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Lebenshilfe Bamberg

Ste­gau­rach beschließt tarif­li­che Fest­an­stel­lung von zwei lang­jäh­ri­gen integra-Mitarbeitern

Gemein­de Ste­gau­rach setzt ein star­kes Zei­chen für Inklusion

Die Gemein­de Ste­gau­rach beweist seit zwei Jahr­zehn­ten, dass Inklu­si­on kein Lip­pen­be­kennt­nis ist, son­dern kon­kret gelebt wer­den kann. Bereits vor 20 Jah­ren hat der Gemein­de­rat mit inte­gra MENSCH, einem Bereich der Lebens­hil­fe Bam­berg, zwei Arbeits­plät­ze im kom­mu­na­len Bau­hof ein­ge­rich­tet. Nun folgt der nächs­te logi­sche Schritt: die Über­nah­me zwei­er Beschäf­tig­ter in regu­lä­re sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Arbeits­ver­hält­nis­se – ermög­licht durch das „Bud­get für Arbeit“.

Ein star­kes Zei­chen sen­de­te dabei der Gemein­de­rat mit einem ein­stim­mi­gen Beschluss: Über Par­tei­gren­zen hin­weg wur­de die Maß­nah­me als weg­wei­send unter­stützt. „Das ist doch auf jeden Fall eine Auf­wer­tung für den Men­schen“, brach­te es Gemein­de­rat Gert Lech­ner (CSU) auf den Punkt. Die bei­den Mit­ar­bei­ten­den – Chris­ti­an Fuchs und Donald Wohn­fur­ter – waren bereits über vie­le Jah­re hin­weg über das inte­gra MENSCH-Paten­schafts­mo­dell im Bau­hof beschäf­tigt. Mit dem Schritt in die regu­lä­re Anstel­lung erhal­ten sie nun tarif­li­chen Lohn, vol­le Arbeit­neh­mer­rech­te und ech­te beruf­li­che Per­spek­ti­ven. Bun­des­weit gelingt die­ser Über­gang bis­lang weni­ger als einem Pro­zent der Werk­statt­be­schäf­tig­ten – umso bemer­kens­wer­ter ist der Erfolg des Ste­gau­ra­cher Modells.

Ein ent­schei­den­der Part­ner auf die­sem Weg ist der Bezirk Ober­fran­ken, der das Pro­jekt von Beginn an enga­giert beglei­tet. Bei der offi­zi­el­len Ver­trags­un­ter­zeich­nung am 25. Juni unter­strich Bezirks­tags­prä­si­dent Hen­ry Schramm die Bedeu­tung des „Bud­gets für Arbeit“: „Wer wie Chris­ti­an Fuchs oder Donald Wohn­fur­ter mit einem Werk­statt­an­spruch auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt wech­selt, bekommt durch das Bud­get für Arbeit eine ech­te Chan­ce auf Selbst­stän­dig­keit. Wir unter­stüt­zen die­se Ent­wick­lung mit aller Kraft – denn Teil­ha­be am Arbeits­le­ben ist ein Menschenrecht.“

Das För­der­instru­ment gleicht behin­de­rungs­be­ding­te Unter­stüt­zungs­be­dar­fe durch Lohn­kos­ten­zu­schüs­se aus – und ermög­licht Arbeit­ge­bern Pla­nungs­si­cher­heit. Das bewähr­te Paten­sys­tem von inte­gra MENSCH sorgt wei­ter­hin für per­sön­li­che Unter­stüt­zung und sta­bi­le Struk­tu­ren im betrieb­li­chen Alltag.

