Wegweisende Auswahl und 100 Prozent Auslastung angekündigt
38. Bayerische Theatertage in Bamberg
Wenn vom 13. bis 28. Mai die 38. Ausgabe der Bayerischen Theatertage stattfindet, ist es bereits das siebte Mal, dass das ETA Hoffmann Theater ihr Ausrichter ist. Nachdem Bayerns größtes Theaterfestival 2021 pandemiebedingt ausfallen musste, plant das ETA Theater die Rückkehr 2022 in ebenso großen Dimensionen.
In erster Linie soll das für die Auslastung des Publikumsraums gelten. „Vor dem Hintergrund einer hoffentlich zurückgehenden Pandemie“, sagte ETA-Intendantin Sibylle Broll-Pape bei der Vorstellung des Spielplans der Theatertage, „gehen wir von 100 Prozent Publikums-Auslastung aus.“ Auch eine „rauschende Eröffnungsfeier“ und ein Bergfest, jeweils inklusive eines eigens gebrauten Festivalbiers, Konzerte und Diskussionsrunden sind geplant. „Es soll einfach ein Fest für Bamberg und das Publikum sein.“
Diesem Publikum hat das Auswahlgremium ein Programm von mehr als 25 Stücken zusammengestellt. Um die Auswahl der Inszenierungen, die Theater aus ganz Bayern in Bamberg auf die Bühne bringen werden, treffen zu können, reiste das Gremium um ETA-Dramaturgieleiterin Victoria Weich die letzten Monate durch den Freistaat und sichtete mehr als 100 Produktionen. Herausgekommen ist ein Spielplan mit Inszenierungen von unter anderem dem Mainfrankentheater Würzburg, dem Theater Hof, dem Münchner Residenz- und Volkstheater, den Staatstheatern Nürnberg und Augsburg, dem Landestheater Schwaben und dem Bamberger Theater im Gärtnerviertel.
Auf dem Programm für Kinder und Jugendliche stehen Beiträge vom, zum Beispiel, Landestheater Coburg oder dem Theater Mummpitz aus Nürnberg. Zur Eröffnung zeigt das ETA Theater mit der Uraufführung von „Ein neues Stück“ von Theresia Walser seinen einzigen eigenen Beitrag zum Programm.
Auswahl der Produktionen
Die letzliche Auswahl derjenigen Produktionen, die nach Bamberg eingeladen werden, geschah indes nach „selbstgestellten Kriterien“, so Sibylle Broll-Pape, und müsse zum Haus passen. Anders ausgedrückt heißt das: je zeitgenössischer, desto besser. Victoria Weich fasste die Auswahl in diesem Sinne gar als eine „wegweisende für das Bayerische Theater“ zusammen.
Auch wenn Inszenierungen älterer Stücke oder von Klassikern bei der Zusammenstellung des Programms nicht vergessen worden seien, und durchaus „für Vergnügen sorgen können“, erkennt das Gremium das Potenzial des Wegweisenden eher in zeitgenössischen Produktionen.
„Es geht nicht mehr nur um Goethe“, sagte Victoria Weich. „An den Produktionen, die wir ausgewählt haben, kann man erkennen, wie sich Theater heute mit Wirklichkeit auseinandersetzt.“ Speziell in dieser Offenheit gegenüber aktuellen Themen wie zum Beispiel Gleichberechtigung und Identität habe man Wegweisendes ausgemacht. Inwieweit das Programm der Theatertage im Angesicht der Tatsache, dass gerade in der Theaterszene bereits seit Jahren solche Thematiken behandelt werden, aber wirklich neue Wege beschreitet, sei dahingestellt.
Eine Aussage, die Oberbürgermeister Andreas Starke im Zuge der Vorstellung des Spielplans machte, passt insofern auf jeden Fall doppelt. Dank der Perspektive deutlich entspannterer Rahmenbedingungen für das Festival als in den beiden Corona-Jahren zuvor „sind die Theatertage auch eine Rückkehr zur Normalität.“
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38. Bayerische Theatertage
ETA Hoffmann Theater sucht Junge Festivalredaktion
Für die ab Mitte Mai stattfindenden Bayerischen Theatertage sucht der diesjährige Ausrichter, das ETA Hoffmann Theater, junge Menschen, die das Festival als Junge Festivalredaktion mit unterschiedlichen Beiträgen begleiten.
