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Seebühne

Musi­ka­li­scher Bot­schaf­ter gro­ßer Gefühle

Phil­ipp Poisel

Der Sänger/​Songwriter und Musi­ker Phil­ipp Poi­sel aus Lud­wigs­burg gilt seit sei­nem Debüt­al­bum „Wo fängt dein Him­mel an?“ (2008) als einer der erfolg­reichs­ten deutsch­spra­chi­gen Lie­der­ma­cher. Im Rah­men sei­ner Solo-Tour­nee „Mit Wind in den Haa­ren“ kommt er am Don­ners­tag, dem 24. Juli, auf die See­büh­ne in Bad Staf­fel­stein und stand uns zuvor für ein aus­gie­bi­ges Inter­view zur Verfügung.
Kannst du uns bit­te die Künst­ler, Künst­le­rin­nen und Bands nen­nen, die dich als Kind und Jugend­li­chen inspi­riert haben, sel­ber Musik zu machen?

Inspi­ra­ti­on waren auf jeden Fall die Bands, die bei uns im Kel­ler in der Schu­le mit uns geprobt haben. Da gab es einen Pro­be­raum und wir haben heim­lich deren Ver­stär­ker benutzt, durf­ten aber trotz­dem immer zu deren Gigs kom­men. Die hat­ten zum Bei­spiel alle schon Autos und Füh­rer­schei­ne und des­halb war es super auf­re­gend für uns Natür­lich woll­ten wir so sein wie die. Das waren dann Bands mit Namen wie zum Bei­spiel „Leer­gut“. Bei die­sen Bands hat immer jeder, der irgend­et­was am Instru­ment konn­te mit­ge­macht und so war es bei mir auch in der Band. Spä­ter dann in Stutt­gart gab es eine Band „Frei­stil“, bei denen durf­te ich dann mein ers­tes Vor­pro­gramm spie­len. Für mich hat sich das damals ange­fühlt als wür­de ich in New York auf­tre­ten. Musi­ka­li­sche Vor­bil­der zu Haus war sicher­lich mei­ne ers­te CD „Bra­vo Hits ´94“, da habe ich zum Bei­spiel die Kel­ly Fami­ly abge­fei­ert und die Musik die durch mei­ne Eltern im Haus war, unter ande­rem Dire Straits und Rein­hard Mey.


Wel­che Instru­men­te spielst du und hast du eine pro­fes­sio­nel­le musi­ka­li­sche Aus­bil­dung absolviert?

Ich hat­te Gitar­ren­un­ter­richt, aber da soll­te ich immer „Der trop­fen­de Was­ser­hahn“ spie­len. Und das hat mich mega genervt. Irgend­wann habe ich dann den Film „Das Boot“ gese­hen. Dann woll­te ich da natür­lich ger­ne die Melo­die von „Das Boot“ spie­len, was in der Orches­ter­ver­si­on echt was her macht, aber solo auf der Gitar­re war es, na ja, ich sage mal: ´Das ging so´. Als Ergeb­nis davon habe ich mir drei Akkor­de auf der Gitar­re ´drauf­ge­schafftt´ und das hat erst­mal gereicht um Songs zu spie­len und zu schreiben.


Ab wann war dir klar die Musik zu dei­nem Lebens­mit­tel­punkt zu machen und als Songwriter/​Sänger dei­nen Lebens­un­ter­halt zu ver­die­nen? Schon bevor dich Her­bert Grö­ne­mey­er als Men­tor 2007 ent­deck­te und dich für dein Label Grön­land Records verpflichtete?

Mir war klar, dass ich immer Gitar­re spie­len wür­de und als ich aus der Schu­le nach Hau­se gekom­men bin habe ich mei­ne Song­ideen, die ich tags­über hat­te, immer gleich auf Kas­set­ten­re­cor­der auf­ge­nom­men, wie so ein Tage­buch. Heu­te wür­de man sagen „Blog“. Aber Geld habe ich erst damit ver­dient als der Plat­ten­ver­trag bei Grön­land Records kam. Vor­her habe ich neben­bei in der Küche von Restau­rants gejobbt und eine Aus­bil­dung zum Gra­fik­de­si­gner gemacht. Ich habe lan­ge Zeit auch gar kei­nen Gedan­ken dar­an ver­schwen­det damit Geld zu ver­die­nen, ich woll­te eigent­lich in ers­ter Linie ein­fach immer nur Musik machen.


