Impfzentrum und Hausärzte beflügeln Impfquote
Kurve der Corona-Schutzimpfungen in der Region Bamberg steigt
Direkt zu Beginn der Koordinierungsgruppe Corona von Stadt Bamberg und Landkreis Bamberg gab es eine positive Nachricht: Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, die in der Region mit Impfstoff versorgt werden, haben in der vergangenen Woche deutlich zum Vorankommen bei den Corona-Schutzimpfungen beigetragen. Neben dem Impfzentrum Bamberg – inklusive seiner mobilen Impfteams – sowie den dezentralen Impfstationen im Landkreis hat sich damit eine stabile Impf-Infrastruktur etabliert.
Diese Woche werden voraussichtlich 6000 Menschen ihre Impfung erhalten. Das Impfzentrum hat seine Kapazitäten ausgebaut und kann prinzipiell bis zu 1.300 Impfungen pro Tag ermöglichen, sofern ausreichend Impfstoff geliefert wird.
Ebenfalls gute Nachrichten gibt es in Hinblick auf die Schnelltests: Die Schulen in Stadt und Landkreis sind aktuell gut ausgestattet und es wurden bereits neue Schnelltests nachgeordert. Darüber hinaus nimmt die Bevölkerung das bestehende Schnelltestangebot an den verschiedenen Teststellen in Stadt und Landkreis sehr gut an. Seit vergangenem Donnerstag fährt zudem der Bamberger Schnelltest-Bus verschiedene Stadtteile an und wird von den Bürgerinnen und Bürgern gerne genutzt: Ursprünglich auf 70 Tests pro Tag ausgelegt, wurden bereits 90 pro Tag durchgeführt.
Belegungszahlen in den Krankenhäusern sind wieder gestiegen
Generell gilt: Bei einer Inzidenz über 100 ist für den Großteil des Einzelhandels Terminshopping („Click & Meet“) möglich. Zusätzlich benötigen Kunden einen negativen Corona-Test. Dies kann ein PCR-Test (gilt für 48 Stunden) oder ein POC-Test/Schnelltest (gilt für 24 Stunden) sein. Ebenfalls möglich ist ein einfacher Selbsttest unter „Aufsicht“ des Verkaufspersonals. Jedes dieser negativen Testergebnisse – auch, wenn es zum Beispiel beim Arbeitgeber durchgeführt wurde – ist gültig und kann vorgezeigt werden.
Landrat Johann Kalb und Oberbürgermeister Andreas Starke sind sich einig: „Die Kombination einer guten Impf- und Testinfrastruktur ist in der aktuellen Pandemie-Lage das Mittel der Wahl. Wir hoffen weiterhin, dass die Versorgung mit Impfstoff in den kommenden Wochen anhält.“ Dies sei umso wichtiger, da die Anzahl der Neuinfektionen weiterhin zunimmt und die Belegungszahlen in den Krankenhäusern wieder gestiegen sind. Zudem liegt der Anteil von Mutationen mittlerweile bei drei Viertel aller Infektionen, in der Woche vorher waren es noch zwei Drittel.
Das Gesundheitsamt ist zwischenzeitlich technisch so ausgestattet und eingerichtet, dass die Luca-App nutzbar ist. Nun können Gastronomie, Einzelhandel und kulturelle Einrichtungen bereits beginnen, ihre jeweiligen Örtlichkeiten in der App zu registrieren.
