnen.


Was sind die drän­gends­ten Pro­ble­me, die der MIB ange­hen will?

Mitra Sha­ri­fi: Wir stel­len fest, dass poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen, und auch Coro­na, die gesell­schaft­li­che Spal­tung zwi­schen migran­ti­schen und nicht-migran­ti­schen Bevöl­ke­rungs­tei­len ver­tie­fen. Zum Bei­spiel im Bil­dungs­be­reich. Das ist zwar kein rein kom­mu­na­les Pro­blem, son­dern ein struk­tu­rel­les, aber hier wer­den wir aktiv wer­den. Kin­der mit Migra­ti­ons­ge­schich­te ste­hen noch zu oft vor struk­tu­rel­len Bar­rie­ren, die ihnen den Zugang zu Bil­dung erschwe­ren. Wir wol­len den Zusam­men­halt stär­ken und auf kom­mu­na­ler Ebe­ne die Mög­lich­kei­ten aus­schöp­fen, damit Kin­der mehr Chan­cen­gleich­heit haben. Ein ande­rer wich­ti­ger Bereich, ist der Ein­satz für eine Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­stel­le, damit Ras­sis­mus und Dis­kri­mi­nie­rung erns­ter genom­men wer­den. Wir möch­ten Betrof­fe­ne stär­ken, ihnen mehr Sicht­bar­keit und Selbst­be­wusst­sein in der Stadt­ge­sell­schaft ermög­li­chen und grund­le­gend mehr prä­ven­ti­ve Arbeit machen. Die Stadt­teil­ar­beit wäre wie­der ein gutes Bei­spiel. Gera­de in der Begeg­nung zwi­schen Kul­tu­ren kann man Vor­ur­tei­le abbau­en und Men­schen errei­chen, die sonst viel­leicht von Rechts­po­pu­lis­ten erreicht wer­den wür­den. Wir wol­len auch die Mehr­heits­ge­sell­schaft anspre­chen und gera­de in den Stadt­tei­len ist es nicht so wich­tig, woher man kommt, son­dern was ein Stadt­vier­tel braucht, um das Leben dort bes­ser zu machen.


Aber wie sind Begeg­nun­gen in der begeg­nungs­lo­sen Pan­de­mie­zeit möglich?

Mitra Sha­ri­fi: Unmög­lich ist es nicht. Wir haben uns fast ohne Pau­se in der gan­zen Pan­de­mie­zeit digi­tal getrof­fen und Ver­an­stal­tun­gen durch­ge­führt. Aber natür­lich haben wir die Hoff­nung, dass es bald wie­der bes­ser wird. Aller­dings habe ich die Sor­ge, dass das ohne­hin begrenz­te Bud­get für Anti-Dis­kri­mi­ni­nie­rungs-Pro­jek­te oder im sozia­len Bereich durch Coro­na noch klei­ner wird. Inte­gra­ti­on ist eine frei­wil­li­ge Auf­ga­be und sol­che Din­ge sind immer die ers­ten, die gestri­chen wer­den, wenn gespart wer­den muss.


Macht die Pan­de­mie Inte­gra­ti­on schwieriger?

Mitra Sha­ri­fi: Die Her­aus­for­de­run­gen der Inte­gra­ti­on wer­den nicht klei­ner. Wir wis­sen, dass Migrant*innen von Coro­na und den wirt­schaft­li­chen Fol­gen der Pan­de­mie­be­kämp­fung stär­ker betrof­fen sind, weil sie viel öfter in beeng­ten Wohn- und pre­kä­ren Arbeits-Ver­hält­nis­sen leben und kei­ne Reser­ven haben. Auch Schüler*innen mit Migra­ti­ons­ge­schich­te, die noch Sprach­för­de­rung brau­chen, aber kaum Zugang zu digi­ta­len Unter­richts­mög­lich­kei­ten haben, haben ein ver­lo­re­nes Jahr hin­ter sich. Wir machen uns gro­ße Sor­gen, wie die­se Lücken geschlos­sen wer­den können.


Das zuletzt rat­los wir­ken­de und nur wenig wir­kungs­vol­le Vor­ge­hen der Bun­des­re­gie­rung in der Pan­de­mie­be­kämp­fung wird auch noch beglei­tet von einem Hin und Her der kon­kre­ten Maß­nah­men und der Kom­mu­ni­ka­ti­on. Wie kommt das poli­ti­sche Vor­ge­hen in migran­ti­schen Krei­sen an?

Mitra Sha­ri­fi: Am Anfang der Pan­de­mie waren die Leu­te sehr dank­bar, dass es hier kla­re­re und bes­se­re Rege­lun­gen gab als in ihren Hei­mat­län­dern. Aber man hat auch in migran­ti­schen Krei­sen begon­nen, die deut­schen Maß­nah­men mit denen ande­rer Län­der zu ver­glei­chen und sieht, wie lang­sam zum Bei­spiel die Impf­kam­pa­gne vor­an­kommt. All­ge­mei­ne Regeln wie das Tra­gen von Mas­ken oder Abstand­hal­ten zu kom­mu­ni­zie­ren ist kein Pro­blem. Wenn wir aber spe­zi­fi­sche Rege­lun­gen wei­ter­ge­ben wol­len, die an loka­len Zustän­den oder Inzi­den­zen fest­ge­macht und alle paar Tage ange­passt wer­den müs­sen, wird es schwe­rer. Wir haben beim baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­ri­um ver­sucht, schnell Infor­ma­tio­nen in ver­schie­de­nen Spra­chen über Regeln, die sich schnell ändern, zu bekom­men. Da gibt es zum Teil immer noch Probleme.


Ein The­ma, das in den letz­ten Wochen einen gro­ßen Teil der Bericht­erstat­tung aus­mach­te, ist die soge­nann­te Iden­ti­täts­po­li­tik. Die einen loben sie als eman­zi­pa­to­ri­sche Bewe­gung dis­kri­mi­nier­ter Grup­pen, die Men­schen eine Stim­me und Ein­fluss ver­leiht, die geschicht­lich unter­drückt waren und ihre Bedürf­nis­se und For­de­run­gen bis­her poli­tisch-gesell­schaft­lich nicht ein­brin­gen konn­ten. Ande­re kri­ti­sie­ren sie als debat­ten­feind­lich, weil sie die Gül­tig­keit von Argu­men­ten zu oft an Betrof­fen­heit von Dis­kri­mi­nie­rung und/​oder Haut­far­be anstatt am Inhalt der Argu­men­te fest­macht. Wie ste­hen Sie zur Identitätspolitik?

Mitra Sha­ri­fi: Ich freue mich dar­über, dass Ras­sis­mus seit eini­gen Mona­ten viel mehr öffent­li­che Auf­merk­sam­keit bekommt und viel deut­li­cher ange­pran­gert wird – dass auch mar­gi­na­li­sier­te und von Dis­kri­mi­nie­rung betrof­fe­ne Grup­pen ihre Stim­me erhe­ben kön­nen. Es gibt gesell­schaft­li­che Macht-Struk­tu­ren, die Benach­tei­li­gung ver­ur­sa­chen. Die­se Struk­tu­ren muss eine Gesell­schaft sehen und aner­ken­nen, um sie ändern zu kön­nen. Wenn Men­schen aller­dings nur über ihre Merk­ma­le, sei­en es Geschlecht, Haut­far­be oder Sexua­li­tät, defi­niert wer­den und der­art extrem getrennt wird, dass über, zum Bei­spiel, Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der Haut­far­be nur mit­re­den darf, wer davon betrof­fen ist, fin­de ich das nicht gut. Ich fin­de es gut, wenn man, wie aktu­ell beim Bei­spiel der Über­set­zung des Tex­tes von Aman­da Gor­man, zuerst schaut, ob es für die Auf­ga­be nicht eine schwar­ze Über­set­ze­rin gibt. Schlecht ist aber, wenn Haut­far­be oder Geschlecht die Iden­ti­tät allei­ne bestim­men. Wir befin­den uns noch in einer sol­chen gesell­schaft­li­chen Ungleich­heit, dass wir noch eine gan­ze Zeit lang Gleich­stel­lungs­po­li­tik machen müs­sen. Die­se Poli­tik bedeu­tet unter ande­rem, ein gesell­schaft­li­ches Bewusst­sein der struk­tu­rel­len Ungleich­heit zu ent­wi­ckeln und struk­tu­rell benach­tei­lig­te Grup­pen zu för­dern. Dafür müs­sen dis­kri­mi­nier­te Grup­pen ihre Stim­me erhe­ben und ihre Iden­ti­tät behaup­ten, wäh­rend gesell­schaft­lich pri­vi­le­gier­te Grup­pen die­se Bestre­bun­gen aus­hal­ten und akzep­tie­ren müs­sen, einen Teil ihrer Pri­vi­le­gi­en abzu­ge­ben. So, hof­fe ich, kann man eine Gesell­schaft dahin­ge­hend ändern, dass alle Men­schen gleich sein können.

Mar­co Depiet­ri: Men­schen mit bestimm­ten Merk­ma­len, wie nicht-wei­ßer Haut­far­be, machen ande­re Erfah­run­gen im Leben als Wei­ße. Wir müs­sen ihnen zuhö­ren und offen für ihre Sicht sein. Des­halb fin­de ich es gut, wenn die­se Leu­te ihre Rech­te ver­lan­gen. Aber nicht alle gegen alle, son­dern gemeinsam.

