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Demenz

Demenz­for­schung Uni­ver­si­tät Bamberg

Living Lab Demenz

Ein­kau­fen, lesen, duschen: All­täg­li­che Auf­ga­ben fal­len gesun­den Men­schen leicht, aber mit Demenz immer schwe­rer. Über Mimik, Ges­tik und Kör­per­hal­tung kön­nen Erkrank­te noch recht lan­ge kom­mu­ni­zie­ren. Aber wie lan­ge? Und wie ver­steht ihr Umfeld die non­ver­ba­len Signa­le? Fra­gen wie die­se unter­su­chen For­schen­de im Bam­ber­ger Living Lab Demenz (Bam­LiD), das im März 2020 eröff­net wurde.

Wäh­rend der Lock­downs unter­nahm das For­schungs­team des Living Lab Demenz zunächst Pilot- und Pro­be­un­ter­su­chun­gen. Das gab die Uni­ver­si­tät Bam­berg ver­gan­ge­ne Woche in einer Mit­tei­lung bekannt. Nun fol­gen ers­te Stu­di­en. „Das Bam­LiD ist in die­ser Form und Aus­stat­tung inter­na­tio­nal ein­zig­ar­tig“, sag­te Prof. Dr. Ste­fan Lau­ten­ba­cher, Pro­fes­sor für Phy­sio­lo­gi­sche Psy­cho­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Bam­berg. Zusam­men mit der Infor­ma­ti­ke­rin Prof. Dr. Ute Schmid und dem Psy­cho­lo­gin Prof. Dr. Miri­am Kunz hat er das Bam­LiD gegrün­det. „Wir ver­bin­den hier unse­re lang­jäh­ri­ge psy­cho­lo­gi­sche Schmerz­for­schung bei Demenz­pa­ti­en­tin­nen und ‑pati­en­ten mit anwen­dungs­na­her Informatik.“

Demenz­for­schung im Hightech-Labor

Demenz bringt mensch­li­ches Ver­hal­ten nach­hal­tig und unum­kehr­bar zum Ver­schwin­den. Zuerst ver­schwin­den kom­ple­xe Ver­hal­tens­wei­sen wie Urlaubs­pla­nun­gen, dann ein­fa­che­re wie Auf­räu­men. Ste­fan Lau­ten­ba­cher erläu­ter­te: „Wir erfor­schen, wie lan­ge die Demenz erlaubt, non­ver­bal über das Ver­hal­ten zu kom­mu­ni­zie­ren, über Mimik, Ges­tik und Kör­per­hal­tung. Vor­ran­gi­ges Ziel des Living Lab Demenz ist, die Ver­hal­tens­kom­pe­tenz von Demenz­kran­ken im All­tag zu diagnostizieren.“

Zum Bei­spiel könn­ten Pro­ban­din­nen und Pro­ban­den beim ver­geb­li­chen Suchen wütend wer­den, für krea­ti­ve Pro­zes­se eine Pla­nungs­pau­se ein­le­gen oder bei kör­per­li­chen Belas­tun­gen Schmer­zen ver­spü­ren. All die­se Anzei­chen mes­sen For­schen­de im Bam­LiD multisensorisch.

Das etwa 50 Qua­drat­me­ter gro­ße Living Lab Demenz ist wie eine Woh­nung ein­ge­rich­tet, unter ande­rem mit Ess­tisch, Bett und Ses­sel. Zwölf sicht­ba­re 360-Grad-Kame­ras sind im Raum ver­teilt. Der Boden, ein „Smart Floor“, erfasst Bewe­gun­gen. Trag­ba­re Mess­ge­rä­te neh­men zum Bei­spiel die Herz­ra­te von Test­per­so­nen auf.