Hat­test du dich bereits vor dem Debüt­al­bum „Wo fängt dein Him­mel an“ (2008) bewusst für die deut­sche Spra­che ent­schie­den oder gab es vor­her Ver­su­che auf Englisch?

Eigent­lich habe ich immer schon eng­li­sche Songs geschrie­ben mit mei­nen Bands, das war immer so eine Mischung aus Deutsch und Eng­lisch. Letzt­end­lich war es bei mir eine sti­lis­ti­sche Ent­schei­dung in wel­cher Spra­che ich Songs schrei­be, und das ist jetzt seit lan­ger Zeit über­wie­gend Deutsch.


Wel­che Ver­öf­fent­li­chun­gen dei­ner bis­he­ri­gen umfang­rei­chen Dis­ko­gra­fie wür­dest du sel­ber als Mei­len­stei­ne bezeich­nen und warum?

Also natür­lich „Pro­jekt See­ro­sen­teich“, weil ich damit auch immer eine spek­ta­ku­lä­re­re Tour ver­bin­de, bei der es schwie­rig wäre die­se Tour in heu­ti­ger Zeit so noch mal auf die Bei­ne zu stel­len mit den gan­zen Leu­ten und der gan­zen Schrei­ner­ar­beit für die Büh­nen­de­ko. Da ist ja alles an Neben­kos­ten viel teu­rer gewor­den. Und die­ses Album war eine Art Kon­den­sat von den ers­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen, so eine Art ers­tes „Best of“ Album. Und auch die „Bis nach Tou­lou­se“ CD ist für mich beson­ders, weil es ein­fach eine schö­ne Zeit war. Aber auch „Mein Amerika“….Kurz gesagt: ….bei mei­ner recht nied­ri­gen Fre­quenz von Ver­öf­fent­li­chun­gen, die gefühlt nur alle fünf Jah­re erfol­gen, ist zwangs­läu­fig jedes Album irgend­wie ein Mei­len­stein, der dann wie­der einen neu­en Abschnitt, eine neue musi­ka­li­sche Zeit ein­läu­tet, wenn man die­ses Wort Mei­len­stein denn rich­tig ein­ord­net und es unbe­dingt benut­zen will.


Mit „Neon Acou­stic Orches­tra“ erschien 2024 qua­si die Live­ver­si­on des letz­ten Stu­dio­al­bums „Neon“ aus dem Jahr 2021. Gibt es bereits Plä­ne für ein neu­es Stu­dio­al­bum oder hast du sogar schon den ein oder ande­ren Titel aufgenommen?

Ich bin zur Zeit auf einer medi­ter­ra­nen Insel, mehr ver­ra­te ich noch nicht. Aber da bin ich sehr ger­ne und da ent­ste­hen war­me, son­ni­ge Klän­ge. Ich bin mal gespannt ob die­ses Album auch wie­der ganz anders wird als die Vor­gän­ger. Viel­leicht wird das kom­men­de Album tat­säch­li­cher son­ni­ger, aber mei­nem Stil blei­be ich sicher­lich treu.


Bis heu­te erschei­nen dei­ne Ver­öf­fent­li­chun­gen auf Grön­land Records, dem Label von Her­bert Grö­ne­mey­er. Wer­det ihr eure Zusam­men­ar­beit auch zukünf­tig fort­set­zen, so qua­si nach dem Mot­to ´never chan­ge a win­ning team´?

Ja, wir haben nicht immer gewon­nen, es gab auch schwie­ri­ge Zei­ten, aber das ist viel­leicht wie im Sport, dass man mit sei­ner Fuß­ball­mann­schaft durch Höhen und Tie­fen geht. Bis­her will ich von Grön­land Records nicht weg und wir sind froh, dass wir es gemein­sam so lan­ge und so erfolg­reich geschafft haben.


