Ein Amt, das Wirtschaft und Justiz verbindet
Ehrenamtlich tätige Handelsrichter aus dem IHK-Gremium Bamberg ausgezeichnet
Wenn juristischer Sachverstand auf unternehmerische Erfahrung trifft, dann lerne man voneinander, und am Ende profitierten alle Beteiligten davon: die streitenden Parteien, die Wirtschaft und der Rechtsstaat. So hat IHK-Vizepräsident Wilhelm Wasikowski die Tätigkeit eines Handelsrichters erklärt. Beim erstmals veranstalteten “Tag der Handelsrichter“ auf Kloster Banz wurden zahlreiche Handelsrichter aus allen Teilen Oberfrankens für Ihr langjähriges ehrenamtliches Wirken ausgezeichnet, wie die IHK für Oberfranken Bayreuth mitteilt.
Im Rahmen der Veranstaltung wurden mit Ralf-Dieter Thiehofe und Heribert Trunk zwei Persönlichkeiten aus dem IHK-Gremium Bamberg (Stadt und Landkreis Bamberg) für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement als Handelsrichter ausgezeichnet. Beide sind seit 2012 als ehrenamtliche Handelsrichter aktiv. Durchgeführt wurde die Veranstaltung von der IHK für Oberfranken Bayreuth gemeinsam mit der IHK zu Coburg.
Diese ganz besondere Tätigkeit lebe von Beständigkeit und von Menschen, die Jahr für Jahr ehrenamtlich Recht sprechen, ohne dass es dafür Applaus oder Schlagzeilen gibt, sagt Wilhelm Wasikowski, selbst seit 21 Jahren auch ehrenamtlicher Handelsrichter. Er ist nicht nur IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Lichtenfels, sondern selbst auch als Handelsrichter tätig. Seinen Worten zufolge gehören die Kammern für Handelssachen bei den Landgerichten zu den am wenigsten bekannten, aber wichtigsten Institutionen unserer Wirtschaft. Dort würden Menschen aus der Wirtschaft ihre Erfahrungen unentgeltlich und neben dem eigenen Beruf aus Überzeugung einbringen. „Fairness, Verlässlichkeit, Respekt vor den Regeln des Wettbewerbs, das ist kein Bild aus dem Geschichtsbuch, sondern gelebter Alltag“, so Wilhelm Wasikowski.
Handelsrichter, die wissen, wie ein Unternehmen tickt
Wenn Unternehmen um Lieferungen, Zahlungen oder Verträge streiten, dann benötige es einen Ort, der nicht nur Paragrafen kennt, sondern auch Bilanzen lesen kann. Genau das sei die Stärke der Kammer für Handelssachen. Berufsrichter säßen dort gemeinsam mit Handelsrichtern, die wüssten, wie ein Betrieb tickt, wie Lieferketten funktionieren und was ein Deckungsbeitrag ist. “Das ist keine Theorie aus dem Seminarraum, das ist Praxis am Verhandlungstisch“, macht der IHK-Vizepräsident deutlich. Für die Unternehmen bedeute dies konkret: „Verfahren, die oft schneller gehen und Entscheidungen, die näher an der Realität liegen.“
Handelsrichter – eine fränkische Erfindung
Tradition als Fundament, Rechtssicherheit als Voraussetzung und Innovation als Zukunft, so beschreibt Dr. Adrian Roßner, promovierter Landeshistoriker und CEO des Wissenschaftszentrums für Künstliche Intelligenz im Kloster Speinshart den Dreiklang, der die Arbeit der Handelsrichter ziemlich genau umfasst. Er spannt in launigen Worten einen weiten Bogen über mehrere Jahrhunderte oberfränkische Industriegeschichte und stellt dabei auch fest, dass das Amt des Handelsrichters eine fränkische Erfindung sei, die bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts zurückreiche.
Wie wertvoll kaufmännisches Wissen im Gerichtssaal ist, darüber berichtet Dr. Andreas Engel, Präsident der IHK zu Coburg. Er ist seit 22 Jahren als ehrenamtlicher Handelsrichter tätig. Er spricht von einem Rollenwechsel. Während man im eigenen Unternehmen die Verantwortung für Beschäftigte, Kunden, Investitionen, Verträge und wirtschaftliche Entscheidungen zu tragen habe, bleibe die unternehmerische Erfahrung im Gerichtssaal zwar wichtig, aber die Rolle sei eine andere, denn ein Handelsrichter sitze dort nicht als Interessensvertreter der Wirtschaft, sondern als Richter, unabhängig und dem Gesetz verpflichtet. Genau dieser Rollenwechsel mache das Amt so besonders: „Wir bringen unseren unternehmerischen Blick mit, aber wir müssen bereit sein, ihn aus einer neuen Perspektive zu betrachten.“
Unterschiedliche Erfahrungswelten kommen zusammen
Eine Kammer für Handelssachen funktioniere gerade deshalb so gut, weil dort unterschiedliche Erfahrungswelten zusammenkommen, brachte Andreas Engel das Erfolgsrezept der Handelsrichter-Tätigkeit auf den Punkt. Beide Seiten ergänzen sich. Der Jurist werde durch den Kaufmann nicht zum besseren Juristen. Und der Kaufmann werde durch die Robe nicht plötzlich zum Juristen. Aber beide brächten etwas ein, was die jeweils andere Seite so nicht mitbringen kann.
Die Anforderungen an Handelsrichter würden derzeit steigen, die Zahl der Streitverfahren gehe jedoch zurück. Das berichtet Andreas Bauer, Vizepräsident des Landgerichts Coburg. Als Gründe nennt er unter anderem, dass vermehrt außergerichtliche Vergleiche getätigt werden.