Bau­hof­lei­ter Ste­fan Reck hebt den Mehr­wert für das Team her­vor: „Chris­ti­an und Donald sind eine ech­te Berei­che­rung. Sie sind enga­giert, zuver­läs­sig und brin­gen gute Lau­ne mit.“

Auch für die Betrof­fe­nen selbst bedeu­tet die Anstel­lung einen gro­ßen Schritt in Rich­tung Selbst­be­stim­mung und gesell­schaft­li­cher Teil­ha­be. „Ich bin stolz, dass ich jetzt rich­tig dazu­ge­hö­re“, sagt Chris­ti­an Fuchs. „Ich ver­die­ne mein eige­nes Geld und habe tol­le Kollegen.“

„Wir wol­len Vor­bild sein und ande­ren Kom­mu­nen zei­gen, dass Inklu­si­on im Arbeits­le­ben funk­tio­niert – wenn man sie ernst nimmt. Die ein­stim­mi­ge Ent­schei­dung unse­res Gemein­de­rats zeigt, dass unse­re gesam­te Gemein­de die­sen Weg gemein­sam geht“, zieht Bür­ger­meis­ter Thi­lo Wag­ner (FW-FL) ein kla­res Fazit. Ein star­kes Zei­chen für Inklu­si­on setzt auch die Berufs­schu­le Bam­berg: Gemein­sam mit der Regie­rung von Ober­fran­ken wur­de für Fran­zis­ka Herold der Über­gang in das Bud­get für Arbeit rea­li­siert. Sie ist seit sechs Jah­ren im Sekre­ta­ri­at tätig und über­nimmt dort – unter­stützt von ihren Kol­le­gin­nen – viel­fäl­ti­ge Auf­ga­ben. Ihre neue Anstel­lung bedeu­tet nicht nur finan­zi­el­le Unab­hän­gig­keit, son­dern auch eine kla­re Aner­ken­nung ihrer Leistung.


„Ste­gau­rach ist ein leuch­ten­des Bei­spiel dafür, was mög­lich ist, wenn Inklu­si­on gelebt wird“

Was mög­lich ist, wenn Inklu­si­on kon­se­quent umge­setzt wird, zeigt auch das Kli­ni­kum der Sozi­al­stif­tung Bam­berg. Raed Almhi­meed, ein aus Syri­en geflüch­te­ter Kon­di­tor, ver­lor bei einem Bom­ben­an­griff einen Arm und ein Bein. Doch statt auf­zu­ge­ben, fand er mit Unter­stüt­zung von Pfle­ge­di­rek­to­rin Ilo­na Bau­mann und inte­gra MENSCH einen neu­en, indi­vi­du­ell ange­pass­ten Arbeits­platz. Heu­te nimmt er mit einem Tablet in den Pati­en­ten­zim­mern Essens­wün­sche auf – eine Tätig­keit, die er mit gro­ßer Freund­lich­keit, Zuver­läs­sig­keit und sozia­ler Kom­pe­tenz aus­führt. Sei­ne Geschich­te steht bei­spiel­haft für das, was mög­lich ist, wenn Enga­ge­ment und Krea­ti­vi­tät auf ech­te Teil­ha­be abzielen.

Immer mehr Arbeit­ge­ber fol­gen die­sem Bei­spiel: So haben auch die Kita St. Vitus in Hirschaid und der Maler­be­trieb Roy in Gerach ihre inte­gra-Paten­schaf­ten in sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Anstel­lun­gen auf Basis des Bud­gets für Arbeit über­führt. Damit ermög­li­chen sie ihren Mit­ar­bei­ten­den, eigen­stän­dig für ihren Lebens­un­ter­halt zu sor­gen – ein bedeu­ten­der Schritt hin zu ech­ter gesell­schaft­li­cher Teilhabe.

Kuno Eich­ner, Ein­rich­tungs­lei­ter von inte­gra MENSCH, zeigt sich bewegt: „Ste­gau­rach ist ein leuch­ten­des Bei­spiel dafür, was mög­lich ist, wenn Inklu­si­on gelebt wird. Was hier ent­stan­den ist, ist weit mehr als ein Arbeits­ver­hält­nis – es ist ein Zei­chen von ech­ter Wert­schät­zung, Ver­trau­en und Mit­ein­an­der – für die Men­schen, um die es geht und für die Idee einer inklu­si­ven Gesell­schaft. Ich bin tief beein­druckt von allen, die die­sen Weg mit Über­zeu­gung und Herz­blut mög­lich machen.“

Lei­ter Offe­ne Behin­der­ten­ar­beit Bamberg

Micha­el Hemm geht nach 36 Jah­ren in Ruhestand

Micha­el Hemm, Lei­ter und Grün­der der Offe­nen Behin­der­ten­ar­beit Bam­berg, geht in Ren­te. Am Wochen­en­de wur­de er mit einem gro­ßen Fest ver­ab­schie­det. Sei­ne Nach­fol­ge steht bereits fest.

