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Soziale Medien

Gegen Fake-News und Het­ze in den Sozia­len Medien

Digi­tal­mi­nis­te­rin Ger­lach für Kenn­zeich­nungs­pflicht von KI

Um Fake-News, Onlin­ehet­ze und Mei­nungs­ma­ni­pu­la­ti­on ein­zu­däm­men hat Bay­erns Staats­mi­nis­te­rin für Digi­ta­les, Judith Ger­lach, eine Kenn­zeich­nungs­pflicht für Künst­li­che Intel­li­genz (KI) in sozia­len Netz­wer­ken gefor­dert. Platt­for­men und Netz­wer­ke müss­ten mehr Trans­pa­renz schaf­fen und durch KI und soge­nann­te Bots erstell­te Bei­trä­ge klar als sol­che kennzeichnen.

Tech­no­lo­gien sind inzwi­schen so aus­ge­reift, dass durch KI erstell­te Bei­trä­ge selbst von Exper­ten kaum noch als sol­che zu erken­nen sind. Ins­be­son­de­re gilt das für soge­nann­te Deep Fakes. Die­se mit KI-Metho­den mani­pu­lier­ten Vide­os oder Audio­mit­schnit­te sind nur schwer als Fäl­schun­gen zu erken­nen. Tei­len dann rea­le Per­so­nen die­se oft­mals het­ze­ri­schen Inhal­te, ver­brei­ten sich die­se in sozia­len Netz­wer­ken. Am Ran­de einer Isra­el-Rei­se for­der­te Bay­erns Staats­mi­nis­te­rin für Digi­ta­les, Judith Ger­lach, nun eine Kenn­zeich­nungs­pflicht für Künst­li­che Intelligenz. 

Ger­lach sieht die Ver­ant­wor­tung für mani­pu­lier­te Inhal­te bei den Platt­form-Betrei­bern. „Wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie und eben­so durch den Angriffs­krieg gegen die Ukrai­ne erle­ben wir eine Zunah­me von Des­in­for­ma­ti­on und Het­ze. Wir müs­sen jetzt handeln.“

Sicher kön­ne jede Nut­ze­rin und jeder Nut­zer im Rah­men gel­ten­der Geset­ze die eige­ne Mei­nung frei über die Sozia­len Platt­for­men kund­tun. Doch die­se Geset­ze gel­ten exklu­siv für rea­le Per­so­nen. „Mei­nungs­frei­heit gilt für Men­schen, nicht für Maschi­nen“, so Gerlach.

Prak­ti­ken zum Schutz vor Hass und Manipulation

Der Kampf gegen Anti­se­mi­tis­mus, Des­in­for­ma­ti­on und Hass im Netz steht the­ma­tisch im Mit­tel­punkt der Israel­rei­se der Digi­tal­mi­nis­te­rin. Am Diens­tag besuch­te Ger­lach das Anti­se­mi­tism Rese­arch Cen­ter in Tel Aviv und tausch­te sich mit der Direk­to­rin Tal-Or Cohen über bewähr­te Prak­ti­ken zum Schutz vor Hass und Mani­pu­la­ti­on im Netz aus.

Tal-Or Cohen sag­te: „Ich war scho­ckiert über die Epi­de­mie des Has­ses gegen Juden beson­ders auf Social-Media-Platt­for­men wie Face­book. Ich fühl­te mich dadurch ange­trie­ben, eine Tech­no­lo­gie zu ent­wi­ckeln, die Min­der­hei­ten, die von die­sem Online-Hass betrof­fen sind, ihre Macht zurück­gibt. Sozia­le Platt­for­men strei­ten ihre Ver­ant­wor­tung, hass­erfüll­te Inhal­te zu löschen, immer noch ab. Berich­ten zufol­ge blei­ben Bei­trä­ge, die den Holo­caust leug­nen, zu 80 Pro­zent online.“

Ger­lach sieht hier­in eine der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen der Gegen­wart. „Kom­mu­ni­ka­ti­on basiert auf Ver­trau­en. Das ist der Wesens­kern der Demo­kra­tie. Jeder muss wis­sen, ob er online gera­de mit einem Men­schen oder einer Maschi­ne kom­mu­ni­ziert. Die Platt­for­men kön­nen sich hier nicht län­ger der Ver­ant­wor­tung entziehen.”

Ent­spre­chend sol­len Platt­for­men wie Face­book, Twit­ter, Insta­gram oder Tele­gram Nut­ze­rin­nen und Nut­zern nied­rig­schwel­li­ge Fil­ter­mög­lich­kei­ten für KI-Inhal­te anbie­ten. Tech­nisch sind sol­che Kenn­zeich­nun­gen laut den Platt­form­be­trei­bern grund­sätz­lich bereits mög­lich. Dies lie­ge auch im Inter­es­se der Platt­for­men. Denn wenn die Nut­ze­rin­nen und Nut­zer einer Quel­le ver­trau­en kön­nen, wer­den sie die­se auch häu­fi­ger und guten Gewis­sens ver­wen­den. Goog­le selbst habe bereits geäu­ßert, dass KI-erstell­te Inhal­te gegen die eige­nen Richt­li­ni­en verstießen.

