IHK-Präsident Dr. Michael Waasner mahnt dringende Reformen an
Oberfranken: 15.252 Industriearbeitsplätze seit 2019 verloren
Oberfranken hat 15.252 Industriearbeitsplätze seit dem Jahr 2019 verloren, teilt die IHK für Oberfranken Bayreuth mit und bezieht sich bei den Berechnungen auf Daten des Bayerischen Landesamtes für Statistik zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
„Die Deindustrialisierung Oberfrankens schreitet ungebremst voran“, warnt Dr. Michael Waasner, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth. „Alleine von 2024 auf 2025 gingen 3.764 Industriearbeitsplätze verloren. Damit summieren sich die Beschäftigtenverluste in der Industrie seit 2019 auf 15.252.“ Dr. Waasner mahnt dringend eine Ertüchtigung des Standortes Deutschland an.
Der Beschäftigtenabbau um 15.252 oder 11,1 Prozent entspricht in etwa den Einwohnerzahlen von Städten wie Kronach (16.600), Selb (14.700), Pegnitz (13.700) oder Hirschaid (12.400). Hinzu komme ein Abbau von 1.406 Beschäftigten seit 2019 bei den “wirtschaftlichen Dienstleistungen” – nicht zuletzt, weil Aufträge aus der Industrie ausblieben.
Zahl der Industriebeschäftigten in Oberfranken auf historischem Tief
„Mit 121.545 hat die Zahl der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe einen historischen Tiefststand erreicht“, so Dr. Waasner. „Unsere schlimmsten Befürchtungen sind leider eingetreten.“
Für diese besorgniserregende Entwicklung gebe es drei Hauptgründe: die schlechten Standortbedingungen für die Industrie, die unsicheren internationalen Märkte und die Krise der deutschen Automobilhersteller, die voll auf die über 200 Automobilzulieferer in Oberfranken durchschlage.
Zwar gebe es laut Berechnungen der IHK für Oberfranken Bayreuth Zuwächse in anderen Wirtschaftszweigen, aber die reichten nicht aus, um die Verluste in der Industrie zu kompensieren, etwa in der öffentlichen Verwaltung (+5.741 seit 2019), im Gesundheits- und Sozialwesen (+3.342), im Bereich Verkehr und Logistik (+2.566), Erziehung und Unterricht (+2.557) oder den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (+2.134) Die Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist zwischen 2019 und 2025 mit einem Plus mit 4.224 oder 1,0 Prozent noch leicht gestiegen. Im vergangenen Jahr gingen in der Summe 1.858 Arbeitsplätze verloren.
Berlin habe erste Weichen gestellt, aber das reiche bei weitem nicht aus. Dr. Waasner fordert entschlossenes Handeln: „Arbeitskosten, Steuer- und Abgabenlast sowie Bürokratie müssen runter, Planungssicherheit und Infrastrukturausgaben rauf!“ Er erinnert an die Agenda 2010: Damals wurde Deutschland vom „kranken Mann“ zur wirtschaftlichen Lokomotive Europas. Oberfranken profitierte davon erheblich – die Arbeitslosigkeit sank, die Beschäftigung stieg.
Aber nicht nur in Brüssel, Berlin und München müssten die Weichen für die Zukunft gestellt werden, sondern auch auf kommunaler Ebene. „Noch mehr als bisher müssen auch in der Kommunalpolitik bei jeder Entscheidung Auswirkungen auf den Standort und die Wirtschaft mitgedacht werden”, so Dr. Waasner mit einem Appell an alle neu oder wieder gewählten Kommunalpolitikerinnen und ‑politiker.
Deutschland brauche Antworten auf eine sich radikal veränderte Weltordnung, den immer härter werdenden internationalen Wettbewerb und den demografischen Wandel. „Jetzt braucht es wieder einen Kraftakt, die Lage ist so ernst wie selten zuvor“, macht Dr. Waasner deutlich. „Wir brauchen ein Jahr der Reformen, eine Agenda 2030, eine Agenda für mehr Wachstum. Unsere Unternehmen brauchen wieder eine verlässliche Zukunftsperspektive. Und zwar jetzt!“
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Oberfränkische Wirtschaftskammern bezeichnen Stimmung als alarmierend
Oberfranken braucht Taten, keine Ankündigungen
Der Wirtschaftsstandort Oberfranken steht am Scheideweg. Daher müsse die Regierung endlich zu einem echten Befreiungsschlag ansetzen, so die Präsidenten der IHK für Oberfranken Bayreuth, der HWK für Oberfranken und der IHK zu Coburg, Dr. Michael Waasner, Matthias Graßmann und Dr. Andreas Engel. Ohne Befreiungsschlag komme die Wirtschaft nicht aus der Krise, die Unternehmen warteten auf den versprochenen Wachstumsbooster.
Im April 2024 hatten die oberfränkischen Wirtschaftskammern gemeinsam im Rahmen einer Pressekonferenz in Kasendorf „Wirtschaft@Politik“ die Dringlichkeit von wirtschaftspolitischen Reformen unterstrichen. „Zwei Jahre später ist die politische Bilanz absolut ernüchternd. Wir erkennen weiterhin keinen Willen zu großen, strukturellen zukunftsorientierten Reformen“, resümiert der Präsident der HWK für Oberfranken, Matthias Graßmann. Das Handwerk bleibe zwar stabil, die Stimmung aber sei absolut alarmierend. Dr. Michael Waasner, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth ergänzt: „Die Lage ist mehr als ernst. Seit 2019 sind im Verarbeitenden Gewerbe, also in der Industrie und im Produzierenden Handwerk, in Oberfranken 11.500 Arbeitsplätze verlorengegangen.“ Nur noch 125.000 Menschen arbeiten in diesem Bereich – so wenige wie nie zuvor.