Weitere Informationen
Hier kann man sich testen lassen:
Testzentrum am Sendelbach (ohne Anmeldung):
Am Sendelbach 15
96050 Bamberg
Schnelltests: Montag bis Sonntag, 15 bis 19 Uhr
PCR-Tests: Montag bis Donnerstag, 15 bis 19 Uhr
Schnelltestzentrum Bamberg:
Promenadenstraße 6a (ehemals Stadtwerke-Infopoint)
96047 Bamberg
Montag bis Samstag, 9 bis 15 Uhr
Termine nur nach Anmeldung unter https://corona-schnelltest-bamberg.de/
Abstrichstelle Scheßlitz:
Oberend 32 (alter Nettomarkt)
96110 Scheßlitz
Schnelltests und PCR-Tests: Montag bis Donnerstag, 9 bis 13 Uhr
Freitag 9 bis 12.30 Uhr
Schnelltest-Bus Bamberg (ohne Anmeldung, mit Ausweis):
Dienstag
9.30 bis 11 Uhr Gartenstadt/Kunigundenschule
12.30 bis 14 Uhr Kramersfeld-Bruckertshof/Wendeplatte an der Kemmerstraße
Mittwoch
9.30 bis 11.00 Uhr Gaustadt/Wendeplatte am Sylvanersee
12.30 bis 14.00 Uhr Gereuth/Wunderburg Grünfläche am Wolfgangsplatz
Donnerstag
9.30 bis 11.00 Uhr Bamberg Ost/Weißenburgstraße/Haltstelle Kantstraße
12.30 bis 14.00 Bamberg Ost/Unterer Parkplatz vor dem Fuchsparkstation
Freitag
9.30 bis 11.00 Uhr Bamberg-Südwest/Parkbucht nach der Haltestelle St. Urban
12.30 bis 14 Uhr Bamberg Bug/Parkplatz gegenüber Hotel Buger Hof
Zudem bieten im Landkreis Bamberg fast alle Gemeinden und zahlreiche Apotheken, auch in der Stadt, Schnelltests an. Informationen hierzu sind auf den Internetseiten des Landkreises und der Stadt Bamberg zu finden.
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Impf-Kampagne
Dr. Klaus Weiner, Leiter des Bamberger Impfzentrums, im Interview
Es hat ein wenig gedauert, aber so langsam beschleunigt sich die nationale Impfkampagne zur Bekämpfung des Corona-Virus. So auch in Oberfranken. Wir haben mit Dr. Klaus Weiner, dem ärztlichen Leiter des Bamberger Impfzentrums, über den Stand der Impfungen in Bamberg, den gebeutelten Impfstoff von AstraZeneca und die bundesweite Impfkampagne gesprochen.
Das Bamberger Landratsamt verzeichnet knapp 25.000 Erstimpfungen und knapp 15.000 Zweitimpfungen (Stand 6. April). Wie zufrieden sind Sie mit diesen Zahlen? Könnte man schon mehr Menschen geimpft haben oder ist man nah am möglichen Maximum?
Klaus Weiner: Trotz der durch uns nicht zu beeinflussenden Gegebenheiten, wie zeitweise unsichere Impfstoffversorgung, bis hin zu ausgebliebenen Lieferungen, ist es uns gelungen, einem Großteil der teils immobilen Bewohner in sämtlichen Pflegeeinrichtungen in Stadt und Landkreis sowie dem Pflegepersonal zeitnah ein Impfangebot zu machen. Ebenso konnte die überwiegende Mehrzahl der in der sogenannten Priorisierungsstufe 1 gelisteten anderen Impfwilligen mindestens mit der ersten, teilweise bereits mit der zweiten Impfdosis versehen werden. Darüber hinaus wird bereits die viel breitere Stufe 2 abgearbeitet. Insofern sind wir mit dem Geleisteten erstmal nicht unzufrieden. Was wir zur Verfügung hatten, wurde verimpft. Natürlich wäre unter etwas günstigeren Voraussetzungen ein höheres Tempo möglich gewesen. Den Mangel verwalten mussten wir – auch wenn die Politik den “Turbo” einfordert.
Woran liegt das zu langsame Vorankommen?
Klaus Weiner: Wie schon benannt: Durch teils schleppende Impfstoffversorgung, aber auch durch zeitraubenden bürokratischen Aufwand. Zu bedenken ist aber auch: Wir hatten eine Vielzahl von sehr alten Menschen mit all ihren Einschränkungen, wie erschwerte Kommunikation, Mobilität, mühevollem zeitraubenden Aus- und Ankleiden im Winter, zu versorgen.
