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Tom Gerhardt

Kult-Sta­tus zwi­schen Kaba­rett und Comedy

Tom Ger­hardt

Der Köl­ner Komi­ker und Schau­spie­ler Tom Ger­hardt wur­de einer brei­ten Öffent­lich­keit vor allem durch den Kino­film „Voll nor­maaal“ (1994), des­sen Fort­set­zun­gen und die von 1999 bis 2010 aus­ge­strahl­te Sat. 1‑Fernsehserie „Haus­meis­ter Krau­se – Ord­nung muss sein“ bekannt. 40 Jah­re nach sei­nem ers­ten Büh­nen-Pro­gramm hat der sym­pa­thi­sche Enter­tai­ner jetzt sei­ne ver­rück­tes­ten und belieb­tes­ten Figu­ren in ein neu­es Solo-Pro­gramm gesteckt. „Vol­le Packung!“ ist unter­halt­sa­me Come­dy und Grund genug im locke­ren Gespräch mit Tom Ger­hardt sei­ne lang­jäh­ri­ge Kar­rie­re über­blicks­ar­tig Revue pas­sie­ren zu lassen.
Nach Abitur und Grund­wehr­dienst haben Sie zunächst stu­diert. Waren Ger­ma­nis­tik und Phi­lo­so­phie dann doch nicht das Rich­ti­ge für den wei­te­ren Lebensweg?

Ich war zunächst als frei­er Lokal­jour­na­list in Köln tätig, dann beim Fern­se­hen für Jür­gen von der Lip­pe und als sich spä­ter dann schlag­ar­tig Erfolg mit dem Come­dy-Pro­gramm „Dackel mit Sekt“ ein­stell­te, habe ich mich erst­mal für die Büh­ne entschieden.


Mit „Voll nor­maaal“ und den Fort­set­zun­gen „Bal­ler­mann 6“ (1997) und „Die Super­bul­len“ (2011) wur­den sie zum Komö­di­en­star. Im ers­ten Film spiel­ten Sie gleich drei Rollen?

Ja, Mega­proll Tom­mie mit der Pudel­müt­ze, Mega-Spie­ßer Die­ter Krau­se sowie Ekel­pa­ket Heinz. Film, Set­ting und Cha­rak­te­re, auch die der Fern­seh­se­rie „Haus­meis­ter Krau­se – Ord­nung muss sein“, basie­ren auf Figu­ren aus mei­nem wil­den Bühnen-Unwesen.


Zwi­schen Köln und Düs­sel­dorf herrscht in vie­ler­lei Hin­sicht Riva­li­tät. Mit der Band Die Toten Hosen ver­ste­hen Sie sich aber sehr gut?

Yo, aber lan­ge ist es her: Da habe ich für das Lied „Ram­bo-Dance“ auf dem Album „Kauf mich!“ (1993) das Intro ein­ge­spro­chen und sie haben bei „Voll nor­maaal“ einen Gast­auf­tritt und tref­fen auf mich, als es um den Kampf Düs­sel­dor­fer Alt­bier gegen Köl­ner „Rams­dor­fer Kölsch“ geht.


Mit der TV-Serie „Haus­meis­ter Krau­se – Ord­nung muss sein“ haben Sie sich end­gül­tig eta­bliert. Aus­ge­strahlt wur­de 1999 bis 2010 auf Sat1, 80 Epi­so­den in acht Staf­feln. Wer außer Ihnen war maß­geb­lich am Schrei­ben beteiligt?

Die Ber­li­ner Tho­mas Platt und Juli­us Grütz­ke – die haben schon für „Wer­ner“ Ideen ent­wi­ckelt. Mei­ne Köl­ner Muse Franz Krau­se (er spen­de­te damals sei­nen Nach­na­men), die ener­ge­ti­schen Münch­ner Timo Schmel­zer und Mar­tin Zelt­ner. Und Pro­du­zent Her­mann Weigel, der zusam­men mit dem unver­gess­li­chen Bernd Eichin­ger (unter ande­rem „Der Name der Rose“, „Der Unter­gang“) auch die­se Pro­duk­ti­on über­nom­men hatte.


Hat der Erfolg der TV-Serie vor allem mit der Beset­zung zu tun, die für eine deut­sche Sit­com äußerst pass­ge­nau aus­ge­wählt wurde?

Ich den­ke schon, denn die Fami­lie von „Die­ter Krau­se“ ist per­fekt: Ich rede von mei­ner Frau „Lis­beth“ (Ire­ne Schwarz), Die­ters Sohn „Tom­mie“ (Axel Stein) und sei­ner Toch­ter „Car­men“ (Jani­ne Kun­ze): Das geht nicht bes­ser. Und auch nicht zu ver­ges­sen mein Kurz­haar­da­ckel Bodo, „dat jute Tier“. Aber auch in ande­ren Rol­len haben die Dar­stel­ler geglänzt: zum Bei­spiel Die­ters Vor­ge­setz­ter „Herr Makiel­ski“ (Jür­gen Ton­kel), der Prä­si­dent des Dackel­club KTC 1881. e.V., meist Mar­tin Stier und natür­lich Die­ter Krau­ses bes­ter Freund: Her­bert Fink, die treue See­le, die von Die­ter scham­los aus­ge­nutzt wird. Herr­lich gespielt von Det­lev Redinger.


