Browse Tag

Universität Bamberg - Page 11

Vir­tu­el­ler Kurs für Lehr­kräf­te und Lehramtsstudierende

Digi­ta­le Kom­pe­tenz für Grundschule

Kin­der sind neu­gie­rig und wol­len ler­nen – gleich­zei­tig sind sie abhän­gig von Erwach­se­nen. Ist eine Lehr­kraft nicht tech­nik­af­fin, kann die Bereit­schaft von Kin­dern, digi­ta­le Kom­pe­tenz zu erler­nen, schnell abneh­men. Für Lehr­kräf­te und Lehr­amts­stu­die­ren­de, die sich in das The­ma ein­ar­bei­ten wol­len und Anre­gun­gen suchen, wie sie das The­ma an Kin­der im Grund­schul­al­ter ver­mit­teln kön­nen, hat die Uni­ver­si­tät Bam­berg nun einen Online-Kurs entwickelt.

Ab dem 1. März bie­tet die Uni­ver­si­tät Bam­berg den Kurs „Data Liter­acy für die Grund­schu­le“ auf dem KI-Cam­pus, der Lern­platt­form für Künst­li­che Intel­li­genz, an. „Die zuneh­men­de Digi­ta­li­sie­rung aller Lebens­be­rei­che“, sagt Kurs­lei­te­rin Prof. Dr. Ute Schmid von der Pro­fes­sur für Ange­wand­te Infor­ma­tik, „wird immer mehr auch Teil der kind­li­chen Erfah­rungs­welt. Ent­spre­chend wich­tig ist es, bereits in der Grund­schu­le digi­ta­le Kom­pe­tenz kind­ge­recht und kon­kret zu ver­mit­teln. Dazu gehört ein Ver­ständ­nis über die viel­fäl­ti­gen Arten von Daten – von Zah­len zu Tex­ten zu Bil­dern – und wie Daten im Com­pu­ter reprä­sen­tiert und algo­rith­misch ver­ar­bei­tet wer­den.“ Der Kurs bie­tet Lehr­kräf­ten einen nied­rig­schwel­li­gen Ein­stieg in das The­ma „Digi­ta­le Kom­pe­tenz“ für Grund­schu­len und gibt Anre­gun­gen für die kon­kre­te Umset­zung im Unterricht.

Der Kurs ist in Zusam­men­ar­beit mit Dr. Anja Gär­tig-Daugs von den Digi­ta­len Lehr-Lern-Labo­ren (DigiLLabs) am Zen­trum für Leh­re­rin­nen- und Leh­rer­bil­dung (ZLB) und Prof. Dr. Rena­ta Szc­ze­pa­ni­ak, Lehr­stuhl­in­ha­be­rin für Deut­sche Sprach­wis­sen­schaft an der Uni­ver­si­tät Bam­berg, ent­stan­den. Die DigiLLabs sind Orte des wis­sen­schaft­li­chen und prak­ti­schen Aus­tau­sches zu digi­ta­len Tech­ni­ken und Lehr-Lern-Set­tings. Sie bie­ten die Mög­lich­keit, die Nut­zung von Tech­nik, die Ver­mitt­lung und Erar­bei­tung von Lehr­in­hal­ten, das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­ten bei unter­schied­li­chen Lehr-Lern-Arran­ge­ments und Inter­ven­ti­ons­for­men direkt und medi­en­ge­stützt zu erpro­ben und kri­tisch ein­zu­ord­nen. DigiLLabs wird durch die Initia­ti­ve BAYERN DIGITAL II und die Ober­fran­ken­stif­tung gefördert.

Iko­ne der Fakul­tät für sla­vi­sche Kunst- und Kulturgeschichte 

Prof. Dr. Ada Raev fei­ert ihren Abschied

Am 28. Okto­ber, nach fast 13 Jah­ren als Pro­fes­so­rin für Sla­vi­sche Kunst- und Kul­tur­ge­schich­te an der Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg, hielt Prof. Dr. Ada Raev ihre Abschieds­vor­le­sung mit dem Titel „Die Macht der Bil­der. Fëdor Dostoevs­kij als Bild­be­trach­ter. Ver­such einer Annä­he­rung“. Dies war das Ende einer beacht­li­chen aka­de­mi­schen Laufbahn.

1979 war Ada Raev wis­sen­schaft­li­che Assis­ten­tin am Kunst­ge­schicht­li­chen Insti­tut der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät Ber­lin. Bereits drei Jah­re spä­ter wur­de sie 1982 an der Lomo­nossow-Uni­ver­si­tät Mos­kau pro­mo­viert. 1999 habi­li­tier­te sie sich an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät und wur­de im Anschluss Ober­as­sis­ten­tin am Kunst­ge­schicht­li­chen Semi­nar. Im wei­te­ren Ver­lauf ihres Wer­de­gangs hat­te sie Ver­tre­tungs­pro­fes­su­ren für Kunst­ge­schich­te an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Dres­den (2001÷2002), an der Chris­ti­an-Albrechts-Uni­ver­si­tät zu Kiel (2003÷2004) sowie an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät (2005) inne.

2006 wur­de sie Gast­pro­fes­so­rin an der Hoch­schu­le für Bil­den­de Küns­te Braun­schweig, bevor sie eben 2008 die Stel­le als Pro­fes­so­rin für Sla­vi­sche Kunst- und Kul­tur­ge­schich­te an der Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg antrat. Von die­sem Zeit­punkt an war sie „daham in Franggn“ und schätzt hier die hohe Lebens­qua­li­tät, auch wenn sie ihren Wer­de­gang zunächst etwas anders plan­te und gewis­ser­ma­ßen nur dank eines Sti­pen­di­ums in das The­men­ge­biet der sla­vi­schen Kunst- und Kul­tur­ge­schich­te gelangte.

„Nach mei­nem Stu­di­um der Kunst­ge­schich­te in Mos­kau“, sagt Ada Raev, „hät­te ich mich gern mit ita­lie­ni­scher Renais­sance beschäf­tigt – mei­ne Diplom­ar­beit habe ich über „Das Por­trät im
frü­hen Flo­ren­ti­ner Manie­ris­mus“ geschrie­ben – weil ich ganz fas­zi­niert von den häu­fig melan­cho­li­schen Bild­nis­sen gewe­sen bin. In der dama­li­gen DDR waren die For­schun­gen zur Renais­sance an der Uni Leip­zig gera­de abge­schlos­sen, man wid­me­te sich dort dem Barock. So bin ich an die Hum­boldt-Uni­ver­si­tät nach Ber­lin gegan­gen, wo zur Moder­ne und Avant­gar­de geforscht wurde.“

Pro­mo­ti­on und ein wei­te­rer Auf­ent­halt in Moskau

Aus die­sen For­schun­gen ergab sich das The­ma ihrer Pro­mo­ti­on „Rus­sisch-deut­sche Kunst­be­zie­hun­gen an der Wen­de vom 19. zum 20. Jahr­hun­dert (1896 bis 1906)“. Ein Sti­pen­di­um ermög­lich­te ihr einen wei­te­ren, dies­mal drei­jäh­ri­gen, Auf­ent­halt in Mos­kau, wo Gri­go­rij Stern­in ihr Dok­tor­va­ter wurde.

„Das war im Grun­de genom­men mein Ein­stieg in die sla­vi­sche Kunst- und Kul­tur­ge­schich­te. Als nach mei­ner Rück­kehr nach Ber­lin im Zuge der Pere­stroi­ka das Inter­es­se an rus­si­schen The­men wuchs, habe ich mich dar­auf fokus­siert, nichts­des­to­trotz aber auch ande­res unter­rich­tet. Zum Bei­spiel zusam­men mit mei­ner Kol­le­gin und Freun­din Ruth Tes­mar, die Künst­le­rin ist, lehr­te ich viel über Zeich­nung und Druck­gra­phik, ver­bun­den mit Besu­chen im Ber­li­ner Kup­fer­stich­ka­bi­nett – die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Ori­gi­nal ist immer eine Berei­che­rung für Leh­ren­de und Studierende.“

Die­ser Russ­land­schwer­punkt, beför­dert durch die Kennt­nis von Spra­che und Kul­tur, spie­ge­le sich deut­lich in ihrer Publi­ka­ti­ons­lis­te. Nach der Wen­de gab die Berüh­rung mit femi­nis­ti­scher Kunst­ge­schich­te zudem den Impuls, über rus­si­sche Künst­le­rin­nen der Moder­ne zu for­schen und Vor­trä­ge zu halten.