Gibt es Label-Kol­le­gIn­nen, die ja sehr unter­schied­li­che Musik machen, zu denen du ein enges Ver­hält­nis pflegst?

Grön­land schreibt es sich auf die Fah­ne ein­mal im Jahr ein inter­nes Event zu machen um auch wirk­lich mal alle Künst­ler zusam­men zu brin­gen. Ein­fach, dass man sich ken­nen­lernt und nicht nur neben­ein­an­der her lebt, son­dern sich freund­schaft­lich ver­bun­den ist. Das fin­de ich pri­ma und da bin ich wenn mög­lich auch immer dabei.


Dei­ne Advents­kon­zer­te als Solist waren 2024 ein rie­si­ger Erfolg. 2025 wird die­ses For­mat fort­ge­setzt. Zusätz­lich kommst Du im Som­mer solo auf die „Mit Wind in den Haa­ren“ Solo-Tour­nee. Inwie­fern unter­schei­det sich das jewei­li­ge Pro­gramm und war­um gleich zwei Mal Tour­neen ohne Band­be­glei­tung? Nur aus finan­zi­el­len Gründen?

Ein­mal haben wir gemerkt, dass die Nach­fra­ge nach Solo­kon­zer­ten groß wur­de. Es gab vie­le Jah­re nur Shows mit Band, es gab eine Are­na­tour und eine orches­tra­le Tour, und irgend­wie haben wir gespürt, dass da die gewis­se Sehn­sucht nach mehr Nähe vor­herrscht beim Publi­kum. Und ich per­sön­lich brau­che das auch gera­de, auch als Vor­be­rei­tung um dann wie­der mit Band auf Tour zu gehen. Und Unter­schie­de zwi­schen Som­mer- und Win­ter­kon­zer­ten gibt es auf jeden Fall. Bei den Som­mer­shows sind die Kon­zer­te mit Flo­ri­an Oster­tag, mei­nem Key­boar­der, und wir kön­nen somit auch ande­re Songs spie­len als im Win­ter wenn die Songs mit Gitar­re mit mei­nem Gitar­ris­ten Andie Met­te per­formt wer­den. Wir geben uns hier Mühe ganz klar ande­re Pro­gram­me mit ande­ren Schwer­punk­ten zu spie­len. Es gibt also im Som­mer nicht ein­fach nur ´Das­sel­be im Grünen´.


Mit wach­sen­dem Erfolg möch­te man sicher auch ger­ne sei­nen Live-Radi­us erwei­tern. Sind Auf­trit­te außer­halb von Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz zukünf­tig eine Opti­on für dich?

Wir haben auch mal in Tou­lou­se gespielt, viel­leicht spie­len wir ja auch bald auf die­ser medi­ter­ra­nen Insel. Wäre schön. Sicher­lich blei­ben sol­che Kon­zer­te die Aus­nah­me, aber ich hof­fe da kommt noch das eine oder ande­re High­light dazu in den nächs­ten Jahren.


Neben dem Künst­ler Phil­ipp Poi­sel gibt es auch die Pri­vat­per­son. Lebst Du nach wie vor in Lud­wigs­burg? Wie und wobei ent­spannst du am bes­ten vom Künstlerleben?

Am bes­ten ent­span­ne ich in den Ber­gen, ich bin ger­ne allein, bas­te­le ger­ne im Ton­stu­dio. Aber eigent­lich muss ich gar nicht so sehr vom Künst­ler­le­ben ent­span­nen, obwohl die Tou­ren natür­lich auch immer anstren­gend sind. Ich habe die letz­ten sie­ben Jah­re auch par­al­lel zur Musik z.B. noch ein Stu­di­um absol­viert, das war dann schon auch sehr abwechs­lungs­reich. Aber wenn ich dar­über nach­den­ke muss ich sagen, dass ich eigent­lich genau beim Musik machen am bes­ten ent­span­ne. Also für mich allei­ne in den Ber­gen Musik zu machen wäre wahr­schein­lich der höchs­te Grad der Entspannung.


