Neuer Vorstand des MIB
“Die Herausforderungen der Integration werden nicht kleiner”
Der Migrantinnen- und Migrantenbeirat der Stadt Bamberg (MIB) hat seinen neuen Vorstand gewählt. Seit Anfang März leiten, wie sie es im zurückliegenden Jahr bereits kommissarisch taten, Mitra Sharifi und Marco Depietri als Doppelspitze den MIB. Wir haben mit den beiden über die kommenden Aufgaben, die Auswirkungen der Pandemie auf Integration und Identitätspolitik gesprochen.
Frau Sharifi, Herr Depietri, wieso sind Sie zur Wahl als Doppelspitze angetreten?
Mitra Sharifi: Als unser ehemaliger Vorsitzender Mohamed Addala 2018 zurückgetreten ist, habe ich den Vorschlag gemacht, mit einer Doppelspitze weiterzumachen. Erstens weil ich finde, dass der Vorsitz des MIB eine Aufgabe ist, die sich auch gut von zwei Leuten machen lässt und zweitens, weil wir auch im Vorstand, und in unseren Strukturen, Diversität haben möchten. Und in der Zeit, in der Herr Depietri und ich als Doppel gearbeitet haben, haben wir festgestellt, dass diese Konstellation sehr gut funktioniert. Wir ergänzen uns und können gut miteinander. Deshalb wurde die Satzung des MIB dahingehend geändert, dass auch zwei Leute den Vorstand innehaben können, und wir haben uns gemeinsam zur Wahl gestellt.
Marco Depietri: Ich muss sagen, dass ich am Anfang ein bisschen skeptisch gegenüber der Satzungsänderung war, weil wenn immer zwei Leute zur Wahl antreten müssen, aber der Fall eintritt, dass sie sich nicht verstehen, müsste man die Satzung wieder zurückändern. Eine Doppelspitze kann nur funktionieren, wenn man sich gut versteht. Darum sieht die Satzung jetzt vor, dass auch andere Szenarien ohne Doppel möglich sind und bei Bedarf eine Person Vorsitzende*r werden kann.
Wer hat welche Aufgaben?
Mitra Sharifi: Ganz genau haben wir die Aufgaben noch nicht festgelegt. Aber Herr Depietri übernimmt zum Beispiel schon jetzt sehr viel unsere Online-Arbeit. Gerade in der Pandemie hat er uns damit sehr geholfen. Auch im Bereich Stadtteilarbeit, in dem wir noch mehr machen wollen, ist stärker Marcos Aufgabe. Die Organisation der Internationalen Wochen gegen Rassismus, die gerade zu Ende gegangen sind, habe hingegen ich übernommen. Abgesehen von uns zwei haben wir im Vorstand sehr kompetente und engagierte Kolleg*innen, mit denen wir die Aufgaben teilen werden.
Bei der Wahl gab es keine Gegenkandidat*innen. Trotzdem gingen, bei einer ungültigen Stimme, nur 13 von 20 Stimmen an Sie. Sechs Personen haben also gegen Sie gewählt. Wie gehen Sie mit dieser Ablehnung um?
Mitra Sharifi: Ich glaube, dass diese sechs Leute im MIB immer noch starke Probleme mit dem Wahlbrief der SPD von 2019 haben, der möglicherweise gegen den Datenschutz verstoßen hat. Dieser mögliche Verstoß hat aber nichts mit dem MIB zu tun. Der Beirat hatte nichts falsch gemacht, sondern die Stadtverwaltung hatte die Daten an die SPD gegeben. Das ist nach dem Wahlgesetz erlaubt, allerdings nur nach Alter und Adresse sortiert. Verwaltung und Oberbürgermeister hatten angenommen, dass die Sortierung von Adressen auch nach dem Merkmal der Nationalität erlaubt sei, was nun von einem Gericht anders gesehen wurde. Aber der MIB hatte mit dem Ganzen gar nichts zu tun. Im Übrigen war Herr Addala auch mit 13 Stimmen gewählt worden.
Werden Sie versuchen, diese sechs Leute umzustimmen?
Marco Depietri: Das ist auf jeden Fall unser Wunsch. Ob wir das hinkriegen, wird sich zeigen. Aber das Vertrauen wieder herzustellen, ist keine Einbahnstraße – es muss auch etwas von diesen Leuten kommen. Wir werden aber nicht versuchen, die kritischen Stimmen zu isolieren. Es gibt viel zu tun und wir können unsere Aufgabe nur gemeinsam bewältigen.
Mitra Sharifi: Wir haben uns darum bemüht, die Bedenken dieser Kolleg*innen auszuräumen. Leider haben wir das noch nicht geschafft. Mir scheint, dass sich die Verhältnisse bei diesem Thema ein bisschen festgefahren haben. Es gab auch Forderungen, Marco solle nicht zur Wahl antreten oder die Wahl zu verschieben, bis der Prozess gegen den OB geklärt ist. Aber eine große Mehrheit im Beirat hat dies abgelehnt und will nach vorne schauen. Wir arbeiten daran, dass Vertrauen wieder entsteht. Ich hoffe, dass Marco an seinen Taten beurteilt wird und Stadtrat, Parteien und Medien uns die Chance geben, unsere Arbeit zu machen.
Aber finden Sie die Bedenken beziehungsweise Anschuldigungen an sich falsch?
Marco Depietri: Ich habe die Sache schon in der öffentlichen Sitzung vom April 2020 erläutert und geklärt und mich für die Irritationen entschuldigt. Das habe ich dann auch in anderen Sitzungen sowie zuletzt in der Wahlsitzung wiederholt. Man konnte im Vorfeld nicht wissen, welche Auswirkungen der Wahlbrief hat. Es gibt im MIB zwar auch Mitglieder, die den Brief nicht für einen Fehler halten, aber ich habe auch gesagt, dass jede Irritation eine Irritation zuviel ist. Es ist natürlich berechtigt, dass andere anders denken. Aber ich habe in langen Sondersitzungen jede Frage zum Thema beantwortet und wir möchten es beenden und im MIB ein neues Kapitel aufschlagen.
Vorher haben Sie die Doppelspitze des MIB kommissarisch ausgefüllt, jetzt sind Sie wirklich an der Macht. Was hat sich seit der Wahl geändert?
Mitra Sharifi: Eigentlich nicht viel. Aber man wird vom MIB mehr hören – auch in der Kommunalpolitik. Wir haben uns vorgenommen, weil wir ja auch unsere Ausschüsse neu gewählt haben, mehr Themen gründlicher zu bearbeiten und auch mehr Anträge in der Politik einzubringen, um die Interessen von Migrant*innen noch deutlicher zu artikulieren.
Marco Depietri: Mitra hat es schon erwähnt – die Stadtteilarbeit wird in den nächsten Jahren grundlegend für uns. Wir wollen nicht, dass die Migrant*innen zu uns kommen müssen, sondern wir kommen zu ihnen.
Was sind die drängendsten Probleme, die der MIB angehen will?
Mitra Sharifi: Wir stellen fest, dass politische Entwicklungen, und auch Corona, die gesellschaftliche Spaltung zwischen migrantischen und nicht-migrantischen Bevölkerungsteilen vertiefen. Zum Beispiel im Bildungsbereich. Das ist zwar kein rein kommunales Problem, sondern ein strukturelles, aber hier werden wir aktiv werden. Kinder mit Migrationsgeschichte stehen noch zu oft vor strukturellen Barrieren, die ihnen den Zugang zu Bildung erschweren. Wir wollen den Zusammenhalt stärken und auf kommunaler Ebene die Möglichkeiten ausschöpfen, damit Kinder mehr Chancengleichheit haben. Ein anderer wichtiger Bereich, ist der Einsatz für eine Antidiskriminierungsstelle, damit Rassismus und Diskriminierung ernster genommen werden. Wir möchten Betroffene stärken, ihnen mehr Sichtbarkeit und Selbstbewusstsein in der Stadtgesellschaft ermöglichen und grundlegend mehr präventive Arbeit machen. Die Stadtteilarbeit wäre wieder ein gutes Beispiel. Gerade in der Begegnung zwischen Kulturen kann man Vorurteile abbauen und Menschen erreichen, die sonst vielleicht von Rechtspopulisten erreicht werden würden. Wir wollen auch die Mehrheitsgesellschaft ansprechen und gerade in den Stadtteilen ist es nicht so wichtig, woher man kommt, sondern was ein Stadtviertel braucht, um das Leben dort besser zu machen.
