Virtueller Kurs für Lehrkräfte und Lehramtsstudierende
Digitale Kompetenz für Grundschule
Kinder sind neugierig und wollen lernen – gleichzeitig sind sie abhängig von Erwachsenen. Ist eine Lehrkraft nicht technikaffin, kann die Bereitschaft von Kindern, digitale Kompetenz zu erlernen, schnell abnehmen. Für Lehrkräfte und Lehramtsstudierende, die sich in das Thema einarbeiten wollen und Anregungen suchen, wie sie das Thema an Kinder im Grundschulalter vermitteln können, hat die Universität Bamberg nun einen Online-Kurs entwickelt.
Ab dem 1. März bietet die Universität Bamberg den Kurs „Data Literacy für die Grundschule“ auf dem KI-Campus, der Lernplattform für Künstliche Intelligenz, an. „Die zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche“, sagt Kursleiterin Prof. Dr. Ute Schmid von der Professur für Angewandte Informatik, „wird immer mehr auch Teil der kindlichen Erfahrungswelt. Entsprechend wichtig ist es, bereits in der Grundschule digitale Kompetenz kindgerecht und konkret zu vermitteln. Dazu gehört ein Verständnis über die vielfältigen Arten von Daten – von Zahlen zu Texten zu Bildern – und wie Daten im Computer repräsentiert und algorithmisch verarbeitet werden.“ Der Kurs bietet Lehrkräften einen niedrigschwelligen Einstieg in das Thema „Digitale Kompetenz“ für Grundschulen und gibt Anregungen für die konkrete Umsetzung im Unterricht.
Der Kurs ist in Zusammenarbeit mit Dr. Anja Gärtig-Daugs von den Digitalen Lehr-Lern-Laboren (DigiLLabs) am Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerbildung (ZLB) und Prof. Dr. Renata Szczepaniak, Lehrstuhlinhaberin für Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Bamberg, entstanden. Die DigiLLabs sind Orte des wissenschaftlichen und praktischen Austausches zu digitalen Techniken und Lehr-Lern-Settings. Sie bieten die Möglichkeit, die Nutzung von Technik, die Vermittlung und Erarbeitung von Lehrinhalten, das Kommunikationsverhalten bei unterschiedlichen Lehr-Lern-Arrangements und Interventionsformen direkt und mediengestützt zu erproben und kritisch einzuordnen. DigiLLabs wird durch die Initiative BAYERN DIGITAL II und die Oberfrankenstiftung gefördert.
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Ikone der Fakultät für slavische Kunst- und Kulturgeschichte
Prof. Dr. Ada Raev feiert ihren Abschied
Am 28. Oktober, nach fast 13 Jahren als Professorin für Slavische Kunst- und Kulturgeschichte an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, hielt Prof. Dr. Ada Raev ihre Abschiedsvorlesung mit dem Titel „Die Macht der Bilder. Fëdor Dostoevskij als Bildbetrachter. Versuch einer Annäherung“. Dies war das Ende einer beachtlichen akademischen Laufbahn.
1979 war Ada Raev wissenschaftliche Assistentin am Kunstgeschichtlichen Institut der Humboldt-Universität Berlin. Bereits drei Jahre später wurde sie 1982 an der Lomonossow-Universität Moskau promoviert. 1999 habilitierte sie sich an der Humboldt-Universität und wurde im Anschluss Oberassistentin am Kunstgeschichtlichen Seminar. Im weiteren Verlauf ihres Werdegangs hatte sie Vertretungsprofessuren für Kunstgeschichte an der Technischen Universität Dresden (2001÷2002), an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (2003÷2004) sowie an der Humboldt-Universität (2005) inne.
2006 wurde sie Gastprofessorin an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, bevor sie eben 2008 die Stelle als Professorin für Slavische Kunst- und Kulturgeschichte an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg antrat. Von diesem Zeitpunkt an war sie „daham in Franggn“ und schätzt hier die hohe Lebensqualität, auch wenn sie ihren Werdegang zunächst etwas anders plante und gewissermaßen nur dank eines Stipendiums in das Themengebiet der slavischen Kunst- und Kulturgeschichte gelangte.
„Nach meinem Studium der Kunstgeschichte in Moskau“, sagt Ada Raev, „hätte ich mich gern mit italienischer Renaissance beschäftigt – meine Diplomarbeit habe ich über „Das Porträt im
frühen Florentiner Manierismus“ geschrieben – weil ich ganz fasziniert von den häufig melancholischen Bildnissen gewesen bin. In der damaligen DDR waren die Forschungen zur Renaissance an der Uni Leipzig gerade abgeschlossen, man widmete sich dort dem Barock. So bin ich an die Humboldt-Universität nach Berlin gegangen, wo zur Moderne und Avantgarde geforscht wurde.“
Promotion und ein weiterer Aufenthalt in Moskau
Aus diesen Forschungen ergab sich das Thema ihrer Promotion „Russisch-deutsche Kunstbeziehungen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert (1896 bis 1906)“. Ein Stipendium ermöglichte ihr einen weiteren, diesmal dreijährigen, Aufenthalt in Moskau, wo Grigorij Sternin ihr Doktorvater wurde.
„Das war im Grunde genommen mein Einstieg in die slavische Kunst- und Kulturgeschichte. Als nach meiner Rückkehr nach Berlin im Zuge der Perestroika das Interesse an russischen Themen wuchs, habe ich mich darauf fokussiert, nichtsdestotrotz aber auch anderes unterrichtet. Zum Beispiel zusammen mit meiner Kollegin und Freundin Ruth Tesmar, die Künstlerin ist, lehrte ich viel über Zeichnung und Druckgraphik, verbunden mit Besuchen im Berliner Kupferstichkabinett – die Auseinandersetzung mit dem Original ist immer eine Bereicherung für Lehrende und Studierende.“
Dieser Russlandschwerpunkt, befördert durch die Kenntnis von Sprache und Kultur, spiegele sich deutlich in ihrer Publikationsliste. Nach der Wende gab die Berührung mit feministischer Kunstgeschichte zudem den Impuls, über russische Künstlerinnen der Moderne zu forschen und Vorträge zu halten.
