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Energiewende

vbw-Ener­gie­preis­in­dex für Okto­ber 2025

Rück­läu­fi­ge Ener­gie­prei­se als Aus­druck wirt­schaft­li­cher Schwächephase

Der Ener­gie­preis­in­dex der vbw – Ver­ei­ni­gung der Baye­ri­schen Wirt­schaft e. V. ist im Okto­ber erneut leicht zurück­ge­gan­gen. Gegen­über dem Vor­mo­nat sank der Index um 1,2 Pro­zent auf 108,0 Punk­te, wie die vbw mitteilt.

„Der Trend bei den Ener­gie­kos­ten geht in die rich­ti­ge Rich­tung. Gleich­zei­tig muss uns bewusst sein, dass der Rück­gang der Ener­gie­prei­se auch auf die sin­ken­de Nach­fra­ge durch die wirt­schaft­li­che Schwä­che zurück­zu­füh­ren ist“, sagt vbw-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Bert­ram Brossardt.

Von einer nach­hal­ti­gen Wen­de in der Ener­gie­po­li­tik kön­ne noch kei­ne Rede sein. Der Index lie­ge immer noch um 29,1 Pro­zent höher als im Vor-Coro­na-Jahr 2019. „Die Kos­ten für Ener­gie ver­har­ren auf einem belas­ten­den Niveau für unse­re Unter­neh­men. Der­ar­tig hohe Kos­ten kön­nen wir uns auf­grund der aku­ten Struk­tur- und Kon­junk­tur­kri­se nicht leisten.“

Der Teil­in­dex für Pri­mär­ener­gie notier­te im Okto­ber 2025 bei 96,2 Punk­ten. Im Ver­gleich zum Vor­mo­nat Sep­tem­ber ging der Index um 2,9 Pro­zent zurück. „Ver­ant­wort­lich für das Minus waren ins­be­son­de­re die um 8,0 Pro­zent nied­ri­ge­ren inlän­di­schen Erzeu­ger­prei­se für Braun­koh­le sowie ein Rück­gang der Ein­fuhr­prei­se für Erd­öl und Stein­koh­le um 4,1 Pro­zent bezie­hungs­wei­se 2,0 Pro­zent“, erläu­tert Brossardt.

Ent­ge­gen dem all­ge­mei­nen Trend stieg der Teil­in­dex für Sekun­där­ener­gie im Okto­ber leicht an. „Ver­gli­chen mit dem Sep­tem­ber lag er um 0,3 Pro­zent höher, und zwar bei 119,8 Punk­ten. Grund dafür ist ein Anstieg der Erzeu­ger­prei­se für Flüs­sig­gas und Fern­wär­me um 6,1 Pro­zent bezie­hungs­wei­se 0,8 Pro­zent. Die Erzeu­ger­prei­se für leich­tes Heiz­öl und Die­sel gin­gen gegen­über Sep­tem­ber hin­ge­gen um 3,4 Pro­zent bzw. 0,4 Pro­zent zurück“, so Brossardt.

Aus Sicht der vbw braucht der Wirt­schafts­stand­ort drin­gend ein deut­lich wett­be­werbs­fä­hi­ge­res Ener­gie- und Strom­preis­ni­veau. „Unse­re Unter­neh­men lei­den wei­ter­hin unter den hohen Belas­tun­gen durch teu­re Ener­gie. Eine schnel­le und spür­ba­re Ent­las­tung der Indus­trie – ins­be­son­de­re bei den Strom­prei­sen – ist drin­gend nötig, um die bereits vor­an­schrei­ten­de De-Indus­tria­li­sie­rung zu stop­pen. Die beschlos­se­ne Ein­füh­rung eines Indus­trie­strom­prei­ses im kom­men­den Jahr ist ein wich­ti­ger Schritt. Die­ser muss aber wirk­sam und pra­xis­taug­lich aus­ge­stal­tet wer­den, um sei­ne ent­las­ten­de Wir­kung zu ent­fal­ten. Unver­zicht­bar bleibt auch eine dau­er­haf­te Absen­kung der Strom­steu­er für alle Bran­chen auf das euro­päi­sche Min­dest­ni­veau“, sagt Brossardt.

Basis­jahr für den vbw Ener­gie­preis­in­dex ist 2021 (2021=100). Wei­te­re Erläu­te­run­gen zum vbw-Ener­gie­preis­in­dex sind hier zu fin­den. 

vbw-Ener­gie­preis­in­dex für das drit­te Quar­tal 2025

Ener­gie­prei­se sin­ken leicht

Der Ener­gie­preis­in­dex der vbw – Ver­ei­ni­gung der Baye­ri­schen Wirt­schaft e. V. lag im drit­ten Quar­tal 2025 bei 110,1 Punk­ten und ist damit gegen­über dem vor­he­ri­gen Quar­tal um 1,2 Pro­zent gesun­ken, wie die vbw mitteilt.

„Trotz­dem sind die Ener­gie­prei­se für die baye­ri­sche Wirt­schaft nach wie vor auf zu hohem Niveau. Im Ver­gleich zum Durch­schnitt des Jah­res 2019 – dem letz­ten Jahr vor der Coro­na-Kri­se – lie­gen die Prei­se immer noch um fast ein Drit­tel höher“, sagt vbw-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Bert­ram Brossardt.

Der Teil­in­dex für Pri­mär­ener­gie lag im drit­ten Quar­tal 2025 mit durch­schnitt­lich 100,4 Punk­ten um 3,2 Pro­zent nied­ri­ger als im zwei­ten Quar­tal 2025. „Wäh­rend die Ein­fuhr­prei­se für Erd­gas (-7,9 Pro­zent), Stein­koh­le (-3,0 Pro­zent) und Erd­öl (-1,4 Pro­zent) zurück­gin­gen, ver­teu­er­te sich die in Deutsch­land erzeug­te Braun­koh­le erneut merk­lich, um 8,0 Pro­zent“, erläu­tert Brossardt.

Anders als der Gesamt­in­dex stieg der Teil­in­dex für Sekun­där­ener­gie im drit­ten Quar­tal 2025 gegen­über dem vor­he­ri­gen Quar­tal leicht um 0,5 Pro­zent auf durch­schnitt­lich 119,7 Punk­te. Wäh­rend die Erzeu­ger­prei­se für Flüs­sig­gas um 8,3 Pro­zent zurück­gin­gen, leg­ten die Prei­se für impor­tier­ten Strom deut­lich um 13,7 Pro­zent zu. Auch die Prei­se für Die­sel (+1,2 Pro­zent), Fern­wär­me (+0,7 Pro­zent) und leich­tes Heiz­öl (+0,3 Pro­zent) gin­gen leicht in die Höhe. „Besorg­nis­er­re­gend ist zudem, dass der Strom­preis­in­dex mit durch­schnitt­lich 112,0 Punk­ten noch immer um 34,6 Pro­zent über dem Niveau von vor der Coro­na-Pan­de­mie lag“, sagt Brossardt.