36 Jah­re hat Micha­el Hemm (hier im Stadt­echo-Fra­ge­bo­gen) die Offe­ne Behin­der­ten­ar­beit Bam­berg (OBA) gelei­tet. Ziel sei­ner Arbeit sei es immer gewe­sen, so eine Mit­tei­lung des Trä­gers der Lebens­hil­fe, Men­schen mit Behin­de­rung die Mög­lich­keit zu geben, selbst­be­stimmt und gleich­be­rech­tigt zu leben. Immer wie­der habe er dazu zum Bei­spiel Aus­flü­ge und Frei­zei­ten orga­ni­siert. Auch ent­stand unter sei­ner Füh­rung der Fami­li­en­ent­las­ten­de Dienst und die Kul­tur­fa­brik „KUFA“. Dort gab es am Wochen­en­de ein Abschieds­fest zu sei­nen Ehren.

In sei­ner Abschieds­re­de ging Klaus Gal­lenz, Vor­sit­zen­der der Lebens­hil­fe Bam­berg, auf die Anfän­ge der OBA ein. Die­se hat­te Micha­el Hemm zusam­men mit sei­ner Frau Rena­te Rüh­le-Hemm 1987 gegrün­det. „Micha­el Hemm steht für Herz­blut, Enga­ge­ment und Mög­lich­ma­chen“, sag­te Gal­lenz. Auch die Abschieds­re­den der Vor­sit­zen­den der ARGE und des Behin­der­ten­bei­rats der Stadt Bam­berg gin­gen auf die Ver­diens­te Hemms für Men­schen mit Behin­de­rung ein.

Micha­el Hemm bedank­te sich bei sei­nem Team, der Geschäfts­füh­rung und dem Vor­stand, für den Rück­halt, den er immer wie­der bei sei­nen Ideen habe erfah­ren dür­fen. Auch den mehr als 440 aktu­el­len Ehren­amt­li­chen der OBA, ohne die das gro­ße Ange­bot der Ein­rich­tung nicht mög­lich sei, ver­si­cher­te er sei­ne Dankbarkeit.

Am Abend gin­gen die Fei­er­lich­kei­ten mit 120 gela­de­nen Gäs­ten in der „KUFA“ wei­ter. Men­schen mit Behin­de­rung, Zivil­dienst­leis­ten­de, Prak­ti­kan­tIn­nen und vie­le aktu­el­le und ehe­ma­li­ge Ehren­amt­li­che kamen, um sich von Micha­el Hemm zu verabschieden.

In einer Preis­ver­lei­hung mode­riert von Harald Rink und Klaus Kat­scher muss­te der ange­hen­de Rent­ner dann ver­schie­de­ne Auf­ga­ben bewäl­ti­gen, Fra­gen beant­wor­ten, als Ana­kon­da einen Hasen ver­schlin­gen, Yoga-Übun­gen vor­füh­ren und bekam anschlie­ßend einen Pokal für sein Lebens­werk ver­lie­hen (sie­he Foto). Ram­ba Zam­ba, die inklu­si­ve Band der Lebens­hil­fe, trug Musik bei und erkor Hemm zum Ehren-Mit­glied. Jeder­zeit kann er nun ein­sprin­gen und in der Band mitspielen.

Die Lei­tung der OBA über­neh­men ab sofort San­dra Rott­mann und Ron­ny Ströh­lein – bei­de lang­jäh­ri­ge Ange­stell­te der OBA.