Die drei Wirtschaftskammern vertreten rund 77.000 Unternehmen aus Industrie, Handwerk, Handel, Tourismus und Dienstleistungen. Sie fordern von der Bundesregierung endlich einen klaren Kurs für den Standort Deutschland. Dr. Andreas Engel, Präsident der IHK zu Coburg, bringt es auf den Punkt: „Auf Seiten der Politik dürfte es längst kein Erkenntnisproblem mehr geben, dass höchster Handlungsdruck herrscht, und es wurden ja auch Reformen und Entlastungen angekündigt – aber passiert ist viel zu wenig.“
Bürokratie lähmt Betriebe
Bürokratie, Energie & Rohstoffe, Infrastruktur, Fachkräftesicherung, Steuern & Abgaben und Planungssicherheit – 2026 bestimmen noch die gleichen Schlagworte die Diskussion, die die Wirtschaftskammern 2024 verstärkt in den Fokus gerückt haben. Dr. Engel: „Wir haben keine Zeit mehr für weitere Stolperschritte im Klein-Klein – unser Standort braucht tiefgreifende Reformen zur Verbesserung der Standortqualität, und zwar schnellstmöglich!“
Gerade die jüngsten Diskussionen – Abschaffung des Anspruchs auf Teilzeitarbeit („Lifestyle-Teilzeit“), Erhöhung der Erbschaftssteuer, Kürzungen des Leistungskatalogs bei der gesetzlichen Krankenkasse, Einbeziehung weiterer Einkünfte in die Beitragsrechnung – würden nur weiter das Klima vergiften. „Außerdem wird so jeder mögliche Reformansatz sofort zerredet. Dieses Vorgehen ist der schwierigen Lage absolut nicht angemessen“, kritisiert Graßmann.
„Wir brauchen eine Agenda 2030 und keine Politik unkoordinierter Einzelmaßnahmen. Mit einem solchen Masterplan sollen Investitionen, Arbeitsvolumen und Produktivität dauerhaft gestärkt werden”, macht Dr. Waasner deutlich. „Es kann doch nicht sein, dass schulterzuckend zur Kenntnis genommen wird, dass durch die De-Industrialisierung die Basis unseres Wohlstands schleichend erodiert, dass Investitionen immer weiter gekürzt werden, dass der Jobabbau an Tempo gewinnt“, so Dr. Engel.
Auch bei den weiteren Stichworten aus der Pressekonferenz 2024 „Wirtschaft@Politik“ sehen die oberfränkischen Industrie- und Handelskammern und die Handwerkskammer für Oberfranken kaum Bewegung. Bürokratie bleibt ein großes Hindernis. „Es gibt viele Ankündigungen, aber kaum echte Erleichterungen“, kritisiert Graßmann. Selbst einfache Maßnahmen wie die Abschaffung der Bonpflicht wurden nicht umgesetzt. Die Folge: Unternehmen verlieren Zeit und Geld durch unnötige Vorschriften – und zudem längst die Geduld.
Infrastruktur: Hier zeige sich schon jetzt, dass nur Teile des sogenannten Sondervermögens für Infrastrukturmaßnahmen tatsächlich sachgerecht ausgegeben werden. Graßmann weiter: „Planungssicherheit? Beim Heizungsgesetz etwa zeigt sich, wie wenig die Politik auf die Wirtschaft hört.“
„Die Stimmung unter unseren Betrieben ist schlecht. Dies ändert sich nur, wenn die Politik ihre dringlichsten Hausaufgaben macht und die Regierung als entschlossene Einheit auftritt“, so Dr. Waasner. Als Fazit formuliert er eine eindeutige Botschaft: „Der Herbst ist vorbei, einen Herbst der Reformen habe ich nicht wahrgenommen. Was wir wirklich brauchen, ist kein Frühling der Diskussionen, kein Frühling der Dampfplauderei und erst recht kein Frühling neuer Vorschriften, sondern ein Frühling der Taten!“ Die Politik müsse jetzt handeln, damit Oberfranken und ganz Deutschland wieder auf Kurs kommen.
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Vielfalt als Chance
Neujahrsempfang der IHK für Oberfranken Bayreuth
Beim Neujahrsempfang der IHK für Oberfranken Bayreuth betont Präsident Dr. Michael Waasner die schwierige wirtschaftliche Lage der Region, insbesondere den Verlust von Industriearbeitsplätzen und die Notwendigkeit, Bürokratie abzubauen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. RTL-Managerin Mirijam Trunk hebt in ihrem Festvortrag die Bedeutung von Vielfalt und Diversität in Unternehmen hervor, die nachweislich Innovation und Unternehmenserfolg fördere.
Die IHK für Oberfranken Bayreuth hat ihren traditionellen Neujahrsempfang in der Eventarena Himmelkron ausgerichtet. Rund 200 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nutzten in der Eventarena Himmelkron die Gelegenheit zu Austausch und Standortbestimmung zum Jahresauftakt.
Dr. Waasner geht in seiner Ansprache auf die aktuelle Wirtschaftslage in Oberfranken ein. Seit 2019 hat die oberfränkische Industrie 11.500 Arbeitsplätze verloren, die Industrie beschäftigt so wenige Menschen wie nie zuvor, nur noch rund 125.000. Einen Beschäftigtenzuwachs gab es nur bei den Dienstleistungen und vor allem in der öffentlichen Verwaltung, wo 5.500 neue versicherungspflichtige Stellen entstanden. Dr. Waasner: „Für jeden zweiten Arbeitsplatz, der in der Industrie verloren ging, entstand einer in der Verwaltung. Meine Damen und Herren, das ist kein nachhaltiges Wachstumsmodell!” Leider stimmen auch die weiteren Perspektiven wenig optimistisch. „Die ersten Trendergebnisse der IHK-Konjunkturergebnisse zeigen, dass bei den Erwartungen für 2026 Pessimismus weiterhin überwiegt, wenngleich der Trend wieder in die richtige Richtung geht”, so der IHK-Präsident.
