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IHK für Oberfranken Bayreuth

IHK-Prä­si­dent Dr. Micha­el Waas­ner mahnt drin­gen­de Refor­men an

Ober­fran­ken: 15.252 Indus­trie­ar­beits­plät­ze seit 2019 verloren

Ober­fran­ken hat 15.252 Indus­trie­ar­beits­plät­ze seit dem Jahr 2019 ver­lo­ren, teilt die IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth mit und bezieht sich bei den Berech­nun­gen auf Daten des Baye­ri­schen Lan­des­am­tes für Sta­tis­tik zu den sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäftigten.

„Die Deindus­tria­li­sie­rung Ober­fran­kens schrei­tet unge­bremst vor­an“, warnt Dr. Micha­el Waas­ner, Prä­si­dent der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth. „Allei­ne von 2024 auf 2025 gin­gen 3.764 Indus­trie­ar­beits­plät­ze ver­lo­ren. Damit sum­mie­ren sich die Beschäf­tig­ten­ver­lus­te in der Indus­trie seit 2019 auf 15.252.“ Dr. Waas­ner mahnt drin­gend eine Ertüch­ti­gung des Stand­or­tes Deutsch­land an.

Der Beschäf­tig­ten­ab­bau um 15.252 oder 11,1 Pro­zent ent­spricht in etwa den Ein­woh­ner­zah­len von Städ­ten wie Kro­nach (16.600), Selb (14.700), Peg­nitz (13.700) oder Hirschaid (12.400). Hin­zu kom­me ein Abbau von 1.406 Beschäf­tig­ten seit 2019 bei den “wirt­schaft­li­chen Dienst­leis­tun­gen” – nicht zuletzt, weil Auf­trä­ge aus der Indus­trie ausblieben.


Zahl der Indus­trie­be­schäf­tig­ten in Ober­fran­ken auf his­to­ri­schem Tief

„Mit 121.545 hat die Zahl der Beschäf­tig­ten im Ver­ar­bei­ten­den Gewer­be einen his­to­ri­schen Tiefst­stand erreicht“, so Dr. Waas­ner. „Unse­re schlimms­ten Befürch­tun­gen sind lei­der eingetreten.“

Für die­se besorg­nis­er­re­gen­de Ent­wick­lung gebe es drei Haupt­grün­de: die schlech­ten Stand­ort­be­din­gun­gen für die Indus­trie, die unsi­che­ren inter­na­tio­na­len Märk­te und die Kri­se der deut­schen Auto­mo­bil­her­stel­ler, die voll auf die über 200 Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer in Ober­fran­ken durchschlage.

Zwar gebe es laut Berech­nun­gen der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth Zuwäch­se in ande­ren Wirt­schafts­zwei­gen, aber die reich­ten nicht aus, um die Ver­lus­te in der Indus­trie zu kom­pen­sie­ren, etwa in der öffent­li­chen Ver­wal­tung (+5.741 seit 2019), im Gesund­heits- und Sozi­al­we­sen (+3.342), im Bereich Ver­kehr und Logis­tik (+2.566), Erzie­hung und Unter­richt (+2.557) oder den frei­be­ruf­li­chen, wis­sen­schaft­li­chen und tech­ni­schen Dienst­leis­tun­gen (+2.134) Die Gesamt­zahl der sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ten ist zwi­schen 2019 und 2025 mit einem Plus mit 4.224 oder 1,0 Pro­zent noch leicht gestie­gen. Im ver­gan­ge­nen Jahr gin­gen in der Sum­me 1.858 Arbeits­plät­ze verloren.

Ber­lin habe ers­te Wei­chen gestellt, aber das rei­che bei wei­tem nicht aus. Dr. Waas­ner for­dert ent­schlos­se­nes Han­deln: „Arbeits­kos­ten, Steu­er- und Abga­ben­last sowie Büro­kra­tie müs­sen run­ter, Pla­nungs­si­cher­heit und Infra­struk­tur­aus­ga­ben rauf!“ Er erin­nert an die Agen­da 2010: Damals wur­de Deutsch­land vom „kran­ken Mann“ zur wirt­schaft­li­chen Loko­mo­ti­ve Euro­pas. Ober­fran­ken pro­fi­tier­te davon erheb­lich – die Arbeits­lo­sig­keit sank, die Beschäf­ti­gung stieg.

Aber nicht nur in Brüs­sel, Ber­lin und Mün­chen müss­ten die Wei­chen für die Zukunft gestellt wer­den, son­dern auch auf kom­mu­na­ler Ebe­ne. „Noch mehr als bis­her müs­sen auch in der Kom­mu­nal­po­li­tik bei jeder Ent­schei­dung Aus­wir­kun­gen auf den Stand­ort und die Wirt­schaft mit­ge­dacht wer­den”, so Dr. Waas­ner mit einem Appell an alle neu oder wie­der gewähl­ten Kom­mu­nal­po­li­ti­ke­rin­nen und ‑poli­ti­ker.

Deutsch­land brau­che Ant­wor­ten auf eine sich radi­kal ver­än­der­te Welt­ord­nung, den immer här­ter wer­den­den inter­na­tio­na­len Wett­be­werb und den demo­gra­fi­schen Wan­del. „Jetzt braucht es wie­der einen Kraft­akt, die Lage ist so ernst wie sel­ten zuvor“, macht Dr. Waas­ner deut­lich. „Wir brau­chen ein Jahr der Refor­men, eine Agen­da 2030, eine Agen­da für mehr Wachs­tum. Unse­re Unter­neh­men brau­chen wie­der eine ver­läss­li­che Zukunfts­per­spek­ti­ve. Und zwar jetzt!“

Ober­frän­ki­sche Wirt­schafts­kam­mern bezeich­nen Stim­mung als alarmierend

Ober­fran­ken braucht Taten, kei­ne Ankündigungen

Der Wirt­schafts­stand­ort Ober­fran­ken steht am Schei­de­weg. Daher müs­se die Regie­rung end­lich zu einem ech­ten Befrei­ungs­schlag anset­zen, so die Prä­si­den­ten der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth, der HWK für Ober­fran­ken und der IHK zu Coburg, Dr. Micha­el Waas­ner, Mat­thi­as Graß­mann und Dr. Andre­as Engel. Ohne Befrei­ungs­schlag kom­me die Wirt­schaft nicht aus der Kri­se, die Unter­neh­men war­te­ten auf den ver­spro­che­nen Wachstumsbooster.

Im April 2024 hat­ten die ober­frän­ki­schen Wirt­schafts­kam­mern gemein­sam im Rah­men einer Pres­se­kon­fe­renz in Kasen­dorf „Wirtschaft@Politik“ die Dring­lich­keit von wirt­schafts­po­li­ti­schen Refor­men unter­stri­chen. „Zwei Jah­re spä­ter ist die poli­ti­sche Bilanz abso­lut ernüch­ternd. Wir erken­nen wei­ter­hin kei­nen Wil­len zu gro­ßen, struk­tu­rel­len zukunfts­ori­en­tier­ten Refor­men“, resü­miert der Prä­si­dent der HWK für Ober­fran­ken, Mat­thi­as Graß­mann. Das Hand­werk blei­be zwar sta­bil, die Stim­mung aber sei abso­lut alar­mie­rend. Dr. Micha­el Waas­ner, Prä­si­dent der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth ergänzt: „Die Lage ist mehr als ernst. Seit 2019 sind im Ver­ar­bei­ten­den Gewer­be, also in der Indus­trie und im Pro­du­zie­ren­den Hand­werk, in Ober­fran­ken 11.500 Arbeits­plät­ze ver­lo­ren­ge­gan­gen.“ Nur noch 125.000 Men­schen arbei­ten in die­sem Bereich – so weni­ge wie nie zuvor.