Aus Sicht der vbw muss die Poli­tik drin­gend Fak­ten schaf­fen, um die vor­an­schrei­ten­de Deindus­tria­li­sie­rung des Wirt­schafts­stand­orts zu stop­pen. „Ohne einen glo­bal wett­be­werbs­fä­hi­gen Strom­preis ist die Zukunfts­fä­hig­keit unse­res Stand­orts ernst­haft in Gefahr. Dazu gehört die Ein­füh­rung eines Indus­trie­strom­prei­ses für die ener­gie­in­ten­si­ve Indus­trie eben­so wie die dau­er­haf­te Absen­kung der Strom­steu­er für alle Bran­chen. Gleich­zei­tig muss der Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gien und der Strom­net­ze nicht nur beschleu­nigt, son­dern auch bes­ser mit­ein­an­der syn­chro­ni­siert wer­den“, so Brossardt.

Basis­jahr für den vbw-Ener­gie­preis­in­dex ist 2021 (2021=100). Wei­te­re Erläu­te­run­gen zum vbw-Ener­gie­preis­in­dex sind hier zu finden.

vbw-Ener­gie­preis­in­dex für das zwei­te Quar­tal 2025

Inter­na­tio­na­le Han­dels­kon­flik­te redu­zie­ren die Energienachfrage

Im zwei­ten Quar­tal 2025 lag der Ener­gie­preis­in­dex der vbw – Ver­ei­ni­gung der baye­ri­schen Wirt­schaft e.V. bei 111,4 Punk­ten. Gegen­über dem ers­ten Quar­tal ging der Index um 10,6 Pro­zent zurück. Ver­gli­chen mit dem Vor­jah­res­quar­tal lag der Index um durch­schnitt­lich 10,5 Pro­zent nied­ri­ger, wie die vbw mitteilt.

„Nach einer leich­ten Auf­wärts­be­we­gung im ers­ten Quar­tal 2025 hat sich die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung inter­na­tio­nal, aber auch in Deutsch­land in den ver­gan­ge­nen Mona­ten wie­der abge­schwächt. Die außen­wirt­schaft­li­chen Tur­bu­len­zen auf­grund der erra­ti­schen Außen­wirt­schafts­po­li­tik der Trump-Regie­rung machen sich deut­lich bemerk­bar“, erklärt vbw Haupt­ge­schäfts­füh­rer Bert­ram Brossardt.

In der Fol­ge sei auch die Nach­fra­ge nach Ener­gie­pro­duk­ten zurück­ge­gan­gen. Trotz des Rück­gangs wür­den die Ener­gie­prei­se am Stand­ort Bay­ern zu hoch blei­ben. „Im Ver­gleich zum Durch­schnitt des Vor-Coro­na-Jah­res 2019 lag der vbw Ener­gie­preis­in­dex im zwei­ten Quar­tal 2025 nach wie vor um fast 30 Pro­zent höher. Klar ist: Es ist noch ein wei­ter Weg, um wie­der zu wett­be­werbs­fä­hi­gen Ener­gie­prei­sen zu kommen.“

Der Teil-Index für Pri­mär­ener­gie lag im zwei­ten Quar­tal 2025 um durch­schnitt­lich 15,5 Pro­zent nied­ri­ger als im ers­ten Quar­tal 2025. Wäh­rend die Prei­se für bei­spiels­wei­se Erd­gas (-18,0 Pro­zent) und Erd­öl (-15,8 Pro­zent) deut­lich zurück­gin­gen, stie­gen die Prei­se für in Deutsch­land erzeug­te Braun­koh­le erneut leicht an (+2,5 Pro­zent). Auch der Teil-Index für Sekun­där­ener­gie ging gegen­über dem Vor­quar­tal zurück (-5,8 Pro­zent). Beson­ders der Preis für Flüs­sig­gas (-20,0 Pro­zent) sank deut­lich. Die Prei­se für Fern­wär­me beweg­ten sich hin­ge­gen kaum (-0,3 Prozent).

Aus Sicht der vbw braucht der Wirt­schafts­stand­ort ein weit nied­ri­ge­res Ener­gie- und Strom­preis­ni­veau. „Die hohen Ener­gie­kos­ten sind seit Jah­ren einer unse­rer größ­ten Stand­ort­nach­tei­le. Sie belas­ten unse­re Unter­neh­men im glo­ba­len Ren­nen um Inno­va­ti­on und Wett­be­werbs­fä­hig­keit mas­siv. Es wird Zeit, dies zu ändern und wie­der zu alter Stär­ke zu fin­den. Die von der Bun­des­re­gie­rung ange­kün­dig­ten Maß­nah­men zur Redu­zie­rung der Ener­gie­prei­se gilt es nun schnellst­mög­lich umzu­set­zen. Auch beim Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gien und Net­ze müs­sen wir deut­lich schnel­ler wer­den. Fakt ist: Wir müs­sen unse­ren Stand­ort von innen stär­ken, um im glo­ba­len Wett­be­werb nach außen zu bestehen“, sagt Bros­sardt abschließend.

Der voll­stän­di­ge vbw-Ener­gie­preis­in­dex und wei­te­re Erläu­te­run­gen dazu sind hier zu finden.

Ener­gie­preis­in­dex Febru­ar 2025

Ener­gie­kos­ten unver­än­dert auf hohem Niveau

Der Ener­gie­preis­in­dex der vbw – Ver­ei­ni­gung der Baye­ri­schen Wirt­schaft e. V. ist im Febru­ar 2025 im Ver­gleich zum Vor­mo­nat um 0,7 Pro­zent auf 126,2 Punk­te zurück­ge­gan­gen. Die Ver­ei­ni­gung der Baye­ri­schen Wirt­schaft appel­liert, die Sen­kung der Strom­steu­er rasch umzusetzen.

