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Saurierskelett

Sau­ri­er­ske­lett, Quag­ga und far­ben­fro­he Minerale

Muse­ums­ob­jek­te im neu­en Licht im Naturkundemuseum

Abseits vom Tou­ris­ten­trei­ben und dem all­täg­li­chen Stadt­ge­sche­hen liegt es, leicht ver­steckt, im Hofe des ehe­ma­li­gen Jesui­ten­kol­legs und wirkt zunächst etwas unschein­bar. Der Ein­druck täuscht. Denn betritt man das Muse­um, bie­tet es extrem Span­nen­des und Seltenes.

„Haben Sie schon unse­ren neu­en Sau­ri­er ent­deckt?“, fragt die freund­li­che Dame im Kas­sen­be­reich nicht ohne einen Hauch von beschei­de­nem Stolz. Blick nach rechts. Ein rie­si­ges Ske­lett eines Sau­ri­ers! Bei genaue­rem Nach­le­sen han­delt es sich um einen aus­ge­wach­se­nen Euro­pa­sau­rus hol­ge­ri – benannt nach sei­nem Ent­de­cker Hol­ger Lüd­tke. Die hier aus­ge­stell­te Ech­se, die aus Euro­pa stammt, ist eine Nach­bil­dung des 1998 bei Gos­lar ent­deck­ten Exem­plars. Sie eröff­net seit Neu­es­tem als Eye­cat­cher im Bam­ber­ger Natur­kun­de­mu­se­um eine span­nen­de Ent­de­ckungs­rei­se durch über­wie­gend regio­na­le Flo­ra und Fau­na, näm­lich als Fran­ken vor 154 Mil­lio­nen Jah­ren noch tro­pisch war.


Der neue Sauriersaal

Über 150 Mil­lio­nen Jah­re hat er, der Euro­pa­sau­rus, auf dem ‚Buckel‘. „So zusam­men­ge­setzt, wie er bei uns steht, ist das ein­ma­lig“, betont Dr. Oli­ver Wings. Der stu­dier­te und pro­mo­vier­te Geo­wis­sen­schaft­ler und Palä­on­to­lo­ge hat seit 2022 die wis­sen­schaft­li­che Lei­tung des Natur­kun­de­mu­se­ums in Bam­berg inne und mit die­ser Funk­ti­on zahl­rei­che Auf­ga­ben und genau­so viel Ver­ant­wor­tung. Sein Ziel ist es, Neu­es aus Wis­sen­schaft und For­schung zu ver­mit­teln, Bestehen­des zu bewah­ren und vie­les, was schlum­mert, aus dem Dorn­rös­chen­schlaf ins Blick­feld zu rücken.

Unter die Rubrik ‚Neu‘ fällt der Sau­ri­er­saal. „Mit dem Euro­pa­sau­rus haben wir hier in Bam­berg ein extrem hoch­wer­ti­ges Modell mit vie­len klei­nen Knö­chel­chen, die wie­der­um unzäh­li­ge ana­to­mi­sche Ein­zel­hei­ten zei­gen. Das Ske­lett ist so gut nach­ge­bil­det, dass es sogar zu For­schungs­zwe­cken sehr gut her­an­ge­zo­gen wer­den kann.“ Oli­ver Wings freut sich über sein neu­es Stück – und das darf er auch. Der Sau­ri­er und sein Ambi­en­te stel­len in dem klei­nen Saal eine wei­te­re Berei­che­rung für das Muse­um dar und die­nen gleich­zei­tig als Ope­ner für die gesam­te Samm­lung. Der Muse­ums­lei­ter und sein Team haben die Gesamt­kom­po­si­ti­on gut durch­dacht. Sie wis­sen bei­spiels­wei­se, dass das Euro­pa­sau­rus-Eltern­tier sein „Klei­nes“ ver­misst. Des­halb möch­te das Natur­kun­de­mu­se­um-Crew noch ein Jung­tier die­ser Art hin­zu­fü­gen. Für das gro­ße Euro­pa­sau­rus-Exem­plar hat die Spen­den­kam­pa­gne gefruch­tet. Möge die Samm­lung für das Sau­ri­er-Kind genau­so effek­tiv sein! Spen­den­wil­li­ge sind also gefragt.