Coro­na

Pro­jekt „Bam­ber­ger Schnell­test­bus“ erfolg­reich – Ange­bot um eine wei­te­re Sta­ti­on erweitert

Seit zwei Wochen ist der Bam­ber­ger Schnell­test-Bus im Betrieb und fährt bis­lang von Diens­tag bis Frei­tag acht Sta­tio­nen im Bam­ber­ger Stadt­ge­biet an. Nun wird das mobi­le Schnell­test-Zen­trum um eine Sta­ti­on erwei­tert – ab kom­men­dem Don­ners­tag, dem 6. Mai, wird Tes­ten auch in Wil­densorg mög­lich sein.

„Wir sind sehr zufrie­den, dass der Bam­ber­ger Schnell­test­bus von den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern so gut ange­nom­men wird. Ab nächs­ter Woche wird auch Wil­densorg ange­fah­ren“, so Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Star­ke nach zwei Wochen Pra­xis­er­fah­rung. „Damit“, so Star­ke, „wird der „Gesund­heits­schutz für die Bevöl­ke­rung ver­bes­sert und die Test­in­fra­struk­tur erweitert.“

Der Bam­ber­ger Schnell­test­bus wird von der HTK Hygie­ne Tech­no­lo­gie Kom­pe­tenz­zen­trum GmbH (HTK), einem Toch­ter­un­ter­neh­men der Sozi­al­stif­tung Bam­berg, betrie­ben. Der Bus fährt von Diens­tag bis Sams­tag täg­lich zwei Sta­tio­nen an und führt ohne Vor­anmel­dung und unkom­pli­ziert ca. 90 kos­ten­lo­se Bür­ger­tests pro Tag durch. Ab Don­ners­tag, den 6. Mai kön­nen sich die Wil­densor­ger zwi­schen 12.30 und 14 Uhr vor Ort an der Hal­te­stel­le Eichel­see­weg tes­ten las­sen. Dafür ent­fällt der Halt „Fuch­s­park­sta­di­on“ don­ners­tags. Statt­des­sen wird das „Fuch­s­park­sta­di­on“ jetzt sams­tags ange­fah­ren – erst­ma­lig am 8. Mai. Von 9 bis 11 Uhr und 12.30 bis 14 Uhr kön­nen sich die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger dann dort vor Ort tes­ten lassen.

Es ist nicht not­wen­dig, sich für einen Test anzu­mel­den, aber man soll­te sich aus­wei­sen kön­nen. Der Bus hält pro Sta­ti­on 1,5 Stun­den vor Ort und kann cir­ca 45 Tests in die­ser Zeit durch­füh­ren. Betrie­ben wird die mobi­le Test­sta­ti­on von der HTK Hygie­ne Tech­no­lo­gie Kom­pe­tenz­zen­trum GmbH, einem Toch­ter­un­ter­neh­men der Sozi­al­stif­tung Bam­berg, das bereits das Schnell­test­zen­trum am ZOB betreibt.

Wer einen Test benö­tigt, kann sich zu fol­gen­den Zei­ten an den jewei­li­gen Hal­te­sta­tio­nen einfinden:

Diens­tag 
9.30 bis 11.00 Uhr Gartenstadt/​Kuni­gun­den­schu­le

12.30 bis 14.00 Uhr Kra­mers­feld-Bru­ckerts­hof/­Wen­de­plat­te an der Kemmerstraße

Mitt­woch 

9.30 bis 11.00 Uhr Gaustadt/​Wendeplatte am Sylvanersee

12.30 bis 14.00 Uhr Gereuth/​Wunderburg Grun­flä­che am Wolfgangsplatz

Don­ners­tag 

9.30 bis 11.00 Uhr Bam­berg-Ost/ Weißenburgstraße/“Haltestelle Kantstraße“

12.30 bis 14.00 Uhr Wildensorg/​Hal­te­stel­le Eichelseeweg

Frei­tag 

9.30 bis 11.00 Uhr Bam­berg-Süd­wes­t/­Park­bucht nach der Hal­te­stel­le St. Urban,

12.30 bis 14.00 Uhr Bam­berg Bug/​Park­platz gegen­über Hotel Bug­er Hof

Sams­tag

9.30 bis 11.00 Uhr Bam­berg-Ost/­Un­te­rer Park­platz vor dem Fuchsparkstadion

12.30 bis 14.00 Uhr Bam­berg-Ost/­Un­te­rer Park­platz vor dem Fuchsparkstadion

Moha­med Hédi Adda­la-Weg eröffnet

Inter­re­li­giö­ser Weg „Auf den Spu­ren des Zelts der Religionen“

Das „Zelt der Reli­gio­nen“ hat nach der Lan­des­gar­ten­schau auf der ERBA-Insel im Jahr 2012 sei­nen fes­ten Platz am Mar­kus­platz gefun­den. Ein Fuß­weg zwi­schen bei­den Sta­tio­nen wur­de nun dem lang­jäh­ri­gen Vor­sit­zen­den des Migran­tin­nen- und Migran­ten­bei­ra­tes (MIB) gewid­met: Moha­med Hédi Addala.

Bereits im Jahr 2020 war die Idee ent­stan­den, einen inter­re­li­giö­sen Weg „Auf den Spu­ren des Zelts der Reli­gio­nen“ zu schaf­fen. Wer die etwa zwei Kilo­me­ter der nun eröff­ne­ten Stre­cke geht, kann sich an ins­ge­samt sie­ben Sta­tio­nen mit ver­schie­de­nen Aspek­ten im Leben und Glau­ben von Juden, Chris­ten, Mus­li­men und Bahá´í beschäf­ti­gen. Benannt wur­de der Weg nach Moha­med Hédi Adda­la, der ver­gan­ge­nes Jahr ver­stor­ben ist. „Als lang­jäh­ri­ger Vor­sit­zen­der des MIB ist er unver­ges­sen. Er hat den inter­re­li­giö­sen Dia­log unse­rer Stadt ent­schei­dend geprägt“, sag­te Bam­bergs Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Star­ke bei der Fei­er­stun­de, die unter stren­gen coro­na­kon­for­men Vor­ga­ben stattfand.

Adda­la hat­te zudem das Pro­jekt des „Zelts der Reli­gio­nen“ geför­dert und beglei­tet. In Zei­ten der Pan­de­mie set­ze man nun „ein Hoff­nungs­zei­chen, einen Hoff­nungs­weg“, so Dekan Hans-Mar­tin Lech­ner, ers­ter Vor­sit­zen­der des För­der­ver­eins „Zelt der Reli­gio­nen“. Er bedank­te sich bei allen Orga­ni­sa­to­ren, beim Gar­ten­amt der Stadt Bam­berg und bei Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Star­ke für die unkom­pli­zier­te Umset­zung des Weges. Adda­las Wit­we Eli­sa­beth sprach von „einer gro­ßen Freu­de und Ehre für mei­ne Fami­lie und mich“. Das „Zelt der Reli­gio­nen“ sei ein Ort des Glau­bens, an dem das Mit­ein­an­der berei­chert werde.

Die sie­ben Sta­tio­nen des inter­re­li­giö­sen Weges stell­te Rab­bi­ne­rin Yael Deu­sel, zwei­te Vor­sit­zen­de des För­der­ver­eins, vor. Aus­führ­li­che Infor­ma­tio­nen zum „Moha­med Hédi Adda­la-Weg“ gibt es am „Zelt der Reli­gio­nen“ auf einem Fly­er und im Inter­net unter www.zelt-der-religionen.de.

Am Ende der Fei­er­stun­de spra­chen Dekan Hans-Mar­tin Lech­ner, Rab­bi­ne­rin Yeal Deu­sel, Imam Yasar Sahin und Bir­git Asbeck von den Bahá’i Gebe­te der ver­schie­de­nen Religionen.

Jah­res­aus­stel­lung Kunstverein

Die See­le des Papiers

Löwen­köp­fe, Skulp­tu­ren aus Geld­schein­schnip­seln, ein Coro­na-Chor – aus dem Werk­stoff Papier lässt sich eini­ges her­aus­ho­len. Die Jah­res­aus­stel­lung des Kunst­ver­eins zeigt in der Vil­la Des­sau­er, wie ver­schie­de­ne Künst­le­rin­nen und Künst­ler die gestal­te­ri­schen Mög­lich­kei­ten von Papier aus­lo­ten. Die tages­ak­tu­el­len Öff­nungs­zei­ten sind online auf der Home­page des Kunst­ver­eins ein­zu­se­hen. Dort wird die Aus­stel­lung dar­über­hin­aus unab­hän­gig von den Öff­nungs­per­spek­ti­ven auch digi­tal beglei­tet, bei­spiels­wei­se durch Inter­views mit den aus­stel­len­den Künst­lern. Das Web­echo hat mit Bar­ba­ra Kah­le, Vor­sit­zen­de des Kunst­ver­eins, gesprochen.

Gedruck­tes und Papier, heißt es, sei­en tot und alles wird nur noch online und elek­tro­nisch gemacht. War­um haben Sie für die Jah­res­aus­stel­lung des Kunst­ver­eins den Werk­stoff Papier als Grund­vor­aus­set­zung gewählt?