„Damit habe ich mich einige Jahre später, 1999, habilitiert. Aber mit dem Fokus auf Russland war es schwer bis unmöglich, eine Professur in der Kunstgeschichte zu bekommen, was mir auch eineinhalb Jahre Arbeitslosigkeit beschert hat. Umso mehr war die Ausschreibung der Professur für Slavische Kunst und Kultur an der Uni Bamberg für mich eine große Chance und ich hatte das Glück, den Ruf darauf zu bekommen.“
Lebendige Seminare
Ada Raev deckt mit ihren Themensetzungen ein weit gefasstes Forschungsspektrum und bekleidet zahlreiche Ämter in diversen Funktionen. Unter anderem ist sie seit 2015 Mitglied des Beirats der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Regensburg. Eigene Forschungsschwerpunkte betreffen neben Genderfragen auch den Kulturtransfer, Bühne, Tanz und Theatralität sowie Aspekte der Landschaftsmalerei. Unter anderem diese Aspekte gab sie viele Jahre lang an ihre Studierenden weiter.
„Es ist mir immer wichtig gewesen, die Studierenden für Themen, die mir selbst am Herzen liegen, zu begeistern oder jedenfalls zu sensibilisieren. Als Kunsthistorikerin wollte ich sie dazu zu befähigen, genau hinzuschauen, visuelle Strukturen zu erkennen und über das Gesehene zu reflektieren – eine anspruchsvolle Angelegenheit.“
Immer habe sie sich gefreut, wenn es gelang, Seminarsitzungen zu einer lebendigen Veranstaltung zu machen. „Das ist kein Selbstläufer, funktioniert aber, wenn man sich gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung entgegenbringt. Und langfristig gesehen ist es natürlich eine Freude, wenn man sieht, dass die Studierenden ihren eigenen Weg gehen und im Beruf ankommen, promovieren oder sich habilitieren. Dann entsteht das Gefühl, dass die eigenen Bemühungen nicht umsonst gewesen sind“, so Prof. Raev.
Geteilte Erfahrungen und Erinnerungen bleiben lebendig
Exkursionen spielen dabei eine wichtige Rolle und setzen der bereits attraktiven Lehre das i‑Tüpfelchen auf. „Zweifelsohne haben die Exkursionen, für die mir schon in Berlin und dann auch in Bamberg die notwendigen Finanzmittel zur Verfügung standen, dazu beigetragen, die Lehre attraktiv zu gestalten und bestimmte Themen zu vertiefen.“
Vielleicht hänge es auch mit ihrer DDR-Herkunft zusammen, wo die Reisemöglichkeiten sehr eingeschränkt waren, und mit den Exkursionen, die sie von Moskau aus gemacht habe, nach Armenien, Georgien, Leningrad und Prag, dass es sie immer gelockt habe, andere Orte und Länder kennenzulernen.
„Ich tue das gern in Gesellschaft, weil sich so die Gelegenheit bietet, sich sofort über Gesehenes und Erlebtes auszutauschen. Das ist einfach schön und belebend. Man kann sein eigenes Wissen weitergeben und lernt die Mitreisenden näher kennen. Man unterhält sich über Dinge, über die man sonst nicht miteinander sprechen würde. Das ist für den generationsübergreifenden Dialog, aber auch für den der Studierenden untereinander, ganz wichtig, wie mir scheint. Und: Geteilte Erfahrungen und Erinnerungen bleiben lebendig.“
Freiheit setzt Energien frei
Ada Raev sieht den größten beziehungsweise wichtigsten Vorteil der Tätigkeit als Professorin darin, eigene Interessen zur Profession machen zu können. Man untersteht gewissen Richtlinien des Fachgebietes, für das man zuständig ist, die verlangen, möglichst breit, methodisch und abwechslungsreich zu unterrichten. Trotzdem ist man relativ frei in der Wahl der Themen.
„Das ist ein großes Privileg, das viele Energien freisetzt und den eigenen Horizont erweitert. Dazu gehört auch die Möglichkeit, Buchanschaffungen in der Universitätsbibliothek zu initiieren oder dort sogar Ausstellungen zusammen mit Studierenden zu machen. In den Semesterpausen, in denen man den Arbeitsrhythmus selbst bestimmen kann, hat man das Recht und die Pflicht, sich in neue Themen einzuarbeiten und die eigenen Forschungen voranzubringen.“
Rückblickend schätze sie ihre alte Arbeitsstätte wahrscheinlich sogar noch einmal ein Stück mehr und riskiert einen Blick auf daraus resultierende Kooperationen: „Erwähnen möchte ich dazu den Austausch mit den Hilfswissenschaftlerinnen und ‑wissenschaftlern und den Kolleginnen und Kollegen, denn man sitzt als Professorin ja nicht im sogenannten Elfenbeinturm. Als besonders anregend und herausfordernd habe ich außerhalb der Universität immer die Zusammenarbeit mit Museen empfunden, die sich durch meine gesamte berufliche Laufbahn gezogen hat. Dafür bin ich sehr dankbar!“
Der Regnitz entlang zur Arbeit
Dass Bamberg zu den schönsten Städten Deutschlands gehört, ist für viele selbsterklärend. Selbsterklärend ist ebenfalls, dass Ada Raev Bamberg bereits jetzt vermisst. „Gewohnt habe ich im Hain, hatte also an der Regnitz oder am Hollergraben entlang einen zauberhaften Weg zur und von der Arbeit. Von meinem Bürofenster aus habe ich auf die Dächer der Altstadt und den Bamberger Dom geschaut. Das ist nicht zu toppen!“
Doch nicht nur das werde ihr fehlen: „Das gilt auch für die Bamberger Backkultur, die Atmosphäre auf dem Grünen Markt, die Stimmung in der Vorweihnachtszeit. Und natürlich werde ich meine Kolleginnen und Kollegen und die Studierenden vermissen.“
Es wird deutlich, dass sie sich in Bamberg zu jedem Zeitpunkt wohlfühlte. Dies liege nicht nur an der Schönheit der Stadt, sondern ebenfalls an denjenigen Personen, die sie während ihrer Zeit in Bamberg unterstützten. Ganz besonders denke sie hierbei an ihren Mann Boris, Markus Behmer, als Dekan der Fakultät für Geschichts- und Kulturwissenschaften, und Elisabeth von Erdmann und Sandra Birzer, Kolleginnen am Institut für Slavistik Bamberg. Großartige Unterstützung habe sie auch von ihren Hiwis bekommen. Hier seien stellvertretend Irina Alter, Mira Banka, Magdalena Burger, Eugeniya Ershova, Kathrin Gentner, Helene Kißler und Jaroslav Sebov zu nennen.
