Beitrag zur Biodiversität in der Stadt
Wachtelpaare in der Bamberger Südflur ausgewildert
Zur Erhaltung der Artenvielfalt in der Region Bamberg wurden jüngst 41 Wildwachteln in der Südflur ausgewildert, wie die Stadt Bamberg mitteilt. Diese Aktion ist Teil der kontinuierlichen Bemühungen der Wachtelgruppe Bamberg, die seit ihrer Gründung im Jahr 1986 aktiv Jungwachteln in der Stadt und im Landkreis aussetzt, um die Population dieser bedrohten Vogelart zu stabilisieren und zu fördern.
Zum Hintergrund: Der Rückgang der Wachtelbestände in Mitteleuropa ist seit vielen Jahren ein ernstzunehmendes Problem. Die Hauptursache hierfür ist die Zerstörung ihrer Lebensräume, obwohl die Jagd auf Wachteln bereits ganzjährig untersagt wurde. Trotz aller Bemühungen gestaltet sich die Bestanderhaltung in freier Natur äußerst schwierig, so dass die ausgewilderten Tiere allesamt aus Nachzuchten stammen.
Besonders geeignete Standorte für die Auswilderung in Bamberg sind die Südfluren, die Buger Wiesen sowie im Landkreis die Gemarkungen Geisfeld, Zeegendorf, Leesten, Mistendorf und Amlingstadt. Durch die kontinuierliche Auswilderung hat sich die Population der Wachteln in der Region Bamberg bereits deutlich erholt.
Ein Meilenstein wurde im April 2020 erreicht, als die Wachtelgruppe Bamberg unter Leitung von Rudolf Frauenknecht im Bereich Naisa eine Ergänzungsauswilderung der Europäischen Wachtel (Cortunix cortunix) vornahm. Dabei wurden 16 Wachteln (8 Paare) in die Natur entlassen, um die schwindende heimische Population weiter zu stabilisieren.
Seit 40 Jahren engagiert
Rudolf Frauenknecht, mittlerweile 93 Jahre alt, Gründer der Kleintierzuchtanlage Bamberg und Vorsitzender der Wachtelgruppe, hat die Auswilderung persönlich vorgenommen – ein bedeutender Moment, der die langjährige Leidenschaft und das Engagement für den Artenschutz unterstreicht. Bemerkenswert: Bereits seit rund 40 Jahren setzt sich Frauenknecht fortwährend für den Bestand der Wachtelpopulation in der Region Bamberg ein.
Die Stadt Bamberg unterstützt und befürwortet die Arbeit der Wachtelgruppe im Sinne ihrer Biodiversitätsstrategie. „Mit der Auswilderung in der Südflur setzen wir ein deutliches Zeichen für den Schutz bedrohter Arten und die Förderung der Biodiversität in unserer Region“, erklärt Bürgermeister und Umweltreferent Jonas Glüsenkamp. „Die kontinuierlichen Maßnahmen haben bereits zu einer deutlichen Erholung der Wachtelpopulation in Bamberg beigetragen, und wir hoffen, dass die neuen Tiere in ihrer natürlichen Umgebung gedeihen.“ Die Aktion zeige, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Naturschutzorganisationen und ehrenamtlichen Gruppen ist, um die Artenvielfalt nachhaltig zu sichern.
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Mitmachaktionen, Führungen und Begegnungen auf der Jahnwiese
Bunte Vielfalt beim Tag der Umwelt
Am Internationalen Tag der Umwelt, dem 5. Juni, verwandelte sich die Jahnwiese in Bamberg in einen lebendigen Lern- und Erlebnisraum rund um Umweltschutz und Biodiversität. Die Veranstalter – die Initiative BiBA – Biodiversität Bamberg, die Bildungsregion Bamberg und das Netzwerk „fei obachd“ – konnten zahlreiche Akteurinnen und Akteure aus der Region gewinnen, die mit einem vielfältigen Programm zum Mitmachen, Staunen und Nachdenken einluden.
