Wirt­schaft im Raum Bam­berg trotzt schwie­ri­gen Rahmenbedingungen

Bam­ber­ger Wirt­schaft wächst – Indus­trie schwächelt

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Wirtschaft
Herbert Grimmer, Vorsitzender des IHK-Gremiums Bamberg. Foto: Ochsenphoto - Thorsten Ochs
Die Zahl der sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ten im Raum Bam­berg ist seit 2019, dem Jahr vor Coro­na, um 3.157 auf 97.770 ange­stie­gen, so die IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth in einer aktu­el­len regio­na­len Ana­ly­se. Die Stadt Bam­berg ver­zeich­ne­te ein Plus von 3.269 auf 57.747, der Land­kreis Bam­berg hin­ge­gen einen leich­ten Rück­gang um 112 auf 40.023 Beschäftigte.

Die IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth wirft einen genaue­ren Blick auf die Zah­len der Bun­des­agen­tur für Arbeit für die ein­zel­nen Bran­chen. Eine Ana­ly­se der ein­zel­nen Wirt­schafts­ab­schnit­te zeigt, dass in der Stadt Bam­berg die frei­be­ruf­li­chen, wis­sen­schaft­li­chen und tech­ni­schen Dienst­leis­tun­gen mit einem Beschäf­tig­ten­plus von 923, der Bereich Infor­ma­ti­on und Kom­mu­ni­ka­ti­on mit einem Plus von 646 und der Bereich Ver­kehr und Lage­rei mit 607 die höchs­ten Zuwäch­se ver­zeich­nen. Von einem Beschäf­tig­ten­ab­bau beson­ders betrof­fen war in der Stadt Bam­berg vor allem das Ver­ar­bei­ten­de Gewer­be (-1.465). In nur sechs Jah­ren ging jeder zehn­te Indus­trie­ar­beits­platz verloren.

Auch im Land­kreis Bam­berg zeigt sich das Ver­ar­bei­ten­de Gewer­be mit einem Beschäf­tig­ten­rück­gang um 2.154 auf 11.278 sicht­lich ange­schla­gen. Gegen­über 2019 gin­gen hier 16 Pro­zent der Arbeits­plät­ze ver­lo­ren. Aber auch das Gast­ge­wer­be ver­zeich­net ein deut­li­ches Minus von 239 oder 19,5 Pro­zent auf 989. Das größ­te Plus gab es im Land­kreis beim Han­del inklu­si­ve Instand­hal­tung und Repa­ra­tur von Kraft­fahr­zeu­gen (+813) sowie im Gesund­heits- und Sozi­al­we­sen (+561).


Beängs­ti­gen­der Beschäf­tig­ten­ab­bau in der Industrie

„Auch wenn die Beschäf­tig­ten­ent­wick­lung in der Sum­me in der Stadt und im Land­kreis Bam­berg noch posi­tiv ist: Der Beschäf­tig­ten­ver­lust in der Indus­trie ist beängs­ti­gend”, macht Her­bert Grim­mer deut­lich, IHK-Vize­prä­si­dent und Vor­sit­zen­der des IHK-Gre­mi­ums Bam­berg. „Vor allem im Land­kreis ist das kei­ne Kon­junk­tur­flau­te mehr, son­dern ein sub­stan­zi­el­ler Abbau. Es ist frag­lich, ob es gelin­gen wird, den dort erfolg­ten Beschäf­tig­ten­ver­lust in abseh­ba­rer Zeit wie­der auf­zu­fan­gen oder ob wir uns mit­ten in einem Pro­zess der Deindus­tria­li­sie­rung befinden.”


Trotz posi­ti­ver Ent­wick­lung: Durch Ver­lust der Indus­trie­ar­beits­plät­ze droht Gefahr

„Ober­fran­ken und dort vor allem Stadt und Land­kreis Bam­berg haben in den ver­gan­ge­nen zwei Jahr­zehn­ten ein Beschäf­tig­ten­wachs­tum hin­ge­legt, um das uns vie­le ande­re Regio­nen in Deutsch­land benei­den”, macht Grim­mer deut­lich. Von his­to­ri­schen Erfol­gen kön­ne die Regi­on aber nicht leben.

„Lan­ge Jah­re wur­de der Erfolg der deut­schen Indus­trie als selbst­ver­ständ­lich ange­nom­men”, so Grim­mer. „Die inter­na­tio­na­len Rah­men­be­din­gun­gen sind so schwie­rig wie sel­ten zuvor. Mit die­sen Bedin­gun­gen müs­sen ande­re Län­der genau­so klar­kom­men. In Deutsch­land sind wir uns aber außer­dem oft selbst im Weg. Vie­le unse­rer Pro­ble­me sind haus­ge­macht.” Das Spek­trum rei­che von der über­bor­den­den Büro­kra­tie über feh­len­de Dere­gu­lie­run­gen, lan­ge Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren und die im inter­na­tio­na­len Ver­gleich hohen Ener­gie­kos­ten, die hohe Abga­ben- und Steu­er­last bis hin zur oft anti­quier­ten Infrastruktur.

Auch gegen­über 2024 ver­zeich­nen Stadt (+568) und Land­kreis (+239) einen leich­ten Beschäftigtenzuwachs.


Ober­fran­ken: Seit 2019 Ver­lust von 15.252 Industriearbeitsplätzen

In Gesamt­ober­fran­ken ver­zeich­net das Ver­ar­bei­ten­de Gewer­be einen sehr deut­li­chen Beschäf­tig­ten­ab­bau mit einem Minus von 15.252 Beschäf­tig­ten seit 2019 (-11,1 Pro­zent). Zudem ist bei den sons­ti­gen wirt­schaft­li­chen Dienst­leis­tun­gen eine nen­nens­wer­te Abnah­me zu ver­zeich­nen (-1.406 Beschäf­tig­te). Dies lässt sich durch deren enge Ver­knüp­fung mit dem Ver­ar­bei­ten­den Gewer­be erklä­ren. Es gibt aller­dings auch Wirt­schafts­ab­schnit­te, wel­che sich im Wachs­tum befin­den, etwa die öffent­li­che Ver­wal­tung, Ver­tei­di­gung und Sozi­al­ver­si­che­rung (+5.741 seit 2019), das Gesund­heits- und Sozi­al­we­sen (+3.342), Ver­kehr und Lage­rei (+2.566), Erzie­hung und Unter­richt (+2.557) oder die frei­be­ruf­li­chen, wis­sen­schaft­li­chen und tech­ni­schen Dienst­leis­tun­gen (+2.134).

Wäh­rend in der Sum­me seit 2019 ober­fran­ken­weit 4.224 neue Arbeits­plät­ze ent­stan­den sind, ist die Ent­wick­lung zuletzt spür­bar gekippt. Gegen­über 2024 ver­zeich­net Ober­fran­ken einen Rück­gang von 1.858 sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ten, ver­ur­sacht vor allem durch den Abbau im Ver­ar­bei­ten­den Gewer­be (-3.764), aber auch im Han­del und den wirt­schafts­na­hen Dienst­leis­tun­gen. Neue Arbeits­plät­ze sind im ver­gan­ge­nen Jahr vor allem im Gesund­heits- und Sozi­al­we­sen ent­stan­den (+1.524). Hin­weis: Die Berech­nun­gen basie­ren auf Daten der Bun­des­agen­tur für Arbeit zu den sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ten mit Stich­tag 30.6. des jewei­li­gen Jahres.

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