Oberfränkische Wirtschaft vor enormen Herausforderungen
„Wir müssen uns fragen: Haben wir noch das richtige Betriebssystem für unsere Wirtschaft? Oder laufen wir mit veralteter Software, während andere längst aufgerüstet haben?”, so Dr. Waasner. Er geht auf die Herausforderungen ein, vor denen die oberfränkische Wirtschaft steht. Der IHK-Präsident fordert, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und die Bürokratie abzubauen, Investitionen zu erleichtern, Unternehmen steuerlich zu entlasten, Arbeitsanreize zu verbessern und die Infrastruktur endlich auf das Niveau des 21. Jahrhunderts zu bringen. „Die Bereitschaft, Veränderungen anzugehen, ist in der Gesellschaft und in der Politik noch zu schwach ausgeprägt. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Region zu sichern.“
Unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen zusammenbringen
Ein besonderer Höhepunkt des Abends ist der Festvortrag von Mirijam Trunk, Chief Crossmedia Officer, Chief Sustainability & Diversity Officer von RTL Deutschland und Bestsellerautorin. Unter dem Titel “Verschiedene Köpfe kommen zu besseren Ergebnissen – wie Frauen und Männer gemeinsam mehr Vielfalt in Unternehmen bringen“ spricht sie über die Bedeutung von Diversität für Innovation und Unternehmenserfolg. Trunk macht deutlich: „Vielfalt ist viel mehr als Mann und Frau. Es geht darum, unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen zusammenzubringen, um bessere Lösungen zu finden.“
Sie schildert anschaulich, wie unbewusste Denkmuster und gesellschaftliche Prägungen die Arbeitswelt beeinflussen und wie wichtig es ist, diese zu hinterfragen: „Wir alle haben Bilder im Kopf, die unser Handeln bestimmen. Entscheidend ist, dass wir uns dessen bewusst werden und aktiv daran arbeiten, Vielfalt zu fördern.“ In ihrem Vortrag stellt sie gegenüber, wie unterschiedlich bestimmte Eigenschaften bei Frauen und bei Männern interpretiert werden. Zeige ein Mann Emotionen, gelte er als energisch und einfühlsam, eine Frau dagegen als “hysterisch und gaga.” Zeige ein Mann wenig Emotionen, habe er sich im Griff, eine Frau dagegen gelte als eiskalt.
In Deutschland gelte für Frauen weiterhin das Motto “Kind oder Karriere”. Nicht von ungefähr sei Deutschland internationaler Spitzenreiter bei Teilzeitarbeit. Auch hätten Kinder für Frauen spürbare Auswirkungen auf ihr Einkommen.
Vielfalt als strategische Chance begreifen
Unternehmen, die Diversität leben, sind nachweislich innovativer und erfolgreicher: „Mit einem vielfältigen Management erzielen Unternehmen 19 Prozent mehr Innovationen”. So Trunk. „Es geht darum, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die für alle Menschen passen – und damit neue Kundengruppen zu erschließen.“ Sie appelliert an die Führungskräfte in Oberfranken, Vielfalt als strategische Chance zu begreifen: „Vielfalt ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine zentrale Führungsaufgabe. Nur so können wir die Herausforderungen des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels meistern.“
Die gebürtige Bambergerin studierte Psychologie, Kommunikationswissenschaft und Politik in München und Washington D.C., absolvierte eine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München und arbeitete als Reporterin beim Bayrischen Rundfunk. Mit 27 wurde die heute 34-jährige Geschäftsführerin der Bertelsmann Audio Alliance und baute das Podcast-Geschäft des Unternehmens auf, bevor sie RTL-Managerin wurde.
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Die Elite ihres Ausbildungsberufs im Freistaat
IHK ehrte “Bayernbeste” aus dem Gremiumsbezirk Bamberg
Bei einer Feierstunde auf Kloster Banz hat die IHK für Oberfranken Bayreuth zwölf “Bayernbeste” geehrt. Sie alle haben ihre Ausbildung im aktuellen Prüfungsjahrgang als Beste ihres jeweiligen Ausbildungsberufs abgeschlossen und sind damit die Besten im Freistaat, wie die IHK für Oberfranken Bayreuth mitteilt.
Mit Marie Hohleweg aus Reckendorf, Lisa-Marie Külle aus Baunach, Luisa Schreiber und Vanessa Neid aus Bamberg und Nina Then aus Memmelsdorf kommen dabei fünf “Bayernbeste” aus dem Bezirk des IHK-Gremiums Bamberg.
Die herausragende Leistung der “Bayernbesten” wird unter anderem an den folgenden Zahlen deutlich: Rund 50.000 junge Leute in etwa 200 Ausbildungsberufen sind in diesem Prüfungsjahrgang in ganz Bayern zu den IHK-Abschlussprüfungen angetreten. „Sie haben es in ihrem Beruf auf Platz 1 geschafft. Das ist eine außergewöhnliche Leistung, auf die Sie sehr stolz sein können”, macht der IHK-Präsident Dr. Michael Waasner bei der Ehrung deutlich.
Er bescheinigte den Absolventinnen und Absolventen Einsatz, Können und Durchhaltevermögen. „Sie haben nicht aufgegeben und Standfestigkeit gezeigt”, sagte er. Um den Wandel und die damit verbundenen Herausforderungen bewältigen zu können, seien Stabilität und Flexibilität notwendig. Ständige Veränderungen seien mittlerweile nicht mehr nur Begleiter im täglichen Berufsleben, sondern Antreiber. Diese Situation gelte es anzunehmen. Die “Bayernbesten” hätten durch ihre Ausbildung beste Voraussetzungen für einen erfolgreichen Berufsweg geschaffen. „Sie haben das sichere Fundament, das Ihnen erlaubt, mutig Neues zu wagen und mögliche Rückschläge abzufedern”, so der Präsident.