Aber wie sind Begegnungen in der begegnungslosen Pandemiezeit möglich?
Mitra Sharifi: Unmöglich ist es nicht. Wir haben uns fast ohne Pause in der ganzen Pandemiezeit digital getroffen und Veranstaltungen durchgeführt. Aber natürlich haben wir die Hoffnung, dass es bald wieder besser wird. Allerdings habe ich die Sorge, dass das ohnehin begrenzte Budget für Anti-Diskrimininierungs-Projekte oder im sozialen Bereich durch Corona noch kleiner wird. Integration ist eine freiwillige Aufgabe und solche Dinge sind immer die ersten, die gestrichen werden, wenn gespart werden muss.
Macht die Pandemie Integration schwieriger?
Mitra Sharifi: Die Herausforderungen der Integration werden nicht kleiner. Wir wissen, dass Migrant*innen von Corona und den wirtschaftlichen Folgen der Pandemiebekämpfung stärker betroffen sind, weil sie viel öfter in beengten Wohn- und prekären Arbeits-Verhältnissen leben und keine Reserven haben. Auch Schüler*innen mit Migrationsgeschichte, die noch Sprachförderung brauchen, aber kaum Zugang zu digitalen Unterrichtsmöglichkeiten haben, haben ein verlorenes Jahr hinter sich. Wir machen uns große Sorgen, wie diese Lücken geschlossen werden können.
Das zuletzt ratlos wirkende und nur wenig wirkungsvolle Vorgehen der Bundesregierung in der Pandemiebekämpfung wird auch noch begleitet von einem Hin und Her der konkreten Maßnahmen und der Kommunikation. Wie kommt das politische Vorgehen in migrantischen Kreisen an?
Mitra Sharifi: Am Anfang der Pandemie waren die Leute sehr dankbar, dass es hier klarere und bessere Regelungen gab als in ihren Heimatländern. Aber man hat auch in migrantischen Kreisen begonnen, die deutschen Maßnahmen mit denen anderer Länder zu vergleichen und sieht, wie langsam zum Beispiel die Impfkampagne vorankommt. Allgemeine Regeln wie das Tragen von Masken oder Abstandhalten zu kommunizieren ist kein Problem. Wenn wir aber spezifische Regelungen weitergeben wollen, die an lokalen Zuständen oder Inzidenzen festgemacht und alle paar Tage angepasst werden müssen, wird es schwerer. Wir haben beim bayerischen Staatsministerium versucht, schnell Informationen in verschiedenen Sprachen über Regeln, die sich schnell ändern, zu bekommen. Da gibt es zum Teil immer noch Probleme.
Ein Thema, das in den letzten Wochen einen großen Teil der Berichterstattung ausmachte, ist die sogenannte Identitätspolitik. Die einen loben sie als emanzipatorische Bewegung diskriminierter Gruppen, die Menschen eine Stimme und Einfluss verleiht, die geschichtlich unterdrückt waren und ihre Bedürfnisse und Forderungen bisher politisch-gesellschaftlich nicht einbringen konnten. Andere kritisieren sie als debattenfeindlich, weil sie die Gültigkeit von Argumenten zu oft an Betroffenheit von Diskriminierung und/oder Hautfarbe anstatt am Inhalt der Argumente festmacht. Wie stehen Sie zur Identitätspolitik?
Mitra Sharifi: Ich freue mich darüber, dass Rassismus seit einigen Monaten viel mehr öffentliche Aufmerksamkeit bekommt und viel deutlicher angeprangert wird – dass auch marginalisierte und von Diskriminierung betroffene Gruppen ihre Stimme erheben können. Es gibt gesellschaftliche Macht-Strukturen, die Benachteiligung verursachen. Diese Strukturen muss eine Gesellschaft sehen und anerkennen, um sie ändern zu können. Wenn Menschen allerdings nur über ihre Merkmale, seien es Geschlecht, Hautfarbe oder Sexualität, definiert werden und derart extrem getrennt wird, dass über, zum Beispiel, Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe nur mitreden darf, wer davon betroffen ist, finde ich das nicht gut. Ich finde es gut, wenn man, wie aktuell beim Beispiel der Übersetzung des Textes von Amanda Gorman, zuerst schaut, ob es für die Aufgabe nicht eine schwarze Übersetzerin gibt. Schlecht ist aber, wenn Hautfarbe oder Geschlecht die Identität alleine bestimmen. Wir befinden uns noch in einer solchen gesellschaftlichen Ungleichheit, dass wir noch eine ganze Zeit lang Gleichstellungspolitik machen müssen. Diese Politik bedeutet unter anderem, ein gesellschaftliches Bewusstsein der strukturellen Ungleichheit zu entwickeln und strukturell benachteiligte Gruppen zu fördern. Dafür müssen diskriminierte Gruppen ihre Stimme erheben und ihre Identität behaupten, während gesellschaftlich privilegierte Gruppen diese Bestrebungen aushalten und akzeptieren müssen, einen Teil ihrer Privilegien abzugeben. So, hoffe ich, kann man eine Gesellschaft dahingehend ändern, dass alle Menschen gleich sein können.
Marco Depietri: Menschen mit bestimmten Merkmalen, wie nicht-weißer Hautfarbe, machen andere Erfahrungen im Leben als Weiße. Wir müssen ihnen zuhören und offen für ihre Sicht sein. Deshalb finde ich es gut, wenn diese Leute ihre Rechte verlangen. Aber nicht alle gegen alle, sondern gemeinsam.
Das könnte Sie auch interessieren...
Corona
Projekt „Bamberger Schnelltestbus“ erfolgreich – Angebot um eine weitere Station erweitert
Seit zwei Wochen ist der Bamberger Schnelltest-Bus im Betrieb und fährt bislang von Dienstag bis Freitag acht Stationen im Bamberger Stadtgebiet an. Nun wird das mobile Schnelltest-Zentrum um eine Station erweitert – ab kommendem Donnerstag, dem 6. Mai, wird Testen auch in Wildensorg möglich sein.
„Wir sind sehr zufrieden, dass der Bamberger Schnelltestbus von den Bürgerinnen und Bürgern so gut angenommen wird. Ab nächster Woche wird auch Wildensorg angefahren“, so Oberbürgermeister Andreas Starke nach zwei Wochen Praxiserfahrung. „Damit“, so Starke, „wird der „Gesundheitsschutz für die Bevölkerung verbessert und die Testinfrastruktur erweitert.“
Der Bamberger Schnelltestbus wird von der HTK Hygiene Technologie Kompetenzzentrum GmbH (HTK), einem Tochterunternehmen der Sozialstiftung Bamberg, betrieben. Der Bus fährt von Dienstag bis Samstag täglich zwei Stationen an und führt ohne Voranmeldung und unkompliziert ca. 90 kostenlose Bürgertests pro Tag durch. Ab Donnerstag, den 6. Mai können sich die Wildensorger zwischen 12.30 und 14 Uhr vor Ort an der Haltestelle Eichelseeweg testen lassen. Dafür entfällt der Halt „Fuchsparkstadion“ donnerstags. Stattdessen wird das „Fuchsparkstadion“ jetzt samstags angefahren – erstmalig am 8. Mai. Von 9 bis 11 Uhr und 12.30 bis 14 Uhr können sich die Bürgerinnen und Bürger dann dort vor Ort testen lassen.