Schon am Vormittag wurde das Gelände von vielen Schulklassen besucht, die mit großem Interesse an Führungen und Mitmachangeboten teilnahmen. Besonders gefragt waren das kreative Gestalten von Postkarten und das Basteln von Papierwürfeln zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung. Auch die Recyclingstation zum Thema Kunststoffverwertung, die Station von Alwin Werner zum Beobachten, Streicheln und Füttern zahmer Vögel oder der Bau von Wildbienenhotels begeisterten die jungen Besucherinnen und Besucher. Weitere Stände, unter anderem vom Klima- und Umweltamt der Stadt Bamberg, der Öko-Modellregion Bamberger Land oder vom Flussparadies Franken, rundeten das vielfältige Angebot mit Aktionen und Informationen ab, das am Nachmittag bei bestem Wetter auch von zahlreichen Familien und Laufgästen erkundet wurde.
Neben den Mitmachständen luden auch Führungen zum Erkunden ein. Bamberg Service zeigte den Baumbestand im Hain, der Bürgerparkverein zeigte den Hain aus historischer Perspektive und Gernot Garbe, der Umweltbeauftragte des evangelisch-lutherischen Dekanats Bamberg, bot wie im Vorjahr, eine vogelkundliche Führung an.
Gut besucht war auch das Zeltkino, das unter den Titeln „Klimaflimmern“ und „Ausgebrummt“ in kurzen Filmbeiträgen eindrucksvoll den Klimawandel, den Rückgang der Insektenvielfalt und Handlungsmöglichkeiten im Alltag thematisierte.
Zentrale Materialien digital zu finden
Wer nicht vor Ort sein konnte oder die Inhalte vertiefen möchte, hat auch nach der Veranstaltung die Möglichkeit, auf zentrale Materialien digital zuzugreifen: Die Bastelvorlagen für die Papierwürfel und Postkarten stehen ab sofort unter www.bildungsregion-bamberg.de/nachhaltigkeit kostenlos zum Download bereit. Auch das Kinoprogramm kann über den YouTube-Kanal der Bildungsregion Bamberg abgerufen und beispielsweise im Schulunterricht genutzt werden.
Die Veranstalter ziehen ein durchweg positives Fazit: „Es war beeindruckend zu sehen, mit wie viel Neugier, Kreativität und Offenheit sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf das Thema Umweltschutz eingelassen haben“, so die gemeinsame Rückmeldung von BiBA, Bildungsregion und „fei obachd“. Auch Bambergs Zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp, der den Tag eröffnet hatte, zeigte sich begeistert. „Die große Beteiligung und die vielen engagierten Beiträge zeigen einmal mehr, wie wichtig und lebendig Umweltbildung in der Region Bamberg ist“, betont Bürgermeister Glüsenkamp.
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Nachhaltigkeitsprojekt
Stegaurach: Vom Trafohaus zur Stele der Biodiversität
Einen echten Hingucker der Nachhaltigkeit bietet Stegaurach seit einigen Tagen in der Hartlandener Straße. Denn zwei Künstler haben ein ehemals graues Trafohäuschen in den vergangenen Wochen aufwändig bemalt. Nun soll der Turm verschiedenen Tierarten Unterschlupf bieten.
Die Neugestaltung des Turmes ist ein Teil des Projektes „Stele der Biodiversität“ der Gemeinde Stegaurach in Zusammenarbeit mit der Bayernwerk AG, dem Verein Turmstationen Kreis Borken-Coesfeld e.V., der Deutschen Postcode Lotterie und der ehrenamtlichen Organisation „Artenschutz in Franken“. Künftig soll dort verschiedenen Tieren Unterschlupf zur Verfügung stehen, wie die Gemeinde mitteilte.
„Anstatt das Trafohaus nach seiner langjährigen Nutzung abzureißen“, sagen Bernd Fricke, Zweiter Bürgermeister Stegaurachs, und Biodiversitätsmanagerin Marion Müller, „hat das Gebäude nun eine neue Funktion bekommen.“ Denn in den letzten Wochen wurde der Turm auf eine Art und Weise instand gesetzt, dass Fledermäuse und Gebäudebrüter wie die Mauersegler dort leben können sollen. Auch wurden weitere Unterkünfte für Schwalben, Turmfalken oder die Schleiereule angebracht.
Benrd Fricke bedankte sich für das Engagement aller Beteiligten und für „ein weiteres Projekt für die Nachhaltigkeit“ in der Gemeinde Stegaurach. Nach der Installierung eines „Themenpfads der Artenvielfalt“ gehe die Gemeinde nun einen weiteren Schritt auf dem Weg zu noch mehr Artenvielfalt.
