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Wettbewerb

Son­der­um­fra­ge der Deut­schen IHK (DIHK)

Wett­be­werb mit Chi­na setzt Unter­neh­men unter Druck

Vie­le ober­frän­ki­sche Unter­neh­men spü­ren die wach­sen­de Kon­kur­renz durch chi­ne­si­sche Anbie­ter und das sowohl im Inland und der EU als auch auf Dritt­märk­ten, macht Dr. Micha­el Waas­ner deut­lich, Prä­si­dent der IHK für Ober­fran­ken Bayreuth.

Das zei­gen die Ergeb­nis­se einer Son­der­um­fra­ge der Deut­schen IHK (DIHK) zum Wett­be­werb mit Chi­na. Die hie­si­gen Unter­neh­men reagie­ren vor allem mit Kos­ten­sen­kun­gen und Pro­dukt­in­no­va­ti­on auf die­se Situa­ti­on. Bei der Fra­ge, ob die EU eine här­te­re Han­dels­po­li­tik gegen­über Chi­na ein­schla­gen soll­te, gehen die Mei­nun­gen deut­lich auseinander.

Chi­na ist für unse­re Unter­neh­men Absatz­markt, Zulie­fe­rer und Wett­be­wer­ber zugleich. Das macht die Lage kom­pli­ziert, für die Han­dels­po­li­tik in Brüs­sel genau­so wie für jedes ein­zel­ne Unter­neh­men hier in Ober­fran­ken, so Dr. Waasner.

Chi­na zählt zu den wich­tigs­ten Han­dels­part­nern der baye­ri­schen Wirt­schaft. Bei den Expor­ten liegt das Land 2025 auf Rang 5 der Aus­fuhr­län­der, bei den Impor­ten führt Chi­na die Rang­lis­te sogar an. Die kürz­lich ver­öf­fent­lich­ten vor­läu­fi­gen Ergeb­nis­se der Außen­han­dels­sta­tis­tik des Baye­ri­sche Lan­des­amts für Sta­tis­tik zei­gen, dass Bay­ern im ers­ten Halb­jahr 2026 Waren im Wert von 16,8 Mil­li­ar­den aus Chi­na ein­ge­führt hat. Das ent­spricht einem Plus von knapp 4 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum. Gleich­zei­tig gin­gen jedoch die baye­ri­schen Expor­te nach Chi­na um 5 Pro­zent auf ins­ge­samt 6,3 Mil­li­ar­den Euro zurück.

Auch für Ober­fran­ken ist Chi­na ein wich­ti­ger Han­dels­part­ner, wie Dr. Johan­na Hor­zetz­ky betont, Team­lei­te­rin Inter­na­tio­nal bei der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth. Über 260 Unter­neh­men mit Han­dels­be­zie­hun­gen zu Chi­na sind bei der IHK regis­triert, dar­un­ter 26 mit Nie­der­las­sun­gen und 16 mit Pro­duk­ti­ons­stät­ten. Zum Ver­gleich: Mit den USA pfle­gen rund 220 Unter­neh­men Geschäfts­be­zie­hun­gen (36 Nie­der­las­sun­gen, 16 Pro­duk­ti­ons­stät­ten), mit Tsche­chi­en sind es gut 200 (24 Nie­der­las­sun­gen, 20 Produktionsstätten).

Die AHK Grea­ter Chi­na ist Teil des Net­zes der deut­schen Aus­lands­han­dels­kam­mern mit 150 Büros in 93 Län­dern und Regio­nen welt­weit. Über 1.800 Unter­neh­men sind Mit­glied der AHK Chi­na mit ihren elf Standorten.


78 Pro­zent der baye­ri­schen Unter­neh­men spü­ren wach­sen­de Konkurrenz

Die enge Ver­bin­dung zu Chi­na hat nicht nur Vor­tei­le, wie eine aktu­el­le Son­der­um­fra­ge der DIHK zeigt. 78 Pro­zent der befrag­ten baye­ri­schen Unter­neh­men geben an, eine wach­sen­de Kon­kur­renz durch chi­ne­si­sche Wett­be­wer­ber zu spü­ren. Bei fast der Hälf­te der Befrag­ten (47 Pro­zent) wird der Druck sogar stark bis sehr stark bewer­tet. Dabei sind chi­ne­si­sche Wett­be­wer­ber bereits welt­weit sehr aktiv. Über 60 Pro­zent berich­ten von spür­ba­rem Druck durch chi­ne­si­sche Anbie­ter im Inland, auf dem EU-Bin­nen­markt und auf Dritt­märk­ten. Aber auch auf dem chi­ne­si­schen Markt selbst (49 Pro­zent) wird der Wett­be­werbs­druck wahrgenommen.