Ehrenamt mit herausragender Bedeutung für Gemeinwesen
IHK-Präsident Dr. Michael Waasner stellt die große Bedeutung des Ehrenamtes heraus. Ehrenamtliche Tätigkeiten hätten eine herausragende Bedeutung für das Gemeinwesen und seien eine starke Ressource für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, macht der IHK-Präsident deutlich. Deshalb könne ehrenamtliches Engagement nicht hoch genug geschätzt werden. „Ehrenamt ist von Natur aus sinnstiftend, lehrreich, befriedigend, es ist nicht nur fruchtbar für die Gemeinschaft, sondern auch für den Einzelnen.“
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Probealarm am bundesweiten Warntag
Bundesweiter Warntag: Positive Bilanz für den Regierungsbezirk Oberfranken
Der bundesweite Probealarm am 10. September ist in Oberfranken nach einem ersten Überblick insgesamt positiv verlaufen, wie die Regierung von Oberfranken mitteilt.
Die beteiligten Behörden und Organisationen haben die vorgesehenen Warnmittel und Abläufe getestet. Dabei hat sich gezeigt, dass die Warnung in Oberfranken insgesamt gut funktioniert hat.
Die digitalen Warnungen wurden über das Modulare Warnsystem an Warn-Apps und Cell Broadcast erfolgreich versendet. Die Sirenen, soweit technisch digital aufgerüstet, gaben eine akustische Warnung und Entwarnung ab. Neben dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) beteiligten sich in Oberfranken 169 Kommunen mit Sirenenwarnung und Lautsprecherwagen.
Die gewonnenen Erfahrungen fließen nun in die bundesweite Auswertung des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ein.
Mit jedem Probealarm werden die technischen Systeme unter realen Bedingungen getestet, um Schwachstellen zu erkennen und die Effizienz und Effektivität zukünftiger Alarmierungen zu optimieren. Darüber hinaus tragen sie dazu bei, die Bevölkerung über die verschiedenen Formen der Warnung zu informieren und zu sensibilisieren. Dies ist eine Grundvoraussetzung für die Selbsthilfefähigkeit der Menschen in Deutschland im Krisenfall.
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Warnung der Bevölkerung
Probealarm am bundesweiten Warntag am 10. September
Am Donnerstag, 10. September 2026, findet der nächste Bundesweite Warntag statt. Ab 11:00 Uhr wird in ganz Deutschland eine Probewarnung über verschiedene Warnkanäle ausgelöst. Auch in Oberfranken werden zahlreiche Kommunen ihre Sirenen testen.
Ziel des Warntags ist es, die technischen Warnsysteme und die Abläufe zwischen Bund, Ländern und Kommunen zu erproben und zugleich die Bevölkerung mit den verschiedenen Warnmöglichkeiten vertraut zu machen. Im Ernstfall – etwa bei Naturkatastrophen, Großbränden oder anderen Gefahrenlagen – kann eine schnelle und effektive Warnung Leben retten.
Was ist der Bundesweite Warntag?
Der jährliche Bundesweite Warntag ist eine gemeinsame Initiative des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sowie der Innenministerien der Länder. Neben der technischen Überprüfung des sogenannten Warnmittel-Mix steht vor allem die Sensibilisierung der Bevölkerung im Vordergrund.
Alle an das Modulare Warnsystem (MoWaS) angeschlossenen Warnmittel wie Warn-Apps (zum Beispiel NINA oder KATWARN), Cell Broadcast, Rundfunkdurchsagen sowie digitale Werbetafeln werden zentral durch das BBK ausgelöst. Zusätzlich testen die Kommunen, wo technisch möglich, eigene Warnmittel wie Sirenen und Lautsprecherwagen. Technische Voraussetzung dafür ist die Umrüstung von analogen auf digitale Sirenen.
In Oberfranken beteiligen sich 169 Kommunen mit Sirenenwarnung und eine Kommune mit einem Lautsprecherwagen. Durch die fortschreitende digitale Ertüchtigung analoger Feuerwehrsirenen, gefördert durch den Freistaat Bayern, konnte die Anzahl der teilnehmenden Kommunen von 138 über zwischenzeitlich 159 auf nunmehr 169 Kommunen innerhalb der letzten beiden Warntage gesteigert werden.
Ablauf des Warntages
Ab 11:00 Uhr: Zentrale Auslösung aller an MoWaS angeschlossenen Warnmittel durch das BBK in der höchsten Warnstufe 1. Parallel hierzu lösen die Länder und die teilnehmenden kommunalen Stellen zeitgleich die in ihrem Zuständigkeitsbereich befindlichen, nicht direkt an MoWaS angeschlossenen Warn- und Kommunikationsmittel wie zum Beispiel Sirenen manuell aus.
Ab 11:45 Uhr: Entwarnung der Warnmeldung “Bundesweiter Warntag 2026” durch die Nationale Warnzentrale des BBK einschließlich der Umsetzung durch die Warnmultiplikatoren und regionalen Warnmittel. Es erfolgt auch eine Entwarnung über Cell Broadcast.
Die Entwarnung signalisiert das Ende des Tests und dient der Überprüfung, ob die Systeme auch im Ernstfall zuverlässig funktionieren.
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Sonderumfrage der Deutschen IHK (DIHK)
Wettbewerb mit China setzt Unternehmen unter Druck
Viele oberfränkische Unternehmen spüren die wachsende Konkurrenz durch chinesische Anbieter und das sowohl im Inland und der EU als auch auf Drittmärkten, macht Dr. Michael Waasner deutlich, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth.