„Der vbw Ener­gie­preis­in­dex zeigt trotz leich­tem Rück­gang deut­lich, dass die Ener­gie­kos­ten noch immer auf einem zu hohen Niveau lie­gen. Im Ver­gleich zum Vor­jah­res­mo­nat ist der Index um 3,4 Pro­zent ange­stie­gen. Die Unter­neh­men in Bay­ern kämp­fen inmit­ten der schwie­ri­gen Kon­junk­tur- und Struk­tur­la­ge wei­ter­hin mit dem zu hohen Niveau der Ener­gie­prei­se. Umso wich­ti­ger ist es, dass die wachs­tums­för­dern­den und stand­ort­si­chern­den Maß­nah­men, die im Koali­ti­ons­ver­trag fest­ge­legt wor­den sind, jetzt zügig umge­setzt wer­den“, erklärt vbw Haupt­ge­schäfts­füh­rer Bert­ram Brossardt.

Für vie­le ein­zel­ne Ener­gie­trä­ger zeich­net sich ein ver­gleich­ba­rer Trend ab wie beim Gesamt­in­dex. Wäh­rend die Prei­se im Febru­ar gegen­über dem Vor­mo­nat leicht zurück­gin­gen, lie­gen sie im mit­tel­fris­ti­gen Ver­gleich deut­lich erhöht. Hier­zu erläu­tert Bros­sardt: „Der Index für Pri­mär­ener­gie notier­te im Febru­ar 2025 bei 124,4 Punk­ten. Im Ver­gleich zum Vor­mo­nat Janu­ar lag der Index damit um 1,0 Pro­zent nied­ri­ger. Im Ver­gleich zum Durch­schnitt des Vor-Coro­na-Jah­res 2019 lag der Index hin­ge­gen, mit einem Plus von +55,7 Pro­zent, um über die Hälf­te höher. Der Preis­in­dex für Sekun­där­ener­gie ging im Febru­ar 2025 im Ver­gleich zum Janu­ar um 0,4 Pro­zent zurück. Mit 128,1 Punk­ten lag die­ser, wie die ande­ren Indi­zes auch, jedoch wei­ter­hin auf einem zu hohen Niveau. Im Ver­gleich zum Durch­schnitt des Vor-Coro­na-Jah­res 2019 lag der Index um 46,1 Pro­zent höher.“

Aus Sicht der vbw ist das Ener­gie­preis­ni­veau einer der drän­gends­ten Belas­tungs­fak­to­ren für den Wirt­schafts­stand­ort. „Die Ener­gie­kos­ten sind einer unse­rer gro­ßen Stand­ort­nach­tei­le. Die im Koali­ti­ons­ver­trag ver­ein­bar­te Sen­kung der Strom­steu­er auf das euro­päi­sche Min­dest­maß, die Redu­zie­rung der Über­tra­gungs­netz­ent­gel­te und die Ein­füh­rung eines Indus­trie­strom­prei­ses für ener­gie­in­ten­si­ve Unter­neh­men begrü­ßen wir sehr. Um die Zukunft des Stand­orts zu sichern und damit auch den Wohl­stand und die Beschäf­ti­gung zu erhal­ten, sind die­se Maß­nah­men uner­läss­lich. Zudem müs­sen wir den Aus­bau aller erneu­er­ba­ren Ener­gien und der Net­ze noch ent­schie­de­ner vor­an­trei­ben“, so Bros­sardt. Der voll­stän­di­ge vbw-Ener­gie­preis­in­dex und wei­te­re Erläu­te­run­gen dazu sind hier zu finden.

Umbau des Ener­gie­sys­tems sta­gniert in wei­ten Teilen

vbw for­dert Bekennt­nis der neu­en Bun­des­re­gie­rung zur Energiewende

Der vbw – Ver­ei­ni­gung der Baye­ri­schen Wirt­schaft e. V. hat das 13. Moni­to­ring der Ener­gie­wen­de ver­öf­fent­licht, wel­ches zei­ge, dass der Umbau des deut­schen Ener­gie­sys­tems in wei­ten Tei­len sta­gnie­re. In bei­na­he allen Berei­chen ver­feh­le der Aus­bau­fort­schritt wei­ter­hin die vor­ge­ge­be­nen Ziele.

„Die Ener­gie­wen­de kommt nicht vor­an, bleibt ein­mal mehr hin­ter den Erwar­tun­gen zurück. Erneut kön­nen wir kei­ne Ver­bes­se­run­gen im Ver­gleich zum Vor­jahr erken­nen. Das ist alar­mie­rend“, kom­men­tiert vbw Haupt­ge­schäfts­füh­rer Bert­ram Brossardt.

Im Moni­to­ring der Ener­gie­wen­de wird Zwi­schen­bi­lanz in vier Kate­go­rien – Ver­sor­gungs­si­cher­heit, Bezahl­bar­keit, Ener­gie­ef­fi­zi­enz /​erneu­er­ba­re Ener­gien und Umwelt­ver­träg­lich­keit – gezo­gen. Als Maß­stab der Bewer­tun­gen die­nen die selbst­ge­steck­ten Zie­le von Bund und Frei­staat. Laut aktu­el­lem Moni­to­ring kämen ins­be­son­de­re der Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gien und der Netz­aus­bau nur schlep­pend vor­an, zeit­gleich ver­harr­ten die Ener­gie­prei­se auf einem höhe­ren Niveau als vor der Ener­gie­preis­kri­se. „Die Preis-Ampel steht auf Dun­kel­rot. Das scha­det unse­rem Stand­ort und ist eine der Ursa­chen für die zuneh­men­de Deindus­tria­li­sie­rung. Hier muss drin­gend gegen­ge­steu­ert wer­den“, for­dert Bros­sardt und ergänzt, es gäbe kei­nen Anlass, sich über eine bes­se­re Bewer­tung bei den Treib­haus­gas-Emis­sio­nen zu freu­en, wenn das maß­geb­lich auf einen Pro­duk­ti­ons­rück­gang der ener­gie­in­ten­si­ven Indus­trien als Fol­ge der Kon­junk­tur­kri­se zurück­zu­füh­ren sei. Ein Erfolg sei die Ener­gie­wen­de dann, wenn die­se Unter­neh­men mit bezahl­ba­rer, nach­hal­ti­ger Ener­gie ver­sorgt seien.

Trotz aller grund­le­gen­den Ver­säum­nis­se sieht die vbw auch posi­ti­ve Ent­wick­lun­gen. So lie­ge der Pho­to­vol­ta­ik-Aus­bau in Reich­wei­te der ambi­tio­nier­ten jähr­li­chen Zubau­zie­le. „Bei Wind­kraft und beim Aus­bau der Ener­gie­net­ze hin­ken wir aber weit hin­ter den Zie­len hin­ter­her. Zwar gehen die Pla­nun­gen end­lich schnel­ler vor­an, ech­te struk­tu­rel­le Ver­bes­se­run­gen sind aber wei­ter­hin nicht zu erken­nen“, erklärt Brossardt.