Die drei Wirt­schafts­kam­mern ver­tre­ten rund 77.000 Unter­neh­men aus Indus­trie, Hand­werk, Han­del, Tou­ris­mus und Dienst­leis­tun­gen. Sie for­dern von der Bun­des­re­gie­rung end­lich einen kla­ren Kurs für den Stand­ort Deutsch­land. Dr. Andre­as Engel, Prä­si­dent der IHK zu Coburg, bringt es auf den Punkt: „Auf Sei­ten der Poli­tik dürf­te es längst kein Erkennt­nis­pro­blem mehr geben, dass höchs­ter Hand­lungs­druck herrscht, und es wur­den ja auch Refor­men und Ent­las­tun­gen ange­kün­digt – aber pas­siert ist viel zu wenig.“


Büro­kra­tie lähmt Betriebe

Büro­kra­tie, Ener­gie & Roh­stof­fe, Infra­struk­tur, Fach­kräf­te­si­che­rung, Steu­ern & Abga­ben und Pla­nungs­si­cher­heit – 2026 bestim­men noch die glei­chen Schlag­wor­te die Dis­kus­si­on, die die Wirt­schafts­kam­mern 2024 ver­stärkt in den Fokus gerückt haben. Dr. Engel: „Wir haben kei­ne Zeit mehr für wei­te­re Stol­per­schrit­te im Klein-Klein – unser Stand­ort braucht tief­grei­fen­de Refor­men zur Ver­bes­se­rung der Stand­ort­qua­li­tät, und zwar schnellstmöglich!“

Gera­de die jüngs­ten Dis­kus­sio­nen – Abschaf­fung des Anspruchs auf Teil­zeit­ar­beit („Life­style-Teil­zeit“), Erhö­hung der Erb­schafts­steu­er, Kür­zun­gen des Leis­tungs­ka­ta­logs bei der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se, Ein­be­zie­hung wei­te­rer Ein­künf­te in die Bei­trags­rech­nung – wür­den nur wei­ter das Kli­ma ver­gif­ten. „Außer­dem wird so jeder mög­li­che Reform­an­satz sofort zer­re­det. Die­ses Vor­ge­hen ist der schwie­ri­gen Lage abso­lut nicht ange­mes­sen“, kri­ti­siert Graßmann.

„Wir brau­chen eine Agen­da 2030 und kei­ne Poli­tik unko­or­di­nier­ter Ein­zel­maß­nah­men. Mit einem sol­chen Mas­ter­plan sol­len Inves­ti­tio­nen, Arbeits­vo­lu­men und Pro­duk­ti­vi­tät dau­er­haft gestärkt wer­den”, macht Dr. Waas­ner deut­lich. „Es kann doch nicht sein, dass schul­ter­zu­ckend zur Kennt­nis genom­men wird, dass durch die De-Indus­tria­li­sie­rung die Basis unse­res Wohl­stands schlei­chend ero­diert, dass Inves­ti­tio­nen immer wei­ter gekürzt wer­den, dass der Job­ab­bau an Tem­po gewinnt“, so Dr. Engel.

Auch bei den wei­te­ren Stich­wor­ten aus der Pres­se­kon­fe­renz 2024 „Wirtschaft@Politik“ sehen die ober­frän­ki­schen Indus­trie- und Han­dels­kam­mern und die Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken kaum Bewe­gung. Büro­kra­tie bleibt ein gro­ßes Hin­der­nis. „Es gibt vie­le Ankün­di­gun­gen, aber kaum ech­te Erleich­te­run­gen“, kri­ti­siert Graß­mann. Selbst ein­fa­che Maß­nah­men wie die Abschaf­fung der Bon­pflicht wur­den nicht umge­setzt. Die Fol­ge: Unter­neh­men ver­lie­ren Zeit und Geld durch unnö­ti­ge Vor­schrif­ten – und zudem längst die Geduld.

Infra­struk­tur: Hier zei­ge sich schon jetzt, dass nur Tei­le des soge­nann­ten Son­der­ver­mö­gens für Infra­struk­tur­maß­nah­men tat­säch­lich sach­ge­recht aus­ge­ge­ben wer­den. Graß­mann wei­ter: „Pla­nungs­si­cher­heit? Beim Hei­zungs­ge­setz etwa zeigt sich, wie wenig die Poli­tik auf die Wirt­schaft hört.“

„Die Stim­mung unter unse­ren Betrie­ben ist schlecht. Dies ändert sich nur, wenn die Poli­tik ihre dring­lichs­ten Haus­auf­ga­ben macht und die Regie­rung als ent­schlos­se­ne Ein­heit auf­tritt“, so Dr. Waas­ner. Als Fazit for­mu­liert er eine ein­deu­ti­ge Bot­schaft: „Der Herbst ist vor­bei, einen Herbst der Refor­men habe ich nicht wahr­ge­nom­men. Was wir wirk­lich brau­chen, ist kein Früh­ling der Dis­kus­sio­nen, kein Früh­ling der Dampf­plau­de­rei und erst recht kein Früh­ling neu­er Vor­schrif­ten, son­dern ein Früh­ling der Taten!“ Die Poli­tik müs­se jetzt han­deln, damit Ober­fran­ken und ganz Deutsch­land wie­der auf Kurs kommen.

Viel­falt als Chance

Neu­jahrs­emp­fang der IHK für Ober­fran­ken Bayreuth

Beim Neu­jahrs­emp­fang der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth betont Prä­si­dent Dr. Micha­el Waas­ner die schwie­ri­ge wirt­schaft­li­che Lage der Regi­on, ins­be­son­de­re den Ver­lust von Indus­trie­ar­beits­plät­zen und die Not­wen­dig­keit, Büro­kra­tie abzu­bau­en und die Wett­be­werbs­fä­hig­keit zu stär­ken. RTL-Mana­ge­rin Miri­jam Trunk hebt in ihrem Fest­vor­trag die Bedeu­tung von Viel­falt und Diver­si­tät in Unter­neh­men her­vor, die nach­weis­lich Inno­va­ti­on und Unter­neh­mens­er­folg fördere.

Die IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth hat ihren tra­di­tio­nel­len Neu­jahrs­emp­fang in der Even­ta­re­na Him­mel­kron aus­ge­rich­tet. Rund 200 Gäs­te aus Wirt­schaft, Poli­tik und Gesell­schaft nutz­ten in der Even­ta­re­na Him­mel­kron die Gele­gen­heit zu Aus­tausch und Stand­ort­be­stim­mung zum Jahresauftakt.

Dr. Waas­ner geht in sei­ner Anspra­che auf die aktu­el­le Wirt­schafts­la­ge in Ober­fran­ken ein. Seit 2019 hat die ober­frän­ki­sche Indus­trie 11.500 Arbeits­plät­ze ver­lo­ren, die Indus­trie beschäf­tigt so weni­ge Men­schen wie nie zuvor, nur noch rund 125.000. Einen Beschäf­tig­ten­zu­wachs gab es nur bei den Dienst­leis­tun­gen und vor allem in der öffent­li­chen Ver­wal­tung, wo 5.500 neue ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Stel­len ent­stan­den. Dr. Waas­ner: „Für jeden zwei­ten Arbeits­platz, der in der Indus­trie ver­lo­ren ging, ent­stand einer in der Ver­wal­tung. Mei­ne Damen und Her­ren, das ist kein nach­hal­ti­ges Wachs­tums­mo­dell!” Lei­der stim­men auch die wei­te­ren Per­spek­ti­ven wenig opti­mis­tisch. „Die ers­ten Trend­er­geb­nis­se der IHK-Kon­junk­tur­er­geb­nis­se zei­gen, dass bei den Erwar­tun­gen für 2026 Pes­si­mis­mus wei­ter­hin über­wiegt, wenn­gleich der Trend wie­der in die rich­ti­ge Rich­tung geht”, so der IHK-Präsident.


