ETA Hoffmann Theater
38. Bayerische Theatertage
Vom 13. bis 28. Mai ist das ETA Hoffmann Theater Ausrichter der 38. Ausgabe der Bayerischen Theatertage. Ein Blick auf das Programm und den Auswahlprozess für das Festival mit ETA-Intendantin Sibylle Broll-Pape und der Sprecherin des Auswahlgremiums, Victoria Weich.
Die Bayerischen Theatertage, Bayerns größtes Theaterfestival, finden 2022 zum siebten Mal in Bamberg statt. Mehr als 30 Inszenierungen verschiedenster bayerischer Theater hat das Auswahlgremium um Victoria Weich, Leitende Dramaturgin am ETA Theater, nach Bamberg eingeladen.
Im so gewonnenen Programm spiegelt sich die Vielfalt bayerischer Theater, zahlreiche Themen gesellschaftlicher Missstände und aktueller Entwicklungen wider. Im umfangreichen Rahmenprogramm steht die Freude über die Aussicht, wieder 100 Prozent Publikumsauslastung haben und ausgelassen feiern zu können, im Vordergrund. Wir haben mit Sibylle Broll-Pape und Victoria Weich gesprochen.
Frau Broll-Pape, vor einigen Wochen haben Sie zur Eröffnung der Bayerischen Theatertage eine rauschende Eröffnungsfeier angekündigt. Auf was kann sich das Publikum einstellen?
Sibylle Broll-Pape: Darauf, dass man endlich wieder in der Gemeinschaft sein und miteinander feiern kann! Ich muss allerdings sagen, dass die damalige Pressekonferenz vor einem anderen Hintergrund stattfand. Damals gab es noch keinen Krieg in Europa. Jetzt sind wir durch den Angriffskrieg mit einer desaströsen Situation konfrontiert und uns stellte sich die Frage, ob wir das Festival, so wie wir es geplant hatten – mit Feiern und Tanz– vor der neuen Situation überhaupt veranstalten sollten. Wir haben innegehalten und uns entschieden, nicht zurückzuschrecken. Deshalb wird es ein rauschendes Eröffnungsfest mit zahlreichen Gästen, der einladenden Live-Musik von vier Jazz-Musikerinnen um Sängerin Johanna Schneider, eigens gebrautem Festivalbier und viel Vorfreude auf die Festivalzeit geben.
Wird der Krieg in der Ukraine in der einen oder anderen Form ins Festival-Programm eingehen?
Sibylle Broll-Pape: Ja, da sind wir dran, man kann ja gar nicht anders. Wie man als Theater auf so eine Situation aber richtig reagiert, ist nicht ganz einfach zu beantworten.
Ließe sich spontan ein weiteres Stück, eines mit Kriegsthematik, ins Programm aufnehmen?
Sibylle Broll-Pape: Nein, das geht nicht – zumal wir mit „Gott ist nicht schüchtern“ ein Stück mit verwandter Thematik im regulären Spielplan haben. Außerdem ist das Programm eine kuratierte Angelegenheit, in die wir nicht noch etwas reinpflanzen möchten. Wir haben für die Auswahl nach speziellen Formen und besonderen Inhalten gesucht. Und da zu dem Zeitpunkt, als wir kuratierten, Krieg in dieser Form nicht allgegenwärtig war, war das Thema kein Kriterium der Auswahl. Das im Nachhinein noch zu verändern, wäre falsch.
Zur Eröffnung inszenieren Sie die Uraufführung der Auftragsarbeit „Kängurus am Pool“ von Theresia Walser. Darin geht es im weitesten Sinne um eine Hausgemeinschaft wider Willen. Bestehen darin aktuelle Bezüge?
Sibylle Broll-Pape: Durchaus hat das Stück etwas mit der pandemischen Situation der letzten beiden Jahre zu tun hat. Es steht zwar nicht Corona drauf oder drin, aber vieles, das uns als Gesellschaft beschäftigt hat, ist spürbar. Die Vereinzelung zum Beispiel, der Umgang mit Alten und vor allem der Humor, mit dem wir Menschen Widrigkeiten begegnen können.
Victoria Weich: Die Leute, die in diesem Haus leben, sind ganz unterschiedlich. Es gibt zum Beispiel den Paketboten, der immer die merkwürdigsten Dinge die Treppe rauf schleifen muss. Ein Hinweis auf die Realität, die wir in den letzten beiden Jahren hatten: geschlossene Geschäfte, überforderte Niedriglöhner. Eigentlich ist er von Beruf Hornist – ein weiterer Verweis, hier auf den Kulturbetrieb, in dem er nicht mehr auftreten kann. Theresia Walser findet zu diesen Figuren einen humorvollen Zugang. Der Paketbote zum Beispiel attestiert einem Hausbewohner eine „Bläserschnute“, er hätte wirklich „was erreichen können mit so einem Posaunenmaul“ – anstatt jetzt ominös viel Katzenstreu zu bestellen.
Bei der Vorstellung des Festival-Programms sagten Sie, Frau Weich, dass das Auswahlgremium, um Programm-Stücke zu finden, monatelang von Theater zu Theater reiste. Was ließ sich dabei über bayerische Theater lernen?
Victoria Weich: Viel – vor allem über Bayern selbst. Dass es ein Flächenbundesland ist, ist mir erst in den Regionalzügen des Landes so richtig klargeworden (lacht). Man lernt, dass es in der größten, aber auch in der kleinsten Stadt tolle Qualität gibt, denn die Größe sagt erstmal nichts darüber aus, wie gut und mit welcher Leidenschaft Kunst gemacht wird. Außerdem haben wir mitten in der Hochphase der Einschränkungen gesichtet, in Zeiten von 25-prozentiger Publikumsauslastung. Uns ist schmerzlich vor Augen geführt worden, wie existenzbedrohend diese Bedingungen waren.
Wie geht es den bayerischen Theatern entsprechend heute?
