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Spielplan

Oper, Musi­cal, Schau­spiel und „The Rocky Hor­ror Show“

Lan­des­thea­ter Coburg gibt Spiel­plan 2024 /​/​2025 bekannt

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Den Spiel­plan im Lan­des­thea­ter Coburg macht in der der Sai­son 2024 /​/​2025 ein viel­sei­ti­ges Pro­gramm aus. Poli­ti­scher Anspruch wech­selt sich mit leich­ten Stü­cken ab, Klas­si­ker mit Zeitgenössischem.

Das Direk­to­ri­um im Lan­des­thea­ter Coburg um Neil Bar­ry Moss, Dani­el Car­ter, Mat­thi­as Straub und Mark McClain hat am Mon­tag (29.4.) den Spiel­plan der Spiel­zeit 2024 /​/​2025 bekannt­ge­ge­ben. Auf dem Pro­gramm im „Globe“-Gebäude ste­hen neben ita­lie­ni­scher Oper, Musi­cals, Hand­lungs­bal­lett und moder­nem Tanz, auch Kon­zer­te, poli­ti­schen Schau­spiel­stü­cken und Klassiker.

Das Musik­thea­ter star­tet am 5. Okto­ber mit der ita­lie­ni­schen Oper. Gia­co­mo Puc­ci­nis „Il trit­ti­co“. Regie führt Neil Bar­ry Moss, die musi­ka­li­sche Lei­tung hat Dani­el Car­ter inne. Am 16. Novem­ber folgt die Pre­mie­re von Gioa­chi­no Ros­si­nis komö­di­an­ti­scher Oper „Il bar­bie­re di Sevilla“.

Am 25. Janu­ar 2025 kommt mit „Der flie­gen­de Hol­län­der“ eine roman­ti­sche Oper von Richard Wag­ner auf die Büh­ne des Lan­des­thea­ters, eben­falls unter der Lei­tung von Dani­el Car­ter und Neil Bar­ry Moss. Ab dem 22. März gibt es das Musi­cal „Chi­ca­go“ zu erle­ben, am 17. Mai fei­ert Leoš Janá­čeks Oper „Jenů­fa“ Premiere.

Als Wie­der­auf­nah­me kehrt die Mär­chen­oper „Hän­sel und Gre­tel“ von Engel­bert Hum­per­dinck als Fami­li­en­stück ins Pro­gramm zurück. Bei der Weih­nachts­re­vue „San­ta Baby!“ kann man ab 22. Novem­ber mit ame­ri­ka­ni­schen Weih­nachts­lie­dern in die Weih­nachts­zeit swingen.

Die Spiel­zeit des Schau­spiels steht unter dem Mot­to „Macht und Macht­struk­tu­ren“. Bereits am 21. Sep­tem­ber macht sie den Auf­takt mit dem Klas­si­ker „Don Car­los“ von Fried­rich Schil­ler. Ab 28. Sep­tem­ber bespielt das Schau­spiel das Land­ge­richt Coburg mit dem Mono­log „Pri­ma Facie“ von Suzie Mil­ler, der im Zei­chen der MeToo-Debat­te steht.

Eine spar­ten­über­grei­fen­de Pro­duk­ti­on ist „Ber­nar­da Albas Haus“ von Feder­i­co Gar­cía Lor­ca. Der Stoff über das Auf­be­geh­ren von Schwes­tern aus einer stren­gen Fami­lie kommt ab 11. Janu­ar 2025 unter der Lei­tung von Mat­thi­as Straub und der Tän­ze­rin und Cho­reo­gra­fin Mireia Mar­ti­nez Pine­da mit dem Schau­spiel und dem Bal­lett auf die Büh­ne. Am 22. Febru­ar fei­ert mit Ten­es­see Wil­liams’ „End­sta­ti­on Sehn­sucht“ ein Thea­ter­klas­si­ker im „Glo­be“ Premiere.

