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Bauarbeiter

IG BAU star­tet „Lock­ruf in die Wahlkabine“ 

Spit­zen-Arbeits­pen­sum: Bau­ar­bei­ter in der Regi­on Bam­berg arbei­ten knapp 1.500 Stun­den pro Jahr

Die Indus­trie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Umwelt weist dar­auf hin, dass die Bau­ar­bei­ter ein enor­mes Pen­sum im Ver­gleich zu ande­ren Beschäf­tig­ten leis­ten, und ruft zum Gang an die Wahl­ur­ne am kom­men­den Sonn­tag auf. Es gehe dar­um, die Pro­ble­me, die den Men­schen auf den Nägeln bren­nen, klar auf den Punkt zu bringen.

Bau­ar­bei­ter leis­ten „Spit­zen-Arbeits­pen­sum“: Pro Kopf arbei­ten Bau­be­schäf­tig­te im Land­kreis Bam­berg im Schnitt 1.473 Stun­den im Jahr, in der Stadt Bam­berg sind es 1.493 Stun­den. Das sind 179 Stun­den im Kreis bezie­hungs­wei­se 177 Stun­den in der Stadt mehr als Beschäf­tig­te hier quer durch alle Beru­fe durch­schnitt­lich bei der Arbeit verbringen.

Dar­auf hat die Indus­trie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Umwelt hin­ge­wie­sen. Die IG BAU Ober­fran­ken beruft sich dabei auf den aktu­el­len Arbeits­markt-Moni­tor des Wirt­schafts- und Sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Insti­tuts (WSI) der Hans-Böck­ler-Stif­tung. Die Wis­sen­schaft­ler haben dar­in eine Arbeits­zeit­ana­ly­se für 2019 – dem Jahr vor der Coro­na-Pan­de­mie – gemacht.

„Der Bau gehört dem­nach zu den Bran­chen mit einem Spit­zen­pen­sum bei der Arbeits­zeit“, sagt Gerald Nick­las. Der Bezirks­vor­sit­zen­de der IG BAU Ober­fran­ken geht davon aus, dass die Zahl der Arbeits­stun­den, die Bau­ar­bei­ter leis­ten, aktu­ell eher sogar noch zuge­nom­men hat: „In der Pan­de­mie hat es einen enor­men Auf­trags­stau im Bau­ge­wer­be gege­ben. Für vie­le Bau­be­schäf­tig­te sind Über­stun­den ohne­hin an der Tagesordnung.“


„Sie sind kör­per­lich ein­fach Jah­re frü­her am Ende“


Der Arbeits­markt-Moni­tor des WSI lie­fert auch den Ver­gleich mit dem öffent­li­chen Dienst, dem Erzie­hungs­be­reich und dem Gesund­heits­sek­tor: Dem­nach wer­den auf dem Bau im Land­kreis Bam­berg sogar 353 Stun­den pro Kopf im Jahr mehr gear­bei­tet als in die­sen Bran­chen, in der Stadt sind es 207 Stun­den. „Das liegt vor allem dar­an, dass auf dem Bau gilt: ent­we­der ganz oder gar nicht. Voll­zeit plus Über­stun­den – das ist die Regel: Den ‚Halb­tags­mau­rer‘ gibt es nicht. Bei oft lan­gen Anfahr­ten zur Bau­stel­le von 60 Kilo­me­tern und mehr funk­tio­niert kein Teil­zeit­mo­dell“, so Gerald Nicklas.

Das bedeu­te, dass Bau­be­schäf­tig­te „enorm lan­ge und enorm hart am Stück arbei­ten“. Die kör­per­li­che Belas­tung im Lau­fe eines Berufs­le­bens sei auf dem Bau gewal­tig: „Kaum ein Dach­de­cker schafft es bis zur Ren­te. Nur jeder Zehn­te arbei­tet noch zwi­schen dem 60. und 65. Lebens­jahr. Im Schnitt müs­sen Bau­ar­bei­ter vor 59 in Ren­te gehen, obwohl sie eigent­lich bis 67 durch­hal­ten müss­ten. Sie sind kör­per­lich ein­fach Jah­re frü­her am Ende und müs­sen dann zum Teil star­ke Abstri­che bei der Ren­te in Kauf neh­men“, sagt Gerald Nick­las von der IG BAU Oberfranken.

