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Poetikprofessur

Autor liest in Bam­berg erst­mals aus sei­nem noch nicht ver­öf­fent­lich­ten neu­en Roman

Erin­ne­rung, Wahr­heit, Wahr­neh­mung: Ingo Schul­ze star­tet Poetikprofessur

Im voll­be­setz­ten ETA-Hoff­mann-Thea­ter begann am Mitt­woch die Bam­ber­ger Poe­tik­pro­fes­sur 2026. Zum zwei­ten Mal luden die Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät und die Stadt gemein­sam zu der belieb­ten Vor­le­sungs­rei­he ein, die heu­er bereits ihr 40. Jubi­lä­um fei­ert, wie die Stadt Bam­berg mitteilt.

Zahl­rei­che Lite­ra­tur­in­ter­es­sier­te waren gekom­men, um den Schrift­stel­ler und Essay­is­ten Ingo Schul­ze zu erle­ben, der in die­sem Jahr als Poe­tik­pro­fes­sor in Bam­berg auf­tritt. Er stell­te erst­mals Aus­zü­ge aus sei­nem noch nicht erschie­nen Roman „Das Was­ser im August“ vor.

Thea­ter­in­ten­dant John von Düf­fel, selbst einst Poe­tik­pro­fes­sor in Bam­berg, begrüß­te die Gäs­te in sei­nem Haus und hob die beson­de­re Bedeu­tung des Abends her­vor: „Wir erle­ben heu­te eine ganz beson­de­re Lesung aus einem Buch, das noch nie vor­her gele­sen wurde.“

Uni­ver­si­täts­prä­si­dent Prof. Dr. Kai Fisch­bach unter­strich die enge Ver­bin­dung zwi­schen Uni­ver­si­tät und Stadt­ge­sell­schaft. „Uni­ver­si­tät in der Stadt zu sein, das ist für uns nicht nur unser Wahl­spruch, son­dern auch unse­re Her­zens­an­ge­le­gen­heit“, sag­te Fisch­bach. Ver­an­stal­tun­gen wie die Poe­tik­pro­fes­sur sei­en eine Ein­la­dung an die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, mit der Uni­ver­si­tät in Kon­takt zu kom­men und im Aus­tausch zu bleiben.

Auch der frisch ver­ei­dig­te Ober­bür­ger­meis­ter Sebas­ti­an M. Nie­der­mai­er wür­dig­te die Bedeu­tung der Ver­an­stal­tungs­rei­he für Bam­berg. „Lite­ra­tur spie­gelt nicht nur unse­re gesell­schaft­li­chen Debat­ten wider, son­dern stärkt die Viel­falt der Mei­nun­gen und för­dert somit das kri­ti­sche Bewusst­sein – ein wesent­li­cher Bau­stein für eine leben­di­ge Demo­kra­tie“, erklär­te Nie­der­mai­er. Die Bam­ber­ger Poe­tik­pro­fes­sur ver­ste­he sich als offe­nes Forum des Aus­tauschs zwi­schen Öffent­lich­keit, Lite­ra­tur und Wis­sen­schaft. Nie­der­mai­er lud die Stadt­ge­sell­schaft ein, die Chan­ce zum kri­ti­schen Dis­kurs zu nutzen.


Die Vor­aus­set­zun­gen des Erzählens

Im anschlie­ßen­den Gespräch mit Prof. Dr. Fried­helm Marx, dem Lehr­stuhl­in­ha­ber für Neue­re Deut­sche Lite­ra­tur­wis­sen­schaft in Bam­berg und Orga­ni­sa­tor der Poe­tik­pro­fes­sur, gab Ingo Schul­ze ers­te Ein­bli­cke in „Das Was­ser im August“, der im Som­mer erschei­nen wird. Schul­ze schil­der­te dabei auch sei­nen lite­ra­ri­schen Ansatz: „Ich woll­te ver­su­chen, ein­fach mal zu zei­gen, wie so etwas ent­steht.“ Die Poe­tik­vor­le­sun­gen wür­den des­halb nicht nur vom Schrei­ben selbst, son­dern auch von den Vor­aus­set­zun­gen und Hin­ter­grün­den des Erzäh­lens handeln.