Das zeigen die Ergebnisse einer Sonderumfrage der Deutschen IHK (DIHK) zum Wettbewerb mit China. Die hiesigen Unternehmen reagieren vor allem mit Kostensenkungen und Produktinnovation auf diese Situation. Bei der Frage, ob die EU eine härtere Handelspolitik gegenüber China einschlagen sollte, gehen die Meinungen deutlich auseinander.
China ist für unsere Unternehmen Absatzmarkt, Zulieferer und Wettbewerber zugleich. Das macht die Lage kompliziert, für die Handelspolitik in Brüssel genauso wie für jedes einzelne Unternehmen hier in Oberfranken, so Dr. Waasner.
China zählt zu den wichtigsten Handelspartnern der bayerischen Wirtschaft. Bei den Exporten liegt das Land 2025 auf Rang 5 der Ausfuhrländer, bei den Importen führt China die Rangliste sogar an. Die kürzlich veröffentlichten vorläufigen Ergebnisse der Außenhandelsstatistik des Bayerische Landesamts für Statistik zeigen, dass Bayern im ersten Halbjahr 2026 Waren im Wert von 16,8 Milliarden aus China eingeführt hat. Das entspricht einem Plus von knapp 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig gingen jedoch die bayerischen Exporte nach China um 5 Prozent auf insgesamt 6,3 Milliarden Euro zurück.
Auch für Oberfranken ist China ein wichtiger Handelspartner, wie Dr. Johanna Horzetzky betont, Teamleiterin International bei der IHK für Oberfranken Bayreuth. Über 260 Unternehmen mit Handelsbeziehungen zu China sind bei der IHK registriert, darunter 26 mit Niederlassungen und 16 mit Produktionsstätten. Zum Vergleich: Mit den USA pflegen rund 220 Unternehmen Geschäftsbeziehungen (36 Niederlassungen, 16 Produktionsstätten), mit Tschechien sind es gut 200 (24 Niederlassungen, 20 Produktionsstätten).
Die AHK Greater China ist Teil des Netzes der deutschen Auslandshandelskammern mit 150 Büros in 93 Ländern und Regionen weltweit. Über 1.800 Unternehmen sind Mitglied der AHK China mit ihren elf Standorten.
78 Prozent der bayerischen Unternehmen spüren wachsende Konkurrenz
Die enge Verbindung zu China hat nicht nur Vorteile, wie eine aktuelle Sonderumfrage der DIHK zeigt. 78 Prozent der befragten bayerischen Unternehmen geben an, eine wachsende Konkurrenz durch chinesische Wettbewerber zu spüren. Bei fast der Hälfte der Befragten (47 Prozent) wird der Druck sogar stark bis sehr stark bewertet. Dabei sind chinesische Wettbewerber bereits weltweit sehr aktiv. Über 60 Prozent berichten von spürbarem Druck durch chinesische Anbieter im Inland, auf dem EU-Binnenmarkt und auf Drittmärkten. Aber auch auf dem chinesischen Markt selbst (49 Prozent) wird der Wettbewerbsdruck wahrgenommen.
Unsere Unternehmen setzen ganz unterschiedliche Hebel an, um mit dem wachsenden Wettbewerb aus China umzugehen, erläutert Dr. Horzetzky. Am weitesten verbreitet sind Kostensenkungen. Das gaben zwei Drittel der Befragten an. Fast genauso viele, nämlich 64 Prozent, setzen auf Produktinnovation. Weitere Strategien sind die verstärkte Suche nach neuen Absatzmärkten (41 Prozent). Wir führen dazu aktuell viele Beratungsgespräche mit unseren Mitgliedsunternehmen, sagt Horzetzky. Im Zusammenhang mit Afrika hören wir dabei regelmäßig: ‘Das lohnt sich doch gar nicht mehr, da sind ja schon überall die Chinesen.’
Was erwarten die Unternehmen von der Politik
Die Kooperation mit chinesischen Partnern (30 Prozent) sowie der Verlagerung von Investitionen (28 Prozent) sind weitere Strategien. 14 Prozent ziehen sich sogar ganz aus dem Geschäftsfeld zurück. Kostensenkungen sind ein schneller Hebel, können aber auf Dauer auch eine gefährliche Strategie sein. Eine gute und nachhaltige Entwicklung ist jedoch, dass ebenso viele Unternehmen auf Innovationen statt allein auf den Preis setzen, macht Dr. Waasner deutlich.
Uneinig sind sich die Unternehmen bei der Frage, wie entschlossen die EU gegenüber China auftreten sollte. Konkret geht es um stärkere handelspolitische Maßnahmen, um Wettbewerbsverzerrungen zu begegnen, auch wenn diese für die Unternehmen selbst negative Konsequenten hätten, etwa durch Bürokratiekosten, höhere Preise, Zölle, Gegenmaßnahmen oder Lieferengpässe. 55 Prozent der Befragten befürworten ein härteres Vorgehen trotz dieser Risiken, 41 Prozent lehnen es eher ab.