Victoria Weich: Da kann ich nur mutmaßen. Dort, wo es treues Publikum und Fangemeinden gibt, war es für die Theater einfacher zu überleben. Dort, wo Theater einen schwereren Stand in der Freizeitgestaltung hat, war die Pandemiezeit anstrengender. Der Mut ist aber auch bei jenen, die es schwerer hatten, nie abgeschlafft.
Wie geht es dem ETA Hoffmann Theater?
Victoria Weich: Ich finde, es ging uns während der ganzen Zeit verhältnismäßig gut.
Sibylle Broll-Pape: Genau. Aber wir merken schon, dass die Leute im Augenblick noch etwas zurückhaltend sind. Das ist bei den aktuellen Inzidenzen aber auch kein Wunder. Betrachtet man die letzten zwei Jahre, ist unser Publikum immer in dem Moment, in dem wir wieder öffnen oder mehr anbieten durften, in großer Zahl wiedergekommen. Das war schon toll. Wir sind eines der Theater mit sehr treuem Publikum.
Nach welchen Gesichtspunkten haben Sie die Auswahl der Stücke, die bei den Theatertagen gezeigt werden, getroffen?
Victoria Weich: Für uns waren Leitfragen wichtig wie: Vermittelt sich grundsätzlich die Thematik, die das Stück behauptet? Wird die Thematik in einer Art und Weise vermittelt, die den Horizont erweitert, anregt, im positiven oder negativen Sinne? Geschieht das auf einem guten oder hohen künstlerischen Niveau? Denn es geht nicht um Geschmack, ob uns vom Auswahlgremium ein Stück gefallen hat. Zudem ist die Spiellust oder das Engagement auf der Bühne wichtig gerade auch bei kanonischen Texten: Gibt es einen neuen Zugriff? So hangelt man sich von Kriterium zu Kriterium. Und letztendlich haben wir uns gefragt: Ist es für Bamberg eine Bereicherung, etwas, das wir hier so noch nicht gesehen haben? Die Idee der Bayerischen Theatertage ist ja auch, in der gastgebenden Stadt Formen und Themen stattfinden zu lassen, die das eigene Programm bereichern und erweitern. So ist es toll, dass performative Formate, das Digitale, Musiktheater und Theater für Kinder und Jugendliche ihren Platz haben werden.
Das Stück „Die Reise der Verlorenen“ vom Theater theaterlust aus Haag handelt von einem Schiff voller Geflüchteter zu Zeiten des 2. Weltkriegs, das kein Hafen aufnehmen will. Was qualifizierte dieses Stück für das Festivalprogramm?
Victoria Weich: Wenn ein Romancier wie Daniel Kehlmann einen Theatertext schreibt, ist historische Wahrhaftigkeit gesetzt. Das hat uns bei dem Thema Geflüchtete sehr gereizt. Seine Sprache hat in der Inszenierung einen wunderbaren Raum bekommen. Außerdem ist das Theater theaterlust ein freies, tourendes Theater, das sich viel vorgenommen hat mit dem Stück. Wir finden es zeigenswert, dass so wichtige Stoffe von Gegenwartsautoren eben nicht nur an etablierten Häusern stattfinden können, sondern auch ganz wunderbar in freien Gruppen.
Das Stück passt auch zur aktuellen Fluchtthematik. War das auch ein Grund, es auszuwählen?
Victoria Weich: Klar. Wir müssen immer wieder in die Literatur schauen und sie befragen, was sie uns über heutige Probleme sagen kann. Das löst die Probleme natürlich nicht, aber es erzählt uns etwas darüber, was wir für einen historischen Rucksack tragen und welche Verantwortung. Sie möge uns Hinweise darauf geben, wie wir zum Beispiel heute mit Geflüchteten empathisch und hilfsbereit bleiben können, uns erinnern, dass jeder Flüchtling einen Anspruch auf Asyl hat.
Aktuell ist auch die Thematik der Komödie „Status Quo“, die das Theater Hof beisteuert. Es geht um Diskriminierung, wenn auch unter umgekehrten Vorzeichen, denn das Stück spielt in einer Welt, in der Männer die Opfer von Diskriminierung sind und nicht Frauen.
Victoria Weich: Ja, alles ist umgekehrt und man sieht, dass es natürlich trotzdem falsch ist. Diskriminierung ist immer falsch. Im Stück wird augenfällig, dass Sexismus strukturell misogyn ist und ich kann über das Lachen verstehen, wie verrückt das eigentlich ist: Menschen wegen ihres Geschlechts schlecht behandeln. Absurd, oder? Es gibt eigentlich gar keinen Grund.
Ein düsteres Thema zeigt die Kulturbühne Spagat München mit „Kitzeleien – Der Tanz der Wut“, nämlich Kindesmissbrauch.
Victoria Weich: Der Solo-Abend der Schauspielerin erzeugt großen Respekt davor, dass eine Missbrauchs-Geschichte erzählt wird. Sie verhandelt ihre Erfahrungen mit sich selbst und dem Publikum. Da steckt eine große, sehr berührende Bereitschaft zur Offenbarung drin. „Absolut überraschend und manchmal sogar komisch“, sagte mein Kollege aus dem Auswahlgremium, Christoph Leibold.
Ebenfalls ernsten Stoff bietet „Butterfly Brain“ vom Nürnberger Theater Curtis & Co. dance affairs. Es geht um Demenz.
Sibylle Broll-Pape: Schwere Stoffe können auch in leichten Stücken wie „Butterfly
Brain“ ausgedrückt werden. Dafür stehen auch wir als Haus sehr. Ich finde, dass man
inhaltlich etwas zu sagen haben muss und dafür gibt es unterschiedliche Formen. Es sind schwere Themen, aber auf eine Art und Weise gemacht, dass man damit umgehen mag und nicht gleich abgeschreckt ist.
Trotzdem könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Stücke auch unter dem Gesichtspunkt ausgewählt wurden, möglichst viele aktuelle Debatten zu bedienen. In „Bestätigung“ vom Staatstheater Nürnberg geht es um einen Linken, der versucht, einen Holocaustleugner zu überzeugen, in „4.48 Psychose“ vom Metropoltheater München um Depressionen.