Übri­gens kommt das The­ma rund um ver­schie­de­ne Sau­ri­er­ar­ten nicht von unge­fähr, gibt es doch in Bam­berg und Umge­bung zahl­rei­che bemer­kens­wer­te Fos­si­li­en­fun­de. Vie­le von ihnen befin­den sich in ver­schie­de­nen Räum­lich­kei­ten im Muse­um. Die meis­ten stam­men aus Wat­ten­dorf, so auch das Flug­sauri­er­fos­sil Bal­ae­no­gnathus. Die­ses kann eben­falls – samt einer com­pu­ter­ge­stütz­ten Rekon­struk­ti­on des Tie­res, wie es damals aus­ge­se­hen haben könn­te – im Sau­ri­er­saal bestaunt wer­den. Bal­ae­no­gnathus und Euro­pa­sau­rus stam­men aus dem exakt glei­chen Abschnitt der Jura-Zeit. „Der Jura ist die Epo­che der Erd­ge­schich­te, die vor etwa 201 Mil­lio­nen Jah­ren begann und vor 145 Mil­lio­nen Jah­ren ende­te. Unser in Bam­berg nun zu bewun­dern­der Euro­pa­sau­rus ist nur 211 Kilo­me­ter ent­fernt von hier gefun­den wor­den. Ich hal­te es für sehr wahr­schein­lich, dass die­se Gat­tung auch in unse­rer Gegend damals unter­wegs war“, so der Muse­ums­lei­ter. Auch Mobbl wird einen neu­en Platz fin­den. Er darf aus sei­nem Nischen­da­sein im Ober­ge­schoss des Muse­ums befreit wer­den und eben­falls einen beson­de­ren Platz im neu­en Sau­ri­er­saal fin­den. Thalas­se­mys, so sein wis­sen­schaft­li­cher Name, ist die größ­te Mee­res­schild­krö­te welt­weit und wie vie­le ande­re Objek­te im Natur­kun­de­mu­se­um 154 Mil­lio­nen Jah­re alt. Die­ses außer­ge­wöhn­li­che Fos­sil aus einem Kalk­stein­bruch aus Wat­ten­dorf wur­de 2018 bei Aus­gra­bun­gen entdeckt. 

Mit 140 Zen­ti­me­tern Gesamt­län­ge und einer Pan­zer­län­ge von 82 Zen­ti­me­tern hat er statt­li­che Aus­ma­ße. Ver­mut­lich han­delt es sich tat­säch­lich um ein männ­li­ches Tier. Mee­res­schild­krö­ten­männ­chen haben rela­tiv lan­ge Schwän­ze, daher ist die Geschlechts­be­stim­mung hier – unter Vor­be­halt – mög­lich. Span­nend im Hin­blick auf sei­ne Ber­gungs­ge­schich­te ist, dass das gute Stück, was jetzt so uni­form aus­sieht, beim Auf­fin­den in Hun­der­te von Ein­zel­tei­len zer­bro­chen war. Unter Oli­ver Wings lang­jäh­ri­gem und wert­ge­schätz­tem Vor­gän­ger Mat­thi­as Mäu­ser (Lei­ter des Natur­kun­de­mu­se­ums von 1988 bis zu sei­nem frü­hen Tode 2021) puz­zel­te das ‚Mobbl-Team‘ bei Nacht mit einer UV-Lam­pe – unter die­ser leuch­ten näm­lich bei Dun­kel­heit die Kno­chen – in mühe­vol­ler Kleinst­ar­beit die ein­zel­nen Teil­chen zu einem gro­ßen Gan­zen zusam­men. Respekt vor die­ser Leis­tung und dem außer­ge­wöhn­li­chen Fund!

Eine gro­ße Kalk­stein­plat­te, die aus über 150 Ammo­ni­ten – stam­mend aus Lud­wag – zusam­men­ge­setzt wird, ist der­zeit noch im Auf­bau. Kom­plet­tiert wer­den die Aus­stel­lungs­stü­cke durch eine Medi­en­sta­ti­on, an deren gro­ßem Bild­schirm die Land-Meer-Ver­tei­lung und das Leben im Jura ver­folgt wer­den kann.


Beson­ders schö­ne Stü­cke an prä­de­sti­nier­ter Stelle

Wei­ter geht’s! Gleich hin­ter dem Sau­ri­er­saal, etwas erhöht, befin­det sich ein Aus­stel­lungs­raum, in dem der­zeit Mine­ra­le zu betrach­ten sind.

Das Quag­ga im Natur­kun­de­mu­se­um ist eines von nur noch weni­gen welt­weit erhal­te­nen Exem­pla­ren. Foto: Natur­kun­de­mu­se­um Bam­berg, Kari­na Hage­mann (SNSB)

Die­sen Raum möch­te Oli­ver Wings umge­stal­ten. Die Mine­ra­le sol­len umzie­hen, sodass hier künf­tig eini­ge der schöns­ten Objek­te des Natur­kun­de­mu­se­ums – momen­tan noch im Muse­um an unter­schied­li­chen Orten ver­streut – einen wür­di­gen Platz fin­den. Zu ihnen gehört ein Quag­ga, wel­ches im letz­ten Win­kel des Ober­ge­schos­ses ein etwas trau­ri­ges Schat­ten­da­sein fristet.