Es ist nicht notwendig, sich für einen Test anzumelden, aber man sollte sich ausweisen können. Der Bus hält pro Station 1,5 Stunden vor Ort und kann circa 45 Tests in dieser Zeit durchführen. Betrieben wird die mobile Teststation von der HTK Hygiene Technologie Kompetenzzentrum GmbH, einem Tochterunternehmen der Sozialstiftung Bamberg, das bereits das Schnelltestzentrum am ZOB betreibt.
Wer einen Test benötigt, kann sich zu folgenden Zeiten an den jeweiligen Haltestationen einfinden:
Dienstag
9.30 bis 11.00 Uhr Gartenstadt/Kunigundenschule
12.30 bis 14.00 Uhr Kramersfeld-Bruckertshof/Wendeplatte an der Kemmerstraße
Mittwoch
9.30 bis 11.00 Uhr Gaustadt/Wendeplatte am Sylvanersee
12.30 bis 14.00 Uhr Gereuth/Wunderburg Grunfläche am Wolfgangsplatz
Donnerstag
9.30 bis 11.00 Uhr Bamberg-Ost/ Weißenburgstraße/“Haltestelle Kantstraße“
12.30 bis 14.00 Uhr Wildensorg/Haltestelle Eichelseeweg
Freitag
9.30 bis 11.00 Uhr Bamberg-Südwest/Parkbucht nach der Haltestelle St. Urban,
12.30 bis 14.00 Uhr Bamberg Bug/Parkplatz gegenüber Hotel Buger Hof
Samstag
9.30 bis 11.00 Uhr Bamberg-Ost/Unterer Parkplatz vor dem Fuchsparkstadion
12.30 bis 14.00 Uhr Bamberg-Ost/Unterer Parkplatz vor dem Fuchsparkstadion
Mohamed Hédi Addala-Weg eröffnet
Interreligiöser Weg „Auf den Spuren des Zelts der Religionen“
Das „Zelt der Religionen“ hat nach der Landesgartenschau auf der ERBA-Insel im Jahr 2012 seinen festen Platz am Markusplatz gefunden. Ein Fußweg zwischen beiden Stationen wurde nun dem langjährigen Vorsitzenden des Migrantinnen- und Migrantenbeirates (MIB) gewidmet: Mohamed Hédi Addala.
Bereits im Jahr 2020 war die Idee entstanden, einen interreligiösen Weg „Auf den Spuren des Zelts der Religionen“ zu schaffen. Wer die etwa zwei Kilometer der nun eröffneten Strecke geht, kann sich an insgesamt sieben Stationen mit verschiedenen Aspekten im Leben und Glauben von Juden, Christen, Muslimen und Bahá´í beschäftigen. Benannt wurde der Weg nach Mohamed Hédi Addala, der vergangenes Jahr verstorben ist. „Als langjähriger Vorsitzender des MIB ist er unvergessen. Er hat den interreligiösen Dialog unserer Stadt entscheidend geprägt“, sagte Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke bei der Feierstunde, die unter strengen coronakonformen Vorgaben stattfand.
Addala hatte zudem das Projekt des „Zelts der Religionen“ gefördert und begleitet. In Zeiten der Pandemie setze man nun „ein Hoffnungszeichen, einen Hoffnungsweg“, so Dekan Hans-Martin Lechner, erster Vorsitzender des Fördervereins „Zelt der Religionen“. Er bedankte sich bei allen Organisatoren, beim Gartenamt der Stadt Bamberg und bei Oberbürgermeister Andreas Starke für die unkomplizierte Umsetzung des Weges. Addalas Witwe Elisabeth sprach von „einer großen Freude und Ehre für meine Familie und mich“. Das „Zelt der Religionen“ sei ein Ort des Glaubens, an dem das Miteinander bereichert werde.
Die sieben Stationen des interreligiösen Weges stellte Rabbinerin Yael Deusel, zweite Vorsitzende des Fördervereins, vor. Ausführliche Informationen zum „Mohamed Hédi Addala-Weg“ gibt es am „Zelt der Religionen“ auf einem Flyer und im Internet unter www.zelt-der-religionen.de.
Am Ende der Feierstunde sprachen Dekan Hans-Martin Lechner, Rabbinerin Yeal Deusel, Imam Yasar Sahin und Birgit Asbeck von den Bahá’i Gebete der verschiedenen Religionen.
Das könnte Sie auch interessieren...
Jahresausstellung Kunstverein
Die Seele des Papiers
Löwenköpfe, Skulpturen aus Geldscheinschnipseln, ein Corona-Chor – aus dem Werkstoff Papier lässt sich einiges herausholen. Die Jahresausstellung des Kunstvereins zeigt in der Villa Dessauer, wie verschiedene Künstlerinnen und Künstler die gestalterischen Möglichkeiten von Papier ausloten. Die tagesaktuellen Öffnungszeiten sind online auf der Homepage des Kunstvereins einzusehen. Dort wird die Ausstellung darüberhinaus unabhängig von den Öffnungsperspektiven auch digital begleitet, beispielsweise durch Interviews mit den ausstellenden Künstlern. Das Webecho hat mit Barbara Kahle, Vorsitzende des Kunstvereins, gesprochen.
Gedrucktes und Papier, heißt es, seien tot und alles wird nur noch online und elektronisch gemacht. Warum haben Sie für die Jahresausstellung des Kunstvereins den Werkstoff Papier als Grundvoraussetzung gewählt?
Barbara Kahle: Gerade deshalb! Papier verschwindet durchaus im allgemeinen Bewusstsein, Papier als Speichermedium geht zurück und die digitale Veränderung ist unumkehrbar – das erkennen wir an. Aber Papier könnte in der Zukunft auch vor dem Hintergrund des Themas Umweltschutz wieder mehr Bedeutung gewinnen. Es wird viel geforscht, um zum Beispiel Verpackungen aus Plastik abzuschaffen und wieder viel stärker auf Papier zu setzen. Auf der anderen Seite hat Papier in der Kunst immer eine große Rolle gespielt. Um das wieder ins Bewusstsein zu bringen, machen wir diese Ausstellung. Als Skizzenpapier, als Vorstufe der Leinwand, wurde Papier schon seit Jahrhunderten genutzt. Seit dem 20. Jahrhundert diente es vermehrt als eigenständiges künstlerisches Medium. Das ist eine Errungenschaft, die der Kunst der Moderne zuzurechnen ist. Dazu gehört auch der Ansatz, den so gut wie alle Werke, die wir zeigen, verfolgen, unter Beibehaltung des Materials Papier, die plane Fläche ins Dreidimensionale hinein zu erweitern, bis man zwischen Bild und Skulptur kaum mehr unterscheiden kann.
Nach welchen Gesichtspunkten haben Sie die Künstler*innen für die Ausstellung ausgewählt?
Barbara Kahle: Die Ausstellung war schon für das Jahr 2020 geplant, aus bekannten Gründen musste sie verschoben werden. Wir haben nach Künstlern gesucht, die mehr oder weniger ausschließlich mit Papier arbeiten. Ein ganz großer Ankerpunkt dabei waren die Werke von Andreas von Weizsäcker, dessen Löwenkopfskulpturen im Ausstellungsraum der Villa Dessauer auch sehr viel Raum einnehmen. Dann haben wir uns überlegt, wen wir noch dazunehmen könnten. Es geht uns darum zu zeigen, welche Gestaltungsmöglichkeiten mit Papier möglich sind. Wir zeigen unter anderem verschiedene Falttechniken, so hat etwa Simon Schubert Räume der Villa Dessauer in Papier gefaltet, Skulpturen, Papierschmuck, Prägedruck und im Begleitprogramm etwa ein Konzert mit Klanginstrumenten aus Papier und ein szenisches Erzählstück des Papiertheaters mit Johannes Volkmann.