Victoria Weich: Natürlich wollen wir aktuelle Debatten auf die Bühne bringen. Und zum Beispiel gerade der „Butterfly Brain“-Abend ist befreiend und glaubt an das Gute in den Dingen. Ich denke, das wird ein Abend sein, aus dem auch das Publikum sozusagen beflügelt rauskommt. Es geht auch darum, mit Situationen leichtfüßig und offenherzig umzugehen. „Bestätigung“ von Chris Thorpe wird auch kein schwerer Abend. Das Stück konfrontiert mit Vorannahmen und das ist oft auch zum Lachen: Wie schwer es ist, die eigenen Überzeugungen zu verlassen.
Was an der Auswahl auch auffällt: Mehrere Stücke haben nur eine oder zwei Personen auf der Bühne und kaum Bühnenbild. Ist das ein gestalterischer Theater-Trend?
Victoria Weich: Das hat jeweils unterschiedliche Gründe. Nehmen wir „Bestätigung“. Das ist so konzipiert, dass man am Anfang gar nicht weiß, ob das Stück schon läuft oder ob der Schauspieler privat mit einem redet. Das erfordert, dass es kaum merkliche Kulissen gibt. Ein reduziertes Bühnenbild oder Stücke mit kleiner Besetzung waren außerdem eine Möglichkeit für Theater, in den zurückliegenden Monaten weiter zu spielen, ohne zu große Kosten zu haben oder Infektionen des Personals zu riskieren. Pragmatische Gründe also, denn die Regularien für Theater waren sehr streng. Je kleiner das Stück, umso besser war es machbar. Es ist eine Überlebensstrategie, aber kein Trend.
Sibylle Broll-Pape: Zudem mussten wir uns bei der Stückeauswahl immer überlegen, wie viel Platz wir auf den Bühnen haben. Eine Oper passt bei uns nicht rein. Die opulenten Bühnenbilder können Sie nur in den großen Häusern sehen. Und wenn man dann schon reduzierte Stücke hat, sind die Stücke, die kaum Personal oder Dekoration auf der Bühne haben, oft die besten. Ein halbes Schloss als Kulisse will ja auch niemand sehen.
Das schließt die Frage aus, inwiefern bei der Auswahl der Stücke auf Größe oder Opulenz geachtet wurde.
Sibylle Broll-Pape: Man muss schlicht pragmatisch rangehen. Wir haben ja auch keine Ausweichspielstätten.
Drei Klassiker stehen auch auf dem Programm: „Cyrano de Bergerac“ vom Residenztheater München, „Peer Gynt“ vom Bamberger Theater im Gärtnerviertel und „Die Dreigroschenoper“ vom Theater Regensburg. Wiederum bei der Vorstellung des Festival-Programms sagten Sie, Frau Weich, dass auch Klassiker für Vergnügen sorgen können. Das klang ein bisschen abwertend.
Victoria Weich: Klassiker frisch und zeitgemäß auf die Bühne zu bringen, ist gar nicht so leicht. Während unserer Reisen – und das spiegelt sich auch in der Auswahl wider – ist uns aufgefallen, dass viele Theater mit den Gegenwartsstoffen besser zurechtkommen. Die Inszenierungen waren dringlicher, die Leidenschaft für ein Thema stärker. Die drei ausgewählten Klassiker haben jeweils ihre Besonderheiten. Der „Cyrano“ ist eine tolle Bearbeitung, mit zwei hervorragenden Schauspielern. „Peer Gynt“ ist gedacht und gemacht für Theater an ungewöhnlichem Ort und „Die Dreigroschenoper“ mit der ernsthaften Frage, welches Geschlecht das verführerischere Verbrechen hat, weil Mackie Messer mit einer Frau besetzt ist. Alles Zugriffe, die den Klassikern neues Leben geben – dann bereiten sie Vergnügen!
Die Theatertage bieten ein großes Rahmenprogramm. Am 15. Mai gibt es zum Beispiel einen Staffellauf fürs Klima, der vor dem Theater vorbeikommt. Laufen Sie mit?
Victoria Weich: Nein, wir beiden nicht (lacht). Das Ensemble muss ran. Es wird dazu auch noch ein Podiumsgespräch geben, das vom Ensemble in Kollaboration mit „Performing for Future – Netzwerk für Nachhaltigkeit in den Darstellenden Künsten“ organisiert wird. Mehr als 30 deutsche Theater sind beteiligt.
Was wird sonst noch geboten sein?
Victoria Weich: Es liest zum Beispiel am 17. Mai die Autorin Alice Hasters aus ihrem Buch „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ und am 18. Mai gibt die experimentelle Musikerin TiNTiN PATRONE mit Posaune, Looper und diversen elektronischen Instrumenten ein Konzert, kuratiert von SOG – Innovative Musik aus Bamberg. Außerdem macht unser Ensemble ein Hip-Hop-Musical und wir werden ein Festivalzelt und zünftiges Bergfest haben. Wer sich in Dirndl oder Lederhosen kleidet, bekommt ein Freibier, natürlich die Festivalvariante.
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Benefizveranstaltung für die Ukraine
Lesung: Volha Hapeyeva
Morgen Abend liest die Autorin Volha Hapeyeva um 20 Uhr im Studio des ETA Hoffmann Theaters aus ihren Werken. Im Anschluss spielen die beiden Mitglieder der Bamberger Symphoniker, Vladislav Popyalkovsky und Eduard Resatsch, ein Konzert. Die Spendeneinnahmen des Abends kommen der Initiative „Bamberg hilft Ukraine“ zugute.
Volha Hapeyeva, 1982 in Minsk geboren, ist Lyrikerin, Linguistin, Übersetzerin und Romanautorin – eine politisch denkende und schreibende Poetin. In ihrem preisgekrönten Essay „Die Verteidigung der Poesie in Zeiten dauernden Exils“ führt Hapeyeva die Macht der Sprache gegen ihren gewalttätigen Missbrauch an. Poesie könne ein Zuhause sein, weil sie Widerständigkeit fördere und das Potenzial böte, die Unterdrückungslogik von „wir“ und „sie“ durch Mitgefühl zu überwinden.
