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Domingo

Tier­gar­ten Nürnberg

Har­py­ie Dom­in­go ist in den Welt­vo­gel­park Wals­ro­de gezogen

Har­py­ien (Har­pia har­py­ja) gel­ten als die stärks­ten Greif­vö­gel der Welt, doch durch mensch­li­che Akti­vi­tä­ten gera­ten sie zuneh­mend in die Defen­si­ve. Der Tier­gar­ten der Stadt Nürn­berg setzt sich für ihren Erhalt ein und koor­di­niert die Zucht der gefähr­de­ten Art inner­halb des Euro­päi­schen Erhal­tungs­zucht­pro­gram­mes EEP. In die­sem Zusam­men­hang ist das Nürn­ber­ger Har­py­ien-Männ­chen Dom­in­go in den Welt­vo­gel­park Wals­ro­de umge­zo­gen, wie der Tier­gar­ten mitteilt.

Dom­in­go ist 1993 im Tier­gar­ten Nürn­berg geschlüpft und leb­te hier bis auf zwei Sta­tio­nen im Zoo Dort­mund (1995 bis 2000) und im Grü­nen Zoo Wup­per­tal (2005 bis 2014). In Wals­ro­de soll er idea­ler­wei­se mit Cup­ca­ke, einem sie­ben­jäh­ri­gen Weib­chen aus dem US-ame­ri­ka­ni­schen Zoo Miami, zusam­men­ge­führt wer­den. „Die Idee ist, dass er mit einem bluts­frem­den Tier züch­ten kann“, sagt der Kura­tor für Arten­schutz und For­schung im Tier­gar­ten Nürn­berg, Dr. Loren­zo von Fer­sen. Er hat das Euro­päi­sche Erhal­tungs­zucht­pro­gramm (EEP) des Euro­päi­schen Zoo­ver­ban­des EAZA für die Art auf­ge­baut und ist seit der Grün­dung 2025 des­sen Koordinator.

Har­py­ien zusam­men­zu­füh­ren ist eine Her­aus­for­de­rung und erfor­dert viel Erfah­rung und Fin­ger­spit­zen­ge­fühl. Wenn die Tie­re nicht har­mo­nie­ren, kann es zu schwe­ren Aus­ein­an­der­set­zun­gen kom­men, bei denen bei­de Tie­re gefähr­det sind. Des­we­gen wer­den poten­zi­el­le Paa­re lang­sam anein­an­der gewöhnt, indem sie sich zunächst von ihren jewei­li­gen Gehe­gen aus durch eine Ple­xi­glas­schei­be beob­ach­ten kön­nen. Erst, wenn sie mit­ein­an­der inter­agie­ren und bei­spiels­wei­se begin­nen, Mate­ri­al für ein Nest zu sam­meln, kann eine Zusam­men­füh­rung ver­sucht werden.

Der Welt­vo­gel­park Wals­ro­de hat für Dom­in­go und sei­ne mög­li­che Part­ne­rin eine ehe­ma­li­ge Volie­re für Rie­sen­see­ad­ler ent­spre­chend umge­baut und an die Bedürf­nis­se der Har­py­ien ange­passt. „Es ist wich­tig, dass wir dort, wo die Tie­re in Euro­pa zu sehen sind, auch Zucht­mög­lich­kei­ten schaf­fen“, sagt Loren­zo von Fer­sen. „Die­se Tie­re sind Bot­schaf­ter für die tro­pi­schen Regen­wäl­der Mit­tel- und Süd­ame­ri­kas. Wie vie­le ande­re, weni­ger bekann­te Arten sind sie von vor­an­schrei­ten­der Abhol­zung und den unmit­tel­ba­ren Fol­gen des Kli­ma­wan­dels mas­siv betroffen.“

Hei­ko Janat­zek, Kura­tor des Welt­vo­gel­park Wals­ro­de: „Unser Team freut sich, nun wie­der ein Pär­chen die­ser fas­zi­nie­ren­den Vogel­art hal­ten zu kön­nen. Wir sind gespannt auf die Her­aus­for­de­rung, die bei­den mit­ein­an­der zu ver­ge­sell­schaf­ten und hof­fent­lich zur Zucht zu bewe­gen, um zum Erhalt die­ser hoch­be­droh­ten und cha­ris­ma­ti­schen Tie­re bei­tra­gen zu können.“

Har­py­ien sind lang­le­bi­ge Greif­vö­gel und kön­nen in mensch­li­cher Obhut ein Alter von mehr als 40 Jah­ren errei­chen: Ihre ver­gleichs­wei­se lan­gen Fort­pflan­zungs­zy­klen erschwe­ren es ob der rasan­ten Zer­stö­rung ihrer Lebens­räu­me, einen sta­bi­len Bestand in der Natur zu bewah­ren – nur durch­schnitt­lich alle drei Jah­re zieht ein Paar ein Jung­tier groß, mit etwa sechs Jah­ren sind die Vögel geschlechts­reif und bege­ben sich auf Partnersuche.


Bis­her nur 18 Tie­re im Zuchtprogramm

Das Ziel des EEP besteht dar­in, eine sich selbst­er­hal­ten­de Popu­la­ti­on auf­zu­bau­en, die als Reser­ve die­nen kann, falls die Art in der Natur aus­stirbt. Per­spek­ti­visch soll das Zucht­buch alle welt­weit in mensch­li­cher Obhut gehal­te­nen Indi­vi­du­en beinhal­ten. Das EEP umfasst der­zeit 18 Indi­vi­du­en, von denen 8 im Zoo São Pau­lo leben. Die ande­ren ver­tei­len sich auf vier euro­päi­sche Zoos. In Nürn­berg und auf sei­ner Außen­sta­ti­on Gut Mit­tel­büg leben der­zeit fünf der Tie­re. Der Tier­gar­ten Nürn­berg hält seit 1980 Har­py­ien. Das dama­li­ge Paar kam durch eine Beschlag­nah­mung aus einer Pri­vat­hal­tung in die Obhut des Zoos. Im Jahr 2023 ist mit Ama­ya zum ers­ten Mal seit bis dahin 20 Jah­ren wie­der ein Jung­vo­gel in Nürn­berg geschlüpft und erfolg­reich groß­ge­zo­gen wor­den. Ama­ya ist für Besu­che­rin­nen und Besu­cher im Bereich der Greif­vö­gel ober­halb der Bart­gei­er­vo­lie­re zu sehen. Hier möch­te der Tier­gar­ten mit Unter­stüt­zung des Ver­eins der Tier­gar­ten­freun­de Nürn­berg e.V. per­spek­ti­visch eine neue Har­py­ien-Volie­re mit Innen- und Außen­an­la­ge bauen.