„Im Bam­LiD ver­su­chen wir, einen all­tags­na­hen Kom­pro­miss zwi­schen strik­ter Ver­hal­tens­kon­trol­le wie im Expe­ri­ment und voll­stän­di­ger Ver­hal­tens­frei­heit wie im natür­li­chen Kon­text zu errei­chen“, sag­te Ste­fan Lau­ten­ba­cher. Als Bei­spiel nann­te er ein abge­dun­kel­tes Labor, in dem Test­per­so­nen etwas lesen sol­len. Dazu müss­ten sie das Licht anschal­ten. So hät­ten die For­schen­den erfah­ren, ob Test­per­so­nen erken­nen, dass Licht fehlt, wie sie sich zum Licht­schal­ter bewe­gen und ihn drücken.

Tech­nik kann Demenz­kran­ke unterstützen

Das For­schungs­team will durch all­tags­na­he Tests her­aus­fin­den, wel­che sicht- und mess­ba­ren kör­per­li­chen Ver­än­de­run­gen zuver­läs­si­ge Indi­ka­to­ren für Schmerz, Angst oder Ärger sind. Denn Demenz­kran­ke könn­ten Schmer­zen oft nicht mehr mit Wor­ten aus­drü­cken. Auch fal­le ihnen schwer mit­zu­tei­len, wel­che Auf­ga­ben im All­tag sie nicht mehr allein erle­di­gen kön­nen. Moderns­te Tech­nik soll dabei hel­fen, ihre Emo­tio­nen zu erken­nen. Dafür wer­ten die Phy­sio­lo­gi­sche Psy­cho­lo­gie und die Ange­wand­te Infor­ma­tik der Uni­ver­si­tät Bam­berg Daten­strö­me aus, die bei Ver­su­chen im Living Lab Demenz entstehen.

Die Stu­di­en im Bam­LiD bau­en auf der bis­he­ri­gen For­schung der Uni­ver­si­tät Bam­berg auf. Bei­spiels­wei­se arbei­te ein For­schungs­team seit 2018 an einem auto­ma­ti­schen Schmer­z­er­ken­nungs­sys­tem, einem „Pain­Fa­ce­Rea­der“. Die­se lern­fä­hi­ge Soft­ware für Com­pu­ter soll Video­auf­nah­men Betrof­fe­ner in Kran­ken­häu­sern aus­wer­ten und deren Gesichts­zü­ge inter­pre­tie­ren. So wer­de ein lang­fris­ti­ges Moni­to­ring mög­lich, das zum Bei­spiel der medi­zi­ni­schen Unter­ver­sor­gung von Schmerz­pa­ti­en­tin­nen und ‑pati­en­ten ent­ge­gen­wir­ken könne.

Inno­va­ti­ve Demenz-Pro­jek­te gesucht

Demenz­preis 2022: Aus­schrei­bung gestartet

Die Trä­ger inno­va­ti­ver Demenz-Pro­jek­te kön­nen sich ab sofort für den Baye­ri­schen Demenz­preis 2022 bewer­ben. Dar­auf hat Bay­erns Gesund­heits- und Pfle­ge­mi­nis­ter Klaus Holet­schek am Mon­tag in Mün­chen hingewiesen.

„In Bay­ern gibt es vie­le inno­va­ti­ve Pro­jek­te, die die Lebens­be­din­gun­gen der Men­schen mit Demenz und ihrer Ange­hö­ri­gen ver­bes­sern sowie deren Teil­ha­be­mög­lich­kei­ten am gesell­schaft­li­chen Leben för­dern. Ab sofort kön­nen sich die Trä­ger die­ser Pro­jek­te wie­der für den Baye­ri­schen Demenz­preis bewer­ben“, beton­te der Gesundheitsminister.

Die Aus­schrei­bung für den Baye­ri­schen Demenz­preis 2022 läuft bis zum 27. März 2022. Die Bewer­bung ist aus­schließ­lich online und nur mit dem offi­zi­el­len PDF-Bewer­bungs­for­mu­lar an geschaeftsstelle-demenzpreis@lfp.bayern.de mög­lich. Alle Infor­ma­tio­nen zum Baye­ri­schen Demenz­preis sowie das Bewer­bungs­for­mu­lar fin­den Inter­es­sier­te unter https://www.demenzpreis.bayern.de.