Zum 7. Mal richtet das ETA Hoffmann Theater in Bamberg die Bayerischen Theatertage aus: Vom 13.–28. Mai 2022 werden wegweisende, politische, inspirierende Inszenierungen sowie digitale Projekte aus ganz Bayern gezeigt.
Für die Junge Festivalredaktion der 38. Bayerischen Theatertage sucht das Theater Menschen unterschiedlichster Werdegänge und Sichtweisen, die Lust haben, das Festival mit vielfältigen Beiträgen zu begleiten. Besonders würden sich die Veranstalter freuen, wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Begeisterung fürs Theater, kritische Haltungen und kreative Ideen mitbringen. Ein akademischer beziehungsweise journalistischer Hintergrund ist nicht vonnöten, auch Arbeitserfahrung im Theater ist nicht notwendig.
Einblick in journalistisches Arbeiten
Die Junge Festivalredaktion wird als Werkstatt zum Ausprobieren und Experimentieren mit verschiedenen Formaten verstanden. Der geschriebene Text muss dabei nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen. Es können Kritiken, Interviews oder freie Formate sein, die als Texte oder Audiobeiträge, in Form von Fotografien, Zeichnungen oder als TikTok-Videos veröffentlicht werden können. Begleitet wird das zehnköpfige Team dabei von zwei erfahrenen Journalistinnen.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten zwischen 16 und 30 Jahren alt sein und sich während des Festivalzeitraums vom 13. bis 28. Mai in Bamberg aufhalten können. Geboten werden der Einblick in (theater-)journalistisches Arbeiten, die Möglichkeit, ein Theaterfestival hautnah mitzuerleben und der kostenlose Zugang zu den Festivalveranstaltungen. Bewerberinnen und Bewerber werden gebeten, eine Mail an btt22@theater.bamberg.de zu senden, in der kurz beschrieben wird, auf welche Form von Berichterstattung sie besonders Lust haben und der ein Lebenslauf beigefügt ist. Einsendeschluss ist der 15. März 2022. Bei Rückfragen geben die Verantwortlichen gerne unter der Mailadresse btt22@theater.bamberg.de oder unter 0951−87−3027 Auskunft.
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Premiere bei erstmals wieder 50 Prozent Auslastung
Gott ist nicht schüchtern
Am vergangenen Freitag feierte Olga Grjasnowas „Gott ist nicht schüchtern“ Premiere im Bamberger ETA Hoffmann Theater. Eine besondere Premiere, bei der erstmals seit langem wieder 50 Prozent Auslastung gestattet und das Theater angesichts dieser Vorgabe ausverkauft war.
Die Zuschauerinnen und Zuschauer erlebten bei der Premiere von „Gott ist nicht schüchtern“ einen Theaterabend, der auf beeindruckende Weise das Schicksal junger Menschen im Arabischen Frühling mit den Mitteln des Theaters erfahrbar macht. Anhand der Biografien ihrer Hauptfiguren zeigt die Autorin, wie aus den Demonstrationen, die zu Beginn noch von großen Hoffnungen geprägt waren, ein Krieg entstand.
Entlang der Ereignisse des sich entwickelnden Bürgerkrieges verwandeln sich die optimistischen Lebensläufe der Figuren Hammoudi, Amal und ihres Freunds Youssef zu Fluchtbiografien. Alle drei fliehen über das Meer und erleben das Grauen überfüllter Boote, ertrinkender Menschen und der Insel Morias. In Berlin, während ihrer Asylverfahren, treffen sie zufällig aufeinander.
Die Premiere von „Gott ist nicht schüchtern“ wollte sich auch der bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Bernd Sibler nicht entgehen lassen. Die Vorstellung gehörte zu den ersten, die nach der Änderung des bayerischen Infektionsschutzmaßnahmengesetzes wieder vor 50% der maximalen Auslastung stattfinden konnten.
Auch Ulrike Siebenhaar, Referentin für Kultur und Welterbe der Stadt Bamberg, zeigte sich von dem Abend bewegt: „Diese Inszenierung hat eine Kraft und eine Wucht, die berührt und die herzzerreißenden Geschichten hinter der Flucht spürbar macht.“
Nach der Premiere kamen Sibler, Siebenhaar sowie die bayerische Staatsministerin für Europaangelegenheiten und Internationales, Melanie Huml, gemeinsam mit Intendantin Sibylle Broll-Pape im Foyer zusammen, um auf das große bayerische Theaterhighlight des Jahres aufmerksam zu machen: Vom 13. bis 28. Mai finden die 38. Bayerischen Theatertage in Bamberg statt. Gemeinsam wünschen die Beteiligten, dass dann noch mehr Zuschauerinnen und Zuschauer wieder in die Theater werden strömen dürfen.