Die letz­te Schau­spiel­pre­mie­re der Spiel­zeit ist am 14. Juni 2025 mit der his­to­risch ver­brief­ten Geschich­te der „Come­di­an Har­mo­nists“ in einer Co-Regie von Dirk Mestma­cher und Mat­thi­as Straub.

Rocky Hor­ror, KI, Weih­nachts­mär­chen, Sinfoniekonzerte

Außer­dem kom­men zwei der belieb­tes­ten Unter­hal­tungs­stü­cke zurück nach Coburg. Am 31. Okto­ber steht „Richard O’ Brian’s The Rocky Hor­ror Show“ an und am 9. Okto­ber die Komö­die „Ewig jung“.

In der Reit­hal­le sind ver­schie­de­ne For­ma­te von jun­gen Regis­seu­ren zu sehen. Der Kon­zert­abend „Whe­re is Dylan?“ wid­met sich am 17. Janu­ar Bob Dylan. Mit „®Evo­lu­ti­on“ insze­niert Lili­an Prent eine Polit­sa­ti­re über die Tücken der KI. Pre­mie­re ist am 21.02.
In „Liv Ström­quist denkt über sich nach“ setzt sich die schwe­di­sche Gra­phic-Novel-Autorin Liv Ström­quist mit femi­nis­ti­schen The­men aus­ein­an­der. Das Stück fei­ert am 2. Mai 2025 Premiere.

Als Weih­nachts­mär­chen zeigt das Lan­des­thea­ter Coburg „Meis­ter Eder und sein Pumuckl“ ab 30. Novem­ber mit Pup­pen­spiel und dem lang­jäh­ri­gen Ensem­ble­mit­glied Ste­phan Mertl als Meis­ter Eder.

Mit einem Stück für das jun­ge Publi­kum star­tet auch das Bal­lett in die neue Spiel­zeit. Am 28. Sep­tem­ber bringt Ensem­ble­mit­glied Taka­shi Yama­mo­to „Kar­ne­val der Tie­re“ auf die Reit­hal­len­büh­ne. Bal­lett­di­rek­tor Mark McClain zeigt mit „1001 Nacht“ ab dem 26. Okto­ber ein gro­ßes dra­ma­ti­sches Hand­lungs­bal­lett mit Orches­ter. Der zwei­te Bal­lett­abend mit dem Arbeits­ti­tel „Kalei­do­skop“ zeigt ab dem 12. April zeit­ge­nös­si­sche Cho­reo­gra­fien, zum Bei­spiel John Neu­mei­er. Nicht feh­len wird auch das jun­ge For­mat „First Steps“, bei dem Ensem­ble­mit­glie­der per­sön­li­che Cho­reo­gra­fien prä­sen­tie­ren. Es ist ab dem 13. Juni in der Reit­hal­le zu erleben.

In sie­ben Sin­fo­nie­kon­zert-Pro­gram­men prä­sen­tiert Gene­ral­mu­sik­di­rek­tor Dani­el Car­ter eine Mischung aus Klas­si­kern und Neu­ent­de­ckun­gen. Bereits im ers­ten Sin­fo­nie­kon­zert kann man den Euro­pa­meis­ter im Vogel­zwit­schern, Hel­mut Wol­fer­stet­ter, in einem Stück des fin­ni­schen Kom­po­nis­ten Ein­ojuha­ni Rau­ta­vaara erle­ben. Wei­ter­füh­ren wird Dani­el Car­ter zudem sei­ne Rei­he „CObur­ger COm­po­nis­ten“, bei dem er die Wer­ke his­to­ri­scher wie zeit­ge­nös­si­scher Kom­po­nis­ten aus Coburg oder mit Coburg­be­zug aufführt.