Bildung als Schlüsselfaktor
Die ständigen Herausforderungen unserer Zeit sprach auch der oberfränkische Regierungsvizepräsident Thomas Engel an. Egal ob Energiewende, Digitalisierung, Klimawandel, all das gelte es zu bewältigen. Bildung und Qualifikation seien dazu die Schlüsselfaktoren. Alle “Bayernbesten” aus dem Gremiumsbezirk hätten eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie Verantwortung für sich selbst und ihre berufliche Zukunft übernehmen können.
IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfram Brehm sagte: „Wir ehren nicht die Besten, sondern die Allerbesten, sozusagen die Elite.” Das sei wahrlich ein Grund stolz zu sein, zumal dieser Erfolg die Absolventen ein Leben lang begleiten werde.
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Ehrung der besten Weiterbildungsabsolventinnen und ‑absolventen
Acht Meisterpreisträgerinnen und ‑träger aus dem Raum Bamberg
Die 49 besten der 425 Weiterbildungsabsolventinnen und ‑absolventen, die ihren Abschluss bei der IHK für Oberfranken gemacht haben, wurden mit dem Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung ausgezeichnet, darunter auch acht aus dem Einzugsgebiet des IHK-Gremiums Bamberg.
Als großes Schwerpunktthema der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Bayreuth hat deren Vizepräsident Michael Bitzinger die Stärkung der beruflichen Bildung bezeichnet. Bei der Ehrung der Meisterpreisträger in Bayreuth sagt der Vizepräsident: Wir wollen zeigen, was die berufliche Bildung kann: Sie bringt hervorragend qualifizierte Fachkräfte hervor und trägt dazu bei, die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts Oberfranken zu stärken. Alle Meisterpreisträger hätten Herausragendes geleistet, so Bitzinger. Er bezeichnet die Absolventen als Aushängeschilder der beruflichen Bildung. Der Abschluss selbst sei ein echter Meilenstein.
Die Prüfungen hatten diesmal 425 Absolventen in 14 verschiedenen Abschlüssen bestanden. Besonders gefragt waren die Weiterbildungen zum Wirtschaftsfachwirt und zum Industriemeister Metall. 49 der 425 Absolventen wurden mit dem Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung ausgezeichnet. Diesen Preis erhalten jeweils die 20 Prozent Prüfungsbesten einer Fachrichtung, sofern sie mindestens ein gut als Abschlussnote erzielt haben. Alle Absolventen erhalten zudem den Meisterbonus der Bayerischen Staatsregierung, er beträgt derzeit 3000 Euro pro Person.
“Lebenslanges Lernen” viel mehr als nur ein Schlagwort
Nichts ist so beständig wie der Wandel, zitiert IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfram Brehm den griechischen Philosophen Heraklit. Gefühlt erfinde sich die Welt täglich neu: Gestern noch Faxgerät, heute schon KI-gesteuertes Projektmanagement. Gestern noch Meisterbrief auf Pergament, heute digitale Kompetenzzertifikate auf LinkedIn.” Aber genau dafür stünden die Absolventinnen und Absolventen: Dafür, dass lebenslanges Lernen kein leeres Schlagwort ist, sondern gelebte Realität. Den Meisterpreisträgern gibt der IHK-Hauptgeschäftsführer mit auf den Weg: Bleiben Sie neugierig, bleiben Sie mutig und behalten Sie Ihren Humor, gerade dann, wenn die KI mal wieder denkt, sie könne Ihren Job besser machen.
Sich den Veränderungen zu stellen und Herausforderungen anzunehmen, dazu ruft der oberfränkische Regierungsvizepräsident Thomas Engel die Absolventen auf. Als eine der größten Herausforderungen für die oberfränkische Wirtschaft bezeichnete er die Gewinnung von Fach- und Führungskräften. Als Prüfungsbeste hätten die Meisterpreisträger ihre herausragende Leistungsbereitschaft und ihr besonderes Engagement eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Acht erfolgreiche Meisterpreisträger aus dem Raum Bamberg
Die Meisterpreisträger aus dem Bereich des IHK-Gremiums Bamberg sind: Elena Hack (Pettstadt), Niklas Kalb (Bamberg), Sophie Martins (Hallstadt), Ragna Schaller (Breitengüßbach), Adriane Seitz (Frensdorf), Anne Stöhr (Zapfendorf), Laura Weiß (Bamberg) und Kathrin Zeichner (Bamberg).
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Konjunkturbefragung der IHK für Oberfranken Bayreuth
Wenig Bewegung in Bambergs Konjunktur
Während die Bamberger Unternehmen in der aktuellen Konjunkturbefragung der IHK für Oberfranken Bayreuth die aktuelle Geschäftslage insgesamt ausgeglichen bewerten, fallen die Erwartungen eher pessimistisch aus. Der IHK-Konjunkturklimaindex für die Region Bamberg liegt bei 95 Punkten.
Der Konjunkturklimaindex hat sich seit etwa fünf Jahren bei 100 Punkten eingependelt, lag in den Jahren zuvor aber meist rund 20 Punkte höher. 29 Prozent der befragten Unternehmen aus Stadt und Landkreis Bamberg bewerten in der IHK-Konjunkturbefragung ihre aktuelle Geschäftslage gut, 28 Prozent negativ.
„Insgesamt zeigt sich die Wirtschaft im Raum Bamberg in den letzten beiden Jahren relativ stabil und damit recht unbeeindruckt von den zahlreichen kurzfristigen Entwicklungen. Trotzdem gibt es auch bei uns zunehmend Luft nach oben“, erläutert Herbert Grimmer, Vorsitzender des IHK-Gremiums Bamberg. So geben 40 Prozent der Unternehmen an, dass ihr Auftragsvolumen im Inland im vergangenen Halbjahr gesunken ist, nur 18 Prozent berichten von einer positiven Entwicklung. Potenzial gibt es auch bei der Auslastung. Nur 28 Prozent berichten von einer vollen Auslastung, 30 Prozent von einer nicht ausreichenden Auslastung.
