IHK-Kon­junk­tur­um­fra­ge: Lage sta­bil, Erwar­tun­gen wei­ter trüb

Ober­fran­kens Wirt­schaft fin­det Halt, aber kei­nen Schwung

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Wirtschaft
Dr. Michael Waasner, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth. Foto: Thorsten Ochs /Ochsenfoto
Die ober­frän­ki­sche Wirt­schaft hat den Abwärts­trend vor­erst gestoppt. Zum ers­ten Mal in die­sem Jahr hal­ten sich gute und schlech­te Bewer­tun­gen der Geschäfts­la­ge die Waa­ge. Für die kom­men­den zwölf Mona­te rech­nen die Unter­neh­men aber wei­ter mit Gegen­wind. Das zeigt die Herbst­um­fra­ge der IHK für Ober­fran­ken Bayreuth.

Der IHK-Kon­junk­tur­kli­ma­in­dex steigt der Mit­tei­lung zufol­ge um zwei Punk­te auf 89. Damit bleibt er klar unter der Wachs­tums­schwel­le von 100 Punk­ten und dem Zehn­jah­res­durch­schnitt von 106 Punk­ten. „Die Tal­fahrt ist gestoppt. Mehr aber auch nicht“, so IHK-Prä­si­dent Dr. Micha­el Waas­ner. „Die Betrie­be haben wie­der Boden unter den Füßen. Rücken­wind spü­ren sie aber nicht.“


Aktu­el­le Geschäfts­la­ge erholt sich in ein­zel­nen Branchen

Je 23 Pro­zent der Unter­neh­men bewer­ten ihre Lage als gut bezie­hungs­wei­se schlecht, 54 Pro­zent als befrie­di­gend. Im Früh­jahr lag der Sal­do noch bei minus acht Punk­ten. Zurück­zu­füh­ren ist die ver­bes­ser­te Lage­be­wer­tung vor allem auf die Ent­wick­lung im Dienst­leis­tungs­be­reich, im Bau und im Tou­ris­mus. Alle drei Bran­chen wei­sen im Herbst einen posi­ti­ven Sal­do auf.

Indus­trie, Groß- und Ein­zel­han­del ste­cken dage­gen wei­ter fest – die nega­ti­ven Ein­schät­zun­gen über­wie­gen deut­lich. Das zeigt sich auch in der Aus­las­tung der Indus­trie in den zurück­lie­gen­den sechs Mona­ten, die spür­bar schlech­ter ein­ge­schätzt wird als bei den Dienst­leis­tun­gen, dem Bau und dem Tourismus.

Beim Auf­trags­ein­gang fällt die Bilanz in allen Wirt­schafts­zwei­gen nega­tiv aus, im Inland wie im Aus­land. Nur beim Geschäft mit Asi­en und dem Pazi­fik­raum (ohne Chi­na) hal­ten sich Plus und Minus annä­hernd die Waage.


Ener­gie­prei­se brem­sen am stärksten

War­um die Stim­mung nicht dreht, benen­nen die Unter­neh­men klar: 79 Pro­zent nen­nen die hohen Ener­gie­prei­se als Risi­ko für ihr Geschäft, 76 Pro­zent die Prei­se für Roh­stof­fe und Waren. Fast zwei Drit­tel sehen die wirt­schafts­po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen als Risi­ko, und das seit zwei­ein­halb Jah­ren. Dazu kom­men hohe Arbeits­kos­ten und eine schwa­che Inlands­nach­fra­ge. „Wer mit ange­zo­ge­ner Hand­brem­se fährt, kommt aus dem Tal nicht her­aus“, so Waas­ner. „Wenn Unter­neh­men die Wirt­schafts­po­li­tik seit zwei­ein­halb Jah­ren als eines ihrer größ­ten Geschäfts­ri­si­ken ein­stu­fen, ist das ein Alarm­si­gnal für Berlin.“


Kein Wachs­tum in Sicht

Ent­spre­chend ver­hal­ten bli­cken die Betrie­be nach vorn. Gera­de ein­mal 11 Pro­zent der Befrag­ten im Ein­zugs­ge­biet der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth rech­nen mit einer Ver­bes­se­rung ihrer Geschäfts­la­ge, 31 Pro­zent dage­gen mit einer Ver­schlech­te­rung. Die Erwar­tun­gen haben sich gegen­über dem Früh­jahr sogar leicht ver­schlech­tert. Jedes drit­te Unter­neh­men rech­net zudem mit einem sin­ken­den Auf­trags­vo­lu­men, nur 14 Pro­zent mit einer Ver­bes­se­rung. Auch die erwar­te­te Aus­las­tung bleibt im Kel­ler. „Die ober­frän­ki­sche Wirt­schaft kommt nicht vom Fleck“, so Dr. Waasner.

Es gibt ein­zel­ne Licht­bli­cke: Die Dienst­leis­ter schau­en ins­ge­samt weni­ger pes­si­mis­tisch nach vorn als der Rest. Die Indus­trie setzt auf ein sta­bi­les Auslandsgeschäft.