Gibt es ein Ziel, wie viele Menschen im Bamberger Impfzentrum geimpft werden sollen? Wie groß ist sozusagen sein Einzugsgebiet?
Klaus Weiner: Unser Einzugsgebiet ist Stadt und Landkreis Bamberg mit etwa 200.000 Einwohnern. Unser Ziel ist kein anderes, als das von der Politik Versprochene: Allen Impfwilligen ein realistisch zeitnahes Impfangebot zu machen.
Wie viele Leute haben Sie bereits persönlich geimpft?
Klaus Weiner: Viele, sicher im vierstelligen Bereich.
Andere Impfzentren mussten bereits vorübergehend geschlossen werden, weil kein Impfstoff nachgeliefert wurde. Ist auch das Bamberger Impfzentrum dieser Gefahr ausgesetzt?
Klaus Weiner: Nein, zumal die Versorgungslage wohl zunehmend besser werden dürfte – laut Politik ab Mitte April.
Der Impfstoff von AstraZeneca stand zuletzt mehrfach in der Kritik aufgrund möglicher gefährlicher Nebenwirkungen. Können Sie die Kritik nachvollziehen?
Klaus Weiner: Die Verunsicherung und Ängste, hervorgerufen durch die Entwicklung der vergangenen Wochen, kann ich sehr gut nachvollziehen und verstehen. Potentiell sehr schwerwiegende Folgen im Bereich des Gerinnungssytems sind beschrieben. Es handelt sich um eine immunologisch bedingte Aktivierung der Blutplättchen. Eine seltene genetische Disposition scheint auch eine Rolle zu spielen. Diese Thrombose-Entstehung geschieht auf einem völlig anderen Weg als eine “normale” Thrombose-Entwicklung. Das ist der Kenntnisstand vom 11. April 2021. Aber: Sie ist sehr selten. Eine Eingrenzung auf bestimmte Altersgruppen konnte festgestellt werden. Es gibt eine gute Behandlungsmöglichkeit bei frühzeitiger Diagnose. Die Zulassungsorgane auf europäischer Seite, die EMA, und auf deutscher, das Paul-Ehrlich-Institut und die Ständige Impfkommission, haben reagiert und eine Neubewertung der Risikoabwägung vorgenommen. Dies ist ein Beweis für das Greifen unserer hohen Sicherheitsstandards. Die kommunikative Vermittlung aller bekannten Tatsachen und Begründung, der daraus folgenden Konsequenzen seitens genannter Organe, war jedoch nicht immer ausreichend und eindeutig. Sowohl Politik als auch Presse haben hier große Verantwortung.
Wird AstraZenaca in Bamberg verimpft?
Klaus Weiner: Ja, wir nutzen alle verfügbaren Impfstoffe.
Wie stehen die Impflinge dem Impfstoff gegenüber? Gibt es Bedenken?
Klaus Weiner: Natürlich gibt es diese. Wir haben hier einen besonders großen Aufklärungs- und Erklärungsbedarf.
Welche sind die Risiken bei BionTech, Johnson & Johnson und Moderna?
Klaus Weiner: Wie bei allen Impfstoffen sind sehr selten auftretende Allergien zu berücksichtigen. Die Anwendung von Johnson & Johnson ist in USA aktuell, Stand 13.April, gestoppt. Es erfolgt derzeit keine Auslieferung nach Europa. Der Grund sind einzeln aufgetretene Sinusvenenthrombosen, ähnlich wie bei AstraZeneca. Diese werden derzeit untersucht und bewertet. Aber zugelassen ist dieser Impfstoff in Deutschland ohnehin noch nicht.
Klären Sie vor der Impfung über Risiken auf?
Klaus Weiner: Selbstverständlich, ja.
Was passiert, wenn Impflinge einen bestimmten Impfstoff nicht und dafür einen anderen wollen? Sind Sie flexibel und verabreichen dann spontan einen anderen? Oder muss ein neuer Impftermin angesetzt werden?