„Ein Beispiel für den Umgang mit chinesischen Importen ist die EU-Handelsschutzmaßnahme bei Stahl”, so Dr. Waasner. „So wie die EU diese aktuell ausgestaltet hat, ist sie leicht zu umgehen. Sie hat nur Stahlprodukte im Blick, aber keine stahlintensiven Folgeprodukte. Die Anreize sind hoch, die Wertschöpfung stahlintensiver Produkte aus der EU zu verlagern – etwa Elektrobleche, Transformatoren, Generatoren oder Elektromotoren. Damit hat die Maßnahme nur Verlierer, weil sie die Stahlhersteller nicht effektiv schützt, die stahlverarbeitenden Betriebe gar nicht, und dabei hohen Aufwand verursacht. Die angedachte Ausweitung auf nachgelagerte Produktionsschritte wäre insofern folgerichtig, da sie den Grundgedanken, industrielle Wertschöpfung in Europa zu schützen, logisch zu Ende führt. Wettbewerb ist gut, solange die Regeln für alle gelten. Die Zahlen zeigen aber, dass die bayerische Wirtschaft beim Umgang mit China gespalten ist: Die einen wollen Schutz vor unfairem Wettbewerb, die anderen fürchten die Folgen für das eigene Unternehmen“, macht Dr. Waasner deutlich.
Wettbewerbsfähig bleiben wir nicht durch Abschottung, sondern durch eigene Stärke: gute Ausbildung, schnelle Genehmigungen und Freiräume für Innovation. Daran müssen Politik und Wirtschaft jetzt gemeinsam arbeiten, sagt Dr. Michael Waasner mit Blick auf die kommenden Monate.
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Von bisherigen Höchstwerten ist die Region dennoch weit entfernt
Unternehmensinsolvenzen in Oberfranken steigen deutlich
Im ersten Halbjahr 2026 meldeten in Oberfranken deutlich mehr Unternehmen Insolvenz an als im Vorjahreszeitraum. Die IHK für Oberfranken Bayreuth ordnet ein, was hinter dem Anstieg steckt.
„Die jüngst veröffentlichten Halbjahreszahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik zeigen, dass im ersten Halbjahr 2026 in Oberfranken 112 Unternehmen Insolvenz beantragten. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 99. Das stellt eine Zunahme von 13 Prozent dar. Noch deutlicher fällt der Vergleich mit 2024 aus, als im ersten Halbjahr nur 74 Unternehmen betroffen waren. Die Ergebnisse zeigen, dass der erhebliche Anstieg der Unternehmensinsolvenzen auch im Wirtschaftsraum Oberfranken angekommen ist“, fasst Dr. Sabine Ebensperger, Referentin Standortinformation bei der IHK für Oberfranken Bayreuth, die Situation zusammen.
Deutliches Plus auch in den Jahreszahlen ersichtlich
Auch der Jahresvergleich bestätigt den Trend nach oben. Zwischen 2024 und 2025 stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Oberfranken um 34 Prozent. Betroffen waren 2025 insgesamt 220 Unternehmen, damit erreichten die Insolvenzzahlen wieder das Niveau von 2015. Am häufigsten traf es das Baugewerbe mit 17 Prozent aller Insolvenzen, gefolgt vom Gastgewerbe (14 Prozent) und dem Verarbeitenden Gewerbe (13 Prozent).
Ein anderes Bild ergibt sich bei der Mitarbeiterzahl. Während 2024 4.483 Beschäftigte von diesen Insolvenzen betroffen waren, hat sich die Zahl 2025 mit 2.237 Mitarbeitende halbiert.
Der lange Zeitverlauf relativiert die Zahlen
„Für eine bessere Einordnung lohnt sich der Blick auf die Jahreszahlen im langen Zeitverlauf ab der Jahrtausendwende”, so Dr. Ebensperger. Anfang der 2000er Jahre gab es in Oberfranken jährlich etwa doppelt so viele Unternehmensinsolvenzen wie 2025. Damals steckte die oberfränkische Wirtschaft in einer erheblichen Strukturkrise, unter anderem mit sehr hohen Arbeitslosenzahlen.
In den folgenden 20 Jahren waren die Zahlen mit kleineren Schwankungen rückläufig und erreichten 2021 ihren Tiefpunkt. Die niedrigen Werte zwischen 2016 und 2019 erklären sich durch die konjunkturelle Hochphase. Danach spielt ein weiterer Faktor eine Rolle: In den Pandemiejahren 2020 und 2021 war die Pflicht zeitweise ausgesetzt, bei pandemiebedingter Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung Insolvenz anzumelden. Ein Teil des heutigen Anstiegs ist also genau dieser Nachholeffekt.
„Jedes Unternehmen, das Insolvenz beantragen muss, ist eines zu viel, genauso wie jeder Arbeitnehmer, der sich deshalb um seine Arbeit sorgen muss. Trotzdem muss man die aktuelle Entwicklung immer im größeren Zusammenhang bewerten. Der Anstieg in Oberfranken hat vor allem mit der schwachen Konjunktur und einem Nachholeffekt aus der Pandemie zu tun”, resümiert Dr. Ebensperger.
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Industrie – vor allem Autozulieferer – mit weniger neuen Ausbildungsverträgen
IHK: Mehrere Branchen mit spürbarem Zuwachs bei Azubis
Ein Einbruch bei den Automobilzulieferern, dafür ein ordentliches Plus etwa im Logistiksektor, bei den Textil- oder Papierherstellern, den Energieversorgern und den Finanzdienstleistern – so die aktuelle Entwicklung bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen der Mitgliedsbetriebe der IHK für Oberfranken Bayreuth.
Zum 31. Juli lag die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverträge bei der IHK für Oberfranken Bayreuth mit 1.940 gegenüber dem Vorjahr leicht im Plus – 32 Neueinträge mehr als im Vorjahr, aber 315 weniger als 2024. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass die Entwicklung regional und bei den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich verläuft.