Ober­frän­ki­sche Wirt­schaft vor enor­men Herausforderungen

„Wir müs­sen uns fra­gen: Haben wir noch das rich­ti­ge Betriebs­sys­tem für unse­re Wirt­schaft? Oder lau­fen wir mit ver­al­te­ter Soft­ware, wäh­rend ande­re längst auf­ge­rüs­tet haben?”, so Dr. Waas­ner. Er geht auf die Her­aus­for­de­run­gen ein, vor denen die ober­frän­ki­sche Wirt­schaft steht. Der IHK-Prä­si­dent for­dert, Pla­nungs- und Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren zu beschleu­ni­gen und die Büro­kra­tie abzu­bau­en, Inves­ti­tio­nen zu erleich­tern, Unter­neh­men steu­er­lich zu ent­las­ten, Arbeits­an­rei­ze zu ver­bes­sern und die Infra­struk­tur end­lich auf das Niveau des 21. Jahr­hun­derts zu brin­gen. „Die Bereit­schaft, Ver­än­de­run­gen anzu­ge­hen, ist in der Gesell­schaft und in der Poli­tik noch zu schwach aus­ge­prägt. Wir müs­sen gemein­sam dar­an arbei­ten, die Wett­be­werbs­fä­hig­keit unse­rer Regi­on zu sichern.“


Unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven und Erfah­run­gen zusammenbringen

Ein beson­de­rer Höhe­punkt des Abends ist der Fest­vor­trag von Miri­jam Trunk, Chief Cross­me­dia Offi­cer, Chief Sus­taina­bi­li­ty & Diver­si­ty Offi­cer von RTL Deutsch­land und Best­sel­ler­au­torin. Unter dem Titel “Ver­schie­de­ne Köp­fe kom­men zu bes­se­ren Ergeb­nis­sen – wie Frau­en und Män­ner gemein­sam mehr Viel­falt in Unter­neh­men brin­gen“ spricht sie über die Bedeu­tung von Diver­si­tät für Inno­va­ti­on und Unter­neh­mens­er­folg. Trunk macht deut­lich: „Viel­falt ist viel mehr als Mann und Frau. Es geht dar­um, unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven und Erfah­run­gen zusam­men­zu­brin­gen, um bes­se­re Lösun­gen zu finden.“

Sie schil­dert anschau­lich, wie unbe­wuss­te Denk­mus­ter und gesell­schaft­li­che Prä­gun­gen die Arbeits­welt beein­flus­sen und wie wich­tig es ist, die­se zu hin­ter­fra­gen: „Wir alle haben Bil­der im Kopf, die unser Han­deln bestim­men. Ent­schei­dend ist, dass wir uns des­sen bewusst wer­den und aktiv dar­an arbei­ten, Viel­falt zu för­dern.“ In ihrem Vor­trag stellt sie gegen­über, wie unter­schied­lich bestimm­te Eigen­schaf­ten bei Frau­en und bei Män­nern inter­pre­tiert wer­den. Zei­ge ein Mann Emo­tio­nen, gel­te er als ener­gisch und ein­fühl­sam, eine Frau dage­gen als “hys­te­risch und gaga.” Zei­ge ein Mann wenig Emo­tio­nen, habe er sich im Griff, eine Frau dage­gen gel­te als eiskalt.

In Deutsch­land gel­te für Frau­en wei­ter­hin das Mot­to “Kind oder Kar­rie­re”. Nicht von unge­fähr sei Deutsch­land inter­na­tio­na­ler Spit­zen­rei­ter bei Teil­zeit­ar­beit. Auch hät­ten Kin­der für Frau­en spür­ba­re Aus­wir­kun­gen auf ihr Einkommen.


Viel­falt als stra­te­gi­sche Chan­ce begreifen

Unter­neh­men, die Diver­si­tät leben, sind nach­weis­lich inno­va­ti­ver und erfolg­rei­cher: „Mit einem viel­fäl­ti­gen Manage­ment erzie­len Unter­neh­men 19 Pro­zent mehr Inno­va­tio­nen”. So Trunk. „Es geht dar­um, Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen zu ent­wi­ckeln, die für alle Men­schen pas­sen – und damit neue Kun­den­grup­pen zu erschlie­ßen.“ Sie appel­liert an die Füh­rungs­kräf­te in Ober­fran­ken, Viel­falt als stra­te­gi­sche Chan­ce zu begrei­fen: „Viel­falt ist kein kurz­fris­ti­ger Trend, son­dern eine zen­tra­le Füh­rungs­auf­ga­be. Nur so kön­nen wir die Her­aus­for­de­run­gen des demo­gra­fi­schen Wan­dels und des Fach­kräf­te­man­gels meistern.“

Die gebür­ti­ge Bam­ber­ge­rin stu­dier­te Psy­cho­lo­gie, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft und Poli­tik in Mün­chen und Washing­ton D.C., absol­vier­te eine Aus­bil­dung an der Deut­schen Jour­na­lis­ten­schu­le in Mün­chen und arbei­te­te als Repor­te­rin beim Bay­ri­schen Rund­funk. Mit 27 wur­de die heu­te 34-jäh­ri­ge Geschäfts­füh­re­rin der Ber­tels­mann Audio Alli­ance und bau­te das Pod­cast-Geschäft des Unter­neh­mens auf, bevor sie RTL-Mana­ge­rin wurde.

Die Eli­te ihres Aus­bil­dungs­be­rufs im Freistaat

IHK ehr­te “Bay­ern­bes­te” aus dem Gre­mi­ums­be­zirk Bamberg

Bei einer Fei­er­stun­de auf Klos­ter Banz hat die IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth zwölf “Bay­ern­bes­te” geehrt. Sie alle haben ihre Aus­bil­dung im aktu­el­len Prü­fungs­jahr­gang als Bes­te ihres jewei­li­gen Aus­bil­dungs­be­rufs abge­schlos­sen und sind damit die Bes­ten im Frei­staat, wie die IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth mitteilt.

Mit Marie Hoh­le­weg aus Recken­dorf, Lisa-Marie Kül­le aus Bau­nach, Lui­sa Schrei­ber und Vanes­sa Neid aus Bam­berg und Nina Then aus Mem­mels­dorf kom­men dabei fünf “Bay­ern­bes­te” aus dem Bezirk des IHK-Gre­mi­ums Bamberg.

Die her­aus­ra­gen­de Leis­tung der “Bay­ern­bes­ten” wird unter ande­rem an den fol­gen­den Zah­len deut­lich: Rund 50.000 jun­ge Leu­te in etwa 200 Aus­bil­dungs­be­ru­fen sind in die­sem Prü­fungs­jahr­gang in ganz Bay­ern zu den IHK-Abschluss­prü­fun­gen ange­tre­ten. „Sie haben es in ihrem Beruf auf Platz 1 geschafft. Das ist eine außer­ge­wöhn­li­che Leis­tung, auf die Sie sehr stolz sein kön­nen”, macht der IHK-Prä­si­dent Dr. Micha­el Waas­ner bei der Ehrung deutlich.

Er beschei­nig­te den Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten Ein­satz, Kön­nen und Durch­hal­te­ver­mö­gen. „Sie haben nicht auf­ge­ge­ben und Stand­fes­tig­keit gezeigt”, sag­te er. Um den Wan­del und die damit ver­bun­de­nen Her­aus­for­de­run­gen bewäl­ti­gen zu kön­nen, sei­en Sta­bi­li­tät und Fle­xi­bi­li­tät not­wen­dig. Stän­di­ge Ver­än­de­run­gen sei­en mitt­ler­wei­le nicht mehr nur Beglei­ter im täg­li­chen Berufs­le­ben, son­dern Antrei­ber. Die­se Situa­ti­on gel­te es anzu­neh­men. Die “Bay­ern­bes­ten” hät­ten durch ihre Aus­bil­dung bes­te Vor­aus­set­zun­gen für einen erfolg­rei­chen Berufs­weg geschaf­fen. „Sie haben das siche­re Fun­da­ment, das Ihnen erlaubt, mutig Neu­es zu wagen und mög­li­che Rück­schlä­ge abzu­fe­dern”, so der Präsident.