Hapeyevas Roman „Camel Travel“ durchwandert eine Kindheit von Minks bis Moskau und kartographiert politische Entwicklungen aus den Augen eines Kindes. Ihre Gedichte wie „der rote himmel, der nach eisen schmeckt“ handeln von Kriegs- und Fluchterfahrung.
Für ihre Werk erhielt Volha Hapeyeva Werk zahlreiche internationale Preise und Auszeichnungen. Ihre Gedichte wurden in mehr als 15 Sprachen übersetzt. Unter dem Titel „Mutantengarten“ liegt auch eine Auswahl auf Deutsch vor.
In der Lesung wird die Autorin aus ihrem Essay, ihrem Roman und ihrer Lyrik vortragen. In einem anschließenden Gespräch berichten Volha Hapeyeva, wie ihre Biografie und ihre Poesie ineinanderfließen.
Danach spielen der Violinist Vladislav Popyalkovsky und Eduard Resatsch, Violoncello, ein kleines Konzert. Popyalkovsky ist in Lettland geboren und wuchs in St. Petersburg auf, Resatsch ist Ukrainer. Beide sind Mitglieder der Bamberger Symphoniker und ergänzen den Abend im Zeichen der Empathie musikalisch, als weitere Sprache der Kunst.
Der Eintritt ist frei. Das ETA Hoffmann Theater bittet um Spenden, die der der Initiative „Bamberg hilft Ukraine“ zugutekommen.
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Wegweisende Auswahl und 100 Prozent Auslastung angekündigt
38. Bayerische Theatertage in Bamberg
Wenn vom 13. bis 28. Mai die 38. Ausgabe der Bayerischen Theatertage stattfindet, ist es bereits das siebte Mal, dass das ETA Hoffmann Theater ihr Ausrichter ist. Nachdem Bayerns größtes Theaterfestival 2021 pandemiebedingt ausfallen musste, plant das ETA Theater die Rückkehr 2022 in ebenso großen Dimensionen.
In erster Linie soll das für die Auslastung des Publikumsraums gelten. „Vor dem Hintergrund einer hoffentlich zurückgehenden Pandemie“, sagte ETA-Intendantin Sibylle Broll-Pape bei der Vorstellung des Spielplans der Theatertage, „gehen wir von 100 Prozent Publikums-Auslastung aus.“ Auch eine „rauschende Eröffnungsfeier“ und ein Bergfest, jeweils inklusive eines eigens gebrauten Festivalbiers, Konzerte und Diskussionsrunden sind geplant. „Es soll einfach ein Fest für Bamberg und das Publikum sein.“
Diesem Publikum hat das Auswahlgremium ein Programm von mehr als 25 Stücken zusammengestellt. Um die Auswahl der Inszenierungen, die Theater aus ganz Bayern in Bamberg auf die Bühne bringen werden, treffen zu können, reiste das Gremium um ETA-Dramaturgieleiterin Victoria Weich die letzten Monate durch den Freistaat und sichtete mehr als 100 Produktionen. Herausgekommen ist ein Spielplan mit Inszenierungen von unter anderem dem Mainfrankentheater Würzburg, dem Theater Hof, dem Münchner Residenz- und Volkstheater, den Staatstheatern Nürnberg und Augsburg, dem Landestheater Schwaben und dem Bamberger Theater im Gärtnerviertel.
Auf dem Programm für Kinder und Jugendliche stehen Beiträge vom, zum Beispiel, Landestheater Coburg oder dem Theater Mummpitz aus Nürnberg. Zur Eröffnung zeigt das ETA Theater mit der Uraufführung von „Ein neues Stück“ von Theresia Walser seinen einzigen eigenen Beitrag zum Programm.
Auswahl der Produktionen
Die letzliche Auswahl derjenigen Produktionen, die nach Bamberg eingeladen werden, geschah indes nach „selbstgestellten Kriterien“, so Sibylle Broll-Pape, und müsse zum Haus passen. Anders ausgedrückt heißt das: je zeitgenössischer, desto besser. Victoria Weich fasste die Auswahl in diesem Sinne gar als eine „wegweisende für das Bayerische Theater“ zusammen.
Auch wenn Inszenierungen älterer Stücke oder von Klassikern bei der Zusammenstellung des Programms nicht vergessen worden seien, und durchaus „für Vergnügen sorgen können“, erkennt das Gremium das Potenzial des Wegweisenden eher in zeitgenössischen Produktionen.
„Es geht nicht mehr nur um Goethe“, sagte Victoria Weich. „An den Produktionen, die wir ausgewählt haben, kann man erkennen, wie sich Theater heute mit Wirklichkeit auseinandersetzt.“ Speziell in dieser Offenheit gegenüber aktuellen Themen wie zum Beispiel Gleichberechtigung und Identität habe man Wegweisendes ausgemacht. Inwieweit das Programm der Theatertage im Angesicht der Tatsache, dass gerade in der Theaterszene bereits seit Jahren solche Thematiken behandelt werden, aber wirklich neue Wege beschreitet, sei dahingestellt.
Eine Aussage, die Oberbürgermeister Andreas Starke im Zuge der Vorstellung des Spielplans machte, passt insofern auf jeden Fall doppelt. Dank der Perspektive deutlich entspannterer Rahmenbedingungen für das Festival als in den beiden Corona-Jahren zuvor „sind die Theatertage auch eine Rückkehr zur Normalität.“
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38. Bayerische Theatertage
ETA Hoffmann Theater sucht Junge Festivalredaktion
Für die ab Mitte Mai stattfindenden Bayerischen Theatertage sucht der diesjährige Ausrichter, das ETA Hoffmann Theater, junge Menschen, die das Festival als Junge Festivalredaktion mit unterschiedlichen Beiträgen begleiten.
Zum 7. Mal richtet das ETA Hoffmann Theater in Bamberg die Bayerischen Theatertage aus: Vom 13.–28. Mai 2022 werden wegweisende, politische, inspirierende Inszenierungen sowie digitale Projekte aus ganz Bayern gezeigt.