Dar­über hin­aus müs­se aber auch der Staat tätig wer­den. „Wir brau­chen kla­re Regeln. Euro­pa geht hier wie schon beim Daten­schutz vor­an“, so Gerlach.

Jugend­li­che und Sozia­le Medien

„Sozia­le Medi­en sind aus dem All­tag der Jugend­li­chen nicht mehr wegzudenken“

Sozia­le Medi­en sind annä­hernd all­ge­gen­wär­tig und kaum mehr aus dem gesell­schaft­li­chen Gefü­ge weg­zu­den­ken. Zumin­dest was jün­ge­re Alters­grup­pen angeht. Sei­tens der älte­ren und Eltern-Genera­ti­on herr­schen aller­dings oft Unkennt­nis und Unver­ständ­nis bezüg­lich Face­book, Insta­gram, You­Tube und Co. Julia Grewe und Bene­dikt Mar­tin haben sich mit ihrer Medi­en­agen­tur 2Wort der Auf­klä­rung von Eltern und Groß­el­tern über Sozia­le Medi­en ver­schrie­ben. Im Webecho-Inter­view spre­chen sie über genera­tio­nel­le Unter­schie­de im Umgang mit und Gefah­ren und Chan­cen von Sozia­len Medien.
Soziale Medien: Benedikt Martin und Julia Grewe
Bene­dikt Mar­tin und Julia Grewe, Foto: Anny Maurer

Wel­che Erkennt­nis­se gibt es über das Nut­zungs­ver­hal­ten von Kin­dern und Jugend­li­chen in den Sozia­len Medi­en? Wie lan­ge sind sie täg­lich online, auf wel­chen Platt­for­men, um dort was zu tun?

Bene­dikt Mar­tin: Laut einer aktu­el­len Stu­die sind Jugend­li­che durch­schnitt­lich etwa 205 Minu­ten am Tag online und die meis­te Zeit davon ver­brin­gen sie mit Social-Media-Platt­for­men. Die bei­den Stich­wor­te sind hier vor allem Unter­hal­tung und Kommunikation.

Wel­chen Stel­len­wert haben Sozia­le Medi­en im täg­li­chen Leben der Kin­der und Jugendlichen?

Julia Grewe: Einen sehr hohen. Sozia­le Medi­en sind aus dem All­tag der Jugend­li­chen nicht mehr weg­zu­den­ken. Das macht die­ses The­ma im Fami­li­en­all­tag ja auch so wich­tig, weil es jeden Tag prä­sent ist.

Gibt es Kin­der oder Jugend­li­che, die kei­ne Sozia­le Medi­en nut­zen? Was sind die Grün­de dafür? 

Julia Grewe: Natür­lich gibt es das, aber das liegt dann wohl eher an den Eltern, die das nicht erlauben.

Bene­dikt Mar­tin: Erfah­rungs­ge­mäß sind das sehr, sehr weni­ge und dafür gibt es wahr­schein­lich auch indi­vi­du­el­le Grün­de. Das Alter spielt da auf jeden Fall eine Rol­le und hier gibt es eine Kur­ve nach oben. Mit jedem Jahr stei­gen die Nutzungszahlen. 

Ab wann ist die Nut­zung der Sozia­le Medi­en übermäßig?

Bene­dikt Mar­tin: Es gibt defi­ni­tiv über­mä­ßi­ge Nut­zung. Wann die­ser Punkt erreicht ist, hängt von meh­re­ren Fak­to­ren ab. Da gibt es lei­der kein Patent­re­zept – des­we­gen bie­ten wir Work­shops zu dem The­ma an, damit Eltern und Leh­rer kom­pe­ten­te Ent­schei­dun­gen in die­ser Hin­sicht tref­fen können.

Kann sich eine Sucht ent­wi­ckeln? Was sind Anzei­chen dafür?

Bene­dikt Mar­tin: Die kur­ze Ant­wort ist ja. Die lan­ge Ant­wort: Es ist gar nicht so ein­fach. Viel­leicht so viel: Es gibt Anzei­chen für Sucht­ver­hal­ten und es wird noch dis­ku­tiert, ob die­ses Ver­hal­ten in das Glos­sar der ICD, die Inter­na­tio­na­le sta­tis­ti­sche Klas­si­fi­ka­ti­on der Krank­hei­ten und ver­wand­ter Gesund­heits­pro­ble­me, auf­ge­nom­men wer­den soll­te oder einem ande­ren Sucht­ver­hal­ten zuge­ord­net wird. Dafür sind wir nicht die rich­ti­gen Ansprechpartner.