Kannst du uns bit­te die Künst­ler, Künst­le­rin­nen und Bands nen­nen, die dich als Kind und Jugend­li­chen inspi­riert haben, sel­ber Musik zu machen?

Inspi­ra­ti­on waren auf jeden Fall die Bands, die bei uns im Kel­ler in der Schu­le mit uns geprobt haben. Da gab es einen Pro­be­raum und wir haben heim­lich deren Ver­stär­ker benutzt, durf­ten aber trotz­dem immer zu deren Gigs kom­men. Die hat­ten zum Bei­spiel alle schon Autos und Füh­rer­schei­ne und des­halb war es super auf­re­gend für uns Natür­lich woll­ten wir so sein wie die. Das waren dann Bands mit Namen wie zum Bei­spiel „Leer­gut“. Bei die­sen Bands hat immer jeder, der irgend­et­was am Instru­ment konn­te mit­ge­macht und so war es bei mir auch in der Band. Spä­ter dann in Stutt­gart gab es eine Band „Frei­stil“, bei denen durf­te ich dann mein ers­tes Vor­pro­gramm spie­len. Für mich hat sich das damals ange­fühlt als wür­de ich in New York auf­tre­ten. Musi­ka­li­sche Vor­bil­der zu Haus war sicher­lich mei­ne ers­te CD „Bra­vo Hits ´94“, da habe ich zum Bei­spiel die Kel­ly Fami­ly abge­fei­ert und die Musik die durch mei­ne Eltern im Haus war, unter ande­rem Dire Straits und Rein­hard Mey.


Wel­che Instru­men­te spielst du und hast du eine pro­fes­sio­nel­le musi­ka­li­sche Aus­bil­dung absolviert?

Ich hat­te Gitar­ren­un­ter­richt, aber da soll­te ich immer „Der trop­fen­de Was­ser­hahn“ spie­len. Und das hat mich mega genervt. Irgend­wann habe ich dann den Film „Das Boot“ gese­hen. Dann woll­te ich da natür­lich ger­ne die Melo­die von „Das Boot“ spie­len, was in der Orches­ter­ver­si­on echt was her macht, aber solo auf der Gitar­re war es, na ja, ich sage mal: ´Das ging so´. Als Ergeb­nis davon habe ich mir drei Akkor­de auf der Gitar­re ´drauf­ge­schafftt´ und das hat erst­mal gereicht um Songs zu spie­len und zu schreiben.


Ab wann war dir klar die Musik zu dei­nem Lebens­mit­tel­punkt zu machen und als Songwriter/​Sänger dei­nen Lebens­un­ter­halt zu ver­die­nen? Schon bevor dich Her­bert Grö­ne­mey­er als Men­tor 2007 ent­deck­te und dich für dein Label Grön­land Records verpflichtete?

Mir war klar, dass ich immer Gitar­re spie­len wür­de und als ich aus der Schu­le nach Hau­se gekom­men bin habe ich mei­ne Song­ideen, die ich tags­über hat­te, immer gleich auf Kas­set­ten­re­cor­der auf­ge­nom­men, wie so ein Tage­buch. Heu­te wür­de man sagen „Blog“. Aber Geld habe ich erst damit ver­dient als der Plat­ten­ver­trag bei Grön­land Records kam. Vor­her habe ich neben­bei in der Küche von Restau­rants gejobbt und eine Aus­bil­dung zum Gra­fik­de­si­gner gemacht. Ich habe lan­ge Zeit auch gar kei­nen Gedan­ken dar­an ver­schwen­det damit Geld zu ver­die­nen, ich woll­te eigent­lich in ers­ter Linie ein­fach immer nur Musik machen.


Hat­test du dich bereits vor dem Debüt­al­bum „Wo fängt dein Him­mel an“ (2008) bewusst für die deut­sche Spra­che ent­schie­den oder gab es vor­her Ver­su­che auf Englisch?