„Damit habe ich mich eini­ge Jah­re spä­ter, 1999, habi­li­tiert. Aber mit dem Fokus auf Russ­land war es schwer bis unmög­lich, eine Pro­fes­sur in der Kunst­ge­schich­te zu bekom­men, was mir auch ein­ein­halb Jah­re Arbeits­lo­sig­keit beschert hat. Umso mehr war die Aus­schrei­bung der Pro­fes­sur für Sla­vi­sche Kunst und Kul­tur an der Uni Bam­berg für mich eine gro­ße Chan­ce und ich hat­te das Glück, den Ruf dar­auf zu bekommen.“

Leben­di­ge Seminare

Ada Raev deckt mit ihren The­men­set­zun­gen ein weit gefass­tes For­schungs­spek­trum und beklei­det zahl­rei­che Ämter in diver­sen Funk­tio­nen. Unter ande­rem ist sie seit 2015 Mit­glied des Bei­rats der Gra­du­ier­ten­schu­le für Ost- und Süd­ost­eu­ro­pa­stu­di­en der Lud­wig-Maxi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät Mün­chen und der Uni­ver­si­tät Regens­burg. Eige­ne For­schungs­schwer­punk­te betref­fen neben Gen­der­fra­gen auch den Kul­tur­trans­fer, Büh­ne, Tanz und Thea­tra­li­tät sowie Aspek­te der Land­schafts­ma­le­rei. Unter ande­rem die­se Aspek­te gab sie vie­le Jah­re lang an ihre Stu­die­ren­den weiter.

„Es ist mir immer wich­tig gewe­sen, die Stu­die­ren­den für The­men, die mir selbst am Her­zen lie­gen, zu begeis­tern oder jeden­falls zu sen­si­bi­li­sie­ren. Als Kunst­his­to­ri­ke­rin woll­te ich sie dazu zu befä­hi­gen, genau hin­zu­schau­en, visu­el­le Struk­tu­ren zu erken­nen und über das Gese­he­ne zu reflek­tie­ren – eine anspruchs­vol­le Angelegenheit.“

Immer habe sie sich gefreut, wenn es gelang, Semi­nar­sit­zun­gen zu einer leben­di­gen Ver­an­stal­tung zu machen. „Das ist kein Selbst­läu­fer, funk­tio­niert aber, wenn man sich gegen­sei­ti­ges Ver­trau­en und Wert­schät­zung ent­ge­gen­bringt. Und lang­fris­tig gese­hen ist es natür­lich eine Freu­de, wenn man sieht, dass die Stu­die­ren­den ihren eige­nen Weg gehen und im Beruf ankom­men, pro­mo­vie­ren oder sich habi­li­tie­ren. Dann ent­steht das Gefühl, dass die eige­nen Bemü­hun­gen nicht umsonst gewe­sen sind“, so Prof. Raev.

Geteil­te Erfah­run­gen und Erin­ne­run­gen blei­ben lebendig

Exkur­sio­nen spie­len dabei eine wich­ti­ge Rol­le und set­zen der bereits attrak­ti­ven Leh­re das i‑Tüpfelchen auf. „Zwei­fels­oh­ne haben die Exkur­sio­nen, für die mir schon in Ber­lin und dann auch in Bam­berg die not­wen­di­gen Finanz­mit­tel zur Ver­fü­gung stan­den, dazu bei­getra­gen, die Leh­re attrak­tiv zu gestal­ten und bestimm­te The­men zu vertiefen.“

Viel­leicht hän­ge es auch mit ihrer DDR-Her­kunft zusam­men, wo die Rei­se­mög­lich­kei­ten sehr ein­ge­schränkt waren, und mit den Exkur­sio­nen, die sie von Mos­kau aus gemacht habe, nach Arme­ni­en, Geor­gi­en, Lenin­grad und Prag, dass es sie immer gelockt habe, ande­re Orte und Län­der kennenzulernen.

„Ich tue das gern in Gesell­schaft, weil sich so die Gele­gen­heit bie­tet, sich sofort über Gese­he­nes und Erleb­tes aus­zu­tau­schen. Das ist ein­fach schön und bele­bend. Man kann sein eige­nes Wis­sen wei­ter­ge­ben und lernt die Mit­rei­sen­den näher ken­nen. Man unter­hält sich über Din­ge, über die man sonst nicht mit­ein­an­der spre­chen wür­de. Das ist für den gene­ra­ti­ons­über­grei­fen­den Dia­log, aber auch für den der Stu­die­ren­den unter­ein­an­der, ganz wich­tig, wie mir scheint. Und: Geteil­te Erfah­run­gen und Erin­ne­run­gen blei­ben lebendig.“

Frei­heit setzt Ener­gien frei

Ada Raev sieht den größ­ten bezie­hungs­wei­se wich­tigs­ten Vor­teil der Tätig­keit als Pro­fes­so­rin dar­in, eige­ne Inter­es­sen zur Pro­fes­si­on machen zu kön­nen. Man unter­steht gewis­sen Richt­li­ni­en des Fach­ge­bie­tes, für das man zustän­dig ist, die ver­lan­gen, mög­lichst breit, metho­disch und abwechs­lungs­reich zu unter­rich­ten. Trotz­dem ist man rela­tiv frei in der Wahl der Themen.

„Das ist ein gro­ßes Pri­vi­leg, das vie­le Ener­gien frei­setzt und den eige­nen Hori­zont erwei­tert. Dazu gehört auch die Mög­lich­keit, Buch­an­schaf­fun­gen in der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek zu initi­ie­ren oder dort sogar Aus­stel­lun­gen zusam­men mit Stu­die­ren­den zu machen. In den Semes­ter­pau­sen, in denen man den Arbeits­rhyth­mus selbst bestim­men kann, hat man das Recht und die Pflicht, sich in neue The­men ein­zu­ar­bei­ten und die eige­nen For­schun­gen voranzubringen.“

Rück­bli­ckend schät­ze sie ihre alte Arbeits­stät­te wahr­schein­lich sogar noch ein­mal ein Stück mehr und ris­kiert einen Blick auf dar­aus resul­tie­ren­de Koope­ra­tio­nen: „Erwäh­nen möch­te ich dazu den Aus­tausch mit den Hilfs­wis­sen­schaft­le­rin­nen und ‑wis­sen­schaft­lern und den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, denn man sitzt als Pro­fes­so­rin ja nicht im soge­nann­ten Elfen­bein­turm. Als beson­ders anre­gend und her­aus­for­dernd habe ich außer­halb der Uni­ver­si­tät immer die Zusam­men­ar­beit mit Muse­en emp­fun­den, die sich durch mei­ne gesam­te beruf­li­che Lauf­bahn gezo­gen hat. Dafür bin ich sehr dankbar!“

Der Reg­nitz ent­lang zur Arbeit

Dass Bam­berg zu den schöns­ten Städ­ten Deutsch­lands gehört, ist für vie­le selbst­er­klä­rend. Selbst­er­klä­rend ist eben­falls, dass Ada Raev Bam­berg bereits jetzt ver­misst. „Gewohnt habe ich im Hain, hat­te also an der Reg­nitz oder am Hol­ler­gra­ben ent­lang einen zau­ber­haf­ten Weg zur und von der Arbeit. Von mei­nem Büro­fens­ter aus habe ich auf die Dächer der Alt­stadt und den Bam­ber­ger Dom geschaut. Das ist nicht zu toppen!“

Doch nicht nur das wer­de ihr feh­len: „Das gilt auch für die Bam­ber­ger Back­kul­tur, die Atmo­sphä­re auf dem Grü­nen Markt, die Stim­mung in der Vor­weih­nachts­zeit. Und natür­lich wer­de ich mei­ne Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen und die Stu­die­ren­den vermissen.“

Es wird deut­lich, dass sie sich in Bam­berg zu jedem Zeit­punkt wohl­fühl­te. Dies lie­ge nicht nur an der Schön­heit der Stadt, son­dern eben­falls an den­je­ni­gen Per­so­nen, die sie wäh­rend ihrer Zeit in Bam­berg unter­stütz­ten. Ganz beson­ders den­ke sie hier­bei an ihren Mann Boris, Mar­kus Beh­mer, als Dekan der Fakul­tät für Geschichts- und Kul­tur­wis­sen­schaf­ten, und Eli­sa­beth von Erd­mann und San­dra Bir­zer, Kol­le­gin­nen am Insti­tut für Sla­vis­tik Bam­berg. Groß­ar­ti­ge Unter­stüt­zung habe sie auch von ihren Hiwis bekom­men. Hier sei­en stell­ver­tre­tend Iri­na Alter, Mira Banka, Mag­da­le­na Bur­ger, Euge­ni­ya Ersho­va, Kath­rin Gent­ner, Hele­ne Kiß­ler und Jaros­lav Sebov zu nennen.

