Autor liest in Bam­berg erst­mals aus sei­nem noch nicht ver­öf­fent­lich­ten neu­en Roman

Erin­ne­rung, Wahr­heit, Wahr­neh­mung: Ingo Schul­ze star­tet Poetikprofessur

2 Min. zu lesen
Schulze
Im Gespräch mit Prof. Dr. Friedhelm Marx, Organisator der Poetikprofessur in Bamberg, gibt Ingo Schulze spannende Einblicke in seine Erzählwerkstatt. Foto: Stadt Bamberg, Michael Memmel
Im voll­be­setz­ten ETA-Hoff­mann-Thea­ter begann am Mitt­woch die Bam­ber­ger Poe­tik­pro­fes­sur 2026. Zum zwei­ten Mal luden die Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät und die Stadt gemein­sam zu der belieb­ten Vor­le­sungs­rei­he ein, die heu­er bereits ihr 40. Jubi­lä­um fei­ert, wie die Stadt Bam­berg mitteilt.

Zahl­rei­che Lite­ra­tur­in­ter­es­sier­te waren gekom­men, um den Schrift­stel­ler und Essay­is­ten Ingo Schul­ze zu erle­ben, der in die­sem Jahr als Poe­tik­pro­fes­sor in Bam­berg auf­tritt. Er stell­te erst­mals Aus­zü­ge aus sei­nem noch nicht erschie­nen Roman „Das Was­ser im August“ vor.

Thea­ter­in­ten­dant John von Düf­fel, selbst einst Poe­tik­pro­fes­sor in Bam­berg, begrüß­te die Gäs­te in sei­nem Haus und hob die beson­de­re Bedeu­tung des Abends her­vor: „Wir erle­ben heu­te eine ganz beson­de­re Lesung aus einem Buch, das noch nie vor­her gele­sen wurde.“

Uni­ver­si­täts­prä­si­dent Prof. Dr. Kai Fisch­bach unter­strich die enge Ver­bin­dung zwi­schen Uni­ver­si­tät und Stadt­ge­sell­schaft. „Uni­ver­si­tät in der Stadt zu sein, das ist für uns nicht nur unser Wahl­spruch, son­dern auch unse­re Her­zens­an­ge­le­gen­heit“, sag­te Fisch­bach. Ver­an­stal­tun­gen wie die Poe­tik­pro­fes­sur sei­en eine Ein­la­dung an die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, mit der Uni­ver­si­tät in Kon­takt zu kom­men und im Aus­tausch zu bleiben.

Auch der frisch ver­ei­dig­te Ober­bür­ger­meis­ter Sebas­ti­an M. Nie­der­mai­er wür­dig­te die Bedeu­tung der Ver­an­stal­tungs­rei­he für Bam­berg. „Lite­ra­tur spie­gelt nicht nur unse­re gesell­schaft­li­chen Debat­ten wider, son­dern stärkt die Viel­falt der Mei­nun­gen und för­dert somit das kri­ti­sche Bewusst­sein – ein wesent­li­cher Bau­stein für eine leben­di­ge Demo­kra­tie“, erklär­te Nie­der­mai­er. Die Bam­ber­ger Poe­tik­pro­fes­sur ver­ste­he sich als offe­nes Forum des Aus­tauschs zwi­schen Öffent­lich­keit, Lite­ra­tur und Wis­sen­schaft. Nie­der­mai­er lud die Stadt­ge­sell­schaft ein, die Chan­ce zum kri­ti­schen Dis­kurs zu nutzen.


Die Vor­aus­set­zun­gen des Erzählens

Im anschlie­ßen­den Gespräch mit Prof. Dr. Fried­helm Marx, dem Lehr­stuhl­in­ha­ber für Neue­re Deut­sche Lite­ra­tur­wis­sen­schaft in Bam­berg und Orga­ni­sa­tor der Poe­tik­pro­fes­sur, gab Ingo Schul­ze ers­te Ein­bli­cke in „Das Was­ser im August“, der im Som­mer erschei­nen wird. Schul­ze schil­der­te dabei auch sei­nen lite­ra­ri­schen Ansatz: „Ich woll­te ver­su­chen, ein­fach mal zu zei­gen, wie so etwas ent­steht.“ Die Poe­tik­vor­le­sun­gen wür­den des­halb nicht nur vom Schrei­ben selbst, son­dern auch von den Vor­aus­set­zun­gen und Hin­ter­grün­den des Erzäh­lens handeln.

Im Mit­tel­punkt des Abends stand schließ­lich eine ers­te öffent­li­che Lesung aus dem noch unver­öf­fent­lich­ten Roman. Die Zuhö­ren­den erhiel­ten exklu­si­ve Ein­bli­cke in eine viel­schich­ti­ge Erzäh­lung über Erin­ne­rung, Wahr­heit und Wahr­neh­mung. Schul­ze las Pas­sa­gen, in denen sich Gegen­wart und Ver­gan­gen­heit über­la­gern und die Fra­ge nach der Zuver­läs­sig­keit des Erzäh­lens immer wie­der neu gestellt wird.


Wei­te­re öffent­li­che Vorträge

Die Bam­ber­ger Poe­tik­pro­fes­sur wird in den kom­men­den Wochen mit drei öffent­li­chen Vor­trä­gen an der Uni­ver­si­tät Bam­berg fort­ge­setzt. Unter dem Titel „Drei Rei­sen mit einem Manu­skript“ spricht Ingo Schul­ze am 20. Mai über „Im Wes­ten – Lon­don“, am 10. Juni über „Im Osten – Chi­na“ sowie am 24. Juni über „Im Süden – Indi­en“. Die Vor­trä­ge begin­nen jeweils um 18 Uhr im Hör­saal U2/00.25 (An der Uni­ver­si­tät 2). Der Ein­tritt ist frei.

Den Abschluss bil­det am 25. und 26. Juni 2026 ein inter­na­tio­na­les For­schungs­kol­lo­qui­um mit Ingo Schul­ze im Inter­na­tio­na­len Künst­ler­haus Vil­la Concordia.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen sind hier zu finden.

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