Neujahrsempfang des Erzbistums Bamberg
„Die Kraft der Hoffnung ist gewaltig“
Unter dem Leitwort „Du bewegst die Welt“ ist das Erzbistum Bamberg in das Jahr 2026 gestartet. Damit soll die Dynamik aus dem von Papst Franziskus ausgerufenen Heiligen Jahr 2025 mit dem Motto „Pilger der Hoffnung“ fortgeführt werden, sagte Erzbischof Herwig Gössl am Samstag beim Neujahrsempfang des Erzbistums, zu dem rund 850 Gäste aus Kirche, Politik, Kultur und Gesellschaft in die Bamberger Konzerthalle gekommen waren.
Trotz vieler Krisen und Belastungen sei 2025 ein hoffnungsstarkes Jahr gewesen, sagte Gössl. Viele Menschen hätten Orte der Hoffnung sichtbar gemacht – dort, wo sich Menschen umeinander kümmern und Verantwortung füreinander übernehmen. „Die Kraft der Hoffnung ist gewaltig, das war spürbar“, so Gössl. Diese Hoffnung solle mit dem Motto „Du bewegst die Welt“ in die Zukunft fortgeführt werden.
Das Jahresmotto solle aussagen: „Es kommt auf jede und jeden Einzelnen an“, erläuterte der Erzbischof. Schon kleine Gesten könnten die Welt eines Menschen verändern. Zugleich sei das Motto ein Appell zur Verantwortung: Wer die Welt bewege, hinterlasse Spuren. Aus christlicher Sicht gehörten dazu die Verantwortung vor Gott und das gemeinsame Wohl aller Menschen. Das Leitwort könne zudem als Ansprache an Gott und so auch als Glaubensbekenntnis verstanden werden, sagte Gössl. Gott sei der eigentliche Beweger, der auch dort Veränderung ermögliche, wo aus menschlicher Sicht alles erstarrt scheine.
Besonders verwies der Erzbischof auf den Salesianerpater Rudolf Lunkenbein, dessen Todestag sich am 15. Juli zum 50. Mal jährt. Lunkenbein war 1976 in Brasilien von weißen Großgrundbesitzern erschossen worden. Der aus Döringstadt bei Ebensfeld stammende Priester setzte sich für die Rechte der Bororo-Indigenen ein. Lunkenbein, der nur 37 Jahre alt wurde, habe in wenigen Jahren Außergewöhnliches bewirkt, sagte Gössl. Er habe den Bororos neue Perspektiven gegeben, für ihre Landrechte gekämpft, den Dialog mit Politik und Behörden gesucht und konkrete Verbesserungen in Infrastruktur und Landwirtschaft angestoßen. 2018 wurde in Brasilien der diözesane Seligsprechungsprozess eröffnet, im November 2025 äußerte sich das zuständige vatikanische Dikasterium positiv, sodass auf eine baldige Seligsprechung gehofft wird. Auch Angehörige Lunkenbeins waren zum Neujahrsempfang gekommen.
Um Pater Lunkenbein ging es auch in einem von Joffrey Streit moderierten Podiumsgespräch mit Pfarrer Dirk Bingener, Präsident des Hilfswerks missio Aachen und des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“, Martina Edenhofer vom Salesianum München und Domkapitular und Kirchenhistoriker Norbert Jung. Lunkenbein habe sich schon für Klimaschutz und die Bewahrung der Schöpfung engagiert, als diese Begriffe noch gar nicht gebräuchlich waren, sagte Jung. Wie lange das Seligsprechungsverfahren noch dauern werde, sei nicht abzuschätzen. Der Papst könne theoretisch innerhalb eines Tages entscheiden, manche Verfahren hätten aber auch Jahrhunderte gedauert. Da Papst Leo XIV. selbst Missionar in Lateinamerika war, hoffe er auf ein schnelles Verfahren, so Jung.