Bil­dung als Schlüsselfaktor

Die stän­di­gen Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit sprach auch der ober­frän­ki­sche Regie­rungs­vi­ze­prä­si­dent Tho­mas Engel an. Egal ob Ener­gie­wen­de, Digi­ta­li­sie­rung, Kli­ma­wan­del, all das gel­te es zu bewäl­ti­gen. Bil­dung und Qua­li­fi­ka­ti­on sei­en dazu die Schlüs­sel­fak­to­ren. Alle “Bay­ern­bes­ten” aus dem Gre­mi­ums­be­zirk hät­ten ein­drucks­voll unter Beweis gestellt, dass sie Ver­ant­wor­tung für sich selbst und ihre beruf­li­che Zukunft über­neh­men können.

IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Wolf­ram Brehm sag­te: „Wir ehren nicht die Bes­ten, son­dern die Aller­bes­ten, sozu­sa­gen die Eli­te.” Das sei wahr­lich ein Grund stolz zu sein, zumal die­ser Erfolg die Absol­ven­ten ein Leben lang beglei­ten werde.

Ehrung der bes­ten Wei­ter­bil­dungs­ab­sol­ven­tin­nen und ‑absol­ven­ten

Acht Meis­ter­preis­trä­ge­rin­nen und ‑trä­ger aus dem Raum Bamberg

Die 49 bes­ten der 425 Wei­ter­bil­dungs­ab­sol­ven­tin­nen und ‑absol­ven­ten, die ihren Abschluss bei der IHK für Ober­fran­ken gemacht haben, wur­den mit dem Meis­ter­preis der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung aus­ge­zeich­net, dar­un­ter auch acht aus dem Ein­zugs­ge­biet des IHK-Gre­mi­ums Bamberg.

Als gro­ßes Schwer­punkt­the­ma der Indus­trie- und Han­dels­kam­mer für Ober­fran­ken Bay­reuth hat deren Vize­prä­si­dent Micha­el Bit­zin­ger die Stär­kung der beruf­li­chen Bil­dung bezeich­net. Bei der Ehrung der Meis­ter­preis­trä­ger in Bay­reuth sagt der Vize­prä­si­dent: Wir wol­len zei­gen, was die beruf­li­che Bil­dung kann: Sie bringt her­vor­ra­gend qua­li­fi­zier­te Fach­kräf­te her­vor und trägt dazu bei, die Zukunft unse­res Wirt­schafts­stand­orts Ober­fran­ken zu stär­ken. Alle Meis­ter­preis­trä­ger hät­ten Her­aus­ra­gen­des geleis­tet, so Bit­zin­ger. Er bezeich­net die Absol­ven­ten als Aus­hän­ge­schil­der der beruf­li­chen Bil­dung. Der Abschluss selbst sei ein ech­ter Meilenstein.

Die Prü­fun­gen hat­ten dies­mal 425 Absol­ven­ten in 14 ver­schie­de­nen Abschlüs­sen bestan­den. Beson­ders gefragt waren die Wei­ter­bil­dun­gen zum Wirt­schafts­fach­wirt und zum Indus­trie­meis­ter Metall. 49 der 425 Absol­ven­ten wur­den mit dem Meis­ter­preis der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung aus­ge­zeich­net. Die­sen Preis erhal­ten jeweils die 20 Pro­zent Prü­fungs­bes­ten einer Fach­rich­tung, sofern sie min­des­tens ein gut als Abschluss­no­te erzielt haben. Alle Absol­ven­ten erhal­ten zudem den Meis­ter­bo­nus der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung, er beträgt der­zeit 3000 Euro pro Person.

“Lebens­lan­ges Ler­nen” viel mehr als nur ein Schlagwort

Nichts ist so bestän­dig wie der Wan­del, zitiert IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Wolf­ram Brehm den grie­chi­schen Phi­lo­so­phen Hera­klit. Gefühlt erfin­de sich die Welt täg­lich neu: Ges­tern noch Fax­ge­rät, heu­te schon KI-gesteu­er­tes Pro­jekt­ma­nage­ment. Ges­tern noch Meis­ter­brief auf Per­ga­ment, heu­te digi­ta­le Kom­pe­tenz­zer­ti­fi­ka­te auf Lin­ke­dIn.” Aber genau dafür stün­den die Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten: Dafür, dass lebens­lan­ges Ler­nen kein lee­res Schlag­wort ist, son­dern geleb­te Rea­li­tät. Den Meis­ter­preis­trä­gern gibt der IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer mit auf den Weg: Blei­ben Sie neu­gie­rig, blei­ben Sie mutig und behal­ten Sie Ihren Humor, gera­de dann, wenn die KI mal wie­der denkt, sie kön­ne Ihren Job bes­ser machen.

Sich den Ver­än­de­run­gen zu stel­len und Her­aus­for­de­run­gen anzu­neh­men, dazu ruft der ober­frän­ki­sche Regie­rungs­vi­ze­prä­si­dent Tho­mas Engel die Absol­ven­ten auf. Als eine der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen für die ober­frän­ki­sche Wirt­schaft bezeich­ne­te er die Gewin­nung von Fach- und Füh­rungs­kräf­ten. Als Prü­fungs­bes­te hät­ten die Meis­ter­preis­trä­ger ihre her­aus­ra­gen­de Leis­tungs­be­reit­schaft und ihr beson­de­res Enga­ge­ment ein­drucks­voll unter Beweis gestellt.

Acht erfolg­rei­che Meis­ter­preis­trä­ger aus dem Raum Bamberg

Die Meis­ter­preis­trä­ger aus dem Bereich des IHK-Gre­mi­ums Bam­berg sind: Ele­na Hack (Pett­stadt), Niklas Kalb (Bam­berg), Sophie Mar­tins (Hall­stadt), Rag­na Schal­ler (Brei­ten­güß­bach), Adria­ne Seitz (Frens­dorf), Anne Stöhr (Zap­fen­dorf), Lau­ra Weiß (Bam­berg) und Kath­rin Zeich­ner (Bam­berg).

Kon­junk­tur­be­fra­gung der IHK für Ober­fran­ken Bayreuth

Wenig Bewe­gung in Bam­bergs Konjunktur

Wäh­rend die Bam­ber­ger Unter­neh­men in der aktu­el­len Kon­junk­tur­be­fra­gung der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth die aktu­el­le Geschäfts­la­ge ins­ge­samt aus­ge­gli­chen bewer­ten, fal­len die Erwar­tun­gen eher pes­si­mis­tisch aus. Der IHK-Kon­junk­tur­kli­ma­in­dex für die Regi­on Bam­berg liegt bei 95 Punkten.

Der Kon­junk­tur­kli­ma­in­dex hat sich seit etwa fünf Jah­ren bei 100 Punk­ten ein­ge­pen­delt, lag in den Jah­ren zuvor aber meist rund 20 Punk­te höher. 29 Pro­zent der befrag­ten Unter­neh­men aus Stadt und Land­kreis Bam­berg bewer­ten in der IHK-Kon­junk­tur­be­fra­gung ihre aktu­el­le Geschäfts­la­ge gut, 28 Pro­zent negativ.