Die vier Papierskulpturen von Andreas von Weizsäcker nennen Sie Ihren Corona-Chor. Was hat es damit auf sich?
Barbara Kahle: Diese vier Skulpturen sind eigentlich Wasserspeiern des Münchner Rathauses abgeformt. Aber weil sie mit ihren offenen Mündern so einen klagenden, gemeinsam über möglicherweise die Pandemie heulenden Eindruck machen, erinnert mich das an einen Chor.
Begleitend zur Ausstellung haben Sie ein vielfältiges Rahmenprogramm entworfen. Ein Termin ist der 13. Juni, an dem anhand der Werke von Erwin Hapke die Seele des Papiers beleuchtet werden soll. Was ist die Seele des Papiers?
Barbara Kahle: Wir hatten das Glück, einen kleinen Zuschuss für die Erstellung eines Begleitprogramms aus dem Neustart-Kultur-Kunstfonds zu bekommen.
Bei der Ausstellung ist es uns wie immer wichtig, Objekte zu präsentieren, die sich die Leute im ganz traditionellen Sinne anschauen können. Daneben haben wir aber ein vielfältiges Interaktions- und Vermittlungsprogramm entwickelt, um sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise dem Thema Papier annähern zu können. Am 13. Juni etwa wollen wir uns speziell mit den gefalteten Papierarbeiten von Erwin Hapke beschäftigen. Papier ist auf der einen Seite sehr haptisch. Man kann damit arbeiten, es falten, es zerknüllen oder damit kruscheln, wie es Lore Bert macht. In dem angesprochenen Faltwerk kann man darüber hinaus eine explikative Metapher unseres Daseins sehen. Das komplexe Falten wird zum Modell unseres Weltverstehens.
Der verstorbene Erwin Hapke, promovierter Biologe und ein Sonderling und Besessener, hat sozusagen mit dem Papier gelebt und ein gefaltetes Universum hinterlassen. Alle Formen des Seins sind in das zarte Papier eingeschrieben, die wahrzunehmen uns Muße und Verweilen abverlangt. In diesem Zusammenhang spricht der Philosoph und Neffe von Hapke, Matthias Burchardt, von der Seele des Papiers.
Papier ist ein nicht besonders widerstandfähiger und fragiler Werkstoff. Wie gehen Sie zum Beispiel beim Aufbau der Ausstellung, damit um?
Barbara Kahle: Ja, da ist ein Problem, mit dem die Künstler und auch Nachlassverwalter oder Nachfahren von Papierkünstlern zu kämpfen haben. Zum Beispiel die Löwenköpfe von Weizsäcker sind ziemlich empfindlich und als er sie geschaffen hat, tat er dies sicherlich nicht, damit man sie ständig auf- und abbaut. An einigen Stellen mussten sie bereits restauriert, verstärkt und mit Magneten, die die Teile zusammenhalten, versehen werden.
Die Ausstellungseröffnung am 23. April musste wegen der Pandemie bereits abgesagt werden. Wie steht es um die folgenden Termine?
Barbara Kahle: Die Regelungen für den Museumsbereich sehen ja derzeit so aus, dass man bei einem Inzidenzwert zwischen 50 und 100 öffnen und Publikum, nach Voranmeldung, empfangen kann. Mitte April liegt die Inzidenz in Bamberg bei 112 – ob die Villa Dessauer Ende April geöffnet werden kann, müssen wir also schauen. Versammlungen, wie bei einer Vernissage, sind aber absolut tabu.
Wie schwer würde es den Kunstverein treffen, wenn keine der Begleitveranstaltungen stattfinden kann?
Barbara Kahle: Sehr schwer. Finanzielle Nachteile hätten wir keine, möchte ich an dieser Stelle sagen. Die Gelder sind uns unter anderem von der Stadt Bamberg zugeflossen. Aber wir haben die Ausstellung mit solch einer Begeisterung, und auch körperlicher Anstrengung, vorbereitet und aufgebaut und denken, dass sie den Besuchern großen Spaß machen würde, dass uns ein Ausfall sehr leidtun würde. Wir werden die Schau ganz bewusst länger als die üblichen sechs Wochen laufen lassen, damit wir auf den Sommer und bessere Inzidenzzahlen hoffen können. Vielleicht können wir zur Finissage die Begegnung von Besuchern und Künstlern nachholen.
Gäbe es online ein Ausweichangebot?
Barbara Kahle: Ja, wir werden die Ausstellung auch digital begleiten. Wenn wir nicht öffnen können, möchten wir die Ausstellung zumindest multimedial begleiten. Wir sind auf Facebook, Instagram und Youtube unterwegs und bieten dort zum Beispiel Interviews mit den Künstlern und Einblicke in ihre Werke. So haben wir wenigstens einen Bruchteil von Ausstellungsbegleitung. Das ist natürlich kein Ersatz für den Besuch einer Ausstellung, aber ein interessantes ergänzendes Angebot.
Weitere Informationen:
Ausstellung “Papier”, 24. April bis 27. Juni, Villa Dessauer
Außerdem:
Ausstellung von Jürgen Wilhelm “Abstraktion Photographie”, 3. bis 31. Mai, Schützenstraße 4
Gespräche mit dem Ziel einer Fusion
VR Bank Bamberg-Forchheim eG und Vereinigte Raiffeisenbanken wollen ihre Kräfte bündeln
Die VR Bank Bamberg-Forchheim eG und die Vereinigten Raiffeisenbanken Gräfenberg-Forchheim-Eschenau-Heroldsberg eG führen Gespräche mit dem Ziel einer Fusion, wie die beiden Bankhäuser heute auf einer Pressekonferenz bekanntgaben. Aus beiden Instituten würde eine neue gemeinsame Bank mit einer Bilanzsumme von 3,3 Mrd. Euro und mehr als 150.000 Kunden entstehen.
„Unser Ziel ist es, in einer für Banken anspruchsvollen Zeit auch weiterhin eine wirtschaftlich starke und leistungsfähige Regionalbank mit attraktiven Lösungen für unsere Mitglieder und Kunden zu sein“, erklärte Gregor Scheller, der Vorstandsvorsitzende der VR Bank Bamberg-Forchheim eG. Darüber hinaus würde aus den beiden Genossenschaftsbanken in Forchheim, der Volksbank und der Raiffeisenbank, nunmehr eine VR Bank. Eine Platzfusion, die in Bamberg schon vor mehr als 20 Jahren vollzogen wurde.
Beide Banken sind davon überzeugt, dass die aktuellen Herausforderungen wie Negativzins, regulatorische Auflagen und Digitalisierung langfristig in einer größeren Einheit erfolgreicher bewältigt werden können. Hinzu kommt noch das überschneidende Geschäftsgebiet in Forchheim. Hier sind bisher beide Banken einzeln vertreten. „Wir haben in der geschäftspolitischen Ausrichtung eine nahezu deckungsgleiche strategische Philosophie mit einem Schwerpunkt auf die regionale Kundennähe“, so Stefan Benecke, Vorstand der Vereinigten Raiffeisenbanken. Die Aufsichtsräte beider Banken haben in den vergangenen Wochen jeweils einstimmig der Aufnahme konkreter Fusionsgespräche mit dem Ziel des Zusammenschlusses zugestimmt. Die Mitarbeiter wurden in den letzten Tagen ebenso informiert wie die Vertreter beider Genossenschaftsbanken.