Für die Junge Festivalredaktion der 38. Bayerischen Theatertage sucht das Theater Menschen unterschiedlichster Werdegänge und Sichtweisen, die Lust haben, das Festival mit vielfältigen Beiträgen zu begleiten. Besonders würden sich die Veranstalter freuen, wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Begeisterung fürs Theater, kritische Haltungen und kreative Ideen mitbringen. Ein akademischer beziehungsweise journalistischer Hintergrund ist nicht vonnöten, auch Arbeitserfahrung im Theater ist nicht notwendig.
Einblick in journalistisches Arbeiten
Die Junge Festivalredaktion wird als Werkstatt zum Ausprobieren und Experimentieren mit verschiedenen Formaten verstanden. Der geschriebene Text muss dabei nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen. Es können Kritiken, Interviews oder freie Formate sein, die als Texte oder Audiobeiträge, in Form von Fotografien, Zeichnungen oder als TikTok-Videos veröffentlicht werden können. Begleitet wird das zehnköpfige Team dabei von zwei erfahrenen Journalistinnen.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten zwischen 16 und 30 Jahren alt sein und sich während des Festivalzeitraums vom 13. bis 28. Mai in Bamberg aufhalten können. Geboten werden der Einblick in (theater-)journalistisches Arbeiten, die Möglichkeit, ein Theaterfestival hautnah mitzuerleben und der kostenlose Zugang zu den Festivalveranstaltungen. Bewerberinnen und Bewerber werden gebeten, eine Mail an btt22@theater.bamberg.de zu senden, in der kurz beschrieben wird, auf welche Form von Berichterstattung sie besonders Lust haben und der ein Lebenslauf beigefügt ist. Einsendeschluss ist der 15. März 2022. Bei Rückfragen geben die Verantwortlichen gerne unter der Mailadresse btt22@theater.bamberg.de oder unter 0951−87−3027 Auskunft.
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Premiere bei erstmals wieder 50 Prozent Auslastung
Gott ist nicht schüchtern
Am vergangenen Freitag feierte Olga Grjasnowas „Gott ist nicht schüchtern“ Premiere im Bamberger ETA Hoffmann Theater. Eine besondere Premiere, bei der erstmals seit langem wieder 50 Prozent Auslastung gestattet und das Theater angesichts dieser Vorgabe ausverkauft war.
Die Zuschauerinnen und Zuschauer erlebten bei der Premiere von „Gott ist nicht schüchtern“ einen Theaterabend, der auf beeindruckende Weise das Schicksal junger Menschen im Arabischen Frühling mit den Mitteln des Theaters erfahrbar macht. Anhand der Biografien ihrer Hauptfiguren zeigt die Autorin, wie aus den Demonstrationen, die zu Beginn noch von großen Hoffnungen geprägt waren, ein Krieg entstand.
Entlang der Ereignisse des sich entwickelnden Bürgerkrieges verwandeln sich die optimistischen Lebensläufe der Figuren Hammoudi, Amal und ihres Freunds Youssef zu Fluchtbiografien. Alle drei fliehen über das Meer und erleben das Grauen überfüllter Boote, ertrinkender Menschen und der Insel Morias. In Berlin, während ihrer Asylverfahren, treffen sie zufällig aufeinander.
Die Premiere von „Gott ist nicht schüchtern“ wollte sich auch der bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Bernd Sibler nicht entgehen lassen. Die Vorstellung gehörte zu den ersten, die nach der Änderung des bayerischen Infektionsschutzmaßnahmengesetzes wieder vor 50% der maximalen Auslastung stattfinden konnten.
Auch Ulrike Siebenhaar, Referentin für Kultur und Welterbe der Stadt Bamberg, zeigte sich von dem Abend bewegt: „Diese Inszenierung hat eine Kraft und eine Wucht, die berührt und die herzzerreißenden Geschichten hinter der Flucht spürbar macht.“
Nach der Premiere kamen Sibler, Siebenhaar sowie die bayerische Staatsministerin für Europaangelegenheiten und Internationales, Melanie Huml, gemeinsam mit Intendantin Sibylle Broll-Pape im Foyer zusammen, um auf das große bayerische Theaterhighlight des Jahres aufmerksam zu machen: Vom 13. bis 28. Mai finden die 38. Bayerischen Theatertage in Bamberg statt. Gemeinsam wünschen die Beteiligten, dass dann noch mehr Zuschauerinnen und Zuschauer wieder in die Theater werden strömen dürfen.
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Bis zu 50 Prozent Auslastung
Lockerungen für die Kultur
Positive Nachrichten für Theater und Kinos: Ab heute dürfen Kultureinrichtungen in Bayern wieder mehr Zuschauerinnen und Zuschauer einlassen als bisher. Wir haben in der Bamberger Szene nachgefragt, wie die Lockerungen dort ankommen.
An kulturellen Veranstaltungen in Innenräumen können ab heute wieder mehr Zuschauerinnen und Zuschauer teilnehmen als bisher. Dafür hat sich das Bayerische Kabinett am Dienstag, 25.1., entschieden. Das heißt: Kinos, Theater oder Konzerthallen können ihre Publikumsräume wieder bis zu 50 Prozent auslasten, weiterhin unter Einhaltung der 2G plus Regel. Bisher erlaubten die Beschlüsse aus München nur 25 Prozent.
Kunstminister Bernd Sibler und Digitalministerin Judith Gerlach, zuständig für Kinos in Bayern, sehen die vom Bayerischen Kabinett beschlossene Anhebung der Auslastungsgrenze für den Kulturbereich auf 50 Prozent und die Möglichkeit, das Publikum mit reduziertem Abstand etwa nach dem Schachbrettmuster zu platzieren, als „einen wichtigen Schritt, der in die richtige Richtung weist.“
„Wir können Kunst und Kultur“, sagte Bernd Sibler, „im wörtlichen wie im übertragenen Sinn wieder mehr Raum geben. Die neue Auslastungskapazität ermöglicht mehr Publikum und damit auch mehr Perspektive für unsere Kunst- und Kultureinrichtungen in Bayern, insbesondere für die kleineren Bühnen. Künstlerinnen und Künstler brauchen die Bühne. Mit den neuen Regelungen sorgen wir für mehr Auftrittsmöglichkeiten und für ein größeres kulturelles Angebot. Ich freue mich darauf, dass ein kulturelles Erlebnis mit mehr Menschen im Saal möglich ist.“
Wir haben bei Vertreterinnen und Vertretern der Bamberger Veranstaltungs-Kultur nachgefragt, was sie von den Lockerungen halten. Die Reaktionen darauf fallen gemischt aus.
