Unabhängige Jury zeichnet Bamberger Projekt aus
Care im Quartier erhält „Bewährt vor Ort”-Siegel für kommunale Innovation
Zum dritten Mal haben der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) und Re:Form, die Allianz für den Staat von morgen, das Siegel „Bewährt vor Ort” verliehen. Es geht an kommunale Lösungen, die in der Praxis nachweislich funktionieren und sich auf andere Städte und Gemeinden übertragen lassen. Was an einem Ort schon erfolgreich erprobt wurde, könnte an vielen weiteren Orten Wirkung entfalten. Zu den ausgezeichneten Lösungen gehört auch Care im Quartier aus Bamberg.
Care im Quartier gehört zu den 27 Projekten, die die Jury in vier Themenfeldern aus allen Einreichungen ausgewählt hat. Ausschlaggebend waren die Innovationskraft des Ansatzes, sein praktischer Nutzen und die Frage, ob andere Kommunen ihn übernehmen können.
Das Modellprojekt schafft einen Ort der Begegnung im Stadtteil und vermittelt Unterstützung direkt in der Nachbarschaft. Mit der Gartenstadt, dem Hain und Bamberg-Ost sind drei Stadtteile dabei, die Anlaufstellen im Quartier ausgebaut oder gar ganz neu geschaffen haben. Vor Ort können die Menschen im Stadtteil an vielseitigen Angeboten teilhaben, selbst Ideen einbringen, Veranstaltungen besuchen und finden bei Problemen qualifizierte Ansprechpartner. Gleichzeitig koordiniert das Projekt Unterstützung für zu Hause – passgenau und unkompliziert.
„Wir bringen die Unterstützung dahin, wo die Menschen sind“, so Stefanie Hahn, Seniorenbeauftragte und Projektmanagerin für die Stadt Bamberg. „Und wir bauen dafür Stück für Stück Module auf, die problemlos auf andere Quartiere, andere Kommunen übertragen werden können“, ergänzt Bertrand Eitel, Geschäftsführer von SOPHIA im Quartier e.V.
Hintergrund: Das Siegel „Bewährt vor Ort“
In Städten, Gemeinden und Landkreisen entstehen täglich Lösungen für konkrete Herausforderungen vor Ort. Das „Bewährt vor Ort”-Siegel macht erprobte Ansätze sichtbar, erleichtert ihre Nachnutzung und stärkt eine Verwaltungskultur, in der voneinander abgeschaut wird, statt jedes Rad neu zu erfinden.
Seit der ersten Verleihung 2024 tragen 63 Lösungen aus ganz Deutschland das Siegel „Bewährt vor Ort”, 27 davon kamen 2026 dazu. Ausgezeichnet wurden konkrete Projekte, veränderte Verwaltungspraktiken und neue Kooperationsmodelle, ob aus der Kommunalverwaltung selbst, aus zivilgesellschaftlichen Organisationen oder von Social Start-ups. Über die Auszeichnung entschied eine unabhängige, überparteiliche Jury aus erfahrenen Verwaltungspraktiker:innen und Fachleuten aus Zivilgesellschaft und Stiftungsbereich. Maßstab waren Übertragbarkeit, Innovationskraft und Nachhaltigkeit.
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Infoveranstaltung für interessierte Ehrenamtliche
Dabei sein, wo’s zählt: Ehrenamt bei „Care im Quartier“
Am 29. Januar 2026 findet um 17:30 Uhr im Stadtarchiv Bamberg eine Infoveranstaltung statt, bei der Bürgerinnen und Bürger mehr über das Projekt „Care im Quartier“ erfahren können, wie die Stadt Bamberg mitteilt.
Im Mittelpunkt des Projekts „Care im Quartier“ steht die Idee, dass gute Nachbarschaft und professionelle Hilfen zusammenwirken – und dass sorgende Gemeinschaften dort wachsen, wo Menschen miteinander in Kontakt kommen, Verantwortung teilen und sich füreinander interessieren – im eigenen Quartier oder Stadtteil. Damit diese Idee lebendig wird, sucht „Care im Quartier“ Bürgerinnen und Bürger, die Freude daran haben, einen kleinen oder größeren Teil ihrer Zeit einzubringen – ganz nach ihren zeitlichen Möglichkeiten und persönlichen Stärken. Im Rahmen einer Infoveranstaltung am 29. Januar 2026, um 17:30 Uhr, im Stadtarchiv Bamberg, können Interessierte mehr erfahren.