Bar­ba­ra Kah­le: Gera­de des­halb! Papier ver­schwin­det durch­aus im all­ge­mei­nen Bewusst­sein, Papier als Spei­cher­me­di­um geht zurück und die digi­ta­le Ver­än­de­rung ist unum­kehr­bar – das erken­nen wir an. Aber Papier könn­te in der Zukunft auch vor dem Hin­ter­grund des The­mas Umwelt­schutz wie­der mehr Bedeu­tung gewin­nen. Es wird viel geforscht, um zum Bei­spiel Ver­pa­ckun­gen aus Plas­tik abzu­schaf­fen und wie­der viel stär­ker auf Papier zu set­zen. Auf der ande­ren Sei­te hat Papier in der Kunst immer eine gro­ße Rol­le gespielt. Um das wie­der ins Bewusst­sein zu brin­gen, machen wir die­se Aus­stel­lung. Als Skiz­zen­pa­pier, als Vor­stu­fe der Lein­wand, wur­de Papier schon seit Jahr­hun­der­ten genutzt. Seit dem 20. Jahr­hun­dert dien­te es ver­mehrt als eigen­stän­di­ges künst­le­ri­sches Medi­um. Das ist eine Errun­gen­schaft, die der Kunst der Moder­ne zuzu­rech­nen ist. Dazu gehört auch der Ansatz, den so gut wie alle Wer­ke, die wir zei­gen, ver­fol­gen, unter Bei­be­hal­tung des Mate­ri­als Papier, die pla­ne Flä­che ins Drei­di­men­sio­na­le hin­ein zu erwei­tern, bis man zwi­schen Bild und Skulp­tur kaum mehr unter­schei­den kann.


Nach wel­chen Gesichts­punk­ten haben Sie die Künstler*innen für die Aus­stel­lung ausgewählt?

Bar­ba­ra Kah­le: Die Aus­stel­lung war schon für das Jahr 2020 geplant, aus bekann­ten Grün­den muss­te sie ver­scho­ben wer­den. Wir haben nach Künst­lern gesucht, die mehr oder weni­ger aus­schließ­lich mit Papier arbei­ten. Ein ganz gro­ßer Anker­punkt dabei waren die Wer­ke von Andre­as von Weiz­sä­cker, des­sen Löwen­kopf­skulp­tu­ren im Aus­stel­lungs­raum der Vil­la Des­sau­er auch sehr viel Raum ein­neh­men. Dann haben wir uns über­legt, wen wir noch dazu­neh­men könn­ten. Es geht uns dar­um zu zei­gen, wel­che Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten mit Papier mög­lich sind. Wir zei­gen unter ande­rem ver­schie­de­ne Falt­tech­ni­ken, so hat etwa Simon Schu­bert Räu­me der Vil­la Des­sau­er in Papier gefal­tet, Skulp­tu­ren, Papier­schmuck, Prä­ge­druck und im Begleit­pro­gramm etwa ein Kon­zert mit Klang­in­stru­men­ten aus Papier und ein sze­ni­sches Erzähl­stück des Papier­thea­ters mit Johan­nes Volkmann.


Die vier Papier­skulp­tu­ren von Andre­as von Weiz­sä­cker nen­nen Sie Ihren Coro­na-Chor. Was hat es damit auf sich?

Bar­ba­ra Kah­le: Die­se vier Skulp­tu­ren sind eigent­lich Was­ser­spei­ern des Münch­ner Rat­hau­ses abge­formt. Aber weil sie mit ihren offe­nen Mün­dern so einen kla­gen­den, gemein­sam über mög­li­cher­wei­se die Pan­de­mie heu­len­den Ein­druck machen, erin­nert mich das an einen Chor.


Beglei­tend zur Aus­stel­lung haben Sie ein viel­fäl­ti­ges Rah­men­pro­gramm ent­wor­fen. Ein Ter­min ist der 13. Juni, an dem anhand der Wer­ke von Erwin Hap­ke die See­le des Papiers beleuch­tet wer­den soll. Was ist die See­le des Papiers?

Bar­ba­ra Kah­le: Wir hat­ten das Glück, einen klei­nen Zuschuss für die Erstel­lung eines Begleit­pro­gramms aus dem Neu­start-Kul­tur-Kunst­fonds zu bekommen.

Bei der Aus­stel­lung ist es uns wie immer wich­tig, Objek­te zu prä­sen­tie­ren, die sich die Leu­te im ganz tra­di­tio­nel­len Sin­ne anschau­en kön­nen. Dane­ben haben wir aber ein viel­fäl­ti­ges Inter­ak­ti­ons- und Ver­mitt­lungs­pro­gramm ent­wi­ckelt, um sich auf ganz unter­schied­li­che Art und Wei­se dem The­ma Papier annä­hern zu kön­nen. Am 13. Juni etwa wol­len wir uns spe­zi­ell mit den gefal­te­ten Papier­ar­bei­ten von Erwin Hap­ke beschäf­ti­gen. Papier ist auf der einen Sei­te sehr hap­tisch. Man kann damit arbei­ten, es fal­ten, es zer­knül­len oder damit kru­scheln, wie es Lore Bert macht. In dem ange­spro­che­nen Falt­werk kann man dar­über hin­aus eine expli­ka­ti­ve Meta­pher unse­res Daseins sehen. Das kom­ple­xe Fal­ten wird zum Modell unse­res Weltverstehens. 

Fal­tun­gen von Erwin Hap­ke. Foto: Anna Breuninger

Der ver­stor­be­ne Erwin Hap­ke, pro­mo­vier­ter Bio­lo­ge und ein Son­der­ling und Beses­se­ner, hat sozu­sa­gen mit dem Papier gelebt und ein gefal­te­tes Uni­ver­sum hin­ter­las­sen. Alle For­men des Seins sind in das zar­te Papier ein­ge­schrie­ben, die wahr­zu­neh­men uns Muße und Ver­wei­len abver­langt. In die­sem Zusam­men­hang spricht der Phi­lo­soph und Nef­fe von Hap­ke, Mat­thi­as Bur­chardt, von der See­le des Papiers.


Papier ist ein nicht beson­ders wider­stand­fä­hi­ger und fra­gi­ler Werk­stoff. Wie gehen Sie zum Bei­spiel beim Auf­bau der Aus­stel­lung, damit um?

Bar­ba­ra Kah­le: Ja, da ist ein Pro­blem, mit dem die Künst­ler und auch Nach­lass­ver­wal­ter oder Nach­fah­ren von Papier­künst­lern zu kämp­fen haben. Zum Bei­spiel die Löwen­köp­fe von Weiz­sä­cker sind ziem­lich emp­find­lich und als er sie geschaf­fen hat, tat er dies sicher­lich nicht, damit man sie stän­dig auf- und abbaut. An eini­gen Stel­len muss­ten sie bereits restau­riert, ver­stärkt und mit Magne­ten, die die Tei­le zusam­men­hal­ten, ver­se­hen werden.


Die Aus­stel­lungs­er­öff­nung am 23. April muss­te wegen der Pan­de­mie bereits abge­sagt wer­den. Wie steht es um die fol­gen­den Termine?

Bar­ba­ra Kah­le: Die Rege­lun­gen für den Muse­ums­be­reich sehen ja der­zeit so aus, dass man bei einem Inzi­denz­wert zwi­schen 50 und 100 öff­nen und Publi­kum, nach Vor­anmel­dung, emp­fan­gen kann. Mit­te April liegt die Inzi­denz in Bam­berg bei 112 – ob die Vil­la Des­sau­er Ende April geöff­net wer­den kann, müs­sen wir also schau­en. Ver­samm­lun­gen, wie bei einer Ver­nis­sa­ge, sind aber abso­lut tabu.

Bar­ba­ra Kah­le und ihr Coro­na-Chor. Foto: Sebas­ti­an Quenzer

Wie schwer wür­de es den Kunst­ver­ein tref­fen, wenn kei­ne der Begleit­ver­an­stal­tun­gen statt­fin­den kann?

Bar­ba­ra Kah­le: Sehr schwer. Finan­zi­el­le Nach­tei­le hät­ten wir kei­ne, möch­te ich an die­ser Stel­le sagen. Die Gel­der sind uns unter ande­rem von der Stadt Bam­berg zuge­flos­sen. Aber wir haben die Aus­stel­lung mit solch einer Begeis­te­rung, und auch kör­per­li­cher Anstren­gung, vor­be­rei­tet und auf­ge­baut und den­ken, dass sie den Besu­chern gro­ßen Spaß machen wür­de, dass uns ein Aus­fall sehr leid­tun wür­de. Wir wer­den die Schau ganz bewusst län­ger als die übli­chen sechs Wochen lau­fen las­sen, damit wir auf den Som­mer und bes­se­re Inzi­denz­zah­len hof­fen kön­nen. Viel­leicht kön­nen wir zur Finis­sa­ge die Begeg­nung von Besu­chern und Künst­lern nachholen.


Gäbe es online ein Ausweichangebot?

Bar­ba­ra Kah­le: Ja, wir wer­den die Aus­stel­lung auch digi­tal beglei­ten. Wenn wir nicht öff­nen kön­nen, möch­ten wir die Aus­stel­lung zumin­dest mul­ti­me­di­al beglei­ten. Wir sind auf Face­book, Insta­gram und You­tube unter­wegs und bie­ten dort zum Bei­spiel Inter­views mit den Künst­lern und Ein­bli­cke in ihre Wer­ke. So haben wir wenigs­tens einen Bruch­teil von Aus­stel­lungs­be­glei­tung. Das ist natür­lich kein Ersatz für den Besuch einer Aus­stel­lung, aber ein inter­es­san­tes ergän­zen­des Angebot.