Unse­re Unter­neh­men set­zen ganz unter­schied­li­che Hebel an, um mit dem wach­sen­den Wett­be­werb aus Chi­na umzu­ge­hen, erläu­tert Dr. Hor­zetz­ky. Am wei­tes­ten ver­brei­tet sind Kos­ten­sen­kun­gen. Das gaben zwei Drit­tel der Befrag­ten an. Fast genau­so vie­le, näm­lich 64 Pro­zent, set­zen auf Pro­dukt­in­no­va­ti­on. Wei­te­re Stra­te­gien sind die ver­stärk­te Suche nach neu­en Absatz­märk­ten (41 Pro­zent). Wir füh­ren dazu aktu­ell vie­le Bera­tungs­ge­sprä­che mit unse­ren Mit­glieds­un­ter­neh­men, sagt Hor­zetz­ky. Im Zusam­men­hang mit Afri­ka hören wir dabei regel­mä­ßig: ‘Das lohnt sich doch gar nicht mehr, da sind ja schon über­all die Chinesen.’


Was erwar­ten die Unter­neh­men von der Politik

Die Koope­ra­ti­on mit chi­ne­si­schen Part­nern (30 Pro­zent) sowie der Ver­la­ge­rung von Inves­ti­tio­nen (28 Pro­zent) sind wei­te­re Stra­te­gien. 14 Pro­zent zie­hen sich sogar ganz aus dem Geschäfts­feld zurück. Kos­ten­sen­kun­gen sind ein schnel­ler Hebel, kön­nen aber auf Dau­er auch eine gefähr­li­che Stra­te­gie sein. Eine gute und nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung ist jedoch, dass eben­so vie­le Unter­neh­men auf Inno­va­tio­nen statt allein auf den Preis set­zen, macht Dr. Waas­ner deutlich.

Unei­nig sind sich die Unter­neh­men bei der Fra­ge, wie ent­schlos­sen die EU gegen­über Chi­na auf­tre­ten soll­te. Kon­kret geht es um stär­ke­re han­dels­po­li­ti­sche Maß­nah­men, um Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen zu begeg­nen, auch wenn die­se für die Unter­neh­men selbst nega­ti­ve Kon­se­quen­ten hät­ten, etwa durch Büro­kra­tie­kos­ten, höhe­re Prei­se, Zöl­le, Gegen­maß­nah­men oder Lie­fer­eng­päs­se. 55 Pro­zent der Befrag­ten befür­wor­ten ein här­te­res Vor­ge­hen trotz die­ser Risi­ken, 41 Pro­zent leh­nen es eher ab.

„Ein Bei­spiel für den Umgang mit chi­ne­si­schen Impor­ten ist die EU-Han­dels­schutz­maß­nah­me bei Stahl”, so Dr. Waas­ner. „So wie die EU die­se aktu­ell aus­ge­stal­tet hat, ist sie leicht zu umge­hen. Sie hat nur Stahl­pro­duk­te im Blick, aber kei­ne stahl­in­ten­si­ven Fol­ge­pro­duk­te. Die Anrei­ze sind hoch, die Wert­schöp­fung stahl­in­ten­si­ver Pro­duk­te aus der EU zu ver­la­gern – etwa Elek­tro­ble­che, Trans­for­ma­to­ren, Gene­ra­to­ren oder Elek­tro­mo­to­ren. Damit hat die Maß­nah­me nur Ver­lie­rer, weil sie die Stahl­her­stel­ler nicht effek­tiv schützt, die stahl­ver­ar­bei­ten­den Betrie­be gar nicht, und dabei hohen Auf­wand ver­ur­sacht. Die ange­dach­te Aus­wei­tung auf nach­ge­la­ger­te Pro­duk­ti­ons­schrit­te wäre inso­fern fol­ge­rich­tig, da sie den Grund­ge­dan­ken, indus­tri­el­le Wert­schöp­fung in Euro­pa zu schüt­zen, logisch zu Ende führt. Wett­be­werb ist gut, solan­ge die Regeln für alle gel­ten. Die Zah­len zei­gen aber, dass die baye­ri­sche Wirt­schaft beim Umgang mit Chi­na gespal­ten ist: Die einen wol­len Schutz vor unfai­rem Wett­be­werb, die ande­ren fürch­ten die Fol­gen für das eige­ne Unter­neh­men“, macht Dr. Waas­ner deutlich.