Um end­lich den Ziel­pfa­den zu ent­spre­chen, brau­che es aus Sicht der vbw ers­tens ein kla­res Bekennt­nis der neu­en Bun­des­re­gie­rung zu zen­tra­len Zie­len einer Ener­gie­wen­de. „Der Aus­bau von erneu­er­ba­ren Ener­gien und Net­zen muss mas­siv beschleu­nigt wer­den und die bis­he­ri­ge Dau­er von Planungs‑, Geneh­mi­gungs- und Bau­pro­zes­sen erheb­lich ver­kürzt wer­den“, for­dert Bros­sardt. Zwei­tens müss­ten die Ener­gie­kos­ten umfas­send gesenkt wer­den, damit der Stand­ort end­lich wie­der inter­na­tio­nal wett­be­werbs­fä­hig wer­de. „Der Brü­cken­strom­preis für die ener­gie­in­ten­si­ve Indus­trie ist über­fäl­lig und die dau­er­haf­te Absen­kung der Strom­steu­er auf das euro­päi­sche Min­dest­ni­veau für die gesam­te Wirt­schaft eben­so“, for­dert Brossardt.

Drit­tens for­dert die vbw die neue Bun­des­re­gie­rung auf, mehr für die Ver­sor­gungs­si­cher­heit zu tun. „Unser Strom­ver­brauch in Deutsch­land wird in den nächs­ten Jah­ren wei­ter stei­gen. Wir brau­chen daher bis 2030 aus­rei­chend Back­up-Kapa­zi­tä­ten. Das wird vor­über­ge­hend nur mit Gas­kraft­wer­ken erreicht wer­den kön­nen. Phä­no­me­ne wie die ‚Dun­kel­flau­te‘ dür­fen unse­rer Indus­trie nicht die Schweiß­per­len auf die Stirn brin­gen. Zukünf­tig gilt es, die­se Gas­kraft­wer­ke dann schritt­wei­se auf Was­ser­stoff umzu­stel­len“, for­dert Bros­sardt und fügt abschlie­ßend hin­zu: „Als Baye­ri­sche Wirt­schaft set­zen wir bei der Ener­gie­wen­de auf ein hohes Umset­zungs­tem­po und eine kon­se­quen­te ener­gie­po­li­ti­sche Auf­hol­jagd. Das erwar­ten wir von der neu­en Bun­des­re­gie­rung.“ Das 13. Moni­to­ring der Ener­gie­wen­de der vbw steht hier zum Down­load bereit.

Stadt­wer­ke Bamberg

Grü­ne Wär­me aus der Reg­nitz für Hand­werks­kam­mer und Haushalte

Die Stadt­wer­ke Bam­berg wol­len im Bam­ber­ger Süden zwei Fluss­wär­me­pum­pen bau­en, die das Was­ser der Reg­nitz als Ener­gie­quel­le nut­zen. So sol­len 2.000 Haus­hal­te im Bam­ber­ger Süden und ein neu­es Bil­dungs­zen­trum der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken kli­ma­neu­tral mit grü­ner Wär­me ver­sorgt werden.

Für die bei­den Groß­wär­me­pum­pen soll in der Süd­flur zwi­schen der Reg­nitz und dem neu­en HWK-Bil­dungs­zen­trum ein Heiz­werk errich­tet wer­den, wie die HWK aktu­ell mit­teilt. Laut einer Mach­bar­keits­stu­die der Stadt­wer­ke Bam­berg und des Fraun­ho­fer-Insti­tuts für Ener­gie­wirt­schaft und Ener­gie­sys­tem­tech­nik (IEE) kön­nen die Wär­me­pum­pen ins­ge­samt 90 Pro­zent des benö­tig­ten Wär­me­be­darfs lie­fern. Dafür sol­len pro Sekun­de 300 Liter Was­ser aus der Reg­nitz ent­nom­men und fluss­ab­wärts mit leicht gerin­ge­rer Tem­pe­ra­tur wie­der in den Fluss ein­ge­lei­tet wer­den. Das neue Heiz­werk in der Süd­flur soll im Herbst 2027 in Betrieb gehen.

Zur Abde­ckung von Spit­zen­las­ten wol­len die Stadt­wer­ke aller­dings auf eine weni­ger umwelt­ver­träg­li­che, weil Koh­len­di­oxid pro­du­zie­ren­de Wei­se Ener­gie pro­du­zie­ren und zusätz­li­che Hack­schnit­zel­kes­sel nut­zen. In die­sen sol­len Holz­ab­fäl­le aus benach­bar­te städ­ti­schen Wäl­dern ver­brannt wer­den. Ins­ge­samt wol­len die Stadt­wer­ke eine Heiz­leis­tung von zehn Mega­watt erzeugen.

Inves­ti­tio­nen in die Energiegewinnung

Beim neu­en Wär­me­wen­de-Pro­jek­te im Bam­ber­ger Süden gehen die Stadt­wer­ke aktu­ell von Gesamt­in­ves­ti­tio­nen im mitt­le­ren zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich aus. Die Sum­me soll auch aus För­der­mit­teln des Bun­des finan­ziert werden.

Die Fluss­wär­me­pum­pen im Bam­ber­ger Süden ist bereits das zwei Quar­tiers­pro­jekt, mit dem die Stadt­wer­ke Bam­berg die Wär­me­wen­de vor­an­trei­ben wol­len. Vor weni­gen Wochen hat der Ener­gie­dienst­leis­ter auf dem Bam­ber­ger Kon­ver­si­ons­quar­tier Lag­ar­de ein Wär­me­sys­tem für 1.200 Alt- und Neu­bau­woh­nun­gen sowie Gewer­be­flä­chen in Betrieb genom­men, das zu 70 Pro­zent mit rege­ne­ra­ti­ven Ener­gien betrie­ben wird.

Hier hat­ten die Stadt­wer­ke ins­ge­samt 13,5 Mil­lio­nen Euro För­der­mit­tel vom Bund und der Regie­rung von Ober­fran­ken akqui­rie­ren kön­nen. Durch den Ein­satz von erneu­er­ba­ren Ener­gien sol­len die Heiz­kos­ten wei­test­ge­hend von Preis­ent­wick­lun­gen fos­si­ler Brenn­stof­fe und künf­ti­ger CO2-Prei­se ent­kop­pelt und für die Bevöl­ke­rung lang­fris­tig güns­tig gehal­ten werden.