Fokus, Eigen­in­itia­ti­ve und Mut

An Ada Raev wird deut­lich, dass man mit einem Fokus und viel Wil­lens­kraft eini­ges errei­chen kann. Genau dies möch­te sie jun­gen Stu­die­ren­den und Absol­ven­ten auf Job­su­che mit­ge­ben. „Es ist wich­tig, dass man das, was man tut, mit Herz­blut tut und bereit ist, sein Bes­tes zu geben. Das setzt posi­ti­ve Ener­gien frei und hilft, Durst­stre­cken bes­ser zu über­ste­hen. Offen­heit und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­reit­schaft tra­gen dazu bei, Frust­er­fah­run­gen zu mini­mie­ren. Dazu gehört aber auch der Mut, gege­be­nen­falls „Nein“ zu sagen.“

Ada Raev selbst setzt in ihrem Ruhe­stand von nun an den Fokus auf ande­re Din­ge und kann bereits eini­ge Plä­ne vor­wei­sen – öde wird es ihr wohl sicher­lich nicht. „Noch ist kei­ne Lan­ge­wei­le in Sicht, dar­un­ter habe ich aber auch noch nie gelit­ten. In den nächs­ten Jah­ren gilt es, mei­ne drei ver­blie­be­nen Pro­mo­ven­din­nen auf dem Weg zum Abschluss ihrer Pro­mo­ti­on zu beglei­ten. Meh­re­re Auf­sät­ze wol­len geschrie­ben sein und ich möch­te mein auf Rus­sisch erschie­ne­nes Buch über Marie Vas­si­lieff, eine Prot­ago­nis­tin der Éco­le de Paris, gern auf Deutsch publi­zie­ren. Und Boris und ich wol­len reisen.“

Auf lan­ge Sicht freue sie sich über die neu gewon­ne­nen Frei­hei­ten und den Umstand, dass admi­nis­tra­ti­ve Pflich­ten nun weg­fal­len und sie sich auf die ihr wich­ti­gen Din­ge kon­zen­trie­ren, sozia­le Kon­tak­te inten­si­ver pfle­gen und spon­tan auf Rei­sen gehen kann.

Eines ist sicher: Ada Raev wird Bam­berg kei­nes­falls für immer ver­las­sen – im Gegen­teil. In Zukunft muss sie jedoch nicht mehr uni­ver­si­tä­ren Pflich­ten nach­kom­men und kann ohne Zeit­druck in den Gas­sen Bam­bergs spa­zie­ren gehen, Kuchen und Kaf­fee im Café am Dom genie­ßen und die Stim­mung in der Bam­ber­ger Alt­stadt spü­ren. Sie hat Spu­ren in der Bam­ber­ger Uni­ver­si­tät hin­ter­las­sen und viel zu einem ange­neh­men Kli­ma an der Hoch­schu­le beigetragen.

Ada Raev
Ada Raev bei ihrer Abschieds­vor­le­sung, Foto: Caro­lin Cholotta

Ver­bes­se­rung des Men­schen durch Technologie

Bam­ber­ger Psy­cho­lo­gen: Imp­fung als Human Enhancement

Niklas Döb­ler und Claus-Chris­ti­an Car­bon sehen die Imp­fung gegen Covid-19 als Human Enhance­ment, als geziel­te Ver­bes­se­rung des Men­schen durch Technologie.

„Human Enhance­ment-Tech­no­lo­gien zie­len dar­auf ab, mensch­li­che Fähig­kei­ten zu erwei­tern und zu ver­bes­sern“, sagt Niklas Döb­ler, der am Lehr­stuhl für All­ge­mei­ne Psy­cho­lo­gie und Metho­den­leh­re der Uni­ver­si­tät Bam­berg pro­mo­viert. „Egal, wel­che Defi­ni­ti­on man ver­wen­det: Ein Impf­stoff ist eine fort­ge­schrit­te­ne Bio­tech­no­lo­gie, die dem mensch­li­chen Kör­per die Fähig­keit ver­lei­hen soll, sich vor Covid-19 zu schützen.“

Über die ethi­schen Impli­ka­tio­nen einer sol­chen Klas­si­fi­zie­rung hat er zusam­men mit Prof. Dr. Claus-Chris­ti­an Car­bon einen Fach-Arti­kel im Maga­zin „Trans­la­tio­nal Medi­ci­ne Com­mu­ni­ca­ti­ons“ veröffentlicht.

Claus-Chris­ti­an Car­bon ergänzt: „Das Span­nen­de ist ja, dass hier­bei der Kör­per die ent­schei­den­de Arbeit selbst erle­digt, also selbst lernt, mit dem Erre­ger umzu­ge­hen. Es geht um eine Beschleu­ni­gung von Pro­zes­sen, die im Kör­per natür­lich ange­legt sind.“

Bezüg­lich die­ser Tech­no­lo­gie gebe es jedoch einen Unter­schied zwi­schen der aka­de­mi­schen und der öffent­li­chen Sicht­wei­se. Um die­sen zu ver­deut­li­chen, führ­ten Döb­ler und Car­bon eine nicht-reprä­sen­ta­ti­ve Umfra­ge unter 67 Teil­neh­men­den im Alter von 17 bis 60 Jah­ren durch. Die Ergeb­nis­se stüt­zen die Annah­me der bei­den Wis­sen­schaft­ler, dass Imp­fun­gen im all­täg­li­chen Ver­ständ­nis nur bedingt als Form des Human Enhance­ment wahr­ge­nom­men werden.

Das zeigt, wie sich wis­sen­schaft­li­che und all­täg­li­che Begrif­fe unter­schei­den kön­nen und wie wich­tig eine gute Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on ist. Die Stu­di­en­teil­neh­men­den haben Imp­fun­gen eher dann als Human Enhance­ment gese­hen, wenn die Per­so­nen dem The­ma gene­rell posi­tiv gegenüberstanden.

Immu­ni­tät durch Imp­fung oder natür­li­che Heilungsprozesse?

Impf­stof­fe als Human Enhance­ment zu sehen, wirft neu­es Licht auf die aktu­el­le Impf­de­bat­te. „Schon vor 20 Jah­ren”, sagt Niklas Döb­ler, „haben Men­schen Human Enhance­ment kri­ti­siert, wenn neue Tech­no­lo­gien ein­ge­führt wurden.“

Es habe zum Bei­spiel ethi­sche Debat­ten um das Klo­nen oder die Gen­tech­nik gege­ben. „Human Enhance­ment ist wei­ter­ver­brei­tet, als man denkt. Es per se abzu­leh­nen, wird der Kom­ple­xi­tät des The­mas nicht gerecht. Bes­ser ist es, den jewei­li­gen Ein­zel­fall anzuschauen.“

Die Haupt­ar­gu­men­te, die Döb­ler und Car­bon in der aktu­el­len Impf­de­bat­te iden­ti­fi­zie­ren, sind fol­gen­de: Befür­wor­ter wol­len die Wider­stands­kraft des Kör­pers gegen Covid-19 durch die Imp­fung ver­bes­sern. Geg­ner wen­den oft ein, dass die natür­li­chen Hei­lungs­pro­zes­se des Kör­pers aus­rei­chend sind, um das Virus abzu­weh­ren. Dem­zu­fol­ge geht es in der Debat­te vor allem um die grund­le­gen­de Fra­ge von Tech­nik ver­sus Natur und um die Fra­ge, wel­che Ver­än­de­run­gen des Kör­pers gewünscht bezie­hungs­wei­se abge­lehnt werden.

Dabei sei auch der Begriff des Enhance­ments kri­tisch zu bewer­ten. Die Inten­ti­on der jewei­li­gen Tech­no­lo­gie mag zwar die Ver­bes­se­rung mensch­li­cher Fähig­kei­ten sein, ob das aber auch sub­jek­tiv so wahr­ge­nom­men wird, ist eine viel­dis­ku­tier­te Fra­ge. So fol­gert Car­bon: „Men­schen, die der Imp­fung kri­tisch gegen­über­ste­hen, sehen die­se Inter­ven­ti­on viel­leicht gar nicht als Ver­bes­se­rung und damit als Chan­ce, son­dern fokus­sie­ren sich ver­stärkt auf rea­le und ver­meint­li­che Neben­wir­kun­gen, also das Risiko.“

Sicher­heit und Auto­no­mie gewährleisten

„Zynisch könn­te man sagen: Es gab in der Ver­gan­gen­heit Pan­de­mien, die ein Groß­teil der Mensch­heit auch ohne Impf­stoff über­lebt hat“, sagt Niklas Döb­ler. Da die Wis­sen­schaft jedoch in der Lage sei, Impf­stof­fe zu ent­wi­ckeln und erfolg­reich anzu­wen­den, soll­te die­se Opti­on nicht vor­schnell aus­ge­schlos­sen wer­den. Vie­le hoch­ge­fähr­li­che Krank­hei­ten könn­ten durch Impf­stof­fe ver­hin­dert, Leben geret­tet und Pan­de­mien effek­tiv ein­ge­dämmt werden.

Wich­tig hier­bei zu beach­ten sei auch die Wech­sel­wir­kung zwi­schen indi­vi­du­el­len und gesell­schaft­li­chen Vor­tei­len. „Am Anfang wur­de viel über soge­nann­ten Impf­neid gespro­chen, inzwi­schen herrscht aber eher Impf­frust“, sagt Claus-Chris­ti­an Car­bon. „Das ist ein eben­so kom­ple­xes indi­vi­du­el­les, wie sozi­al-poli­ti­sches The­ma. Wir müs­sen Human Enhance­ment-Tech­no­lo­gien auch immer dar­auf unter­su­chen, wie wir eine gerech­te Ver­tei­lung gewähr­leis­ten kön­nen, beson­ders wenn gewis­se Pri­vi­le­gi­en mit dem Enhance­ment zusammenhängen.“

Außer­dem müs­se man sich fra­gen, wie man even­tu­el­le sozia­le Span­nun­gen mode­rie­ren kön­ne. „Gene­rell gilt aber, dass Imp­fun­gen als Human Enhance­ment auch über einen Netz­werk­ef­fekt wir­ken, sprich, je mehr, des­to besser.“

„Wenn die Sicher­heit und Auto­no­mie des Ein­zel­nen so gut wie mög­lich gewähr­leis­tet sind, ist Human Enhance­ment also nicht gene­rell abzu­leh­nen. Das gilt auch für For­men, die wir schon längst nut­zen, also auch für Imp­fung“, sagt Niklas Döb­ler. „Wir plä­die­ren des­halb dafür, ethi­sche Debat­ten um neue Tech­no­lo­gien öfter aus einem Blick­win­kel des Human Enhance­ment zu füh­ren, um so den stark emo­tio­na­li­sier­ten Grad der Debat­te gegen­über spe­zi­el­len Tech­no­lo­gien bes­ser zu verstehen.”