Fokus, Eigeninitiative und Mut
An Ada Raev wird deutlich, dass man mit einem Fokus und viel Willenskraft einiges erreichen kann. Genau dies möchte sie jungen Studierenden und Absolventen auf Jobsuche mitgeben. „Es ist wichtig, dass man das, was man tut, mit Herzblut tut und bereit ist, sein Bestes zu geben. Das setzt positive Energien frei und hilft, Durststrecken besser zu überstehen. Offenheit und Kommunikationsbereitschaft tragen dazu bei, Frusterfahrungen zu minimieren. Dazu gehört aber auch der Mut, gegebenenfalls „Nein“ zu sagen.“
Ada Raev selbst setzt in ihrem Ruhestand von nun an den Fokus auf andere Dinge und kann bereits einige Pläne vorweisen – öde wird es ihr wohl sicherlich nicht. „Noch ist keine Langeweile in Sicht, darunter habe ich aber auch noch nie gelitten. In den nächsten Jahren gilt es, meine drei verbliebenen Promovendinnen auf dem Weg zum Abschluss ihrer Promotion zu begleiten. Mehrere Aufsätze wollen geschrieben sein und ich möchte mein auf Russisch erschienenes Buch über Marie Vassilieff, eine Protagonistin der École de Paris, gern auf Deutsch publizieren. Und Boris und ich wollen reisen.“
Auf lange Sicht freue sie sich über die neu gewonnenen Freiheiten und den Umstand, dass administrative Pflichten nun wegfallen und sie sich auf die ihr wichtigen Dinge konzentrieren, soziale Kontakte intensiver pflegen und spontan auf Reisen gehen kann.
Eines ist sicher: Ada Raev wird Bamberg keinesfalls für immer verlassen – im Gegenteil. In Zukunft muss sie jedoch nicht mehr universitären Pflichten nachkommen und kann ohne Zeitdruck in den Gassen Bambergs spazieren gehen, Kuchen und Kaffee im Café am Dom genießen und die Stimmung in der Bamberger Altstadt spüren. Sie hat Spuren in der Bamberger Universität hinterlassen und viel zu einem angenehmen Klima an der Hochschule beigetragen.
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Verbesserung des Menschen durch Technologie
Bamberger Psychologen: Impfung als Human Enhancement
Niklas Döbler und Claus-Christian Carbon sehen die Impfung gegen Covid-19 als Human Enhancement, als gezielte Verbesserung des Menschen durch Technologie.
„Human Enhancement-Technologien zielen darauf ab, menschliche Fähigkeiten zu erweitern und zu verbessern“, sagt Niklas Döbler, der am Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie und Methodenlehre der Universität Bamberg promoviert. „Egal, welche Definition man verwendet: Ein Impfstoff ist eine fortgeschrittene Biotechnologie, die dem menschlichen Körper die Fähigkeit verleihen soll, sich vor Covid-19 zu schützen.“
Über die ethischen Implikationen einer solchen Klassifizierung hat er zusammen mit Prof. Dr. Claus-Christian Carbon einen Fach-Artikel im Magazin „Translational Medicine Communications“ veröffentlicht.
Claus-Christian Carbon ergänzt: „Das Spannende ist ja, dass hierbei der Körper die entscheidende Arbeit selbst erledigt, also selbst lernt, mit dem Erreger umzugehen. Es geht um eine Beschleunigung von Prozessen, die im Körper natürlich angelegt sind.“
Bezüglich dieser Technologie gebe es jedoch einen Unterschied zwischen der akademischen und der öffentlichen Sichtweise. Um diesen zu verdeutlichen, führten Döbler und Carbon eine nicht-repräsentative Umfrage unter 67 Teilnehmenden im Alter von 17 bis 60 Jahren durch. Die Ergebnisse stützen die Annahme der beiden Wissenschaftler, dass Impfungen im alltäglichen Verständnis nur bedingt als Form des Human Enhancement wahrgenommen werden.
Das zeigt, wie sich wissenschaftliche und alltägliche Begriffe unterscheiden können und wie wichtig eine gute Wissenschaftskommunikation ist. Die Studienteilnehmenden haben Impfungen eher dann als Human Enhancement gesehen, wenn die Personen dem Thema generell positiv gegenüberstanden.
Immunität durch Impfung oder natürliche Heilungsprozesse?
Impfstoffe als Human Enhancement zu sehen, wirft neues Licht auf die aktuelle Impfdebatte. „Schon vor 20 Jahren”, sagt Niklas Döbler, „haben Menschen Human Enhancement kritisiert, wenn neue Technologien eingeführt wurden.“
Es habe zum Beispiel ethische Debatten um das Klonen oder die Gentechnik gegeben. „Human Enhancement ist weiterverbreitet, als man denkt. Es per se abzulehnen, wird der Komplexität des Themas nicht gerecht. Besser ist es, den jeweiligen Einzelfall anzuschauen.“
Die Hauptargumente, die Döbler und Carbon in der aktuellen Impfdebatte identifizieren, sind folgende: Befürworter wollen die Widerstandskraft des Körpers gegen Covid-19 durch die Impfung verbessern. Gegner wenden oft ein, dass die natürlichen Heilungsprozesse des Körpers ausreichend sind, um das Virus abzuwehren. Demzufolge geht es in der Debatte vor allem um die grundlegende Frage von Technik versus Natur und um die Frage, welche Veränderungen des Körpers gewünscht beziehungsweise abgelehnt werden.
Dabei sei auch der Begriff des Enhancements kritisch zu bewerten. Die Intention der jeweiligen Technologie mag zwar die Verbesserung menschlicher Fähigkeiten sein, ob das aber auch subjektiv so wahrgenommen wird, ist eine vieldiskutierte Frage. So folgert Carbon: „Menschen, die der Impfung kritisch gegenüberstehen, sehen diese Intervention vielleicht gar nicht als Verbesserung und damit als Chance, sondern fokussieren sich verstärkt auf reale und vermeintliche Nebenwirkungen, also das Risiko.“
Sicherheit und Autonomie gewährleisten
„Zynisch könnte man sagen: Es gab in der Vergangenheit Pandemien, die ein Großteil der Menschheit auch ohne Impfstoff überlebt hat“, sagt Niklas Döbler. Da die Wissenschaft jedoch in der Lage sei, Impfstoffe zu entwickeln und erfolgreich anzuwenden, sollte diese Option nicht vorschnell ausgeschlossen werden. Viele hochgefährliche Krankheiten könnten durch Impfstoffe verhindert, Leben gerettet und Pandemien effektiv eingedämmt werden.