„Zum Wett­be­werb auf­ge­for­dert sind Trä­ger von Pro­jek­ten, wie Kom­mu­nen, Schu­len, Ver­ei­ne oder Ver­bän­de, Orga­ni­sa­tio­nen und Ein­rich­tun­gen des Gesund­heits- und Sozi­al­we­sens und Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts und Unter­neh­men. Wich­tig ist: Die Pro­jek­te müs­sen in Bay­ern ent­wi­ckelt wor­den sein und zudem zum Zeit­punkt der Bewer­bung dort seit min­des­tens sechs Mona­ten erfolg­reich umge­setzt wer­den“, erläu­ter­te Klaus Holetschek.

Der Minis­ter unter­strich: „Die Pro­jek­te, die mit dem Baye­ri­schen Demenz­preis aus­ge­zeich­net wer­den, haben eine Vor­bild­funk­ti­on für ganz Bay­ern. Sie leis­ten einen bedeu­ten­den Bei­trag für unse­re Gesellschaft.“

Es wer­den drei Geld­prei­se in Höhe von 3.000 Euro (1. Preis), 2.000 Euro (2. Preis) und 1.000 Euro (3. Preis) ver­lie­hen. Dar­über hin­aus kön­nen bis zu drei wei­te­re her­aus­ra­gen­de Pro­jek­te mit einer Aner­ken­nung aus­ge­zeich­net werden.

„Men­schen mit Demenz müs­sen einen fes­ten Platz in der Mit­te der Gesell­schaft haben. Damit das funk­tio­niert, brau­chen Betrof­fe­ne und ihre Ange­hö­ri­gen ein Umfeld, das sie auf­fängt. Mein Ziel ist es, die Lebens­be­din­gun­gen der Men­schen mit Demenz und ihrer Ange­hö­ri­gen zu ver­bes­sern. Dabei sind wir als Gesell­schaft ins­ge­samt gefragt. Auf einer brei­ten Basis ent­wi­ckeln wir daher zusam­men mit unse­ren Part­ne­rin­nen und Part­nern im Rah­men des Baye­ri­schen Demenz­pakts die 2013 beschlos­se­ne Baye­ri­sche Demenz­stra­te­gie wei­ter“, ergänz­te Holetschek.

Die Preis­ver­lei­hung des Baye­ri­schen Demenz­prei­ses 2022 fin­det vor­aus­sicht­lich am 28. Okto­ber 2022 in Augs­burg statt.

Neu­ro­psy­cho­lo­gie-Tag schlägt Brü­cke zwi­schen For­schung und prak­ti­scher Umsetzung

Von neu­en The­ra­pie­an­sät­zen bei Demenz bis zu Lang­zeit­fol­gen von COVID-19

Demenz und COVID-19 sind zwei Krank­hei­ten, die – auf unter­schied­li­che Wei­se – einen gro­ßen Teil der Bevöl­ke­rung betref­fen und Pfle­gen­de wie For­schen­de her­aus­for­dern. Wis­sen­schaft­li­che und prak­ti­sche Per­spek­ti­ven auf neue The­ra­pie­mög­lich­kei­ten von Demenz­kran­ken oder jüngs­te Erkennt­nis­se zu neu­ro­psy­cho­lo­gi­schen Aspek­ten von COVID-19 bie­tet der 13. Neu­ro­psy­cho­lo­gie-Tag an der Uni­ver­si­tät Bamberg.

Wer über die Reform der Psy­cho­the­ra­pie­aus­bil­dung mit­dis­ku­tie­ren, sich in Dia­gnos­tik und The­ra­pie von Men­schen mit psy­chi­schen Stö­run­gen wei­ter­bil­den möch­te oder Ant­wor­ten auf neu­ro­psy­cho­lo­gi­sche Fra­gen an das Krank­heits­bild Depres­si­on sucht, kann das bei der Online-Ver­an­stal­tung eben­so tun. In die­sem Jahr erstre­cken sich die kos­ten­frei­en und öffent­li­chen Vor­trä­ge über zwei Aben­de: Die Ver­an­stal­tung kann ohne Anmel­dung besucht wer­den und beginnt am 19. und 20. Mai 2021 jeweils um 17.45 bezie­hungs­wei­se 18 Uhr.