Eigent­lich habe ich immer schon eng­li­sche Songs geschrie­ben mit mei­nen Bands, das war immer so eine Mischung aus Deutsch und Eng­lisch. Letzt­end­lich war es bei mir eine sti­lis­ti­sche Ent­schei­dung in wel­cher Spra­che ich Songs schrei­be, und das ist jetzt seit lan­ger Zeit über­wie­gend Deutsch.


Wel­che Ver­öf­fent­li­chun­gen dei­ner bis­he­ri­gen umfang­rei­chen Dis­ko­gra­fie wür­dest du sel­ber als Mei­len­stei­ne bezeich­nen und warum?

Also natür­lich „Pro­jekt See­ro­sen­teich“, weil ich damit auch immer eine spek­ta­ku­lä­re­re Tour ver­bin­de, bei der es schwie­rig wäre die­se Tour in heu­ti­ger Zeit so noch mal auf die Bei­ne zu stel­len mit den gan­zen Leu­ten und der gan­zen Schrei­ner­ar­beit für die Büh­nen­de­ko. Da ist ja alles an Neben­kos­ten viel teu­rer gewor­den. Und die­ses Album war eine Art Kon­den­sat von den ers­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen, so eine Art ers­tes „Best of“ Album. Und auch die „Bis nach Tou­lou­se“ CD ist für mich beson­ders, weil es ein­fach eine schö­ne Zeit war. Aber auch „Mein Amerika“….Kurz gesagt: ….bei mei­ner recht nied­ri­gen Fre­quenz von Ver­öf­fent­li­chun­gen, die gefühlt nur alle fünf Jah­re erfol­gen, ist zwangs­läu­fig jedes Album irgend­wie ein Mei­len­stein, der dann wie­der einen neu­en Abschnitt, eine neue musi­ka­li­sche Zeit ein­läu­tet, wenn man die­ses Wort Mei­len­stein denn rich­tig ein­ord­net und es unbe­dingt benut­zen will.


Mit „Neon Acou­stic Orches­tra“ erschien 2024 qua­si die Live­ver­si­on des letz­ten Stu­dio­al­bums „Neon“ aus dem Jahr 2021. Gibt es bereits Plä­ne für ein neu­es Stu­dio­al­bum oder hast du sogar schon den ein oder ande­ren Titel aufgenommen?

Ich bin zur Zeit auf einer medi­ter­ra­nen Insel, mehr ver­ra­te ich noch nicht. Aber da bin ich sehr ger­ne und da ent­ste­hen war­me, son­ni­ge Klän­ge. Ich bin mal gespannt ob die­ses Album auch wie­der ganz anders wird als die Vor­gän­ger. Viel­leicht wird das kom­men­de Album tat­säch­li­cher son­ni­ger, aber mei­nem Stil blei­be ich sicher­lich treu.


Bis heu­te erschei­nen dei­ne Ver­öf­fent­li­chun­gen auf Grön­land Records, dem Label von Her­bert Grö­ne­mey­er. Wer­det ihr eure Zusam­men­ar­beit auch zukünf­tig fort­set­zen, so qua­si nach dem Mot­to ´never chan­ge a win­ning team´?

Ja, wir haben nicht immer gewon­nen, es gab auch schwie­ri­ge Zei­ten, aber das ist viel­leicht wie im Sport, dass man mit sei­ner Fuß­ball­mann­schaft durch Höhen und Tie­fen geht. Bis­her will ich von Grön­land Records nicht weg und wir sind froh, dass wir es gemein­sam so lan­ge und so erfolg­reich geschafft haben.


Gibt es Label-Kol­le­gIn­nen, die ja sehr unter­schied­li­che Musik machen, zu denen du ein enges Ver­hält­nis pflegst?

Grön­land schreibt es sich auf die Fah­ne ein­mal im Jahr ein inter­nes Event zu machen um auch wirk­lich mal alle Künst­ler zusam­men zu brin­gen. Ein­fach, dass man sich ken­nen­lernt und nicht nur neben­ein­an­der her lebt, son­dern sich freund­schaft­lich ver­bun­den ist. Das fin­de ich pri­ma und da bin ich wenn mög­lich auch immer dabei.