Frän­ki­scher Theatersommer

„Sind wir wich­tig? – Wir sind es“

Leicht haben es Pan­de­mie und staat­li­ches Des­in­ter­es­se der Kul­tur­sze­ne nicht gemacht, aber die ober­frän­ki­sche Lan­des­büh­ne des Frän­ki­schen Thea­ter­som­mers – kom­men­des Wochen­en­de noch mit zwei Stü­cken in der KUFA in Bam­berg zu Gast – hat sich im zurück­lie­gen­den Jahr nicht unter­krie­gen las­sen. Mit Jan Burd­in­ski, Dar­stel­ler und Inten­dant des Frän­ki­schen Thea­ter­som­mers, haben wir über Sys­tem­re­le­vanz, Hei­ter­keit in unhei­te­ren Zei­ten und die Rück­kehr zur Nor­ma­li­tät gesprochen.

Am 30. Mai haben Sie in Bay­reuth die Sai­son mit dem Stück „Emmas Glück“ eröff­net. Wie sahen die Rück­mel­dun­gen aus?

Jan Burd­in­ski: Wir waren über­rascht. Obwohl der Ter­min nur sehr kurz­fris­tig vor­her bekannt gege­ben wer­den konn­te, waren 80 Zuschau­er da. Die Zuschau­er reagier­ten auf die groß­ar­ti­ge schau­spie­le­ri­sche Leis­tung der Dar­stel­le­rin mit viel Applaus und Begeis­te­rung. Wunderbar!


Hät­te es, wenn die Inzi­denz­wer­te die Auf­füh­rung nicht zuge­las­sen hät­ten, eine Alter­na­ti­ve gegeben?

Jan Burd­in­ski: Wir hät­ten die Auf­füh­rung auf einen spä­te­ren Ter­min ver­le­gen müs­sen, wie wir es zuvor schon mit der Pre­mie­re, die eigent­lich in Alten­kunst­adt Mit­te Mai vor­ge­se­hen war, prak­ti­zie­ren mussten.


Für die Pre­mie­re haben Sie das Solo­stück „Emmas Glück“, eine Komö­die über die ver­schul­de­te Bäue­rin Emma, aus­ge­wählt. Warum?

Jan Burd­in­ski: Das war der Wunsch der Dar­stel­le­rin der Emma – Rebek­ka Herl. Immer wenn eine neue schau­spie­le­ri­sche Kraft Teil des Ensem­bles des Frän­ki­schen Thea­ter­som­mers wer­den möch­te, soll­te sie ein Solo eige­ner Wahl spie­len. Das hat zwei Vor­tei­le. Ers­tens kann ich so die Per­sön­lich­keit der Schau­spie­le­rin oder des Schau­spie­lers inten­si­ver ken­nen­ler­nen. Und zwei­tens stärkt die Her­aus­for­de­rung eines Solo-Stücks die künst­le­ri­sche Per­sön­lich­keit. Das ist eine Schwerst­auf­ga­be, die Frau Herl glän­zend bestan­den hat.


Steckt in der Tat­sa­che, die Schau­spie­le­rin zum ers­ten Mal mit so einer gro­ßen Her­aus­for­de­rung, anstatt in einer klei­ne­ren wie einer Neben­rol­le, vor Publi­kum spie­len zu las­sen, nicht ein gro­ßes
Risi­ko?

Jan Burd­in­ski: Ja, das ist ein Risi­ko. Aber man hat ja schon wäh­rend der Pro­ben Zeit, ein Stück gründ­lich zu erar­bei­ten und vor­zu­be­rei­ten. Natür­lich haben alle Schau­spie­le­rin­nen und Schau­spie­ler vor so einer Pre­mie­re Selbst­zwei­fel, aber die wische ich aus den Köp­fen. Und es hat funk­tio­niert – das Publi­kum war sprachlos.

Gut Kut­zen­berg, die Heim­stät­te des Frän­ki­schen Thea­ter­som­mers in Ebensfeld.

