Bis zum 14. September ist in der Villa Dessauer eine Werkschau des Bamberger Fotografen Uwe Gaasch zu sehen. Hat er sich zunächst über Jahrzehnte einen Namen in der Architekturfotografie gemacht, gibt diese Ausstellung einen Einblick in die Kunstfotografie, der er sich mittlerweile seit geraumer Zeit auch widmet.
Andere würden vermutlich mehrere Leben benötigen, um eine derartige Vielfalt an Erfahrungen zu sammeln und erfolgreich in so vielen und unterschiedlichen Bereichen zu sein wie Uwe Gaasch. Nach seiner Ausbildung zum Fotografen und rund zehnjähriger Tätigkeit in diesem Beruf betrieb er zwischendurch seine weitere Passion als Musiker eine Zeit lang professionell, um dann von der Bühne zur Fotografie zurückzukehren, in diesem Fall zunächst beim Landesamt für Denkmalpflege in Schloss Seehof zur dokumentarischen Fotografie. Als Architekturfotograf hat er sich in den vergangenen Jahrzehnten einen Namen gemacht und ist sukzessive zusätzlich zur Kunstfotografie gekommen. Zehn Jahre nach seiner letzten Ausstellung in der Hofhaltung kehrt er nun in die Museen der Stadt Bamberg zurück. In der Villa Dessauer ist die Werkschau „Uwe Gaasch. Fotografische Inszenierungen“ vom 6. Juni bis zum 14. September donnerstags bis sonntags sowie an Feiertagen jeweils von 12 bis 18 Uhr zu sehen.
„Malen im digitalen Bereich“
Für Auri Tusa von den Museen der Stadt Bamberg ist diese Werkschau die erste Ausstellung, die sie eigenverantwortlich kuratiert. Und sie hat großen Spaß an der Zusammenarbeit mit Uwe Gaasch und dessen Gattin Sabrina Catowiez, wie sie bereits zum Gesprächseinstieg heraushebt. „Die Zusammenarbeit ist unglaublich toll“, betont auch Uwe Gaasch. „Und das Schöne ist, dass es alle Beteiligten hier auch so sehr freut.“
Seine Gattin Sabrina begleitet und unterstützt ihn schon seit Jahren in seiner Tätigkeit in der Architekturfotografie und auch bei dieser Werkschau trägt Sabrina Catowiez, selbst Musikerin und Malerin, einen entscheidenden Teil zum Gelingen bei. „Sie ist meine moralische Stütze. Sie ist ja selbst Malerin und ihr Know-how, was Ausstellungen anbelangt, war da sehr wichtig. Das ist für mich eine gute Sache, als Derjenige, der aus der Architekturfotografie kommt. Diese Kunstform ist eine ganz andere Schiene, die ich da jetzt fahre.“ Diese Richtung hat bei ihm in den letzten Jahren Fahrt aufgenommen. Er greift dabei auch auf sein Know-how aus der Architekturfotografie zurück, die ein sehr akribisches Arbeiten voraussetzt, was ihm in der künstlerischen Arbeit auch sehr entgegenkommt, allerdings sei im Hinterkopf auch immer der hohe Anspruch, den er hat, „weil man aus der analogen Welt kommt und weiß, wie hochqualitativ die Grundlage eines Negativs ist. Das ist schon eine andere Nummer.“
Auri Tusa kam vor zwei Jahren aus Finnland nach Deutschland und ist seit Juni vergangenen Jahres als Volontärin bei den Museen der Stadt Bamberg tätig. „Im Oktober wurde mir dieses Projekt übertragen“, erzählt sie, die zuvor kuratierend an der Ausstellung „Dunst“ von Alex Hojenski im Kesselhaus mitgewirkt hat. „Es ist das erste Projekt, das ich verantwortlich betreue. Zunächst ist Alles neu für mich gewesen. Aber es ist eigentlich einfacher gelaufen als ich dachte“, so Frau Tusa. „Die gesamten Vorbereitungen und die Bildauswahl mit Sabrina und Uwe waren toll. Wir haben uns immer gut ausgetauscht, das ist alles sehr entspannt gelaufen“, berichtet sie.
„Es geht ja nicht oder nur am Rande um Architektur in dem Fall, vielmehr um Natur und Alles, was so kreucht und fleucht. Also das ist eine ganz neue Angelegenheit, die ich da schaffe. Ich kann es selber noch nicht so richtig erklären. Malen im digitalen Bereich“, erläutert Uwe Gaasch und wirkt einerseits nachdenklich und gleichzeitig fasziniert von sich selbst und seinem erfolgreichen Wirken auch in diesem neueren Bereich. „So ist es bei mir immer. Das sind Dinge, die sich entwickeln, also jetzt auch wieder, es wird immer größer. Dann kriegst du immer wieder Angst davor, und dann denkst du: ach naja, so schlimm ist das gar nicht.“
Ungesichert am Jungfrauenturm
Neben seiner Arbeit in der Fotografie war Uwe Gaasch auch immer nebenher musikalisch tätig und Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre dann auch etwa zweieinhalb Jahre als Profimusiker mit seiner Band Skin, später REVOLVER, unterwegs und hatte die Fotografie zeitweise ad acta gelegt.