Edenhofer kündigte zum diesjährigen Katholikentag einen Dokumentarfilm über Pater Lunkenbein an. Und Bingener appellierte an die Politiker, sich weltweit gegen Kinderarbeit zu engagieren. Ihn erfülle es mit Hoffnung, dass überall auf der Welt die Kirche präsent sei, auch wo staatliche Strukturen versagen.
Zuvor hatte der scheidende Bamberger Oberbürgermeister Andreas Starke in einem Grußwort das Wirken der katholischen Kirche mit ihre zahlreichen Initiativen, Ideen und Institutionen gewürdigt: „Der soziale Zusammenhalt in den Städten und Gemeinden lebt von diesem vorbildlichen Engagement.“ Die Kirchen übernähmen herausregende Aufgaben im Krankenhauswesen, in der Schule und Erziehung und in vielen sozialen Bereichen. „Neben der Seelsorge haben beide Kirchen in unserem Land Verantwortung übernommen“, betonte Starke. Es sei auch künftig notwendig, dass die Kirchen „Motoren für bestimmte Aufgaben“ bleiben und verbindliche Moralvorstellungen in die Gesellschaft einbringen und dort verankern. „Das können nur die Kirchen, das kann sonst niemand mehr, auch nicht die Parteien.“
Musikalisch gestaltet wurde der Empfang von dem Duo „Frau Schmitt und ihr Pianist“, Heike Schmitt und Johannes Klehr.
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Mit Zuversicht und Zusammenhalt Bamberg gestalten
Neujahrsempfang der Stadt Bamberg
Bis zu seiner Verabschiedung Ende April wird Oberbürgermeister Andreas Starke noch entscheidende Weichen für die Entwicklung Bambergs stellen. Beim Neujahrsempfang am Samstag in der Konzert- und Kongresshalle forderte er die Bürgerschaft auf, bei der Kommunalwahl am 8. März vom Wahlrecht Gebrauch zu machen.
„Gehen Sie wählen, stärken Sie die Demokratie und stärken Sie mit Ihrer Auswahl die Demokraten in der Demokratie!“ Regierungspräsident Florian Luderschmid war es vorbehalten, in seiner Festrede die 20-jährige Amtszeit Starkes Revue passieren zu lassen.
Der OB rechtfertigte das Verhandlungsergebnis, das mit dem Freistaat über die Zukunft des Ankerzentrums erzielt wurde. Mit dem Erwerb des Geländes komme die Stadt Bamberg in die komfortable Situation, in zehn Jahren über die künftige Gestaltung selbst entscheiden zu können. Die Lösung sei geeignet, den sozialen Frieden zu sichern: „Wir stärken den Interessensausgleich, weil niemand gegeneinander ausgespielt wird.“ Und weiter: „Das ist der Auftrag von Politik. Einem Ziel, einem Leitbild der Stadt zu folgen und dieses Bild zum Maßstab des Handelns zu machen. Lebensqualität herstellen, damit sich die Menschen sicher und behütet fühlen. Damit die Infrastruktur passt. Damit genügend Jobs für alle da sind und kulturelle Vielfalt herrscht. Ein Auftrag, der weit über den Tag hinaus reicht, auch über den Wahltag.“
Mehr Frauen in gehobenen Positionen
Starke beleuchtete in seiner Rede etliche weitere Themen, die für die Stadtentwicklung bedeutsam sind. Allen voran die „sehnlichst erwartete“ Wiedereröffnung von St. Michael, terminiert auf den 25. April. Beim Neujahrsempfang 2025 forderte Festrednerin Prof. Dr. Jutta Allmendinger, Frauen im Beruf zu fördern. Hier meldete der OB für die Stadtverwaltung Vollzug. Mit der Berufung von Annegret Michler als Baureferentin sind die Referatsleitungen paritätisch besetzt. Auch auf Amtsleiter-Ebene wurden mehr Frauen als Männer eingestellt. Der OB kündigte für den 3. Februar den Besuch von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius an. Thema wird das Muna-Gelände sein. Signale der Bundeswehr lassen darauf schließen, dass sie offen ist für Ansprüche der Stadt Bamberg.