Für mehr Nach­hal­tig­keit und Umweltbewusstsein

Umwelt­schutz-Ver­ein Gaia Protection

Gaia Pro­tec­tion betreibt loka­le Hilfs­pro­jek­te, um sich der Her­aus­for­de­rung der glo­ba­len Umwelt­zer­stö­rung zu stel­len. Vor allem der Besei­ti­gung von Plas­tik­müll und der Kreis­lauf­wirt­schaft wid­met sich der Bam­ber­ger Umwelt­schutz-Ver­ein und hat dabei in der Stadt bereits Spu­ren hinterlassen.

Nach ihrem Abitur im Jahr 2017 bereis­te Lila Behr Indo­ne­si­en und ver­lor laut eige­ner Aus­sa­ge an einem Strand mit 18 Jah­ren fast die Hoff­nung. „An die­sem Strand sah ich zum ers­ten Mal extre­me Umwelt­ver­schmut­zung. Im Was­ser und im Sand war wahn­sin­nig viel Plas­tik­müll und ich bin in Öl geschwom­men“, sagt sie. „Das hat mich rich­tig fer­tig gemacht. Aber, ich habe die Zusam­men­hän­ge zwi­schen Wirt­schaft, Umwelt und sozia­ler Ungleich­heit wahr­ge­nom­men und schwor mir: Egal was ich in Zukunft mache, ich muss aktiv Teil der Ent­ste­hung einer bes­se­ren Welt sein.“

Glück­li­cher­wei­se lagen die Mit­tel dazu nahe. Lila Behrs Vater, Sieg­fried Ramming, hat­te in den 1990er Jah­ren ein Stück Land im zen­tral­ame­ri­ka­ni­schen Cos­ta Rica gekauft, um es vor Abhol­zung und Zer­stö­rung zu bewahren.

Zusätz­lich dazu grün­de­te er 2002 die Stif­tung Gaia Pro­tec­tion, wel­che es sich zur Auf­ga­be mach­te, Bio­re­ser­va­te um die Natio­nal­parks in Cos­ta Rica her­um zu schaf­fen und somit Flo­ra und Fau­na zu beschüt­zen. So soll­ten die Abstän­de zwi­schen der unbe­rühr­ten Natur der Parks und besie­del­ten Gebie­ten noch ver­grö­ßert und natür­li­cher Lebens­raum und sei­ne Arten­viel­falt beschützt wer­den. 2005 starb Sieg­fried Ramming jedoch bei einem Auto­un­fall und die Arbeit der Gaia-Stif­tung kam zum Stillstand.

Erst 2017 erstand Gaia auf, zwar an ande­rer Stel­le, aber im sel­ben Geist. In ihrem Geburts­land Cos­ta Rica und unter dem erschüt­tern­den Ein­druck der auf Suma­tra herr­schen­den Umwelt­ver­schmut­zung star­te­te Lila Behr ihr ers­tes Umwelt­schutz­pro­jekt. Zusam­men mit einer ört­li­chen Schu­le bau­te sie ein Plas­tik­re­cy­cling­sys­tem auf, um das Pro­blem anzu­ge­hen. „Es gibt eine glo­ba­le Recy­ling-Bewe­gung namens „Pre­cious Pla­s­tic“, die kos­ten­los und lizenz­frei Bau­plä­ne für Recy­cling-Anla­gen zur Ver­fü­gung stellt. Damit haben wir in den dor­ti­gen Com­mu­ni­ties ein Wie­der­ver­wer­tungs-Kreis­lauf­sys­tem für Plas­tik eta­bliert. Die­se Idee hat mich fas­zi­niert und so habe ich in Cos­ta Rica das Pro­jekt gestar­tet und zum Bei­spiel an Schu­len Work­shops gegeben.“

Zurück in Bam­berg, wo sie neben Cos­ta Rica den Groß­teil ihrer Kind­heit und Jugend ver­bracht hat­te, nutz­te sie den Schwung, den ihr das Pro­jekt in Süd­ame­ri­ka ver­lie­hen hat­te, und orga­ni­sier­te 2018 das ein­tä­gi­ge Umwelt­schutz­fes­ti­val „Pro­jekt Erde“. Dort fand sie Gleich­ge­sinn­te, mit denen sie am 11. Novem­ber 2018 Gaia Pro­tec­tion als gemein­nüt­zi­gen Ver­ein neu grün­de­te und wie­der ins Leben rief.