Das MAKS-Kon­zept, sei­ne Zie­le und Wirkungsweisen 

Den Auf­takt am ers­ten Abend gibt der Demenz­for­scher Prof. Dr. Elmar Grä­ßel aus Erlan­gen. Er und sein Team haben ein nicht-medi­ka­men­tö­ses The­ra­pie­kon­zept für Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten mit leich­ter oder mäßi­ger Demenz ent­wi­ckelt und erforscht, das aus meh­re­ren Behand­lungs­mo­du­len besteht: Die­se rich­ten sich an die moto­ri­schen (M), all­tags­prak­ti­schen (A), kogni­ti­ven (K) und sozi­al-kom­mu­ni­ka­ti­ven (S) Fähig­kei­ten der Betrof­fe­nen. In sei­nem Vor­trag stellt er das MAKS-Kon­zept, sei­ne Zie­le und Wir­kungs­wei­sen vor und beschreibt, wie die Behand­lung in der Ver­sor­gungs­pra­xis ein­ge­setzt wer­den kann.

Die Psy­cho­lo­gin Dr. Andrea Ploh­mann, eine der Red­ne­rin­nen des zwei­ten Abends, ist aus der Schweiz zuge­schal­tet. Sie beschäf­tigt sich damit, wie sich eine COVID-19-Erkran­kung lang­fris­tig auf die Psy­che und die Hirn­leis­tung aus­wir­ken kann. Ängs­te und Depres­sio­nen, Kon­zen­tra­ti­ons­schwä­che, Gedächt­nis­pro­ble­me oder Erschöp­fungs­zu­stän­de sind eini­ge der Sym­pto­me, über die Erkrank­te kla­gen und die in Stu­di­en und Leis­tungs­tests Betrof­fe­ner belegt wer­den konn­ten. Andrea Pohl­mann stellt in ihrem Vor­trag die aktu­el­le Stu­di­en­la­ge zu die­sem Phä­no­men vor und gibt Auf­schluss über das Zusam­men­spiel mög­li­cher Ursachen.

Die bei­den Orga­ni­sa­to­ren des Neu­ro­psy­cho­lo­gie-Tags Prof. Dr. Ste­fan Lau­ten­ba­cher und Prof. Dr. Jascha Rüs­se­ler vom Insti­tut für Psy­cho­lo­gie der Uni­ver­si­tät Bam­berg enga­gie­ren sich mit der Ver­an­stal­tung nicht nur für eine Wis­sens­ver­mitt­lung in die Öffent­lich­keit, son­dern auch für den Aus­tausch zwi­schen For­schung und Pra­xis der Neuropsychologie.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum kom­plet­ten Pro­gramm sowie die Zugangs­da­ten zur Ver­an­stal­tung gibt es unter https://www.uni-bamberg.de/physiolpsych/npt/13-neuropsychologie-tag-2021/