Einsamkeit, zunehmende Pflegebedarfe und der Wandel sozialer Strukturen gehören zu den größten gesellschaftlichen Herausforderungen (nicht nur) in Bayern. Studien zeigen, dass sich insbesondere ältere Menschen immer häufiger isoliert fühlen und Unterstützung im Alltag benötigen – von kurzen Gesprächen bis zu Orientierung im komplexen Hilfesystem. Gleichzeitig wächst der Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger, sich im eigenen Umfeld solidarisch einzubringen und etwas für die Gemeinschaft zu tun.
Mit „Care im Quartier“ entsteht in Bamberg ein Projekt, das von Beginn an partnerschaftlich gedacht ist: Stadt Bamberg, AWO, Caritas, Sozialstiftung Bamberg sowie SOPHIA im Quartier e.V. bündeln ihre Erfahrungen, Angebote und Perspektiven, um (nicht nur) ältere Menschen und ihre Angehörigen im Alltag wirkungsvoll zu unterstützen.
Die Einsatzfelder des Ehrenamtes bei „Care im Quartier“ reichen von kleinen Alltagshilfen über Begleitdienste bis hin zu stadtteilbezogenen Aktionen und Veranstaltungen. Auch wer Freude an Organisation, Gesprächsbegleitung oder digitaler Unterstützung hat, ist herzlich willkommen. Was Interessierte erwartet, welche Formen der Begleitung und Qualifizierung das Projekt anbietet und wie die Zusammenarbeit ganz praktisch aussieht, erfahren Besucherinnen und Besucher am 29. Januar 2026 um 17:30 Uhr im Stadtarchiv Bamberg in der Sandstraße 30a. Die Veranstaltung steht allen offen, die schon ehrenamtlich engagiert sind oder sich vorstellen können, künftig Teil dieser wachsenden Sorgegemeinschaften in Bamberg zu werden. Eine Anmeldung hilft den Organisatoren bei der Vorbereitung. Nähere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es bei der Seniorenbeauftragten Stefanie Hahn unter stefanie.hahn@stadt.bamberg.de oder 0951//871450.
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Neues Modellprojekt für die Stadtgesellschaft
Care im Quartier
Mit einem symbolträchtigen Auftakt ist am Mittwoch das Projekt „Care im Quartier“ in Bamberg gestartet. Bei der Kick-off-Veranstaltung für „Care im Quartier“ brachte die Bayerische Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach auch Fördergelder mit.
Im Pfarrsaal von Maria Hilf übergab die Bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention, Judith Gerlach, im Beisein zahlreicher Gäste und Kooperationspartner eine Fördertafel an die Stadt Bamberg. Gemeinsam mit Regierungspräsident Florian Luderschmid, Oberbürgermeister Andreas Starke sowie Bürgermeister und Sozialreferent Jonas Glüsenkamp wurde damit ein wegweisendes Vorhaben auf den Weg gebracht, das Pflege, Prävention und Nachbarschaft neu verzahnt.
„Um Pflege langfristig zu sichern, müssen wir gemeinsam Lösungen finden“, sagte Staatsministerin Judith Gerlach bei dem Termin. „Unsere Kommunen spielen dabei eine Schlüsselrolle. Denn Pflege findet immer vor Ort statt.“ Sie lobte das Konzept für das Projekt „Care im Quartier“, für das die Grundlagen im Sommer 2023 in Bamberg entwickelt wurden. Das Projekt hat ein Finanzvolumen von 3,1 Millionen Euro, das mit 1,9 Millionen Euro gefördert wird. Den größten Teil davon trägt das Pflegeministerium mit 1,34 Millionen Euro (rund 70 Prozent der Fördersumme). Weitere 20 Prozent übernimmt die Oberfrankenstiftung mit knapp 400.000 Euro, während die Stadt Bamberg 10 Prozent beisteuert. „Mit ‚Care im Quartier‘ kann die Unterstützung zu den Menschen kommen und zwar dorthin, wo sie verankert sind: Familie, Freunde, Nachbarschaft. Damit setzt Bamberg ein starkes Zeichen für die Zukunft!“, erklärte Gerlach.