Beschäftigtenabbau erwartet
Für die kommenden zwölf Monate erwarten nur 18 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region Bamberg eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, eine Verschlechterung prognostizieren dagegen 29 Prozent. Im Vergleich zur Frühjahrsumfrage wird die Gruppe der Optimisten kleiner. Zuletzt überwogen bei der IHK-Konjunkturumfrage im Frühjahr 2022 eine positive Erwartungshaltung der Unternehmen.
Dieser Pessimismus bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Beschäftigtenplanungen: Während nur neun Prozent der Bamberger Unternehmen ihre Beschäftigtenzahl in den kommenden zwölf Monaten erhöhen wollen, gehen 31 Prozent von einem Beschäftigtenrückgang aus.
Auf stabilem Niveau bleiben die geplanten Inlandsinvestitionen. Unternehmen, die mehr Investitionen planen (20 Prozent), halten sich mittlerweile die Waage mit Unternehmen, die ihre Investitionen zurückfahren möchten (19 Prozent).
„Aktuell spüren die Unternehmen viel Gegenwind. Für eine positive wirtschaftliche Entwicklung und einen nachhaltigen Aufschwung braucht es mehr als eine Weichenstellung in der Politik, es braucht eine echte Kehrtwende!“, so Grimmers Appell an die Politik. “Man muss unsere Unternehmerinnen und Unternehmer aber auch machen lassen!”
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IHK-Veranstaltung: Zukunftsmobilität – Wenn Gaming und Automobil verschmelzen
Gaming im Auto: Wie Videospiele die Mobilität verändern
Die IHK für Oberfranken Bayreuth hat im Rahmen einer Veranstaltung zwei Welten zusammengebracht: Automobiler und Automobilzulieferer auf der einen sowie die Gamingbranche auf der anderen Seite.
„Unser Ziel war es, einmal bewusst zwei Branchen zusammenzubringen, die mehr Anknüpfungspunkte haben, als man gemeinhin glaubt”, so Dr. Dominik Erhard, IHK-Ansprechpartner für Innovation, Technologie und gewerbliche Schutzrechte.
Schon als Kinder lernen wir durch Spielen, entdecken Neues und knüpfen Freundschaften. Längst sind Videospiele für viele Menschen Alltag – unabhängig vom Alter. Jetzt erobert Gaming sogar das Auto. Beim Automotive- und Gaming-Dialogforum der IHK für Oberfranken Bayreuth in Bamberg wurde deutlich: Gaming im Auto ist keine Zukunftsmusik mehr. Die Gamingbranche ist heute gewichtiger als Hollywood und die Musikindustrie zusammen, so Serkan Yücebas, Experte für In-Car-Gaming. Seine Vision: Das Auto wird zum digitalen Erlebnisraum.
Sicherheit steht an erster Stelle
Wir warten oft im Auto – beim Laden, im Stau oder vor der Schule, berichtet Yücebas. Meist schauen wir dann aufs Handy. Er nennt das Mäusekino. Künftig sollen große Bildschirme, bequeme Sitze und smarte Technik das Auto zum zweiten Wohnzimmer machen. Er verdeutlicht: 37,5 Millionen Menschen in Deutschland spielen regelmäßig Videospiele. Das Durchschnittsalter liegt bei 39,5 Jahren. Gaming sei längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Auch die Wissenschaft sieht Chancen. Diese Technologie erlaubt es, das Auto völlig neu zu definieren, macht Psychologie-Professor Claus-Christian Carbon von der Universität Bamberg deutlich. Professor Benedikt Morschheuser, ebenfalls Uni Bamberg, betont: Es geht darum, Spielerlebnisse zu schaffen, die im Auto mehr Spaß machen als zu Hause. Das Fahrzeug selbst wird Teil des Spiels – etwa durch Bewegung oder die Nutzung von Fahrdaten.
Paul Redetzky vom Entwicklerstudio Emergo Entertainment fordert eigene Spielwelten für das Auto. So wie der Gameboy oder Pokemon neue Wege eröffnet haben, braucht es auch für das Auto eigene Ideen.
Christian Meister vom Netzwerk OfraCar hebt hervor: Unsere Unternehmen in Oberfranken sind offen für Gaming im Auto und bringen das nötige Know-how mit. Allerdings müssten Prozesse schneller werden, um mit dem asiatischen Markt Schritt zu halten. Es fehlt an Mut und Investitionen, sind sich die Experten einig. Yücebas ergänzt: Die Zulieferer machen einen tollen Job, aber die Hersteller müssen den nächsten Schritt wagen.
Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer hat natürlich oberste Priorität. Deshalb wird In-Car-Gaming in der Regel nur im stehenden Fahrzeug aktiviert – etwa während einer Ladepause oder beim Warten. Einige Systeme sind zusätzlich mit Fahrerüberwachung ausgestattet: Erkennt die Kamera, dass die Augen des Fahrers nicht auf der Straße bleiben, wird der Bildschirm automatisch deaktiviert.
Von Spielspaß bis Smart Mobility
In Asien ist Gaming im Auto schon Alltag, in Deutschland steckt es noch in den Kinderschuhen. Erste Systeme gibt es vor allem in Premiumfahrzeugen. Technisch möglich sind heute schon: Als Beispiele werden seitens der Experten genannt:
- Bewegungssitze, die bei Rennspielen vibrieren
- Luftströme, die sich der Geschwindigkeit anpassen
- Beleuchtung, die auf das Spiel reagiert
- Multiplayer-Spiele für die Rückbank
- Künstliche Intelligenz, die Sehenswürdigkeiten erkennt
- Interaktive Zeichenpads für Kinder
- Karaoke-Modus.