Wei­te­re Informationen:

Aus­stel­lung “Papier”, 24. April bis 27. Juni, Vil­la Dessauer

Außer­dem:
Aus­stel­lung von Jür­gen Wil­helm “Abs­trak­ti­on Pho­to­gra­phie”, 3. bis 31. Mai, Schüt­zen­stra­ße 4

https://www.kunstverein-bamberg.de/

Gesprä­che mit dem Ziel einer Fusion 

VR Bank Bam­berg-Forch­heim eG und Ver­ei­nig­te Raiff­ei­sen­ban­ken wol­len ihre Kräf­te bündeln

Die VR Bank Bam­berg-Forch­heim eG und die Ver­ei­nig­ten Raiff­ei­sen­ban­ken Grä­fen­berg-Forch­heim-Eschen­au-Herolds­berg eG füh­ren Gesprä­che mit dem Ziel einer Fusi­on, wie die bei­den Bank­häu­ser heu­te auf einer Pres­se­kon­fe­renz bekannt­ga­ben. Aus bei­den Insti­tu­ten wür­de eine neue gemein­sa­me Bank mit einer Bilanz­sum­me von 3,3 Mrd. Euro und mehr als 150.000 Kun­den entstehen.

„Unser Ziel ist es, in einer für Ban­ken anspruchs­vol­len Zeit auch wei­ter­hin eine wirt­schaft­lich star­ke und leis­tungs­fä­hi­ge Regio­nal­bank mit attrak­ti­ven Lösun­gen für unse­re Mit­glie­der und Kun­den zu sein“, erklär­te Gre­gor Schel­ler, der Vor­stands­vor­sit­zen­de der VR Bank Bam­berg-Forch­heim eG. Dar­über hin­aus wür­de aus den bei­den Genos­sen­schafts­ban­ken in Forch­heim, der Volks­bank und der Raiff­ei­sen­bank, nun­mehr eine VR Bank. Eine Platz­fu­si­on, die in Bam­berg schon vor mehr als 20 Jah­ren voll­zo­gen wurde.

Bei­de Ban­ken sind davon über­zeugt, dass die aktu­el­len Her­aus­for­de­run­gen wie Nega­tiv­zins, regu­la­to­ri­sche Auf­la­gen und Digi­ta­li­sie­rung lang­fris­tig in einer grö­ße­ren Ein­heit erfolg­rei­cher bewäl­tigt wer­den kön­nen. Hin­zu kommt noch das über­schnei­den­de Geschäfts­ge­biet in Forch­heim. Hier sind bis­her bei­de Ban­ken ein­zeln ver­tre­ten. „Wir haben in der geschäfts­po­li­ti­schen Aus­rich­tung eine nahe­zu deckungs­glei­che stra­te­gi­sche Phi­lo­so­phie mit einem Schwer­punkt auf die regio­na­le Kun­den­nä­he“, so Ste­fan Benecke, Vor­stand der Ver­ei­nig­ten Raiff­ei­sen­ban­ken. Die Auf­sichts­rä­te bei­der Ban­ken haben in den ver­gan­ge­nen Wochen jeweils ein­stim­mig der Auf­nah­me kon­kre­ter Fusi­ons­ge­sprä­che mit dem Ziel des Zusam­men­schlus­ses zuge­stimmt. Die Mit­ar­bei­ter wur­den in den letz­ten Tagen eben­so infor­miert wie die Ver­tre­ter bei­der Genossenschaftsbanken.


Leis­tungs­stark für die Zukunft gerüstet

„Bei den Son­die­rungs­ge­sprä­chen der letz­ten Wochen hat­ten wir eine sehr ver­trau­ens­vol­le, offe­ne und kon­struk­ti­ve Atmo­sphä­re“, berich­tet Schel­ler. Bei­de Ban­ken sind durch ihr genos­sen­schaft­li­ches Grund­ver­ständ­nis und ihre enge Ver­bin­dung zur Regi­on geprägt. Die Bilanz­sum­me der VR Bank Bam­berg-Forch­heim eG beträgt aktu­ell 2,3 Mrd. Euro, die der Ver­ei­nig­ten Raiff­ei­sen­ban­ken knapp 1,0 Mrd. Euro. Mit einem betreu­ten Kun­den­vo­lu­men von ca. 6,5 Mrd. Euro wür­de eine der größ­ten Genos­sen­schafts­ban­ken in Fran­ken ent­ste­hen. Das gemein­sa­me Insti­tut wird von über 68.000 Mit­glie­dern getragen.


Pro­fes­sio­na­li­tät und Inno­va­ti­ons­kraft immer wichtiger

„Durch den Zusam­men­schluss kön­nen wir die Markt­chan­cen in der pro­spe­rie­ren­den Regi­on bes­ser nut­zen, unse­re Wirt­schaft­lich­keit ver­bes­sern und vor allem unse­ren Kun­den als star­ker Part­ner Bank­ge­schäf­te und pro­fes­sio­nel­le Bera­tung auf noch höhe­rem Niveau bie­ten“, so Joa­chim Haus­ner, stell­ver­tre­ten­der Vor­stands­vor­sit­zen­der der VR Bank. Die neue Grö­ße der Bank ermög­licht es, die gebün­del­ten Kräf­te stär­ker für eige­ne Inno­va­ti­ons­kraft zu nut­zen. Ein eige­ner Bereich Unter­neh­mens­ent­wick­lung mit einem Produkt‑, Pro­jekt- und Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment ist als Trei­ber für die Zukunfts­fä­hig­keit der Bank von grund­le­gen­der Bedeu­tung. „Die Geschwin­dig­keit, in der wir auf die Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft reagie­ren, wird ele­men­tar sein“, ergänzt Hausner.

Alex­an­der Brehm, Vor­stand VR Bank Bam­berg Forch­heim eG, Joa­chim Haus­ner, stell­ver­tre­ten­der Vor­stands­vor­sit­zen­der VR Bank Bam­berg Forch­heim eG, Gre­gor Schel­ler, Vor­stands­vor­sit­zen­der VR Bank Bam­berg Forch­heim eG, Ste­fan Benecke, Vor­stand Ver­ei­nig­te Raiff­ei­sen­ban­ken, und Rai­ner Lang, Vor­stand Ver­ei­nig­te Raiff­ei­sen­ban­ken (von links nach rechts), infor­mier­ten heu­te über die Gesprä­che mit dem Ziel einer Fusi­on der bei­den Bankhäuser

Soli­de Ver­mö­gens­la­ge bie­tet Wachstumschancen

Eine gute Grund­la­ge für eine erfolg­rei­che gemein­sa­me Zukunft ist außer­dem die kom­for­ta­ble Eigen­ka­pi­tal­aus­stat­tung als Basis für wei­te­re Wachs­tums­chan­cen im Pri­vat- und Fir­men­kun­den­ge­schäft. „Vor allem für Fir­men­kun­den ergibt sich dadurch die Mög­lich­keit der gewerb­li­chen Kre­dit­aus­wei­tung, so dass wir als Part­ner für den Mit­tel­stand in der Regi­on noch inter­es­san­ter wer­den“, so Alex­an­der Brehm, der für das Fir­men­kun­den­ge­schäft ver­ant­wort­li­che Vor­stand der VR Bank.


Star­ke Mar­ken wei­ter vor Ort nut­zen – Mei­ne Regionalbank

Die gemein­sa­me Bank wird auch zukünf­tig unter dem Namen VR Bank Bam­berg-Forch­heim eG, mit juris­ti­schem Sitz in Bam­berg, fir­mie­ren. Die Bedeu­tung der regio­na­len Ver­wur­ze­lung und Tra­di­ti­on spie­gelt sich auch im künf­ti­gen Außen­auf­tritt wider. So wird die Mar­ke „Ver­ei­nig­te Raiff­ei­sen­ban­ken“ wie schon die Mar­ken „VR Bank Bam­berg“ und „Volks­bank Forch­heim“ bei­be­hal­ten und um den Zusatz „VR Bank Bam­berg-Forch­heim eG“ ergänzt. Die regio­na­le Aus­rich­tung der Bank soll bei­be­hal­ten wer­den. Unter­stützt wer­den die Filia­len vor Ort dabei von Spe­zia­lis­ten und einer kom­pe­ten­ten Markt­ser­vice-Abtei­lung.
„Sei­nen per­sön­li­chen Ansprech­part­ner, der ihm als Beglei­ter in allen Finanz­an­ge­le­gen­hei­ten zur Sei­te steht, wird der Kun­de auch in Zukunft haben.“, betont Rai­ner Lang, zustän­di­ger Markt­vor­stand bei den Ver­ei­nig­ten Raiff­ei­sen­ban­ken. Momen­tan betreibt die VR Bank Bam­berg-Forch­heim eG 37 Filia­len und die Ver­ei­nig­ten Raiff­ei­sen­ban­ken sind mit 13 Geschäfts­stel­len ver­tre­ten. Zudem gibt es 24 SB-Stand­or­te in den Geschäfts­ge­bie­ten der bei­den Banken.