Zur gerin­ge­ren Ren­te kom­me dann auch noch eine gerin­ge­re Lebens­er­war­tung. Bei Män­nern sei dies beson­ders dras­tisch. So lebe ein Beam­ter sta­tis­tisch zum Bei­spiel 5,6 Jah­re län­ger als ein Arbei­ter. Ent­spre­chend län­ger bekom­me er auch sei­ne Pen­si­on. Das gehe aus einer aktu­el­len Unter­su­chung des Deut­schen Insti­tuts für Wirt­schafts­for­schung (DIW) her­vor. „Hart arbei­ten und dann am Ende für eine kür­ze­re Zeit weni­ger Ren­te bekom­men – damit muss Schluss sein“, for­dert Gerald Nicklas.

„Der Bau in der Regi­on Bam­berg ist typisch für das hohe Pen­sum an Arbeits­stun­den, das im Bau­ge­wer­be geleis­tet wird. Wer mehr und här­ter arbei­tet, soll­te am Ende aller­dings auch eine höhe­re Ren­te bekom­men als heu­te. Die neue Bun­des­re­gie­rung muss des­halb die Ren­te ab Herbst anpa­cken und auf neue Füße stel­len: Wir müs­sen end­lich Alters­ar­mut effek­ti­ver ver­hin­dern. Und auch eine gerin­ge­re Lebens­er­war­tung muss aus­ge­gli­chen wer­den“, for­dert der Bun­des­vor­sit­zen­de der IG BAU, Robert Fei­ger. Er spricht sich für eine „grund­le­gen­de Ren­ten­re­form“ aus: „Bei der Ren­te muss die Reset-Tas­te gedrückt wer­den. Not­wen­dig ist eine Ren­ten­kas­se, in die alle ein­zah­len – Arbei­ter, Ange­stell­te, Selb­stän­di­ge, Beam­te, Par­la­men­ta­ri­er und Minis­ter: der Polier genau­so wie die Pro­fes­so­rin und der Politiker.“

Damit das pas­sie­re, sei eine Bot­schaft wich­tig: „Eine siche­re und gute Ren­te kann man wäh­len“, so Fei­ger. Der IG BAU-Chef appel­liert des­halb, „einen kri­ti­schen Blick in die Wahl­pro­gram­me der Par­tei­en zu wer­fen und genau zuzu­hö­ren, was von denen kommt, die in den Bun­des­tag und ins Kanz­ler­amt wol­len“. Die Zie­le der Par­tei­en zur Ren­te sei­en sehr unter­schied­lich. Die Gewerk­schaft hat des­halb jetzt einen „Lock­ruf in die Wahl­ka­bi­ne“ gemacht – Wahl-Clips mit der Auf­for­de­rung: „… iXen gehen!“. Es sind Film-Spots mit skur­ri­len Sze­nen und kurio­sen Cha­rak­ter­ty­pen – wie dem „Mara­thon-Schuf­ter“ auf einer Bau­stel­le, der mit 78 Jah­ren noch Säcke auf dem Bau schlep­pen muss. Dazu der Kom­men­tar: „Deutsch­land, dei­ne Rent­ner. Solan­ge sie noch atmen, sol­len sie auch arbeiten.“

Die IG BAU macht damit einen „Weck­ruf zur Wahl“: „Es geht dar­um, die Pro­ble­me, die den Men­schen auf den Nägeln bren­nen, klar auf den Punkt zu brin­gen – mit einem Augen­zwin­kern. Ob per Brief­wahl am Küchen­tisch oder am 26. Sep­tem­ber in der Wahl­ka­bi­ne: Wich­tig ist, dass die Men­schen wäh­len gehen“, sagt der IG BAU-Bun­des­vor­sit­zen­de Robert Feiger.