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Bis zu 50 Prozent Auslastung
Lockerungen für die Kultur
Positive Nachrichten für Theater und Kinos: Ab heute dürfen Kultureinrichtungen in Bayern wieder mehr Zuschauerinnen und Zuschauer einlassen als bisher. Wir haben in der Bamberger Szene nachgefragt, wie die Lockerungen dort ankommen.
An kulturellen Veranstaltungen in Innenräumen können ab heute wieder mehr Zuschauerinnen und Zuschauer teilnehmen als bisher. Dafür hat sich das Bayerische Kabinett am Dienstag, 25.1., entschieden. Das heißt: Kinos, Theater oder Konzerthallen können ihre Publikumsräume wieder bis zu 50 Prozent auslasten, weiterhin unter Einhaltung der 2G plus Regel. Bisher erlaubten die Beschlüsse aus München nur 25 Prozent.
Kunstminister Bernd Sibler und Digitalministerin Judith Gerlach, zuständig für Kinos in Bayern, sehen die vom Bayerischen Kabinett beschlossene Anhebung der Auslastungsgrenze für den Kulturbereich auf 50 Prozent und die Möglichkeit, das Publikum mit reduziertem Abstand etwa nach dem Schachbrettmuster zu platzieren, als „einen wichtigen Schritt, der in die richtige Richtung weist.“
„Wir können Kunst und Kultur“, sagte Bernd Sibler, „im wörtlichen wie im übertragenen Sinn wieder mehr Raum geben. Die neue Auslastungskapazität ermöglicht mehr Publikum und damit auch mehr Perspektive für unsere Kunst- und Kultureinrichtungen in Bayern, insbesondere für die kleineren Bühnen. Künstlerinnen und Künstler brauchen die Bühne. Mit den neuen Regelungen sorgen wir für mehr Auftrittsmöglichkeiten und für ein größeres kulturelles Angebot. Ich freue mich darauf, dass ein kulturelles Erlebnis mit mehr Menschen im Saal möglich ist.“
Wir haben bei Vertreterinnen und Vertretern der Bamberger Veranstaltungs-Kultur nachgefragt, was sie von den Lockerungen halten. Die Reaktionen darauf fallen gemischt aus.
Reaktionen von ETA und Wildwuchstheater
Sibylle Broll-Pape, Intendantin der ETA Hoffman Theaters, freut sich über die Lockerungen. „Endlich können wir der großen Nachfrage für unsere Veranstaltungen besser nachkommen. Die 2G plus Regelung, FFP2-Maskenpflicht und Abstände bieten gleichzeitig unserem Publikum den größtmöglichen Schutz. Deswegen halte ich die 50 Prozent-Regel für einen guten Kompromiss in dieser weiterhin herausfordernden Zeit.“
Frederic Heisig vom Wildwuchstheater sieht die Lockerungen hingegen nicht ganz so positiv. Er befürchtet sogar, dass grundlegende Schäden entstanden sind, die sich auch durch höhere Auslastung nicht so schnell beheben lassen.
„Aus virologisch-epidemiologischer Sicht kann ich die Lockerung nicht beurteilen, aber für das Theater sind sie erstmal eine Verbesserung. Auch wenn die Finanzierung von Inszenierungen auch bei 50 Prozent schwer ist. Grundlegend muss ich allerdings sagen, dass es mir ein bisschen komisch vorkommt, wenn man im Theater sitzt, Abstand hält und Maske trägt, nur um dann auf dem Heimweg oder so vielleicht an einem Restaurant vorbeizukommen und zu sehen, was dort möglich ist. Vollbelegung und keine Masken. Da passt für mich nicht zusammen, da findet eine Wertung statt, bei der Kultur ganz klar den Kürzeren zieht. Das kann ich nicht verstehen.
Ich habe ohnehin mehr und mehr das Gefühl, dass die Kultur zwar schon robuster ist als viele am Anfang der Pandemie gedacht haben. Aber so langsam, nach über zwei Jahren, beobachte ich, dass die Praxis, Kulturveranstaltungen wahrzunehmen, angeschlagen ist. Selbst im Sommer, als noch mehr ging, und man dachte, die Leute reißen einem die Karten aus der Hand, egal für was, war vieles nicht ausverkauft. Vielleicht wird die Branche gerade nachhaltig beschädigt, indem sie mehr beschränkt wird als andere Bereiche.“
Die Meinung von Lichtspiel und Symphonikern
Gerrit Zachrich vom Lichtspielkino ist froh über die Entscheidung, bemängelt aber seinerseits die Ungleichbehandlung von Kultur und Gastronomie.
