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Fronleichnamsprozession

„Gegen Ängs­te und Angstmacher“

Fron­leich­nam in Bamberg

Erz­bi­schof Her­wig Gössl hat beim Fron­leich­nams­got­tes­dienst im Bam­ber­ger Dom vor einem Leben ohne Got­tes­be­zug gewarnt. Das Hoch­fest sei mehr als die Pfle­ge einer alten Tra­di­ti­on, sag­te Gössl am heu­ti­gen Don­ners­tag in sei­ner Pre­digt. Fron­leich­nam wer­de gefei­ert, „weil wir von dem Glau­ben getra­gen sind, dass Gott in unse­rem Leben und für unser Zusam­men­le­ben wich­tig ist“.

Die Bam­ber­ger Fron­leich­nams­pro­zes­si­on fin­det seit 1390 statt. Dabei wird das Aller­hei­ligs­te, von Tau­sen­den Gläu­bi­gen beglei­tet, durch die Alt­stadt getragen.

Aus­ge­hend von der bibli­schen Wüs­ten­wan­de­rung des Vol­kes Isra­el, erin­ner­te der Erz­bi­schof dar­an, dass Men­schen auf ihrem Lebens­weg nicht allein unter­wegs sei­en. Die 40 Jah­re dau­ern­de Wan­de­rung durch die Wüs­te habe das Volk gelehrt, „dass es ohne Gott ver­lo­ren ist“. Des­halb sol­le es sich an den gan­zen Weg mit sei­nen Ent­beh­run­gen, Gefah­ren und Zwei­feln erin­nern. Mit Blick auf die Gegen­wart kri­ti­sier­te Gössl die Vor­stel­lung, Wohl­stand und Sicher­heit mach­ten den Glau­ben über­flüs­sig. Eine Gesell­schaft, die Gott ver­ges­se, ver­lie­re letzt­lich Ori­en­tie­rung und Sinn.

Zugleich zog der Erz­bi­schof Par­al­le­len zur Geschich­te der Kir­che. Auch sie sei immer wie­der „ein Weg durch die Wüs­te gewe­sen“, beglei­tet von „Hun­ger und Durst, von gif­ti­gen Skor­pio­nen und allen mög­li­chen Sün­den“. Den­noch habe Chris­tus sei­ne Kir­che auf die­sem Weg beglei­tet und garan­tie­re so, dass kirch­li­ches Wir­ken zum Segen wird für die­se Welt, sag­te Gössl. Abschlie­ßend rief der Erz­bi­schof dazu auf, Fron­leich­nam als Anstoß für einen bewuss­te­ren Glau­ben zu ver­ste­hen. Wer mit Gott durchs Leben gehe, kön­ne „den Ängs­ten und den Angst­ma­chern heu­te und in Zukunft widerstehen“.

Nach dem Got­tes­dienst im Dom fand bei son­ni­gem Wet­ter die Pro­zes­si­on vom Dom über Mar­kus­platz, Holz­markt, Max­platz, Grü­ner Markt zurück zum Dom­platz statt. Tra­di­tio­nell reih­ten sich in den Zug zahl­rei­che ver­schie­de­ne Grup­pen und Orga­ni­sa­tio­nen ein: die Pfar­rei­en mit ihren Geist­li­chen und den Minis­tran­ten, die Rit­ter­or­den, die Ordens­frau­en, Mit­glie­der der Räte und Gre­mi­en, die Hono­ra­tio­ren aus Stadt und Land­kreis Bam­berg sowie die Bru­der­schaf­ten, Innun­gen und Ver­ei­ne, die das Erbe der Zünf­te pfle­gen, dar­un­ter die tra­di­ti­ons­rei­chen Bam­ber­ger Gärt­ner und vie­le mehr. Bei der Pro­zes­si­on wer­den auch die Mari­en­sta­tu­en der Pfarr­kir­chen Unse­re Lie­be Frau und St. Mar­tin sowie die his­to­ri­schen Pro­zes­si­ons­stan­gen mit­ge­tra­gen. In der Mit­te der Pro­zes­si­on wur­de das Dom­kreuz, ein etwa 600 Kilo­gramm schwe­res reich ver­zier­tes Reli­qui­en­kreuz, von 18 Män­nern getragen.

Die Ein­füh­rung der Pro­zes­si­on in Bam­berg geht auf Bischof Lam­precht von Brunn zurück, der im Jahr 1390 ein Fest zur Ehre des Lei­bes Chris­ti mit Pro­zes­si­on unter Teil­nah­me des Kle­rus des Domes und der Stifts­kir­chen anord­ne­te. Dabei wur­de das Aller­hei­ligs­te mit­ge­tra­gen – jedoch nur durch den Dom in die Alte Hof­hal­tung und zurück. Sta­tio­nen auf dem Weg sind erst ab dem 16. Jahr­hun­dert über­lie­fert. In der Barock­zeit ent­wi­ckel­te sich die gro­ße Fron­leich­nams­pro­zes­si­on, zu der ein hand­schrift­li­ches Zere­mo­nien­buch aus dem Jahr 1730 vor­liegt. Das Dom­ka­pi­tel führ­te 1822 die gro­ße, vom Dom aus­ge­hen­de Pro­zes­si­on mit ihrem lit­ur­gi­schen Ablauf und den teil­neh­men­den Grup­pen ein. Bis heu­te prägt die Fron­leich­nams­pro­zes­si­on die Bischofs­stadt Bam­berg und ist Teil ihres reli­giö­sen und kul­tu­rel­len Erbes.