Thomas Köhler, Vorsitzender von „Artenschutz in Franken“, bezeichnete das neu gestaltete Trafohäuschen außerdem als „Mahnmal für Artenvielfalt“. Mit der „Stele der Biodiversität“ wolle man Wissen über die Artenvielfalt an die nächste Generation weitergeben.
Eine Verbindung zwischen der Natur und der umliegenden Landschaft wollten die beiden Künstler Michael Horn und Karsten Reckziegel bei ihrer Gestaltung der Trafoturm-Fassade schaffen. Deswegen malten sie beispielsweise einen Wiesenknopf und den Schmetterling Wiesenknopfameisenbläuling auf die Fassade.
In ganz Oberfranken gibt es laut Gemeindemitteilung nur zwei Gebiete, in denen der Helle Wiesenknopfameisenbläuling vorkommt. Das größte davon sei Stegaurach.
Nun heißt es abwarten und hoffen, dass die Lebens- und Fortpflanzungsräume von den Tieren auch angenommen werden.
Bund fördert Artenreichtum im Hain
Biodiversität und Klimaanpassung im urbanen Raum
Das neu gestartete Projekt „Städtische Wälder und Parks in Bamberg – Biodiversität und Klimaanpassung im urbanen Raum“ soll die Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie vor Ort unterstützen.
Die Nationalen Biodiversitätsstrategie sieht vor, die Diversität von Landschaften, Pflanzen und Tieren zu erhalten und wiederherzustellen. Mit 1.263.973 Euro unterstützt das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums dieses Vorhaben in Bamberg. Der Eigenanteil der Stadt beträgt 140.441 Euro. In den kommenden sechs Jahren soll das am 20. Mai gestartete Projekt „Städtische Wälder und Parks in Bamberg – Biodiversität und Klimaanpassung im urbanen Raum“ Biodiversität entsprechend nicht nur fördern, sondern auch erlebbar machen.
In Bamberg und Umgebung sollen dazu Maßnahmen umgesetzt werden, die Lebensräume verbessern, Nischen schaffen und so dem klimabedingten Artenschwund entgegenwirken. Ein begleitendes, naturpädagogisches Angebot soll die Gelegenheit bieten, Biodiversität zu erleben und sich persönlich für biologische Vielfalt zu engagieren.
Die Interessen der biologischen Vielfalt und der Menschen in der Stadt gehen Hand in Hand
Angestoßen hatte das Förderprojekt Bambergs Bundestagsabgeordneter Andreas Schwarz. „Durch meine Funktion im Haushaltsausschuss konnte ich die Förderung für dieses besondere Projekt in meinen Wahlkreis holen“, sagte er. „Der Stadt Bamberg ist es gelungen, eine Förderkulisse zu schaffen, die auch in Berlin Anklang gefunden hat. Nun freue ich mich sehr, dass es bald losgehen wird.“
Nicht zuletzt in Zeiten von Klimawandel und Corona, seien finanzielle Ressourcen für Arten- und Umweltschutz oft nur begrenzt vorhanden, sagte Oberbürgermeister Andreas Starke. „Die Förderung durch das Projekte „Städtische Wälder und Parks in Bamberg“ trifft daher genau ins Schwarze. Mit den zur Verfügung gestellten Mitteln können wir unserer Verantwortung für in Bamberg heimische, seltene Tier- und Pflanzenarten nun auch gerecht werden.“
„Die Interessen der biologischen Vielfalt und der Menschen in der Stadt gehen Hand in Hand“, schloss sich Bürgermeister und Klimareferent Jonas Glüsenkamp an. „Mit dem Projekt im Bamberger Hainweiher erweitern wir den Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten und sorgen gleichzeitig für ein verbessertes Stadtklima.“
Sehr für das Projekt eingesetzt hatte sich Forstamtsleiter Johannes Hölzel. „Die Förderung gibt uns zunächst für sechs Jahre die Möglichkeit, an ganz spezifischen Arten ausgerichtete Lebensräume zu schaffen oder diese zu verbessern. Die Bandbreite dabei reicht von Vögeln, wie dem Mauersegler, über Fische und Amphibien, bis hin zu Insekten. Mit teilweise landschaftsverändernden Baumaßnahmen im Stadtwald Bamberg oder dem Hain werden neue Lebensräume geschaffen und an die Bedürfnisse einzelner Arten angepasst.“