Stu­die

Uni­ver­si­tät Bam­berg erforscht Mimik bei Schmerz, Ekel, Freude

Wie wir­ken sich Schmerz, Ekel und Freu­de auf den Gesichts­aus­druck aus? Für eine Stu­die sucht die Uni­ver­si­tät Bam­berg Ver­suchs­teil­neh­me­rin­nen und ‑teil­neh­mer. Wer mit­macht, soll­te sich aber auf etwas gefasst machen.

An der Mimik eines Men­schen lässt sich sei­ne Gefühls­la­ge erken­nen. Um die Ein­flüs­se von Schmerz, Ekel und Freu­de auf den Gesichts­aus­druck zu erfor­schen, ist die Pro­fes­sur für Phy­sio­lo­gi­sche Psy­cho­lo­gie der Uni­ver­si­tät Bam­berg auf der Suche nach Studienteilnehmenden.

Bei die­ser Stu­die wer­den die drei Emp­fin­dun­gen Schmerz, Ekel und Freu­de bei den Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern durch Berüh­rungs­rei­ze und Bild­ma­te­ri­al aus­ge­löst und die mimi­sche Reak­ti­on aus meh­re­ren Per­spek­ti­ven gefilmt.

Die Stu­di­en­teil­nah­me läuft in zwei Schrit­ten ab. Im ers­ten Schritt klä­ren die For­schen­den in einem Tele­fon­ge­spräch, das etwa 20 Minu­ten dau­ert, ob die inter­es­sier­ten Per­so­nen für die Stu­die geeig­net sind. Dann folgt die Ver­suchs­durch­füh­rung in einem Labor der Uni­ver­si­tät Bam­berg am Mar­kus­platz 3. Die­se dau­ert unge­fähr zwei Stunden.

Wäh­rend des Ver­suchs wer­den bei den Teil­neh­men­den mit ver­schie­de­nen Rei­zen leich­te Schmer­zen aus­ge­löst, indem eine Hit­ze-Ther­mo­de auf dem Unter­arm ange­bracht und eine Druck­man­schet­te um den Unter­schen­kel gelegt wird. Die Schmer­zen sind aber nur etwa so stark, wie wenn man sich leicht quetscht oder in hei­ßes Bade­was­ser ein­taucht. Ver­let­zun­gen kön­nen dabei nicht ent­ste­hen, betont die Uni­ver­si­tät Bamberg.

Um Ekel und Freu­de her­vor­zu­ru­fen, müs­sen sich die Teil­neh­men­den Bil­der ent­spre­chen­den Inhalts anschau­en. Der Gesichts­aus­druck wird dabei durch­ge­hend aus meh­re­ren Per­spek­ti­ven gefilmt. Abschlie­ßend müs­sen noch eini­ge Fra­ge­bö­gen zur Erfas­sung der Ein­stel­lun­gen gegen­über den Emp­fin­dun­gen von Schmerz, Ekel und Freu­de aus­ge­füllt werden.

Die Stu­die wird von der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft (DFG) geför­dert und die Teil­neh­men­den erhal­ten eine Auf­wands­ent­schä­di­gung von 25 Euro.

Gesucht wer­den männ­li­che und weib­li­che Per­so­nen, zwi­schen 18 und 65 Jahren,die gesund sein soll­ten, kei­ne Schmerz­er­kran­kun­gen haben und aktu­ell kei­ne Medi­ka­men­te ein­neh­men, die das zen­tra­le Ner­ven­sys­tem beein­flus­sen. Wer inter­es­siert ist, kann sich per E‑Mail unter mse-studie.physiolpsych@uni-bamberg.de anmel­den. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen gibt es hier.

Stu­die der Uni­ver­si­tä­ten Darm­stadt, Bam­berg und Frankfurt

For­schen­de ent­lar­ven man­gel­haf­te Daten­schutz-Ein­stel­lun­gen auf ein paar tau­send Webseiten

Eine inter­dis­zi­pli­nä­re Stu­die von For­schen­den der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Darm­stadt, der Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg und der Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt zeigt, wie Web­sei­ten­be­trei­ben­de am wir­kungs­volls­ten über man­gel­haf­te Daten­schutz-Kon­fi­gu­ra­tio­nen infor­miert wer­den können.

So kön­nen Behör­den und Sicher­heits­for­schen­de zukünf­tig mög­lichst effek­tiv Anbie­ten­de von Web­sei­ten dazu bewe­gen, Män­gel zu erken­nen und zu behe­ben. Das For­schungs­team stellt dazu auch das Werk­zeug „Check Goog­le Ana­ly­tics“ zur Ver­fü­gung, mit dem die kor­rek­te Akti­vie­rung der IP-Anony­mi­sie­rung bei der Ein­bin­dung von Goog­le Ana­ly­tics über­prüft wer­den kann.


Feh­ler­haf­te Daten­schutz­ein­stel­lun­gen auf Webseiten

Fast alle Web­sei­ten und Online­shops ver­wen­den Ana­ly­se­werk­zeu­ge wie Goog­le Ana­ly­tics, um mehr über die Sei­ten­be­su­che­rin­nen und ‑besu­cher und deren Nut­zungs­ver­hal­ten zu erfah­ren. Doch nicht alle die­ser Tools sind daten­schutz­kon­form nach der Daten­schutz­grund­ver­ord­nung (DSGVO) ein­ge­rich­tet. Durch fal­sche Ein­stel­lun­gen kön­nen Web­sei­ten­ver­ant­wort­li­che Gegen­stand von Abmah­nun­gen, Scha­dens­er­satz oder Buß­gel­dern werden.

For­schen­de aus den Fach­be­rei­chen Infor­ma­tik (Pro­fes­sor Mat­thi­as Hollick und Max Maaß, TU Darm­stadt; Pro­fes­sor Domi­nik Herr­mann und Hen­ning Pri­döhl, Uni­ver­si­tät Bam­berg), Psy­cho­lo­gie (Ali­na Stö­ver, TU Darm­stadt) und Rechts­wis­sen­schaf­ten (Dr. Sebas­ti­an Brett­hau­er und Pro­fes­so­rin Indra Spiecker genannt Döh­mann, Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt) gin­gen in einer Stu­die der Fra­ge nach, wie Web­sei­ten­be­trei­ben­de über feh­ler­haf­te Daten­schutz­ein­stel­lun­gen die­ser Ana­ly­se­diens­te so infor­miert wer­den kön­nen, dass sie ihre Inter­net-Ange­bo­te mög­lichst effek­tiv zur recht­mä­ßi­gen Ein­stel­lung hin ändern.


Infor­miert wur­den fast 4000 Betrei­be­rin­nen und Betreiber

Inner­halb der inter­dis­zi­pli­nä­ren Stu­die wur­den 3954 Betrei­be­rin­nen und Betrei­ber von ins­ge­samt 4096 deut­schen Web­sei­ten über eine feh­len­de oder feh­ler­haf­te Kon­fi­gu­ra­ti­on der IP-Anony­mi­sie­rung beim popu­lä­ren Ana­ly­se­dienst Goog­le Ana­ly­tics infor­miert. Dies bedeu­te­te einen Ver­stoß gegen Daten­schutz­an­for­de­run­gen. Für das Benach­rich­ti­gungs­expe­ri­ment wur­den ers­tens die For­mu­lie­rung der Nach­richt (Hin­weis mit Infor­ma­ti­on über Fol­gen für Nutzerschutz/​Hinweis mit Infor­ma­ti­on über mög­li­che Rechts­fol­gen), zwei­tens das Kon­takt­me­di­um (E‑Mail oder Brief) und drit­tens der Absen­der (Infor­ma­tik­stu­die­ren­de als Pri­vat­per­son; Infor­ma­tik­lehr­stuhl; daten­schutz­recht­li­cher Lehr­stuhl und For­schungs­in­sti­tut) variiert.

Die Ergeb­nis­se zei­gen, dass die Män­gel am ehes­ten beho­ben wer­den, wenn die Benach­rich­ti­gung einen Hin­weis auf recht­li­che Fol­gen ent­hält. Außer­dem wur­den die Ein­stel­lun­gen bei Infor­ma­ti­on per Brief häu­fi­ger kor­ri­giert als bei Hin­wei­sen per E‑Mail. Die Iden­ti­tät des Absen­ders beein­flusst die Bereit­schaft, Ände­run­gen vor­zu­neh­men, eben­falls: So führ­ten Schrei­ben des daten­schutz­recht­li­chen Lehr­stuhls und For­schungs­in­sti­tuts häu­fi­ger zum Erfolg als Infor­ma­tio­nen von For­schen­den aus der Informatik.