Klaus Weiner: Eine Wahlmöglichkeit nach Wunsch ist nicht vorgesehen. Besteht aber eine medizinische Begründung, einen anderen Impfstoff als den vorgesehenen zu verabreichen, wird zeitgleich – vorbehaltlich der Verfügbarkeit – umgestellt. Ansonsten ist eine Neuterminierung notwendig.
Wie können sich Menschen, die womöglich nicht über Internetzugang verfügen, im Vorfeld informieren?
Klaus Weiner: Wer die Tagespresse aufmerksam verfolgt, hat zumindest eine grundlegende Ahnung.
Kann man sich auch darüber informieren, welcher Impfstoff der passendste bei welcher medizinischen Vorgeschichte ist?
Klaus Weiner: Grundsätzlich ja, aber unkritische Laienbewertung kann große Unsicherheit und Fehleinschätzung hinterlassen. Ein Arztgespräch ist darum unverzichtbar!
Die Bundesregierung hat das Versprechen abgegeben, allen Bürger*innen bis September ein Impfangebot zu machen. In der Bevölkerung machen sich im Angesicht des langsamen Impffortschritts aber immer stärkere Zweifel an der Einhaltung dieses Versprechens breit. Wie steht es um Ihre Zweifel oder Ihren Glauben an dieses Versprechen?
Klaus Weiner: Versprechen zu bewerten, sehe ich nicht als meine Aufgabe. Wir sind durch verbesserte Abläufe schneller geworden und könnten durch Erweiterung der Impfstraßen womöglich noch an Geschwindigkeit zulegen.
Wie müsste die Impfstrategie geändert werden, um sie zu beschleunigen?
Klaus Weiner: Ein Abbau bürokratischer Erschwernisse sowie allzu stringenter Handhabung der Priorisierungsvorgaben wäre eine Möglichkeit.
Was halten Sie von der jüngst begonnenen Ausweitung der Impf-Kampagne auf Arztpraxen?
Klaus Weiner: Ich finde sie absolut notwendig! Anders können zum Beispiel immobile, häuslich gepflegte, dringend Impfbedürftige nicht in erforderlicher Anzahl versorgt werden.
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Corona
Impfzentrum impft sieben Tage die Woche – 90 Prozent der Über-80-Jährigen erstgeimpft
Andreas Starke, Oberbürgermeister der Stadt Bamberg, und Johann Kalb, Landrat des Landkreis Bamberg, zeigen sich zufrieden mit der derzeitigen Impfstoffbelieferung. Das Impfen im Impfzentrum Bamberg und dezentral im Landkreis läuft auf Hochtouren.
„Seit dem vergangenen Wochenende wird an sieben Tagen die Woche im Impfzentrum Bamberg geimpft. Diese erfreuliche Entwicklung mit 1.000 Terminen für den heutigen Dienstag ist möglich, weil sich die Impfstofflieferungen auf hohem Niveau einpendeln“, so Oberbürgermeister Andreas Starke nach der heutigen Sitzung des Corona-Krisenstabs. Landrat Johann Kalb ergänzt: „Zusammen mit den dezentralen Impfungen im Landkreis können wir diese Woche so auf 7.000 Erstimpfungen kommen.“ Mit Blick auf die hohe Impfrate der über 80-Jährigen und immobilen Patienten, die zuhause gepflegt werden, wurde dazu aufgerufen, wer sich in dieser Impfgruppe noch nicht registriert habe, sich beim Impfzentrum oder beim Hausarzt zu melden. Ansonsten schreite die Impfung der von der Ständigen Impfkommission definierten Prio Gruppe 2, angeführt von den über-70-Jährigen voran.
Wichtig, auch bei schönem Wetter Sicherheitsabstände und Maskenpflicht zu beachten
Kritisch fiel der Blick auf die Entwicklung des regionalen Infektionsgeschehens aus. Wie vom Fachbereich Gesundheitswesen am Landratsamt Bamberg am vergangenen Freitag prognostiziert, liegen die 7‑Tage-Inzidenzen für Stadt und Landkreis am heutigen Dienstag bei 112,4 beziehungsweise 118,9. Der Anteil der hochansteckenden Mutationen liege mittlerweile bei Zweidritteln. Vor diesem Hintergrund sei die Entscheidung, aus Gründen des Gesundheitsschutzes wegen der steigenden Tendenz der Infektionszahlen Distanzunterricht für die Schulen und Notbetreuung für die Kindertagesstätten anzuordnen, richtig gewesen.