Groß­wär­me­pum­pen: Poten­zi­al für die Wärmewende

Die Zahl der Groß­wär­me­pum­pen in Deutsch­land ist laut HWK-Mit­tei­lung über­schau­bar, doch das Poten­zi­al enorm. Nach einer aktu­el­len Stu­die der Münch­ner For­schungs­stel­le für Ener­gie­wirt­schaft (FfE) könn­ten 20 Pro­zent der Kom­mu­nen, vor allem ent­lang der gro­ßen Flüs­se, mit die­ser Tech­nik einen Groß­teil ihres Wär­me­be­darfs decken. Theo­re­tisch hät­te die Tech­nik außer­dem das Poten­zi­al, den Wär­me­be­darf aller Haus­hal­te und Gewer­be in Bay­ern zu decken.

Der­zeit erschwe­ren aber sehr kom­ple­xe Geneh­mi­gungs­pro­zes­se für Fluss­was­ser­wär­me­pum­pen in Bay­ern die flä­chen­de­cken­de Nut­zung von Fluss­was­ser­wär­me. Ins­be­son­de­re die was­ser­recht­li­che Geneh­mi­gung stellt einen sehr auf­wen­di­gen Pro­zess dar.

Für das Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren des Bam­ber­ger Vor­ha­bens haben das Baye­ri­sche Umwelt­mi­nis­te­ri­um, das Was­ser­wirt­schafts­amt Kro­nach sowie die Unte­re und Obe­re Natur­schutz­be­hör­de ihre Unter­stüt­zung jedoch zuge­si­chert. Sie möch­ten spe­zi­ell den Bam­ber­ger Geneh­mi­gungs­pro­zess als zustän­di­ge Behör­den beglei­ten, um Erkennt­nis­se für zukünf­ti­ge ver­gleich­ba­re Pro­jek­te zu gewinnen.

Hoch­was­ser­la­ge

Lisa Badum: Die Macht der fos­si­len Lob­by brechen

Lisa Badum, Forch­hei­mer Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te der Grü­nen, hat sich zur Hoch­was­ser­la­ge in Zen­tral- und Ost­eu­ro­pa geäu­ßert. Auch nahm sie die Geg­ner der Ener­gie­wen­de ins Visier.

Eine Mit­tei­lung von Lisa Badum zitiert die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te mit den Wor­ten: „Mal wie­der Hoch­was­ser. Mal wie­der wer­den eini­ge danach zum Tages­ge­schäft zurück­keh­ren wol­len. Die Par­tei­tak­tik von Söder und Co. bleibt wei­ter­hin, Grü­ne zum Haupt­geg­ner zu erklä­ren und so zu tun, als sei­en Kli­ma­schutz und Hoch­was­ser­schutz die größ­ten Gefah­ren unse­rer Zeit. Das Gegen­teil ist der Fall. Kein Kli­ma­schutz ist die größ­te Gefahr. Kli­ma­schutz ist Menschenschutz.“

Öster­reich, Polen, Tsche­chi­en und Rumä­ni­en müs­sen der­zeit gro­ße Zer­stö­run­gen durch Flu­ten und Was­ser­mas­sen ertra­gen. „Über­flu­te­te Dör­fer, zer­stör­te Infra­struk­tur und Tote“, so Badum wei­ter, „all das sind die dra­ma­ti­schen Kon­se­quen­zen von Extrem­wet­ter­er­eig­nis­sen, wel­che durch die men­schen­ge­mach­te Ver­än­de­rung des Kli­mas immer häu­fi­ger auftreten.“

Jetzt sei es an der Zeit für muti­ge poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen für ein nach­hal­ti­ges, kli­ma­re­si­li­en­tes Euro­pa. Statt­des­sen boo­me das fos­si­le Gas­ge­schäft welt­weit und vie­ler­orts ent­steht neue fos­si­le Infra­struk­tur für den Han­del von Frack­ing-Gas. Und mit Fried­rich Merz hat sich nun ein Geg­ner der Ener­gie­wen­de zum Kanz­ler­kan­di­da­ten der Uni­on gekürt.

„Lei­der arbei­tet die schmut­zi­ge fos­si­le Lob­by gezielt gegen die Ener­gie­wen­de an, um auf Kos­ten unse­rer Zukunft Mil­li­ar­den­ge­win­ne zu schef­feln“, sagt Lisa Badum abschlie­ßend. „Dar­um müs­sen wir die Macht der fos­si­len Lob­by jetzt end­lich brechen.“

Ener­gie­wen­de

In eini­gen Jah­ren: Bam­berg und Zap­fen­dorf bau­en Wind­kraft aus

Bam­berg und Zap­fen­dorf haben einem Pro­jekt­ent­wick­ler Grund­stü­cke für den Bau von Wind­kraft­an­la­gen zur Ver­fü­gung gestellt. Bis der Bau begin­nen kann, wird es aber noch eini­ge Jah­re dauern.

Inter­kom­mu­na­le Zusam­men­ar­beit bei der Ener­gie­wen­de: Die Bür­ger­spi­tal­stif­tung Bam­berg und der Markt Zap­fen­dorf stel­len Grund­stü­cke für Wind­ener­gie­an­la­gen zur Ver­fü­gung, wie das Rat­haus mit­teil­te. Die ent­spre­chen­den Ver­trä­ge mit dem Unter­neh­men „Umwelt­ge­rech­te Kraft­an­la­gen“ (UKA) aus Strau­bing haben nun Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Star­ke, Zap­fen­dorfs Bür­ger­meis­ter Micha­el Sen­ger und Georg Kon­rad von UKA geschlos­sen. „Wir leis­ten einen wich­ti­gen Bei­trag zum Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gie vor Ort“, sag­te Star­ke bei der Unter­zeich­nung im Bam­ber­ger Rat­haus. „Mit der Bereit­stel­lung von Flä­chen für Wind­kraft ver­leiht die durch die Stadt Bam­berg treu­hän­de­risch ver­wal­te­te Bür­ger­spi­tal­stif­tung der Ener­gie­wen­de spür­ba­ren Aufwind.“

Auf den Forst- und Land­wirt­schafts­flä­chen der Bür­ger­spi­tal­stif­tung im Land­kreis Bam­berg lie­gen gro­ße Tei­le der Wind-Vor­rang­ge­bie­te Nr. 123 Sas­sen­dorf-West und Nr. 460 Unter­obern­dorf-Ost. Der Regio­na­le Pla­nungs­ver­band Ober­fran­ken-West räumt der Wind­ener­gie auf die­sen Gebie­ten Prio­ri­tät vor ande­ren Nut­zun­gen ein. Mit der Unter­schrift von Andre­as Star­ke wer­den die Flä­chen nun der Fir­ma UKA ver­trag­lich zur Nut­zung über­las­sen, um Wind­ener­gie­an­la­gen ein­schließ­lich der erfor­der­li­chen Infra­struk­tur zu bau­en und zu betreiben.