Mehr als die Hälf­te der Benach­rich­tig­ten behob das Problem

Über­ra­schend effek­tiv zeig­te sich die Infor­ma­ti­on durch Pri­vat­per­so­nen mit fach­li­chem Hin­ter­grund (Infor­ma­tik­stu­die­ren­de). Ins­ge­samt wur­de das Pro­blem von mehr als der Hälf­te (56,6 Pro­zent) der Infor­mier­ten als Reak­ti­on auf das Benach­rich­ti­gungs­expe­ri­ment beho­ben, wäh­rend in der unin­for­mier­ten Kon­troll­grup­pe nur 9,2 Pro­zent von sich aus, zum Bei­spiel auf der Basis von Medi­en­be­rich­ten, agierte.

Die Ergeb­nis­se einer anschlie­ßen­den Umfra­ge, die im Rah­men der Stu­die mit den Web­sei­ten­be­trei­ben­den durch­ge­führt wur­de, zeig­te wei­ter­füh­ren­de Erkennt­nis­se zum Wis­sen der Web­sei­ten­ver­ant­wort­li­chen im Hin­blick auf die von ihnen benutz­ten Ana­ly­se­tools. Fast 20 Pro­zent der Teil­neh­men­den waren sich nicht bewusst, das Ana­ly­se­werk­zeug Goog­le Ana­ly­tics auf ihrer Web­sei­te zu ver­wen­den. Zudem gaben 12,7 Pro­zent an, von der wider­recht­li­chen Ein­stel­lung gewusst und sie den­noch nicht beho­ben zu haben. Zusam­men mit der Reak­ti­ons­ra­te sind somit Rück­schlüs­se auf daten­schutz­kon­for­mes Ver­hal­ten und die Effek­ti­vi­tät von Hin­wei­sen auf daten­schutz­wid­ri­ges Ver­hal­ten möglich.


Für alle zugäng­lich: das Werk­zeug “Check Goog­le Analytics”

Basis der Ana­ly­se war das von den Autorin­nen und Autoren ent­wi­ckel­te Werk­zeug „Check Goog­le Ana­ly­tics“: https://checkgoogleanalytics.psi.uni-bamberg.de . Damit kön­nen die Ein­stel­lun­gen der eige­nen Web­sei­te im Hin­blick auf den daten­schutz­kon­for­men Ein­satz der Anony­mi­sie­rungs­funk­ti­on von Goog­le Ana­ly­tics schnell und kos­ten­los geprüft wer­den. Im Rah­men der Unter­su­chun­gen wur­den mit Hil­fe des Tools fast 40.000 Scans von über 14.000 Web­sei­ten durchgeführt.

Die Stu­die „Effec­ti­ve Noti­fi­ca­ti­on Cam­paigns on the Web: A Mat­ter of Trust, Framing, and Sup­port” wur­de am 12. August 2021 auf der renom­mier­ten Kon­fe­renz USENIX Secu­ri­ty Sym­po­si­um vor­ge­stellt. Pra­xis-Tipps für die Durch­füh­rung einer sol­chen Benach­rich­ti­gungs­stu­die wer­den wäh­rend des Inter­na­tio­nal Work­shops on Infor­ma­ti­on Secu­ri­ty Metho­do­lo­gy and Repli­ca­ti­on Stu­dies (IWSMR 2021, 17. bis 20. August) vor­ge­stellt. Eine Vor­ab­ver­si­on der Ergeb­nis­se kann auf dem Doku­men­ten­ser­ver arXiv ein­ge­se­hen wer­den: https://arxiv.org/abs/2106.08029

Nach Auf­fas­sung der Kon­fe­renz der unab­hän­gi­gen Daten­schutz­auf­sichts­be­hör­den des Bun­des und der Län­der vom 12.05.2020 reicht die IP-Anony­mi­sie­rung inzwi­schen nicht mehr aus, um Goog­le Ana­ly­tics rechts­kon­form zu betrei­ben; inzwi­schen wird unter ande­rem eine vor­he­ri­ge Ein­wil­li­gung der Sei­ten­be­su­che­rin­nen und ‑besu­cher gefor­dert. Ob Goog­le Ana­ly­tics in Euro­pa nach dem „Schrems II“-Urteil über­haupt noch betrie­ben wer­den darf, wird der­zeit in meh­re­ren Beschwer­de­ver­fah­ren von den Daten­schutz­auf­sichts­be­hör­den untersucht.

Die For­schungs­ar­beit wur­de von der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft (DFG) im Rah­men des Gra­du­ier­ten­kol­legs 2050 „Pri­va­cy and Trust for Mobi­le Users“ sowie vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und For­schung (BMBF) und dem Hes­si­schen Minis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und Kunst (HMWK) im Rah­men der gemein­sa­men För­de­rung des Natio­na­len For­schungs­zen­trums für ange­wand­te Cyber­si­cher­heit ATHENE unterstützt.

Die Publi­ka­ti­on ist online zu fin­den unter https://www.usenix.org/conference/usenixsecurity21/presentation/maass

Inter­na­tio­na­le For­schung unter Bam­ber­ger Leitung 

Schul­zeit bestimmt Lebens­we­ge – unab­hän­gig vom Bildungssystem

Ein inter­na­tio­na­les For­schungs­team unter Lei­tung von Prof. Dr. Stef­fen Schind­ler von der Uni­ver­si­tät Bam­berg hat Bil­dungs­we­ge in sie­ben ver­schie­de­nen Län­dern unter­sucht. Ziel der Unter­su­chung war es, her­aus­zu­fin­den, ob sich unter­schied­li­che Bil­dungs­sys­te­me dar­in unter­schei­den, inwie­weit sie den spä­te­ren beruf­li­chen Erfolg vorherbestimmen.

Durch die Wahl der wei­ter­füh­ren­den Schu­le wer­den in Deutsch­land bereits früh­zei­tig Lebens­ver­läu­fe vor­her­be­stimmt. Schü­le­rin­nen und Schü­ler an Haupt­schu­len fin­den sich im spä­te­ren Leben häu­fi­ger in Beru­fen mit nied­ri­ge­rem Ein­kom­men wie­der als Schü­le­rin­nen und Schü­ler auf dem Gym­na­si­um. Der Umstand, dass durch das deut­sche Schul­sys­tem sol­che soge­nann­ten Pfad­ab­hän­gig­kei­ten beson­ders früh ange­legt wer­den, wird in der öffent­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung häu­fig kri­ti­siert. Zum Ver­gleich wer­den dann oft Bil­dungs­sys­te­me ange­führt, die län­ge­re Zei­ten gemein­sa­men Ler­nens in der Sekun­dar­stu­fe vorsehen.

Ob sich unter­schied­li­che Bil­dungs­sys­te­me tat­säch­lich dar­in unter­schei­den, inwie­weit sie den spä­te­ren beruf­li­chen Erfolg vor­her­be­stim­men, hat nun ein inter­na­tio­na­les For­schungs­team unter­sucht. Es hat die Bil­dungs­sys­te­me aus sie­ben Län­dern mit­ein­an­der ver­gli­chen. Die Ergeb­nis­se wur­den im Juli 2021 in einem Son­der­band der Zeit­schrift „Lon­gi­tu­di­nal and Life Cour­se Stu­dies“ ver­öf­fent­licht. Die Erkennt­nis: „In allen Bil­dungs­sys­te­men fin­det eine Sor­tie­rung der Schü­le­rin­nen und Schü­ler statt, durch die der spä­te­re Arbeits­markt­er­folg vor­her­be­stimmt wird“, fasst Dr. Stef­fen Schind­ler zusam­men, Pro­fes­sor für Sozio­lo­gie mit dem Schwer­punkt Bil­dung und Arbeit im Lebens­ver­lauf an der Uni­ver­si­tät Bam­berg. Er lei­tet das For­schungs­pro­jekt „LIFETRACK“ („Life-Cour­se Dyna­mics of Edu­ca­tio­nal Tracking“).


Auf­tei­lung der Schü­le­rin­nen und Schü­ler in allen Bildungssystemen

Sozio­lo­gin­nen und Sozio­lo­gen aus Däne­mark, Deutsch­land, Eng­land, Finn­land, Frank­reich, Isra­el und Ita­li­en haben für das Pro­jekt ihre Bil­dungs­sys­te­me unter­sucht und ver­gli­chen. Ihr Augen­merk rich­te­ten sie dabei auf die Sekun­dar­stu­fe. Dort befin­den sich typi­scher­wei­se Schü­le­rin­nen und Schü­ler zwi­schen 10 und 18 Jah­ren. Die Sekun­dar­stu­fe ist je nach Land unter­schied­lich gestal­tet. In Deutsch­land wer­den Schü­le­rin­nen und Schü­ler in der Regel bereits im Alter von 10 Jah­ren auf unter­schied­li­che Schul­for­men aufgeteilt. 

