Ein Geben und Nehmen

Tausch­ring Regi­on Bamberg

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Der Tauschring Region Bamberg hält monatliche Tauschtreffen ab.
Ein Tauschringtreffen im Hain, Foto: Margot Scheer

In Bam­berg ist der Tausch­han­del wie­der ein­ge­führt wor­den. Zumin­dest beim Tausch­ring Regi­on Bam­berg. Die Mit­glie­der des Ver­eins bie­ten ein­an­der Dienst­leis­tun­gen an – sei­en es klei­ne Repa­ra­tu­ren im Haus­halt, Gar­ten­ar­bei­ten oder ein Spa­zier­gang –, neh­men sie von­ein­an­der in Anspruch und hal­ten so einen Kreis­lauf von Geben und Neh­men in Schwung.
Regina Hoffmann (links) und Margot Scheer vom Bamberger Tauschring.
Regi­na Hoff­mann (links) und Mar­got Scheer, Foto: S. Quenzer

Vor etwas mehr als einem Jahr wur­de der Tausch­ring Regi­on Bam­berg gegrün­det. Regi­na Hoff­mann, die dem Ver­ein zusam­men mit Mar­got Scheer vor­sitzt, hat sich von einem Pen­dant im Stutt­gar­ter Umland zum hie­si­gen Able­ger inspi­rie­ren las­sen. 

Der Kern des Tausch­rings ist eine allen Ansprü­chen des Daten­schut­zes gerecht wer­den­de Daten­bank namens „Cyclos“. In die­sem Pro­gramm kann jedes Mit­glied (aktu­ell sind es etwa 50) Ange­bo­te und Nach­fra­gen ein­stel­len bezie­hungs­wei­se dar­auf reagie­ren. So lässt sich einer­seits ange­ben, wel­che zum Bei­spiel hand­werk­li­chen oder sozia­len Fähig­kei­ten man sein Eigen nennt, also wel­che Hil­fe­leis­tun­gen man fähig ist zu geben. Und ande­rer­seits kann ein­ge­tra­gen wer­den, bei wel­chen Tätig­kei­ten oder The­men man Unter­stüt­zung sucht, sprich wel­che Fähig­kei­ten ande­rer Mit­glie­der man ger­ne in Anspruch neh­men würde.

„Wir sind aber kei­ne Nach­bar­schafts­hil­fe, bei der nur ein­sei­tig Hil­fe ange­nom­men wird“, sagt Regi­na Hoff­mann. „Die Mit­glie­der des Tausch­rings brin­gen sich und ihre Fähig­kei­ten auch ein.“

Um sicher­zu­stel­len, dass das Geben und Neh­men für alle trans­pa­rent und fair abläuft, greift der Tausch­ring auf ein eige­nes Sys­tem zur Ver­rech­nung der Zeit zurück. „Bezahlt“ wird jedoch nicht in Geld – die Ver­rech­nungs­ein­heit für die Zeit beim Tausch­ring heißt, ganz frän­kisch „Zeid­la“.

Pro 15 Minu­ten geleis­te­ter Arbeit wird ein „Zeid­la“ in Rech­nung gestellt (wobei die Abrech­nung eben­falls über „Cyclos“ abge­wi­ckelt wird). Mäht ein Mit­glied bei­spiels­wei­se 45 Minu­ten lang den Rasen eines ande­ren Mit­glieds schul­det letz­te­res ers­te­rem drei „Zeid­la“.

„Zeit gehört zum Wert­volls­ten, was ein Mensch besitzt. Der Tausch­ring ist ein Zeit-Tausch­ring. Dar­in liegt auch für jeden Men­schen die Chan­ce, Mit­glied zu wer­den. Jeder bringt sich mit dem ein, was er kann und jeder kann etwas. Zeit ist Zeit, egal, ob jemand einen Com­pu­ter repa­riert, etwas vor­liest oder ein Kind beaufsichtigt.“