Gaia Protection
Lila Behr (4. von links) und Pau­li­ne Rei­chelt (5. von links) bei der Auf­takt­ver­an­stal­tung der Kunst­stoff Manu­fak­tur mit der Lebens­hil­fe, Foto: Gaia Protection
„Plas­tik­müll muss nicht auto­ma­tisch schlecht sein“

In der grie­chi­schen Mytho­lo­gie per­so­ni­fi­ziert die Göt­tin Gaia die Erde und ver­bin­det das Gan­ze mit dem Indi­vi­du­um. Eine Umwelt­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on nach Gaia zu benen­nen, bie­tet sich also an.

„Wir sehen die Erde als Gesamt­or­ga­nis­mus“, sagt Pau­li­ne Rei­chelt, genau wie Lila Behr Vor­stän­din bei Gaia Pro­tec­tion und 2019 Mit­or­ga­ni­sa­to­rin von „Pro­jekt Erde“. „Wir sehen die Erde als sich selbst regu­lie­ren­des Sys­tem, bei dem ver­schie­de­ne Umwelt­sys­te­me mit­ein­an­der inter­agie­ren. Und wir Men­schen sind Teil die­ses Gesamt­sys­tems. Man kann sich als Mensch­heit nicht iso­liert sehen, weil man einen direk­ten Ein­fluss auf die Umwelt hat.“

Davon aus­ge­hend hat Gaia das Ziel, sei­nen Teil zum Schutz der Umwelt, des gro­ßen Gan­zen, durch klei­ne loka­le Aktio­nen oder Initia­ti­ven bei­zu­tra­gen. Glo­bal den­ken, lokal han­deln, lau­tet das Mot­to. „Dafür muss aber grund­le­gend das all­ge­mei­ne Umwelt­be­wusst­sein und Umwelt­ver­hal­ten gestärkt, geför­dert und leich­ter gemacht wer­den. Es muss mehr Wil­len geben, die Umwelt zu schützen.“

Dank der Demons­tra­tio­nen von Fri­days for Future habe sich in die­ser Rich­tung in den letz­ten Jah­ren auch schon eini­ges getan. „An vie­len Stel­len, bei den Men­schen und in der Poli­tik, hat sich das Nar­ra­tiv geän­dert. Umwelt­schutz ist jetzt ein all­ge­gen­wär­ti­ges The­ma und vor allem jun­ge Leu­te sehen die Umwelt­zer­stö­rung immer mehr als Bedrohung.“

„Aber“, sagt Lila Behr, „ich fin­de Demos sehr wich­tig, um Auf­merk­sam­keit zu gene­rie­ren und mehr über ver­schie­de­ne The­men auf­zu­klä­ren. Da fängt es an. Ich bin aller­dings der Mei­nung, dass ein lang­fris­ti­ger Wan­del auf allen Ebe­nen statt­fin­den muss. Indi­vi­du­en, Orga­ni­sa­tio­nen und vor allem loka­le Regie­run­gen müs­sen zusam­men­ar­bei­ten, um schwie­ri­gen The­men unse­rer Zeit anzupacken.“

Anstatt zu demons­trie­ren, geht Gaia Pro­tec­tion dar­um eher den akti­ve­ren Weg des sozia­len Unter­neh­mer­tums, der nach­hal­ti­ge Lösun­gen anstrebt, indem er nach­hal­ti­ge Pro­jek­te betreibt und fördert.

Ein Grund­stein sol­cher Nach­hal­tig­keit und des dazu nöti­gen Bewusst­seins, in die­sem Fall des Umwelt­be­wusst­seins, lässt sich zum Bei­spiel auf die Art und Wei­se legen, wie es Pau­li­ne Rei­chelt im Zuge ihrer Psy­cho­lo­gie-Mas­ter­ar­beit anstrebt.