„Die Möglichkeit, 50 Prozent Auslastung zu haben, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Damit kann man ein bisschen besser und kostendeckender arbeiten. Gerade für die Kurzfilmtage ist uns das sehr wichtig und wir freuen uns. Aber eigentlich hatten wir gehofft, dass die Lockerungen noch einen Schritt weiter gehen. Wir hatten gehofft, dass diese himmelschreiende Ungerechtigkeit zwischen 2Gplus in der Kultur und 2G in der Gastronomie beendet wird und es auch für uns mit 2G geht. Bei 2Gplus ist es schwer, die Leute dazu zu bewegen, spontan ins Kino zu gehen. Das ist ein Ungleichgewicht, das uns niemand, auch nicht die Staatskanzlei erklären kann.“
Die Reaktion der Bamberger Symphonikern auf die Lockerungen geht wiederum in die gleiche Richtung wie beim ETA Hoffmann Theater. Intendant Marcus Rudolf Axt sagte auf Webecho-Anfrage:
„Wir sind sehr glücklich über diesen Schritt der Staatsregierung. Er beweist gerade in diesen Wochen, dass Theater und Konzerthäuser auch bei einer etwas höheren Auslastung sicher sind. Ein gutes Signal für unser treues Publikum, das uns und viele andere Kulturveranstalter in den letzten Monaten sehr unterstützt hat.“
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Premiere am ETA Hoffmann Theater
Gott ist nicht schüchtern
Das ETA Hoffmann Theater inszeniert Olga Grjasnowas Roman “Gott ist nicht schüchtern”. Mit großer Aktualität zeichnet das Stück Biografien syrischer Geflüchteter nach.
In Olga Grjasnowas Roman „Gott ist nicht schüchtern“ geht es um den sogenannten Arabischen
Frühling, der 2011 auch in Syrien vor allem die junge Mittel- und Oberschicht auf die Straße brachte. Die Autorin hat zahlreiche Interviews mit Geflüchteten geführt und in der Türkei, im Libanon und in Griechenland recherchiert. Anhand der Biografien ihrer Hauptfiguren zeigt sie, wie aus den Demonstrationen, die zu Beginn noch von großen Hoffnungen geprägt waren, ein Krieg entstand.
In „Gott ist nicht schüchtern“ lebt der junge Chirurg Hammoudi in Paris und verbringt dort die glücklichsten Jahre seines Lebens. Eines Tages muss er aber seinen Pass verlängern lassen und deswegen nach Syrien in seine Heimatstadt Deir az-Zour reisen. Es ist der Frühling 2011 und auf den Straßen protestiert die Bevölkerung friedlich für ein demokratisches Leben und gegen die Willkürherrschaft von Präsident Baschar al-Assad. Hammoudis Passverlängerung fällt allerdings bürokratischer Schikane zum Opfer und er darf nicht mehr ausreisen.
Amal ist eine Tochter der syrischen Oberschicht, die sich in Damaskus an den Demonstrationen beteiligt, um eine freiere Zukunft zu ermöglichen. Doch das Regime beschattet sie, nimmt sie fest und verhört sie.
Entlang der Ereignisse des sich entwickelnden Bürgerkrieges verwandeln sich die optimistischen Lebensläufe Hammoudis, Amals und ihres Freunds Youssef zu Fluchtbiografien. Alle drei fliehen über das Meer und erleben das Grauen überfüllter Boote, ertrinkender Menschen und der Insel Morias.
In Berlin, während ihrer Asylverfahren, treffen sie zufällig aufeinander. Amal hasst es, sich nicht auf Deutsch verständlich machen zu können und dass in den Behörden niemand außer den Security-Männern in der Lage ist, auch nur das primitivste Englisch zu sprechen. Sie hasst es, als Muslimin und Schmarotzerin angesehen zu werden, und sie hasst sich selbst.
Aktualität und Bamberg-Bezug
Für ihre erste Regiearbeit der aktuellen Spielzeit hat ETA-Intendantin Sibylle Broll-Pape zusammen mit Dramaturgie Petra Schiller eine Bühnenfassung des Romans erstellt, die sie nun außerdem inszeniert. Maßgeblich für die Entscheidung für dieses Projekt war vor allem die Aktualität der literarischen Vorlage und die Möglichkeit, sie auch auf Bamberg zu beziehen.