Gerade während des Ladevorgangs von E‑Autos schafft Gaming neue Möglichkeiten, Wartezeiten sinnvoll zu nutzen.
Neue Chancen für Unternehmen
Auch Unternehmen profitieren: Gamification kann den Autokauf zum Erlebnis machen. Spiele helfen, Kundenwünsche besser zu verstehen – etwa, wenn verschiedene Felgendesigns getestet werden. Gaming bietet zudem neue Werbeflächen und Sponsoringmöglichkeiten.
Das Auto von morgen ist nicht nur elektrisch und vernetzt – es wird auch zum Spielplatz. Die Verbindung von Gaming und Mobilität schafft neue Wege für Kundenbindung, Markenkommunikation und Freizeitgestaltung. Gemeinsam mit Partnern wie OfraCar, Lagarde1 oder den Wirtschaftsjunioren Bayern hat die IHK für Oberfranken beide Branchen zusammengebracht und fördert Innovationen in der Region. Dr. Erhard: “Experiment gelungen!”
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Automobilzulieferer brechen ein – Handel und Gastronomie ohne Nachwuchs
Ausbildungsmarkt in Schieflage: Rückläufige IHK-Zahlen
Trotz einer großen Zahl an unbesetzten Ausbildungsplätzen sinkt die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse bei den Mitgliedsunternehmen der IHK für Oberfranken Bayreuth in den ersten sieben Monaten des Jahres gegenüber 2024 spürbar um 15 Prozent auf 1.908, wie die Kammer mitteilt.
Stieg die Zahl der Neueintragungen von Ausbildungsverhältnissen seit 2021 im Einzugsgebiet der IHK für Oberfranken Bayreuth von 1.968 im Jahr 2000 auf 2.372 im Jahr 2024 kontinuierlich an (jeweils bis 31. Juli), folgte 2024 ein jäher Absturz auf 1.908 Neueintragungen. Da spielt natürlich die Tatsache hinein, dass es 2025 kaum Abiturprüfungen gibt. Das erklärt aber gerade mal ein knappes Viertel des Rückgangs von 464 Neueintragungen.
„Also haben wir uns auf die Suche begeben“, so IHK-Pressesprecher Peter Belina. Schließlich sei es sehr ernüchternd, wenn die IHK-Zahlen einen deutlichen Rückgang bei den neu unterschriebenen Ausbildungszahlen aufzeigen, man zwar Vermutungen für die Hauptursachen hat, den Zahlen aber nicht die Information entlocken kann, warum das so ist. Zusammen mit Ausbildungsberater Matthias Rank und Roman Riemer von der IT wurden die IHK-Daten zur Ausbildung 2024 und 2025 im Detail analysiert. Da wurde dann relativ schnell klar, warum 2025 im Vergleich zum Vorjahr spürbar weniger Ausbildungsverträge unterschrieben wurden.
Krise bei Automobilzulieferern bleibt nicht ohne Konsequenzen bei Ausbildung
„Hauptgrund ist der dramatische Einbruch der Ausbildungszahlen bei den Ausbildungsbetrieben im Bereich der Automobilzulieferer. Fünf unserer zehn wichtigsten Ausbildungsbetriebe gehören zu dieser Sparte“, so Belina. „Das zeigt, wie sehr diese Branche unter Druck steht.“ Die schlechte Konjunkturlage trifft – wenn auch etwas abgeschwächt – auch den Energiesektor, den Maschinenbau und die Medizintechnik. „Bei diesen drei Branchen gibt es aber einen elementaren Unterschied zu den Automobilzulieferern: Hier gibt es auch Unternehmen mit mehr Neueintragungen als im Vorjahr.“
„Bei zwei weiteren Branchen haben wir eine größere Zahl von Unternehmen gefunden mit spürbar rückläufigen Neueintragungen, im Handel und im Gastronomiebereich“, ergänzt IHK-Ausbildungsberater Matthias Rank. „Die Ursache ist hier aber eine ganz andere. Hier handelt es sich um Branchen mit einer hohen Zahl an unbesetzten Ausbildungsplätzen. Die Unternehmen würden gerne deutlich mehr ausbilden, finden aber keinen Nachwuchs.“ Mittelfristig drohe den Betrieben eine spürbare Fachkräftelücke.
Schlechte Idee: Ohne Ausbildung oder Studium ins Berufsleben starten
Mit Sorge beobachtet Rank den Trend, dass immer mehr Jugendliche weder studieren noch eine Ausbildung antreten. „Ungelernt arbeiten zu gehen, mag im ersten Moment verlockend sein, schließlich verdient man mehr Geld als während der Ausbildung“, so Rank. „Aber diese Situation dreht sich nach der Ausbildung sehr schnell um, von der Arbeitsplatzsicherheit gar nicht zu reden.“ Während jemand in Deutschland mit abgeschlossener Berufsausbildung laut Statistischem Bundesamt 2022 im Schnitt 3.521 Euro verdient und mit Zusatzqualifizierung, etwa als Meisterin, Fachwirt, Fachkauffrau oder Operative Professional 4.826 Euro, beträgt das Einkommen bei Personen ohne beruflichen Ausbildungsabschluss im Schnitt gerade mal 2.817 Euro. „Die berufliche Ausbildung ist nicht nur der Grundstein für ein sicheres Einkommen, sondern auch für eine stabile Erwerbskarriere“, macht Rank deutlich.