Trau­rig in dop­pel­ter Hin­sicht: Zum einen über­se­hen es die meis­ten Besu­che­rin­nen und Besu­cher, zum andern ist die­se Zebra-Unter­art im letz­ten Jahr­hun­dert aus­ge­löscht wor­den. Quag­gas waren in Süd­afri­ka weit ver­brei­tet. Im 19. Jahr­hun­dert wur­den sie wegen ihres Flei­sches und Leder gejagt und gel­ten seit 1877 als ausgerottet.

„Unser Quag­ga ist ein beson­ders schö­nes Exem­plar, den­noch nimmt es kaum einer wahr“, die­se Misch­form aus Zebra und Pferd liegt dem Muse­ums­lei­ter sehr am Her­zen. Bei dem Sub­jekt han­delt sich um ein der­mo­plas­ti­sches (frü­her: „aus­ge­stopft“) Tier. Das Quag­ga steht stell­ver­tre­tend für den For­schungs­auf­trag, dem die Wis­sen­schaft­ler im Natur­kun­de­mu­se­um nach­ge­hen, näm­lich der Doku­men­ta­ti­on von Pflan­zen- und Tier­welt, aber auch als Mah­nung und Schutz unse­rer Lebens­welt. Das Quag­ga in Bam­berg ist übri­gens eines von welt­weit nur noch 24 erhal­te­nen Tie­ren und ziert neben dem ein­gangs erwähn­ten Flug­sauri­er das 2022 neu kre­ierte Logo des Naturkundemuseums.

Eine his­to­ri­sche Quel­le beschreibt das Bam­ber­ger Quag­ga wie folgt: Es erweckt „den Ein­druck eines leben­den Tie­res“ und „wirkt auf die Besu­cher sehr anzie­hend. Gesichts­aus­druck und Hal­tung spie­geln ein ange­spro­che­nes, leicht auf­ge­schreck­tes Tier wider, das zwar miß­trau­isch, aber doch gewillt ist, mit dem Anru­fer-Besu­cher Kon­takt auf­zu­neh­men“ (Anton Kolb in: Ein „neu­es“ Quag­ga im Natur­kun­de-Muse­um). Bes­ser kann es kaum beschrie­ben wer­den. Die­ses Quag­ga ist aus Unter­küh­lungs­grün­den – es hat in nicht beheiz­ba­ren Räu­men des Natur­kun­de­mu­se­ums von Stutt­gart gefro­ren und somit sehr gelit­ten – 1969 von Stutt­gart in unse­re Bam­ber­ger Räum­lich­kei­ten umge­zo­gen. Nun soll es sich noch woh­ler als die letz­ten 56 Jah­re füh­len und einen wür­di­gen Platz erhal­ten. Zum Quag­ga wer­den sich noch wei­te­re aus­ge­stor­be­ne Tie­re und Pflan­zen gesellen.


Mine­ra­le-Son­der­aus­stel­lung seit Mit­te August

Der High­lights nicht genug! Seit 12. August und bis 15. Febru­ar 2026 wer­den in den Räu­men, die für Son­der­aus­stel­lun­gen vor­ge­se­hen sind, beson­de­re Mine­ra­le zu sehen sein. Unter dem Titel „Kris­tall­ma­gie – ver­bor­ge­ner Zau­ber dunk­ler Turm­a­li­ne“ gibt die Son­der­schau einen Ein­blick über die 20-jäh­ri­ge For­schungs­rei­se durch das Inne­re tau­sen­der Turm­a­lin-Kris­tal­le. Turm­a­li­ne sind Halb­edel­stei­ne, die auf­grund ihrer Far­ben­viel­falt und ihres For­men­reich­tums seit vie­len hun­dert Jah­ren bei Edel­stein- und Mine­ra­li­en­lieb­ha­bern gro­ßes Anse­hen genie­ßen. Die Besu­che­rin­nen und Besu­cher dür­fen sich auf bun­te Farb- und Struk­tur­for­men freu­en. Bis­lang gal­ten nur die hel­len Turm­a­li­ne als wich­tigs­te Schmuck­stei­ne. Seit eini­gen Jah­ren aber ist bekannt, dass die Kris­tal­le der schwar­zen Turm­a­lin­art genau­so far­big aus­se­hen können. 