„Seit Jahren“, sagt Sibylle Broll-Pape, „wird auf dem Gebiet Syriens ein Stellvertreterkrieg geführt und die internationale Staatengemeinschaft ringt schon genauso lange um eine politische Lösung des Konflikts. Assad hat bis 2020 über 100.000 Menschen festnehmen lassen. Viele davon sind nicht wieder aufgetaucht. Der Foltertod von Zehntausenden ist bewiesen. Unzählige Zivilist*innen sind gestorben bei Giftgasangriffen, bei Attacken auf Wohnvierteln und gezielten Angriffen auf Spitäler und 12 bis 14 Millionen Menschen wurden zu Flüchtlingen gemacht.“
Tausende der fast 800.000 Syrerinnen und Syrer, die den lebensgefährlichen Fluchtweg über das Mittelmeer oder über Land Europa wagten, haben diesen nicht überlebt. Trotz dieser erschütternder Zahlen verharren solche Ereignisse in der westlichen Vorstellung oft nur in der Ferne der Nachrichtenwelt. Mit der ANKER-Einrichtung hat Bamberg allerdings eine Anlaufstelle für Geflüchtete. „Wir könnten allen dreien, Hammoudi, Amal und Youssef, hier auf den Straßen begegnen.“
Keine Diversität in der Besetzung
In der Inszenierung von „Gott ist nicht schüchtern“ übernehmen Antonia Bockelmann, Elias Reichert, Stefan Herrmann, Philine Bührer und Daniel Seniuk die Rollen. Auffällig an der Besetzung ist jedoch, dass niemand mit arabischen Wurzeln berücksichtigt wurde, obwohl das Stück vom Leben syrischer Geflüchteter handelt. Ist da Kritik aufgrund mangelnder Diversität nicht programmiert?
Sibylle Broll-Pape sagt dazu: „Die Autorin selbst verweist darauf, dass Erfahrung politischer Verfolgung, Vertreibung und Flucht nicht neu seien. In den 30er- und 40er-Jahren waren es beispielsweise vor allem Flüchtlinge aus Deutschland, die anderswo um Aufnahme baten.“
Olga Grjasnowas „Gott ist nicht schüchtern“ lehne sich sogar explizit an deutsche Exilliteratur an. „Es gibt Szenen, die direkt auf beispielsweise Werke von Erich Maria Remarque verweisen. Olga Grjasnowas jüdische Großmutter musste mit 14 Jahren vor den Nationalsozialisten aus Weißrussland fliehen, bis ihr Weg sie irgendwann nach Aserbaidschan führte und die selbst mit elf Jahren nach Deutschland kam. Das Thema geht uns also alle an und der Konflikt in Syrien kann stellvertretend für so viele andere Kriege verstanden werden. Außerdem haben wir beim Erstellen der Fassung, der Besetzung und den Proben ein Erzählkonzept entwickelt, das die ureigensten Mittel von Theater bedient und somit keine negativen Erzählmuster reproduziert.“
Warum Gott nicht schüchtern ist
Beim Gott, auf den sich der Titel „Gott ist nicht schüchtern“ bezieht, handelt es sich um Baschar al-Assad. „Und der ist tatsächlich nicht gerade schüchtern“, sagt Sibylle Broll-Pape. „Amal, Youssef und Hammoudi stehen im Zentrum der Geschichte. Ihre Generation ist die erste, die nichts außer der totalen Herrschaft des Assad-Regimes kennt, das wie eine gottgegebene Ordnung auftritt. Mehr noch: Assad ist größer als Gott, zumindest suggeriert dies seine Omnipräsenz, und sei es in Form von Porträts, die in jedem Winkel des Landes hängen, wie Vogelscheuchen, die die Menschen ängstigen und vertreiben sollen. So heißt es im Roman.“
Am 28. Januar um 19:30 hat „Gott ist nicht schüchtern“ Premiere.
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Umfangreiches Jubiläumsprogramm in diesem Jahr
E.T.A. Hoffmann – „Unheimlich fantastisch“
Das Jahr 2022 steht im kulturellen Bamberg ganz unter dem Stern des Gedenkens an Ernst Theodor Amadeus Hoffmann. Dieser vielseitige Künstler verstarb am 25. Juni 1822. Anlässlich des 200. Todestages sind für dieses Jahr zahlreiche Veranstaltungen geplant.