Leistungsstark für die Zukunft gerüstet
„Bei den Sondierungsgesprächen der letzten Wochen hatten wir eine sehr vertrauensvolle, offene und konstruktive Atmosphäre“, berichtet Scheller. Beide Banken sind durch ihr genossenschaftliches Grundverständnis und ihre enge Verbindung zur Region geprägt. Die Bilanzsumme der VR Bank Bamberg-Forchheim eG beträgt aktuell 2,3 Mrd. Euro, die der Vereinigten Raiffeisenbanken knapp 1,0 Mrd. Euro. Mit einem betreuten Kundenvolumen von ca. 6,5 Mrd. Euro würde eine der größten Genossenschaftsbanken in Franken entstehen. Das gemeinsame Institut wird von über 68.000 Mitgliedern getragen.
Professionalität und Innovationskraft immer wichtiger
„Durch den Zusammenschluss können wir die Marktchancen in der prosperierenden Region besser nutzen, unsere Wirtschaftlichkeit verbessern und vor allem unseren Kunden als starker Partner Bankgeschäfte und professionelle Beratung auf noch höherem Niveau bieten“, so Joachim Hausner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der VR Bank. Die neue Größe der Bank ermöglicht es, die gebündelten Kräfte stärker für eigene Innovationskraft zu nutzen. Ein eigener Bereich Unternehmensentwicklung mit einem Produkt‑, Projekt- und Innovationsmanagement ist als Treiber für die Zukunftsfähigkeit der Bank von grundlegender Bedeutung. „Die Geschwindigkeit, in der wir auf die Herausforderungen der Zukunft reagieren, wird elementar sein“, ergänzt Hausner.
Solide Vermögenslage bietet Wachstumschancen
Eine gute Grundlage für eine erfolgreiche gemeinsame Zukunft ist außerdem die komfortable Eigenkapitalausstattung als Basis für weitere Wachstumschancen im Privat- und Firmenkundengeschäft. „Vor allem für Firmenkunden ergibt sich dadurch die Möglichkeit der gewerblichen Kreditausweitung, so dass wir als Partner für den Mittelstand in der Region noch interessanter werden“, so Alexander Brehm, der für das Firmenkundengeschäft verantwortliche Vorstand der VR Bank.
Starke Marken weiter vor Ort nutzen – Meine Regionalbank
Die gemeinsame Bank wird auch zukünftig unter dem Namen VR Bank Bamberg-Forchheim eG, mit juristischem Sitz in Bamberg, firmieren. Die Bedeutung der regionalen Verwurzelung und Tradition spiegelt sich auch im künftigen Außenauftritt wider. So wird die Marke „Vereinigte Raiffeisenbanken“ wie schon die Marken „VR Bank Bamberg“ und „Volksbank Forchheim“ beibehalten und um den Zusatz „VR Bank Bamberg-Forchheim eG“ ergänzt. Die regionale Ausrichtung der Bank soll beibehalten werden. Unterstützt werden die Filialen vor Ort dabei von Spezialisten und einer kompetenten Marktservice-Abteilung.
„Seinen persönlichen Ansprechpartner, der ihm als Begleiter in allen Finanzangelegenheiten zur Seite steht, wird der Kunde auch in Zukunft haben.“, betont Rainer Lang, zuständiger Marktvorstand bei den Vereinigten Raiffeisenbanken. Momentan betreibt die VR Bank Bamberg-Forchheim eG 37 Filialen und die Vereinigten Raiffeisenbanken sind mit 13 Geschäftsstellen vertreten. Zudem gibt es 24 SB-Standorte in den Geschäftsgebieten der beiden Banken.
Erfahrenes Vorstandsgremium
Der Vorstand der neuen Bank setzt sich zusammen aus dem Vorstandsvorsitzenden Gregor Scheller, seinem Stellvertreter Joachim Hausner, Alexander Brehm, Stefan Benecke und Rainer Lang. Vorstandsvorsitzender Gregor Scheller wird aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung die Fusion aktiv bis ins Jahr 2022 begleiten. Auf Dauer soll sich das Vorstandsgremium auf vier Mitglieder reduzieren.
Attraktiver Arbeitgeber
Beide Banken beschäftigen insgesamt rund 470 Mitarbeiter. „Als größere Bank können wir langfristig sichere Arbeitsplätze mit Spezialisierungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten bieten. Wir benötigen auch in Zukunft qualifizierte, engagierte Mitarbeiter. Derzeit sind wir in beiden Häusern auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern, um uns weiter zu verstärken“, erklärten die Vorstände beider Geldinstitute. Ihre Position als attraktiver Arbeitgeber in der Region wollen Sie weiter ausbauen.
Fusionsbeschluss im Juli geplant
Ziel ist es, die Fusion noch im Jahr 2021 umzusetzen. Der noch lebendige Erfahrungsschatz aus der erfolgreichen Umsetzung der Fusion zwischen der VR Bank Bamberg eG und der Volksbank Forchheim eG im Jahr 2019 ist sicherlich eine gute Basis, um darauf zeitnah aufzusetzen. „Wir wollen damit vor allem unseren Mitarbeitern klare und schnelle Orientierung geben“, so die Vorstände beider Häuser. Die ersten Informationen wurden von den Mitarbeitern positiv aufgenommen. Die technische Zusammenführung wäre dann für den November geplant. Rechtzeitig vor den am 20. und 21. Juli geplanten Vertreterversammlungen mit den Fusionsbeschlüssen werden die Vertreter beider Banken über die weiteren Ergebnisse der Fusionsgespräche informiert. Aufgrund der guten Ausgangslage sind die Vorstände beider Häuser optimistisch, dass die Fusion die abschließende Zustimmung in den Vertreterversammlungen erhält.
Das könnte Sie auch interessieren...
Sieben Jahre andauerndes Programm
Die ganze Stadtgesellschaft ist eingeladen, an „Smart City“ mitzuarbeiten
Am kommenden Montag, 3. Mai, ist Start der Seite www.bamberg-gestalten.de. Eines der ersten großen Themen auf dieser Bürgerbeteiligungsplattform wird die gemeinschaftliche Entwicklung der Strategie für das Programm „Smart City“ in Bamberg sein.
Zum Hintergrund: Bamberg erhält 17,5 Millionen Euro, um sich bis 2027 zu einer „Smart City“ zu entwickeln. Das Programm soll mit digitalen Mitteln helfen, die Lebensqualität aller Menschen in der Stadt nachhaltig zu verbessern. Dabei sollen alle Teile der Stadtgesellschaft mitwirken: Also einzelne Bürger:innen genauso wie Vereine, Initiativen, Netzwerke, die Kirchen, die Gewerkschaften, die politischen Parteien – und natürlich die Partner der Stadt im Programm wie die Universität, die Stadtwerke, die Stadtbau und andere städtische Töchter.
Aufgabe für alle Bamberger:innen
Wie aber soll das funktionieren? Neben verschiedenen Präsenz-Veranstaltungen, die baldmöglichst nach Ende des Lockdowns starten, spielt https://www.bamberg-gestalten.de/ eine zentrale Rolle. Hier werden bereits entwickelte oder schon gestartete Projekte vorgestellt, können nachverfolgt und kommentiert werden. Außerdem werden bereits eingebrachte Beiträge zur Strategie hier publiziert, damit sie im Weiteren beachtet und nachverfolgt werden können. So soll sichergestellt werden, dass die einzelnen Beiträge zum Strategieprozess transparent sind und nachhaltig wirken.
Dazu erklärt der für das Programm zuständige Wirtschaftsreferent Dr. Stefan Goller: „Es ist eine große Aufgabe, die unterschiedlichsten Vorstellungen der Bürger:innen vom guten Leben in einer digitalen Zukunft in Bamberg zu sammeln und zusammenzuführen. Das wichtigste werden dabei viele persönliche Begegnungen in unterschiedlichsten Konstellationen sein. Aber wir kommen auch nicht ohne digitale Plattform aus, die für alle zugänglich ist und so für Transparenz sorgt. Und das ist für uns die Plattform www.bamberg-gestalten.de.“
Die Türen stehen allen Bamberger:innen also bald weit offen, ihre Ideen und Vorstellungen auf dem Weg zur „Smart City“ einzubringen.