„Ich neh­me Kon­takt mit Schu­len auf“, sagt sie, „und bie­te dort im Namen von Gaia Pro­tec­tion Umwelt­bil­dung an. So möch­ten wir das Bewusst­sein zu Umwelt­the­men an die nächs­te Gene­ra­ti­on wei­ter­ge­ben, Wis­sen dar­über, wie man sich im All­tag nach­hal­tig ver­hält. Außer­dem arbei­ten wir dar­an, an Bam­ber­ger Schu­len Plas­tik­sam­mel­stel­len für die Lebens­hil­fe auf­zu­stel­len, um Schü­ler und Schü­le­rin­nen die Mög­lich­keit zu geben, selbst aktiv zu sein und Selbst­wirk­sam­keit zu erfahren.“

Das Recy­cling von Plas­tik stellt ohne­hin ein beson­de­res Anlie­gen von Gaia Pro­tec­tion dar. Seit Lila Behr 2017 an jenem zuge­müll­ten Strand Indo­ne­si­ens stand, hat sich die­se Vari­an­te der Umwelt­ver­schmut­zung näm­lich kaum gebes­sert. Soge­nann­tes Mikro­plas­tik ist in fast allen Umwelt­be­rei­chen nachweisbar.

Was mit „Pre­cious Pla­s­tic“ in Cos­ta Rica anfing, führt Gaia Pro­tec­tion heu­te in Bam­berg mit meh­re­ren Koope­ra­tio­nen fort. „Man kann als Ein­zel­per­son aktiv Teil von Ver­än­de­rung wer­den“, sagt Lila Behr, „so haben wir vor vier Jah­ren begon­nen, mit einem Team von etwa 20 Leu­ten vie­le klei­ne Pro­jek­te in Bam­berg anzugehen.“

Unter dem Namen „Bam­ber­ger Plas­tik Evo­lu­ti­on“ wen­de­te sich Gaia Pro­tec­tion 2019 an die Stadt, Super­märk­te und gas­tro­no­mi­sche Betrie­be, um die­se für Umwelt­schutz-Pro­jek­te zu gewin­nen. Nicht ohne Erfolg. Wenig spä­ter ver­öf­fent­lich­te das Rat­haus einen Nach­hal­tig­keits-Navi­ga­tor, soll hei­ßen, einen Stadt­plan, auf dem Umwelt­schutz-Initia­ti­ven ein­ge­zeich­net sind.

Auch der Jute­beu­tel-Baum in einem Super­markt in der Lan­gen Stra­ße steht dort auf das Betrei­ben von Gaia Pro­tec­tion hin. Und die Koope­ra­ti­on mit gas­tro­no­mi­schen Betrie­ben läuft unter dem Stich­wort „Trink­hal­me aus öko­lo­gisch ange­bau­tem Zucker­rohr“. „Dafür sind wir an Restau­rants her­an­ge­tre­ten und haben gefragt, ob sie ihre Plas­tik-Trink­hal­me nicht durch bio­lo­gisch abbau­ba­re Hal­me erset­zen wol­len. Und zwar bevor es euro­pa­weit ver­bo­ten wur­de. Gaia ist der Ver­mitt­ler, der die Hal­me auf Mas­se bestellt und sie an die Läden wei­ter­ver­kauft. Der Ertrag geht direkt an wei­te­re nach­hal­ti­ge Pro­jek­te, wie den Kauf von Plas­tik Recy­cling Maschi­nen in Bamberg.“