Erfah­re­nes Vorstandsgremium

Der Vor­stand der neu­en Bank setzt sich zusam­men aus dem Vor­stands­vor­sit­zen­den Gre­gor Schel­ler, sei­nem Stell­ver­tre­ter Joa­chim Haus­ner, Alex­an­der Brehm, Ste­fan Benecke und Rai­ner Lang. Vor­stands­vor­sit­zen­der Gre­gor Schel­ler wird auf­grund sei­ner jahr­zehn­te­lan­gen Erfah­rung die Fusi­on aktiv bis ins Jahr 2022 beglei­ten. Auf Dau­er soll sich das Vor­stands­gre­mi­um auf vier Mit­glie­der reduzieren.


Attrak­ti­ver Arbeitgeber

Bei­de Ban­ken beschäf­ti­gen ins­ge­samt rund 470 Mit­ar­bei­ter. „Als grö­ße­re Bank kön­nen wir lang­fris­tig siche­re Arbeits­plät­ze mit Spe­zia­li­sie­rungs- und Wei­ter­ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten bie­ten. Wir benö­ti­gen auch in Zukunft qua­li­fi­zier­te, enga­gier­te Mit­ar­bei­ter. Der­zeit sind wir in bei­den Häu­sern auf der Suche nach qua­li­fi­zier­ten Mit­ar­bei­tern, um uns wei­ter zu ver­stär­ken“, erklär­ten die Vor­stän­de bei­der Geld­in­sti­tu­te. Ihre Posi­ti­on als attrak­ti­ver Arbeit­ge­ber in der Regi­on wol­len Sie wei­ter ausbauen.


Fusi­ons­be­schluss im Juli geplant

Ziel ist es, die Fusi­on noch im Jahr 2021 umzu­set­zen. Der noch leben­di­ge Erfah­rungs­schatz aus der erfolg­rei­chen Umset­zung der Fusi­on zwi­schen der VR Bank Bam­berg eG und der Volks­bank Forch­heim eG im Jahr 2019 ist sicher­lich eine gute Basis, um dar­auf zeit­nah auf­zu­set­zen. „Wir wol­len damit vor allem unse­ren Mit­ar­bei­tern kla­re und schnel­le Ori­en­tie­rung geben“, so die Vor­stän­de bei­der Häu­ser. Die ers­ten Infor­ma­tio­nen wur­den von den Mit­ar­bei­tern posi­tiv auf­ge­nom­men. Die tech­ni­sche Zusam­men­füh­rung wäre dann für den Novem­ber geplant. Recht­zei­tig vor den am 20. und 21. Juli geplan­ten Ver­tre­ter­ver­samm­lun­gen mit den Fusi­ons­be­schlüs­sen wer­den die Ver­tre­ter bei­der Ban­ken über die wei­te­ren Ergeb­nis­se der Fusi­ons­ge­sprä­che infor­miert. Auf­grund der guten Aus­gangs­la­ge sind die Vor­stän­de bei­der Häu­ser opti­mis­tisch, dass die Fusi­on die abschlie­ßen­de Zustim­mung in den Ver­tre­ter­ver­samm­lun­gen erhält.

Sie­ben Jah­re andau­ern­des Programm 

Die gan­ze Stadt­ge­sell­schaft ist ein­ge­la­den, an „Smart City“ mitzuarbeiten

Am kom­men­den Mon­tag, 3. Mai, ist Start der Sei­te www.bamberg-gestalten.de. Eines der ers­ten gro­ßen The­men auf die­ser Bür­ger­be­tei­li­gungs­platt­form wird die gemein­schaft­li­che Ent­wick­lung der Stra­te­gie für das Pro­gramm „Smart City“ in Bam­berg sein.

Zum Hin­ter­grund: Bam­berg erhält 17,5 Mil­lio­nen Euro, um sich bis 2027 zu einer „Smart City“ zu ent­wi­ckeln. Das Pro­gramm soll mit digi­ta­len Mit­teln hel­fen, die Lebens­qua­li­tät aller Men­schen in der Stadt nach­hal­tig zu ver­bes­sern. Dabei sol­len alle Tei­le der Stadt­ge­sell­schaft mit­wir­ken: Also ein­zel­ne Bürger:innen genau­so wie Ver­ei­ne, Initia­ti­ven, Netz­wer­ke, die Kir­chen, die Gewerk­schaf­ten, die poli­ti­schen Par­tei­en – und natür­lich die Part­ner der Stadt im Pro­gramm wie die Uni­ver­si­tät, die Stadt­wer­ke, die Stadt­bau und ande­re städ­ti­sche Töchter.


Auf­ga­be für alle Bamberger:innen

Wie aber soll das funk­tio­nie­ren? Neben ver­schie­de­nen Prä­senz-Ver­an­stal­tun­gen, die bald­mög­lichst nach Ende des Lock­downs star­ten, spielt https://www.bamberg-gestalten.de/ eine zen­tra­le Rol­le. Hier wer­den bereits ent­wi­ckel­te oder schon gestar­te­te Pro­jek­te vor­ge­stellt, kön­nen nach­ver­folgt und kom­men­tiert wer­den. Außer­dem wer­den bereits ein­ge­brach­te Bei­trä­ge zur Stra­te­gie hier publi­ziert, damit sie im Wei­te­ren beach­tet und nach­ver­folgt wer­den kön­nen. So soll sicher­ge­stellt wer­den, dass die ein­zel­nen Bei­trä­ge zum Stra­te­gie­pro­zess trans­pa­rent sind und nach­hal­tig wirken. 

Dazu erklärt der für das Pro­gramm zustän­di­ge Wirt­schafts­re­fe­rent Dr. Ste­fan Gol­ler: „Es ist eine gro­ße Auf­ga­be, die unter­schied­lichs­ten Vor­stel­lun­gen der Bürger:innen vom guten Leben in einer digi­ta­len Zukunft in Bam­berg zu sam­meln und zusam­men­zu­füh­ren. Das wich­tigs­te wer­den dabei vie­le per­sön­li­che Begeg­nun­gen in unter­schied­lichs­ten Kon­stel­la­tio­nen sein. Aber wir kom­men auch nicht ohne digi­ta­le Platt­form aus, die für alle zugäng­lich ist und so für Trans­pa­renz sorgt. Und das ist für uns die Platt­form www.bamberg-gestalten.de.“

Die Türen ste­hen allen Bamberger:innen also bald weit offen, ihre Ideen und Vor­stel­lun­gen auf dem Weg zur „Smart City“ einzubringen.

Workers’ Memo­ri­al Day am 28. April

Geden­ken an ver­un­glück­te Beschäf­tig­te in der Regi­on Bamberg

Gedenk­mi­nu­te für ver­un­glück­te Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer: Die Indus­trie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Umwelt (IG BAU) ruft Beschäf­tig­te in der Regi­on Bam­berg dazu auf, am mor­gi­gen Workers’ Memo­ri­al Day der Men­schen zu geden­ken, die bei der Arbeit ums Leben gekom­men oder durch den Job erkrankt sind.

„Am inter­na­tio­na­len Workers’ Memo­ri­al Day, dem 28. April, soll­te um 12 Uhr eine Minu­te lang der Opfer von Arbeits­un­fäl­len und Berufs­krank­hei­ten gedacht wer­den – ob im Betrieb, im Home­of­fice oder auf der Bau­stel­le“, sagt Gerald Nick­las, Bezirks­vor­sit­zen­der der IG BAU Oberfranken.

Die Coro­na-Pan­de­mie habe ein Bewusst­sein für die Gesund­heits­ge­fah­ren gera­de auch am Arbeits­platz geschaf­fen. „In Zei­ten hoher Infek­ti­ons­zah­len ist es beson­ders wich­tig, dass die Unter­neh­men ihre Beschäf­tig­ten schüt­zen – über regel­mä­ßi­ge Test­an­ge­bo­te, medi­zi­ni­sche Mas­ken, Hygie­ne­stan­dards und Home­of­fice“, so der Gewerkschafter.


Appell für mehr Arbeitsschutz

In der Bau‑, Land- und Forst­wirt­schaft oder der Gebäu­de­rei­ni­gung sei Heim­ar­beit aber nur im Aus­nah­me­fall mög­lich. Wer in die­sen Bran­chen arbei­te, tra­ge zugleich ein grund­sätz­lich höhe­res Unfall­ri­si­ko – etwa durch Stür­ze von Gerüs­ten oder Ver­let­zun­gen mit Häcks­lern. An die Fir­men appel­liert die IG BAU, den Arbeits- und Gesund­heits­schutz „mit höchs­ter Prio­ri­tät“ zu behan­deln. Die­ser sei Teil der Für­sor­ge­pflicht des Arbeitgebers.

„Auf dem Bau ist ange­sichts der hohen Auf­trags­la­ge aktu­ell beson­ders viel zu tun. Die Arbeit­ge­ber sind es den rund 800 Beschäf­tig­ten der Bran­che in Bam­berg und rund 1.900 Beschäf­tig­ten der Bran­che im Land­kreis Bam­berg schul­dig, sie best­mög­lich vor Gefah­ren zu schüt­zen“, ergänzt Cars­ten Bur­ck­hardt, das für den Arbeits- und Gesund­heits­schutz zustän­di­ge Mit­glied im IG BAU-Bundesvorstand.

Nach Anga­ben der Berufs­ge­nos­sen­schaft BG BAU birgt auch der Arbeits­weg ein erheb­li­ches Unfall­ri­si­ko: Allein im ver­gan­ge­nen Jahr ver­un­glück­ten bun­des­weit 21 Bau-Beschäf­tig­te auf ihrem Weg zum Ein­satz­ort tödlich.