Wie kam die Koope­ra­ti­on mit der KUFA, der Kul­tur­ein­rich­tung der Lebens­hil­fe Bam­berg, zustande?

Jan Burd­in­ski: Wer wen ange­spro­chen hat, weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall fin­den wir die Inklu­si­ons­aus­rich­tung der KUFA groß­ar­tig. Die Lebens­hil­fe konn­te dort einen inclu­si­ven Kunst- und Thea­ter­be­trieb ein­rich­ten, der sei­nes­glei­chen sucht. Bei unse­ren Gast­spie­len wer­den wir sogar beim Cate­ring von der KUFA unter­stützt. Wir ver­fol­gen im thea­ter­päd­ago­gi­schen Ange­bot des Frän­ki­schen Thea­ter­som­mer sel­ber einen inklu­si­ven Ansatz.


Der Frän­ki­sche Thea­ter­som­mer hat, wie fast alle kul­tu­rel­len Insti­tu­tio­nen, ein Jahr vol­ler Ent­beh­run­gen hin­ter sich. Hat sich die­se Zeit auf sei­ne Denk­wei­se aus­ge­wirkt? Sind Sie vor­sich­ti­ger geworden?

Jan Burd­in­ski: Wir haben uns den Schneid nicht abkau­fen las­sen. Zwi­schen ers­tem und zwei­tem Lock­down hat­ten wir über 80 Auf­füh­run­gen, obwohl das nur die Hälf­te des ursprüng­lich geplan­ten Pro­gram­mes war. Außer­dem muss­ten wir beson­ders teu­re Pro­duk­tio­nen, wie „Der Som­mer­nachts­traum“ oder „Der flie­hen­de Hol­laen­der“ in die jet­zi­ge Spiel­zeit ver­schie­ben. Das Ensem­ble bekam dadurch aber die beru­hi­gen­de Gewiss­heit, dass wir uns nicht unter­krie­gen las­sen. Wir haben unse­re Zeit nicht damit ver­bracht, per­ma­nent angst­er­füllt an Coro­na zu den­ken. Wir hat­ten immer die nächs­te Spiel­zeit im Blick.


Kul­tur, das ist im zurück­lie­gen­den Jahr deut­lich gewor­den, scheint doch nicht den sys­tem­re­le­van­ten Stand zu genie­ßen, der ihr zuge­schrie­ben wird. Inwie­weit gibt das kul­tu­rel­len Insti­tu­tio­nen zu den­ken? Stel­len sich Ernüch­te­rung und Zwei­fel über die Berufs­wahl ein?

Jan Burd­in­ski: Fast das Gegen­teil. Unser Beruf, Thea­ter in einem rei­chen kul­tu­rel­len Umfeld machen zu kön­nen, ist schon ein Luxus und Pri­vi­leg. Zwei­fel an der Rele­vanz gab es des­halb eher vor Coro­na. Sind wir wirk­lich so wich­tig? Die Pan­de­mie hat uns gezeigt: Ja, wir sind wich­tig! Und die Reak­tio­nen des Publi­kums haben uns gezeigt, wie sehr die Leu­te Kul­tur brau­chen – wie sehr sie Kul­tur ver­bin­den mit Zusam­men­kom­men, Atmen­kön­nen und Kom­mu­ni­ka­ti­on. Auch wenn die­se Tat­sa­che unser Selbst­ver­trau­en gestärkt hat, kei­ne Sor­ge: Wir wer­den des­halb nicht überheblich.


Auf dem Spiel­plan der Sai­son 2021/​/​2022 ste­hen Komö­di­en, Musi­cals, Kaba­rett und Chan­sons. Wer­den Sie sich insze­na­to­risch dar­in auch der Pan­de­mie annehmen?