Das könnte Sie auch interessieren...
Workers’ Memorial Day am 28. April
Gedenken an verunglückte Beschäftigte in der Region Bamberg
Gedenkminute für verunglückte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) ruft Beschäftigte in der Region Bamberg dazu auf, am morgigen Workers’ Memorial Day der Menschen zu gedenken, die bei der Arbeit ums Leben gekommen oder durch den Job erkrankt sind.
„Am internationalen Workers’ Memorial Day, dem 28. April, sollte um 12 Uhr eine Minute lang der Opfer von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten gedacht werden – ob im Betrieb, im Homeoffice oder auf der Baustelle“, sagt Gerald Nicklas, Bezirksvorsitzender der IG BAU Oberfranken.
Die Corona-Pandemie habe ein Bewusstsein für die Gesundheitsgefahren gerade auch am Arbeitsplatz geschaffen. „In Zeiten hoher Infektionszahlen ist es besonders wichtig, dass die Unternehmen ihre Beschäftigten schützen – über regelmäßige Testangebote, medizinische Masken, Hygienestandards und Homeoffice“, so der Gewerkschafter.
Appell für mehr Arbeitsschutz
In der Bau‑, Land- und Forstwirtschaft oder der Gebäudereinigung sei Heimarbeit aber nur im Ausnahmefall möglich. Wer in diesen Branchen arbeite, trage zugleich ein grundsätzlich höheres Unfallrisiko – etwa durch Stürze von Gerüsten oder Verletzungen mit Häckslern. An die Firmen appelliert die IG BAU, den Arbeits- und Gesundheitsschutz „mit höchster Priorität“ zu behandeln. Dieser sei Teil der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers.
„Auf dem Bau ist angesichts der hohen Auftragslage aktuell besonders viel zu tun. Die Arbeitgeber sind es den rund 800 Beschäftigten der Branche in Bamberg und rund 1.900 Beschäftigten der Branche im Landkreis Bamberg schuldig, sie bestmöglich vor Gefahren zu schützen“, ergänzt Carsten Burckhardt, das für den Arbeits- und Gesundheitsschutz zuständige Mitglied im IG BAU-Bundesvorstand.
Nach Angaben der Berufsgenossenschaft BG BAU birgt auch der Arbeitsweg ein erhebliches Unfallrisiko: Allein im vergangenen Jahr verunglückten bundesweit 21 Bau-Beschäftigte auf ihrem Weg zum Einsatzort tödlich.
„Zu guten Arbeitsbedingungen zählt neben dem Arbeitsschutz eine faire Bezahlung“, so Burckhardt. In der anstehenden Tarifrunde für die Branche Bauhauptgewerbe setzt sich die Gewerkschaft daher für ein Lohn-Plus von 5,3 Prozent ein. Außerdem soll es eine Entschädigung der meist unbezahlten, oft stundenlangen Wegezeiten zu den Baustellen geben.
Das könnte Sie auch interessieren...
Künstlerhaus Villa Concordia
Arbeitsstipendien für 15 Künstlerinnen und Künstler
Kunstminister Bernd Sibler gab heute die Namen der Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Deutschland und Finnland bekannt, die seit April zu Gast im Internationalen Künstlerhaus in Bamberg sind. Das Stipendium gebe ihnen die „Möglichkeit, sich auch über Landesgrenzen hinweg zu begegnen, sich auszutauschen und gegenseitig zu inspirieren.“
„15 Künstlerinnen und Künstler – sieben aus Deutschland und acht aus Finnland – erhalten für fünf beziehungsweise elf Monate ein Arbeitsstipendium des Freistaats Bayern im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg, wo sie seit April 2021 zu Gast sind und die Sparten Bildende Kunst, Literatur und Musik vertreten“, gab Kunstminister Bernd Sibler heute in München bekannt. Die Länge ihres Aufenthalts wählen die Künstlerinnen und Künstler selbst. „Gerade in der Pandemie, die unsere unmittelbaren Kontakte sehr einschränkt, spüren wir, wie wichtig das Miteinander und der direkte Austausch mit unseren Mitmenschen ist. Daraus schöpfen wir Kraft, Freude und auch Kreativität. Das Arbeitsstipendium im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia soll – unter Einhaltung der gängigen Hygiene- und Sicherheitsmaßgaben – den Stipendiatinnen und Stipendiaten die Möglichkeit geben, sich auch über Landesgrenzen hinweg zu begegnen, sich auszutauschen und gegenseitig zu inspirieren. Ich heiße die Künstlerinnen und Künstler herzlich willkommen in Bamberg und wünsche ihnen eine unvergessliche Zeit voll kreativer Impulse!“, so Staatsminister Sibler.
Bereicherung für das kulturelle Leben in Bamberg
Die Stipendiatinnen und Stipendiaten wohnen und arbeiten während ihres Aufenthalts in Bamberg im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia. Zudem erhalten sie monatlich 1.500 Euro. Die Künstlerinnen und Künstler präsentieren ihre Arbeiten in öffentlichen Veranstaltungen der Villa Concordia – soweit dies im Rahmen der infektionsschutzrechtlichen Verordnungen möglich ist – und bereichern damit auch das kulturelle Leben in Bamberg.
Seit der Errichtung des Internationalen Künstlerhauses in Bamberg im Oktober 1997 werden in den Sparten Bildende Kunst, Literatur und Musik jedes Jahr Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland und aus einem anderen Land als Stipendiatinnen und Stipendiaten des Freistaats eingeladen. Die ausländischen Stipendiaten der vergangenen Jahre kamen unter anderem aus England, Frankreich, Norwegen, Polen, Schottland, Griechenland, Litauen und zuletzt aus Slowenien.
2021 sind folgende deutsche und finnische Künstlerinnen und Künstler in das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia eingeladen:
Bildende Kunst
Dieter Froelich (D)
Lena von Goedeke (D)
Emma Helle (FI)
Heikki Marila (FI)
Tuukka Tammisaari (FI)
Literatur
Benedikt Feiten (D)
Lucy Fricke (D)
Veera Kaski (FI)
Arja Rinnekangas (FI)
Johanna Sinisalo (FI)
Antje Rávik Strubel (D)
Musik
Cecilia Damström (FI)
Elina Lukijanova (D)
Steffen Schleiermacher (D)
Sauli Zinovjev (FI)
Fahrraddemo
150 Bamberger Radfahrer:innen protestieren gegen StayAwake
Am vergangenen Freitag versammelten sich knapp 150 Radfahrer:innen vor dem Bamberger Bahnhof, um gegen den bereits neunten Autokorso der Pandemieleugnenden-Gruppe StayAwake Bamberg zu protestieren.
Scharfe Kritik an StayAwake
Leonie Ackermann, Vorsitzende des AStA Bamberg e.V., verurteilte in einem Redebeitrag den Umgang von StayAwake Bamberg mit Kritiker:innen und Journalist:innen scharf: „Kritiker:innen von StayAwake sind im vergangenen Jahr Ziel von Drohungen geworden. Fotos von ihnen wurden in Telegram-Kanälen geteilt. Es wurde versucht, sie nach Hause zu verfolgen. Pressevertreter:innen wurden bedrängt und beleidigt.
StayAwake-Aktivist:innen haben Personen, die sich gegen sie positioniert haben, mit Einkaufswägen im Supermarkt angefahren.” Weiter stößt bei Ackermann auf Entsetzen, dass ein Video im Telegram-Kanal des Neonazis Sven Liebich geteilt wurde, das Demonstrant:innen zeigt, die vergangenen März an einer Gegenveranstaltung zum Montagsspaziergang von StayAwake Bamberg teilgenommen haben.