Im Mit­tel­punkt des Abends stand schließ­lich eine ers­te öffent­li­che Lesung aus dem noch unver­öf­fent­lich­ten Roman. Die Zuhö­ren­den erhiel­ten exklu­si­ve Ein­bli­cke in eine viel­schich­ti­ge Erzäh­lung über Erin­ne­rung, Wahr­heit und Wahr­neh­mung. Schul­ze las Pas­sa­gen, in denen sich Gegen­wart und Ver­gan­gen­heit über­la­gern und die Fra­ge nach der Zuver­läs­sig­keit des Erzäh­lens immer wie­der neu gestellt wird.


Wei­te­re öffent­li­che Vorträge

Die Bam­ber­ger Poe­tik­pro­fes­sur wird in den kom­men­den Wochen mit drei öffent­li­chen Vor­trä­gen an der Uni­ver­si­tät Bam­berg fort­ge­setzt. Unter dem Titel „Drei Rei­sen mit einem Manu­skript“ spricht Ingo Schul­ze am 20. Mai über „Im Wes­ten – Lon­don“, am 10. Juni über „Im Osten – Chi­na“ sowie am 24. Juni über „Im Süden – Indi­en“. Die Vor­trä­ge begin­nen jeweils um 18 Uhr im Hör­saal U2/00.25 (An der Uni­ver­si­tät 2). Der Ein­tritt ist frei.

Den Abschluss bil­det am 25. und 26. Juni 2026 ein inter­na­tio­na­les For­schungs­kol­lo­qui­um mit Ingo Schul­ze im Inter­na­tio­na­len Künst­ler­haus Vil­la Concordia.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen sind hier zu finden.

Stadt Bam­berg und Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät laden zu Lesung und Vorträgen

Bam­ber­ger Poe­tik­pro­fes­sur mit Ingo Schul­ze star­tet im Theater

Mit einer öffent­li­chen Auf­takt­le­sung star­tet am mor­gi­gen Mitt­woch, dem 6. Mai 2026, die Bam­ber­ger Poe­tik­pro­fes­sur in ihre 39. Auf­la­ge. Zum zwei­ten Mal wird die renom­mier­te Rei­he gemein­sam von der Stadt Bam­berg und der Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg aus­ge­rich­tet. Poe­tik­pro­fes­sor im Som­mer­se­mes­ter 2026 ist der viel­fach aus­ge­zeich­ne­te Schrift­stel­ler Ingo Schulze.

Den Auf­takt bil­det am mor­gi­gen Mitt­woch um 19 Uhr eine Lesung mit anschlie­ßen­dem Gespräch im ETA-Hoff­mann-Thea­ter. Ingo Schul­ze stellt dabei im Aus­tausch mit Prof. Dr. Fried­helm Marx sei­nen neu­en Roman „Das Was­ser im August“ vor. Im Anschluss lädt die Stadt Bam­berg zu einem Emp­fang ein. Kos­ten­lo­se Platz­kar­ten sind an der Thea­ter­kas­se erhältlich.

Unter dem Titel „Drei Rei­sen mit einem Manu­skript“ fol­gen drei öffent­li­che Poe­tik­vor­trä­ge an der Uni­ver­si­tät Bamberg:

Mitt­woch, 20. Mai 2026, 18 Uhr: „Im Wes­ten – London“

Mitt­woch, 10. Juni 2026, 18 Uhr: „Im Osten – China“

Mitt­woch, 24. Juni 2026, 18 Uhr: „Im Süden – Indien“

Die Vor­trä­ge fin­den im Hör­saal U2/00.25 (An der Uni­ver­si­tät 2) statt und sind kos­ten­frei zugäng­lich. Den Abschluss der Poe­tik­pro­fes­sur bil­det ein inter­na­tio­na­les For­schungs­kol­lo­qui­um am 25. Und 26. Juni 2026 im Inter­na­tio­na­len Künst­ler­haus Vil­la Con­cor­dia, an dem Ingo Schul­ze teil­neh­men wird. Alle Bam­ber­ge­rin­nen und Bam­ber­ger sind herz­lich zu den Ver­an­stal­tun­gen eingeladen.