„Über ein Drittel aller Ausbildungsplätze ist nach wie vor nicht besetzt. Wer sich also spontan dazu entschließt, eine Ausbildung zu beginnen, wendet sich entweder an die Agentur für Arbeit oder direkt an ein Ausbildungsunternehmen“, so Rank. „Ganz wichtig: Auch nach dem offiziellen Ausbildungsbeginn am 1. September ist noch ein Einstieg in die berufliche Ausbildung möglich!“
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Unternehmen sehen oft Mängel bei Ausbildungsreife
Bewerbermangel bremst Ausbildungsmarkt in Oberfranken aus
Die Rezession hat nach dem Arbeits- auch den Ausbildungsmarkt erreicht, wie die IHK für Oberfranken Bayreuth mitteilt. Vielen Unternehmen fehle für eine Ausbildung einfach die wirtschaftliche Perspektive. Trotzdem bleibt es für die Ausbildungsunternehmen die größte Herausforderung, überhaupt Auszubildende zu finden, wie eine aktuelle Umfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth unter ihren Mitgliedsunternehmen deutlich macht.
Die IHK-Umfrage zeigt: Nur 14 Prozent der Betriebe wollen zum Ausbildungsjahr 2025//26 mehr Ausbildungsplätze schaffen als im Vorjahr, 28 Prozent haben das Angebot verringert. Hauptgrund sind fehlende wirtschaftliche Perspektiven und finanzielle Mittel. „Das verschärft den Fachkräftemangel weiter, denn auf einen Schulabgänger kommen aktuell fast zwei Baby-Boomer, die in den Ruhestand gehen“, macht Dr. Michael Waasner deutlich, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth.
„Nicht besetzte Ausbildungsplätze sind ein Riesenproblem“, bestätigt Wolfram Brehm, Hauptgeschäftsführer der IHK für Oberfranken Bayreuth. 57 Prozent der befragten IHK-Ausbildungsbetriebe haben für das Ausbildungsjahr 2025//26 keine einzige Bewerbung erhalten, bundesweit liegt der Anteil bei 48 Prozent.
Bessere Rahmendbedingungen für Schulen und Betriebe gefordert
Neben dem Mangel an Bewerbungen sehen die Unternehmen auch Defizite bei der Ausbildungsreife. Dr. Waasner: „Besonders wichtig aus Sicht der Unternehmen sind dabei das Arbeits- und Sozialverhalten, gefolgt von der grundlegenden mentalen Leistungsfähigkeit.“ Besonders häufig werden seitens der Ausbilderinnen und Ausbilder Defizite bei Disziplin (63 Prozent) und Belastbarkeit (59 Prozent) genannt. Dagegen sind grundlegende IT- und Medienkenntnisse (nur sechs Prozent mit Mängeln) und Teamfähigkeit (acht Prozent) meist ausreichend vorhanden.
Viele Unternehmen fordern eine bessere Ausstattung der Schulen. 90 Prozent wünschen sich mehr anwendungsorientiertes Lernen, zwei Drittel eine engere Zusammenarbeit zwischen Schule und Betrieb sowie mehr Investitionen in Personal und Infrastruktur.
„Unsere Unternehmen wollen ausbilden. Dafür brauchen Sie aber bessere Rahmenbedingungen“, so Dr. Waasner. „Es fehlen nicht nur konjunkturelle Impulse. Unsere Unternehmen müssen sich auch darauf verlassen können, dass die angehenden Azubis in den allgemeinbildenden Schulen das notwendige Rüstzeug mitbekommen. Engagierte Lehrer treffen viel zu oft auf eine inadäquate technische und digitale Ausstattung.“ Sowohl Schulen als auch Unternehmen brauchen darüber hinaus mehr Unterstützung bei der Integration von jungen Menschen mit Migrationshintergrund.
Besorgniserregend ist die hohe Zahl an Jugendlichen, die ohne formale Qualifikation ins Berufsleben starten wollen. „Das hat sicher auch etwas damit zu tun, dass sich viele nicht gut in den Angeboten der Berufsorientierung zurechtfinden“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Brehm. Noch einen Schritt weiter geht IHK-Präsident Dr. Waasner: „Wir brauchen daher eine verpflichtende und praxisorientierte Berufsorientierung als bundesweite Pflichtaufgabe an allen Schulen.“ Gymnasien etwa dürften nicht einseitig über das Studium, sondern müssten auch über die guten Perspektiven einer Ausbildung informieren.
IHK-AusbildungsScouts bringen Praxis in die Schulen
„Eine berufliche Ausbildung bietet dank ihrer Durchlässigkeit und den vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten mit Abschlüssen, die dem Bachelor oder Master gleichgestellt sind, eine echte Zukunftsperspektive“, so Dr. Waasner. Umso wichtiger sei es, dass Schulabgänger dieses Angebot auch kennen.
Mit den AusbildungsScouts gibt es auch seitens der IHK ein erfolgreiches Angebot zur Berufsorientierung. „Hier berichten echte Azubis aus der Region über ihre Erfahrungen. Das ist Berufsorientierung auf Augenhöhe“, so Brehm.
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Tandem-Reihe “Wissenschaft & Praxis” beschäftigt sich mit Nachhaltigkeit in der Betriebsführung
Bringt es Vorteile, sich mit Nachhaltigkeit im Unternehmen zu beschäftigen? Vor welchen Herausforderungen stehen Betriebe dabei? Die Tandem-Reihe „Wissenschaft & Praxis“ von Otto-Friedrich-Universität Bamberg, IHK für Oberfranken Bayreuth und Handwerkskammer für Oberfranken gab bei der Diskussion unter dem Titel „Daten, Druck und Durchblick – Unternehmerische Nachhaltigkeit zwischen Anspruch und Alltag“ allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Einblick in verschiedene Herangehensweisen, Erfahrungen und grundsätzliche Fragen.