In ande­ren Län­dern besu­chen Her­an­wach­sen­de bis zum Alter von 14 oder 16 Jah­ren eine Gesamt­schu­le. Den­noch fin­den sich auch in sol­chen Schul­sys­te­men Auf­tei­lun­gen der Schü­le­rin­nen und Schü­ler, die jedoch nicht immer offen­sicht­lich sind. „Alle For­schungs­teams haben in ihrem Land eine Form der Auf­tei­lung von Schü­le­rin­nen und Schü­lern in der Sekun­dar­stu­fe fest­ge­stellt – unab­hän­gig vom Bil­dungs­sys­tem“, sagt Stef­fen Schind­ler. Sicht­bar wird die­se Dif­fe­ren­zie­rung etwa, wenn Kin­der je nach Leis­tung in unter­schied­li­che Lern­grup­pen auf­ge­teilt wer­den. In Eng­land fin­det die Auf­tei­lung unauf­fäl­li­ger statt, zum Bei­spiel durch die Wahl bestimm­ter Fächer oder die Teil­nah­me an bestimm­ten Prüfungen.

Der Sozio­lo­ge Stef­fen Schind­ler lei­tet das inter­na­tio­na­le For­schungs­pro­jekt LIFETRACK. Foto: BAGSS/​Universität Bamberg 

Aka­de­mi­sche Bil­dung bringt in jedem Bil­dungs­sys­tem Vorteile

Die sie­ben Län­der­stu­di­en stim­men in einer Erkennt­nis über­ein: Aka­de­mi­sche Bil­dungs­we­ge füh­ren ten­den­zi­ell zu güns­ti­ge­ren Ergeb­nis­sen auf dem Arbeits­markt als beruf­li­che Bil­dungs­we­ge. „Und die Fra­ge, ob jemand spä­ter ein Stu­di­um auf­nimmt oder nicht, wird in fast allen Län­dern sehr häu­fig bereits durch die Sor­tie­rung in der Sekun­dar­stu­fe ent­schie­den“, sagt Stef­fen Schind­ler. Es zeigt sich in der Unter­su­chung auch, dass die Auf­tei­lung der Schü­le­rin­nen und Schü­ler in allen Län­dern zur Ent­ste­hung sozia­ler Ungleich­heit bei­trägt. Das liegt zum Bei­spiel dar­an, dass Kin­der aus benach­tei­lig­ter sozia­ler Her­kunft häu­fi­ger in den nicht-aka­de­mi­schen Bil­dungs­gän­gen vor­zu­fin­den sind als Kin­der aus pri­vi­le­gier­ter sozia­ler Herkunft.

Für das Pro­jekt haben die For­schen­den längs­schnitt­li­che Daten ihres jewei­li­gen Lan­des ana­ly­siert. Das deut­sche Team nutz­te Daten des Natio­na­len Bil­dungs­pa­nels (NEPS) in Zusam­men­ar­beit mit dem Bam­ber­ger Leib­niz-Insti­tut für Bil­dungs­ver­läu­fe (LIf­Bi). Neben Stef­fen Schind­ler gehö­ren zum deut­schen For­schungs­team Prof. Dr. Corin­na Klei­nert und Clau­dia Trai­ni. LIFETRACK ist ein Teil des euro­päi­schen For­schungs­pro­gramms „Dyna­mics of Ine­qua­li­ty Across the Life Cour­se“ (DIAL). NORFACE för­dert das Pro­jekt ins­ge­samt mit rund 1,4 Mil­lio­nen Euro. NORFACE ist ein Zusam­men­schluss meh­re­rer natio­na­ler For­schungs­för­der­or­ga­ni­sa­tio­nen in Euro­pa, wie zum Bei­spiel der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft (DFG).

Neu­er Mas­ter­stu­di­en­gang in Betriebs­wirt­schafts­leh­re „Value Chain Manage­ment & Busi­ness Ecosystems“

Der neue Mas­ter­stu­di­en­gang „Value Chain Manage­ment & Busi­ness Eco­sys­tems“ an der Uni­ver­si­tät Bam­berg star­tet zum Win­ter­se­mes­ter 2021/​/​22. Inhal­te sind vor allem die Wert­schöp­fung zwi­schen Unter­neh­men sowie die digi­ta­le Transformation.

„Nord­bay­ern ist eine star­ke Indus­trie­re­gi­on mit gro­ßen Unter­neh­men wie etwa Bro­se, Schaeff­ler oder Sie­mens und einem leis­tungs­star­ken Mit­tel­stand“, erklärt der Stu­di­en­gangs­be­auf­trag­te Prof. Dr. Björn Ivens. Vie­le die­ser Unter­neh­men erzie­len ihre Wert­schöp­fung auf soge­nann­ten „Business-to-Business“-Märkten, kurz: „B2B“, also durch Geschäfts­be­zie­hun­gen zwi­schen zwei oder mehr Unter­neh­men und nicht zwi­schen Unter­neh­men und End­kun­den. „Ein Bei­spiel wäre hier etwa der Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer Bro­se, der sei­ne Pro­duk­te an Volks­wa­gen ver­kauft und nicht direkt an den Kon­su­men­ten“, erklärt Björn Ivens. Hier setzt der neue Stu­di­en­gang an und möch­te Exper­tin­nen und Exper­ten im Bereich „B2B“-Märkte ausbilden.


Viel­fäl­ti­ge beruf­li­che Per­spek­ti­ven für Absol­ven­tin­nen und Absolventen

Stu­die­ren­de ler­nen, wie Unter­neh­men und ihr Manage­ment sol­che Märk­te ana­ly­sie­ren, ihre stra­te­gi­sche Posi­tio­nie­rung bestim­men und die zahl­rei­chen Akti­vi­tä­ten, die sie intern oder in Zusam­men­ar­beit mit Lie­fe­ran­tin­nen und Lie­fe­ran­ten sowie Kun­den­in­nen und Kun­den und ande­ren Inter­es­sen­grup­pen ver­bin­den, effek­tiv und effi­zi­ent koor­di­nie­ren. „In enger Zusam­men­ar­beit mit Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aus der Bam­ber­ger Wirt­schafts­in­for­ma­tik wid­men wir uns im Stu­di­en­gang außer­dem den Her­aus­for­de­run­gen der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on, vor der auch die Unter­neh­men der Regi­on ste­hen“, sagt Ivens. Die Indus­trie­land­schaft befin­de sich im Umbruch. Betriebs­wirt­schaft­li­che The­men sei­en immer häu­fi­ger mit Aspek­ten der Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie verbunden.

Beruf­li­che Per­spek­ti­ven für Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten sind viel­fäl­tig. So berei­tet der Mas­ter­stu­di­en­gang auf den Ein­satz in Indus­trie- und Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men vor, die auf den „B2B“-Märkten aktiv sind. Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten sind mit ihrem Pro­fil aber auch geeig­net für die Arbeit in vie­len ande­ren Tätig­keits­fel­dern, wie etwa der Poli­tik und der Wirt­schafts­för­de­rung, oder für Stif­tun­gen, Ver­ei­ne, Behör­den, Par­tei­en und ande­re Orga­ni­sa­tio­nen. In vie­len Berufs­fel­dern ist öko­no­mi­sches Den­ken und das Ver­ständ­nis kom­ple­xer Markt­struk­tu­ren erfor­der­lich. Das Stu­di­um kann sowohl zum Win­ter- als auch zum Som­mer­se­mes­ter auf­ge­nom­men wer­den. Eine Bewer­bung für den neu­en Stu­di­en­gang ist zum Win­ter­se­mes­ter 202122 noch bis ein­schließ­lich 13. August mög­lich. Die Vor­le­sun­gen und Semi­na­re fin­den in deut­scher und eng­li­scher Spra­che statt und die Regel­stu­di­en­zeit beträgt vier Semester.


Neue Dop­pel­mas­ter­ab­schlüs­se in BWL und VWL möglich

Neben dem neu­en BWL-Mas­ter­stu­di­en­gang kön­nen Stu­die­ren­de ab dem Win­ter­se­mes­ter 202122 zwei neue Dop­pel­ab­schluss­pro­gram­me wäh­len. Zusam­men mit der Rad­boud Uni­ver­si­tät in Nij­me­gen in den Nie­der­lan­den gibt es künf­tig einen BWL-Dop­pel­ab­schluss im Bereich Per­so­nal­ma­nage­ment. Das Pro­gramm zeich­net sich durch sei­ne inter­na­tio­na­le Inte­gra­ti­on aus und führt Stu­die­ren­de in zwei Jah­ren zu den Mas­ter­ab­schlüs­sen bei­der Universitäten.

Die Uni­ver­si­tät Vero­na in Ita­li­en und die Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg haben eben­falls eine Dop­pel­ab­schluss­ver­ein­ba­rung geschlos­sen. Kern­fach des Stu­di­ums ist an bei­den Uni­ver­si­tä­ten die Volks­wirt­schafts­leh­re. Das gemein­sa­me Pro­gramm ermög­licht den Teil­neh­men­den ein ver­tief­tes und moder­nes Stu­di­um der Öko­no­mie aus einer gesamt­eu­ro­päi­schen Per­spek­ti­ve in einem län­der­über­grei­fen­den Rahmen.