Der Trick dabei: Man muss sie sehr dünn schlei­fen. Mit­tels einer spe­zi­el­len Foto­tech­nik, die sehr klei­ne Objek­te oder Details in extre­men Nah­auf­nah­men sicht­bar macht, konn­te der Che­mi­ker Dr. Paul Rus­te­mey­er aus Gun­del­fin­gen (geb. 1952) die­se schö­nen Struk­tu­ren sicht­bar machen. In die­sem Zusam­men­hang wur­de die Aus­stel­lung „Kris­tall­ma­gie“ von ihm ins Leben geru­fen. So ist die Aus­stel­lung einer­seits ein ästhe­ti­scher Augen­schmaus, ande­rer­seits prä­sen­tiert sie die neu­es­ten wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se über Ent­ste­hen und das Ende die­ser Minerale.

Ein Kris­tall­mo­dell. Foto: Dr. Paul Rustemeyer

Zu sehen sein wer­den gro­ße Bil­der der Turm­a­lin-Fami­lie, über 400 Kris­tal­le und etwa 1.500 Dünn­schlif­fe, die hin­ter­leuch­tet sind. Oli­ver Wings ist schon neu­gie­rig auf, so wört­lich, „die Wir­kung die­ser ästhe­ti­schen Aus­stel­lung mit ihren vie­len far­ben­fro­hen Kris­tal­len in unse­ren his­to­ri­schen Räum­lich­kei­ten“. Turm­a­li­ne sind übri­gens welt­weit – also auch in Fran­ken – zu fin­den. Im Rah­men der Aus­stel­lung fin­det ein Begleit­pro­gramm statt. So gibt es ver­schie­de­ne Vor­trä­ge zum The­ma Turm­a­li­ne. Außer­dem kön­nen Inter­es­sier­te sich selbst im Dünn­schlei­fen üben.


Ein Muse­um ohne Stillstand

Muse­ums­lei­ter Oli­ver Wings und sein Team tun eini­ges, um die Attrak­ti­vi­tät des ohne­hin schon hoch­in­ter­es­san­ten Natur­kun­de­mu­se­ums zu stei­gern. „Bei­de Räu­me, Sau­ri­er­saal und Arten­ster­ben, letz­te­res sym­bo­li­siert durch das Quag­ga, sind gewis­ser­ma­ßen unse­re Flagg­schif­fe, mit denen wir gleich am Anfang eines Rund­gangs gut punk­ten und Span­nung sowie Neu­gier­de auf das, was kommt, erzeu­gen kön­nen“, erklärt Oli­ver Wings die neue Kon­zep­ti­on. In die­sem Atem­zug sind nicht nur die Objek­te her­vor­zu­he­ben, son­dern auch Maß­nah­men, die einen Besuch erleich­tern. So darf erwähnt wer­den, dass in Kür­ze Umbau­ar­bei­ten – bei­spiels­wei­se wird ein Trep­pen­lift instal­liert – statt­fin­den, um das Gebäu­de bar­rie­re­frei zu gestal­ten. Schließ­lich befin­det sich das Muse­um in einem mehr als drei­hun­dert Jah­re alten ehe­ma­li­gen Gebäudekomplex.

Ver­stei­ne­run­gen in ver­schie­dens­ten For­ma­tio­nen, der noch im Ent­ste­hen begrif­fe­ne Sau­ri­er­saal, inno­va­ti­ve Son­der­rau­stel­lun­gen und – bei­des hier nicht erwähnt – die Würz­bur­ger Lügen­stei­ne oder aller­hand Getier im berühm­ten Vogel­saal: Das Natur­kun­de­mu­se­um Bam­berg war­tet mit exzel­len­ten bio­lo­gi­schen und geo­lo­gi­schen Aus­stel­lung­s­tü­cken auf. An die­ser Stel­le noch ein­mal ein Schwenk zum Kurio­sen: Hal­ten Sie doch bei Ihrem nächs­ten Besuch ein­mal Aus­schau nach der Wun­der­ket­te, einem Klein­od aus 137 Kirsch‑, 15 Apri­ko­sen- und einem Pflau­men­kern. Oder nach unse­rem guten alten Pol­di, dem Bam­ber­ger Alten­burg­bä­ren. Der­zeit befin­den sich Pol­di und auch der Löwe aus dem Vogel­saal aller­dings auf „Beau­ty-Kur“. Auf­grund von Schad­in­sek­ten­be­fall hat Oli­ver Wings bei­de vor Kur­zem zur Behand­lung an die Zoo­lo­gi­sche Prä­pa­ra­ti­on der Staats­samm­lung in Mün­chen mit­ge­nom­men. Gute Bes­se­rung und bal­di­ge Heimkehr!