Drei Entwicklungen machen den Unternehmen dabei das Leben schwer: Zum einen der schleppende Konjunkturverlauf, der sich in Teilbereichen zu einer Strukturkrise entwickelt hat. Zum zweiten die Entwicklung, dass sich Schulabgängerinnen und Schulabgänger immer später bewerben, was den Unternehmen die Planungen erheblich erschwert. Und zum Dritten die demografische Entwicklung: Auf jeden Berufseinsteiger kommen zwei Personen, die sich in den Ruhestand verabschieden. „Deshalb brauchen die Unternehmen – den herausfordernden Rahmenbedingungen zum Trotz – mehr denn je Fachkräftenachwuchs”, sagt Dr. Michael Waasner Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth.
Den Unternehmen geht der Nachwuchs aus
„Ginge es nach den Unternehmen, würden diese gerne noch viel mehr Auszubildende einstellen”, macht Dr. Waasner deutlich. „Über 3.000 unbesetzte Ausbildungsplätze bei schwacher Konjunktur, das zeigt: Unseren Betrieben fehlt nicht der Wille auszubilden, ihnen fehlt der Nachwuchs!”
Mit Ausbildung hohe Arbeitsplatzsicherheit
Der IHK-Präsident macht aber auch deutlich: „Eine Ausbildung ist kein Rückfallplan für schwächere Schülerinnen und Schüler. Sie ist der direkte Weg in ein sicheres Arbeitsverhältnis mit einem Lebensarbeitseinkommen auf dem Niveau von Hochschulabsolventinnen und ‑absolventen, vor allem bei anschließender Weiterbildung.”
Industrie bildet weniger aus
Bricht man die IHK-Zahlen auf die Branchen herunter, gibt es oft starke Schwankungen von Jahr zu Jahr. „Um diesen Zufällen etwas entgegenzuwirken, erfolgt in der nachfolgenden Analyse immer ein Vergleich der aktuellen Zahlen 2026 mit dem Mittelwert der Ausbildungszahlen 2024 und 2025”, erläutert IHK-Pressesprecher Peter Belina.
Ein Blick auf die drei Hauptgruppen Dienstleistungen, Handel/Tourismus und Industrie zeigt, dass die Entwicklung in den ersten beiden Gruppen stabil geblieben ist, während die Industrie bis zum 31. Juli rund 13 Prozent weniger Auszubildende eingestellt hat als im Schnitt der beiden Vorjahre.
Hier zeigt sich sehr deutlich, dass natürlich ein Zusammenhang besteht zwischen der wirtschaftlichen Lage einer Branche und den neu unterzeichneten Ausbildungsverträgen. Gerade die Automobilzulieferer – wichtigster Arbeitgeber Oberfrankens – verzeichnen einen spürbaren Rückgang bei den Neueintragungen. Der Einbruch erfolgte vor allem von 2024 auf 2025. Bei den 20 größten Ausbildungsbetrieben im Automotive-Sektor stürzte die Zahl der Auszubildenden regelrecht ab, das Minus betrug 43 Prozent – besonders groß war der Rückgang von 2024 auf 2025. „Ganz wichtig in diesem Zusammenhang: Es sind knapp zwei Handvoll Unternehmen, die einen derart radikalen Schnitt vornehmen mussten”, macht Belina deutlich. „Die restlichen Automobilzulieferer verzeichnen eine stabile, allenfalls leicht negative Entwicklung.”
Branchenspezifische Unterschiede bei der Entwicklung
Wirft man einen Blick auf alle Branchen mit mindesten 20 Neueintragungen im aktuellen Jahr, fallen vier Branchen auf mit einem deutlichen Rückgang und weitere acht mit einem beachtlichen Zuwachs auf.
Um 51 Prozent auf 20 ging die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse bei den Herstellern von chemischen Erzeugnissen zurück. Knapp 40 Prozent auf 52 Neueintragungen betrug der Rückgang bei den unternehmensnahen Dienstleistungen. Jeweils rund ein Viertel betrug der Rückgang bei den Herstellern im Bereich Datenverarbeitung, Optik, Elektro (zum Beispiel Unterhaltungselektronik, Optik oder elektromedizinische Geräte) sowie dem Maschinenbau.
Bei den unternehmensnahen Dienstleistungen sind – so die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit – noch etwa ein Viertel der angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt, bei den anderen Ausbildungsberufen jeweils noch rund ein Drittel.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch Branchen mit einem spürbaren Zuwachs an Neuverträgen, etwa im Logistiksektor (Lagerei +18 Prozent auf 86 und Landverkehr +69 Prozent auf 21). Dienstleistungen für Unternehmen und Privatpersonen (zum Beispiel Call Center, Messe- und Kongressveranstalter oder Inkassobüros) legen um ein Viertel zu, Textilhersteller, Energieversorger, Finanzdienstleister und Papierhersteller (einschließlich Kartons und Pappe) um 10 Prozent oder mehr.
Zum 31. Juli waren rund 40 Prozent aller Ausbildungsplätze im Logistik- und Textilsektor unbesetzt, bei den Papierherstellern sogar drei von vier angebotenen Ausbildungsplätzen.
Die meisten Neueintragungen verzeichnet übrigens der Einzelhandel mit 371, gefolgt vom Gastgewerbe (181), den Automobilzulieferern (ca. 170) den Finanzdienstleistungen (110) und dem Großhandel (108).