E.T.A. Hoffmann hatte fünf Jahre in Bamberg verbracht, die ihn als Mensch und Künstler nachhaltig geprägt haben – darauf fußt die Verbundenheit des Künstlers mit dieser Stadt. Unter dem Titel „Unheimlich Fantastisch“ finden in diesem Jubiläumsjahr zahlreiche Veranstaltungen in den verschiedensten Kunstsparten statt, genauso facettenreich und spartenübergreifend wie der Komponist, Literat, Illustrator, Musikkritiker und Jurist einst arbeitete. Darüber informiert das Kulturamt der Stadt Bamberg.
In Bamberg werden Institutionen wie die Bamberger Symphoniker, das ETA Hoffmann Theater, die Otto-Friedrich-Universität Bamberg und freie Akteure der Kulturszene wie das Theater im Gärtnerviertel, der Rosengarten-Serenaden e.V., das Bamberger Marionettentheater und viele weitere in ihrem Jahresprogramm den Künstler aufnehmen oder thematisieren.
Das gesamte bundesweite Jahresprogramm wird maßgeblich von der Staatsbibliothek Berlin koordiniert und gestaltet. In Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek Bamberg und dem Freien Deutschen Hochstift wurde eine Wanderausstellung zu Leben und Werk Hoffmanns konzipiert. Die als Gesamtschau zu Hoffmann angelegte und an ein breites Publikum gerichtete Schau wird im Frühjahr zunächst im Bibliotheksmuseum der Staatsbibliothek zu Berlin Unter den Linden zu sehen sein. Vom 24.07. – 29.10.2022 wird die Ausstellung in Bamberg in der Staatsbibliothek ausgestellt sein. Ende November zieht die Ausstellung dann in das neue Romantik-Museum in Frankfurt am Main.
Sonderausstellung im E.T.A.-Hoffmann-Haus
Neben der ständigen Ausstellung ist in dieser Saison eine Auseinandersetzung zum Thema der Fantasie im Hoffmannschen Sinne zu sehen. Diese entsteht in Kooperation mit der Hegelwoche der Otto-Friedrich-Universität. Sowohl bildende Künstlerinnen und Künstler als auch Autorinnen und Autoren werden beauftragt, Werke beizusteuern, um so dem Wechselspiel von Denken und Fantasieren näher und dem Unergründlichen auf die Spur zu kommen. Das E.T.A.-Hoffmann-Haus öffnet zum 1. Mai 2022 seine Pforten.
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Auszeichnung für das ETA Hoffmann Theater
Audio-Walk „ETA: Zeige deine Stadt auf deine Weise“
Der Bundesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen hat das Audio-Walk-Projekt „ETA: Zeige deine Stadt auf deine Weise“ des ETA Hoffmann Theaters ausgezeichnet.
Unter der Leitung von Theaterpädagogin Saskia Zink hat das ETA Hoffmann Theater eine performative Bamberger Stadtführung, den Audio-Walk „ETA: Zeige deine Stadt auf deine Weise“, erschaffen. Zusammen mit dem ETA Hoffmann Theater, dem Zentrum Welterbe Bamberg und der Innovativen Sozialarbeit (iSo) e.V. haben Jugendliche im Frühling und Sommer 2021 die Stadtführung erarbeitet, vorgeführt und in eine digitale Kartenanwendung überführt.
Unter dem Motto „Kindheitserinnerungen“ leitet der Audio-Walk anhand von Audioaufnahmen Besucherinnen und Besucher durch die Stadt. Dabei geht es nicht in erster Linie um Sehenswürdigkeiten, sondern darum, wie die Jugendlichen die Stadt gesehen haben.
Unterstützung bekam das Projekt vom Deutschen Bühnenverein im Rahmen des Förderprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“. Und eine Auszeichnung gab es auch bereits. Der Bundesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen hat das Audio-Walk-Projekt „ETA: Zeige deine Stadt auf deine Weise“ des ETA Hoffmann Theaters als eines der zehn besten Projekte ausgezeichnet.
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ETA Hoffmann Theater
Adventscafé und Lesung
Am 19. Dezember feiert das ETA Hoffmann Theater den vierten Advent wieder mit einem Adventscafé und einer Lesung. Mit dem diesjährigen Motto können wahrscheinlich alle etwas anfangen: „Kurz vor Weihnachten geht doch immer was schief.“
Wer kennt das nicht? Weihnachten kommt Tag für Tag näher, aber Feiertagsentspannung will sich einfach nicht einstellen. Ganz im Gegenteil, es steigt der Stress. Man findet nicht rechtzeitig oder überhaupt keine passenden Geschenke, die Weihnachtsgans verbrennt im Ofen, es gibt Streit unter dem Weihnachtsbaum und so weiter.