„Ins­ge­samt zeigt sich die Wirt­schaft im Raum Bam­berg in den letz­ten bei­den Jah­ren rela­tiv sta­bil und damit recht unbe­ein­druckt von den zahl­rei­chen kurz­fris­ti­gen Ent­wick­lun­gen. Trotz­dem gibt es auch bei uns zuneh­mend Luft nach oben“, erläu­tert Her­bert Grim­mer, Vor­sit­zen­der des IHK-Gre­mi­ums Bam­berg. So geben 40 Pro­zent der Unter­neh­men an, dass ihr Auf­trags­vo­lu­men im Inland im ver­gan­ge­nen Halb­jahr gesun­ken ist, nur 18 Pro­zent berich­ten von einer posi­ti­ven Ent­wick­lung. Poten­zi­al gibt es auch bei der Aus­las­tung. Nur 28 Pro­zent berich­ten von einer vol­len Aus­las­tung, 30 Pro­zent von einer nicht aus­rei­chen­den Auslastung.


Beschäf­tig­ten­ab­bau erwartet

Für die kom­men­den zwölf Mona­te erwar­ten nur 18 Pro­zent der Unter­neh­me­rin­nen und Unter­neh­mer aus der Regi­on Bam­berg eine Ver­bes­se­rung ihrer Geschäfts­la­ge, eine Ver­schlech­te­rung pro­gnos­ti­zie­ren dage­gen 29 Pro­zent. Im Ver­gleich zur Früh­jahrs­um­fra­ge wird die Grup­pe der Opti­mis­ten klei­ner. Zuletzt über­wo­gen bei der IHK-Kon­junk­tur­um­fra­ge im Früh­jahr 2022 eine posi­ti­ve Erwar­tungs­hal­tung der Unternehmen.

Die­ser Pes­si­mis­mus bleibt nicht ohne Aus­wir­kun­gen auf die Beschäf­tig­ten­pla­nun­gen: Wäh­rend nur neun Pro­zent der Bam­ber­ger Unter­neh­men ihre Beschäf­tig­ten­zahl in den kom­men­den zwölf Mona­ten erhö­hen wol­len, gehen 31 Pro­zent von einem Beschäf­tig­ten­rück­gang aus.

Auf sta­bi­lem Niveau blei­ben die geplan­ten Inlands­in­ves­ti­tio­nen. Unter­neh­men, die mehr Inves­ti­tio­nen pla­nen (20 Pro­zent), hal­ten sich mitt­ler­wei­le die Waa­ge mit Unter­neh­men, die ihre Inves­ti­tio­nen zurück­fah­ren möch­ten (19 Prozent).

„Aktu­ell spü­ren die Unter­neh­men viel Gegen­wind. Für eine posi­ti­ve wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung und einen nach­hal­ti­gen Auf­schwung braucht es mehr als eine Wei­chen­stel­lung in der Poli­tik, es braucht eine ech­te Kehrt­wen­de!“, so Grim­mers Appell an die Poli­tik. “Man muss unse­re Unter­neh­me­rin­nen und Unter­neh­mer aber auch machen lassen!”

IHK-Ver­an­stal­tung: Zukunfts­mo­bi­li­tät – Wenn Gam­ing und Auto­mo­bil verschmelzen

Gam­ing im Auto: Wie Video­spie­le die Mobi­li­tät verändern

Die IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth hat im Rah­men einer Ver­an­stal­tung zwei Wel­ten zusam­men­ge­bracht: Auto­mo­bi­ler und Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer auf der einen sowie die Gam­ing­bran­che auf der ande­ren Seite.

„Unser Ziel war es, ein­mal bewusst zwei Bran­chen zusam­men­zu­brin­gen, die mehr Anknüp­fungs­punk­te haben, als man gemein­hin glaubt”, so Dr. Domi­nik Erhard, IHK-Ansprech­part­ner für Inno­va­ti­on, Tech­no­lo­gie und gewerb­li­che Schutzrechte.

Schon als Kin­der ler­nen wir durch Spie­len, ent­de­cken Neu­es und knüp­fen Freund­schaf­ten. Längst sind Video­spie­le für vie­le Men­schen All­tag – unab­hän­gig vom Alter. Jetzt erobert Gam­ing sogar das Auto. Beim Auto­mo­ti­ve- und Gam­ing-Dia­log­fo­rum der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth in Bam­berg wur­de deut­lich: Gam­ing im Auto ist kei­ne Zukunfts­mu­sik mehr. Die Gam­ing­bran­che ist heu­te gewich­ti­ger als Hol­ly­wood und die Musik­in­dus­trie zusam­men, so Ser­kan Yüce­bas, Exper­te für In-Car-Gam­ing. Sei­ne Visi­on: Das Auto wird zum digi­ta­len Erlebnisraum.


Sicher­heit steht an ers­ter Stelle

Wir war­ten oft im Auto – beim Laden, im Stau oder vor der Schu­le, berich­tet Yüce­bas. Meist schau­en wir dann aufs Han­dy. Er nennt das Mäu­se­ki­no. Künf­tig sol­len gro­ße Bild­schir­me, beque­me Sit­ze und smar­te Tech­nik das Auto zum zwei­ten Wohn­zim­mer machen. Er ver­deut­licht: 37,5 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land spie­len regel­mä­ßig Video­spie­le. Das Durch­schnitts­al­ter liegt bei 39,5 Jah­ren. Gam­ing sei längst in der Mit­te der Gesell­schaft angekommen.

Auch die Wis­sen­schaft sieht Chan­cen. Die­se Tech­no­lo­gie erlaubt es, das Auto völ­lig neu zu defi­nie­ren, macht Psy­cho­lo­gie-Pro­fes­sor Claus-Chris­ti­an Car­bon von der Uni­ver­si­tät Bam­berg deut­lich. Pro­fes­sor Bene­dikt Morsch­heu­ser, eben­falls Uni Bam­berg, betont: Es geht dar­um, Spiel­erleb­nis­se zu schaf­fen, die im Auto mehr Spaß machen als zu Hau­se. Das Fahr­zeug selbst wird Teil des Spiels – etwa durch Bewe­gung oder die Nut­zung von Fahrdaten.

Paul Redetz­ky vom Ent­wick­ler­stu­dio Emer­go Enter­tain­ment for­dert eige­ne Spiel­wel­ten für das Auto. So wie der Game­boy oder Poke­mon neue Wege eröff­net haben, braucht es auch für das Auto eige­ne Ideen.

Chris­ti­an Meis­ter vom Netz­werk Ofra­Car hebt her­vor: Unse­re Unter­neh­men in Ober­fran­ken sind offen für Gam­ing im Auto und brin­gen das nöti­ge Know-how mit. Aller­dings müss­ten Pro­zes­se schnel­ler wer­den, um mit dem asia­ti­schen Markt Schritt zu hal­ten. Es fehlt an Mut und Inves­ti­tio­nen, sind sich die Exper­ten einig. Yüce­bas ergänzt: Die Zulie­fe­rer machen einen tol­len Job, aber die Her­stel­ler müs­sen den nächs­ten Schritt wagen.

Die Sicher­heit aller Ver­kehrs­teil­neh­mer hat natür­lich obers­te Prio­ri­tät. Des­halb wird In-Car-Gam­ing in der Regel nur im ste­hen­den Fahr­zeug akti­viert – etwa wäh­rend einer Lade­pau­se oder beim War­ten. Eini­ge Sys­te­me sind zusätz­lich mit Fah­rer­über­wa­chung aus­ge­stat­tet: Erkennt die Kame­ra, dass die Augen des Fah­rers nicht auf der Stra­ße blei­ben, wird der Bild­schirm auto­ma­tisch deaktiviert.