Wichtig hierbei zu beachten sei auch die Wechselwirkung zwischen individuellen und gesellschaftlichen Vorteilen. „Am Anfang wurde viel über sogenannten Impfneid gesprochen, inzwischen herrscht aber eher Impffrust“, sagt Claus-Christian Carbon. „Das ist ein ebenso komplexes individuelles, wie sozial-politisches Thema. Wir müssen Human Enhancement-Technologien auch immer darauf untersuchen, wie wir eine gerechte Verteilung gewährleisten können, besonders wenn gewisse Privilegien mit dem Enhancement zusammenhängen.“
Außerdem müsse man sich fragen, wie man eventuelle soziale Spannungen moderieren könne. „Generell gilt aber, dass Impfungen als Human Enhancement auch über einen Netzwerkeffekt wirken, sprich, je mehr, desto besser.“
„Wenn die Sicherheit und Autonomie des Einzelnen so gut wie möglich gewährleistet sind, ist Human Enhancement also nicht generell abzulehnen. Das gilt auch für Formen, die wir schon längst nutzen, also auch für Impfung“, sagt Niklas Döbler. „Wir plädieren deshalb dafür, ethische Debatten um neue Technologien öfter aus einem Blickwinkel des Human Enhancement zu führen, um so den stark emotionalisierten Grad der Debatte gegenüber speziellen Technologien besser zu verstehen.”
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Studie
Universität Bamberg erforscht Mimik bei Schmerz, Ekel, Freude
Wie wirken sich Schmerz, Ekel und Freude auf den Gesichtsausdruck aus? Für eine Studie sucht die Universität Bamberg Versuchsteilnehmerinnen und ‑teilnehmer. Wer mitmacht, sollte sich aber auf etwas gefasst machen.
An der Mimik eines Menschen lässt sich seine Gefühlslage erkennen. Um die Einflüsse von Schmerz, Ekel und Freude auf den Gesichtsausdruck zu erforschen, ist die Professur für Physiologische Psychologie der Universität Bamberg auf der Suche nach Studienteilnehmenden.
Bei dieser Studie werden die drei Empfindungen Schmerz, Ekel und Freude bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern durch Berührungsreize und Bildmaterial ausgelöst und die mimische Reaktion aus mehreren Perspektiven gefilmt.
Die Studienteilnahme läuft in zwei Schritten ab. Im ersten Schritt klären die Forschenden in einem Telefongespräch, das etwa 20 Minuten dauert, ob die interessierten Personen für die Studie geeignet sind. Dann folgt die Versuchsdurchführung in einem Labor der Universität Bamberg am Markusplatz 3. Diese dauert ungefähr zwei Stunden.
Während des Versuchs werden bei den Teilnehmenden mit verschiedenen Reizen leichte Schmerzen ausgelöst, indem eine Hitze-Thermode auf dem Unterarm angebracht und eine Druckmanschette um den Unterschenkel gelegt wird. Die Schmerzen sind aber nur etwa so stark, wie wenn man sich leicht quetscht oder in heißes Badewasser eintaucht. Verletzungen können dabei nicht entstehen, betont die Universität Bamberg.
Um Ekel und Freude hervorzurufen, müssen sich die Teilnehmenden Bilder entsprechenden Inhalts anschauen. Der Gesichtsausdruck wird dabei durchgehend aus mehreren Perspektiven gefilmt. Abschließend müssen noch einige Fragebögen zur Erfassung der Einstellungen gegenüber den Empfindungen von Schmerz, Ekel und Freude ausgefüllt werden.
Die Studie wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und die Teilnehmenden erhalten eine Aufwandsentschädigung von 25 Euro.
Gesucht werden männliche und weibliche Personen, zwischen 18 und 65 Jahren,die gesund sein sollten, keine Schmerzerkrankungen haben und aktuell keine Medikamente einnehmen, die das zentrale Nervensystem beeinflussen. Wer interessiert ist, kann sich per E‑Mail unter mse-studie.physiolpsych@uni-bamberg.de anmelden. Weitere Informationen gibt es hier.
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Studie der Universitäten Darmstadt, Bamberg und Frankfurt
Forschende entlarven mangelhafte Datenschutz-Einstellungen auf ein paar tausend Webseiten
Eine interdisziplinäre Studie von Forschenden der Technischen Universität Darmstadt, der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Goethe-Universität Frankfurt zeigt, wie Webseitenbetreibende am wirkungsvollsten über mangelhafte Datenschutz-Konfigurationen informiert werden können.
So können Behörden und Sicherheitsforschende zukünftig möglichst effektiv Anbietende von Webseiten dazu bewegen, Mängel zu erkennen und zu beheben. Das Forschungsteam stellt dazu auch das Werkzeug „Check Google Analytics“ zur Verfügung, mit dem die korrekte Aktivierung der IP-Anonymisierung bei der Einbindung von Google Analytics überprüft werden kann.
Fehlerhafte Datenschutzeinstellungen auf Webseiten
Fast alle Webseiten und Onlineshops verwenden Analysewerkzeuge wie Google Analytics, um mehr über die Seitenbesucherinnen und ‑besucher und deren Nutzungsverhalten zu erfahren. Doch nicht alle dieser Tools sind datenschutzkonform nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) eingerichtet. Durch falsche Einstellungen können Webseitenverantwortliche Gegenstand von Abmahnungen, Schadensersatz oder Bußgeldern werden.
Forschende aus den Fachbereichen Informatik (Professor Matthias Hollick und Max Maaß, TU Darmstadt; Professor Dominik Herrmann und Henning Pridöhl, Universität Bamberg), Psychologie (Alina Stöver, TU Darmstadt) und Rechtswissenschaften (Dr. Sebastian Bretthauer und Professorin Indra Spiecker genannt Döhmann, Goethe-Universität Frankfurt) gingen in einer Studie der Frage nach, wie Webseitenbetreibende über fehlerhafte Datenschutzeinstellungen dieser Analysedienste so informiert werden können, dass sie ihre Internet-Angebote möglichst effektiv zur rechtmäßigen Einstellung hin ändern.
Informiert wurden fast 4000 Betreiberinnen und Betreiber
Innerhalb der interdisziplinären Studie wurden 3954 Betreiberinnen und Betreiber von insgesamt 4096 deutschen Webseiten über eine fehlende oder fehlerhafte Konfiguration der IP-Anonymisierung beim populären Analysedienst Google Analytics informiert. Dies bedeutete einen Verstoß gegen Datenschutzanforderungen. Für das Benachrichtigungsexperiment wurden erstens die Formulierung der Nachricht (Hinweis mit Information über Folgen für Nutzerschutz/Hinweis mit Information über mögliche Rechtsfolgen), zweitens das Kontaktmedium (E‑Mail oder Brief) und drittens der Absender (Informatikstudierende als Privatperson; Informatiklehrstuhl; datenschutzrechtlicher Lehrstuhl und Forschungsinstitut) variiert.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Mängel am ehesten behoben werden, wenn die Benachrichtigung einen Hinweis auf rechtliche Folgen enthält. Außerdem wurden die Einstellungen bei Information per Brief häufiger korrigiert als bei Hinweisen per E‑Mail. Die Identität des Absenders beeinflusst die Bereitschaft, Änderungen vorzunehmen, ebenfalls: So führten Schreiben des datenschutzrechtlichen Lehrstuhls und Forschungsinstituts häufiger zum Erfolg als Informationen von Forschenden aus der Informatik.