Bereits zu Beginn der Kundgebung hatte sich Constantin Ganß, Sprecher des Bamberger Jungen Forums der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, geäußert: „Oft handelt es sich auch auf Bamberger Demos der Gruppe StayAwake nicht um Kritik an der Corona-Politik. Unter dem Deckmantel der Maßnahmenkritik werden antisemitische Inhalte verbreitet.” Ganß sprach davon, dass auf einem Autokorso der Gruppe im März eine Fahne mit der Aufschrift „Impfen macht frei” an einem Wagen mitgeführt worden sei.
Diese Anlehnung an den Schriftzug „Arbeit macht frei“, der an den Toren von NS-Konzentrationslagern angebracht war, bezeichnete der Sprecher des Jungen Forums als „Holocaust-Verharmlosung und antisemitisch”.
Bunt gegen Verschwörungserzählungen
Um den demokratiefeindlichen und antisemitischen Parolen von StayAwake etwas entgegenzusetzen, fuhren die Teilnehmer:innen im Anschluss durch das Zentrum der Stadt. Mit Schildern wie „Bamberg bleibt bunt” und „Lauft nicht mit Nazis” sendeten sie eindeutige Botschaften in Richtung der verschwörungsideologisch geprägten Gruppe. Die Organisator:innen werteten die Veranstaltung als vollen Erfolg.
Der AStA Bamberg e.V. begrüßt, dass immer mehr Menschen in Bamberg gegen die Aktivitäten von StayAwake Widerstand leisten.
Das könnte Sie auch interessieren...
Jüdisches Bamberg
Rabbinerin Antje Yael Deusel im Interview
Antje Yael Deusel ist Ärztin und Rabbinerin der Liberalen Jüdischen Gemeinde Mischkan ha-Tfila Bamberg. Seit der Shoa ist sie außerdem die erste deutsche Rabbinerin, die auch in Deutschland ordiniert wurde. Im Oktober vergangenen Jahres legte sie zusammen mit ihrem Co-Autor Ortwin Beisbart und im Gedenken an den 2016 verstorbenen Co-Autor und Fotografen Rudolf Daniel das Buch „Jüdisches Bamberg – Ein Gang durch die Stadt“ zum zweiten Mal auf. Wir haben Antje Yael Deusel zum Gespräch über das jüdische Bamberg getroffen.
Frau Deusel, warum haben Sie sich zur Neuauflage von „Jüdisches Bamberg“ entschieden? Worin bestehen die Unterschiede zur ersten Version?
Antje Yael Deusel: Zum einen war die erste Auflage vergriffen; zum anderen haben sich doch einige neue Dinge seit der Erstauflage von 2013 ergeben, wie zum Beispiel die Entdeckung des Mikwen-Raums, ein ehemaliges Ritualbad, im Quartier an den Stadtmauern oder auch unser Zelt der Religionen auf dem Markusplatz.
Warum haben Sie zur Beschreibung des jüdischen Bambergs die Form eines Stadtrundgangs gewählt?
Antje Yael Deusel: Das Büchlein ist kein Geschichtsbuch und will auch keine hochwissenschaftliche Abhandlung sein, sondern die etwa 1.000 Jahre jüdische Geschichte in Bamberg der interessierten Leserschaft in gut lesbarer, kurzer und doch korrekter Form vermitteln, gerade anhand dessen, was in der Stadt noch sichtbar ist.
Welche sind seine deutlichsten Spuren im Stadtbild?
Antje Yael Deusel: Vom „alten“ jüdischen Bamberg sind – außer Mahnmälern und Stolpersteinen – in der Stadt nicht mehr allzu viele sichtbare und entsprechend kenntliche Spuren vorhanden, am ehesten vielleicht der Israelitische Friedhof. Im aktuellen Stadtbild ist es sicherlich die Synagoge Or Chajim mit dem neuen Gemeindezentrum in der Willy-Lessing-Straße.
Haben Sie das Gefühl, der Bamberger Bevölkerung sind diese Spuren bekannt?
Antje Yael Deusel: Ich denke, es gibt auch für die Bamberger noch einiges zu entdecken – Der „Gang durch die Stadt“ ist nicht nur für TouristInnen eine spannende Entdeckungstour durch Bamberg.
Soll das Buch auch dazu dienen, dem jüdischen Bamberg in der Stadtgesellschaft mehr Sichtbarkeit zu verschaffen?
Antje Yael Deusel: Das Buch soll über die Geschichte des jüdischen Bamberg informieren, die ja eine sehr lange ist. Viele Aspekte sind heute nur noch wenigen Menschen bekannt, und manche Spuren übersieht man sehr leicht, wenn man nicht explizit darauf hingewiesen wird. Gleichzeitig ist das jüdische Leben in Bamberg durchaus nicht nur Geschichte – es ist ja auch heute ein sehr lebendiges Judentum vorhanden.
Vor etwa fünf Jahren vollzog sich die Trennung zwischen Ihnen und der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg, deren Rabbinerin Sie waren, nicht unbedingt einvernehmlich. Darauf folgend etablierten Sie eine zweite jüdische Gemeinde in Bamberg. Wie sieht die Beziehung der beiden Gemeinden heute aus?
Antje Yael Deusel: Heute bestehen die beiden Gemeinden als eigenständige Gemeinschaften nebeneinander, und beide zusammen vertreten das Judentum in und um Bamberg, wie nicht nur anlässlich der Feiern zu Gedenktagen und zur Woche der Brüderlichkeit immer wieder sichtbar wird.
Ihre Gemeinde trägt den Namen „Liberale Jüdische Gemeinde Mischkan ha-Tfila Bamberg“. Was bedeutet liberal in diesem Zusammenhang beziehungsweise in Bezug auf die Israelitische Kultusgemeinde?
Antje Yael Deusel: Im Judentum gibt es verschiedene Strömungen – orthodox, konservativ-traditionell und liberal – deren Gottesdienste jeweils unterschiedlichen Riten folgen, mit entsprechenden Unterschieden in der Liturgie. Unsere Gemeinde Mischkan ha-Tfila ist als Teil der Union progressiver Juden in Deutschland eine ausschließlich liberale Gemeinde. Damit erfolgen unsere Gottesdienste nach dem liberalen Ritus, mit einem Gebetbuch, das auf den liberalen deutschen Vorkriegsgebetbüchern basiert. Auch Musikinstrumente sind bei uns im Gottesdienst erlaubt, im Gegensatz zu den Gemeinden mit konservativer beziehungsweise orthodoxer Ausrichtung.
Stehen Sie im Austausch mit Vereinigungen anderer Religionen? Wie ist es um das Miteinander bestellt?
Antje Yael Deusel: Wir sind hier in Bamberg in der glücklichen Lage, dass es ein sehr gutes und freundschaftliches Miteinander der Religionen gibt, was sich zum Beispiel in den gemeinsamen Veranstaltungen im Zelt der Religionen zeigt, das Christen, Muslime und Juden und seit kurzem auch die Religion Bahai mit einschließt. Die interreligiöse Zusammenarbeit ist über viele Jahre gewachsen und bildet die Grundlage für unseren tragfähigen und konstruktiven Dialog der Religionen in Bamberg.
Wie sieht Ihre tägliche Arbeit als Rabbinerin aus?
Antje Yael Deusel: Als Rabbinerin bin ich nicht nur zuständig für die Leitung von Gottesdiensten und fürs Predigen, sondern auch für die Seelsorge in allen Lebenslagen und ‑situationen. Ich berate und entscheide in religionsrechtlichen Fragen, und ich nehme mich sozialer Belange der Gemeindemitglieder an. Meine Aufgaben schließen auch den Religionsunterricht für SchülerInnen einschließlich der individuellen Bar und Bat Mitzwa-Vorbereitungen mit ein, dazu kommt meine Lehrtätigkeit an der Universität, das Engagement im Ethikkommittée der Sozialstiftung Bamberg im Bereich Seelsorge, außerdem das Verfassen von Artikeln für unterschiedliche jüdische Zeitungen und von Buchbeiträgen. Ebenso geht die Arbeit im interreligiösen Dialog weiter. Dazu kommen noch diverse Verwaltungsaufgaben. All das geht auch zu Zeiten von Corona weiter, wenn auch natürlich unter entsprechend erschwerten Bedingungen und mit höherem Aufwand, zumal nur ein Teil der Aufgaben im Home Office erledigt werden kann.