Dei­ne Advents­kon­zer­te als Solist waren 2024 ein rie­si­ger Erfolg. 2025 wird die­ses For­mat fort­ge­setzt. Zusätz­lich kommst Du im Som­mer solo auf die „Mit Wind in den Haa­ren“ Solo-Tour­nee. Inwie­fern unter­schei­det sich das jewei­li­ge Pro­gramm und war­um gleich zwei Mal Tour­neen ohne Band­be­glei­tung? Nur aus finan­zi­el­len Gründen?

Ein­mal haben wir gemerkt, dass die Nach­fra­ge nach Solo­kon­zer­ten groß wur­de. Es gab vie­le Jah­re nur Shows mit Band, es gab eine Are­na­tour und eine orches­tra­le Tour, und irgend­wie haben wir gespürt, dass da die gewis­se Sehn­sucht nach mehr Nähe vor­herrscht beim Publi­kum. Und ich per­sön­lich brau­che das auch gera­de, auch als Vor­be­rei­tung um dann wie­der mit Band auf Tour zu gehen. Und Unter­schie­de zwi­schen Som­mer- und Win­ter­kon­zer­ten gibt es auf jeden Fall. Bei den Som­mer­shows sind die Kon­zer­te mit Flo­ri­an Oster­tag, mei­nem Key­boar­der, und wir kön­nen somit auch ande­re Songs spie­len als im Win­ter wenn die Songs mit Gitar­re mit mei­nem Gitar­ris­ten Andie Met­te per­formt wer­den. Wir geben uns hier Mühe ganz klar ande­re Pro­gram­me mit ande­ren Schwer­punk­ten zu spie­len. Es gibt also im Som­mer nicht ein­fach nur ´Das­sel­be im Grünen´.


Mit wach­sen­dem Erfolg möch­te man sicher auch ger­ne sei­nen Live-Radi­us erwei­tern. Sind Auf­trit­te außer­halb von Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz zukünf­tig eine Opti­on für dich?

Wir haben auch mal in Tou­lou­se gespielt, viel­leicht spie­len wir ja auch bald auf die­ser medi­ter­ra­nen Insel. Wäre schön. Sicher­lich blei­ben sol­che Kon­zer­te die Aus­nah­me, aber ich hof­fe da kommt noch das eine oder ande­re High­light dazu in den nächs­ten Jahren.


Neben dem Künst­ler Phil­ipp Poi­sel gibt es auch die Pri­vat­per­son. Lebst Du nach wie vor in Lud­wigs­burg? Wie und wobei ent­spannst du am bes­ten vom Künstlerleben?

Am bes­ten ent­span­ne ich in den Ber­gen, ich bin ger­ne allein, bas­te­le ger­ne im Ton­stu­dio. Aber eigent­lich muss ich gar nicht so sehr vom Künst­ler­le­ben ent­span­nen, obwohl die Tou­ren natür­lich auch immer anstren­gend sind. Ich habe die letz­ten sie­ben Jah­re auch par­al­lel zur Musik zum Bei­spiel noch ein Stu­di­um absol­viert, das war dann schon auch sehr abwechs­lungs­reich. Aber wenn ich dar­über nach­den­ke muss ich sagen, dass ich eigent­lich genau beim Musik machen am bes­ten ent­span­ne. Also für mich allei­ne in den Ber­gen Musik zu machen wäre wahr­schein­lich der höchs­te Grad der Entspannung.

Kon­stan­tin Wecker

Rei­se nach Utopia

Mit­te Juni hat der Münch­ner Lie­der­ma­cher Kon­stan­tin Wecker sein aktu­el­les Album „Uto­pia“ ver­öf­fent­licht. Sein ers­tes Stu­dio­al­bum nach sechs Jah­ren prä­sen­tiert 16 Lie­der und Gedich­te. Unter­stützt wird er dabei unter ande­rem von Fany Kam­mer­lan­der am Cel­lo und Jo Barnik­el am Pia­no. Die­ses Trio wird man am 29. August auch beim Open Air in Bad Staf­fel­stein im Kur­park des Rosen­gar­tens erle­ben kön­nen. Kon­stan­tin Wecker stand uns für ein Inter­view zur Verfügung.