Mehr als die Hälfte der Benachrichtigten behob das Problem
Überraschend effektiv zeigte sich die Information durch Privatpersonen mit fachlichem Hintergrund (Informatikstudierende). Insgesamt wurde das Problem von mehr als der Hälfte (56,6 Prozent) der Informierten als Reaktion auf das Benachrichtigungsexperiment behoben, während in der uninformierten Kontrollgruppe nur 9,2 Prozent von sich aus, zum Beispiel auf der Basis von Medienberichten, agierte.
Die Ergebnisse einer anschließenden Umfrage, die im Rahmen der Studie mit den Webseitenbetreibenden durchgeführt wurde, zeigte weiterführende Erkenntnisse zum Wissen der Webseitenverantwortlichen im Hinblick auf die von ihnen benutzten Analysetools. Fast 20 Prozent der Teilnehmenden waren sich nicht bewusst, das Analysewerkzeug Google Analytics auf ihrer Webseite zu verwenden. Zudem gaben 12,7 Prozent an, von der widerrechtlichen Einstellung gewusst und sie dennoch nicht behoben zu haben. Zusammen mit der Reaktionsrate sind somit Rückschlüsse auf datenschutzkonformes Verhalten und die Effektivität von Hinweisen auf datenschutzwidriges Verhalten möglich.
Für alle zugänglich: das Werkzeug “Check Google Analytics”
Basis der Analyse war das von den Autorinnen und Autoren entwickelte Werkzeug „Check Google Analytics“: https://checkgoogleanalytics.psi.uni-bamberg.de . Damit können die Einstellungen der eigenen Webseite im Hinblick auf den datenschutzkonformen Einsatz der Anonymisierungsfunktion von Google Analytics schnell und kostenlos geprüft werden. Im Rahmen der Untersuchungen wurden mit Hilfe des Tools fast 40.000 Scans von über 14.000 Webseiten durchgeführt.
Die Studie „Effective Notification Campaigns on the Web: A Matter of Trust, Framing, and Support” wurde am 12. August 2021 auf der renommierten Konferenz USENIX Security Symposium vorgestellt. Praxis-Tipps für die Durchführung einer solchen Benachrichtigungsstudie werden während des International Workshops on Information Security Methodology and Replication Studies (IWSMR 2021, 17. bis 20. August) vorgestellt. Eine Vorabversion der Ergebnisse kann auf dem Dokumentenserver arXiv eingesehen werden: https://arxiv.org/abs/2106.08029
Nach Auffassung der Konferenz der unabhängigen Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder vom 12.05.2020 reicht die IP-Anonymisierung inzwischen nicht mehr aus, um Google Analytics rechtskonform zu betreiben; inzwischen wird unter anderem eine vorherige Einwilligung der Seitenbesucherinnen und ‑besucher gefordert. Ob Google Analytics in Europa nach dem „Schrems II“-Urteil überhaupt noch betrieben werden darf, wird derzeit in mehreren Beschwerdeverfahren von den Datenschutzaufsichtsbehörden untersucht.
Die Forschungsarbeit wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Graduiertenkollegs 2050 „Privacy and Trust for Mobile Users“ sowie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) im Rahmen der gemeinsamen Förderung des Nationalen Forschungszentrums für angewandte Cybersicherheit ATHENE unterstützt.
Die Publikation ist online zu finden unter https://www.usenix.org/conference/usenixsecurity21/presentation/maass
Internationale Forschung unter Bamberger Leitung
Schulzeit bestimmt Lebenswege – unabhängig vom Bildungssystem
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Steffen Schindler von der Universität Bamberg hat Bildungswege in sieben verschiedenen Ländern untersucht. Ziel der Untersuchung war es, herauszufinden, ob sich unterschiedliche Bildungssysteme darin unterscheiden, inwieweit sie den späteren beruflichen Erfolg vorherbestimmen.
Durch die Wahl der weiterführenden Schule werden in Deutschland bereits frühzeitig Lebensverläufe vorherbestimmt. Schülerinnen und Schüler an Hauptschulen finden sich im späteren Leben häufiger in Berufen mit niedrigerem Einkommen wieder als Schülerinnen und Schüler auf dem Gymnasium. Der Umstand, dass durch das deutsche Schulsystem solche sogenannten Pfadabhängigkeiten besonders früh angelegt werden, wird in der öffentlichen Auseinandersetzung häufig kritisiert. Zum Vergleich werden dann oft Bildungssysteme angeführt, die längere Zeiten gemeinsamen Lernens in der Sekundarstufe vorsehen.
Ob sich unterschiedliche Bildungssysteme tatsächlich darin unterscheiden, inwieweit sie den späteren beruflichen Erfolg vorherbestimmen, hat nun ein internationales Forschungsteam untersucht. Es hat die Bildungssysteme aus sieben Ländern miteinander verglichen. Die Ergebnisse wurden im Juli 2021 in einem Sonderband der Zeitschrift „Longitudinal and Life Course Studies“ veröffentlicht. Die Erkenntnis: „In allen Bildungssystemen findet eine Sortierung der Schülerinnen und Schüler statt, durch die der spätere Arbeitsmarkterfolg vorherbestimmt wird“, fasst Dr. Steffen Schindler zusammen, Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Bildung und Arbeit im Lebensverlauf an der Universität Bamberg. Er leitet das Forschungsprojekt „LIFETRACK“ („Life-Course Dynamics of Educational Tracking“).
Aufteilung der Schülerinnen und Schüler in allen Bildungssystemen
Soziologinnen und Soziologen aus Dänemark, Deutschland, England, Finnland, Frankreich, Israel und Italien haben für das Projekt ihre Bildungssysteme untersucht und verglichen. Ihr Augenmerk richteten sie dabei auf die Sekundarstufe. Dort befinden sich typischerweise Schülerinnen und Schüler zwischen 10 und 18 Jahren. Die Sekundarstufe ist je nach Land unterschiedlich gestaltet. In Deutschland werden Schülerinnen und Schüler in der Regel bereits im Alter von 10 Jahren auf unterschiedliche Schulformen aufgeteilt.