Im Krisenstab wurde zudem darauf hingewiesen, dass es gerade auch wegen der hochansteckenden Mutationsvarianten wichtig sei, bei schönem Wetter Sicherheitsabstände und Maskenpflicht in Bambergs Innenstadt zu beachten. Die Polizei wird ihre Kontrollen zum Schutz der Menschen weiter fortführen.
In diesem Zusammenhang wiesen die Leitungen der Landkreiskliniken sowie des Klinikums Bamberg darauf hin, dass nach wie vor die Intensivbettenkapazität für Covid-Patienten hoch ausgelastet sei – auch durch Zubelegungen aus anderen Landkreisen. Insgesamt befänden sich 40 Personen im Klinikum Bamberg und den beiden Kliniken der Gemeinnützigen Krankenhausgesellschaft des Landkreises, davon 15 auf den jeweiligen Intensivstationen. Dabei handele es sich nicht mehr – wie in der Anfangszeit der Pandemie – um ältere und hochaltrige Patienten.
Der Ausbau der Schnelltestinfrastruktur schreite zügig voran, so Bambergs Oberbürgermeister. Um sicherzustellen, dass möglichst nur getestete Bürgerinnen und Bürger in den Innenstadtbereich einfahren, seien im Betrieb der HTK (Hygiene Technologie Kompetenzzentrum GmbH), einer Tochter der Sozialstiftung Bamberg, vier weitere große Testzentren in Planung: im Bereich der Park&Ride-Parkplätze Würzburger Straße, Kronacher Straße und Heinrichsdamm sowie im Eingangsbereich des Erlebnisbades „Bambados“ an der Pödeldorfer Straße. Bürgermeister Glüsenkamp betonte, dass vor dem Hintergrund der Bewerbung Bambergs als Modellregion eine leistungsstarke, flächendeckende Testinfrastruktur wichtiges Standbein sei. Dazu passe auch der mobile Schnelltestbus, der ab 15. April in Bambergs Stadtteilen bürgernahes Schnelltesten ermögliche. Bislang seien in den Landkreisgemeinden 10.000 Schnelltests durchgeführt worden. Die Kommunen wollten das Angebot schrittweise ausbauen und auch ein Schnelltestbus sei für den Landkreis geplant, ergänzte Landrat Kalb.
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Dr. Klaus Weiner im Interview
„AstraZeneca ist hochwirksam“
Seit zwei Monaten ist Dr. Klaus Weiner Ärztlicher Leiter am Impfzentrum Bamberg in der Brose-Arena. Im Interview mit der Stadt Bamberg beantwortet er die wichtigsten Fragen zum AstraZeneca-Impfstoff.
Sehr geehrter Herr Dr. Weiner, wirkt AstraZeneca besser oder schlechter als andere Impfstoffe?
Dr. Klaus Weiner: Alle zugelassenen Impfstoffe sind hochwirksam und sicher, AstraZeneca macht da keine Ausnahme. Die Zulassungsstudien deuten zunächst auf eine 70%ige Wirksamkeit hin. Dies schien, gemessen an 95% bei BionTech und 94% bei Moderna, zunächst einmal niedriger und somit „schlechter“ wirksam. Nach millionenfacher Verimpfung in Großbritannien zeichnet sich jedoch ein anderes Wirksamkeitsprofil ab: Das Risiko für einen Klinikaufenthalt wird laut einer schottischen Studie bereits nach Verabreichung der ersten Impfdosis um 94% reduziert. Bei BionTech sind es „nur“ 85%. Daraus ist ersichtlich, dass man sich bei der Beurteilung von „besser oder schlechter“ nicht nur auf eine Zahl verlassen sollte. Abschließende Daten liegen leider naturgemäß noch nicht vor.