Jan Burd­in­ski: Vor ein paar Mona­ten hät­te ich das noch ver­neint und gesagt, dass Coro­na uns der­ma­ßen im Griff hat, dass ich nicht auch noch ein Stück dar­über insze­nie­ren möch­te. Aber jetzt muss ich sagen, dass es in der einen oder ande­ren Insze­nie­rung durch­aus zu klei­nen Exkur­sen zur Pan­de­mie kom­men wird – inklu­si­ve einer Tanz­ein­la­ge mit FFP‑2 Masken.


Auch nach den Schwie­rig­kei­ten und Unsi­cher­hei­ten des letz­ten Jah­res bedie­nen Sie eher die leich­te Muse. Kön­nen Sie das immer noch in vol­ler Über­zeu­gung tun oder ist in Ihnen der Wunsch erwach­sen, in den Insze­nie­run­gen oder in der Stü­cke­aus­wahl der Här­te der Rea­li­tät etwas mehr Rech­nung zu tragen?

Jan Burd­in­ski: Hei­ter­keit wird bei uns schon sehr groß geschrie­ben. Aber so man­ches Stück bewegt sich durch­aus auf dem schma­len Grat zwi­schen Tra­gö­die und Komö­die. Was die Ver­wer­tung der Rea­li­tät angeht, kommt es immer auf die Per­spek­ti­ve an. Selbst die här­tes­te Rea­li­tät kann aus einem hei­te­ren Blick­win­kel betrach­tet wer­den. Ich lie­be es, auch Schreck­li­ches eher aus einem sol­chen Blick­win­kel anzu­ge­hen. Ich glau­be, man begibt sich zu stark ins Mis­sio­na­ri­sche, wenn man zu sehr das Schreck­li­che anpran­gern will. Da wird man ganz schnell zum Bes­ser­wis­ser. Ich möch­te kein Bes­ser­weis­ser sein, son­dern es dem Publi­kum über­las­sen, hin­ter dem Hei­te­ren das Tra­gi­sche zu ent­de­cken und zu erken­nen. Das ist nicht selbst­ver­ständ­lich. Unter einer poli­ti­schen Dik­ta­tur – ich den­ke aktu­ell an die Ent­wick­lun­gen in Bela­rus – kann die­se künst­le­ri­sche Frei­heit, die wir hier genie­ßen kön­nen, sehr schnell ver­lo­ren gehen.


Tra­gi­sches hei­ter zu prä­sen­tie­ren, um es so viel­leicht erträg­li­cher zu machen, ist ein sati­ri­scher Ansatz. Ist der Frän­ki­sche Thea­ter­som­mer eigent­lich ein sati­ri­sches Projekt?

Jan Burd­in­ski: Auch, aber nicht in Gän­ze. Die Antriebs­fe­der von Miguel Cer­van­tes, als er „Don Qui­jo­te“ schrieb, ein Stück des aktu­el­len Spiel­plans, war Sati­re. Er woll­te sich lus­tig machen über die schlech­te Roman­li­te­ra­tur sei­ner Zeit des 16. Jahr­hun­derts. Ein sol­ches Werk, das im Geist der Sati­re ent­stand, auf die Büh­ne zu brin­gen, lockt mich. Die Sati­re hat den Vor­zug, die Wider­sprüch­lich­keit der Welt lachend dar­zu­stel­len. Sol­cher­lei Per­spek­tiv­wech­sel hält unse­ren Geist fit. Die­se Art von Opti­mis­mus möch­te ich durch­aus von der Büh­ne senden.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter

http://www.theatersommer.de

Frän­ki­scher Theatersommer

„Den Gefal­len, ein Stück über Coro­na auf die Büh­ne zu brin­gen, wer­de ich dem Virus nicht tun“

Trotz Pan­de­mie blickt die ober­frän­ki­sche Lan­des­büh­ne des Frän­ki­schen Thea­ter­som­mers auf ein künst­le­risch und wirt­schaft­lich zufrie­den­stel­len­des Jahr 2020 zurück. Zwi­schen den Lock­downs spiel­te die Wan­der­büh­ne über 80 Auf­trit­te. Jan Burd­in­ski ist Regis­seur, Dar­stel­ler und Inten­dant des Frän­ki­schen Thea­ter­som­mers. Im Inter­view wirft er einen Blick auf die ver­gan­ge­ne Saison.