In anderen Ländern besuchen Heranwachsende bis zum Alter von 14 oder 16 Jahren eine Gesamtschule. Dennoch finden sich auch in solchen Schulsystemen Aufteilungen der Schülerinnen und Schüler, die jedoch nicht immer offensichtlich sind. „Alle Forschungsteams haben in ihrem Land eine Form der Aufteilung von Schülerinnen und Schülern in der Sekundarstufe festgestellt – unabhängig vom Bildungssystem“, sagt Steffen Schindler. Sichtbar wird diese Differenzierung etwa, wenn Kinder je nach Leistung in unterschiedliche Lerngruppen aufgeteilt werden. In England findet die Aufteilung unauffälliger statt, zum Beispiel durch die Wahl bestimmter Fächer oder die Teilnahme an bestimmten Prüfungen.
Akademische Bildung bringt in jedem Bildungssystem Vorteile
Die sieben Länderstudien stimmen in einer Erkenntnis überein: Akademische Bildungswege führen tendenziell zu günstigeren Ergebnissen auf dem Arbeitsmarkt als berufliche Bildungswege. „Und die Frage, ob jemand später ein Studium aufnimmt oder nicht, wird in fast allen Ländern sehr häufig bereits durch die Sortierung in der Sekundarstufe entschieden“, sagt Steffen Schindler. Es zeigt sich in der Untersuchung auch, dass die Aufteilung der Schülerinnen und Schüler in allen Ländern zur Entstehung sozialer Ungleichheit beiträgt. Das liegt zum Beispiel daran, dass Kinder aus benachteiligter sozialer Herkunft häufiger in den nicht-akademischen Bildungsgängen vorzufinden sind als Kinder aus privilegierter sozialer Herkunft.
Für das Projekt haben die Forschenden längsschnittliche Daten ihres jeweiligen Landes analysiert. Das deutsche Team nutzte Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) in Zusammenarbeit mit dem Bamberger Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi). Neben Steffen Schindler gehören zum deutschen Forschungsteam Prof. Dr. Corinna Kleinert und Claudia Traini. LIFETRACK ist ein Teil des europäischen Forschungsprogramms „Dynamics of Inequality Across the Life Course“ (DIAL). NORFACE fördert das Projekt insgesamt mit rund 1,4 Millionen Euro. NORFACE ist ein Zusammenschluss mehrerer nationaler Forschungsförderorganisationen in Europa, wie zum Beispiel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
Neuer Masterstudiengang in Betriebswirtschaftslehre „Value Chain Management & Business Ecosystems“
Der neue Masterstudiengang „Value Chain Management & Business Ecosystems“ an der Universität Bamberg startet zum Wintersemester 2021//22. Inhalte sind vor allem die Wertschöpfung zwischen Unternehmen sowie die digitale Transformation.
„Nordbayern ist eine starke Industrieregion mit großen Unternehmen wie etwa Brose, Schaeffler oder Siemens und einem leistungsstarken Mittelstand“, erklärt der Studiengangsbeauftragte Prof. Dr. Björn Ivens. Viele dieser Unternehmen erzielen ihre Wertschöpfung auf sogenannten „Business-to-Business“-Märkten, kurz: „B2B“, also durch Geschäftsbeziehungen zwischen zwei oder mehr Unternehmen und nicht zwischen Unternehmen und Endkunden. „Ein Beispiel wäre hier etwa der Automobilzulieferer Brose, der seine Produkte an Volkswagen verkauft und nicht direkt an den Konsumenten“, erklärt Björn Ivens. Hier setzt der neue Studiengang an und möchte Expertinnen und Experten im Bereich „B2B“-Märkte ausbilden.
Vielfältige berufliche Perspektiven für Absolventinnen und Absolventen
Studierende lernen, wie Unternehmen und ihr Management solche Märkte analysieren, ihre strategische Positionierung bestimmen und die zahlreichen Aktivitäten, die sie intern oder in Zusammenarbeit mit Lieferantinnen und Lieferanten sowie Kundeninnen und Kunden und anderen Interessengruppen verbinden, effektiv und effizient koordinieren. „In enger Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus der Bamberger Wirtschaftsinformatik widmen wir uns im Studiengang außerdem den Herausforderungen der digitalen Transformation, vor der auch die Unternehmen der Region stehen“, sagt Ivens. Die Industrielandschaft befinde sich im Umbruch. Betriebswirtschaftliche Themen seien immer häufiger mit Aspekten der Informationstechnologie verbunden.
Berufliche Perspektiven für Absolventinnen und Absolventen sind vielfältig. So bereitet der Masterstudiengang auf den Einsatz in Industrie- und Dienstleistungsunternehmen vor, die auf den „B2B“-Märkten aktiv sind. Absolventinnen und Absolventen sind mit ihrem Profil aber auch geeignet für die Arbeit in vielen anderen Tätigkeitsfeldern, wie etwa der Politik und der Wirtschaftsförderung, oder für Stiftungen, Vereine, Behörden, Parteien und andere Organisationen. In vielen Berufsfeldern ist ökonomisches Denken und das Verständnis komplexer Marktstrukturen erforderlich. Das Studium kann sowohl zum Winter- als auch zum Sommersemester aufgenommen werden. Eine Bewerbung für den neuen Studiengang ist zum Wintersemester 2021⁄22 noch bis einschließlich 13. August möglich. Die Vorlesungen und Seminare finden in deutscher und englischer Sprache statt und die Regelstudienzeit beträgt vier Semester.
Neue Doppelmasterabschlüsse in BWL und VWL möglich
Neben dem neuen BWL-Masterstudiengang können Studierende ab dem Wintersemester 2021⁄22 zwei neue Doppelabschlussprogramme wählen. Zusammen mit der Radboud Universität in Nijmegen in den Niederlanden gibt es künftig einen BWL-Doppelabschluss im Bereich Personalmanagement. Das Programm zeichnet sich durch seine internationale Integration aus und führt Studierende in zwei Jahren zu den Masterabschlüssen beider Universitäten.
Die Universität Verona in Italien und die Otto-Friedrich-Universität Bamberg haben ebenfalls eine Doppelabschlussvereinbarung geschlossen. Kernfach des Studiums ist an beiden Universitäten die Volkswirtschaftslehre. Das gemeinsame Programm ermöglicht den Teilnehmenden ein vertieftes und modernes Studium der Ökonomie aus einer gesamteuropäischen Perspektive in einem länderübergreifenden Rahmen.