Wie verhält es sich mit Impfreaktionen und Nebenwirkungen?
Dr. Klaus Weiner: Impfreaktionen sind bei AstraZeneca etwas häufiger, zumal bei jüngeren Personen das Immunsystem noch stärker reagiert als bei älteren Menschen. Eine Reaktion auf die Impfung ist zwar unerwünscht, spricht aber für eine gute Immunantwort und ist harmlos.
Vielleicht noch eine Unterscheidung zur Klärung: Unspezifische Symptome nach einer Impfung wie leichtes Fieber, Gliederschmerzen, oder Kopfschmerzen sind keine Nebenwirkung einer Impfung, sondern eine Impfreaktion. Diese Reaktionen sind Ausdruck der erwünschten Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff und klingen in der Regel nach wenigen Tagen komplett ab. Nebenwirkungen sind schwere und anhaltende Impfkomplikationen oder ‑schäden.
Warum steht der Impfstoff in der Kritik?
Dr. Klaus Weiner: Der Hauptgrund dürfte sein, dass die Zulassung in Deutschland durch die verantwortlichen Stellen zunächst nur für 18- bis 65-Jährige erfolgte und die Begründung nur schlecht erklärt wurde. Nämlich: In den zur Zulassung führenden Studien war nur die angesprochene Altersgruppe vertreten, es lagen also keinerlei Daten für Ältere und Jüngere vor. Folgerichtig erfolgte die Zulassung nur für den getesteten Personenkreis. Dies unterstreicht nur den hohen Sicherheitsstandard, auf den wir in Deutschland zurecht stolz sein können. Aufgrund neuer, aktueller Datenerhebung ist die Altersbeschränkung für über 65-Jährige bereits aufgehoben. Weitere Gründe für den Vorbehalt gegen diesen Impfstoff liegen wohl in dem schwierigen, für einen Laien schwer nachvollziehbaren Wirksamkeitsnachweis, wie oben beschrieben.
Gibt es Studien, die beweisen, dass AstraZeneca besser als sein Ruf ist?
Dr. Klaus Weiner: Eine von schottischen Universitäten für die schottischen Gesundheitsbehörden erstellte Studie wurde jüngst veröffentlicht (Preprint im LANCET, Universität Edinburgh: „Effectiveness of First Dose of Covid-19 Vaccines Against Hospital Admissions in Scotland: National Prospective Cohort Study of 5.4 Million People“). Eine weitere englische Studie („Public Health England“), kommt zu folgendem Ergebnis: Ältere (Priorisierungsstufe 1 entsprechend) haben bei BionTech und AstraZeneca einen vergleichbaren Schutz. Die Zweitimpfung mit AstraZeneca erfolgt im Übrigen nach vier bis zwölf Wochen.
Wie verhält es sich mit der Ansteckungsgefahr für andere nach einer Impfung mit AstraZeneca?
Dr. Klaus Weiner: Noch gibt es dazu keine belastbaren Daten, diese müssen in weiteren Studien erhoben werden. Dafür reicht der seit Impfbeginn verstrichene Zeitrahmen nicht aus.
Was sagen Sie Menschen, die den Impfstoff ablehnen?
Dr. Klaus Weiner: AstraZeneca ist kein Impfstoff „zweiter Klasse“, er ist hoch wirksam und sicher.
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Corona
40 Prozent der Gruppe 1 in Stadt und Landkreis Bamberg erstgeimpft
Das Impfzentrum Bamberg will bei stabiler Bereitstellung von Impfstoff in den Teilen des Landkreises, die weiter als 15 Kilometer von der Stadt Bamberg entfernt sind, dezentrale Impfangebote unterbreiten. Diese ersten Überlegungen stellte Dr. Tobias Pfaffendorf von der Sozialstiftung Bamberg am Dienstag in die Koordinierungsgruppe Corona vor, wie Stadt Bamberg und Landkreis Bamberg mitteilen. Ein konkretes Konzept, das auch auf die Infrastruktur in einzelnen Gemeinden baut und bei dem Impfungen von 300 bis 500 Personen pro Termin möglich sein sollen, wollen die Verantwortlichen des Impfzentrums in der kommenden Woche vorstellen.