Herr Wecker, Sie wur­den 1947 gebo­ren und lern­ten bereits als Kind Kla­vier, Gei­ge und Gitar­re zu spie­len und zu sin­gen. Leg­ten ihre Eltern damit den Grund­stein für die spä­te­re Karriere?

Kon­stan­tin Wecker: Ganz sicher in vie­ler­lei Hin­sicht. Mein Vater war Opern­sän­ger und bei uns zuhau­se wur­de viel musi­ziert, was mei­nem Kna­ben-Sopran in einem Kin­der-Chor zugu­te­kam. Aber auch mei­ne Mut­ter woll­te kein Wun­der­kind aus mir machen, wofür ich bei­den bis heu­te dank­bar bin.


Ihre Büh­nen­lauf­bahn begann Ende der 1960-er Jah­re. Wie wür­den Sie die ers­ten zehn Jah­re ihrer Kar­rie­re rück­bli­ckend einordnen?

Kon­stan­tin Wecker: Ich habe seit mei­nem 12. Lebens­jahr Gedich­te geschrie­ben und der Text hat­te auch spä­ter immer Vor­rang vor der Musik. Ich habe mich ab Mit­te der 1960er Jah­re in vie­len Spar­ten aus­pro­biert, zwi­schen Klein­kunst-Sze­ne und Musi­cal. Als Pia­nist, Sän­ger und Kom­po­nist. Getreu mei­nem Mot­to: Ich sin­ge, weil ich ein Lied habe, nicht weil es euch gefällt. Die­se Zeit hat mich und mei­ne spä­te­re Kar­rie­re geprägt, genau wie Kol­le­gen und Freun­de wie Hanns Die­ter Hüsch und Die­ter Hil­de­brandt, die mich damals ermu­tig­ten und unterstützten.


Sie gel­ten als einer der bedeu­tends­ten deutsch­spra­chi­gen Lie­der­ma­cher. 1977 gelang Ihnen der Durch­bruch mit Ihrem vier­ten Stu­dio­al­bum „Genug ist nicht genug“. Das Album mit dem Klas­si­ker „Wil­ly“, eine Bal­la­de an einen von Rechts­ra­di­ka­len erschla­ge­nen Freund, erhielt im sel­ben Jahr den Deut­schen Klein­kunst­preis. Auf wel­che wei­te­ren Mei­len­stei­ne als Lie­der­ma­cher bli­cken sie bis heu­te zurück?

Kon­stan­tin Wecker: Ab „Genug ist nicht genug“ nahm die Zuschau­er­re­so­nanz mas­siv zu und ich konn­te fort­an von mei­ner Kunst leben. Aber den­noch lie­be ich es mehr, vor ein paar hun­dert Leu­ten zu spie­len, als vor Tausenden.


Beson­ders die 1980-er und 1990-er Jah­re hat­ten auch ihre Schat­ten­sei­ten für Sie. Ihr Dro­gen­kon­sum und die dar­aus resul­tie­ren­de Bewäh­rungs­stra­fe wur­den von Fans und Medi­en hin­läng­lich dis­ku­tiert. Sie sel­ber haben die­se Zeit viel­fäl­tig auf­ge­ar­bei­tet. Was und wer hat ihnen gehol­fen, fort­an dro­gen­frei zu leben und wei­ter­hin krea­tiv zu sein?

Kon­stan­tin Wecker: Ich habe nie auf Dro­gen geschrie­ben. Und die Poe­sie hat mich vor dem schlimms­ten bewahrt. Denn die Gedich­te und Lie­der haben eine ehr­li­che Tie­fe, die mich immer wie­der selbst überrascht.


Musi­ker, Kom­po­nist, Lie­der­ma­cher, Schau­spie­ler, Autor. Brau­chen Sie die­se Abwechs­lung, um sich als Künst­ler aus­zu­le­ben und gibt es inner­halb der unter­schied­li­chen Gen­res eine Art Wertigkeit?