Wel­che Gefah­ren bestehen im Umgang mit den Sozia­len Medien?

Bene­dikt Mar­tin: Eine Gefahr ist auf jeden Fall der Kon­trast der Lebens­wel­ten zwi­schen den Genera­tio­nen. Wir haben gera­de eine Eltern­ge­nera­ti­on, die ohne Smart­pho­nes und sozia­le Medi­en auf­ge­wach­sen ist, wäh­rend die­se Din­ge für deren Kin­der völ­lig selbst­ver­ständ­lich sind. Damit haben die Eltern kei­ne Erfah­rungs­wer­te, wie sie damit umge­hen sol­len und haben außer­dem ein Wis­sens­de­fi­zit gegen­über ihren Kin­dern. Die Gefahr ist also, dass Kin­der und Jugend­li­che mehr oder weni­ger ohne Kon­trol­le im Netz agie­ren können. 

Sozia­le Medi­en sind voll von ras­sis­ti­schen und sexis­ti­schen Inhal­ten. Was kön­nen Eltern tun, um zu ver­hin­dern, dass ihre Kin­der damit nicht all­zu sehr in Kon­takt gera­ten, bezie­hungs­wei­se wie kön­nen Eltern ver­hin­dern, dass ihre Kin­der sich von die­sen Inhal­ten beein­flus­sen lassen?

Bene­dikt Mar­tin: Nun ja, die Welt ist vol­ler sol­cher Inhal­te. Die sind ja nicht erst mit den Sozia­len Medi­en auf­ge­taucht. Sie sind jetzt nur schnel­ler ver­füg­bar. Aber der Ansatz ist: Dar­über reden und Wer­te ver­mit­teln. Im Umgang mit sozia­len Medi­en braucht es Gren­zen und kla­re Abspra­chen. Aller­dings ist es ja nicht so, dass man Insta­gram öff­net und wird mit Ras­sis­mus und sexis­ti­schen Anspie­lun­gen zuge­schüt­tet. Auch da hilft es wie­der sich aus­zu­ken­nen, um bestimm­te Platt­for­men ein­schät­zen zu können.

Wo lie­gen die Chan­cen der Nut­zung Sozia­ler Medien?

Bene­dikt Mar­tin: In der Ver­net­zung. Noch nie war Kom­mu­ni­ka­ti­on so ein­fach über Län­der­gren­zen hin­weg. Es bringt Men­schen zusam­men mit gemein­sa­men Inter­es­sen, die sich sonst wahr­schein­lich nie tref­fen wür­den. Auch für gesell­schaft­li­che Akteu­re macht es vie­les ein­fa­cher. Sei es für Künst­ler, die es als Platt­form nut­zen oder gan­ze Bewe­gun­gen, um sich zu organisieren.

Julia Grewe: Sozia­le Medi­en bie­tet eine Platt­form für Aus­tausch, für Kon­takt, für Infor­ma­ti­ons­ver­mitt­lung und für Kom­mu­ni­ka­ti­on. Die meis­ten von uns haben ja online auch schon­mal eine Buch­re­zen­si­on gele­sen oder eine Restau­rant­be­wer­tung gemacht – das sind auch Sozia­le Medien.

Was müs­sen Eltern bezüg­lich des Umgangs ihrer Kin­der mit Sozia­len Medi­en wis­sen, wor­auf müs­sen sie achten?

Bene­dikt Mar­tin: Das klingt ein biss­chen nach der Suche eines Regel­ka­ta­logs. Das ist aller­dings nicht so ein­fach. Sozia­le Medi­en sind viel­fäl­tig und kom­plex. Das kann man mit kei­nem ande­ren Medi­um so ein­fach ver­glei­chen. Es ist schwer, da all­ge­mein­gül­ti­ge Aus­sa­gen zu tref­fen. Ein guter Start ist zum Bei­spiel einen Medi­en­nut­zungs­ver­trag mit sei­nem Kind zu bespre­chen, also aus­zu­ma­chen, wie lan­ge und in wel­chem Umfang Kin­der Sozia­le Medi­en nut­zen dürfen.

Ab wel­chem Alter ist es sinn­voll, Kin­dern die Nut­zung von Sozia­le Medi­en zu erlauben?

Bene­dikt Mar­tin: Das kann man pau­schal nicht sagen, Insta­gram und Face­book haben selbst ein Min­dest­al­ter von 13 fest­ge­legt. Am bes­ten ist, wenn man die Platt­for­men selbst kennt und weiß, was auf sei­ne Kin­der zukommt, dann kann man das selbst entscheiden.