Die Mitglieder der Koordinierungsgruppe diskutierten unter der Leitung von Landrat Johann Kalb und Bürgermeister Jonas Glüsenkamp auch über das Infektionsgeschehen, über die Auswirkungen der Inzidenzwerte auf Ausgangssperren und Bildungseinrichtungen. „Wir wollen der Bevölkerung im Landkreis kurze Wege für die Impfungen anbieten und gleichzeitig so viele Impfungen durchführen wie Impfstoff zugeteilt wird“, dankte Landrat Kalb für das Grobkonzept für dezentrale Impfungen.
Aus dem Bericht des Impfzentrums ging weiter hervor, dass inzwischen rund 40 Prozent der ersten Gruppe – Über-80-Jährige, Ärzte, Pflegepersonal, unter anderem – erstgeimpft sind. Sofern die Bereitstellung des Impfstoffes von AstraZeneca sich so fortsetzt, wie in den letzten Tagen, kann in der ersten Märzhälfte mit der Impfung der Gruppe der zweiten Priorität der unter 65-Jährigen – der Impfstoff ist nur bis zu diesem Alter zugelassen – gestartet werden. Deshalb wird eine Registrierung im Impfportal Bayern empfohlen (https://impfzentren.bayern/).
Inzidenzwerte wirken sich auf Ausgangssperren und Bildungseinrichtungen aus
„Die Pflegeheime bereiten uns weiter Sorgen“, so die Leiterin des Fachbereiches Gesundheitswesen beim Landratsamt Bamberg, Dr. Susanne Paulmann. In einer Einrichtung ist rund ein Drittel des Heimes infiziert. Auch in anderen Fällen gebe es Ausbruchsgeschehen, die bisher milde verlaufen. In neun Einrichtungen gibt es einzelne Infektionen. Größere Sprünge der Inzidenzwerte seien derzeit auf das Infektionsgeschehen in Alten- und Pflegeheimen zurückzuführen.
Der Sieben-Tage-Inzidenzwert hat seit der letzten Änderung der 11. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung direkte Auswirkungen auf Ausgangssperre und den Betrieb von Bildungseinrichtungen. Unterschreitet der Inzidenzwert mindestens sieben Tage die Marke von 100, dann entfällt die Ausgangssperre. Schulen und Kitas öffnen dann in der für die jeweilige Einrichtung vorgesehenen eingeschränkten Form. In der Stadt Bamberg liegt der letzte dreistellige Inzidenzwert bereits länger als sieben Tage zurück. Im Landkreis überschritt der Wert zuletzt am vergangenen Freitag die 100er-Marke. Bleibt der Wert unter 100, dann entfällt die Ausgangssperre ab kommendem Samstag. Maßgeblich ist hierfür der Inzidenzwert des Robert-Koch-Institutes, der auch auf den Homepages von Stadt und Landkreis veröffentlicht wird. Überschreitet der Inzidenzwert erneut die 100-er-Marke, dann gelten ab dem Folgetag die Ausgangssperre und die zusätzlichen Beschränkungen für die Schulen. Entscheidend dabei ist der Standort der Schule und nicht der Wohnort der Schülerinnen und Schüler.
Leichte Entspannung gibt es in den Kliniken von Stadt und Landkreis: In Summe hat die Zahl der infizierten Patienten die Marke von 50 unterschritten. Nach wie vor müssen ein Dutzend Personen intensivmedizinisch behandelt werden.
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Ärztlicher Leiter Impfzentrum Bamberg
Dr. Klaus Weiner im Interview
Seit zwei Wochen ist der Bamberger Arzt Dr. Klaus Weiner der ärztliche Leiter des Impfzentrums Bamberg. Wir haben mit dem Mediziner über die tägliche Arbeit im Impfzentrum, Impfstoffengpässe und Impfskepsis gesprochen.