„Die meisten der Unternehmen, die noch Auszubildende suchen, stellen auch noch nach dem Beginn des Ausbildungsjahres zum 1. September ein”, macht Dr. Waasner deutlich. „Wer noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist – Bewerbungen lohnen sich auf jeden Fall noch”.
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IHK-Mitgliedsunternehmen bieten aktuell 170 Ausbildungsberufe
Unternehmen können viele Ausbildungsplätze nicht besetzen
Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres am 1. September meldet die IHK für Oberfranken einen Zuwachs bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen. 1.940 Neueintragungen waren es zum 31. Juli, immerhin 32 mehr als im Vorjahr.
„Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass das Jahr sehr zäh begann”, macht Michael von Hertell deutlich, Leiter der beruflichen Bildung bei der IHK für Oberfranken Bayreuth. Im Januar lag die Zahl der Neueintragungen 36 Prozent unter dem Vorjahresergebnis, im März lag das Minus immer noch bei 16 Prozent. Erst zum 31. Juli war der Trend erstmals positiv. Von Hertell: „Aus verschiedensten Gründen waren viele Ausbildungsverträge später unter Dach und Fach als sonst.” Zwei Drittel aller Ausbildungsverhältnisse in Oberfranken entfallen auf die beiden IHKs der Region.
Oberfranken: Auf jeden Unversorgten kommen 2,1 unbesetzte Ausbildungsstellen
Außerdem gab es im vergangenen Jahr kaum Abiturprüfungen wegen der Umstellung vom G8 auf das G9. „Vor diesem Hintergrund fallen die Zahlen enttäuschend aus”, so von Hertell. 2024 lag die Zahl der Neueintragungen am 31. Juli um 315 höher als heuer. „Das zeigt deutlich, wie sehr unsere Unternehmen unter Druck stehen.”
Neben der konjunkturellen Lage wirkt sich auch die demografische Entwicklung immer mehr aus. „Auf zwei Beschäftigte, die in den Ruhestand gehen, kommt nur eine Berufsanfängerin oder ein Berufsanfänger nach”, so von Hertell.
Interessant ist ein Blick auf die Schulabschlüsse der Nachwuchskräfte. Hatten 2016 noch 20 Prozent aller Azubis im ersten Lehrjahr Fachhochschul- oder Hochschulreife, sind es 2026 nur noch 17 Prozent. Noch deutlicher der Rückgang bei der Mittleren Reife, der Anteil ging von 53 Prozent auf 44 Prozent zurück. Die Lücke füllen die Mittelschulabsolventen, deren Anteil vor zehn Jahren bei 27 Prozent lag und inzwischen auf 39 Prozent gestiegen ist.
Unternehmen suchen weiter händeringend nach Auszubildenden
Wie groß die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage ist, zeigt die Statistik der Agentur für Arbeit. Sie erfasst die meisten Bewerber und freien Stellen. Aktuell stehen in Oberfranken 1.505 unvermittelten Schulabgängerinnen und Schulabgängern 3.127 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber.
Auf jeden unvermittelten Bewerber kommen somit 2,1 unbesetzte Ausbildungsplätze. Aus Sicht der Schulabgänger ist die Situation in Oberfranken spürbar besser als in Bayern oder in Deutschland, wo auf einen unversorgten Bewerber nur 1,6 beziehungsweise 1,1 unbesetzte Ausbildungsplätze kommen.
Das bedeutet aber umgekehrt, dass sehr viele Unternehmen ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen können. Am stärksten trifft es das Baugewerbe, dort ist – Stand 31. Juli – fast jeder zweite angebotene Ausbildungsplatz unbesetzt. Auch Handel, Logistik und das Gastgewerbe suchen dringend Nachwuchs. Dort liegt der Anteil der unbesetzten Ausbildungsplätze bei mindestens 40 Prozent.
Mitgliedsunternehmen der IHK für Oberfranken Bayreuth mit 170 Ausbildungsberufen
„Wer noch keinen Ausbildungsvertrag hat, darf den Kopf auf keinen Fall in den Sand stecken”, macht von Hertell mit einem Blick auf die Vorjahreszahlen deutlich. Zum 31. Juli 2025 waren erst 54 Prozent der 3.516 Ausbildungsverträge unterschrieben, die zum Jahresende bei der IHK registriert waren. Von Hertell: „Die Bewerbungsphase ist lange nicht abgeschlossen.”
Wer noch sucht, sollte über die beliebtesten Berufe hinausblicken, rät von Hertell. Bei den Mädchen sind das bei den IHK-Berufen die Kauffrau für Büromanagement, die Verkäuferin und die Industriekauffrau, bei den Jungs der Kfz-Mechatroniker, der Elektroniker und der Fachinformatiker Systemtechnik. „Insgesamt bieten unsere Mitgliedsunternehmen aktuell 170 verschiedene Ausbildungsberufe an”, so von Hertell. „Da ist bestimmt für jeden was dabei!”
Es gibt Branchen, die sich aktuell schwertun, genügend Azubis zu gewinnen. „Immer unter der Voraussetzung, dass es sich um einen Beruf handelt, der die Ausbildungsplatzsuchenden interessiert, lohnt es sich, einen Blick auf die Bereiche Feinwerk- und Werkzeugtechnik, Handel sowie Kunststoffherstellung und ‑verarbeitung zu werfen”, so von Hertell. „Dort kommen aktuell auf jeden unversorgten Bewerber mehr als zehn unbesetzte Ausbildungsplätze.” Über fünf unbesetzte Ausbildungsplätze je unversorgten Bewerber verzeichnen außerdem die Bereiche Metallbearbeitung, Hochbau, Lebensmittelhersteller, Tiefbau, Bau- und Transportgeräteführung sowie die Fahrzeugführung Straßenverkehr.