Bis zu sie­ben Wind­rä­der – in ein paar Jahren

Unter­stüt­zung bringt die Ent­schei­dung der Bür­ger­spi­tal­stif­tung Bam­berg auch für die Gemein­de Zap­fen­dorf. Die­se nimmt zur Ent­wick­lung der gemeind­li­chen Flä­chen im Vor­rang­ge­biet den­sel­ben Projektentwickler.

„Der Markt Zap­fen­dorf will gemein­sam mit der Bür­ger­spi­tal­stif­tung der Stadt Bam­berg sei­nen Bei­trag zur Ener­gie­wen­de leis­ten“, sag­te Micha­el Sen­ger. „Wir freu­en uns auf gute und kon­struk­ti­ve Zusam­men­ar­beit beim Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gie in der Regi­on Bam­berg“, so sei­ner­seits Georg Kon­rad bei der Vertragsunterzeichnung.

Der Abschluss der Nut­zungs­ver­trä­ge ist der ers­te Schritt auf dem Weg zur Wind­kraft im Vor­rang­ge­biet. Jetzt kann die Pro­jekt­fir­ma die erfor­der­li­chen Geneh­mi­gun­gen für die Wind­kraft­an­la­gen bean­tra­gen. „Wich­tig ist dem Markt Zap­fen­dorf, die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger zu infor­mie­ren und direkt zu betei­li­gen“, sag­te Micha­el Sen­ger über das wei­te­re Vor­ge­hen. „Eine Erwei­te­rung des Vor­rang­ge­bie­tes in Rich­tung der Ort­schaf­ten ist aber nicht angedacht.“

In den bei­den Wind-Vor­rang­ge­bie­ten könn­ten bis zu sie­ben Wind­rä­der ent­ste­hen. Bis zur Umset­zung und zum Start des Baus der Wind­ener­gie­an­la­gen wird es aller­dings noch eini­ge Jah­re dauern.

Kli­ma- und Energieagentur

Ener­gie­wen­de: Solar­flä­chen­ka­tas­ter Bamberg

Seit Anfang letz­ten Jah­res unter­hält das Kli­ma- und Umwelt­amt der Stadt Bam­berg online ein Solar­flä­chen­ka­tas­ter. Anhand einer inter­ak­ti­ven Stadt­kar­te kann man sich anzei­gen las­sen, wie wirt­schaft­lich und ener­ge­tisch sinn­voll Pho­to­vol­ta­ik und Solar­ther­mie auf dem eige­nen Dach sein könnte.

Im Rah­men des Pari­ser Kli­ma­ab­kom­mens hat die Staa­ten­ge­mein­schaft 2015 Kli­ma­schutz­zie­le beschlos­sen, mit denen die glo­ba­le Erwär­mung auf unter 2 Grad gehal­ten wer­den soll. Seit­her haben in die­sem Sin­ne Län­der der EU und ihre Kom­mu­nen – bekann­ter­ma­ßen mal mehr, mal weni­ger erfolg­reich – ent­spre­chen­de Beschlüs­se gefasst, um einen eige­nen Bei­trag zu die­sem Kli­ma­schutz­ab­kom­men zu leisten.

In der Stadt Bam­berg und dem Land­kreis wur­de bereits 2008 eine Kli­ma­al­li­anz gegrün­det, die dar­an arbei­tet, dass die bei­den Kom­mu­nen bis zum Jahr 2035 sämt­li­che der lokal ver­brauch­ten Ener­gie aus erneu­er­ba­ren Ener­gie­trä­gern gewin­nen. Ein Weg dort­hin kann der Aus­bau von Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen sein. Um die­sen vor­an­zu­trei­ben, hat das Kli­ma- und Umwelt­amt Bam­bergs zusam­men mit dem Land­kreis Bam­berg ein Solar­ka­tas­ter eingerichtet.

Unter www.solarkataster-bamberg.de kann man das inter­ak­ti­ve Online-Werk­zeug fin­den. Hat man sei­nen Wohn­ort in der Stadt oder im Land­kreis ange­klickt, gelangt man auf eine sehr detail­lier­te Dar­stel­lung der Stra­ßen und vor allem Gebäu­de von bei­spiels­wei­se Bam­berg. Ähn­lich wie auf Kar­ten­an­zei­gen von Online-Such­ma­schi­nen kann man dann sei­nen exak­ten Wohn­ort, also sein Wohn­ge­bäu­de, suchen und wie­der­um ankli­cken. „Auch soll das Solar­ka­tas­ter Men­schen in den Stand ver­set­zen“, sagt Tho­mas Klos­ter­mann, Sach­ge­biets­lei­ter „Nach­hal­tig­keit und Umwelt­schutz“ im Kli­ma- und Umwelt­amt, „das ener­ge­ti­sche und wirt­schaft­li­che Poten­zi­al ihrer Dach­flä­che rea­lis­tisch ein­schät­zen zu können.“

Von den Dächern, die in Bam­berg dafür geeig­net sind, sind laut Ener­gie­at­las Bay­ern etwa 45 Pro­zent Dächer von Wohn­ge­bäu­den, sie­ben Pro­zent öffent­lich, und etwa 30 Pro­zent wirt­schaft­lich genutz­te Gebäu­de. „Hin­zu kom­men Solar­flä­chen, die über Park­plät­zen auf­ge­stellt wer­den könn­ten – um die­se Mög­lich­kei­ten wol­len wir das Katas­ter noch erweitern.“

Solarflächenkataster
Tho­mas Klos­ter­mann, Foto: Sebas­ti­an Quenzer

Zusätz­lich kann man im Solar­flä­chen­ka­tas­ter einen Fil­ter akti­vie­ren, der Aus­kunft gibt, ob das betref­fen­de Gebäu­de unter Denk­mal­schutz steht. Ein Fak­tor, der bei der Ener­gie­wen­de in der so gut wie voll­stän­dig denk­mal­ge­schütz­ten Alt­stadt Bam­bergs aller­dings schnell zum Pro­blem wer­den kann.