Der Wahl-Clip „Ren­te“ mit einem „Mara­thon-Schuf­ter“ ist zu fin­den unter https://igbau.de/Rente-wählen

124 Bau­ar­bei­ter mehr im Pan­de­mie-Jahr 2020

Bau im Kreis Bam­berg bie­tet der Kri­se die Stirn

Gegen den Trend ist es im Pan­de­mie-Jahr 2020 mit dem Bau im Land­kreis Bam­berg berg­auf gegan­gen, wie eine Ana­ly­se der Indus­trie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Umwelt (IG BAU) ergab.

Die Zahl der Bau­be­schäf­tig­ten lag am Jah­res­en­de bei 4.046. Damit gab es im ers­ten Coro­na-Kri­sen-Jahr im Land­kreis Bam­berg 124 Bau­ar­bei­ter mehr – ein Plus von 3,2 Pro­zent. Das ist das Ergeb­nis einer Ana­ly­se der Indus­trie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Umwelt (IG BAU) zur Beschäf­ti­gung in der Coro­na-Zeit. „Der Bau hat in der Pan­de­mie für Sta­bi­li­tät gesorgt. Er hat der Kri­se die Stirn gebo­ten wie kaum eine ande­re Bran­che. Vom Woh­nungs- bis zum Stra­ßen­bau hat der Bau eine gute Job-Per­spek­ti­ve gebo­ten“, sagt Gerald Nick­las. Der

Bezirks­vor­sit­zen­de der IG BAU Ober­fran­ken sieht die Bau­wirt­schaft als „Motor in der Kri­se“. Wäh­rend der Bau zule­gen konn­te, sah es für die übri­gen Wirt­schafts­zwei­ge zusam­men­ge­nom­men längst nicht so gut aus: Dort ging die Zahl der regu­lär Beschäf­tig­ten bis Ende 2020 auf 34.403 zurück. Gegen­über dem Vor­jahr – und damit der Zeit vor Coro­na – ist dies ein Rück­gang um 2.193 Beschäf­tig­te und damit ein Minus von 6 Prozent.


Ins Zeug legen und für Nach­wuchs sorgen


„Beson­ders stark hat die Kri­se bei den Mini-Jobs rein­ge­hau­en“, so Gerald Nick­las. Außer­halb der Bau­bran­che sei die Zahl der Mini-Job­ber im ers­ten Coro­na-Kri­sen­jahr im Land­kreis Bam­berg um 491 auf 10.921 Ende 2020 gesun­ken – ein Rück­gang um 4,3 Pro­zent. Auf dem Bau dage­gen gab es Ende des ver­gan­ge­nen Jah­res 889 Mini-Job­ber – ein Plus von 8,9 Pro­zent gegen­über dem Vor­jahr. Und das, obwohl der Bau „alles ande­re als eine typi­sche Mini-Job-Bran­che“ sei. Gerald Nick­las beruft sich dabei auf eine regio­na­le Arbeits­markt-Ana­ly­se, die das Pes­tel-Insti­tut (Han­no­ver) mit Zah­len der Bun­des­agen­tur für Arbeit im Auf­trag der IG BAU gemacht hat.

„Die Situa­ti­on im Land­kreis Bam­berg ist damit typisch für die bun­des­wei­te Beschäf­ti­gung. Und der Trend wird anhal­ten: Der Bau braucht Leu­te. Vor allem Fach­kräf­te“, sagt der IG BAU-Bun­des­vor­sit­zen­de Robert Fei­ger. Bau­in­dus­trie und Bau­hand­werk müss­ten sich hier „ins Zeug legen“ und für Nach­wuchs sor­gen. Der Bau habe eine Mam­mut­auf­ga­be vor sich: „Allein beim Woh­nungs­bau schiebt die Bran­che einen enor­men Berg von geneh­mig­ten, aber noch nicht gebau­ten Woh­nun­gen vor sich her: Über 780.000 Woh­nun­gen – so groß ist der aktu­el­le Bau­über­hang. Allein in Bay­ern ste­hen rund 176.900 Woh­nun­gen auf der ‚Bau-War­te­lis­te‘“, so Feiger.