Von Spiel­spaß bis Smart Mobility

In Asi­en ist Gam­ing im Auto schon All­tag, in Deutsch­land steckt es noch in den Kin­der­schu­hen. Ers­te Sys­te­me gibt es vor allem in Pre­mi­um­fahr­zeu­gen. Tech­nisch mög­lich sind heu­te schon: Als Bei­spie­le wer­den sei­tens der Exper­ten genannt:

- Bewe­gungs­sit­ze, die bei Renn­spie­len vibrieren

- Luft­strö­me, die sich der Geschwin­dig­keit anpassen

- Beleuch­tung, die auf das Spiel reagiert

- Mul­ti­play­er-Spie­le für die Rückbank

- Künst­li­che Intel­li­genz, die Sehens­wür­dig­kei­ten erkennt

- Inter­ak­ti­ve Zei­chen­pads für Kinder

- Karao­ke-Modus.

Gera­de wäh­rend des Lade­vor­gangs von E‑Autos schafft Gam­ing neue Mög­lich­kei­ten, War­te­zei­ten sinn­voll zu nutzen.


Neue Chan­cen für Unternehmen

Auch Unter­neh­men pro­fi­tie­ren: Gami­fi­ca­ti­on kann den Auto­kauf zum Erleb­nis machen. Spie­le hel­fen, Kun­den­wün­sche bes­ser zu ver­ste­hen – etwa, wenn ver­schie­de­ne Fel­gen­de­signs getes­tet wer­den. Gam­ing bie­tet zudem neue Wer­be­flä­chen und Sponsoringmöglichkeiten.

Das Auto von mor­gen ist nicht nur elek­trisch und ver­netzt – es wird auch zum Spiel­platz. Die Ver­bin­dung von Gam­ing und Mobi­li­tät schafft neue Wege für Kun­den­bin­dung, Mar­ken­kom­mu­ni­ka­ti­on und Frei­zeit­ge­stal­tung. Gemein­sam mit Part­nern wie Ofra­Car, Lagarde1 oder den Wirt­schafts­ju­nio­ren Bay­ern hat die IHK für Ober­fran­ken bei­de Bran­chen zusam­men­ge­bracht und för­dert Inno­va­tio­nen in der Regi­on. Dr. Erhard: “Expe­ri­ment gelungen!”

Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer bre­chen ein – Han­del und Gas­tro­no­mie ohne Nachwuchs

Aus­bil­dungs­markt in Schief­la­ge: Rück­läu­fi­ge IHK-Zahlen

Trotz einer gro­ßen Zahl an unbe­setz­ten Aus­bil­dungs­plät­zen sinkt die Zahl der neu ein­ge­tra­ge­nen Aus­bil­dungs­ver­hält­nis­se bei den Mit­glieds­un­ter­neh­men der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth in den ers­ten sie­ben Mona­ten des Jah­res gegen­über 2024 spür­bar um 15 Pro­zent auf 1.908, wie die Kam­mer mitteilt.

Stieg die Zahl der Neu­ein­tra­gun­gen von Aus­bil­dungs­ver­hält­nis­sen seit 2021 im Ein­zugs­ge­biet der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth von 1.968 im Jahr 2000 auf 2.372 im Jahr 2024 kon­ti­nu­ier­lich an (jeweils bis 31. Juli), folg­te 2024 ein jäher Absturz auf 1.908 Neu­ein­tra­gun­gen. Da spielt natür­lich die Tat­sa­che hin­ein, dass es 2025 kaum Abitur­prü­fun­gen gibt. Das erklärt aber gera­de mal ein knap­pes Vier­tel des Rück­gangs von 464 Neueintragungen.

„Also haben wir uns auf die Suche bege­ben“, so IHK-Pres­se­spre­cher Peter Beli­na. Schließ­lich sei es sehr ernüch­ternd, wenn die IHK-Zah­len einen deut­li­chen Rück­gang bei den neu unter­schrie­be­nen Aus­bil­dungs­zah­len auf­zei­gen, man zwar Ver­mu­tun­gen für die Haupt­ur­sa­chen hat, den Zah­len aber nicht die Infor­ma­ti­on ent­lo­cken kann, war­um das so ist. Zusam­men mit Aus­bil­dungs­be­ra­ter Mat­thi­as Rank und Roman Rie­mer von der IT wur­den die IHK-Daten zur Aus­bil­dung 2024 und 2025 im Detail ana­ly­siert. Da wur­de dann rela­tiv schnell klar, war­um 2025 im Ver­gleich zum Vor­jahr spür­bar weni­ger Aus­bil­dungs­ver­trä­ge unter­schrie­ben wurden.


Kri­se bei Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rern bleibt nicht ohne Kon­se­quen­zen bei Ausbildung

„Haupt­grund ist der dra­ma­ti­sche Ein­bruch der Aus­bil­dungs­zah­len bei den Aus­bil­dungs­be­trie­ben im Bereich der Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer. Fünf unse­rer zehn wich­tigs­ten Aus­bil­dungs­be­trie­be gehö­ren zu die­ser Spar­te“, so Beli­na. „Das zeigt, wie sehr die­se Bran­che unter Druck steht.“ Die schlech­te Kon­junk­tur­la­ge trifft – wenn auch etwas abge­schwächt – auch den Ener­gie­sek­tor, den Maschi­nen­bau und die Medi­zin­tech­nik. „Bei die­sen drei Bran­chen gibt es aber einen ele­men­ta­ren Unter­schied zu den Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rern: Hier gibt es auch Unter­neh­men mit mehr Neu­ein­tra­gun­gen als im Vorjahr.“

„Bei zwei wei­te­ren Bran­chen haben wir eine grö­ße­re Zahl von Unter­neh­men gefun­den mit spür­bar rück­läu­fi­gen Neu­ein­tra­gun­gen, im Han­del und im Gas­tro­no­mie­be­reich“, ergänzt IHK-Aus­bil­dungs­be­ra­ter Mat­thi­as Rank. „Die Ursa­che ist hier aber eine ganz ande­re. Hier han­delt es sich um Bran­chen mit einer hohen Zahl an unbe­setz­ten Aus­bil­dungs­plät­zen. Die Unter­neh­men wür­den ger­ne deut­lich mehr aus­bil­den, fin­den aber kei­nen Nach­wuchs.“ Mit­tel­fris­tig dro­he den Betrie­ben eine spür­ba­re Fachkräftelücke.


Schlech­te Idee: Ohne Aus­bil­dung oder Stu­di­um ins Berufs­le­ben starten

Mit Sor­ge beob­ach­tet Rank den Trend, dass immer mehr Jugend­li­che weder stu­die­ren noch eine Aus­bil­dung antre­ten. „Unge­lernt arbei­ten zu gehen, mag im ers­ten Moment ver­lo­ckend sein, schließ­lich ver­dient man mehr Geld als wäh­rend der Aus­bil­dung“, so Rank. „Aber die­se Situa­ti­on dreht sich nach der Aus­bil­dung sehr schnell um, von der Arbeits­platz­si­cher­heit gar nicht zu reden.“ Wäh­rend jemand in Deutsch­land mit abge­schlos­se­ner Berufs­aus­bil­dung laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt 2022 im Schnitt 3.521 Euro ver­dient und mit Zusatz­qua­li­fi­zie­rung, etwa als Meis­te­rin, Fach­wirt, Fach­kauf­frau oder Ope­ra­ti­ve Pro­fes­sio­nal 4.826 Euro, beträgt das Ein­kom­men bei Per­so­nen ohne beruf­li­chen Aus­bil­dungs­ab­schluss im Schnitt gera­de mal 2.817 Euro. „Die beruf­li­che Aus­bil­dung ist nicht nur der Grund­stein für ein siche­res Ein­kom­men, son­dern auch für eine sta­bi­le Erwerbs­kar­rie­re“, macht Rank deutlich.