Herr Dr. Weiner, wie sieht Ihre tägliche Arbeit im Impfzentrum aus?
Klaus Weiner: Morgens habe ich eine kurze Besprechung zum Informationsaustausch mit unserer Verwaltungsleitung über die tagesaktuelle Situation. Wie viele Impfstoff-Dosen haben wir vorrätig, wie sieht die personelle Einteilung der Teams aus, wie die anstehende Versorgung stationärer Einrichtungen nach eingegangenen Meldezahlen? Dann beginnt die aktive Beteiligung an der Impflogistik, mit anderen Worten, wir impfen – ambulant oder im Zentrum. Weitere tägliche Aufgaben bestehen in Mitarbeitergesprächen, zum Beispiel über Vorgehensweise bei Problemimpfungen. Am Abend halte ich wieder mit der organisatorischen Leiterin ein Tagesresümee.
Wie viele Leute wurden im Bamberger Impfzentrum bereits geimpft?
Klaus Weiner: Zum 21. Januar hatten wir über 3.000 Erstimpfungen in Pflegeeinrichtungen und über 1.000 im Impfzentrum. Die Zweitimpfungen sind auch schon angelaufen.
Liegen Sie mit diesen Zahlen im Plan oder hätten bereits mehr Leute geimpft werden können?
Klaus Weiner: Wir liegen ganz gut im Plan, wurden zeitweise aber durch Impfstoffverknappung und durch sehr kurzfristig abgesagte Lieferung zugesagter – und verplanter – Dosen sozusagen ausgebremst.
Im IZ sollen bis zu 600 Impfungen täglich möglich sein. Erreichen Sie diese Zahl? Ist genügend Impfstoff vorhanden oder ist auch Bamberg von Engpässen im Nachschub betroffen?
Klaus Weiner: Bei Vollauslastung aller sechs Impfstraßen ist diese Zahl rechnerisch im Idealfall wohl denkbar, realistisch würde meine Einschätzung aber darunter liegen. Wir arbeiten mit Menschen, deren individuelle Gegebenheiten, Ängste, Reaktionen, Einschränkungen – aktuell impfen wir viele über 80-Jährige – wir zu berücksichtigen haben. Engpässe gab es natürlich, auch die Zuordnungslogistik, wie die Vorplanung und Bereitstellung der Zweitdosis nach drei Wochen, bei noch ungewisser Nachlieferung, ist eine Herausforderung, die ein quasi tagesaktuelles Nachjustieren erfordert.
Welcher Impfstoff wird im Bamberger IZ verwendet?
Klaus Weiner: Bislang verwenden wir ausschließlich den Impfstoff von BioNTech/Pfizer.
Lässt sich einschätzen, wie ausgeprägt Impfbereitschaft beziehungsweise Impfskepsis in der Region sind?
Klaus Weiner: Das ist schwer einzuschätzen. Wir sehen nur die Impfwilligen. In der stationären Pflege ist der Anteil des impfwilligen Pflegepersonals aber teils noch bedrückend niedrig.
Welche Botschaft würden Sie Impfskeptikerinnen und ‑skeptikern übermitteln?
Klaus Weiner: Informieren Sie sich! Nutzen Sie seriöse Quellen. Suchen Sie nicht nur nach Aussagen meist zweifelhafter Kompetenz, die die eigene Skepsis bestärken. Und im Allgemeinen sollten die Leute zur Kenntnis nehmen, dass tod- und leidbringende Erkrankungen nur durch konsequente Impfstrategien verhindert oder sogar ganz eliminiert werden konnten. Beispiele hierfür sind die Pocken, Diphterie, Kinderlähmung, Wundstarrkrampf oder Hirnhautentzündung. Wir besitzen eine scharfe Waffe, dieses Virus zu bekämpfen: Eine wirksame und sichere Impfung.
Ohne ein gewisses Grundvertrauen in evidenzbasierte Medizin werden wir diese, uns alle betreffende, lebensverändernde Pandemie nicht beherrschen. Dieses Virus tötet, täglich.