Reaktionen von ETA und Wildwuchstheater
Sibylle Broll-Pape, Intendantin der ETA Hoffman Theaters, freut sich über die Lockerungen. „Endlich können wir der großen Nachfrage für unsere Veranstaltungen besser nachkommen. Die 2G plus Regelung, FFP2-Maskenpflicht und Abstände bieten gleichzeitig unserem Publikum den größtmöglichen Schutz. Deswegen halte ich die 50 Prozent-Regel für einen guten Kompromiss in dieser weiterhin herausfordernden Zeit.“
Frederic Heisig vom Wildwuchstheater sieht die Lockerungen hingegen nicht ganz so positiv. Er befürchtet sogar, dass grundlegende Schäden entstanden sind, die sich auch durch höhere Auslastung nicht so schnell beheben lassen.
„Aus virologisch-epidemiologischer Sicht kann ich die Lockerung nicht beurteilen, aber für das Theater sind sie erstmal eine Verbesserung. Auch wenn die Finanzierung von Inszenierungen auch bei 50 Prozent schwer ist. Grundlegend muss ich allerdings sagen, dass es mir ein bisschen komisch vorkommt, wenn man im Theater sitzt, Abstand hält und Maske trägt, nur um dann auf dem Heimweg oder so vielleicht an einem Restaurant vorbeizukommen und zu sehen, was dort möglich ist. Vollbelegung und keine Masken. Da passt für mich nicht zusammen, da findet eine Wertung statt, bei der Kultur ganz klar den Kürzeren zieht. Das kann ich nicht verstehen.
Ich habe ohnehin mehr und mehr das Gefühl, dass die Kultur zwar schon robuster ist als viele am Anfang der Pandemie gedacht haben. Aber so langsam, nach über zwei Jahren, beobachte ich, dass die Praxis, Kulturveranstaltungen wahrzunehmen, angeschlagen ist. Selbst im Sommer, als noch mehr ging, und man dachte, die Leute reißen einem die Karten aus der Hand, egal für was, war vieles nicht ausverkauft. Vielleicht wird die Branche gerade nachhaltig beschädigt, indem sie mehr beschränkt wird als andere Bereiche.“
Die Meinung von Lichtspiel und Symphonikern
Gerrit Zachrich vom Lichtspielkino ist froh über die Entscheidung, bemängelt aber seinerseits die Ungleichbehandlung von Kultur und Gastronomie.
„Die Möglichkeit, 50 Prozent Auslastung zu haben, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Damit kann man ein bisschen besser und kostendeckender arbeiten. Gerade für die Kurzfilmtage ist uns das sehr wichtig und wir freuen uns. Aber eigentlich hatten wir gehofft, dass die Lockerungen noch einen Schritt weiter gehen. Wir hatten gehofft, dass diese himmelschreiende Ungerechtigkeit zwischen 2Gplus in der Kultur und 2G in der Gastronomie beendet wird und es auch für uns mit 2G geht. Bei 2Gplus ist es schwer, die Leute dazu zu bewegen, spontan ins Kino zu gehen. Das ist ein Ungleichgewicht, das uns niemand, auch nicht die Staatskanzlei erklären kann.“
Die Reaktion der Bamberger Symphonikern auf die Lockerungen geht wiederum in die gleiche Richtung wie beim ETA Hoffmann Theater. Intendant Marcus Rudolf Axt sagte auf Webecho-Anfrage:
„Wir sind sehr glücklich über diesen Schritt der Staatsregierung. Er beweist gerade in diesen Wochen, dass Theater und Konzerthäuser auch bei einer etwas höheren Auslastung sicher sind. Ein gutes Signal für unser treues Publikum, das uns und viele andere Kulturveranstalter in den letzten Monaten sehr unterstützt hat.“
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Premiere am ETA Hoffmann Theater
Gott ist nicht schüchtern
Das ETA Hoffmann Theater inszeniert Olga Grjasnowas Roman “Gott ist nicht schüchtern”. Mit großer Aktualität zeichnet das Stück Biografien syrischer Geflüchteter nach.
In Olga Grjasnowas Roman „Gott ist nicht schüchtern“ geht es um den sogenannten Arabischen
Frühling, der 2011 auch in Syrien vor allem die junge Mittel- und Oberschicht auf die Straße brachte. Die Autorin hat zahlreiche Interviews mit Geflüchteten geführt und in der Türkei, im Libanon und in Griechenland recherchiert. Anhand der Biografien ihrer Hauptfiguren zeigt sie, wie aus den Demonstrationen, die zu Beginn noch von großen Hoffnungen geprägt waren, ein Krieg entstand.
In „Gott ist nicht schüchtern“ lebt der junge Chirurg Hammoudi in Paris und verbringt dort die glücklichsten Jahre seines Lebens. Eines Tages muss er aber seinen Pass verlängern lassen und deswegen nach Syrien in seine Heimatstadt Deir az-Zour reisen. Es ist der Frühling 2011 und auf den Straßen protestiert die Bevölkerung friedlich für ein demokratisches Leben und gegen die Willkürherrschaft von Präsident Baschar al-Assad. Hammoudis Passverlängerung fällt allerdings bürokratischer Schikane zum Opfer und er darf nicht mehr ausreisen.
Amal ist eine Tochter der syrischen Oberschicht, die sich in Damaskus an den Demonstrationen beteiligt, um eine freiere Zukunft zu ermöglichen. Doch das Regime beschattet sie, nimmt sie fest und verhört sie.