Wei­te­re Informationen

Zum Stu­di­en­gang „Value Chain Manage­ment & Busi­ness Eco­sys­tems“: https://www.uni-bamberg.de/ma-vcmbe

Zum Dop­pel­ab­schluss­pro­gramm mit der Rad­boud Universität:

https://www.uni-bamberg.de/ma-dd-bwl/radboud-university-nijmegen

Zum Dop­pel­ab­schluss­pro­gramm mit der Uni­ver­si­tät Vero­na: https://www.uni-bamberg.de/ma-dd-ees/universita-degli-studi-di-verona

Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bamberg

Mela­nie Huml als Vor­sit­zen­de des Kura­to­ri­ums wiedergewählt

Das Kura­to­ri­um der Uni­ver­si­tät Bam­berg hat Staats­mi­nis­te­rin Mela­nie Huml als Vor­sit­zen­de wie­der­ge­wählt. Die Uni­ver­si­tät auf Erfolgs­kurs zu hal­ten, um Bam­berg als Wis­sen­schafts­stand­ort nach­hal­tig zu stär­ken, gibt das Gre­mi­um als Ziel aus. Des­halb möch­te das Kura­to­ri­um die Wei­ter­ent­wick­lung der Uni­ver­si­tät för­dern, sowohl hin­sicht­lich inhalt­li­cher Aus­rich­tung als auch bau­li­cher Maßnahmen.

„Unser gemein­sa­mes Ziel ist, die posi­ti­ve Ent­wick­lung unse­rer Uni Bam­berg wei­ter zu för­dern, denn für die gan­ze Regi­on ist die Uni­ver­si­tät von enor­mer Bedeu­tung“, erklär­te Huml nach der kon­sti­tu­ie­ren­den Sitzung.

Die Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät gehö­re mit ihren fast 1.400 Beschäf­tig­ten zu den größ­ten Arbeit­ge­bern in Bam­berg, wir­ke aber auch weit dar­über hin­aus, denn: „Durch eine Hoch­schu­le wan­dern weni­ger jun­ge Men­schen in ande­re Städ­te ab, viel­mehr kom­men sogar jun­ge Men­schen von außer­halb in die Regi­on. Das Poten­ti­al an hoch­qua­li­fi­zier­ten Arbeit­neh­mern wie­der­um ist für die Wirt­schaft ein wich­ti­ges Stand­ort­kri­te­ri­um“, so Huml weiter.

Das Kura­to­ri­um wol­le des­halb die Wei­ter­ent­wick­lung der Uni­ver­si­tät för­dern. „Ange­fan­gen von der Finan­zie­rung not­wen­di­ger Bau­maß­nah­men bis hin zur inhalt­li­chen Aus­rich­tung, gera­de für mich als Land­tags­ab­ge­ord­ne­te gibt es vie­le Mög­lich­kei­ten die Wei­ter­ent­wick­lung unse­rer Uni zu unter­stüt­zen“, erklärt Staats­mi­nis­te­rin Mela­nie Huml und führt als Bei­spiel die Umset­zung der High­tech Agen­da Bay­ern (HTA) an.


Uni auf Erfolgs­kurs halten

Über die HTA hat­te die Uni Bam­berg zunächst zwölf neue Pro­fes­su­ren im Bereich Infor­ma­tik erhal­ten und konn­te sich dann noch zusätz­lich sie­ben Pro­fes­su­ren spe­zi­ell mit Fokus auf Künst­li­cher Intel­li­genz im KI-Wett­be­werb Bay­ern sichern. „Wir schaf­fen es hof­fent­lich auch noch, wei­te­re Infor­ma­tik-Pro­fes­su­ren in Bam­berg ein­zu­rich­ten, denn die­ser Bereich birgt enor­mes Poten­ti­al, gera­de auch für die Zukunft unse­rer Regi­on. Ich den­ke hier bei­spiels­wei­se an die Grün­dung von Start­ups durch Absol­ven­ten und den Know­how-Trans­fer in die Wirt­schaft, aber auch an mög­li­che Schnitt­stel­len zum Cle­an­tech-Park Hall­stadt“, so Huml.

Der Aus­bau der WIAI-Fakul­tät sei eine Berei­che­rung und auch eine Her­aus­for­de­rung, sag­te Huml mit Blick auf die räum­li­che Unter­brin­gung. Die Kura­to­ri­ums­vor­sit­zen­de betont aber auch: „Uns ist es wich­tig, die Uni Bam­berg ins­ge­samt zu för­dern und uns dabei nicht auf einen ein­zel­nen Bereich zu beschrän­ken. Zum Bei­spiel ste­hen wich­ti­ge Bau­maß­nah­men an, etwa die Sanie­rung des Stand­orts Feld­kir­chen­stra­ße. Hier konn­ten wir im Haus­halt des Frei­staats immer­hin schon einen Titel errei­chen, benö­ti­gen aber noch die Mit­tel“, berich­tet Huml.

Als Land­tags­ab­ge­ord­ne­te wer­de sie hier nach­ha­ken und die Uni­lei­tung auch bei den wei­te­ren Belan­gen unter­stüt­zen. „Es gilt, unse­re Uni auf Erfolgs­kurs zu hal­ten, um Bam­berg als Wis­sen­schafts­stand­ort nach­hal­tig zu stär­ken“, betont Huml, die seit fast 13 Jah­ren Vor­sit­zen­de des Kura­to­ri­ums ist. Als stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de wur­de Regie­rungs­prä­si­den­tin Heid­run Piwer­netz bestä­tigt. Die wei­te­ren Mit­glie­der sind Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Star­ke, Land­rat Johann Kalb, die Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Inge Aures, Hol­ger Dre­mel und Ursu­la Sowa sowie die Arbeits­agen­tur­che­fin Bri­git­te Glos, BR-Fran­ken-Stu­dio­lei­ter Tas­si­lo Forch­hei­mer, Künst­ler­h­aus­di­rek­to­rin Dr. Nora-Euge­nie Gom­rin­ger und Mar­kus Kne­bel, Schul­lei­ter des E.T.A. Hoffmann-Gymnasiums.

Stu­die

Jede oder jeder fünf­te Aus­ge­wan­der­te sieht Vor­tei­le in der Pandemie

Sie leben in einem frem­den Land, machen sich mit einer neu­en Spra­che und Kul­tur ver­traut, haben weni­ge Freund­schaf­ten in ihrer Umge­bung geknüpft: Ver­setzt man sich in Beschäf­tig­te aus dem Aus­land hin­ein, könn­te man ver­mu­ten, dass die Coro­na-Pan­de­mie sie beson­ders hart trifft. Wie geht es ihnen tat­säch­lich? Eine Bam­ber­ger Psy­cho­lo­gin hat unter­sucht, wie sich die gegen­wär­ti­ge Lage auf Beschäf­tig­te aus dem Aus­land auswirkt.

„Über­ra­schen­der­wei­se fin­det jede oder jeder fünf­te Aus­ge­wan­der­te die Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie posi­tiv – ande­rer­seits fin­det auch ein Vier­tel unse­rer Befrag­ten die Situa­ti­on nega­tiv“, sagt Anh Nguy­en, Sozi­al- und Orga­ni­sa­ti­ons­psy­cho­lo­gin sowie Pro­jekt­mit­ar­bei­te­rin an der Uni­ver­si­tät Bam­berg. Sie erforscht gemein­sam mit Prof. Dr. Mai­ke And­re­sen seit Anfang 2020 im Rah­men des inter­na­tio­na­len For­schungs­pro­jekts „GLOMO – Glo­bal mobi­li­ty of employees“, war­um Migran­tin­nen und Migran­ten lang­fris­tig für Unter­neh­men arbei­ten. Nun legen sie Zwi­schen­er­geb­nis­se mit Bezug zur Coro­na-Pan­de­mie vor.


Vor allem Sin­gles bewer­ten die Pan­de­mie negativ

Zwi­schen Juli und Novem­ber 2020 hat Anh Nguy­en eine Online-Umfra­ge unter 707 aus­ge­wan­der­ten Beschäf­tig­ten durch­ge­führt. Die Befrag­ten stam­men aus 98 ver­schie­de­nen Län­dern und leben nun als Migran­tin­nen und Migran­ten in Groß­bri­tan­ni­en, Deutsch­land oder Frank­reich. 21,8 Pro­zent geben an, dass sich ihr Leben durch die Pan­de­mie ver­bes­sert hat. 

„Die posi­tiv gestimm­ten Per­so­nen freu­en sich bei­spiels­wei­se dar­über, dass sie mehr Zeit für ihre Part­ne­rin oder ihren Part­ner haben“, erklärt Anh Nguy­en. „Und sie fin­den es schön, etwas dazu­ge­lernt zu haben – über Tech­no­lo­gien oder auch über ihre per­sön­li­chen Bedürf­nis­se, Stand­punk­te und Hand­lun­gen.“ Die Hälf­te aller Befrag­ten (50,8 Pro­zent) sagt, dass sich ihr Leben durch die Pan­de­mie weder ver­bes­sert noch ver­schlech­tert habe.