Das aktu­ells­te Pro­jekt von Gaia Pro­tec­tion ist gleich­zei­tig das bis­her größ­te. Zusam­men mit der Lebens­hil­fe Bam­berg haben Lila Behr und Pau­li­ne Rei­chelt die Bam­ber­ger Kunst­stoff Manu­fak­tur eröff­net. Das Stich­wort hier­bei lau­tet: „Plas­tik­müll muss nicht auto­ma­tisch schlecht sein.“
„Mit die­sem Plas­tik-Recy­cling-Pro­jekt kön­nen wir ein nach­hal­ti­ges Kreis­lauf­sys­tem schaf­fen und lang­fris­tig für mehr gesell­schaft­li­che Sen­si­bi­li­sie­rung sor­gen“, sagen die bei­den Vor­stän­din­nen von Gaia Pro­tec­tion. „Denn Plas­tik ist nicht immer schlecht. Es ist ein wert­vol­ler Roh­stoff, der
wie­der­ver­wen­det wer­den kann und nicht als Ein­weg­pro­dukt im Müll lan­den soll­te. Vor allem in Län­dern, in denen es kein funk­tio­nie­ren­des Recy­cling­sys­tem gibt, kann es als neu­es Wirt­schafts­kreis­lauf­sys­tem die­nen. In Bam­berg hat es vor allem im Bezug auf Umwelt­bil­dung und Sen­si­bi­li­sie­rung zur Müll­ver­mei­dung bereits einen gro­ßen Ein­fluss. Ob in den Schu­len in Bam­berg oder auch auf Fes­ti­vals, unser Ziel ist es, Men­schen auf Mög­lich­kei­ten der Müll­ver­mei­dung auf­merk­sam zu machen.“

Herz­stück der Kunst­stoff Manu­fak­tur sind zwei Maschi­nen in der Werk­statt der Lebens­hil­fe, die Plastikmüll häck­seln, schmel­zen und in Form pres­sen. Her­aus kom­men dabei Schlüs­sel­an­hän­ger, Linea­le und Kara­bi­ner­ha­ken. Aber Gaia Pro­tec­tion und die Lebens­hil­fe sei­en noch auf der Suche nach wei­te­ren sinn­vol­len Pro­duk­ten, die man so her­stel­len könn­te. Eine Mög­lich­keit sieht die Kunst­stoff Manu­fak­tur dar­in, Auf­trä­ge von Indus­trie oder ande­ren loka­len Unter­neh­men anzu­neh­men, wel­che nor­ma­ler­wei­se Pro­duk­te aus neu­em Plas­tik her­stel­len würden.

Anlauf­stel­le für die Ideen

Gaia Pro­tec­tion betreibt aber nicht nur eige­ne Pro­jek­te und Bewusst­seins­bil­dung. Der ehren­amt­li­che Ver­ein sieht sich auch als Anlauf­stel­le für die Ideen ande­rer. Wie­der­um im Sin­ne des „glo­bal den­ken, lokal han­deln“ kön­nen sich Ein­zel­per­so­nen oder ande­re Orga­ni­sa­tio­nen, die sich mit eige­nen Pro­jek­ten für die Umwelt ein­set­zen möch­ten, an Gaia wen­den und um Unter­stüt­zung und Infra­struk­tur ersuchen.

„Gaia Pro­tec­tion“, sagt Lila Behr, „möch­te nicht nur Auf­klä­rung leis­ten, wir möch­ten die Leu­te auch ermu­ti­gen, als Ein­zel­ne, die etwas Gutes tun möch­ten, zu uns zu kom­men – ent­we­der mit bereits kon­kre­ten Ideen oder um für sich her­aus­zu­fin­den, was sie tun könn­ten. Alle, die sich in Bam­berg sozi­al oder nach­hal­tig enga­gie­ren oder ein­fach aktiv wer­den wol­len, kön­nen sich bei uns bewer­ben und eine lega­le Struk­tur durch uns bekommen.“

Zwei Bei­spie­le für sol­che exter­nen Pro­jek­te, mit denen Gaia in Bam­berg zusam­men­ar­bei­tet, sind das Müll­ver­mei­dungs-Pro­jekt „Ein­mal ohne bit­te“ und die Trau­er­initia­ti­ve „Zwi­schen­Ge­Zei­ten“. „Gaia Pro­tec­tion bie­tet einen offe­nen Raum für lösungs­ori­en­tier­te Per­so­nen und strebt nach Kol­la­bo­ra­tio­nen mit ande­ren Ver­ei­nen, Unter­neh­men und loka­len Einrichtungen.“