Inlands­in­ves­ti­tio­nen sta­bi­li­sie­ren sich, Volu­men geht aber wei­ter leicht zurück

Die Unter­neh­men fah­ren ihre geplan­ten Inlands­in­ves­ti­tio­nen für die kom­men­den 12 Mona­te im Sal­do wei­ter zurück Der Rück­gang fällt aber schwä­cher aus als im Früh­jahr: Der Sal­do hat sich von minus zwölf auf minus sechs Punk­te hal­biert. Posi­tiv pla­nen die Dienst­leis­ter und der Einzelhandel.

Haupt­mo­tiv für die Inves­ti­ti­ons­aus­ga­ben sind vor allem Ersatz­be­schaf­fun­gen (69 Pro­zent Nen­nung), fer­ner auch Ratio­na­li­sie­run­gen (33 Pro­zent Nen­nung) und Pro­dukt­in­no­va­tio­nen (28 Pro­zent Nen­nung). Im Ver­gleich zum Mai gibt es bei den Haupt­mo­ti­ven wenig Bewe­gung. „Über­spitzt for­mu­liert: Vie­le Betrie­be fli­cken das Dach, aber kaum einer baut an“, so Dr. Waas­ner. „Inves­tiert wird in Ersatz, kaum noch in Wachs­tum. Für den Stand­ort Ober­fran­ken ist das ein Warn­si­gnal.“ Jedes vier­te Unter­neh­men gibt an, kei­ner­lei Inves­ti­tio­nen täti­gen zu wollen.

Am kri­tischs­ten ist die Lage in der Indus­trie. Sie fährt ihre Inves­ti­tio­nen im Inland deut­lich zurück und plant im Aus­land leicht höhe­re Aus­ga­ben. Auch dort geht es aber inzwi­schen vor allem um Ersatz­be­schaf­fung und Ratio­na­li­sie­rung, aber auch um Produktinnovationen.


Nega­ti­ve Beschäf­ti­gungs­vor­her­sa­gen auf­grund von Personalabbau

Auch bei der Beschäf­ti­gung ist kei­ne Trend­wen­de in Sicht – und zwar über alle Wirt­schafts­zwei­ge hin­weg. Gera­de ein­mal acht Pro­zent der befrag­ten Unter­neh­men im Ein­zugs­ge­biet der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth pla­nen einen Beschäf­tig­ten­zu­wachs, 27 Pro­zent dage­gen einen Abbau. Damit fal­len die Beschäf­tig­ten­pro­gno­sen ähn­lich nega­tiv aus wie in der Frühjahrsbefragung.

Wäh­rend 19 Pro­zent ange­ben, offe­ne Stel­len auf­grund feh­len­der Bewer­bun­gen nicht nach­be­set­zen zu kön­nen, geben 81 Pro­zent an, Per­so­nal abzu­bau­en. Die­ses Ergeb­nis stimmt mit dem Befund über­ein, dass im Kam­mer­be­zirk der Fach­kräf­te­man­gel zuneh­mend für die Unter­neh­men an Bri­sanz ver­liert. Im Aus­land gehen dage­gen ten­den­zi­ell mehr Unter­neh­men von einer stei­gen­den Beleg­schaft aus.

Sin­ken­de Beschäf­tig­ten­zah­len bei rück­läu­fi­gen Inves­ti­ti­ons­pla­nun­gen zei­gen, dass die ober­frän­ki­sche Wirt­schaft von einem Wachs­tums­schub noch weit ent­fernt ist.

„Von den ange­kün­dig­ten Refor­men ist in den Betrie­ben bis­lang wenig ange­kom­men. Die Unter­neh­men war­ten noch immer auf den ver­spro­che­nen Wachs­tums­boos­ter“, kri­ti­siert Waas­ner. „Wir brau­chen jetzt Tem­po: bezahl­ba­re Ener­gie, sta­bi­le Lohn­ne­ben­kos­ten und eine Wirt­schafts­po­li­tik, auf die sich die Unter­neh­men ver­las­sen kön­nen. Der Auf­schwung ist kein Selbstläufer.“


Hin­ter­grund­in­for­ma­ti­on

Der IHK-Kon­junk­tur­kli­ma­in­dex ist ein wich­ti­ger Früh­in­di­ka­tor für die kon­junk­tu­rel­le Ent­wick­lung. In die Berech­nun­gen flie­ßen die Bewer­tun­gen für die aktu­el­le Geschäfts­la­ge und die Geschäfts­er­war­tun­gen für die kom­men­den 12 Mona­te zu glei­chen Tei­len ein. Ein Index­wert über 100 signa­li­siert eine gute kon­junk­tu­rel­le Grund­stim­mung unter den Unter­neh­men; ein Wert unter 100 zeigt Pes­si­mis­mus und wirt­schaft­li­che Pro­ble­me an.

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