Baye­ri­sche Demenzstrategie

Fach­stel­le für Demenz und Pfle­ge Oberfranken

Auf­grund des immer höher wer­den­den Alters­durch­schnitts in Deutsch­land neh­men die Zah­len von Erkran­kun­gen, die ver­mehrt im Alter auf­tre­ten, zu: Demen­z­er­kran­kun­gen wie die Alz­hei­mer-Krank­heit ver­än­dern kogni­ti­ve, emo­tio­na­le und sozia­le Fähig­kei­ten und sind nicht heil­bar. 2013 rief das Baye­ri­sche Staats­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit und Pfle­ge die Baye­ri­sche Demenz­stra­te­gie ins Leben, um dem genann­ten Anstieg aus­rei­chend Pfle­ge-Struk­tu­ren ent­ge­gen­set­zen zu kön­nen. Ein Teil die­ser Stra­te­gie sah die Erschaf­fung von Fach­stel­len für Demenz und Pfle­ge in allen baye­ri­schen Regie­rungs­be­zir­ken vor. Die Fach­stel­le für Demenz und Pfle­ge Ober­fran­ken ist eine davon. Wir haben mit Patri­cia Rein­hardt, Geron­to­lo­gin der Fach­stel­le, über stei­gen­de Erkran­kungs­zah­len, die Gren­zen pri­va­ter Pfle­ge und die Mög­lich­kei­ten der Prä­ven­ti­on von Demen­z­er­kran­kun­gen gesprochen.
Frau Rein­hardt, wor­in besteht das Hilfs­an­ge­bot der Fach­stel­le für Demenz und Pfle­ge Oberfranken?

Patri­cia Rein­hardt: Die Fach­stel­le für Demenz und Pfle­ge Ober­fran­ken bie­tet pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen und ihren Ange­hö­ri­gen in unse­rer Lot­sen­funk­ti­on zum Bei­spiel Assis­tenz bei der Suche nach Bera­tungs­stel­len, inter­es­sier­ten Trä­gern von aner­kann­ten Ange­bo­ten zur Unter­stüt­zung im All­tag unter ande­rem Bera­tung im För­der­ver­fah­ren oder die Beglei­tung bei Initi­ie­rung und Umset­zung neu­er Ange­bo­te. Inter­es­sier­ten Trä­gern von Fach­stel­len für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge und Pfle­ge­stütz­punk­ten bie­ten wir stra­te­gi­sche Bera­tung zum Auf­bau und zudem regel­mä­ßi­ge Aus­tausch- und Ver­net­zungs­tref­fen. Akteu­rIn­nen des öffent­li­chen Lebens im Bereich Demenz kön­nen von uns Unter­stüt­zung bei der Durch­füh­rung von Ver­an­stal­tun­gen zum The­ma Demenz oder Infor­ma­tio­nen über Schu­lun­gen, Work­shops, wie auch regio­na­le Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen erhalten.

Die Fall­zah­len Demen­z­er­krank­ter neh­men auf­grund einer immer älter wer­den­den Gesell­schaft in Zukunft noch zu. Wie ist die Fach­stel­le dar­auf vorbereitet?

Patri­cia Rein­hardt: Etwa 24.000 Men­schen sind momen­tan ober­fran­ken­weit an Demenz erkrankt. Ein Anstieg der Anzahl demen­ti­ell Erkrank­ter im Bezirk Ober­fran­ken wird für das Jahr 2030 auf 30.000 betrof­fe­ne Per­so­nen pro­gnos­ti­ziert. Ober­fran­ken könn­te die­sen Anstieg also deut­lich zu spü­ren bekom­men, ist flä­chen­mä­ßig der kleins­te Regie­rungs­be­zirk Bay­erns und hat zudem die gerings­te Ein­woh­ner­zahl. Aller­dings leben hier ver­gleichs­wei­se vie­le älte­re Men­schen. Da Demen­z­er­kran­kun­gen zum größ­ten Teil im höhe­ren Lebens­al­ter auf­tre­ten, ist der Anteil von Men­schen mit demen­ti­el­len Ver­än­de­run­gen in Ober­fran­ken über­durch­schnitt­lich hoch.

Durch dyna­mi­sche Anpas­sung der Ange­bots­in­hal­te der Fach­stel­le für Demenz und Pfle­ge Ober­fran­ken und Schaf­fung von blei­ben­den Struk­tu­ren im Ange­bot zur Unter­stüt­zung im All­tag, ist die Stel­le für die Zukunft gerüs­tet. Die Fach­stel­le Ober­fran­ken ist gut im Ver­bund der Fach­stel­len für Demenz und Pfle­ge in Bay­ern ein­ge­bun­den, die in enger Abspra­che mit Staats­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit und Pfle­ge und den Pfle­ge­kas­sen arbei­ten. Sie ist ein Bestand­teil der Baye­ri­schen Demenzstrategie.