„Zu guten Arbeits­be­din­gun­gen zählt neben dem Arbeits­schutz eine fai­re Bezah­lung“, so Bur­ck­hardt. In der anste­hen­den Tarif­run­de für die Bran­che Bau­haupt­ge­wer­be setzt sich die Gewerk­schaft daher für ein Lohn-Plus von 5,3 Pro­zent ein. Außer­dem soll es eine Ent­schä­di­gung der meist unbe­zahl­ten, oft stun­den­lan­gen Wege­zei­ten zu den Bau­stel­len geben.

Künst­ler­haus Vil­la Concordia 

Arbeits­sti­pen­di­en für 15 Künst­le­rin­nen und Künstler

Kunst­mi­nis­ter Bernd Sibler gab heu­te die Namen der Sti­pen­dia­tin­nen und Sti­pen­dia­ten aus Deutsch­land und Finn­land bekannt, die seit April zu Gast im Inter­na­tio­na­len Künst­ler­haus in Bam­berg sind. Das Sti­pen­di­um gebe ihnen die „Mög­lich­keit, sich auch über Lan­des­gren­zen hin­weg zu begeg­nen, sich aus­zu­tau­schen und gegen­sei­tig zu inspirieren.“

„15 Künst­le­rin­nen und Künst­ler – sie­ben aus Deutsch­land und acht aus Finn­land – erhal­ten für fünf bezie­hungs­wei­se elf Mona­te ein Arbeits­sti­pen­di­um des Frei­staats Bay­ern im Inter­na­tio­na­len Künst­ler­haus Vil­la Con­cor­dia in Bam­berg, wo sie seit April 2021 zu Gast sind und die Spar­ten Bil­den­de Kunst, Lite­ra­tur und Musik ver­tre­ten“, gab Kunst­mi­nis­ter Bernd Sibler heu­te in Mün­chen bekannt. Die Län­ge ihres Auf­ent­halts wäh­len die Künst­le­rin­nen und Künst­ler selbst. „Gera­de in der Pan­de­mie, die unse­re unmit­tel­ba­ren Kon­tak­te sehr ein­schränkt, spü­ren wir, wie wich­tig das Mit­ein­an­der und der direk­te Aus­tausch mit unse­ren Mit­men­schen ist. Dar­aus schöp­fen wir Kraft, Freu­de und auch Krea­ti­vi­tät. Das Arbeits­sti­pen­di­um im Inter­na­tio­na­len Künst­ler­haus Vil­la Con­cor­dia soll – unter Ein­hal­tung der gän­gi­gen Hygie­ne- und Sicher­heits­maß­ga­ben – den Sti­pen­dia­tin­nen und Sti­pen­dia­ten die Mög­lich­keit geben, sich auch über Lan­des­gren­zen hin­weg zu begeg­nen, sich aus­zu­tau­schen und gegen­sei­tig zu inspi­rie­ren. Ich hei­ße die Künst­le­rin­nen und Künst­ler herz­lich will­kom­men in Bam­berg und wün­sche ihnen eine unver­gess­li­che Zeit voll krea­ti­ver Impul­se!“, so Staats­mi­nis­ter Sibler.


Berei­che­rung für das kul­tu­rel­le Leben in Bamberg

Die Sti­pen­dia­tin­nen und Sti­pen­dia­ten woh­nen und arbei­ten wäh­rend ihres Auf­ent­halts in Bam­berg im Inter­na­tio­na­len Künst­ler­haus Vil­la Con­cor­dia. Zudem erhal­ten sie monat­lich 1.500 Euro. Die Künst­le­rin­nen und Künst­ler prä­sen­tie­ren ihre Arbei­ten in öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen der Vil­la Con­cor­dia – soweit dies im Rah­men der infek­ti­ons­schutz­recht­li­chen Ver­ord­nun­gen mög­lich ist – und berei­chern damit auch das kul­tu­rel­le Leben in Bam­berg.
Seit der Errich­tung des Inter­na­tio­na­len Künst­ler­hau­ses in Bam­berg im Okto­ber 1997 wer­den in den Spar­ten Bil­den­de Kunst, Lite­ra­tur und Musik jedes Jahr Künst­le­rin­nen und Künst­ler aus Deutsch­land und aus einem ande­ren Land als Sti­pen­dia­tin­nen und Sti­pen­dia­ten des Frei­staats ein­ge­la­den. Die aus­län­di­schen Sti­pen­dia­ten der ver­gan­ge­nen Jah­re kamen unter ande­rem aus Eng­land, Frank­reich, Nor­we­gen, Polen, Schott­land, Grie­chen­land, Litau­en und zuletzt aus Slowenien.


2021 sind fol­gen­de deut­sche und fin­ni­sche Künst­le­rin­nen und Künst­ler in das Inter­na­tio­na­le Künst­ler­haus Vil­la Con­cor­dia eingeladen:


Bil­den­de Kunst

Die­ter Froelich (D)

Lena von Goe­de­ke (D)

Emma Hel­le (FI)

Heik­ki Mari­la (FI)

Tuuk­ka Tam­mi­saa­ri (FI)


Lite­ra­tur

Bene­dikt Fei­ten (D)

Lucy Fri­cke (D)

Veera Kaski (FI)

Arja Rin­ne­kan­gas (FI)

Johan­na Sini­sa­lo (FI)

Ant­je Rávik Stru­bel (D)


Musik

Ceci­lia Dam­ström (FI)

Eli­na Luki­ja­no­va (D)

Stef­fen Schlei­er­ma­cher (D)

Sau­li Zino­v­jev (FI)

Fahr­rad­de­mo

150 Bam­ber­ger Radfahrer:innen pro­tes­tie­ren gegen StayAwake

Am ver­gan­ge­nen Frei­tag ver­sam­mel­ten sich knapp 150 Radfahrer:innen vor dem Bam­ber­ger Bahn­hof, um gegen den bereits neun­ten Auto­kor­so der Pan­de­mie­leug­nen­den-Grup­pe Sta­yA­wa­ke Bam­berg zu protestieren.

Schar­fe Kri­tik an StayAwake

Leo­nie Acker­mann, Vor­sit­zen­de des AStA Bam­berg e.V., ver­ur­teil­te in einem Rede­bei­trag den Umgang von Sta­yA­wa­ke Bam­berg mit Kritiker:innen und Journalist:innen scharf: „Kritiker:innen von Sta­yA­wa­ke sind im ver­gan­ge­nen Jahr Ziel von Dro­hun­gen gewor­den. Fotos von ihnen wur­den in Tele­gram-Kanä­len geteilt. Es wur­de ver­sucht, sie nach Hau­se zu ver­fol­gen. Pressevertreter:innen wur­den bedrängt und belei­digt.
StayAwake-Aktivist:innen haben Per­so­nen, die sich gegen sie posi­tio­niert haben, mit Ein­kaufs­wä­gen im Super­markt ange­fah­ren.” Wei­ter stößt bei Acker­mann auf Ent­set­zen, dass ein Video im Tele­gram-Kanal des Neo­na­zis Sven Lie­bich geteilt wur­de, das Demonstrant:innen zeigt, die ver­gan­ge­nen März an einer Gegen­ver­an­stal­tung zum Mon­tags­spa­zier­gang von Sta­yA­wa­ke Bam­berg teil­ge­nom­men haben.

Knapp 150 Radfahrer:innen pro­te­si­tier­ten am Frei­tag gegen den bereits neun­ten Auto­kor­so der Pan­de­mie­leug­nen­den-Grup­pe Sta­yA­wa­ke Bamberg

Bereits zu Beginn der Kund­ge­bung hat­te sich Con­stan­tin Ganß, Spre­cher des Bam­ber­ger Jun­gen Forums der Deutsch-Israe­li­schen Gesell­schaft, geäu­ßert: „Oft han­delt es sich auch auf Bam­ber­ger Demos der Grup­pe Sta­yA­wa­ke nicht um Kri­tik an der Coro­na-Poli­tik. Unter dem Deck­man­tel der Maß­nah­men­kri­tik wer­den anti­se­mi­ti­sche Inhal­te ver­brei­tet.” Ganß sprach davon, dass auf einem Auto­kor­so der Grup­pe im März eine Fah­ne mit der Auf­schrift „Imp­fen macht frei” an einem Wagen mit­ge­führt wor­den sei.
Die­se Anleh­nung an den Schrift­zug „Arbeit macht frei“, der an den Toren von NS-Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern ange­bracht war, bezeich­ne­te der Spre­cher des Jun­gen Forums als „Holo­caust-Ver­harm­lo­sung und antisemitisch”.


Bunt gegen Verschwörungserzählungen

Um den demo­kra­tie­feind­li­chen und anti­se­mi­ti­schen Paro­len von Sta­yA­wa­ke etwas ent­ge­gen­zu­set­zen, fuh­ren die Teilnehmer:innen im Anschluss durch das Zen­trum der Stadt. Mit Schil­dern wie „Bam­berg bleibt bunt” und „Lauft nicht mit Nazis” sen­de­ten sie ein­deu­ti­ge Bot­schaf­ten in Rich­tung der ver­schwö­rungs­ideo­lo­gisch gepräg­ten Grup­pe. Die Organisator:innen wer­te­ten die Ver­an­stal­tung als vol­len Erfolg.
Der AStA Bam­berg e.V. begrüßt, dass immer mehr Men­schen in Bam­berg gegen die Akti­vi­tä­ten von Sta­yA­wa­ke Wider­stand leisten.