Als Vertreter der Oberfrankenstiftung betonte Regierungspräsident Florian Luderschmid die demographische Entwicklung: „Wir leben in herausfordernden Zeiten: Es gibt immer mehr Pflegebedürftige. 1927, als sich die Oberfrankenstiftung noch als Volkswohlfahrt verstand, lag das Durchschnittsalter der Bevölkerung bei knapp über 30 Jahren. Heute sind wir bei 45 Jahren.“ Wir wollen neue Modelle wie „Care im Quartier“ unterstützen, um dem Anspruch gerecht zu werden, „dass wir älter werden in Würde und in vertrauter Umgebung“.
„Herausforderung gemeinsam meistern“
Oberbürgermeister Andreas Starke stellte in seiner Begrüßung klar, dass Bamberg mit „Care im Quartier“ den demografischen Wandel aktiv gestalten will. „Das ist eine Herausforderung, die wir gemeinsam meistern wollen. Die Hilfe soll dort ankommen, wo sie gebraucht wird: in den Quartieren“, erklärte Starke.
Sehr konkret wurde Jonas Glüsenkamp, Bürgermeister und Sozialreferent, in seinem Impuls: „Der Ansatz ist, dass die Menschen, die Hilfe brauchen, nicht zu den Institutionen kommen müssen. Vielmehr kommen Nachbarinnen und Nachbarn, Ehrenamtliche und Hauptamtliche zu den Menschen, um festzustellen, was benötigt wird. „Care im Quartier“ setzt auf präventive Hausbesuche. Ziel ist, die Menschen zu erreichen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.“
Quartiersarbeit wird ausgebaut
Die inhaltliche Vorstellung übernahm Projektleiterin Stefanie Hahn, die aus Sicht der Praxis sprach: „Wir wollen, dass Menschen im Alter nicht allein bleiben und den Weg zu den vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten finden, die es in Bamberg ja bereits gibt. Deshalb bauen wir bis 2028 mindestens 100 Sorgegemeinschaften auf – Nachbarschaft, Ehrenamtliche, und professionelle Dienste sollen Hand in Hand arbeiten. Mit den nun im Projekt beteiligten Pflegelotsinnen und Pflegelotsen, Ehrenamtsbeauftragen und Projektleitungen sind wir bereit, uns dieser Herausforderung zu stellen. Ganz nebenbei bauen wir die Quartiersarbeit weiter aus, denn über die Förderung entstehen im Haingebiet und in der Gartenstadt neue Anlaufpunkte für alle. Wenn uns das gelingt, schaffen wir ein Modell, das weit über Bamberg hinaus Schule machen kann.“ Unterstützt wird Hahn unter anderem von Anton Zahneisen, dem Impulsgeber für „Care im Quartier“ und stellvertretenden Vorsitzenden des Seniorenbeirates der Stadt Bamberg, der „ein möglichst breites Feld von Akteurinnen und Akteuren gewinnen“ will, um das Projekt zum Erfolg zu führen.
Die Struktur des Projekts ist breit angelegt: In der Gartenstadt übernimmt die AWO Verantwortung, im Haingebiet die Caritas, im Gebiet Bamberg-Ost/Wunderburg die Sozialstiftung. Koordiniert wird das Ganze vom Verein SOPHIA im Quartier e.V. und begleitet von einem interdisziplinären Steuerungskreis, in dem Stadtverwaltung, Partnerorganisationen und Seniorenbeirat zusammenarbeiten.
Die Partner sind motiviert
Beim Auftakt stellten sich die Partner auf einem „Marktplatz Care im Quartier“ vor. Im Anschluss an die Grußworte und Impulse kamen mit Friederike Müller (Caritas St. Heinrich und Kunigunde), Matthias Kirsch (AWO Bamberg), Jutta Weigand (Sozialstiftung Bamberg Altenhilfe) und Bertrand Eitel (Geschäftsführer SOPHIA im Quartier e.V.) auch die Kooperationspartner in einer Interviewrunde mit Anton Zahneisen zu Wort und machten deutlich, wie groß die gemeinsame Motivation ist, Bamberg zur Modellkommune für eine sorgende Stadtgesellschaft zu entwickeln. Zur wissenschaftlichen Begleitung des Projekts äußerte sich Professor Dr. Jürgen Zerth von der Katholischen Universität Eichstätt. Die Euphorie und Aufbruchsstimmung war bei allen Projektbeteiligten deutlich spürbar und übertrug sich auf die Gäste, die nun gespannt verfolgen werden, wie „Care im Quartier“ seine ersten Schritte tut.