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Energiewende-Barometer der IHK: Betriebe verlagern ins Ausland
Deindustrialisierung Oberfrankens setzt sich fort
Jedes vierte Mitgliedsunternehmen der IHK für Oberfranken Bayreuth verlagert Kapazitäten ins Ausland oder plant diesen Schritt. In der Industrie ist es sogar jedes dritte Unternehmen. Nach Einschätzung der IHK ist dies nicht zuletzt eine Folge der aktuellen Energiepolitik.
„Solange die Energiepreise international zu den höchsten gehören und unsere Unternehmen durch überbordende Bürokratie, langsame Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie fehlende Planbarkeit und Verlässlichkeit in der Energiepolitik ausgebremst werden, wird es auch keine Trendwende geben”, macht Dr. Michael Waasner deutlich, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth.
Wettbewerbsfähigkeit unter Druck
35 Prozent der befragten Unternehmen sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Energiewende negativ beeinflusst, 26 Prozent bewerten die Auswirkungen positiv.
„Die hohen Ausgaben für Strom und Gas bremsen viele Unternehmen bei ihren Investitionen aus“, erklärt Johannes Neupert, Energiereferent der IHK für Oberfranken Bayreuth. 28 Prozent der Unternehmen schieben Investitionen in ihren Kernprozesse auf, 23 Prozent Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen, 11 Prozent Investitionen in Forschung und Innovation. 43 Prozent der Befragten sehen aufgrund der hohen Energiepreise sogar die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens am Standort Deutschland gefährdet. „Was heute nicht investiert wird, fehlt morgen an Substanz“, so Neupert.
Sparen gehört längst zum Alltag
Trotz aller Belastungen zeigt die Umfrage auch, wie sehr der sparsame Umgang mit Ressourcen längst zur DNA der Unternehmen gehört. Bei 96 Prozent der Unternehmen ist die Bedeutung von Energieeinsparungen im vergangenen Jahr gestiegen oder mindestens gleichgeblieben. Effizienz ist für unsere Betriebe längst Alltag, nicht erst seit der aktuellen Debatte, ordnet Neupert ein. Gleichzeitig spüren 42 Prozent der Unternehmen stärkere Schwankungen bei den Energiepreisen als noch vor einem Jahr, was Planung und Kalkulation erschwert.
IHK fordert Tempo und Verlässlichkeit
Als größte Hindernisse bei ihren Transformationsbemühungen für mehr Klimaschutz sehen die Unternehmen bürokratische Hemmnisse (70 Prozent), langsame Planungs- und Genehmigungsverfahren (58 Prozent) und fehlende Planbarkeit und Verlässlichkeit in der Energiepolitik (51 Prozent), hinzu kommen eine schwierige Finanzierung und hohe Energiepreise. Jedes zehnte Unternehmen wird bei seinen Transformationsbemühungen zudem durch den Fachkräftemangel ausgebremst.
„Wenn über zwei Drittel unserer Unternehmen die Bürokratie und über die Hälfte langsame Genehmigungsverfahren als größte Hemmnisse nennen, liegt die Verantwortung klar beim Staat. Genau dort muss die Politik jetzt ansetzen und deutlich schneller werden”, macht Dr. Waasner deutlich.
Soll die Energiewende gelingen, muss vor allem der Staat nachlegen
Wenn Energiewende und Klimaschutz sicher, bezahlbar und umweltverträglich gestaltet werden sollen, fordern 91 Prozent der Befragten eine höhere Priorisierung und Verlässlichkeit beim Ausbau der Energieinfrastruktur und 69 Prozent ein stärkeres finanzielles Engagement des Staates beim Aufbau zukunftsorientierter Infrastruktur. Mit Blick auf die Energieeffizienz setzen 78 Prozent der Unternehmen auf Freiwilligkeit und Technologieoffenheit als auf neue Vorgaben. Unsere Unternehmen wollen keine neuen Regulierungen. Sie wollen verlässliche Leitplanken, mehr Technologieoffenheit und schnellere Genehmigungen, macht Dr. Waasner deutlich.
Jedes dritte Industrieunternehmen verlagert Produktion ins Ausland
Jedes dritte befragte Industrieunternehmen hat inzwischen nicht zuletzt aufgrund der Energiepolitik Kapazitäten ins Ausland verlagert, plant diesen Schritt oder setzt ihn gerade um. Zwischen 2019 und 2025 sind in Oberfranken bereits gut 15.000 Arbeitsplätze in der Industrie verloren gegangen.
Der IHK-Präsident warnt eindringlich vor den Folgen: „Wenn Unternehmen vermehrt Kapazitäten ins Ausland verlagern, setzt sich die Deindustrialisierung fort. Das dürfen wir nicht zulassen. Jeder weitere Arbeitsplatz, der in der Industrie verloren geht, schwächt unsere Region auf Jahre. EU, Bund, Land und Kommunen müssen deshalb jetzt handeln, mit weniger Bürokratie, schnelleren Genehmigungen und verlässlichen Rahmenbedingungen für Investitionen. Sonst verlieren wir irgendwann so viel Substanz, dass dieser Trend unumkehrbar wird”, warnt Dr. Waasner.
Hintergrund
Für das Energiewende-Barometer 2026 hat die IHK-Organisation im Juni deutschlandweit rund 3.100 Unternehmen befragt, darunter auch 72 aus dem Einzugsbereich der IHK für Oberfranken Bayreuth. Das Barometer bildet die Stimmung der Betriebe zur Energiewende und ihren wirtschaftlichen Folgen ab. Die Befragung wird seit 2012 einmal im Jahr durchgeführt.