Entlang der Ereignisse des sich entwickelnden Bürgerkrieges verwandeln sich die optimistischen Lebensläufe Hammoudis, Amals und ihres Freunds Youssef zu Fluchtbiografien. Alle drei fliehen über das Meer und erleben das Grauen überfüllter Boote, ertrinkender Menschen und der Insel Morias.
In Berlin, während ihrer Asylverfahren, treffen sie zufällig aufeinander. Amal hasst es, sich nicht auf Deutsch verständlich machen zu können und dass in den Behörden niemand außer den Security-Männern in der Lage ist, auch nur das primitivste Englisch zu sprechen. Sie hasst es, als Muslimin und Schmarotzerin angesehen zu werden, und sie hasst sich selbst.
Aktualität und Bamberg-Bezug
Für ihre erste Regiearbeit der aktuellen Spielzeit hat ETA-Intendantin Sibylle Broll-Pape zusammen mit Dramaturgie Petra Schiller eine Bühnenfassung des Romans erstellt, die sie nun außerdem inszeniert. Maßgeblich für die Entscheidung für dieses Projekt war vor allem die Aktualität der literarischen Vorlage und die Möglichkeit, sie auch auf Bamberg zu beziehen.
„Seit Jahren“, sagt Sibylle Broll-Pape, „wird auf dem Gebiet Syriens ein Stellvertreterkrieg geführt und die internationale Staatengemeinschaft ringt schon genauso lange um eine politische Lösung des Konflikts. Assad hat bis 2020 über 100.000 Menschen festnehmen lassen. Viele davon sind nicht wieder aufgetaucht. Der Foltertod von Zehntausenden ist bewiesen. Unzählige Zivilist*innen sind gestorben bei Giftgasangriffen, bei Attacken auf Wohnvierteln und gezielten Angriffen auf Spitäler und 12 bis 14 Millionen Menschen wurden zu Flüchtlingen gemacht.“
Tausende der fast 800.000 Syrerinnen und Syrer, die den lebensgefährlichen Fluchtweg über das Mittelmeer oder über Land Europa wagten, haben diesen nicht überlebt. Trotz dieser erschütternder Zahlen verharren solche Ereignisse in der westlichen Vorstellung oft nur in der Ferne der Nachrichtenwelt. Mit der ANKER-Einrichtung hat Bamberg allerdings eine Anlaufstelle für Geflüchtete. „Wir könnten allen dreien, Hammoudi, Amal und Youssef, hier auf den Straßen begegnen.“
Keine Diversität in der Besetzung
In der Inszenierung von „Gott ist nicht schüchtern“ übernehmen Antonia Bockelmann, Elias Reichert, Stefan Herrmann, Philine Bührer und Daniel Seniuk die Rollen. Auffällig an der Besetzung ist jedoch, dass niemand mit arabischen Wurzeln berücksichtigt wurde, obwohl das Stück vom Leben syrischer Geflüchteter handelt. Ist da Kritik aufgrund mangelnder Diversität nicht programmiert?
Sibylle Broll-Pape sagt dazu: „Die Autorin selbst verweist darauf, dass Erfahrung politischer Verfolgung, Vertreibung und Flucht nicht neu seien. In den 30er- und 40er-Jahren waren es beispielsweise vor allem Flüchtlinge aus Deutschland, die anderswo um Aufnahme baten.“
Olga Grjasnowas „Gott ist nicht schüchtern“ lehne sich sogar explizit an deutsche Exilliteratur an. „Es gibt Szenen, die direkt auf beispielsweise Werke von Erich Maria Remarque verweisen. Olga Grjasnowas jüdische Großmutter musste mit 14 Jahren vor den Nationalsozialisten aus Weißrussland fliehen, bis ihr Weg sie irgendwann nach Aserbaidschan führte und die selbst mit elf Jahren nach Deutschland kam. Das Thema geht uns also alle an und der Konflikt in Syrien kann stellvertretend für so viele andere Kriege verstanden werden. Außerdem haben wir beim Erstellen der Fassung, der Besetzung und den Proben ein Erzählkonzept entwickelt, das die ureigensten Mittel von Theater bedient und somit keine negativen Erzählmuster reproduziert.“
Warum Gott nicht schüchtern ist
Beim Gott, auf den sich der Titel „Gott ist nicht schüchtern“ bezieht, handelt es sich um Baschar al-Assad. „Und der ist tatsächlich nicht gerade schüchtern“, sagt Sibylle Broll-Pape. „Amal, Youssef und Hammoudi stehen im Zentrum der Geschichte. Ihre Generation ist die erste, die nichts außer der totalen Herrschaft des Assad-Regimes kennt, das wie eine gottgegebene Ordnung auftritt. Mehr noch: Assad ist größer als Gott, zumindest suggeriert dies seine Omnipräsenz, und sei es in Form von Porträts, die in jedem Winkel des Landes hängen, wie Vogelscheuchen, die die Menschen ängstigen und vertreiben sollen. So heißt es im Roman.“
Am 28. Januar um 19:30 hat „Gott ist nicht schüchtern“ Premiere.
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Umfangreiches Jubiläumsprogramm in diesem Jahr
E.T.A. Hoffmann – „Unheimlich fantastisch“
Das Jahr 2022 steht im kulturellen Bamberg ganz unter dem Stern des Gedenkens an Ernst Theodor Amadeus Hoffmann. Dieser vielseitige Künstler verstarb am 25. Juni 1822. Anlässlich des 200. Todestages sind für dieses Jahr zahlreiche Veranstaltungen geplant.
E.T.A. Hoffmann hatte fünf Jahre in Bamberg verbracht, die ihn als Mensch und Künstler nachhaltig geprägt haben – darauf fußt die Verbundenheit des Künstlers mit dieser Stadt. Unter dem Titel „Unheimlich Fantastisch“ finden in diesem Jubiläumsjahr zahlreiche Veranstaltungen in den verschiedensten Kunstsparten statt, genauso facettenreich und spartenübergreifend wie der Komponist, Literat, Illustrator, Musikkritiker und Jurist einst arbeitete. Darüber informiert das Kulturamt der Stadt Bamberg.