„Wir haben einen Plattenvertrag bei der Electrola gehabt, wir haben einen Produzenten gehabt, der auch die Scorpions und Tina Turner produziert hat, und Fritz Rau war unser Manager. Das war so gut, was Besseres kann dir gar nicht passieren“, blickt Uwe Gaasch zurück. Dennoch verließ er die Band – blieb allerdings der Musik treu – und fand nach ein paar Jahren on Tour zurück zur Fotografie. Er kam zunächst zum Landesamt für Denkmalpflege nach Schloss Seehof, wo seine Aufgabe die dokumentarische Fotografie war, also Alles, was damals schon restauriert und umgebaut wurde, wurde von ihm dokumentiert. „Und plötzlich kam das Angebot, die Denkmalliste des Landkreises Tirschenreuth in der Oberpfalz zu bebildern. Das war ein Pilotprojekt, das erste Mal, dass eine Denkmalliste bebildert wurde“, so Uwe Gaasch. „Und ich bin mit einem alten VW-Käfer, oder später mit einem alten Citroen, durch die Oberpfalz gefahren und habe fotografiert, das war wunderschön.“
Sein Radius entwickelte sich stets weiter, zuerst bayernweit, dann kamen Aufträge in Hessen dazu, unter anderem vom Institut für Konservierung und Restaurierung in Fulda, danach von großen Restaurierungsfirmen, wo es seine Aufgabe war, mit der Kamera Fassaden, innen wie außen, fotografisch abzuwickeln, um die Grundlage für die Schadenskartierung zu liefern. Die Entwicklung ging weiter über Burgen am Niederrhein, alte Herrenhäuser, den Bremer Dom und die Dresdner Frauenkirche bis zur Museumsinsel Berlin, wo er zwei Jahre lang tätig war. Und schließlich führte ihn die Fotografie auch nach Aserbaidschan. „Ich muss es immer nennen, weil es so witzig war, die eine Woche am UNESCO-Weltkulturerbe, in Baku, dieser Jungfrauenturm am Kaspischen Meer. Das war schon sehr interessant, vor allem die Sicherungen, die sie da hatten, also eigentlich keine“, berichtet er und lacht.
Später kam das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte (Bildarchiv Foto Marburg) als Auftraggeber dazu, für das Uwe Gaasch bis heute tätig ist. Von dort kamen und kommen Aufträge für Dokumentationen von historischen Gebäuden vor allem in Ostdeutschland oder spezielle Fotokampagnen in Zusammenarbeit mit den Akademien der Wissenschaften betreffend barocke Decken- und Wandmalereien in Deutschland. Die künstlerische Fotografie, um die es in der Ausstellung geht, hat er nach und nach für sich entdeckt, diese hat sich parallel dazu entwickelt. „Das ist stärker geworden über die letzten Jahre“, berichtet seine Gattin Sabrina Catowiez, der Verkauf von Bildern aus der künstlerischen Schiene habe zugenommen, es gehe in die Größe, auch Din A2 und aufwärts seien gefragt.
Was parallel läuft, ist, dass Bilder in Bamberg zum Beispiel im Hofbräu und im Hofcafé hängen, um die Räume zu verzieren. „Die werden so alle halbe Jahre ausgetauscht oder ergänzt. Es sind ja im Hofcafé und im Hofbräu zwei verschiedene Klientel, die da ein- und ausgehen. Und das macht die Sache schon interessant, weil da auch immer wieder was gekauft wird“, erzählt Uwe Gaasch. Darum geht es natürlich, er möchte auch davon leben, aber spannend sind für ihn auch Ausstellungen wie jetzt in der Villa Dessauer, auf die er sich sehr freut. „Das ist natürlich schon eine tolle Sache. Und in der Richtung wird es womöglich weitergehen. Die Leute, die bisher meine Bilder gesehen haben, sind da sehr angetan. Das macht mir natürlich auch sehr viel Mut, das auf jeden Fall in diesem Stil weiter zu betreiben“, so Uwe Gaasch voller Vorfreude.