„Über ein Drit­tel aller Aus­bil­dungs­plät­ze ist nach wie vor nicht besetzt. Wer sich also spon­tan dazu ent­schließt, eine Aus­bil­dung zu begin­nen, wen­det sich ent­we­der an die Agen­tur für Arbeit oder direkt an ein Aus­bil­dungs­un­ter­neh­men“, so Rank. „Ganz wich­tig: Auch nach dem offi­zi­el­len Aus­bil­dungs­be­ginn am 1. Sep­tem­ber ist noch ein Ein­stieg in die beruf­li­che Aus­bil­dung möglich!“

Unter­neh­men sehen oft Män­gel bei Ausbildungsreife

Bewer­ber­man­gel bremst Aus­bil­dungs­markt in Ober­fran­ken aus

Die Rezes­si­on hat nach dem Arbeits- auch den Aus­bil­dungs­markt erreicht, wie die IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth mit­teilt. Vie­len Unter­neh­men feh­le für eine Aus­bil­dung ein­fach die wirt­schaft­li­che Per­spek­ti­ve. Trotz­dem bleibt es für die Aus­bil­dungs­un­ter­neh­men die größ­te Her­aus­for­de­rung, über­haupt Aus­zu­bil­den­de zu fin­den, wie eine aktu­el­le Umfra­ge der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth unter ihren Mit­glieds­un­ter­neh­men deut­lich macht.

Die IHK-Umfra­ge zeigt: Nur 14 Pro­zent der Betrie­be wol­len zum Aus­bil­dungs­jahr 2025/​/​26 mehr Aus­bil­dungs­plät­ze schaf­fen als im Vor­jahr, 28 Pro­zent haben das Ange­bot ver­rin­gert. Haupt­grund sind feh­len­de wirt­schaft­li­che Per­spek­ti­ven und finan­zi­el­le Mit­tel. „Das ver­schärft den Fach­kräf­te­man­gel wei­ter, denn auf einen Schul­ab­gän­ger kom­men aktu­ell fast zwei Baby-Boo­mer, die in den Ruhe­stand gehen“, macht Dr. Micha­el Waas­ner deut­lich, Prä­si­dent der IHK für Ober­fran­ken Bayreuth.

„Nicht besetz­te Aus­bil­dungs­plät­ze sind ein Rie­sen­pro­blem“, bestä­tigt Wolf­ram Brehm, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth. 57 Pro­zent der befrag­ten IHK-Aus­bil­dungs­be­trie­be haben für das Aus­bil­dungs­jahr 2025/​/​26 kei­ne ein­zi­ge Bewer­bung erhal­ten, bun­des­weit liegt der Anteil bei 48 Prozent.


Bes­se­re Rah­mend­be­din­gun­gen für Schu­len und Betrie­be gefordert

Neben dem Man­gel an Bewer­bun­gen sehen die Unter­neh­men auch Defi­zi­te bei der Aus­bil­dungs­rei­fe. Dr. Waas­ner: „Beson­ders wich­tig aus Sicht der Unter­neh­men sind dabei das Arbeits- und Sozi­al­ver­hal­ten, gefolgt von der grund­le­gen­den men­ta­len Leis­tungs­fä­hig­keit.“ Beson­ders häu­fig wer­den sei­tens der Aus­bil­de­rin­nen und Aus­bil­der Defi­zi­te bei Dis­zi­plin (63 Pro­zent) und Belast­bar­keit (59 Pro­zent) genannt. Dage­gen sind grund­le­gen­de IT- und Medi­en­kennt­nis­se (nur sechs Pro­zent mit Män­geln) und Team­fä­hig­keit (acht Pro­zent) meist aus­rei­chend vorhanden.

Vie­le Unter­neh­men for­dern eine bes­se­re Aus­stat­tung der Schu­len. 90 Pro­zent wün­schen sich mehr anwen­dungs­ori­en­tier­tes Ler­nen, zwei Drit­tel eine enge­re Zusam­men­ar­beit zwi­schen Schu­le und Betrieb sowie mehr Inves­ti­tio­nen in Per­so­nal und Infrastruktur.

„Unse­re Unter­neh­men wol­len aus­bil­den. Dafür brau­chen Sie aber bes­se­re Rah­men­be­din­gun­gen“, so Dr. Waas­ner. „Es feh­len nicht nur kon­junk­tu­rel­le Impul­se. Unse­re Unter­neh­men müs­sen sich auch dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass die ange­hen­den Azu­bis in den all­ge­mein­bil­den­den Schu­len das not­wen­di­ge Rüst­zeug mit­be­kom­men. Enga­gier­te Leh­rer tref­fen viel zu oft auf eine inad­äqua­te tech­ni­sche und digi­ta­le Aus­stat­tung.“ Sowohl Schu­len als auch Unter­neh­men brau­chen dar­über hin­aus mehr Unter­stüt­zung bei der Inte­gra­ti­on von jun­gen Men­schen mit Migrationshintergrund.

Besorg­nis­er­re­gend ist die hohe Zahl an Jugend­li­chen, die ohne for­ma­le Qua­li­fi­ka­ti­on ins Berufs­le­ben star­ten wol­len. „Das hat sicher auch etwas damit zu tun, dass sich vie­le nicht gut in den Ange­bo­ten der Berufs­ori­en­tie­rung zurecht­fin­den“, so IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Brehm. Noch einen Schritt wei­ter geht IHK-Prä­si­dent Dr. Waas­ner: „Wir brau­chen daher eine ver­pflich­ten­de und pra­xis­ori­en­tier­te Berufs­ori­en­tie­rung als bun­des­wei­te Pflicht­auf­ga­be an allen Schu­len.“ Gym­na­si­en etwa dürf­ten nicht ein­sei­tig über das Stu­di­um, son­dern müss­ten auch über die guten Per­spek­ti­ven einer Aus­bil­dung informieren.


IHK-Aus­bil­dungs­Scouts brin­gen Pra­xis in die Schulen

„Eine beruf­li­che Aus­bil­dung bie­tet dank ihrer Durch­läs­sig­keit und den viel­fäl­ti­gen Wei­ter­bil­dungs­mög­lich­kei­ten mit Abschlüs­sen, die dem Bache­lor oder Mas­ter gleich­ge­stellt sind, eine ech­te Zukunfts­per­spek­ti­ve“, so Dr. Waas­ner. Umso wich­ti­ger sei es, dass Schul­ab­gän­ger die­ses Ange­bot auch kennen.

Mit den Aus­bil­dungs­Scouts gibt es auch sei­tens der IHK ein erfolg­rei­ches Ange­bot zur Berufs­ori­en­tie­rung. „Hier berich­ten ech­te Azu­bis aus der Regi­on über ihre Erfah­run­gen. Das ist Berufs­ori­en­tie­rung auf Augen­hö­he“, so Brehm.

Tan­dem-Rei­he “Wis­sen­schaft & Pra­xis” beschäf­tigt sich mit Nach­hal­tig­keit in der Betriebsführung

Bringt es Vor­tei­le, sich mit Nach­hal­tig­keit im Unter­neh­men zu beschäf­ti­gen? Vor wel­chen Her­aus­for­de­run­gen ste­hen Betrie­be dabei? Die Tan­dem-Rei­he „Wis­sen­schaft & Pra­xis“ von Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg, IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth und Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken gab bei der Dis­kus­si­on unter dem Titel „Daten, Druck und Durch­blick – Unter­neh­me­ri­sche Nach­hal­tig­keit zwi­schen Anspruch und All­tag“ allen Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern einen Ein­blick in ver­schie­de­ne Her­an­ge­hens­wei­sen, Erfah­run­gen und grund­sätz­li­che Fragen.