Die aktuellen, sich auf den November erstreckenden Lockdown-Maßnahmen beziehen sich nicht auf religiöse Versammlungen. Würden Sie Ihren Gemeindemitgliedern zum Schutz vor Corona-Infektionen aber trotzdem raten, in dieser Zeit auf die Teilnahme an Gottesdiensten ausnahmsweise zu verzichten?
Antje Yael Deusel: Die Gottesdienste finden statt, auch auf den inständigen Wunsch von Gemeindemitgliedern, derzeit in der Regel alle 14 Tage statt jede Woche, aber jede und jeder entscheidet selbstverständlich für sich, ob sie oder er daran teilnehmen will. Wer krank ist, auch bei leichtesten Symptomen, oder als Kontaktperson in Quarantäne ist, wird ausnahmslos gebeten, zu Hause zu bleiben, auch im Zweifelsfall. Wir nehmen die Pandemievorschriften sehr ernst und haben auch ein entsprechendes Hygiene-konzept vor Ort, dazu die Abstandsregelungen und die Vorschrift, während des gesamten Aufenthalts im Betsaal die Maske zu tragen. Man muss sich auch jedesmal vorher anmelden, bevor man am Gottesdienst teilnehmen kann.
Wie groß ist Ihre Gemeinde?
Antje Yael Deusel: Zahlenmäßig sind wir noch eine kleine Gemeinde, aktuell, noch, unter 100 Mitgliedern, jedoch stetig anwachsend, und mit einem recht jungen Altersdurchschnitt von circa 45 Jahren. Unser jüngstes Mitglied ist fünf Jahre alt, unser ältestes 94 Jahre.
Wie stark sind religiöse Überzeugungen im jüdischen Teil der Bamberger Bevölkerung ausgeprägt?
Antje Yael Deusel: Das ist sehr unterschiedlich und reicht von säkular bis strenggläubig, wie in anderen Städten auch. Eine ultraorthodoxe Ausrichtung gibt es in Bamberg derzeit nicht.
Wie stellt sich das jüdische Bamberg heute dar? Wie lässt sich das Leben als Jüdin oder Jude in Bamberg beschreiben?
Antje Yael Deusel: Jüdinnen und Juden leben in Bamberg wie alle anderen Bürgerinnen und Bürger auch – außer dass unsere Gottesdienste unter Polizeischutz stattfinden, derzeit noch intensiver durch die aktuell besonders hohe Gefährdungslage.
In den letzten Wochen und Monate gab es einen erneuten Anstieg von antisemitischen rechtsextremen und islamistischen Straftaten und Anschlägen. Wie sicher fühlen Sie sich, wie ist das Sicherheitsempfinden in Ihrer Gemeinde?
Antje Yael Deusel: Manche Gemeindemitglieder sind besorgt und bleiben teilweise auch deswegen zu Hause, anstatt die Gottesdienste zu besuchen. Andererseits kann es auch nicht angehen, wie viele in der Gemeinde denken, dass wir aus Sorge vor antisemitischen Anschlägen unsere Gottesdienste aussetzen und uns auch sonst in unserem jüdischen Leben einschränken lassen. Vorsicht war und ist natürlich immer geboten, nicht erst jetzt, aber aktuell noch viel mehr als sonst.
Wie stark ist Antisemitismus in Bamberg ausgeprägt?
Antje Yael Deusel: Das ist in seinem genauen Ausmaß schwierig zu sagen. Am ehesten kann Ihnen dazu wohl die Polizei Auskunft geben.
Vor kurzem wurden Forderungen laut, zwei steinerne Figuren im Bamberger Dom, Ecclesia und Synagoge, die die christliche und die jüdische Religion darstellen, zu entfernen, weil sie das Judentum abwerten. Was halten Sie von diesen Forderungen?
Antje Yael Deusel: Dieselbe Frage wurde mir kürzlich vom Antisemitismusbeauftragten in Bayern gestellt. Hier ist die Antwort, die ich ihm übermittelt habe: Wenn man die Statuen entfernt, ist es so, als wollte man einen Teil der Vergangenheit entfernen, womöglich gar rückwirkend ungeschehen machen – letztlich gehört die Bild-Botschaft der Statuen ja zu einer bestimmten Zeit innerhalb der Geschichte. Es gilt also weniger, die Statuen wegzunehmen, als vielmehr zum einen dazu zu stehen, was einmal war, und sich zum anderen gleichzeitig nachhaltig davon zu distanzieren, zum Beispiel durch das Anbringen geeigneter Info-Tafeln in situ.
Nun ist es mit den Info-Tafeln auch so eine Sache. Die allermeisten Passanten wissen mit solchen und ähnlichen figürlichen Darstellungen per se schon nichts oder nichts mehr zu verbinden – die Diskussion innerhalb unseres Gemeinde-Vorstandes ging dementsprechend auch dahin, ob man die Leute nicht erst „mit der Nase darauf stößt“ – andererseits ist es aber doch so, dass ein langsames In-Vergessenheit-Geraten-Lassen früherer Judenfeindlichkeit der Natur der Sache auch nicht dienlich sein kann. Es gilt also, die Botschaft der Statuen in den zeitlichen Kontext zu stellen: Was bedeuteten sie einstmals, was können sie heute bedeuten? Von Schmähung und Verhöhnung der Juden zur Zeit ihrer Entstehung – und leider noch lange danach – kann sich die Botschaft doch auch wandeln. Hier reichen Info-Tafeln alleine vielleicht nicht aus – ich denke dabei an unsere vielen TouristenführerInnen, die aufgerufen sind, in dem Zusammenhang die richtigen Worte zu finden. Denn wenn sich jemand für die Statuen interessiert, dann soll er oder sie auch die entsprechenden Informationen zu damals versus heute bekommen, und wer sich nicht dafür interessiert, der oder die schaut sich auch keine Info-Tafeln an und nimmt nicht unbedingt an einer entsprechenden Stadt- oder Domführung teil, sondern geht unbeteiligt an den Statuen vorbei.
Nun sollte man aber auch bedenken: Die zwei Statuen alleine machen es ja nicht aus. Was ist mit dem garstigen Teufelchen, das dort am Dom auf der Seite der Synagoge herunterturnt und dem Mann mit Judenhut das rechte Auge auskratzt? Die allermeisten Besucher kennen die Bild-Botschaft von Synagoge und Ecclesia, die durchaus nicht auf den Dom zu Bamberg beschränkt ist – aber den bösen kleinen Teufel, den entdeckt man in der Regel erst, wenn man darauf hingewiesen wird.
Ich persönlich denke, die bildliche Botschaft muss mit einer verbalen Botschaft oder Gegen-Botschaft, ob im gedruckten, ob im geschriebenen Wort, verbunden werden, damit der einstigen Botschaft des Hasses entgegengewirkt werden kann, damit die Menschen zum Nachdenken, womöglich auch zum Umdenken gebracht werden. Dies ist keine einmalige Aktion, die man erreicht durch ein Entfernen der „Steine des Anstoßes“, sondern eine fortwährende aufklärend wirkende Beschäftigung mit der den Statuen und Inschriften immanenten Ideologie – wer weiß, vielleicht sogar mit neuen, zeitgemäßen bildlichen Gegen-Darstellungen – ist die Kraft eines Bildes doch einprägsamer als jegliches Wort.