Wie war der zurück­lie­gen­de Thea­ter­som­mer? Wie weit war regu­lä­res Arbei­ten möglich?

Jan Burd­in­ski: Die Thea­ter­som­mer-Sai­son 2020 war eine ein­zig­ar­ti­ge Erfah­rung: Die Unge­wiss­heit, ob wir über­haupt wür­den spie­len kön­nen, zehr­te an den Ner­ven des Ensem­bles, doch wir hat­ten alle dar­auf ein­ge­schwo­ren, dass wir nach einem offi­zi­el­len Öff­nungs-Signal sofort mit den vor­be­rei­te­ten Insze­nie­run­gen star­ten wür­den. Das Signal von der Baye­ri­schen Lan­des­re­gie­rung kam am 15. Juni, und am 17. Juni gab es in Adels­dorf mit „Engel auf Erden“, ein Thea­ter­stück zu Mar­le­ne Diet­rich, die ers­te Pre­mie­re, wel­cher inner­halb eines Monats sie­ben wei­te­re Pre­mie­ren folg­ten: Drei Solo-Stü­cke, „Roll on Beet­ho­ven“, „Der Geräusch­lo­se“, „Ein Nass­horn und ein Tro­cken­horn“, zwei Musik­thea­ter-Dar­bie­tun­gen, dar­un­ter „Aus dem Leben eines Tau­ge­nichts“ und „Das Mör­der­ka­rus­sell“ und die Wie­der­auf­nah­me-Pre­mie­re des Musi­cals „Heis­se Zei­ten“. Ver­zich­ten muss­ten wir auf die per­so­nen­rei­chen Stü­cke „Ein Som­mer­nachts­traum“ und „Der flie­hen­de Hol­laen­der“. Bei­de Stü­cke haben wir auf die jet­zi­ge Sai­son 2021 ver­scho­ben. Und wie­der ste­hen wir damit in den Startlöchern.


Konn­te unter Pan­de­mie­be­din­gun­gen, samt Hygie­ne­kon­zept und Abstands­re­ge­lun­gen, Thea­ter­stim­mung aufkommen?

Jan Burd­in­ski: Das haben wir uns damals auch gefragt. Aber schon die ers­te Auf­füh­rung wisch­te alle Beden­ken bei­sei­te. Die Dank­bar­keit des Publi­kums war über­wäl­ti­gend, die Thea­ter­stim­mung gera­de­zu eupho­risch. Wir hat­ten sehr enga­gier­te Mit­ar­bei­ter, die das erfor­der­li­che Hygie­ne-Kon­zept per­fekt vor­be­rei­tet hat­ten und alle Zuschau­er mit Charme und Mas­ke zu ihren Plät­zen geleiteten.

Jan Burd­in­ski wirft er einen Blick auf die ver­gan­ge­ne Saison

Zwi­schen dem ers­ten und zwei­ten Lock­down konn­ten wir auf die­se Wei­se über acht­zig Auf­füh­run­gen durchführen.


In wel­chem wirt­schaft­li­chen Zustand befin­det sich der Frän­ki­sche Theatersommer?

Jan Burd­in­ski: Es war ein Glück, dass wir beim ers­ten Lock­down die Flin­te nicht gleich ins Korn gewor­fen hat­ten, obgleich es Stim­men und Emp­feh­lun­gen gab, die gan­ze Sai­son abzu­sa­gen. Das haben wir aus unse­rer Spiel­lust her­aus nicht befolgt. Es wäre auch wirt­schaft­lich ein Desas­ter gewor­den. Nun kön­nen wir sagen: Alles rich­tig gemacht. Der Jah­res­ab­schluss konn­te sich sehen lassen.