Man nehme als Architekturfotograf immer etwas mit und entdecke auch immer mehr, auch auf Grundlage älterer Dateien, was man damit auch alles künstlerisch machen kann. Verfremdungen nennt er als Beispiel. Das ist auch eine seiner Spezialitäten. „Es läuft immer darauf hinaus, dass ich quasi am Computer dann eher male. Das ist schwer zu erklären, man muss das sehen.“ Diese Möglichkeit gibt es ab 6. Juni in der Ausstellung. Auch Collagen, wie die Bilder „Bademeister“ oder „Die Ente bleibt drinnen“, enthält die Schau. Im ersten Fall fotografierte er das historische Charlottenburger Stadtbad, im zweiten Fall eine ausrangierte IBAG-Halle, die – unter Denkmalschutz – in Neustadt an der Weinstraße steht. „Die hast du digital geflutet“, grinst Sabrina Catowiez. Und die separat fotografierte Ente wurde dann digital hinzugefügt. 13 Räume und einen Kassenraum nimmt die Ausstellung ein, etwa neunzig Bilder werden insgesamt zu sehen sein, jeder Raum widmet sich einem Thema. Ein ganzer Raum mit Tierfotos, Berglandschaften, Bamberger PopArt oder „Maritimes von der Ostsee“. Eine derart große Menge an zur Auswahl stehenden Fotos hatte Auri Tusa nicht erwartet, erinnert sie sich. „Ich hatte gehört, dass Uwe die Kunstfotografie seit ein paar Jahren macht. Ich habe aber nicht mit so einer Riesenmenge und so einer Bandbreite an Themen und Motiven gerechnet.“ Etwa zwei Drittel der Werke sind im A2-Format oder kleiner, von Uwe Gaasch selbst gedruckt, der Rest sind Großformate. Entstanden sind die meisten der ausgestellten Werke in den Jahren 2023 und 2024.
„Wir haben aus einer Italien-Reise in einem Raum eine Serie zu einem Ligurischen Tunnel mit ganz wilden Farben zusammengestellt. Das ist ein sehr spannendes Thema“, erzählt Auri Tusa. Dieser 1,5 Kilometer lange Tunnel war der erste Eisenbahntunnel, der gebaut wurde und als solcher diente er auch lange Zeit. Bis dann ein Fahrrad- und Fußweg daraus wurde. Mit der Zeit haben sich wie in einer Tropfsteinhöhle Ablagerungen gebildet, auch Wasser, das dann immer wieder herunter tropfte. „Da haben sich vor allem unglaubliche Farben herausgebildet, irgendwie ausgeblüht. Materialien, die da verwendet wurden, schillerten in allen Farben“, berichtet Sabrina Catowiez, die den Tunnel mit Uwe Gaasch beim Spaziergang zufällig entdeckte. Diese Farben hat Uwe Gaasch fast eins zu eins übernommen, allerdings noch verstärkt. Eine Reihe dieser Aufnahmen gibt es in der Werkschau zu sehen – unter dem Titel „Ein Tunnel erwacht zum Leben“.
Er möchte sich nicht auf irgendein spezielles Thema festlegen, betont Uwe Gaasch. Er entdecke in allen Bereichen irgendwas Interessantes. „Auch mit Tieren. Ich hätte das früher nie gedacht, dass ich mich als Architekturfotograf mal so einschieße auf spezielle Tiere, die ich dann auch noch, ohne ihr Einverständnis quasi, einfärbe“, lacht er. „Also der Pelikan hätte mir wahrscheinlich die Augen ausgepickt.“
„Ich denke, es tut dir auch mal gut, zwischendrin, einfach mal etwas anderes zu sehen, Natur, Tiere, Lebewesen“, vermutet seine Gattin – als Ausgleich zum ständigen Sehen in senkrechten und waagerechten Dimensionen. Das hänge auch damit zusammen, meint Uwe Gaasch dazu, dass er unbedingt auch mal in diese andere Richtung wollte. Also nicht gezielt, aber es habe ihn dahin womöglich gedrängt. „Auch mal den Mut zu haben, aus der Natur irgendwas zu machen, für mich selber mal zu entwickeln, im wahrsten Sinne des Wortes. Und auch mal der Natur die Möglichkeit zu geben, durch mein Hinzutun, Farbe zu zeigen.“
Passenderweise wird auch die Musik in der Ausstellung präsent sein. „Wir haben ein paar Interviews gedreht“, sagt Frau Tusa. In seiner speziellen Kunstfotografie schwinge schließlich auch Musik mit, sagt Uwe Gaasch. „Das ist für mich schon immer so eine spezielle Geschichte gewesen, dass man das auch irgendwie in Einklang bringt“, so Gaasch. „Töne, die in Farben umgesetzt werden. Das hat vielleicht auch wirklich mit meiner Parallelgeschichte als Musiker zu tun, diese Art von Kunstfotografie, die ich jetzt betreibe.“ In einem der Raumtitel schwingt auch das Musikalische mit: „Natur im Dreiklang“. Die Raumtitel und ergänzend jeweils eine kurze Beschreibung des entsprechenden Raumes wurden von Manuela Gramß-Wittko entworfen, die jeweils die Inhalte gut getroffen habe, sind sich alle drei einig. „Der Stil ist lyrisch“, so Sabrina Catowiez. „Und sie hat sich dazu auch wirklich wunderschöne Texte einfallen lassen.“