Die Bam­ber­ger Poe­tik­pro­fes­sur zählt zu den bedeu­tends­ten Poe­tik­do­zen­tu­ren im deutsch­spra­chi­gen Raum. In die­sem Jahr fei­ert sie zudem ihren 40. Geburts­tag an der Uni­ver­si­tät Bam­berg. Zu den bis­he­ri­gen Gäs­ten zäh­len unter ande­rem Jen­ny Erpen­beck, Peter Stamm, Cle­mens Setz, Jan Wag­ner, Yoko Tawa­da, Lutz Sei­ler und Ali­na Bron­sky. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen gibt es hier.

Uni­ver­si­tät Bamberg

Ali­na Bron­sky wird Bam­ber­ger Poe­tik­pro­fes­so­rin 2025

Die Schrift­stel­le­rin Ali­na Bron­sky über­nimmt die renom­mier­te Bam­ber­ger Poe­tik­pro­fes­sur 2025. Ihre Tex­te sind sozi­al­kri­tisch, legen hin und wie­der aber auch einen Schwer­punkt auf das Kulinarische.

Seit 1986 bie­tet die Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg jähr­lich eine Poe­tik­pro­fes­sur. Die­se Lehr­stel­le gehört laut einer Mit­tei­lung des Rat­hau­ses zu den renom­mier­tes­ten ihrer Art im deutsch­spra­chi­gen Raum. Jedes Jahr wird sie jeweils von einer Autorin oder einem Autor beklei­det. Vorgänger:innen von Ali­na Bron­sky waren in den ver­gan­ge­nen Jah­ren unter ande­rem Yoko Tawa­da, Jen­ny Erpen­beck, Jan Wag­ner, Lutz Sei­ler, Cle­mens Setz oder Kath­rin Rög­g­la. 2025 rich­tet die Uni­ver­si­tät die Pro­fes­sur zum ers­ten Mal in Koope­ra­ti­on mit der Stadt Bam­berg aus.

Los geht es im Som­mer­se­mes­ter 2025. Dann wird Ali­na Bron­sky als Poe­tik­pro­fes­so­rin in Bam­berg eine Eröff­nungs­le­sung und drei Poe­tik­vor­le­sun­gen begin­nen. Zudem hält sie Semi­nar­sit­zun­gen mit Stu­die­ren­den und wei­te­ren Inter­es­sier­ten. Eine Tagung mit Vor­trä­gen zu ihrem Werk und ein Schul­pro­jekt mit einem Bam­ber­ger Gym­na­si­um erwei­tern die Veranstaltungsreihe.

Über die Poetikprofessorin

Ali­na Bron­sky, 1978 im rus­si­schen Swerd­lowsk gebo­ren und seit den frü­hen 1990er Jah­ren in Deutsch­land lebend, schreibt für meh­re­re Gene­ra­tio­nen. Ihre Jugend­ro­ma­ne wie „Scher­ben­park“ (2008) und „Schall­plat­ten­som­mer“ (2022), ihre Roma­ne für Erwach­se­ne wie „Die schärfs­ten Gerich­te der tata­ri­schen Küche“ (2010), „Baba Dun­jas letz­te Lie­be“ (2015), „Bar­ba­ra stirbt nicht“ (2021) oder „Pi mal Dau­men“ (2024) waren immer wie­der für renom­mier­te Aus­zeich­nun­gen wie den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis, den Deut­schen Buch­preis, das Lieb­lings­buch unab­hän­gi­ger Buch­hand­lun­gen oder den Aspek­te-Lite­ra­tur­preis nomi­niert. Auch schaff­ten sie es auf die Best­sel­ler­lis­ten und in den Schulunterricht.