Wie weit sind Sie in den Pla­nun­gen für die kom­men­de Sai­son? Wie gehen Sie dabei mit der nach wie vor herr­schen­den Unsi­cher­heit, ob Kul­tur­be­trieb statt­fin­det oder nicht, um?

Jan Burd­in­ski: Mit der­sel­ben Hal­tung wie im Vor­jahr: Wir berei­ten uns Schritt für Schritt vor und wol­len star­ten, wenn das Signal auf grün steht.


Wel­che Stü­cke wür­den zu sehen sein, wenn alles klappt?

Jan Burd­in­ski: Wie schon erwähnt „Ein Som­mer­nachts­traum“ und „Der flie­hen­de Hol­laen­der“. Außer­dem moti­vier­te uns der gro­ße Publi­kums­er­folg des Musi­cals „Heis­se Zei­ten“ dazu, die Fort­set­zungs­ge­schich­te vor­zu­neh­men: Das Musi­cal „Höchs­te Zeit“. Dazu kom­men noch meh­re­re solis­ti­sche Neu­in­sze­nie­run­gen wie „Emmas Glück“, bekannt aus dem Kino, „Die Stern­stun­de des Josef Bie­der“, das komö­di­an­ti­sche Solo eines Thea­ter-Requi­si­teurs, und das Musik­thea­ter „Mozart goo­geln“. Und last but not least „Don Qui­jo­te & Sancho Pansa“.


Nach wel­chen Gesichts­punk­ten stel­len Sie den Spiel­plan zusammen?

Jan Burd­in­ski: Ent­schei­dend ist die Ent­wick­lung, wel­che das Schau­spiel-Ensem­ble in den letz­ten Jah­ren genom­men hat, des­sen Wün­sche und Befä­hi­gun­gen. Die Kennt­nis unse­res sehr hete­ro­ge­nen Publi­kums erfor­dert einen viel­ge­stal­ti­gen Spiel­plan, was auch mei­ner eige­nen Vor­lie­be entspricht.


Wer­den Sie sich insze­na­to­risch der Pan­de­mie annehmen?

Jan Burd­in­ski: Den Gefal­len, ein Stück über Coro­na auf die Büh­ne zu brin­gen, wer­de ich dem Virus nicht tun, das wäre zuviel der Ehre. Seit einem Jahr hat die Pan­de­mie all unse­re Sin­ne in Beschlag genom­men. Jetzt habe ich ein Bedürf­nis nach fri­scher Thea­ter­luft und damit ste­he ich nicht allein. Aus grö­ße­rem zeit­li­chen Abstand her­aus wer­de ich viel­leicht mal ein Thea­ter­stück dar­über schrei­ben. Es wird eine Tra­gi­ko­mö­die werden.


Mit Gut Kut­zen­berg bei Lich­ten­fels haben Sie zusätz­lich zum Wan­der­thea­ter eine sta­tio­nä­re Büh­ne gefun­den. Wie weit sind Sie mit die­ser Büh­ne fort­ge­schrit­ten – wird sie 2021 schon zum Ein­satz kommen?

Jan Burd­in­ski: Mit der Sanie­rung der Räum­lich­kei­ten von Gut Kut­zen­berg wer­den wir noch ein paar Jah­re zu tun haben, aber das „Gar­ten­thea­ter“ nut­zen wir schon seit zwei Jah­ren. Es ist eine traum-haf­te Frei­licht­büh­ne – bes­tens geeig­net für den „Som­mer­nachts­traum“ und für „Don Qui­jo­te“.
Die Wie­se vor den bei­den gro­ßen Lin­den­bäu­men sind herr­li­che Spiel­plät­ze für Kin­der­thea­ter und für Musik­thea­ter. Und die bei­den Scheu­nen bespie­len wir mit klei­nen fei­nen Kammertheater-Produktionen.

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