Predigt bei Bamberger Marienprozession
Erzbischof Gössl: „Durch Maria kam der Himmel auf die Erde“
In seiner Predigt zur traditionsreichen Bamberger Muttergottesprozession hat Erzbischof Herwig Gössl die Vorbildfunktion Mariens betont. Wer wie Maria von Gott angerührt sei, der entwickle Haltung, der bekomme einen besonderen Blick auf die Welt und der sei letztlich befähigt, „den Himmel auf dieser Erde sichtbar werden lassen“, so Gössl.
Maria sei in ihrem Innersten empfänglich gewesen für das Anrühren Gottes und durch sie sei Gottes Wort Fleisch geworden, sagte der Erzbischof. Sie habe seinen Sohn „in ihrem Schoß getragen und ihn aufgezogen“. Doch auf Jesu eigenwilligem Weg habe Maria „auch innere Kämpfe ausgefochten und ihn bis unter das Kreuz begleitet“. Das sei oft schwer gewesen und verdeutliche: „Wer von Gott angerührt wurde, der schwebt deswegen nicht gleich im siebten Himmel.“ Vielmehr habe derjenige durch sein Gottvertrauen das Rüstzeug, auf Probleme oder Konflikte mit Liebe und Versöhnungsbereitschaft zu reagieren statt mit Hass und Verhärtung. Wer so handle, der könne laut Gössl den Himmel sichtbar werden lassen.
Auch hier und heute rühre Gott die Menschen immer wieder an, „etwa durch ein gewaltiges Naturschauspiel, durch tiefgehende Begegnungen, durch Erschütterungen des Lebens oder durch ein Wort aus der Heiligen Schrift, das einem mitten ins Herz fällt“. Wer das spürt, der könne es an andere weitergeben, durch ein gutes Wort, durch einen anerkennenden Blick, durch das Vermitteln der Gewissheit, geschätzt und geliebt zu werden. Das alles seien „Berührungen der Seele, die für einen Moment das erahnen lassen, was wir Himmel nennen“, so der Erzbischof.
Demnach sei eine feste Verankerung im Glauben laut Gössl der beste Schutz „gegen Extremismus jeder Art, gegen Feindseligkeit und gegen die spalterischen Kräfte in unserer Gesellschaft“. Wer wie Maria trotz allem Übel Raum schaffe für Liebe und Versöhnung, der schaffe den Worten des Erzbischofs nach auch „Raum für den Himmel, der auf diese Welt kommen will – durch uns“.
Die Muttergottesprozession findet jedes Jahr am Sonntag nach Mariä Himmelfahrt statt und gehört zu den prägenden kirchlichen Traditionen in Bamberg. Nach einem Gottesdienst in der Oberen Pfarre wird die dort verortete Statue der Freudenreichen Muttergottes in einer Prozession nach St. Martin getragen und der Statue der Schmerzhaften Muttergottes (Pieta) gegenübergestellt. Die Prozession ist in ihrer heutigen Form ab dem Jahr 1702 dokumentiert.