Jüdi­sches Bamberg

Rab­bi­ne­rin Ant­je Yael Deu­sel im Interview

Ant­je Yael Deu­sel ist Ärz­tin und Rab­bi­ne­rin der Libe­ra­len Jüdi­schen Gemein­de Misch­kan ha-Tfi­la Bam­berg. Seit der Shoa ist sie außer­dem die ers­te deut­sche Rab­bi­ne­rin, die auch in Deutsch­land ordi­niert wur­de. Im Okto­ber ver­gan­ge­nen Jah­res leg­te sie zusam­men mit ihrem Co-Autor Ort­win Beis­bart und im Geden­ken an den 2016 ver­stor­be­nen Co-Autor und Foto­gra­fen Rudolf Dani­el das Buch „Jüdi­sches Bam­berg – Ein Gang durch die Stadt“ zum zwei­ten Mal auf. Wir haben Ant­je Yael Deu­sel zum Gespräch über das jüdi­sche Bam­berg getroffen.

Frau Deu­sel, war­um haben Sie sich zur Neu­auf­la­ge von „Jüdi­sches Bam­berg“ ent­schie­den? Wor­in bestehen die Unter­schie­de zur ers­ten Version?

Ant­je Yael Deu­sel: Zum einen war die ers­te Auf­la­ge ver­grif­fen; zum ande­ren haben sich doch eini­ge neue Din­ge seit der Erst­auf­la­ge von 2013 erge­ben, wie zum Bei­spiel die Ent­de­ckung des Mik­wen-Raums, ein ehe­ma­li­ges Ritu­al­bad, im Quar­tier an den Stadt­mau­ern oder auch unser Zelt der Reli­gio­nen auf dem Markusplatz.


War­um haben Sie zur Beschrei­bung des jüdi­schen Bam­bergs die Form eines Stadt­rund­gangs gewählt?

Ant­je Yael Deu­sel: Das Büch­lein ist kein Geschichts­buch und will auch kei­ne hoch­wis­sen­schaft­li­che Abhand­lung sein, son­dern die etwa 1.000 Jah­re jüdi­sche Geschich­te in Bam­berg der inter­es­sier­ten Leser­schaft in gut les­ba­rer, kur­zer und doch kor­rek­ter Form ver­mit­teln, gera­de anhand des­sen, was in der Stadt noch sicht­bar ist.


Wel­che sind sei­ne deut­lichs­ten Spu­ren im Stadtbild?

Ant­je Yael Deu­sel: Vom „alten“ jüdi­schen Bam­berg sind – außer Mahn­mä­lern und Stol­per­stei­nen – in der Stadt nicht mehr all­zu vie­le sicht­ba­re und ent­spre­chend kennt­li­che Spu­ren vor­han­den, am ehes­ten viel­leicht der Israe­li­ti­sche Fried­hof. Im aktu­el­len Stadt­bild ist es sicher­lich die Syn­ago­ge Or Cha­jim mit dem neu­en Gemein­de­zen­trum in der Willy-Lessing-Straße.


Haben Sie das Gefühl, der Bam­ber­ger Bevöl­ke­rung sind die­se Spu­ren bekannt?

Ant­je Yael Deu­sel: Ich den­ke, es gibt auch für die Bam­ber­ger noch eini­ges zu ent­de­cken – Der „Gang durch die Stadt“ ist nicht nur für Tou­ris­tIn­nen eine span­nen­de Ent­de­ckungs­tour durch Bamberg.


Soll das Buch auch dazu die­nen, dem jüdi­schen Bam­berg in der Stadt­ge­sell­schaft mehr Sicht­bar­keit zu verschaffen?

Ant­je Yael Deu­sel: Das Buch soll über die Geschich­te des jüdi­schen Bam­berg infor­mie­ren, die ja eine sehr lan­ge ist. Vie­le Aspek­te sind heu­te nur noch weni­gen Men­schen bekannt, und man­che Spu­ren über­sieht man sehr leicht, wenn man nicht expli­zit dar­auf hin­ge­wie­sen wird. Gleich­zei­tig ist das jüdi­sche Leben in Bam­berg durch­aus nicht nur Geschich­te – es ist ja auch heu­te ein sehr leben­di­ges Juden­tum vorhanden.


Vor etwa fünf Jah­ren voll­zog sich die Tren­nung zwi­schen Ihnen und der Israe­li­ti­schen Kul­tus­ge­mein­de Bam­berg, deren Rab­bi­ne­rin Sie waren, nicht unbe­dingt ein­ver­nehm­lich. Dar­auf fol­gend eta­blier­ten Sie eine zwei­te jüdi­sche Gemein­de in Bam­berg. Wie sieht die Bezie­hung der bei­den Gemein­den heu­te aus?

Ant­je Yael Deu­sel: Heu­te bestehen die bei­den Gemein­den als eigen­stän­di­ge Gemein­schaf­ten neben­ein­an­der, und bei­de zusam­men ver­tre­ten das Juden­tum in und um Bam­berg, wie nicht nur anläss­lich der Fei­ern zu Gedenk­ta­gen und zur Woche der Brü­der­lich­keit immer wie­der sicht­bar wird.


Ihre Gemein­de trägt den Namen „Libe­ra­le Jüdi­sche Gemein­de Misch­kan ha-Tfi­la Bam­berg“. Was bedeu­tet libe­ral in die­sem Zusam­men­hang bezie­hungs­wei­se in Bezug auf die Israe­li­ti­sche Kultusgemeinde?

Ant­je Yael Deu­sel: Im Juden­tum gibt es ver­schie­de­ne Strö­mun­gen – ortho­dox, kon­ser­va­tiv-tra­di­tio­nell und libe­ral – deren Got­tes­diens­te jeweils unter­schied­li­chen Riten fol­gen, mit ent­spre­chen­den Unter­schie­den in der Lit­ur­gie. Unse­re Gemein­de Misch­kan ha-Tfi­la ist als Teil der Uni­on pro­gres­si­ver Juden in Deutsch­land eine aus­schließ­lich libe­ra­le Gemein­de. Damit erfol­gen unse­re Got­tes­diens­te nach dem libe­ra­len Ritus, mit einem Gebet­buch, das auf den libe­ra­len deut­schen Vor­kriegs­ge­bet­bü­chern basiert. Auch Musik­in­stru­men­te sind bei uns im Got­tes­dienst erlaubt, im Gegen­satz zu den Gemein­den mit kon­ser­va­ti­ver bezie­hungs­wei­se ortho­do­xer Ausrichtung.


Ste­hen Sie im Aus­tausch mit Ver­ei­ni­gun­gen ande­rer Reli­gio­nen? Wie ist es um das Mit­ein­an­der bestellt?

Ant­je Yael Deu­sel: Wir sind hier in Bam­berg in der glück­li­chen Lage, dass es ein sehr gutes und freund­schaft­li­ches Mit­ein­an­der der Reli­gio­nen gibt, was sich zum Bei­spiel in den gemein­sa­men Ver­an­stal­tun­gen im Zelt der Reli­gio­nen zeigt, das Chris­ten, Mus­li­me und Juden und seit kur­zem auch die Reli­gi­on Bahai mit ein­schließt. Die inter­re­li­giö­se Zusam­men­ar­beit ist über vie­le Jah­re gewach­sen und bil­det die Grund­la­ge für unse­ren trag­fä­hi­gen und kon­struk­ti­ven Dia­log der Reli­gio­nen in Bamberg.


Wie sieht Ihre täg­li­che Arbeit als Rab­bi­ne­rin aus?

Ant­je Yael Deu­sel: Als Rab­bi­ne­rin bin ich nicht nur zustän­dig für die Lei­tung von Got­tes­diens­ten und fürs Pre­di­gen, son­dern auch für die Seel­sor­ge in allen Lebens­la­gen und ‑situa­tio­nen. Ich bera­te und ent­schei­de in reli­gi­ons­recht­li­chen Fra­gen, und ich neh­me mich sozia­ler Belan­ge der Gemein­de­mit­glie­der an. Mei­ne Auf­ga­ben schlie­ßen auch den Reli­gi­ons­un­ter­richt für Schü­le­rIn­nen ein­schließ­lich der indi­vi­du­el­len Bar und Bat Mitz­wa-Vor­be­rei­tun­gen mit ein, dazu kommt mei­ne Lehr­tä­tig­keit an der Uni­ver­si­tät, das Enga­ge­ment im Ethik­kom­mit­tée der Sozi­al­stif­tung Bam­berg im Bereich Seel­sor­ge, außer­dem das Ver­fas­sen von Arti­keln für unter­schied­li­che jüdi­sche Zei­tun­gen und von Buch­bei­trä­gen. Eben­so geht die Arbeit im inter­re­li­giö­sen Dia­log wei­ter. Dazu kom­men noch diver­se Ver­wal­tungs­auf­ga­ben. All das geht auch zu Zei­ten von Coro­na wei­ter, wenn auch natür­lich unter ent­spre­chend erschwer­ten Bedin­gun­gen und mit höhe­rem Auf­wand, zumal nur ein Teil der Auf­ga­ben im Home Office erle­digt wer­den kann.