Weitere Informationen
Zum Studiengang „Value Chain Management & Business Ecosystems“: https://www.uni-bamberg.de/ma-vcmbe
Zum Doppelabschlussprogramm mit der Radboud Universität:
https://www.uni-bamberg.de/ma-dd-bwl/radboud-university-nijmegen
Zum Doppelabschlussprogramm mit der Universität Verona: https://www.uni-bamberg.de/ma-dd-ees/universita-degli-studi-di-verona
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Melanie Huml als Vorsitzende des Kuratoriums wiedergewählt
Das Kuratorium der Universität Bamberg hat Staatsministerin Melanie Huml als Vorsitzende wiedergewählt. Die Universität auf Erfolgskurs zu halten, um Bamberg als Wissenschaftsstandort nachhaltig zu stärken, gibt das Gremium als Ziel aus. Deshalb möchte das Kuratorium die Weiterentwicklung der Universität fördern, sowohl hinsichtlich inhaltlicher Ausrichtung als auch baulicher Maßnahmen.
„Unser gemeinsames Ziel ist, die positive Entwicklung unserer Uni Bamberg weiter zu fördern, denn für die ganze Region ist die Universität von enormer Bedeutung“, erklärte Huml nach der konstituierenden Sitzung.
Die Otto-Friedrich-Universität gehöre mit ihren fast 1.400 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern in Bamberg, wirke aber auch weit darüber hinaus, denn: „Durch eine Hochschule wandern weniger junge Menschen in andere Städte ab, vielmehr kommen sogar junge Menschen von außerhalb in die Region. Das Potential an hochqualifizierten Arbeitnehmern wiederum ist für die Wirtschaft ein wichtiges Standortkriterium“, so Huml weiter.
Das Kuratorium wolle deshalb die Weiterentwicklung der Universität fördern. „Angefangen von der Finanzierung notwendiger Baumaßnahmen bis hin zur inhaltlichen Ausrichtung, gerade für mich als Landtagsabgeordnete gibt es viele Möglichkeiten die Weiterentwicklung unserer Uni zu unterstützen“, erklärt Staatsministerin Melanie Huml und führt als Beispiel die Umsetzung der Hightech Agenda Bayern (HTA) an.
Uni auf Erfolgskurs halten
Über die HTA hatte die Uni Bamberg zunächst zwölf neue Professuren im Bereich Informatik erhalten und konnte sich dann noch zusätzlich sieben Professuren speziell mit Fokus auf Künstlicher Intelligenz im KI-Wettbewerb Bayern sichern. „Wir schaffen es hoffentlich auch noch, weitere Informatik-Professuren in Bamberg einzurichten, denn dieser Bereich birgt enormes Potential, gerade auch für die Zukunft unserer Region. Ich denke hier beispielsweise an die Gründung von Startups durch Absolventen und den Knowhow-Transfer in die Wirtschaft, aber auch an mögliche Schnittstellen zum Cleantech-Park Hallstadt“, so Huml.
Der Ausbau der WIAI-Fakultät sei eine Bereicherung und auch eine Herausforderung, sagte Huml mit Blick auf die räumliche Unterbringung. Die Kuratoriumsvorsitzende betont aber auch: „Uns ist es wichtig, die Uni Bamberg insgesamt zu fördern und uns dabei nicht auf einen einzelnen Bereich zu beschränken. Zum Beispiel stehen wichtige Baumaßnahmen an, etwa die Sanierung des Standorts Feldkirchenstraße. Hier konnten wir im Haushalt des Freistaats immerhin schon einen Titel erreichen, benötigen aber noch die Mittel“, berichtet Huml.
Als Landtagsabgeordnete werde sie hier nachhaken und die Unileitung auch bei den weiteren Belangen unterstützen. „Es gilt, unsere Uni auf Erfolgskurs zu halten, um Bamberg als Wissenschaftsstandort nachhaltig zu stärken“, betont Huml, die seit fast 13 Jahren Vorsitzende des Kuratoriums ist. Als stellvertretende Vorsitzende wurde Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz bestätigt. Die weiteren Mitglieder sind Oberbürgermeister Andreas Starke, Landrat Johann Kalb, die Landtagsabgeordneten Inge Aures, Holger Dremel und Ursula Sowa sowie die Arbeitsagenturchefin Brigitte Glos, BR-Franken-Studioleiter Tassilo Forchheimer, Künstlerhausdirektorin Dr. Nora-Eugenie Gomringer und Markus Knebel, Schulleiter des E.T.A. Hoffmann-Gymnasiums.
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Studie
Jede oder jeder fünfte Ausgewanderte sieht Vorteile in der Pandemie
Sie leben in einem fremden Land, machen sich mit einer neuen Sprache und Kultur vertraut, haben wenige Freundschaften in ihrer Umgebung geknüpft: Versetzt man sich in Beschäftigte aus dem Ausland hinein, könnte man vermuten, dass die Corona-Pandemie sie besonders hart trifft. Wie geht es ihnen tatsächlich? Eine Bamberger Psychologin hat untersucht, wie sich die gegenwärtige Lage auf Beschäftigte aus dem Ausland auswirkt.
„Überraschenderweise findet jede oder jeder fünfte Ausgewanderte die Auswirkungen der Pandemie positiv – andererseits findet auch ein Viertel unserer Befragten die Situation negativ“, sagt Anh Nguyen, Sozial- und Organisationspsychologin sowie Projektmitarbeiterin an der Universität Bamberg. Sie erforscht gemeinsam mit Prof. Dr. Maike Andresen seit Anfang 2020 im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts „GLOMO – Global mobility of employees“, warum Migrantinnen und Migranten langfristig für Unternehmen arbeiten. Nun legen sie Zwischenergebnisse mit Bezug zur Corona-Pandemie vor.
Vor allem Singles bewerten die Pandemie negativ
Zwischen Juli und November 2020 hat Anh Nguyen eine Online-Umfrage unter 707 ausgewanderten Beschäftigten durchgeführt. Die Befragten stammen aus 98 verschiedenen Ländern und leben nun als Migrantinnen und Migranten in Großbritannien, Deutschland oder Frankreich. 21,8 Prozent geben an, dass sich ihr Leben durch die Pandemie verbessert hat.