Passend dazu veranstaltet das ETA Hoffman Theater am kommenden Sonntag um 15 Uhr in der Treffbar ein Adventscafé samt Lesung von Florian Walter. Das Motto der vorweihnachtlichen Veranstaltung lautet „Kurz vor Weihnachten geht doch immer was schief!“.
Theaterpädagogin Sophie Rintelmann, die das Adventscafé organisiert, hat das Motto ausgewählt,weil wahrscheinlich alle damit und mit Weihnachtsstress etwas anfangen können. „Jedes Jahr nimmt man sich vor”, sagt sie, „dieses Jahr schaffe ich es, das Fest ruhig anzugehen, ganz ohne Stress. Aber es kommt eben nie ganz so, wie man es sich vornimmt.“
Sie selbst hat auch Erfahrung mit Weihnachtsärger. „In meiner Kindheit hatten wir in der Familien mal einen vergünstigten Baum gekauft. Als wir ihn zuhause aufstellten, ist uns klar geworden, warum er billiger war. Er roch nach Gülle. Kurz gesagt: Wir mussten den Baum wieder rauswerfen.“
Auf dem Lese-Programm des Adventscafés stehen darum auch nur Geschichten, bei denen mottogemäß auch einiges schief geht. Welche Geschichten es genau sind, entscheidet Sophie Rintelmann am Sonntag spontan anhand der Alterstruktur der Kinder im Publikum.
Auf jeden Fall wird am vierten Adventssonntag ETA-Schauspieler Florian Walter auf der Bühne der ETA-Treffbar Platz nehmen und die Geschichten bei Punsch und Keksen vorlesen. Die Lesung ist für alle ab vier Jahren geeignet.
Der Eintritt zum Adventscafé ist frei, 15 Plätze stehen zur Verfügung. Zählkarten können an der Theaterkasse reserviert werden. Bei der Veranstaltung gilt aber 2G-Plus. Schnelltests kann das Publikum im Vorfeld in Theaternähe sonntags unter anderem in der Tourist-Info in der Geyerswörthstraße 5 machen.
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Uraufführung
ETA Hoffmann Theater: Der endlos tippende Affe
Morgen Abend zeigt das ETA Hoffmann Theater die Uraufführung von Björn SC Deigners kapitalismuskritischem Stück “Der endlos tippende Affe”. Zutritt gewährt das Theater aufgrund neuer Corona-Bestimmungen allerdings nur denjenigen, die die Maßgaben des 2G+ erfüllen.
Setzte man einen Affen vor eine Schreibmaschine und ließe ihn bis in alle Ewigkeit tippen, würde er an einem bestimmten Punkt die gesamte französische Nationalbibliothek abgetippt haben. Ausgehend vom diesem mathematischen Theorem des unendlich tippenden Affens begibt sich Björn SC Deigner in seinem für das ETA Hoffmann Theater geschriebenen Auftragswerk in ein Dickicht absurder Vorkommnisse und Sprachverwirrungen. Dort soll der Frage nachgegangen werden, wo der Sinn beginnt und wie er endet.
Was als mathematische Anschauung für die Unendlichkeit dient, wirft die Frage nach Sinnproduktion auf: Sind wir am Ende alle tippende Affen, die versuchen, dem eigenen Kauderwelsch Bedeutung abzuleiten?
Galt die Börse einst als sogenannte Rein- beziehungsweise Schönschrift der Welt, erscheint sie uns heute immer mehr als willkürlicher Zahlenindex. Mit dem Klimawandel haben Beschreibungen und Kartierungen von Welt ihre einstige Logik verloren. Der Kapitalismus erscheint immer mehr als paradoxe Lebensform, der wir unterliegen. Gehen unsere ideologischen Rahmungen fehl, so lauert auch für uns überall der Fehler, die Willkür – das Kauderwelsch.
Björn SC Deigner ist Autor für Theater und Hörspiel sowie Sounddesigner und Komponist. Seine Stücke “Der Reichskanzler von Atlantis” (2019) und “Die Polizey” (2020) sind beide am ETA Hoffmann Theater uraufgeführt worden.