Die aktu­el­len, sich auf den Novem­ber erstre­cken­den Lock­down-Maß­nah­men bezie­hen sich nicht auf reli­giö­se Ver­samm­lun­gen. Wür­den Sie Ihren Gemein­de­mit­glie­dern zum Schutz vor Coro­na-Infek­tio­nen aber trotz­dem raten, in die­ser Zeit auf die Teil­nah­me an Got­tes­diens­ten aus­nahms­wei­se zu verzichten?

Ant­je Yael Deu­sel: Die Got­tes­diens­te fin­den statt, auch auf den instän­di­gen Wunsch von Gemein­de­mit­glie­dern, der­zeit in der Regel alle 14 Tage statt jede Woche, aber jede und jeder ent­schei­det selbst­ver­ständ­lich für sich, ob sie oder er dar­an teil­neh­men will. Wer krank ist, auch bei leich­tes­ten Sym­pto­men, oder als Kon­takt­per­son in Qua­ran­tä­ne ist, wird aus­nahms­los gebe­ten, zu Hau­se zu blei­ben, auch im Zwei­fels­fall. Wir neh­men die Pan­de­mie­vor­schrif­ten sehr ernst und haben auch ein ent­spre­chen­des Hygie­ne-kon­zept vor Ort, dazu die Abstands­re­ge­lun­gen und die Vor­schrift, wäh­rend des gesam­ten Auf­ent­halts im Bet­saal die Mas­ke zu tra­gen. Man muss sich auch jedes­mal vor­her anmel­den, bevor man am Got­tes­dienst teil­neh­men kann.


Wie groß ist Ihre Gemeinde?

Ant­je Yael Deu­sel: Zah­len­mä­ßig sind wir noch eine klei­ne Gemein­de, aktu­ell, noch, unter 100 Mit­glie­dern, jedoch ste­tig anwach­send, und mit einem recht jun­gen Alters­durch­schnitt von cir­ca 45 Jah­ren. Unser jüngs­tes Mit­glied ist fünf Jah­re alt, unser ältes­tes 94 Jahre.


Wie stark sind reli­giö­se Über­zeu­gun­gen im jüdi­schen Teil der Bam­ber­ger Bevöl­ke­rung ausgeprägt?

Ant­je Yael Deu­sel: Das ist sehr unter­schied­lich und reicht von säku­lar bis streng­gläu­big, wie in ande­ren Städ­ten auch. Eine ultra­or­tho­do­xe Aus­rich­tung gibt es in Bam­berg der­zeit nicht.


Wie stellt sich das jüdi­sche Bam­berg heu­te dar? Wie lässt sich das Leben als Jüdin oder Jude in Bam­berg beschreiben?

Ant­je Yael Deu­sel: Jüdin­nen und Juden leben in Bam­berg wie alle ande­ren Bür­ge­rin­nen und Bür­ger auch – außer dass unse­re Got­tes­diens­te unter Poli­zei­schutz statt­fin­den, der­zeit noch inten­si­ver durch die aktu­ell beson­ders hohe Gefährdungslage.


In den letz­ten Wochen und Mona­te gab es einen erneu­ten Anstieg von anti­se­mi­ti­schen rechts­extre­men und isla­mis­ti­schen Straf­ta­ten und Anschlä­gen. Wie sicher füh­len Sie sich, wie ist das Sicher­heits­emp­fin­den in Ihrer Gemeinde?

Ant­je Yael Deu­sel: Man­che Gemein­de­mit­glie­der sind besorgt und blei­ben teil­wei­se auch des­we­gen zu Hau­se, anstatt die Got­tes­diens­te zu besu­chen. Ande­rer­seits kann es auch nicht ange­hen, wie vie­le in der Gemein­de den­ken, dass wir aus Sor­ge vor anti­se­mi­ti­schen Anschlä­gen unse­re Got­tes­diens­te aus­set­zen und uns auch sonst in unse­rem jüdi­schen Leben ein­schrän­ken las­sen. Vor­sicht war und ist natür­lich immer gebo­ten, nicht erst jetzt, aber aktu­ell noch viel mehr als sonst.


Wie stark ist Anti­se­mi­tis­mus in Bam­berg ausgeprägt?

Ant­je Yael Deu­sel: Das ist in sei­nem genau­en Aus­maß schwie­rig zu sagen. Am ehes­ten kann Ihnen dazu wohl die Poli­zei Aus­kunft geben.


Vor kur­zem wur­den For­de­run­gen laut, zwei stei­ner­ne Figu­ren im Bam­ber­ger Dom, Eccle­sia und Syn­ago­ge, die die christ­li­che und die jüdi­sche Reli­gi­on dar­stel­len, zu ent­fer­nen, weil sie das Juden­tum abwer­ten. Was hal­ten Sie von die­sen Forderungen?

Ant­je Yael Deu­sel: Die­sel­be Fra­ge wur­de mir kürz­lich vom Anti­se­mi­tis­mus­be­auf­trag­ten in Bay­ern gestellt. Hier ist die Ant­wort, die ich ihm über­mit­telt habe: Wenn man die Sta­tu­en ent­fernt, ist es so, als woll­te man einen Teil der Ver­gan­gen­heit ent­fer­nen, womög­lich gar rück­wir­kend unge­sche­hen machen – letzt­lich gehört die Bild-Bot­schaft der Sta­tu­en ja zu einer bestimm­ten Zeit inner­halb der Geschich­te. Es gilt also weni­ger, die Sta­tu­en weg­zu­neh­men, als viel­mehr zum einen dazu zu ste­hen, was ein­mal war, und sich zum ande­ren gleich­zei­tig nach­hal­tig davon zu distan­zie­ren, zum Bei­spiel durch das Anbrin­gen geeig­ne­ter Info-Tafeln in situ.

Nun ist es mit den Info-Tafeln auch so eine Sache. Die aller­meis­ten Pas­san­ten wis­sen mit sol­chen und ähn­li­chen figür­li­chen Dar­stel­lun­gen per se schon nichts oder nichts mehr zu ver­bin­den – die Dis­kus­si­on inner­halb unse­res Gemein­de-Vor­stan­des ging dem­entspre­chend auch dahin, ob man die Leu­te nicht erst „mit der Nase dar­auf stößt“ – ande­rer­seits ist es aber doch so, dass ein lang­sa­mes In-Ver­ges­sen­heit-Gera­ten-Las­sen frü­he­rer Juden­feind­lich­keit der Natur der Sache auch nicht dien­lich sein kann. Es gilt also, die Bot­schaft der Sta­tu­en in den zeit­li­chen Kon­text zu stel­len: Was bedeu­te­ten sie einst­mals, was kön­nen sie heu­te bedeu­ten? Von Schmä­hung und Ver­höh­nung der Juden zur Zeit ihrer Ent­ste­hung – und lei­der noch lan­ge danach – kann sich die Bot­schaft doch auch wan­deln. Hier rei­chen Info-Tafeln allei­ne viel­leicht nicht aus – ich den­ke dabei an unse­re vie­len Tou­ris­ten­füh­re­rIn­nen, die auf­ge­ru­fen sind, in dem Zusam­men­hang die rich­ti­gen Wor­te zu fin­den. Denn wenn sich jemand für die Sta­tu­en inter­es­siert, dann soll er oder sie auch die ent­spre­chen­den Infor­ma­tio­nen zu damals ver­sus heu­te bekom­men, und wer sich nicht dafür inter­es­siert, der oder die schaut sich auch kei­ne Info-Tafeln an und nimmt nicht unbe­dingt an einer ent­spre­chen­den Stadt- oder Dom­füh­rung teil, son­dern geht unbe­tei­ligt an den Sta­tu­en vorbei.

Nun soll­te man aber auch beden­ken: Die zwei Sta­tu­en allei­ne machen es ja nicht aus. Was ist mit dem gars­ti­gen Teu­fel­chen, das dort am Dom auf der Sei­te der Syn­ago­ge her­un­ter­turnt und dem Mann mit Juden­hut das rech­te Auge aus­kratzt? Die aller­meis­ten Besu­cher ken­nen die Bild-Bot­schaft von Syn­ago­ge und Eccle­sia, die durch­aus nicht auf den Dom zu Bam­berg beschränkt ist – aber den bösen klei­nen Teu­fel, den ent­deckt man in der Regel erst, wenn man dar­auf hin­ge­wie­sen wird.

Ich per­sön­lich den­ke, die bild­li­che Bot­schaft muss mit einer ver­ba­len Bot­schaft oder Gegen-Bot­schaft, ob im gedruck­ten, ob im geschrie­be­nen Wort, ver­bun­den wer­den, damit der eins­ti­gen Bot­schaft des Has­ses ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den kann, damit die Men­schen zum Nach­den­ken, womög­lich auch zum Umden­ken gebracht wer­den. Dies ist kei­ne ein­ma­li­ge Akti­on, die man erreicht durch ein Ent­fer­nen der „Stei­ne des Ansto­ßes“, son­dern eine fort­wäh­ren­de auf­klä­rend wir­ken­de Beschäf­ti­gung mit der den Sta­tu­en und Inschrif­ten imma­nen­ten Ideo­lo­gie – wer weiß, viel­leicht sogar mit neu­en, zeit­ge­mä­ßen bild­li­chen Gegen-Dar­stel­lun­gen – ist die Kraft eines Bil­des doch ein­präg­sa­mer als jeg­li­ches Wort.

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