Viel­falt als Chance

Neu­jahrs­emp­fang der IHK für Ober­fran­ken Bayreuth

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Neujahrsempfang
Beim Neujahrsempfang der IHK für Oberfranken Bayreuth in Himmelkron standen ein Ausblick auf das Jahr 2026 und die Chancen einer gelebten Diversität im Mittelpunkt. Unser Bild zeigt (v.r.) IHK-Präsidenten Dr. Michael Waasner, Festrednerin Mirijam Trunk von RTL und IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfram Brehm. Foto: Ochsenfoto - Thorsten Ochs
Beim Neu­jahrs­emp­fang der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth betont Prä­si­dent Dr. Micha­el Waas­ner die schwie­ri­ge wirt­schaft­li­che Lage der Regi­on, ins­be­son­de­re den Ver­lust von Indus­trie­ar­beits­plät­zen und die Not­wen­dig­keit, Büro­kra­tie abzu­bau­en und die Wett­be­werbs­fä­hig­keit zu stär­ken. RTL-Mana­ge­rin Miri­jam Trunk hebt in ihrem Fest­vor­trag die Bedeu­tung von Viel­falt und Diver­si­tät in Unter­neh­men her­vor, die nach­weis­lich Inno­va­ti­on und Unter­neh­mens­er­folg fördere.

Die IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth hat ihren tra­di­tio­nel­len Neu­jahrs­emp­fang in der Even­ta­re­na Him­mel­kron aus­ge­rich­tet. Rund 200 Gäs­te aus Wirt­schaft, Poli­tik und Gesell­schaft nutz­ten in der Even­ta­re­na Him­mel­kron die Gele­gen­heit zu Aus­tausch und Stand­ort­be­stim­mung zum Jahresauftakt.

Dr. Waas­ner geht in sei­ner Anspra­che auf die aktu­el­le Wirt­schafts­la­ge in Ober­fran­ken ein. Seit 2019 hat die ober­frän­ki­sche Indus­trie 11.500 Arbeits­plät­ze ver­lo­ren, die Indus­trie beschäf­tigt so weni­ge Men­schen wie nie zuvor, nur noch rund 125.000. Einen Beschäf­tig­ten­zu­wachs gab es nur bei den Dienst­leis­tun­gen und vor allem in der öffent­li­chen Ver­wal­tung, wo 5.500 neue ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Stel­len ent­stan­den. Dr. Waas­ner: „Für jeden zwei­ten Arbeits­platz, der in der Indus­trie ver­lo­ren ging, ent­stand einer in der Ver­wal­tung. Mei­ne Damen und Her­ren, das ist kein nach­hal­ti­ges Wachs­tums­mo­dell!” Lei­der stim­men auch die wei­te­ren Per­spek­ti­ven wenig opti­mis­tisch. „Die ers­ten Trend­er­geb­nis­se der IHK-Kon­junk­tur­er­geb­nis­se zei­gen, dass bei den Erwar­tun­gen für 2026 Pes­si­mis­mus wei­ter­hin über­wiegt, wenn­gleich der Trend wie­der in die rich­ti­ge Rich­tung geht”, so der IHK-Präsident.


Ober­frän­ki­sche Wirt­schaft vor enor­men Herausforderungen

„Wir müs­sen uns fra­gen: Haben wir noch das rich­ti­ge Betriebs­sys­tem für unse­re Wirt­schaft? Oder lau­fen wir mit ver­al­te­ter Soft­ware, wäh­rend ande­re längst auf­ge­rüs­tet haben?”, so Dr. Waas­ner. Er geht auf die Her­aus­for­de­run­gen ein, vor denen die ober­frän­ki­sche Wirt­schaft steht. Der IHK-Prä­si­dent for­dert, Pla­nungs- und Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren zu beschleu­ni­gen und die Büro­kra­tie abzu­bau­en, Inves­ti­tio­nen zu erleich­tern, Unter­neh­men steu­er­lich zu ent­las­ten, Arbeits­an­rei­ze zu ver­bes­sern und die Infra­struk­tur end­lich auf das Niveau des 21. Jahr­hun­derts zu brin­gen. „Die Bereit­schaft, Ver­än­de­run­gen anzu­ge­hen, ist in der Gesell­schaft und in der Poli­tik noch zu schwach aus­ge­prägt. Wir müs­sen gemein­sam dar­an arbei­ten, die Wett­be­werbs­fä­hig­keit unse­rer Regi­on zu sichern.“


Unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven und Erfah­run­gen zusammenbringen

Ein beson­de­rer Höhe­punkt des Abends ist der Fest­vor­trag von Miri­jam Trunk, Chief Cross­me­dia Offi­cer, Chief Sus­taina­bi­li­ty & Diver­si­ty Offi­cer von RTL Deutsch­land und Best­sel­ler­au­torin. Unter dem Titel “Ver­schie­de­ne Köp­fe kom­men zu bes­se­ren Ergeb­nis­sen – wie Frau­en und Män­ner gemein­sam mehr Viel­falt in Unter­neh­men brin­gen“ spricht sie über die Bedeu­tung von Diver­si­tät für Inno­va­ti­on und Unter­neh­mens­er­folg. Trunk macht deut­lich: „Viel­falt ist viel mehr als Mann und Frau. Es geht dar­um, unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven und Erfah­run­gen zusam­men­zu­brin­gen, um bes­se­re Lösun­gen zu finden.“

Sie schil­dert anschau­lich, wie unbe­wuss­te Denk­mus­ter und gesell­schaft­li­che Prä­gun­gen die Arbeits­welt beein­flus­sen und wie wich­tig es ist, die­se zu hin­ter­fra­gen: „Wir alle haben Bil­der im Kopf, die unser Han­deln bestim­men. Ent­schei­dend ist, dass wir uns des­sen bewusst wer­den und aktiv dar­an arbei­ten, Viel­falt zu för­dern.“ In ihrem Vor­trag stellt sie gegen­über, wie unter­schied­lich bestimm­te Eigen­schaf­ten bei Frau­en und bei Män­nern inter­pre­tiert wer­den. Zei­ge ein Mann Emo­tio­nen, gel­te er als ener­gisch und ein­fühl­sam, eine Frau dage­gen als “hys­te­risch und gaga.” Zei­ge ein Mann wenig Emo­tio­nen, habe er sich im Griff, eine Frau dage­gen gel­te als eiskalt.

In Deutsch­land gel­te für Frau­en wei­ter­hin das Mot­to “Kind oder Kar­rie­re”. Nicht von unge­fähr sei Deutsch­land inter­na­tio­na­ler Spit­zen­rei­ter bei Teil­zeit­ar­beit. Auch hät­ten Kin­der für Frau­en spür­ba­re Aus­wir­kun­gen auf ihr Einkommen.


Viel­falt als stra­te­gi­sche Chan­ce begreifen

Unter­neh­men, die Diver­si­tät leben, sind nach­weis­lich inno­va­ti­ver und erfolg­rei­cher: „Mit einem viel­fäl­ti­gen Manage­ment erzie­len Unter­neh­men 19 Pro­zent mehr Inno­va­tio­nen”. So Trunk. „Es geht dar­um, Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen zu ent­wi­ckeln, die für alle Men­schen pas­sen – und damit neue Kun­den­grup­pen zu erschlie­ßen.“ Sie appel­liert an die Füh­rungs­kräf­te in Ober­fran­ken, Viel­falt als stra­te­gi­sche Chan­ce zu begrei­fen: „Viel­falt ist kein kurz­fris­ti­ger Trend, son­dern eine zen­tra­le Füh­rungs­auf­ga­be. Nur so kön­nen wir die Her­aus­for­de­run­gen des demo­gra­fi­schen Wan­dels und des Fach­kräf­te­man­gels meistern.“

Die gebür­ti­ge Bam­ber­ge­rin stu­dier­te Psy­cho­lo­gie, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft und Poli­tik in Mün­chen und Washing­ton D.C., absol­vier­te eine Aus­bil­dung an der Deut­schen Jour­na­lis­ten­schu­le in Mün­chen und arbei­te­te als Repor­te­rin beim Bay­ri­schen Rund­funk. Mit 27 wur­de die heu­te 34-jäh­ri­ge Geschäfts­füh­re­rin der Ber­tels­mann Audio Alli­ance und bau­te das Pod­cast-Geschäft des Unter­neh­mens auf, bevor sie RTL-Mana­ge­rin wurde.

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