Erzbischof Gössl zur Wiedereröffnung von St. Michael
„Es ist eine Pracht!“
Mit einem festlichen Pontifikalamt ist am Samstag nach 13-jähriger Bauzeit die Bamberger Michaelskirche wiedereröffnet worden. Erzbischof Gössl bezeichnet die sanierte Kirche St. Michael als Zeichen für notwendige Umkehr und Reformen in Kirche und Gesellschaft.
Erzbischof Herwig Gössl begann seine Predigt mit den Worten „Es ist eine Pracht!“, und er dankte allen, die dafür gesorgt haben, dass diese Pracht erhalten geblieben ist. Er deutete das sanierte Gotteshaus als Symbol für Gottes bleibende Zuwendung zu den Menschen und für die damit immerzu notwendigen und möglichen Erneuerungsprozesse in Kirche, Gesellschaft und im persönlichen Leben jedes Menschen.
Das Leitwort der Kirchenväter „Ecclesia semper reformanda – Die Kirche muss sich immer erneuern“ betreffe nicht nur die Strukturen, sondern auch das ganze Leben. Es gehe darum, anzuerkennen, „dass wir unsere dunklen, schmutzigen Stellen haben“, die der Reinigung und Erneuerung bedürfen, persönlich, als Kirche und als Gesellschaft. Auch wenn die Menschen heute vielfach achtsamer und rücksichtsvoller miteinander umgingen als früher, sei es umso erschreckender, dass es immer wieder zu Rückfällen in die dunkelsten Machenschaften komme, die das Leben so unerträglich machen und die Freude am Leben nehmen, so Gössl.
„Mein Eindruck ist, dass viele Menschen heute gerne einen oberflächlichen, äußeren Glanz zur Schau stellen, aber sich sehr davor hüten, tiefer zu blicken“, sagte der Erzbischof. Viele bedrohliche Risse zögen sich durch die Familien, durch die Gesellschaft, nur mühsam übertüncht, um den Schein aufrecht zu erhalten. „Wie oft fehlt der richtige Halt, sodass unsere Lebenskonstruktionen brüchig werden und akute Einsturzgefahr besteht.“
„Die Kirche muss sich immer erneuern, indem sie zum Urbild zurückfindet und an ihm Maß nimmt: an Jesus Christus“, fügte der Erzbischof hinzu. „Durch ihn finden wir Halt in Gott und können die dunklen Schatten des Lebens bekämpfen. So können wir leuchten und strahlen von innen her durch den, der uns aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“
Ein weiterer Aspekt der Predigt lag auf der Verantwortung für die Schöpfung. Der sogenannte Himmelsgarten der Michaelskirche mit seinen rund 600 Pflanzenmotiven sei „eine wichtige Erinnerung daran, dass die Schöpfung Gottes kostbares Geschenk an uns ist, das es zu schützen und zu bewahren gilt“. Gössl betonte, dem Menschen sei „nicht Ausbeutung und Verbrauch“ aufgetragen, sondern „hüten und hegen“. Die Schönheit der Natur verweise auf den Schöpfer und sei zugleich Auftrag zum verantwortlichen Handeln.
Die eigentliche Pracht der Kirche freilich seien die Menschen, die sich in ihr versammeln und die trotz ihrer Schwächen und Sünden von Gott geliebt sind. Daran erinnere der heilige Bischof Otto, der diese frohe Botschaft den Menschen in Pommern verkündete und der so bis heute zu einem Brückenbauer zwischen Ost und West, zwischen Polen und Deutschland wurde.
Die barocke Michaelskirche zählt zu den bedeutendsten Sakralbauten Frankens und prägt neben dem Dom das Stadtbild Bambergs. In der Kirche befindet sich das Grab des heiligen Bischofs Otto, der die Benediktinerabtei 1117 bis 1121 nach einem Erdbeben erneuern ließ. Die Kirche und das frühere Kloster auf dem Michaelsberg wurden 1803 säkularisiert und sind seitdem Eigentum der Bürgerspitalstiftung der Stadt Bamberg. Die Kirche war seit Herbst 2012 wegen gravierender Bauschäden geschlossen und umfassend saniert worden. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt auch sechs neue Glocken gießen lassen. Mit der Wiedereröffnung steht die Michaelskirche nun wieder – zunächst mit eingeschränkten Öffnungszeiten – Besucherinnen und Besuchern offen. Am 9. und 10. Mai ist ein Bürgerfest geplant.