Wobei die Absicht sich ein­brin­gen zu wol­len, teil­wei­se stär­ker aus­ge­prägt sei, als das Ver­trau­en in die eige­nen Fähig­kei­ten, die man ande­ren anbie­ten kön­ne. Oft pas­sie­re es, dass jemand durch­aus Inter­es­se habe mit­zu­ma­chen, aber nicht wis­se, womit. „Dar­um haben wir eine Lis­te von Tau­sch­ideen zusam­men­ge­stellt“, sagt Mar­got Scheer, „an der sich die Leu­te ori­en­tie­ren kön­nen. So lässt sich her­aus­fin­den, was man eigent­lich alles kann. Gera­de älte­re Men­schen füh­len sich teil­wei­se für die Gesell­schaft nicht mehr wich­tig. Ihnen bie­tet der Tausch­ring die Mög­lich­keit, sich mit ihrer Erfah­rung, ihrem Kön­nen ein­zu­brin­gen. So kön­nen sie per­sön­lich ganz neu Wert­schät­zung erfahren.“

Ein Geben und Nehmen

Neue Mit­glie­der erhal­ten ein Start­ka­pi­tal von 12 Zeid­la, um nicht gleich in den Minus­be­reich zu gera­ten, wenn sie zum ers­ten Mal eine Dienst­leis­tung für sich in Anspruch neh­men, ohne vor­her eine Dienst­leis­tung bei­getra­gen zu haben. Wobei ins Minus zu rut­schen erst Kon­se­quen­zen hat, wenn man der­art vie­le Tausch­ak­tio­nen unter­nom­men hat, dass man sich Rich­tung minus 40 „Zeid­la“ bewegt. Dann erin­nert das Daten­bank­sys­tem auto­ma­tisch, dass man wie­der etwas bei­tra­gen soll­te. „Nega­ti­ve Erfah­run­gen, sagt Mar­got Scheer, „sind im ein­jäh­ri­gen Bestehen des Tausch­rings aber noch nicht gemacht wor­den. Ich bin in vie­len Ver­ei­nen tätig, aber die posi­ti­ve Stim­mung und der selbst­lo­se Umgang mit­ein­an­der sind einmalig.“

Monat­li­che Tauschtreffs

Da jedoch kaum jemand Frem­de, die über eine Daten­bank gebucht wur­den, in die eige­ne Woh­nung ein­la­den möch­te, auch wenn es um den Aus­tausch einer Dienst­leis­tung gegen „Zeid­la“ geht, bie­ten monat­li­che Tausch­treffs poten­ti­el­len Tausch­part­nern die Mög­lich­keit, sich vor­her kennenzulernen.

„Erfah­rungs­ge­mäß tau­schen die, die sich ken­nen, mehr“, sagt Regi­na Hoff­mann. „Die Basis des Tausch­rings ist ohne­hin die mensch­li­che Begeg­nung. Tau­schen basiert auf Ver­trau­en. Des­halb ist es uns auch wich­tig, ein Gespräch zu füh­ren, bevor jemand Mit­glied wird. Meist fin­den die­se Gesprä­che an einem Tausch­treff statt, wo alle Inter­es­sier­ten uns ken­nen­ler­nen, Fra­gen stel­len und so per­sön­lich her­aus­fin­den kön­nen, ob der Tausch­ring das ist, was Ein­zel­ne für sich suchen.“

Haben sich die Par­tei­en dann zu einem Tausch­ak­ti­on ver­ab­re­det, gibt es, vor allem für die Sei­te, die eine Dienst­leis­tung anbie­tet, eini­ge Höf­lich­keits­re­geln zu befol­gen. So sind die Tau­schen­den grund­le­gend ange­hal­ten, nur Leis­tun­gen zu offe­rie­ren, von deren Qua­li­tät sie selbst über­zeugt sind, und sich auf eine Art und Wei­se ein­zu­brin­gen, wie sie sich wün­schen wür­den, dass ihnen gehol­fen wird. Oder in den genau­en Wor­ten der Regel­lis­te: Ich hand­le immer so, als hel­fe ich einem guten Freund.

Tausch­ring Regi­on Bamberg

Tele­fon: 0951 29 70 110

Tausch­treff:

Jeden 1. Mitt­woch im Monat, 19 Uhr, Gemein­de­haus Phil­ip­pus, Bug­er Stra­ße 74

www.tauschring-region-bamberg.de

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