Wett­be­werbs­fä­hig blei­ben wir nicht durch Abschot­tung, son­dern durch eige­ne Stär­ke: gute Aus­bil­dung, schnel­le Geneh­mi­gun­gen und Frei­räu­me für Inno­va­ti­on. Dar­an müs­sen Poli­tik und Wirt­schaft jetzt gemein­sam arbei­ten, sagt Dr. Micha­el Waas­ner mit Blick auf die kom­men­den Monate.

vbw zum Wett­be­werb mit China

Diver­si­fi­zie­rung sowohl auf Absatz- als auch Bezugs­sei­te erforderlich

Die vbw – Ver­ei­ni­gung der Baye­ri­schen Wirt­schaft e. V. plä­diert im Hin­blick auf Chi­na auf Diver­si­fi­zie­rung sowohl auf der Absatz- als auch auf der Bezugsseite.

„Wir brau­chen eine Ver­rin­ge­rung ein­sei­ti­ger Abhän­gig­kei­ten ohne eine Ent­kopp­lung vom chi­ne­si­schen Markt. Daher muss die EU ihren Kurs, bestehen­de Frei­han­dels­ab­kom­men zu moder­ni­sie­ren und neue zu schlie­ßen, kon­se­quent wei­ter­füh­ren. Die EU-Mit­glied­staa­ten müs­sen aus­ge­han­del­te Abkom­men zügig rati­fi­zie­ren“, for­dert vbw-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Bert­ram Bros­sardt anläss­lich der Vor­la­ge eines aktu­el­len Posi­ti­ons­pa­piers der vbw und ergänzt: „Auch wenn wir unse­re Abhän­gig­kei­ten von Chi­na redu­zie­ren müs­sen, das Reich der Mit­te wird wei­ter­hin ein wich­ti­ger Wirt­schafts­part­ner blei­ben. Es muss jedoch eine Part­ner­schaft auf Augen­hö­he sein, das poli­ti­sche und öko­no­mi­sche Gewicht der EU darf nicht unter­schätzt wer­den. Dazu braucht es ent­spre­chen­de wett­be­werbs­fä­hi­ge Rah­men­be­din­gun­gen in der EU.“

Die chi­ne­si­sche Export­wirt­schaft konn­te ihre Welt­markt­an­tei­le in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren in fast allen Absatz­re­gio­nen stark bis mas­siv stei­gern, zuneh­mend auch in wich­ti­gen Schlüs­sel­bran­chen der baye­ri­schen Wirt­schaft. „Der Kon­kur­renz­druck wird wei­ter zuneh­men. Nicht nur durch Chi­nas Prak­tik, Über­ka­pa­zi­tä­ten zu expor­tie­ren, son­dern auch durch den Han­dels­kon­flikt mit den USA. Denn durch die US-Zöl­le wer­den chi­ne­si­sche Expor­teu­re immer mehr ver­su­chen, ihre Waren auf Dritt­märk­ten abzu­set­zen. Die chi­ne­si­sche Sub­ven­ti­ons­po­li­tik sorgt dafür, dass deut­sche Anbie­ter an rela­ti­ver Wett­be­werbs­fä­hig­keit auf dem Welt­markt ver­lie­ren“, erläu­tert Brossardt.

Die vbw mahnt eine Wei­ter­ent­wick­lung des EU-Bin­nen­markts an, denn die­ser spielt für deut­sche Unter­neh­men eine her­aus­ra­gen­de Rol­le als Absatz­markt. Das umfas­se Erleich­te­run­gen beim grenz­über­schrei­ten­den Per­so­nal­ein­satz sowie eine Ver­tie­fung der Kapi­tal­markt­uni­on. Hand­lungs­be­darf bestehe auch bei der For­schungs­för­de­rung „Exzel­lenz in der For­schung schafft die Grund­la­ge für einen wett­be­werbs­fä­hi­gen Inno­va­ti­ons­stand­ort“, führt Bros­sardt aus und ergänzt: „Im inter­na­tio­na­len Ver­gleich hat Deutsch­land einen mas­si­ven Stand­ort­nach­teil bei Unter­neh­mens­kos­ten. Eine Ver­bes­se­rung der Kos­ten­si­tua­ti­on für Unter­neh­men ist daher drin­gend angezeigt.“

Chi­na ist Bay­erns wich­tigs­ter Han­dels­part­ner. Das Han­dels­vo­lu­men Bay­erns mit Chi­na sum­mier­te sich 2024 auf 48,16 Mil­li­ar­den Euro. Das ent­sprach 10,6 Pro­zent des baye­ri­schen Außen­han­dels. Bay­ern expor­tier­te 2024 Waren im Wert von 15,67 Mil­li­ar­den Euro nach Chi­na – das ent­sprach 6,9 Pro­zent aller baye­ri­schen Expor­te. Chi­na nahm damit den drit­ten Platz unter den wich­tigs­ten Export­märk­ten für baye­ri­sche Waren ein.