Gemein­sam ver­tra­ten die Dis­ku­tie­ren­den die Hal­tung, dass Nach­hal­tig­keit im Betrieb vie­le posi­ti­ve Effek­te für die zukunfts­ori­en­tier­te Aus­rich­tung von Unter­neh­men und Betrie­ben bie­ten kann. Wich­tig sei nur, die ers­ten Schrit­te zu wagen. Auf dem Podi­um waren Prof. Dr. Frank Schie­mann, Inha­ber des Lehr­stuhls für BWL, ins­be­son­de­re Con­trol­ling an der Uni­ver­si­tät Bam­berg, Schrei­ner­meis­ter Johan­nes Lan­ge, Geschäfts­füh­rer der HANNESLANGE GmbH & Co. KG aus Eber­mann­stadt, Nico­le Wag­ner, Cor­po­ra­te Social Respon­si­bi­li­ty Mana­ge­rin bei der GREIFF Mode GmbH & Co. KG aus Bam­berg sowie Dr. Ser­gio Dra­wert, Tech­ni­scher Lei­ter bei RZB Rudolf Zim­mer­mann Bam­berg GmbH, vertreten.

Als Basis der Dis­kus­si­on dien­te eine Umfra­ge unter den Besu­che­rin­nen und Besu­chern der TAN­DEM-Rei­he 61 Pro­zent der Teil­neh­men­den an der Ver­an­stal­tung wären mit einer ver­pflich­ten­den Nach­hal­tig­keits­be­richt­erstat­tung für Betrieb und Unter­neh­men ein­ver­stan­den. Immer­hin mes­sen und steu­ern 39 Pro­zent Nach­hal­tig­keit bereits intern. Sie ver­bin­den den Begriff „Nach­hal­tig­keit“ in ers­ter Linie mit Ver­ant­wor­tung, Wett­be­werbs­fä­hig­keit und Zukunft. Die Pra­xis­part­ner in der Dis­kus­si­ons­run­de sind da in ihren Betrie­ben schon ein Stück wei­ter, haben nach­hal­ti­ge Ele­men­te längst in ihre Unter­neh­mens­stra­te­gie integriert.

Für Schrei­ner­meis­ter Johan­nes Lan­ge steckt die Nach­hal­tig­keit auto­ma­tisch in der DNA des Hand­werks. Trotz­dem sieht er sich als „Über­zeu­gungs­tä­ter“ und hat in sei­nem Betrieb schon vie­le nach­hal­ti­ge Pro­jek­te rea­li­siert bei der Ener­gie­ver­sor­gung und Ener­gie­ein­spa­rung, der Abfall­ent­sor­gung, der Nut­zung regio­na­ler Wert­schöp­fungs­ket­ten und bei der Reduk­ti­on von „grau­er Ener­gie“ beim Bau. Sein Cre­do „Nach­hal­tig­keit ist eine Her­aus­for­de­rung, die sich ren­tiert. Wenn man am The­ma dran­bleibt, kommt am Ende auch etwas Gutes her­aus.“ Zudem sieht er einen wei­te­ren Nut­zen für sei­ne Schrei­ne­rei „Unse­re Kun­den erle­ben unse­re nach­hal­ti­ge Arbeit direkt in der Werk­statt, sehen sie auf unse­rer Home­page und in den Social-Media-Kanä­len. Auch dadurch ent­wi­ckelt sich Ver­trau­en zum Betrieb.“ Eine Pflicht zur Bericht­erstat­tung sieht er den­noch kri­tisch „Für klei­ne Betrie­be ist der Auf­wand per­so­nell nicht machbar.“

Laut Nico­le Wag­ner habe sich die GREIFF Mode GmbH & Co. KG für ihre Nach­hal­tig­keits­rei­se ent­schie­den, um die vor­han­de­nen Unter­neh­mens­wer­te wei­ter zu stär­ken. „Wir arbei­ten seit 2014 sys­te­ma­tisch an unse­rer nach­hal­ti­gen Aus­rich­tung, aller­dings ohne exakt aus­ge­ar­bei­te­ten Leit­fa­den. Nach­dem wir inter­na­tio­na­le Zulie­fe­rer haben, spielt die sozia­le Ver­ant­wor­tung zu den welt­wei­ten Part­nern eine Schlüs­sel­rol­le.“ So habe man die eige­nen Stan­dards auf ein gutes Niveau gebracht. Beson­ders bei der Trans­pa­renz der Lie­fer­ket­ten müs­se man sich stän­dig wei­ter­ent­wi­ckeln. Das Tex­til­un­ter­neh­men erstellt ein­mal im Jahr einen Social Report. „Zur Nach­hal­tig­keit gehört aber auf jeden Fall auch das Ver­trau­en von Kun­den“, unter­streicht Wag­ner. Klar sei zudem: Mit oder ohne Leit­fa­den müs­se man Nach­hal­tig­keit immer neu den­ken und an die eige­nen Her­aus­for­de­run­gen anpassen.

Beim Leuch­ten­her­stel­ler RZB Rudolf Zim­mer­mann, Bam­berg GmbH ist Nach­hal­tig­keit längst zur Chef­sa­che gewor­den. Der Tech­ni­sche Lei­ter Dr. Ser­gio Dra­wert schil­dert den Ein­stieg: „Für uns war es anfangs eine Über­ra­schung, was wir in Sachen Nach­hal­tig­keit schon alles tun.“ Einer Pflicht-Bericht­erstat­tung steht er zwar posi­tiv gegen­über, weist aber dar­auf hin, dass man auch das Per­so­nal dafür haben muss. Für sein Unter­neh­men sei die Erstel­lung aber ohne­hin alter­na­tiv­los, „denn gera­de Groß­kun­den for­dern die­sen Nach­weis aktiv ein und sor­tie­ren Zulie­fe­rer auch hin und wie­der aus, wenn sie nicht nach­hal­tig genug auf­ge­stellt sind.“ Sein Tipp für die ers­ten Schrit­te: „Ein­fach mal anfan­gen! Bes­ser mit wenig Inhal­ten star­ten als gar nicht.“

Die Tan­dem-Rei­he „Wis­sen­schaft & Pra­xis“ för­dert den beid­sei­ti­gen Trans­fer aus der Wis­sen­schaft in die Betriebs­pra­xis und umge­kehrt. Des­halb beur­teil­te Prof. Dr. Frank Schie­mann die genann­ten Pra­xis­bei­spie­le anschlie­ßend aus wis­sen­schaft­li­cher Sicht, ging auf die Vor­tei­le einer nach­hal­ti­gen Unter­neh­mens­aus­rich­tung ein und räum­te auch eini­ge Mythen zu dem The­ma aus. „Für eine nach­hal­ti­ge Aus­rich­tung spre­chen der leich­te­re Zugang zu Finan­zie­run­gen, eine ver­bes­ser­te Repu­ta­ti­on und der lang­fris­ti­ge Nut­zen bei der stra­te­gi­schen Aus­rich­tung“, so der BWL-Pro­fes­sor. Zudem hel­fe der Nach­hal­tig­keits­ge­dan­ke beim früh­zei­ti­gen Erken­nen von Risi­ken. Laut Schie­mann heißt Nach­hal­tig­keits­be­richt­erstat­tung nicht gleich mehr Büro­kra­tie, wenn man das Kos­ten-Nut­zen-Ver­hält­nis im Auge behält. Und zuletzt: „Nach­hal­tig­keit im Unter­neh­men gefähr­det nicht den Wirt­schafts­stand­ort, son­dern ist ein Teil der akti­ven Zukunfts­si­che­rung für Betriebe.“


Tan­dem-Rei­he “Wis­sen­schaft & Praxis”

Die Tan­dem­rei­he ist eine Gemein­schafts­in­itia­ti­ve der Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg, der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth und der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken. Sie bringt ein­mal pro Jahr Wis­sen­schaft und Wirt­schaft zusam­men. Ziel ist es, den Aus­tausch unter­ein­an­der zu för­dern und den beid­sei­ti­gen Trans­fer von Wis­sen anzuregen.

Wei­te­re, stän­dig aktua­li­sier­te Infor­ma­tio­nen zu der Ver­an­stal­tungs­rei­he sind hier zu fin­den. 

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