Kon­stan­tin Wecker: In ers­ter Linie sehe ich mich als Poet mit Lesen und Schrei­ben als Hand­werks­zeug. Und natür­lich als Musi­ker, der zuhau­se von der klas­si­schen Musik geprägt wurde.


2013 haben Sie mit „Sturm & Klang“ ihr eige­nes Label gegrün­det, auf dem neben Ihren Ver­öf­fent­li­chun­gen auch die Alben ande­rer Künst­le­rin­nen und Künst­ler erschei­nen. Sind Sie maß­geb­lich für deren Aus­wahl verantwortlich?

Kon­stan­tin Wecker: Die Aus­wahl erfolgt im Team, funk­tio­niert aber final nicht, wenn mir die Künst­le­rin oder der Künst­ler und ihr Mate­ri­al nicht gefal­len. Getreu der Prä­mis­se „ihr müsst sin­gen, weil ihr ein Lied und eine Bot­schaft habt“, wäh­le ich aus. Neh­men wir da zum Bei­spiel die Song­wri­te­rin und Sän­ge­rin Sarah Straub, die 2019 ihr ers­tes deutsch­spra­chi­ges Album „Alles das und mehr“ mit Neu-Inter­pre­ta­tio­nen mei­ner Lie­der ver­öf­fent­licht hat. Mit ihr und den ande­ren Künst­le­rin­nen und Künst­lern mei­nes Labels tei­le ich auch immer wie­der sehr ger­ne die Bühne.


Kom­men wir auf Ihr aktu­el­les Album „Uto­pia“ zu spre­chen, das Mit­te Juni erschien. Wie ord­nen Sie es in Ihrer Dis­ko­gra­fie ein, was ist Ihr Utopia?

Kon­stan­tin Wecker: Für mich ist es eine sehr wich­ti­ge Ver­öf­fent­li­chung, denn der Gedan­ke einer herr­schafts­frei­en Welt beschäf­tigt mich schon seit vie­len Jah­ren. Und es ist das ers­te Stu­dio­al­bum, auf dem ich Lie­der sin­ge und Gedich­te vor­tra­ge. Für mich ist Uto­pia alles ande­re als undenk­bar und die­se wun­der­schö­ne Idee muss von uns Künst­lern wei­ter­ge­tra­gen werden.


Am 29. August tre­ten Sie zusam­men mit Pia­nist Jo Barnik­el und Cel­lis­tin Fany Kam­mer­lan­der als Trio auf dem „Seebühne“-Open Air in Bad Staf­fel­stein auf. Mit wel­chem Programm?

Kon­stan­tin Wecker: Wir wer­den natür­lich ein paar Lie­der von „Uto­pia“ im Gepäck haben. Und ansons­ten wer­de ich mit Jo und Fany durch mei­ne älte­ren Wer­ke strei­fen. Dem Publi­kum und uns wird so ganz bestimmt nicht lang­wei­lig werden.


Ihre künst­le­ri­sche Kar­rie­re war immer auch von Ihrem poli­ti­schen Enga­ge­ment geprägt. Bis heu­te gel­ten Sie als lin­kes Aus­hän­ge­schild. Sind Sie Mit­glied einer Par­tei und wer­den Sie sich im kom­men­den Bun­des­tags­wahl­kampf aktiv engagieren?

Kon­stan­tin Wecker: Nein, ich war nie Mit­glied einer Par­tei, auch wenn ich mich in den 1980-er Jah­ren bei den Grü­nen zu Zei­ten von Petra Kel­ly poli­tisch und zivil­ge­sell­schaft­lich enga­giert habe. Im Her­zen füh­le ich mich immer noch als Anar­chist. Mit „Schäm dich Euro­pa“ habe ich ja aktu­ell schon deut­lich Stel­lung bezo­gen. Und mein Kampf gegen Rechts­extre­mis­mus und Neo-Faschis­mus bleibt bestehen.

Kon­stan­tin Wecker

Open Air im Kur­park des Rosengartens

29. August, 19 Uhr, Bad Staffelstein