Dar­über hin­aus müs­se sich die Bau­bran­che auf ein „star­kes Jahr­zehnt der Sanie­run­gen“ ein­stel­len. Die neue Bun­des­re­gie­rung wer­de alles dar­an­set­zen müs­sen, deut­lich mehr Kli­ma­schutz-Sanie­run­gen zu schaf­fen. „Auch der senio­ren­ge­rech­te Umbau von bestehen­den Woh­nun­gen drängt enorm. Es wer­den künf­tig viel mehr Senio­ren­woh­nun­gen gebraucht als heu­te schon. Denn bald geht die Baby-Boo­mer-Genera­ti­on in Ren­te“, sagt IG BAU-Chef Robert Feiger.

Auf den Bau kom­me eine Men­ge Arbeit zu. „Und dafür brau­chen wir ordent­li­che Regeln: Die Arbeits­be­din­gun­gen und der Lohn müs­sen pas­sen“, for­dert Fei­ger. Die IG BAU set­ze sich genau dafür am Tarif­tisch ein. Trotz­dem sei hier auch der Staat gefor­dert: Von den Arbeits­zei­ten über den Arbeits­schutz bis zum Kampf gegen Lohn-Dum­ping – die neue Bun­des­re­gie­rung habe wich­ti­ge Instru­men­te in der Hand, um „Wild­wuchs im Arbeits­all­tag“ zu bekämpfen.


Weck­ruf zur Wahl


„Damit das pas­siert, ist eine Bot­schaft wich­tig: Gute und fai­re Arbeit fängt beim Wäh­len an“, so Fei­ger. Der Gewerk­schafts­vor­sit­zen­de appel­liert des­halb, „einen kri­ti­schen Blick in die Wahl­pro­gram­me der Par­tei­en zu wer­fen und genau zuzu­hö­ren, was von denen kommt, die in den Bun­des­tag und ins Kanz­ler­amt wol­len“. Die Zie­le der Par­tei­en sei­en sehr unter­schied­lich. Man­che lie­ßen The­men, die für Beschäf­tig­te enorm wich­tig sei­en, sogar kom­plett unter den Tisch fal­len: „Das gilt zum Bei­spiel für einen höhe­ren Min­dest­lohn, also für die unters­te, noch erlaub­te Lohn­kan­te. Genau­so wie für ein bun­des­wei­tes Tarif­treue­ge­setz, das Fir­men vor­schreibt, den fai­ren Tarif­lohn zu bezah­len, wenn sie einen öffent­li­chen Auf­trag wol­len“, sagt Robert Feiger.

Die IG BAU rührt des­halb jetzt die Wer­be­trom­mel für die Bun­des­tags­wahl: „Gute und fai­re Arbeit kann man wäh­len. Bezahl­ba­re Woh­nun­gen und eine ordent­li­che Ren­te übri­gens auch“, so Fei­ger. Dazu hat die Gewerk­schaft einen „Lock­ruf in die Wahl­ka­bi­ne“ gemacht – Wahl-Clips mit der Auf­for­de­rung: „… iXen gehen!“. Es sind Film-Spots mit skur­ri­len Sze­nen und kurio­sen Cha­rak­ter­ty­pen – wie dem „Unglücks­ra­ben“ auf einer Bau­stel­le, der als abso­lu­ter Dilet­tant in Sachen Arbeits­schutz tra­gisch hei­kel mit einer Ket­ten­sä­ge han­tiert. Die IG BAU will damit einen „Weck­ruf zur Wahl“ machen: „Es geht dar­um, die Pro­ble­me, die den Men­schen auf den Nägeln bren­nen, klar auf den Punkt zu brin­gen – mit einem Augen­zwin­kern. Ob per Brief­wahl am Küchen­tisch oder am 26. Sep­tem­ber in der Wahl­ka­bi­ne: Wich­tig ist, dass die Men­schen wäh­len gehen“, sagt der IG BAU-Bun­des­vor­sit­zen­de Robert Feiger.