Bay­ern hat ein weit ver­brei­te­tes Netz­werk an Fach­stel­len und Pfle­ge­stütz­punk­ten. Rei­chen die­se aus, um alle Kran­ken ver­sor­gen zu können?

Patri­cia Rein­hardt: Es ist wich­tig, ein flä­chen­de­cken­des Netz an Bera­tungs­struk­tu­ren zu haben. So kann die indi­vi­du­el­le Ver­sor­gungs­struk­tur für Betrof­fe­ne und deren pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge ana­ly­siert und ange­bahnt wer­den. Bei Erhalt der Fach­stel­len für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge und der bestehen­den Pfle­ge­stütz­punk­te, ist eine regio­na­le Ver­net­zung neben dem Auf­bau wei­te­rer Trä­ger­an­ge­bo­te in die­sen bei­den Berei­chen sin­nig. Ein weit ver­brei­te­tes Netz an Fach­stel­len und Pfle­ge­stütz­punk­ten, sin­gu­lär oder in Koope­ra­ti­on, sichert die Bera­tung für Betrof­fe­ne und deren Ange­hö­ri­ge. Die regio­na­len Fach­stel­len für Demenz und Pfle­ge in Bay­ern ste­hen sowohl Fach­stel­len für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge als auch Pfle­ge­stütz­punk­ten bera­tend zur Seite.

Wie vie­le Demenz­kran­ke wer­den pri­vat gepflegt?

Patri­cia Rein­hardt: Rund drei Vier­tel der an Demenz Erkrank­ten wird zu Hau­se betreut und ver­sorgt. Dazu bedarf es enga­gier­ter pfle­gen­der Ange­hö­ri­ger, die ihrer­seits auf Ent­las­tungs­struk­tu­ren Zugriff haben soll­ten. Bestehen­de Ange­bo­te zur Unter­stüt­zung im All­tag zu stär­ken und feh­len­de Ange­bo­te zu gene­rie­ren, ist ein Teil der Auf­ga­be der Fach­stel­le für Demenz und Pfle­ge Oberfranken.

Was kön­nen Ange­hö­ri­ge von Demenz­kran­ken zu deren Pfle­ge selbst tun, was soll­ten sie pro­fes­sio­nel­len Kräf­ten über­las­sen? Wor­auf gilt es bei pri­va­ter Pfle­ge zu achten?

Patri­cia Rein­hardt: Jeder Ange­hö­ri­ge ist ein Mensch. Jeder Mensch erbringt unter­schied­li­che Leis­tun­gen. Eine pau­scha­le Aus­sa­ge ist kaum mög­lich. Den Ange­hö­ri­gen ist einer­seits zu raten, sich selbst immer im Blick zu haben. Ande­rer­seits ist es sinn­voll, sich ab Bekannt­wer­den der Dia­gno­se Demenz über bestehen­de Bera­tungs­struk­tu­ren zum The­ma „Häus­li­che Pfle­ge, Ver­sor­gung und Unter­stüt­zung bei Demenz eines Ange­hö­ri­gen“ oder prin­zi­pi­ell zur häus­li­chen Pfle­ge eines pfle­ge­be­dürf­ti­gen Ange­hö­ri­gen umfas­send auf­klä­ren zu las­sen. Ger­ne ste­hen die Mit­ar­bei­te­rin­nen der Fach­stel­le für Demenz und Pfle­ge Ober­fran­ken hier­bei als Lot­sin­nen bereit.

Wel­che Risi­ken geht man mit pri­va­ter Pfle­ge ohne Unter­stüt­zung von außen ein?