In ihrem Schrei­ben ver­mag Ali­na Bron­sky laut Mit­tei­lung etwas sehr Sel­te­nes. So ver­bin­de sie unter­hal­ten­de Lite­ra­tur mit intel­lek­tu­el­lem Tief­gang und sti­lis­ti­schem Kön­nen zu ver­bin­den. Ihre The­men sind dabei facet­ten­reich. Migra­ti­on und kul­tu­rel­le Iden­ti­tät kom­men eben­so vor wie Fami­lie und Part­ner­schaft. Dane­ben wid­met sie sich der moder­nen Arbeits­welt, Macht, Fra­gen der Öko­lo­gie, neu­en Kon­zep­ten des Ostens oder Men­schen mit Behinderung.

Bron­skys Blick ist immer ein sozi­al­kri­ti­scher, der ins­be­son­de­re gesell­schaft­lich deklas­sier­te Men­schen mit Auf­merk­sam­keit und Wert­schät­zung bedenkt. Ein Leit­mo­tiv, das ihre Pro­sa prägt, ist ein kuli­na­ri­sches: das Essen in all sei­nen Facet­ten und gesell­schaft­li­chen wie kul­tu­rel­len Bedeutungen.

„Jen­seits von Geschlecht“

Poe­tik­pro­fes­sur mit Yoko Tawada

Eine poe­ti­sche Eth­no­lo­gin – so könn­te man die Japa­ne­rin Yoko Tawa­da bezeich­nen. In ihren Wer­ken ver­webt sie Tra­di­tio­nel­les mit Moder­nem und Euro­päi­sches mit Asia­ti­schem. In die­sem Jahr hat die Schrift­stel­le­rin die 35. Poe­tik­pro­fes­sur der Uni­ver­si­tät Bam­berg inne.

Seit 1986 kom­men auf Ein­la­dung des Lehr­stuhls für Neue­re deut­sche Lite­ra­tur­wis­sen­schaft all­jähr­lich nam­haf­te Autorin­nen und Autoren an die Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät, um dort vier öffent­li­che Vor­le­sun­gen zu hal­ten und in Semi­na­ren mit Stu­die­ren­den zu dis­ku­tie­ren. 2022 hat Yoko Tawa­da die Poe­tik­pro­fes­sur inne.

Die Vor­trä­ge von Yoko Tawa­da wer­den unter dem Titel „Jen­seits von Geschlecht“ ste­hen. Ihre Tex­te sind in allen Gat­tun­gen behei­ma­tet – ob Lyrik, Kurz­pro­sa, Roman oder Essay. Den Auf­takt mach­ten Vor­trä­ge am 22. und 29. Juni, jeweils um 20 Uhr fin­den am 6. und am 14. Juli wei­te­re Vor­trä­ge statt, bei­de An der Uni­ver­si­tät 2, im Hör­saal U2/​025.

An den letz­ten Vor­trag Tawa­das schließt ein wis­sen­schaft­li­ches Sym­po­si­um an, das im Inter­na­tio­na­len Künst­ler­haus Vil­la Con­cor­dia statt­fin­den wird. Das aus Japan, USA, Frank­reich, Polen, Ita­li­en, Öster­reich und Deutsch­land inter­na­tio­nal besetz­te Kol­lo­qui­um wird das Werk von Yoko Tawa­da diskutieren.

Am Abend des 15. Juli spielt das Wild­wuchs­thea­ter Bam­berg Yoko Tawa­das Thea­ter­stück „Mamma­lia in Babel“ im Palais Schrot­ten­berg (20 Uhr). Die Autorin wird anwe­send sein und mit Stu­die­ren­den, dem Regis­seur und dem Publi­kum ins Gespräch kommen.

Yoko Tawa­da wur­de als Toch­ter eines Buch­händ­lers in Tokio gebo­ren und lebt in Ber­lin. Sie hat zahl­rei­che Aus­zeich­nun­gen erhal­ten, dar­un­ter die Goe­the-Medail­le, den Erlan­ger Lite­ra­tur­preis für Poe­sie als Über­set­zung und den Kleist-Preis. 1993 erhielt sie mit dem Aku­tag­awa-Sho, den renom­mier­tes­ten japa­ni­schen Lite­ra­tur­preis, wenig spä­ter den Adel­bert von Chamisso-Preis.