„Die positiv gestimmten Personen freuen sich beispielsweise darüber, dass sie mehr Zeit für ihre Partnerin oder ihren Partner haben“, erklärt Anh Nguyen. „Und sie finden es schön, etwas dazugelernt zu haben – über Technologien oder auch über ihre persönlichen Bedürfnisse, Standpunkte und Handlungen.“ Die Hälfte aller Befragten (50,8 Prozent) sagt, dass sich ihr Leben durch die Pandemie weder verbessert noch verschlechtert habe.
Allerdings nehmen 27,4 Prozent die aktuelle Situation als Verschlechterung wahr. „Manche Menschen machen sich zum Beispiel Sorgen um ihr materielles Einkommen“, erläutert Anh Nguyen. „Insgesamt bewerten vor allem Singles, getrennte oder geschiedene Personen die Pandemie negativ. Das betrifft mehr Frauen als Männer, da Frauen tendenziell zurückgezogener leben und dadurch weniger persönliche Kontakte haben.“ Sie empfiehlt den Unternehmen, gerade diese Arbeitnehmerinnen zu unterstützen: Sie könnten Aktivitäten wie Waldspaziergänge oder gemeinsame Online-Mittagessen organisieren und Frauen vernetzen. Oder sie könnten Rundmails mit Hilfsangeboten verschicken, etwa mit Informationen zu psychologischer Hilfe.
GLOMO – ein interdisziplinäres, europäisches Großprojekt
Die Zwischenergebnisse sind Teil des Gesamtprojekts GLOMO, das von Januar 2018 bis Mai 2022 läuft. In dem interdisziplinären Forschungsprojekt untersucht die Universität Bamberg gemeinsam mit acht europäischen Partneruniversitäten und ‑organisationen die Arbeitnehmermobilität. Maike Andresen, Inhaberin des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Personalmanagement und Organisational Behaviour, an der Universität Bamberg koordiniert GLOMO. Die Europäische Kommission unterstützt das Projekt mit 3,9 Millionen Euro im Förderprogramm „Horizont 2020“. GLOMO gehört zum Forschungsschwerpunkt „Empirische Sozialforschung zu Bildung und Arbeit“ der Universität Bamberg.
Weitere Informationen und aktuelle Meldungen zum Schwerpunkt sind abrufbar unter https://www.uni-bamberg.de/forschung/profil/bildung-und-arbeit/
Weitere Informationen zu GLOMO sind zu finden unter https://glomo.eu/
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20 Jahre Wikipedia
Pro und Contra Wikipedia im Forschungsbetrieb
Die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia feiert am 15. Januar 2021 ihren 20. Geburtstag. In fast 300 Sprachen stehen rund 50 Millionen Artikel zur Verfügung. Wikipedia ist zur beliebtesten Anlaufstation geworden, wenn es darum geht, möglichst schnell online Informationen zu finden und abzurufen. Welche grundlegende Bedeutung diese – nicht zuletzt – mühelose Verfügbarkeit von Information für den universitären Forschungsbetrieb hat, haben nun Forschende der Universität Bamberg beleuchtet.
Prof. Dr. Patrick Franke, Inhaber des Lehrstuhls für Islamwissenschaft an der Universität Bamberg, ist seit 2011 in der deutschsprachigen Version Wikipedias aktiv. Mit einem neuen Modell der Wissenschaftskommunikation setzt er den Gedanken der Offenen Wissenschaft (Open Science) um: Er hat die Bamberger Islam-Enzyklopädie (BIE) in die Wikipedia integriert.
Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Rudolf Stöber hat vor einem solchen Engagement der Autorinnen und Autoren Respekt, warnt aber zugleich vor dem propagandistischen Potential von Wikipedia.
Für Prof. Dr. Patrick Franke sprechen mehrere Punkte dafür, Forschungsergebnisse in die Wikipedia einzubetten. „Obwohl Wikipedia heute weltweit eines der wichtigsten Projekte gemeinsamer Wissensproduktion darstellt”, sagt der Islamwissenschaftler, „und zum Teil bessere Informationen liefert als anerkannte Fachenzyklopädien, ist die Beteiligung von hauptamtlichen Forschenden an diesem Projekt immer noch sehr gering.“
Gründe für dieses Desinteresse sieht er unter anderem in Zeitmangel, dem raue Umgangston, der Furcht vor Veränderung der eigenen Beiträge durch Dritte und der nicht verbindlichen Kennzeichnung von Autorenschaft.
„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Vorurteile von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gegenüber Wikipedia unbegründet sind. Wer sich an bestimmte Regeln hält, kann wissenschaftlich von der Zusammenarbeit mit Laien profitieren und auf bestimmten Feldern in der Wikipedia sogar originäre Forschungsbeiträge leisten. Die Chance besteht darin, wissenschaftliche Erkenntnisse bekannt zu machen.“
Nachteile von Wikipedia
Prof. Dr. Rudolf Stöber, Inhaber des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft der Universität Bamberg, sieht beispielsweise in der bedenkenlosen Akzeptanz von Wikipedia-Informationen aber auch Nachteile der Enzyklopädie.
„Wikipedia ist einerseits ein modernes Medium der Volksaufklärung”, sagt er. „Anfangs wegen seiner Faktentreue umstritten, wird diese heute kaum noch in Zweifel gezogen. Eher wird beklagt, dass manche Artikel mangelhaft strukturiert sind und ein Nebeneinander von relevanten und wenig relevanten Informationen aufweisen. Ich fürchte andererseits, dass das propagandistische Potential von Wikipedia nicht von allen Nutzerinnen und Nutzern richtig eingeschätzt wird.“
So würden die sogenannten Editwars, Meinungsverschiedenheiten über die Inhalte umstrittener Einträge, zeigen, wie in dem Online-Lexikon um Deutungshoheit gekämpft wird.
„Aber ich schätze das Lexikon als erste Orientierung und Stichwortgeber und habe Respekt vor dem Engagement der Community.“
Prof. Dr. Patrick Franke hat zum Thema erste Orientierung und Stichwortgeber eine ähnliche Meinung: „Wikipedia-Artikel sind nicht in erster Linie selbst als Belege gedacht, sondern als Mittel, um anderen die Auffindung von belastbaren Informationen zu einem bestimmten Thema zu erleichtern. In dieser Funktion können solche Artikel auch eine bedeutende Rolle in der Wissenschaftskommunikation übernehmen, etwa wenn sie verstreutes Wissen, das nur schwer aufzufinden ist, an einem Ort zusammenführen.”
Wikipedia-Artikel in wissenschaftlichen Arbeiten direkt zu zitieren, sei aber nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. „Wenn die Autorinnen und Autoren unter Klarnamen schreiben und ausgewiesene Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftler sind, sind solche Zitate in Ordnung.“