Julia Grewe: Da wir, also die Eltern­ge­nera­ti­on, nicht mit Sozia­len Medi­en auf­ge­wach­sen sind, ist das meis­tens nicht so unse­re Welt. Wir ver­ste­hen die Mecha­nis­men nicht, es gibt kei­nen wirk­li­chen ‚Social-Media-Knig­ge‘, wir sind uns der Aus­wir­kun­gen auf die Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung und der mög­li­chen Gefah­ren nicht bewusst. Das ist es, wor­über wir auf­klä­ren möch­ten. Denn nur wenn man eine Situa­ti­on – ich möch­te hier gar nicht nur von Pro­ble­men spre­chen – ver­steht, kann man sie auch ein­ord­nen und gege­be­nen­falls reagieren.

Sie schrei­ben, dass Eltern, die sich mit Sozia­len Medi­en aus­ken­nen, ihre Kin­der im Umgang damit unter­stüt­zen und ver­ant­wor­tungs­voll len­ken kön­nen. Was heißt das?

Bene­dikt Mar­tin: Wie mit ande­ren Erzie­hungs­the­men auch, grei­fen Eltern ja in der Regel auf ihre eige­nen Erfah­run­gen und Erkennt­nis­se zurück. Das ist beim The­ma Sozia­le Medi­en aller­dings schwie­rig, da dies ein neu­es Phä­no­men ist, bei dem die Eltern kei­ne eige­nen Erfah­run­gen besit­zen, auf deren Basis sie Ent­schei­dun­gen tref­fen kön­nen. Das heißt für Eltern, sich auf das The­ma Sozia­le Medi­en ein­zu­las­sen und sich in ihrem eige­nen Medi­en­ver­hal­ten zu reflektieren.

Haben sie Rück­mel­dung der Kin­der und Jugend­li­chen, die ihren Eltern auf­grund der von Ihnen gege­be­nen Kom­pe­tenz plötz­lich in den Sozia­len Medi­en begeg­nen? Herrscht da eher Freu­de oder Ablehnung?

Bene­dikt Mar­tin: Ver­mut­lich kommt das ganz dar­auf an, wie alt die Kin­der sind. Es gab schon den Fall, dass die 13-jäh­ri­ge Toch­ter es gar nicht toll fand, dass ihre Mut­ter sich bei uns ange­mel­det hat.
Auf der ande­ren Sei­te sind wir fest davon über­zeugt, dass es medi­en­kom­pe­ten­te Eltern braucht, um medi­en­kom­pe­ten­te Kin­der zu erziehen.

Julia Grewe: Kin­der und Jugend­li­che wol­len sich ja immer ihre eige­nen Räu­me schaf­fen, sich auch abgren­zen von den Eltern. Und wenn die­se Berei­che dann plötz­lich von den Eltern erobert wer­den, sind sie nur noch halb so inter­es­sant. Dann müs­sen eben neue Räu­me geschaf­fen wer­den. Das mer­ken wir ja auch bei den Sozia­len Medi­en: Es kom­men stän­dig neue Kanä­le dazu.

In Ihren Work­shops klä­ren Sie Eltern, Groß­el­tern und Lehr­kräf­te über den Umgang von Kin­dern und Jugend­li­chen mit Sozia­len Medi­en auf. Wie hoch ist der Wis­sen­stand der Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer? Ken­nen sie sich grund­le­gend aus oder müs­sen bei man­chen erst noch Grund­la­gen geschaf­fen werden?

Bene­dikt Mar­tin: Die meis­ten unse­rer Teil­neh­mer ken­nen sich kaum aus und des­we­gen star­tet unser Work­shop auch mit den Grund­la­gen. Wir zei­gen erst­mal die unter­schied­li­chen Kanä­le und wofür sie genutzt werden.

Julia Grewe: Wie gesagt, das ist nicht unbe­dingt die Lebens­welt der Eltern. Wir schaf­fen des­halb die Grund­la­gen und brin­gen alle auf einen Stand. Kei­ne Fra­ge ist zu ein­fach, nie­mand muss Angst haben, etwas nicht zu wis­sen oder zu ken­nen. Wir klä­ren über die rele­van­ten Kanä­le auf, fas­sen Stu­di­en zu dem The­ma zusam­men, erar­bei­ten ver­schie­de­ne Sach­ver­hal­te gemein­sam – es ist ja ein Work­shop, da geht es auch immer ums Aus­pro­bie­ren und Anwen­den. Und natür­lich geben wir Rat­schlä­ge, was die Eltern dann mit die­sem Wis­sen auch kon­kret tun kön­nen, wie es also zuhau­se wei­ter­ge­hen kann.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter: 

www.2wort.de