Wir haben mit Tho­mas Klos­ter­mann über das Katas­ter und sei­ne Hin­ter­grün­de gesprochen.

Herr Klos­ter­mann, wel­che lang­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen könn­te der Kli­ma­wan­del auf Bam­berg haben?

Tho­mas Klos­ter­mann: Durch den men­schen­ge­mach­ten Kli­ma­wan­del besteht auch für Bam­berg kon­kret die Gefahr, dass sich die Durch­schnitts­tem­pe­ra­tu­ren um meh­re­re Grad erhö­hen. Durch die stei­gen­den Tem­pe­ra­tu­ren bestehen gesund­heit­li­che Risi­ken, gera­de für vul­nerable Grup­pen wie älte­re oder ganz jun­ge Men­schen, und sie ver­än­dern unse­re Natur und damit unse­re Lebens­grund­la­ge in hohem Maße. Dar­über hin­aus kos­ten die Anpas­sungs­maß­nah­men, die an den Kli­ma­wan­del geleis­tet wer­den müss­ten, viel Geld. Das betrifft zum Bei­spiel den Forstum­bau: Bäu­me, die nicht beson­ders kli­ma­re­si­li­ent gegen­über hei­ßen Tem­pe­ra­tu­ren sind, müs­sen ersetzt wer­den. Ähn­li­ches gilt für Begrü­nun­gen in der Stadt.

Stadt und Land­kreis haben es sich in einer Kli­ma­al­li­anz zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2035 100 Pro­zent der lokal ver­brauch­ten Ener­gie aus erneu­er­ba­ren Ener­gie­trä­gern aus der Regi­on zu bezie­hen. Wie weit ist die Stadt mit die­sem Vorhaben?

Tho­mas Klos­ter­mann: Ich sage es ein­mal so: Wir haben es geschafft, dass wir auf einem guten Weg sind, die­ses Ziel zu errei­chen, aber wir haben noch viel zu tun. Gera­de beim PV-Aus­bau auf Dach­flä­chen besteht noch enor­mes Poten­zi­al. Ins­ge­samt sind etwa 300.000 Mega­watt­stun­den mög­lich. Der­zeit nut­zen wir einen Anteil von 4,5 Pro­zent der Dach­flä­chen für PV. Das sind etwa 13.000 Megawattstunden.

Wor­an liegt der Rückstand?

Tho­mas Klos­ter­mann: Wir haben in Bam­berg zum Bei­spiel die Her­aus­for­de­rung, dass wir einen sehr gro­ßen denk­mal­ge­schütz­ten Bereich haben, der Ein­schrän­kun­gen mit sich bringt beim Aus­bau von PV auf Dach­flä­chen. Dadurch ist nicht alles an Poten­zi­al aus­schöpf­bar. Etwa 30 Pro­zent der für PV-Anla­gen nutz­ba­ren Dach­flä­che lie­gen in denk­mal­ge­schütz­ten Berei­chen und bedür­fen einer beson­de­ren Genehmigung.

30 Pro­zent? Wenn man im Solar­ka­tas­ter den ent­spre­chen­den Fil­ter akti­viert, liegt fast über der gan­zen Alt­stadt ein röt­li­cher Denkmalschutz-Schleier.

Tho­mas Klos­ter­mann: Es ist tat­säch­lich nicht in jedem Fall mög­lich, PV-Anla­gen auf Dächern anzu­brin­gen. Es ist aber auch nicht auto­ma­tisch aus­ge­schlos­sen, dass aus­ge­baut wer­den könn­te. Die rote Fär­bung hat den Hin­ter­grund, den Leu­ten kei­ne fal­schen Hoff­nun­gen zu machen. Wir haben die­sen Fil­ter ein­ge­baut, damit man sich früh­zei­tig bei den zustän­di­gen Behör­den, also beim Bau­ord­nungs­amt, infor­mie­ren kann, ob ein Aus­bau aus Denk­mal­schutz­sicht rea­lis­tisch ist.

Wel­chen Anteil an der lokal erzeug­ten erneu­er­ba­ren Ener­gie könn­te Solar­ener­gie liefern?

Tho­mas Klos­ter­mann: Den gesam­ten Strom­be­darf der Stadt könn­ten wir damit natür­lich nicht decken. Aber das Ziel ist, zusam­men mit dem Land­kreis, das Poten­ti­al von Solar­ener­gie auf Dächern, Bal­ko­nen, Park­plät­zen und Frei­flä­chen weit­ge­hend aus­zu­schöp­fen. Da spre­chen wir von etwa 30 bis 40 Pro­zent bilan­zi­ell, wenn man Stadt und Land­kreis zusammennimmt.

Ist das bis 2035 noch schaffbar?

Tho­mas Klos­ter­mann: Ich bin zuver­sicht­lich, dass wir das errei­chen kön­nen, aber dafür sind erheb­li­che Anstren­gun­gen nötig, zum Bei­spiel mehr Res­sour­cen in den Aus­bau von PV-Anla­gen zu ste­cken. Auch müs­sen wir mehr dar­über nach­den­ken, wie wir die Men­schen bes­ser dar­in unter­stüt­zen kön­nen, sich eine eige­ne PV-Anla­ge auf dem Dach zu installieren.

Im April hat die Regie­rung von Ober­fran­ken den Haus­halt der Stadt Bam­berg für das Jahr 2024 bewil­ligt mit dem Zusatz, dass die Haus­halts­la­ge sehr ange­spannt sei. Ist genug Geld da für den PV-Ausbau?

Tho­mas Klos­ter­mann: Im aktu­el­len Haus­halt sind etwa 750.000 Euro für PV-Anla­gen auf öffent­li­chen Dach­flä­chen ein­ge­plant wor­den. Es ist also ein The­ma, das den Stadt­rat umtreibt. Ob die­se Sum­me aus­reicht, hängt davon ab, wie die nächs­ten Jah­re aus­se­hen. Es ist aber ein ers­ter Schritt in die rich­ti­ge Richtung.

Reicht das Geld, um auch den pri­va­ten Aus­bau mit PV-Anla­gen zu fördern?