Anh Nguy­en arbei­tet an der Uni­ver­si­tät Bam­berg für das inter­na­tio­na­le Pro­jekt GLOMO. Quel­le: BAGSS/​Universität Bamberg 

Aller­dings neh­men 27,4 Pro­zent die aktu­el­le Situa­ti­on als Ver­schlech­te­rung wahr. „Man­che Men­schen machen sich zum Bei­spiel Sor­gen um ihr mate­ri­el­les Ein­kom­men“, erläu­tert Anh Nguy­en. „Ins­ge­samt bewer­ten vor allem Sin­gles, getrenn­te oder geschie­de­ne Per­so­nen die Pan­de­mie nega­tiv. Das betrifft mehr Frau­en als Män­ner, da Frau­en ten­den­zi­ell zurück­ge­zo­ge­ner leben und dadurch weni­ger per­sön­li­che Kon­tak­te haben.“ Sie emp­fiehlt den Unter­neh­men, gera­de die­se Arbeit­neh­me­rin­nen zu unter­stüt­zen: Sie könn­ten Akti­vi­tä­ten wie Wald­spa­zier­gän­ge oder gemein­sa­me Online-Mit­tag­essen orga­ni­sie­ren und Frau­en ver­net­zen. Oder sie könn­ten Rund­mails mit Hilfs­an­ge­bo­ten ver­schi­cken, etwa mit Infor­ma­tio­nen zu psy­cho­lo­gi­scher Hilfe.


GLOMO – ein inter­dis­zi­pli­nä­res, euro­päi­sches Großprojekt

Die Zwi­schen­er­geb­nis­se sind Teil des Gesamt­pro­jekts GLOMO, das von Janu­ar 2018 bis Mai 2022 läuft. In dem inter­dis­zi­pli­nä­ren For­schungs­pro­jekt unter­sucht die Uni­ver­si­tät Bam­berg gemein­sam mit acht euro­päi­schen Part­ner­uni­ver­si­tä­ten und ‑orga­ni­sa­tio­nen die Arbeit­neh­mer­mo­bi­li­tät. Mai­ke And­re­sen, Inha­be­rin des Lehr­stuhls für Betriebs­wirt­schafts­leh­re, ins­be­son­de­re Per­so­nal­ma­nage­ment und Orga­ni­sa­tio­nal Beha­viour, an der Uni­ver­si­tät Bam­berg koor­di­niert GLOMO. Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on unter­stützt das Pro­jekt mit 3,9 Mil­lio­nen Euro im För­der­pro­gramm „Hori­zont 2020“. GLOMO gehört zum For­schungs­schwer­punkt „Empi­ri­sche Sozi­al­for­schung zu Bil­dung und Arbeit“ der Uni­ver­si­tät Bamberg.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen und aktu­el­le Mel­dun­gen zum Schwer­punkt sind abruf­bar unter https://www.uni-bamberg.de/forschung/profil/bildung-und-arbeit/

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu GLOMO sind zu fin­den unter https://glomo.eu/

20 Jah­re Wikipedia

Pro und Con­tra Wiki­pe­dia im Forschungsbetrieb

Die freie Online-Enzy­klo­pä­die Wiki­pe­dia fei­ert am 15. Janu­ar 2021 ihren 20. Geburts­tag. In fast 300 Spra­chen ste­hen rund 50 Mil­lio­nen Arti­kel zur Ver­fü­gung. Wiki­pe­dia ist zur belieb­tes­ten Anlauf­sta­ti­on gewor­den, wenn es dar­um geht, mög­lichst schnell online Infor­ma­tio­nen zu fin­den und abzu­ru­fen. Wel­che grund­le­gen­de Bedeu­tung die­se – nicht zuletzt – mühe­lo­se Ver­füg­bar­keit von Infor­ma­ti­on für den uni­ver­si­tä­ren For­schungs­be­trieb hat, haben nun For­schen­de der Uni­ver­si­tät Bam­berg beleuchtet.

Prof. Dr. Patrick Fran­ke, Inha­ber des Lehr­stuhls für Islam­wis­sen­schaft an der Uni­ver­si­tät Bam­berg, ist seit 2011 in der deutsch­spra­chi­gen Ver­si­on Wiki­pe­di­as aktiv. Mit einem neu­en Modell der Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on setzt er den Gedan­ken der Offe­nen Wis­sen­schaft (Open Sci­ence) um: Er hat die Bam­ber­ger Islam-Enzy­klo­pä­die (BIE) in die Wiki­pe­dia integriert.

Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­ler Prof. Dr. Rudolf Stö­ber hat vor einem sol­chen Enga­ge­ment der Autorin­nen und Autoren Respekt, warnt aber zugleich vor dem pro­pa­gan­dis­ti­schen Poten­ti­al von Wikipedia.

Für Prof. Dr. Patrick Fran­ke spre­chen meh­re­re Punk­te dafür, For­schungs­er­geb­nis­se in die Wiki­pe­dia ein­zu­bet­ten. „Obwohl Wiki­pe­dia heu­te welt­weit eines der wich­tigs­ten Pro­jek­te gemein­sa­mer Wis­sens­pro­duk­ti­on dar­stellt”, sagt der Islam­wis­sen­schaft­ler, „und zum Teil bes­se­re Infor­ma­tio­nen lie­fert als aner­kann­te Fach­enzy­klo­pä­dien, ist die Betei­li­gung von haupt­amt­li­chen For­schen­den an die­sem Pro­jekt immer noch sehr gering.“

Grün­de für die­ses Des­in­ter­es­se sieht er unter ande­rem in Zeit­man­gel, dem raue Umgangs­ton, der Furcht vor Ver­än­de­rung der eige­nen Bei­trä­ge durch Drit­te und der nicht ver­bind­li­chen Kenn­zeich­nung von Autorenschaft.

„Ich habe die Erfah­rung gemacht, dass vie­le Vor­ur­tei­le von Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­lern gegen­über Wiki­pe­dia unbe­grün­det sind. Wer sich an bestimm­te Regeln hält, kann wis­sen­schaft­lich von der Zusam­men­ar­beit mit Lai­en pro­fi­tie­ren und auf bestimm­ten Fel­dern in der Wiki­pe­dia sogar ori­gi­nä­re For­schungs­bei­trä­ge leis­ten. Die Chan­ce besteht dar­in, wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se bekannt zu machen.“

Nach­tei­le von Wikipedia

Prof. Dr. Rudolf Stö­ber, Inha­ber des Lehr­stuhls für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft der Uni­ver­si­tät Bam­berg, sieht bei­spiels­wei­se in der beden­ken­lo­sen Akzep­tanz von Wiki­pe­dia-Infor­ma­tio­nen aber auch Nach­tei­le der Enzyklopädie.

„Wiki­pe­dia ist einer­seits ein moder­nes Medi­um der Volks­auf­klä­rung”, sagt er. „Anfangs wegen sei­ner Fak­ten­treue umstrit­ten, wird die­se heu­te kaum noch in Zwei­fel gezo­gen. Eher wird beklagt, dass man­che Arti­kel man­gel­haft struk­tu­riert sind und ein Neben­ein­an­der von rele­van­ten und wenig rele­van­ten Infor­ma­tio­nen auf­wei­sen. Ich fürch­te ande­rer­seits, dass das pro­pa­gan­dis­ti­sche Poten­ti­al von Wiki­pe­dia nicht von allen Nut­ze­rin­nen und Nut­zern rich­tig ein­ge­schätzt wird.“

So wür­den die soge­nann­ten Edit­wars, Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten über die Inhal­te umstrit­te­ner Ein­trä­ge, zei­gen, wie in dem Online-Lexi­kon um Deu­tungs­ho­heit gekämpft wird.

„Aber ich schät­ze das Lexi­kon als ers­te Ori­en­tie­rung und Stich­wort­ge­ber und habe Respekt vor dem Enga­ge­ment der Community.“

Prof. Dr. Patrick Fran­ke hat zum The­ma ers­te Ori­en­tie­rung und Stich­wort­ge­ber eine ähn­li­che Mei­nung: „Wiki­pe­dia-Arti­kel sind nicht in ers­ter Linie selbst als Bele­ge gedacht, son­dern als Mit­tel, um ande­ren die Auf­fin­dung von belast­ba­ren Infor­ma­tio­nen zu einem bestimm­ten The­ma zu erleich­tern. In die­ser Funk­ti­on kön­nen sol­che Arti­kel auch eine bedeu­ten­de Rol­le in der Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on über­neh­men, etwa wenn sie ver­streu­tes Wis­sen, das nur schwer auf­zu­fin­den ist, an einem Ort zusammenführen.”

Wiki­pe­dia-Arti­kel in wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten direkt zu zitie­ren, sei aber nur unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen erlaubt. „Wenn die Autorin­nen und Autoren unter Klar­na­men schrei­ben und aus­ge­wie­se­ne Fach­wis­sen­schaft­le­rin­nen und Fach­wis­sen­schaft­ler sind, sind sol­che Zita­te in Ordnung.“

1 9 10 11 12