Ich fand vor allem die Epi­so­den beson­ders lus­tig, in denen Sie als Haus­meis­ter mit den Hip­pies Rudolf und Gesi­ne (´die ver­dam­mi­ch­ten Mari­hua­na-Rau­cher´) zu tun haben. Haben Sie Lieblingsfolgen?

Ja, da gibt‘s eini­ge, aber wo wir beim The­ma sind: Wenn Die­ter Krau­se „Raz­zia bei de Dro­gen­brü­der“ mit Kampf-Dackel Bodo gemacht hat, dann muss­te ich mich beim Dreh immer schwer beherr­schen, um nicht loszulachen…


Für Ihre Arbeit haben Sie eini­ge Ehrun­gen und Aus­zeich­nun­gen erhal­ten, dar­un­ter den Deut­schen Come­dy­preis. Was bedeu­ten Ihnen die­se Preise?

Ach ja – natür­lich freue ich mich über die Aner­ken­nung… aber für mich zählt ganz über­wie­gend das Publi­kum. Und übri­gens – der Come­dy-Preis: Seit ich vor eini­gen Jah­ren eine Art wokes Stand­ge­richt gegen Luke Mock­ridge ange­grif­fen habe, das wäh­rend der Show pathe­tisch ange­führt wur­de von Maren Kroy­mann und Hazel Brug­ger, die sich ver­an­lasst sahen, mit gewich­ti­gen Anschul­di­gun­gen, dafür aber ohne Bewei­se, dem „Ange­klag­ten“ Luke schlim­men Sexis­mus vor­zu­wer­fen und ihn aus dem Kreis der anstän­di­gen Komi­ker dau­er­haft aus­zu­schlie­ßen. Als ich die­se eil­fer­ti­ge woke „Gerichts­bar­keit“ als Lynch­jus­tiz bezeich­net habe, war Schluss mit lus­tig. Seit­dem wer­de ich nicht mehr ein­ge­la­den, hehehe… 


Haus­meis­ter Krau­se fand auch den Weg auf die Büh­ne. Läuft das Pro­gramm bis heu­te noch?

2022 hat­te das Thea­ter­stück von Dreh­buch­au­tor Franz Krau­se und mir Pre­mie­re in Essen. Und wir sind damit immer noch auf Tour­nee, im Herbst 2026 unter ande­rem in Soest, Hennef und Han­no­ver. Wir hat­ten schon über 500 Auf­füh­run­gen quer durch Deutsch­land. Nach einem inten­si­ven Jahr­zehnt mit Kino und TV fühlt es sich gut an, wie­der auf der Büh­ne zu ste­hen. Das galt zuvor auch schon für das Thea­ter­stück „Din­ner für Spin­ner“ von Autor Fran­cis Weber/​Regisseur René Hein­ers­dorff und die Komö­die „Ket­ten der Lie­be“, die wir auch sel­ber ver­fasst haben – mal wie­der mit Franz Krau­se. Da geht es um einen aus­ge­ras­te­ten Fan, der nicht zu brem­sen ist.


Mit ihrem 2010 gebo­re­nen Sohn Rodri­go haben Sie zusam­men ein Buch geschrie­ben. Um was geht es?

Wir wur­den durch den Klas­si­ker „Max und Moritz“ von Wil­helm Busch inspi­riert. So haben wir „Mats & Murat“ ent­wi­ckelt. Es geht um zwei Fle­gel aus unse­rer Zeit, zwei nichts­nut­zi­ge Kata­stro­phen-Kids und ihre respekt­lo­sen Strei­che. Und das Buch wur­de dann kon­ge­ni­al von Kaha Schroers illustriert.


Nach Hall­stadt kom­men Sie dem­nächst als Solo­künst­ler. Um was geht es in Ihrem Pro­gramm „Vol­le Packung!“?

Ich bin auch hier natür­lich in mei­ner Para­de-Rol­le als „Haus­meis­ter Krau­se“ zu sehen, spie­le aber auch diver­se ande­re Rol­len: Zum Bei­spiel Die­ters Toch­ter Car­men, Sohn Tom­mie – ja klar!, mit kul­ti­ger Pudel­müt­ze und obli­ga­to­ri­schem Aus­puff. Einen hyper-aggres­si­ven Weih­nachts­mann, ein gro­ßes, männ­li­ches Kör­per­teil, das sei­ne eige­ne, neue „Iden­ti­tät“ gefun­den hat…


Im Dezem­ber 2025 sind Sie 68 Jah­re alt gewor­den. Spielt die Ren­ten­pla­nung bereits eine Rol­le für Sie?

Nein, ich mache wei­ter, solan­ge das Publi­kum will. Wenn‘s denen Spaß macht, macht es auch mir Spaß!