In Bamberg werden Institutionen wie die Bamberger Symphoniker, das ETA Hoffmann Theater, die Otto-Friedrich-Universität Bamberg und freie Akteure der Kulturszene wie das Theater im Gärtnerviertel, der Rosengarten-Serenaden e.V., das Bamberger Marionettentheater und viele weitere in ihrem Jahresprogramm den Künstler aufnehmen oder thematisieren.
Das gesamte bundesweite Jahresprogramm wird maßgeblich von der Staatsbibliothek Berlin koordiniert und gestaltet. In Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek Bamberg und dem Freien Deutschen Hochstift wurde eine Wanderausstellung zu Leben und Werk Hoffmanns konzipiert. Die als Gesamtschau zu Hoffmann angelegte und an ein breites Publikum gerichtete Schau wird im Frühjahr zunächst im Bibliotheksmuseum der Staatsbibliothek zu Berlin Unter den Linden zu sehen sein. Vom 24.07. – 29.10.2022 wird die Ausstellung in Bamberg in der Staatsbibliothek ausgestellt sein. Ende November zieht die Ausstellung dann in das neue Romantik-Museum in Frankfurt am Main.
Sonderausstellung im E.T.A.-Hoffmann-Haus
Neben der ständigen Ausstellung ist in dieser Saison eine Auseinandersetzung zum Thema der Fantasie im Hoffmannschen Sinne zu sehen. Diese entsteht in Kooperation mit der Hegelwoche der Otto-Friedrich-Universität. Sowohl bildende Künstlerinnen und Künstler als auch Autorinnen und Autoren werden beauftragt, Werke beizusteuern, um so dem Wechselspiel von Denken und Fantasieren näher und dem Unergründlichen auf die Spur zu kommen. Das E.T.A.-Hoffmann-Haus öffnet zum 1. Mai 2022 seine Pforten.
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Auszeichnung für das ETA Hoffmann Theater
Audio-Walk „ETA: Zeige deine Stadt auf deine Weise“
Der Bundesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen hat das Audio-Walk-Projekt „ETA: Zeige deine Stadt auf deine Weise“ des ETA Hoffmann Theaters ausgezeichnet.
Unter der Leitung von Theaterpädagogin Saskia Zink hat das ETA Hoffmann Theater eine performative Bamberger Stadtführung, den Audio-Walk „ETA: Zeige deine Stadt auf deine Weise“, erschaffen. Zusammen mit dem ETA Hoffmann Theater, dem Zentrum Welterbe Bamberg und der Innovativen Sozialarbeit (iSo) e.V. haben Jugendliche im Frühling und Sommer 2021 die Stadtführung erarbeitet, vorgeführt und in eine digitale Kartenanwendung überführt.
Unter dem Motto „Kindheitserinnerungen“ leitet der Audio-Walk anhand von Audioaufnahmen Besucherinnen und Besucher durch die Stadt. Dabei geht es nicht in erster Linie um Sehenswürdigkeiten, sondern darum, wie die Jugendlichen die Stadt gesehen haben.
Unterstützung bekam das Projekt vom Deutschen Bühnenverein im Rahmen des Förderprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“. Und eine Auszeichnung gab es auch bereits. Der Bundesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen hat das Audio-Walk-Projekt „ETA: Zeige deine Stadt auf deine Weise“ des ETA Hoffmann Theaters als eines der zehn besten Projekte ausgezeichnet.
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ETA Hoffmann Theater
Adventscafé und Lesung
Am 19. Dezember feiert das ETA Hoffmann Theater den vierten Advent wieder mit einem Adventscafé und einer Lesung. Mit dem diesjährigen Motto können wahrscheinlich alle etwas anfangen: „Kurz vor Weihnachten geht doch immer was schief.“
Wer kennt das nicht? Weihnachten kommt Tag für Tag näher, aber Feiertagsentspannung will sich einfach nicht einstellen. Ganz im Gegenteil, es steigt der Stress. Man findet nicht rechtzeitig oder überhaupt keine passenden Geschenke, die Weihnachtsgans verbrennt im Ofen, es gibt Streit unter dem Weihnachtsbaum und so weiter.
Passend dazu veranstaltet das ETA Hoffman Theater am kommenden Sonntag um 15 Uhr in der Treffbar ein Adventscafé samt Lesung von Florian Walter. Das Motto der vorweihnachtlichen Veranstaltung lautet „Kurz vor Weihnachten geht doch immer was schief!“.
Theaterpädagogin Sophie Rintelmann, die das Adventscafé organisiert, hat das Motto ausgewählt,weil wahrscheinlich alle damit und mit Weihnachtsstress etwas anfangen können. „Jedes Jahr nimmt man sich vor”, sagt sie, „dieses Jahr schaffe ich es, das Fest ruhig anzugehen, ganz ohne Stress. Aber es kommt eben nie ganz so, wie man es sich vornimmt.“
Sie selbst hat auch Erfahrung mit Weihnachtsärger. „In meiner Kindheit hatten wir in der Familien mal einen vergünstigten Baum gekauft. Als wir ihn zuhause aufstellten, ist uns klar geworden, warum er billiger war. Er roch nach Gülle. Kurz gesagt: Wir mussten den Baum wieder rauswerfen.“
Auf dem Lese-Programm des Adventscafés stehen darum auch nur Geschichten, bei denen mottogemäß auch einiges schief geht. Welche Geschichten es genau sind, entscheidet Sophie Rintelmann am Sonntag spontan anhand der Alterstruktur der Kinder im Publikum.
Auf jeden Fall wird am vierten Adventssonntag ETA-Schauspieler Florian Walter auf der Bühne der ETA-Treffbar Platz nehmen und die Geschichten bei Punsch und Keksen vorlesen. Die Lesung ist für alle ab vier Jahren geeignet.
Der Eintritt zum Adventscafé ist frei, 15 Plätze stehen zur Verfügung. Zählkarten können an der Theaterkasse reserviert werden. Bei der Veranstaltung gilt aber 2G-Plus. Schnelltests kann das Publikum im Vorfeld in Theaternähe sonntags unter anderem in der Tourist-Info in der Geyerswörthstraße 5 machen.