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Wenige Stunden nach Eintreffen gehen die Geräte in den überregionalen Waldbrandeinsatz
Bambergs neue Kreisregner bewähren sich sofort im Katastrophengebiet
Kaum geliefert, schon im Einsatz: Erst am Montag wurden die neuen Kreisregner vom Hersteller an die Ständige Wache der Feuerwehr Bamberg gebracht, am Mittwochvormittag erfolgte die Eingangskontrolle – und nur wenige Stunden später erreichte die Stadtverwaltung die Anforderung der Regierung von Oberfranken: Die Spezialgeräte werden dringend zur Bekämpfung des großflächigen Waldbrandes im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern benötigt.
Bereits am Donnerstag brachte die Feuerwehr Bamberg 22 der insgesamt 40 neu beschafften Kreisregner zur Feuerwehr Bayreuth. Dort wurden sie mit weiteren Geräten aus den Landkreisen Bayreuth, Kronach und Lichtenfels zusammengeführt. Insgesamt entsendet Oberfranken 72 mobile Beregnungsgeräte zur Unterstützung der Löscharbeiten in Ostdeutschland. Gemeinsam mit einem bayerischen Fähigkeitsmodul aus 36 Einsatzkräften und 15 Fahrzeugen wurden sie in das rund 500 Kilometer entfernte Schadensgebiet transportiert. Die Kreisregner dienen dazu, gefährdete Bereiche zu beregnen und den Brandherd abzugrenzen – eine entscheidende Maßnahme in munitionsbelasteten Gebieten, die von Einsatzkräften nicht betreten werden können.
Die Beschaffung der Kreisregner erfolgte durch das Amt für Brand- und Katastrophenschutz in enger Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr Bamberg und dem städtischen Forstamt. Sie ist Teil eines Konzepts zur Waldbrandbekämpfung in den städtischen Wäldern. Auch der Landkreis hat 40 Geräte angeschafft.
„Dass die Kreisregner unmittelbar nach ihrer Lieferung bereits bei einem überregionalen Großeinsatz benötigt werden, zeigt eindrucksvoll, wie vorausschauend und bedarfsorientiert diese Beschaffung war“, sagt Christian Seitz, Leiter des Amts für Brand- und Katastrophenschutz. Zugleich freue es ihn, dass Bamberg mit seiner Ausstattung einen wichtigen Beitrag zur bundesweiten Hilfeleistung leisten könne. „Das System des Katastrophenschutzes basiert auf der gegenseitigen Hilfe und Unterstützung durch weniger betroffenen Regionen und Städte.“
Der Waldbrand im Müritz-Nationalpark breitet sich seit mehreren Tagen aus und hat inzwischen eine Fläche von rund 270 Hektar erfasst. Die Löscharbeiten werden durch die Munitionsbelastung des Geländes erheblich erschwert. Der Einsatz der bayerischen Kräfte ist zunächst bis Sonntag, 19. Juli, vorgesehen.
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Koordinierung durch die Regierung von Oberfranken
Oberfränkische Feuerwehren unterstützen Waldbrandeinsatz in Mecklenburg-Vorpommern
Die oberfränkischen Feuerwehren unterstützen die Bekämpfung des großflächigen Waldbrandes im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern, wie die Regierung von Oberfranken mitteilt. Nach einem bundesweiten Hilfeersuchen wurden auf Anforderung des Landes Mecklenburg-Vorpommern Spezialausrüstung und Einsatzkräfte aus Bayern in das Schadensgebiet entsandt.
Die Regierung von Oberfranken koordinierte kurzfristig die Abfrage verfügbarer Ausrüstung im Regierungsbezirk. Dabei konnten insgesamt 72 Kreisregner – mobile Beregnungsgeräte zur Waldbrandbekämpfung – bereitgestellt werden. Sie stammen aus der Stadt Bamberg sowie den Landkreisen Bayreuth, Kronach und Lichtenfels. Die Geräte wurden an der Feuerwehrwache Bayreuth zusammengeführt und für den Weitertransport in das Einsatzgebiet verladen.
Bayerische Einsatzkräfte unterstützen vor Ort
Am Morgen des 16. Juli 2026 machte sich das bayerische Fähigkeitsmodul, bestehend aus 36 Einsatzkräften der Regierungsbezirke Ober- und Mittelfranken, mit 15 Fahrzeugen auf den Weg in das rund 500 Kilometer entfernte Mecklenburg-Vorpommern. Dort werden sie die örtlichen Einsatzkräfte bei der Bekämpfung des Waldbrandes unterstützen. Neben den Beregnungsgeräten führen sie auch umfangreiches Schlauchmaterial mit. Die Einsatzleitung liegt bei Mittelfranken.
Unterstützung unter schwierigen Bedingungen
Der Waldbrand im Müritz-Nationalpark breitet sich seit mehreren Tagen aus und umfasst inzwischen eine Fläche von rund 270 Hektar. Die Löscharbeiten werden durch die Munitionsbelastung des Geländes erheblich erschwert.
Der Einsatz der bayerischen Kräfte ist zunächst bis Sonntag, den 19. Juli 2026, vorgesehen. Die Regierung von Oberfranken bedankt sich bei allen beteiligten Feuerwehren und Einsatzkräften für ihre schnelle Einsatzbereitschaft und ihr Engagement bei der überregionalen Hilfeleistung.