Und Geschwin­dig­keit sei dabei tat­säch­lich ein maß­ge­ben­der Fak­tor. „Mit 18 stand ich an die­sem Strand in Suma­tra und dach­te: Was ist denn los in unse­rer Gene­ra­ti­on? Die Mensch­heit ist auf der Kip­pe, wir müs­sen unser Zeug jetzt auf die Rei­he krie­gen, sonst sieht es schlecht aus. Lie­ber aktiv an der Gestal­tung der Welt teil­neh­men, als in der Zukunft sagen zu müs­sen, dass wir uns nur pas­siv beschwert haben.“

Linea­le aus recy­cel­tem Plas­tik, Foto: Gaia Protection

Release

Inklu­si­ve Band Slee­ping Ann ver­öf­fent­licht ers­te EP „Wege“

Die acht Musi­ke­rIn­nen der Bam­ber­ger Band Slee­ping Ann zei­gen schon seit Jah­ren, wie inklu­siv Musik sein kann. Die Band ist eine von ins­ge­samt sechs Kul­tur­grup­pen der Inklu­si­ven Kul­tur­werk­statt der Offe­nen Behin­der­ten­ar­beit der Lebens­hil­fe Bam­berg. Nun steht mit der EP „Wege“ am mor­gi­gen Frei­tag der ers­te eige­ne Release an.

Die drei abwechs­lungs­rei­chen Eigen­kom­po­si­tio­nen, wel­che sti­lis­tisch alle­samt als deutsch­spra­chi­ger Pop-Rock beschrie­ben wer­den kön­nen, wur­den größ­ten­teils live in der Turn­hal­le der Bert­hold-Schar­fen­berg-Schu­le ein­ge­spielt und auf­ge­nom­men. Ver­ant­wort­lich für Auf­nah­me, Mix und Pro­duk­ti­on der Songs war Alex­an­der Dra­bold, wel­cher unter ande­rem schon mit Bands wie J.B.O. oder Fiddler’s Green gear­bei­tet hat. Ermög­licht wur­de dies durch die groß­zü­gi­ge finan­zi­el­le Unter­stüt­zung des Rota­ry Club Bamberg-Domreiter.

Die Band nimmt die Hörer­schaft mit auf eine musi­ka­li­sche Rei­se, inner­halb wel­cher The­men wie die Selbst­ori­en­tie­rung, das Zusam­men­le­ben in einer Gesell­schaft und die zwi­schen­mensch­li­che Bezie­hung durch die eige­ne Bril­le mal fröh­lich-frech, mal melan­cho­lisch-gefühl­voll betrach­tet und hin­ter­fragt werden. 

Der Ope­ner „Auf mein Herz hören“ lei­tet das Album mit ruhi­gen, pop­pi­gen Klän­gen und mehr­stim­mi­gem Gesang ein. Im zwei­ten Titel der Plat­te „Hier bin ich“ wird dem Taten­drang, der Lebens­freu­de und der Ener­gie der Band­mit­glie­der ein Ven­til gege­ben. Ihre ers­te Ver­öf­fent­li­chung beschlie­ßen die Musi­ker mit „Anein­an­der vor­bei“. Der Song führt die bei­den vor­he­ri­gen Stü­cke zusam­men und lädt das Publi­kum zum Mit­klat­schen, Sin­gen und Tan­zen ein, ohne dabei den nach­denk­li­chen Grund­cha­rak­ter zu verlieren.

„Wege“ ist ab Frei­tag, dem 30. April, digi­tal auf allen gän­gi­gen Strea­ming-Platt­for­men und in sämt­li­chen Online-Shops wie Spo­ti­fy, Apple, Ama­zon, You­Tube et cete­ra erhält­lich. Somit steht dem Tanz in den Mai nichts mehr im „Wege“.

Wei­te­re Informationen 

https://www.kufa-bamberg.de/