Patri­cia Rein­hardt: Die pri­va­te Pfle­ge eines Demen­z­er­krank­ten wird dann zum per­sön­li­chen Risi­ko, wenn man sich kei­ne eige­nen Frei­räu­me schafft oder sei­ne Per­sön­lich­keit voll­stän­dig auf­gibt. So berich­ten Ange­hö­ri­ge von der Sor­ge des immer ange­bun­den Seins oder der enor­men Ein­schrän­kung in per­sön­li­chen Anlie­gen. In die­sen Fäl­len droht Über­las­tung der pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen. Damit es nicht so weit kommt, müs­sen alle Unter­stüt­zungs­maß­nah­men im häus­li­chen Umfeld bekannt sein und in Anspruch genom­men wer­den. Eine Pfle­ge-Ein­gra­dung der pfle­ge­be­dürf­ti­gen Per­son ist zur finan­zi­el­len Unter­stüt­zung von Sei­ten der Pfle­ge­kas­sen und des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums bezie­hungs­wei­se des Staats­mi­nis­te­ri­ums für Gesund­heit und Pfle­ge Bay­ern essen­ti­ell notwendig.

Möch­ten Sie durch Ihre Unter­stüt­zung auch ver­hin­dern, dass Demenz­kran­ke an Pfle­ge- oder Alten­hei­me über­ge­ben werden?

Patri­cia Rein­hardt: Die Arbeits­auf­ga­ben der Fach­stel­le für Demenz und Pfle­ge Ober­fran­ken wer­den von einem dyna­mi­schen Pro­zess beglei­tet. Wir bera­ten im ambu­lan­ten Set­ting. Durch den Erhalt von bezie­hungs­wei­se die Imple­men­tie­rung neu­er Ange­bo­te zur Unter­stüt­zung im All­tag, möch­ten wir einen wesent­li­chen Bei­trag dazu leis­ten, dass Betrof­fe­ne so lan­ge als mög­lich zu Hau­se leben kön­nen. Auch Bera­tungs­struk­tu­ren vor Ort die­nen dem häu­fi­gen Wunsch von Pfle­ge­be­dürf­ti­gen, und meist auch deren nahen Ange­hö­ri­gen, den Lebens­abend in bekann­tem Umfeld zu verbringen.

Was kann man zur Prä­ven­ti­on einer Demen­z­er­kran­kung tun?

Patri­cia Rein­hardt: Kurz gesagt: sich gesund ernäh­ren, viel kör­per­li­che Akti­vi­tät und Sport betrei­ben, unter­schied­lichs­te sozia­le Akti­vi­tä­ten unter­neh­men, auf gute Hör­fä­hig­keit ach­ten, spe­zi­el­les kogni­ti­ves Trai­ning anwen­den und jeg­li­che Art, sich zu bil­den, wahr­neh­men. Star­ten Sie so früh wie mög­lich. Die benann­ten Punk­te könn­ten schon als Lebens­ge­wohn­hei­ten im frü­hen Erwach­se­nen­al­ter Beach­tung finden.

Wel­ches gesell­schaft­li­che Bild von Demenz­kran­ken herrscht der­zeit vor? Inwie­fern möch­ten Sie es ändern?

Patri­cia Rein­hardt: Obgleich das The­ma Demenz schon in den letz­ten Jah­ren ent­ta­bui­siert wur­de, erlebt man im All­tag immer noch, dass Demen­z­er­krank­te igno­riert, falsch ver­stan­den oder wie Kin­der behan­delt wer­den. Die Fach­stel­le für Demenz und Pfle­ge Ober­fran­ken möch­te die Gesell­schaft sen­si­bi­li­sie­ren, um Unsi­cher­hei­ten zu über­brü­cken und Tat­kräf­tig­keit zu för­dern. Somit kön­nen Demen­z­er­krank­te wie­der Teil­ha­be in der Gesell­schaft erle­ben und pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge stär­ker ent­las­tet wer­den. Las­sen wir Men­schen mit Demenz Teil der Mit­te unse­rer Gesell­schaft werden.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter:

www.demenz-pflege-oberfranken.de