Tho­mas Klos­ter­mann: Aktu­ell gibt es sei­tens der Stadt kei­ne finan­zi­el­le För­de­rung für pri­va­ten PV-Aus­bau. Den Aus­bau von erneu­er­ba­ren Ener­gien auf dem Dach zu för­dern, ist eigent­lich auch nicht wirk­lich nötig, denn die Anla­gen sind in den meis­ten Fäl­len wirt­schaft­lich und ren­tie­ren sich durch Ein­spa­run­gen schnell. Ich hal­te es eigent­lich sogar für wich­ti­ger, dass es im Vor­feld ein gutes Bera­tungs­an­ge­bot gibt. Außer­dem kann das Solar­flä­chen­ka­tas­ter Auf­schluss dar­über bie­ten, wie viel Kos­ten und CO2 man ein­spart – je nach­dem, wie vie­le Modu­le auf dem Dach man instal­liert und wie das Strom-Ver­brauchs­ver­hal­ten ist.

Wie kann man die Leu­te bes­ser errei­chen: Über die finan­zi­el­le oder die Umwelt­schutz-Sei­te eines PV-Ausbaus?

Tho­mas Klos­ter­mann: Ich möch­te die Leu­te natür­lich lie­ber über die Umwelt­schutz-Sei­te errei­chen und den Aspekt stark machen, dass es um unse­re antei­li­ge Ver­ant­wor­tung an den Kli­ma­schutz­zie­len geht. Letzt­lich muss der Kli­ma­schutz aber Hand in Hand lau­fen mit dem wirt­schaft­li­chen Nut­zen. Auch so kann man vie­le Men­schen erreichen.

Wie weit ist das The­ma zur Bevöl­ke­rung vorgedrungen?

Tho­mas Klos­ter­mann: Wir haben das Katas­ter erst letz­tes Jahr dem Stadt­rat vor­ge­stellt und wol­len es bei den Men­schen, die es noch nicht ken­nen, öffent­lich noch bekann­ter machen. Die Nut­zer­zah­len sind aber schon recht hoch.

BUND Natur­schutz Bamberg

Vor­trä­ge zur Ener­gie­wen­de: Ener­gie­spa­ren und Aus­bau Erneuerbarer

Zu Kli­ma­schutz und Ener­gie­wen­de ver­an­stal­te­te der BUND Natur­schutz (BN) Bam­berg mit der VHS Bam­berg-Land in den ver­gan­ge­nen Wochen eine Vor­trags­rei­he in der KUFA. Die grü­ne Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Lisa Badum, Micha­el Remy, Ener­gie­re­fe­rent des BN, Micha­el Fie­del­dey, Geschäfts­füh­rer Stadt­wer­ke Bam­berg, und But­ten­heims Bür­ger­meis­ter Micha­el Kar­mann gaben Aus­kunft zur Thematik.

Lisa Badum erin­ner­te in ihrem Vor­trag an die schwie­ri­ge Situa­ti­on, die sich der Bun­des­re­gie­rung bei Amts­an­tritt stell­te. Zum jah­re­lan­gen Rück­stand bei der Ener­gie­wen­de und der sich zuspit­zen­den Kli­ma­kri­se kam noch die Ener­gie­kri­se durch den rus­si­schen Angriffs­krieg hin­zu. Zum Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gien für die Ener­gie­wen­de habe die Bun­des­re­gie­rung, so Badum wei­ter, aber bereits gute Rah­men­be­din­gun­gen geschaf­fen. „Erneu­er­ba­re ste­hen jetzt im über­ra­gen­den öffent­li­chen Inter­es­se. Wind­kraft und Pho­to­vol­ta­ik wer­den mehr Flä­che ein­ge­räumt, die Bedin­gun­gen für Pho­to­vol­ta­ik-Dach­an­la­gen wur­den ver­bes­sert, Pla­nungs­ver­fah­ren beschleu­nigt und Betei­li­gungs­mög­lich­kei­ten für Kom­mu­nen und Bür­ger gestärkt“, sag­te Badum in der KUFA.

Erich Spran­ger vom BN Bam­berg, der durch die Ver­an­stal­tun­gen führ­te, hob indes das Tem­po auf Bun­des­ebe­ne im Strom­be­reich her­vor, mahn­te aber zugleich eine drin­gend not­wen­di­ge Ver­kehrs­wen­de an.

Ener­gie­wen­de im Landkreis

„100 Pro­zent Erneu­er­ba­re für Bay­ern sind mög­lich, aber anspruchs­voll“, mach­te Micha­el Remy in sei­nem Vor­trag deut­lich. Not­wen­dig hier­für sei­en eine deut­li­che Ener­gie­ein­spa­rung und ein star­ker Zubau von Pho­to­vol­ta­ik, Wind­kraft und Ener­gie­spei­chern. Auch die Strom­ver­teil­net­ze müss­ten drin­gend aus­ge­baut wer­den. Durch die zuneh­men­de Ver­wen­dung von Strom im Wär­me- und Ver­kehrs­be­reich wer­de die­ser eine Schlüs­sel­rol­le in der Ener­gie­wen­de ein­neh­men. So begrüß­te es Remy, dass in Bay­ern 1,8 Pro­zent der Lan­des­flä­che als Wind­vor­rang­ge­bie­te aus­ge­wie­sen werden.

Micha­el Fie­del­dey ging in sei­nem Vor­trag auf das Lag­ar­de-Pro­jekt und sein Mobi­li­täts- und Ener­gie­kon­zept ein. Durch Geo­ther­mie, Abwas­ser­wär­me­nut­zung und Pho­to­vol­ta­ik wer­de eine Ener­gie­ei­gen­ver­sor­gung von mehr als 70 Pro­zent erreicht. Die­ses Kon­zept möch­ten die Stadt­wer­ke als Vor­la­ge für ande­re Quar­tie­re sowohl in der Sanie­rung als auch beim Neu­bau nut­zen. Auch bei der Strom­erzeu­gung haben die Stadt­wer­ke eini­ges vor: Im Land­kreis ist bei­spiels­wei­se geplant, meh­re­re Pho­to­vol­ta­ik-Anla­gen und Wind­parks zu bauen.

Die Akti­vi­tä­ten der Gemein­de But­ten­heim stell­te Micha­el Kar­mann vor. Dazu zäh­len die För­de­rung der E‑Mobilität, der Aus­baus von Rad­we­gen, die Ver­wen­dung von LED-Beleuch­tung in der Gemein­de und Pho­to­vol­ta­ik-Pro­jek­te. Für ein neu­es Bau­ge­biet sei die Wär­me­ver­sor­gung durch Erd­son­den vor­ge­se­hen und auf den Höhen des Juras pla­ne man nörd­lich von Tie­fen­höch­stadt eben­falls Wind­rä­der zu bauen.