Regie bei “Der endlos tippende Affe” führt Mirjam Loibl, für Bühne und Kostüme ist Thilo Ullrich verantwortlich, Victoria Weich für die Dramaturgie. Antonia Bockelmann, Anton Dreger und Marie-Paulina Schendel übernehmen die Spielrollen. Weitere Vorstellungen sind für den 25. und 28. November geplant sowie für den 1., 3., 9., 15., 17., 22. und 28. Dezember.
Außerdem öffnet das ETA Hoffmann Theater heute Abend um 20 Uhr dem Publikum seine Türen für die Generalprobe von „Der endlos tippende Affe“.
Um Zutritt zum Spielort zu erhalten, dem Studio im ETA Hoffmann Theater, muss im Einklang mit von der bayerischen Staatsregierung für den 24. November angekündigten Änderungen bei den Corona-Bestimmungen 2G+ eingehalten werden. Das bedeutet, das Publikum muss geimpft beziehungsweise genesen sein, und eine Bescheinigung über einen negativen Corona-Test (ein Schnelltest, der höchstens 24 Stunden oder ein PCR-Test, der maximal 48 Stunden alt ist) vorlegen.
Weitere Informationen zu aktuellen Corona-Bestimmungen unter:
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Premiere vor Publikum
Das Weihnachtsmärchen im ETA Hoffmann Theater
Am kommenden Samstag, dem 13. November, um 16 Uhr, feiert das Weihnachtsmärchen „Herr Bello und das blaue Wunder“ von Paul Maar und Ulrich Limmer seine Premiere vor Publikum im ETA Hoffmann Theater.
Ursprünglich für die Weihnachtszeit 2020//21 geplant, konnte „Herr Bello“ coronabedingt nur online gezeigt werden. Umso mehr freuen sich die Beteiligten um Regisseurin Jana Vetten, das Familienstück jetzt den kleinen und großen Zuschauenden präsentieren zu können.
Der Bamberger Kinderbuchautor Paul Maar hat mit den Geschichten von “Herr Bello” eine ebenso magische wie verspielte Welt erschaffen, in der die Schwierigkeiten des menschlichen Zusammenlebens und ganz alltägliche Kinderprobleme auf amüsante und wunderbar tierische Weise verhandelt werden.
Zum Stück
Der Apotheker Sternheim besitzt eine kleine Apotheke im ländlichen Raum. Dort wohnt er gerne, weil er hier Ruhe und viel Zeit für seinen Sohn Max hat, den er alleine erzieht. Vor Kurzem zog Frau Lichtblau in den oberen Stock des Hauses ein. Sofort empfinden Herr Sternheim und Frau Lichtblau eine gewisse Zuneigung, doch Vater Sternheim möchte eigentlich nicht, dass sein Sohn eine neue Mutter bekommt, und Max selbst behagt diese Vorstellung überhaupt nicht.
Als eine geheimnisvolle alte Frau eines Tages einen zauberhaften blauen Saft in die Apotheke von Max Sternheim und seinem Vater bringt, nimmt das Unheil seinen Lauf. Hund Bello ist nämlich dummerweise so unvorsichtig und schlabbert die ganze Flasche des blauen Tranks aus – wodurch sich Bello blitzschnell in den Menschen “Herr Bello” verwandelt. Auch Herr Bello ist verliebt in Frau Lichtblau und Max sieht darin eine große Chance, seinen Herrn Bello und Frau Lichtblau zu verkuppeln, damit er seinen Vater weiterhin ganz für sich alleine hat. Doch das “blaue Wunder”, der Trank, führt zu einer langen und amüsanten Kette von Verwicklungen, denn nicht nur Hund Bello hat davon gekostet. Und außerdem ist es für Herrn Bello gar nicht so leicht, als Hund im Körper eines Menschen zu leben.
Besetzung
Daniel Dietrich
Lara Heller
Stefan Herrmann
Florian Walter
Eric Wehlan
Hygienebestimmungen
Besucherinnen und Besucher werden gebeten, sich tagesaktuell über die Website https://theater.bamberg.de/ oder die Theaterkasse (0951÷87−3030) über die jeweils geltenden Hygienebestimmungen zu informieren.
Weitere Vorstellungen im Freien Verkauf finden statt am 14. November um 16:00 Uhr, am 4. Dezember um 15:00 und um 17:00 Uhr, am 5. Dezember um 15:00 und um 17:00 Uhr (geschlossene Vorstellung) sowie am 26. Dezember um 16:00 Uhr. Karten sind an der Theaterkasse und auf https://theater.bamberg.de/ erhältlich.