Gemeinsam vertraten die Diskutierenden die Haltung, dass Nachhaltigkeit im Betrieb viele positive Effekte für die zukunftsorientierte Ausrichtung von Unternehmen und Betrieben bieten kann. Wichtig sei nur, die ersten Schritte zu wagen. Auf dem Podium waren Prof. Dr. Frank Schiemann, Inhaber des Lehrstuhls für BWL, insbesondere Controlling an der Universität Bamberg, Schreinermeister Johannes Lange, Geschäftsführer der HANNESLANGE GmbH & Co. KG aus Ebermannstadt, Nicole Wagner, Corporate Social Responsibility Managerin bei der GREIFF Mode GmbH & Co. KG aus Bamberg sowie Dr. Sergio Drawert, Technischer Leiter bei RZB Rudolf Zimmermann Bamberg GmbH, vertreten.
Als Basis der Diskussion diente eine Umfrage unter den Besucherinnen und Besuchern der TANDEM-Reihe 61 Prozent der Teilnehmenden an der Veranstaltung wären mit einer verpflichtenden Nachhaltigkeitsberichterstattung für Betrieb und Unternehmen einverstanden. Immerhin messen und steuern 39 Prozent Nachhaltigkeit bereits intern. Sie verbinden den Begriff „Nachhaltigkeit“ in erster Linie mit Verantwortung, Wettbewerbsfähigkeit und Zukunft. Die Praxispartner in der Diskussionsrunde sind da in ihren Betrieben schon ein Stück weiter, haben nachhaltige Elemente längst in ihre Unternehmensstrategie integriert.
Für Schreinermeister Johannes Lange steckt die Nachhaltigkeit automatisch in der DNA des Handwerks. Trotzdem sieht er sich als „Überzeugungstäter“ und hat in seinem Betrieb schon viele nachhaltige Projekte realisiert bei der Energieversorgung und Energieeinsparung, der Abfallentsorgung, der Nutzung regionaler Wertschöpfungsketten und bei der Reduktion von „grauer Energie“ beim Bau. Sein Credo „Nachhaltigkeit ist eine Herausforderung, die sich rentiert. Wenn man am Thema dranbleibt, kommt am Ende auch etwas Gutes heraus.“ Zudem sieht er einen weiteren Nutzen für seine Schreinerei „Unsere Kunden erleben unsere nachhaltige Arbeit direkt in der Werkstatt, sehen sie auf unserer Homepage und in den Social-Media-Kanälen. Auch dadurch entwickelt sich Vertrauen zum Betrieb.“ Eine Pflicht zur Berichterstattung sieht er dennoch kritisch „Für kleine Betriebe ist der Aufwand personell nicht machbar.“
Laut Nicole Wagner habe sich die GREIFF Mode GmbH & Co. KG für ihre Nachhaltigkeitsreise entschieden, um die vorhandenen Unternehmenswerte weiter zu stärken. „Wir arbeiten seit 2014 systematisch an unserer nachhaltigen Ausrichtung, allerdings ohne exakt ausgearbeiteten Leitfaden. Nachdem wir internationale Zulieferer haben, spielt die soziale Verantwortung zu den weltweiten Partnern eine Schlüsselrolle.“ So habe man die eigenen Standards auf ein gutes Niveau gebracht. Besonders bei der Transparenz der Lieferketten müsse man sich ständig weiterentwickeln. Das Textilunternehmen erstellt einmal im Jahr einen Social Report. „Zur Nachhaltigkeit gehört aber auf jeden Fall auch das Vertrauen von Kunden“, unterstreicht Wagner. Klar sei zudem: Mit oder ohne Leitfaden müsse man Nachhaltigkeit immer neu denken und an die eigenen Herausforderungen anpassen.
Beim Leuchtenhersteller RZB Rudolf Zimmermann, Bamberg GmbH ist Nachhaltigkeit längst zur Chefsache geworden. Der Technische Leiter Dr. Sergio Drawert schildert den Einstieg: „Für uns war es anfangs eine Überraschung, was wir in Sachen Nachhaltigkeit schon alles tun.“ Einer Pflicht-Berichterstattung steht er zwar positiv gegenüber, weist aber darauf hin, dass man auch das Personal dafür haben muss. Für sein Unternehmen sei die Erstellung aber ohnehin alternativlos, „denn gerade Großkunden fordern diesen Nachweis aktiv ein und sortieren Zulieferer auch hin und wieder aus, wenn sie nicht nachhaltig genug aufgestellt sind.“ Sein Tipp für die ersten Schritte: „Einfach mal anfangen! Besser mit wenig Inhalten starten als gar nicht.“
Die Tandem-Reihe „Wissenschaft & Praxis“ fördert den beidseitigen Transfer aus der Wissenschaft in die Betriebspraxis und umgekehrt. Deshalb beurteilte Prof. Dr. Frank Schiemann die genannten Praxisbeispiele anschließend aus wissenschaftlicher Sicht, ging auf die Vorteile einer nachhaltigen Unternehmensausrichtung ein und räumte auch einige Mythen zu dem Thema aus. „Für eine nachhaltige Ausrichtung sprechen der leichtere Zugang zu Finanzierungen, eine verbesserte Reputation und der langfristige Nutzen bei der strategischen Ausrichtung“, so der BWL-Professor. Zudem helfe der Nachhaltigkeitsgedanke beim frühzeitigen Erkennen von Risiken. Laut Schiemann heißt Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht gleich mehr Bürokratie, wenn man das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Auge behält. Und zuletzt: „Nachhaltigkeit im Unternehmen gefährdet nicht den Wirtschaftsstandort, sondern ist ein Teil der aktiven Zukunftssicherung für Betriebe.“
Tandem-Reihe “Wissenschaft & Praxis”
Die Tandemreihe ist eine Gemeinschaftsinitiative der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, der IHK für Oberfranken Bayreuth und der Handwerkskammer für Oberfranken. Sie bringt einmal pro Jahr Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Ziel ist es, den Austausch untereinander zu fördern und den beidseitigen Transfer von Wissen anzuregen.