Neuer Partner beim Projekt „Eco-Square“
Mit dem „zwingend notwendigen“ Tiefensammler entlang des Main-Donau-Kanals werden mehrere Ziele verfolgt: der Gewässerschutz, die Entlastung des vorhandenen Kanalnetzes und die Verhinderung der Überflutung von Bahnunterführungen. Beim Projekt „Eco-Square“ kündigte der OB eine Kooperation zwischen dem bisherigen Investor und einem neuen Partner an. Teile des ehemaligen Karstadt-Gebäudes am Maxplatz sollten von der Otto-Friedrich-Universität für Lehre und Forschung angemietet werden. Dank der „Kita-Offensive“ ist es gelungen, im Kindergartenalter nahezu jeden Bedarf zu decken. „Zeigen Sie mir eine vergleichbare Stadt, die in den letzten Jahren fast 600 Kita-Plätze schaffen konnte“, erklärte Starke.
Partnerschaft mit Mukatschewo
Am 28. Januar wird im Rahmen einer Festsitzung des Stadtrats die Partnerschaft mit der westukrainischen Stadt Mukatschewo besiegelt. Und am 13. September findet die bundesweit zentrale Eröffnungsfeier zum „Tag des offenen Denkmals“ auf dem Maxplatz statt. Mit den Worten „Ich habe mich entschlossen, nach 20 Jahren als Oberbürgermeister nicht mehr anzutreten. Es war mir immer eine besondere Ehre, für Sie und die Stadt Bamberg zu arbeiten. Ich wünsche Ihnen ein gutes, ein kraftvolles und vor allem gesundes Jahr 2026. Lassen Sie es uns mit Zuversicht und Zusammenhalt erfolgreich gestalten: Für Bamberg und für die Menschen, die hier leben“ verabschiedete sich Starke von der Bühne. Es dankte ihm die Zuhörerschaft im voll besetzten Joseph-Keilberth-Saal, indem sie sich von ihren Plätzen erhob und langanhaltend applaudierte.
Lob vom Regierungspräsidenten
Lob gab es auch von Regierungspräsident Florian Luderschmid, dem Festredner des Neujahrsempfangs. Er beschrieb Vorgehensweise des OB so: „Andreas Starke durchdenkt die Dinge, überlegt dann genau, ob er sich für eine Sache einsetzen will, was er dann tut, wenn es seiner Stadt Bamberg von Nutzen ist, und geht dann mit perfektionierter Strategie vor, um sein Ziel zu erreichen.“ Luderschmid skizzierte eine Reihe von Projekten, die der OB in seiner 20-jährigen Amtszeit anschob und erfolgreich abschloss, auch dank oft millionenschwerer Hilfe aus Bayreuth, dem Sitz der Regierung von Oberfranken, München und Berlin: die Sanierungen von Schulen und der Aufbau von Plätzen in Kindertagesstätten, die Landesgartenschau mit der nachhaltigen Schaffung von Lebensräumen, die Anbindung der Brennerstraße an den Bahnhof, die Schaffung des Naturschutzgebiets Breitenau, die Entwicklung des Lagarde-Campus, der Bau des vierten Bettenturms am Klinikum und die bauliche Aufwertung der Sandstraße, um nur einige Meilensteine zu nennen. Lob gab es auch für den Kämmerer: „Das Team um Bertram Felix hat die Finanzen der Stadt auch in den aktuell schwierigen Zeiten gut im Griff. Die Stadt Bamberg kann verhalten optimistisch ins neue Jahr blicken.“
Dritter Bürgermeister Wolfgang Metzner warb für das Spendenprojekt: Gesammelt wurde für das Projekt „RückzugsRAUM“, das obdachlose Frauen unterstützt. Baubeginn für fünf komplett ausgestattete Mini-Appartements wird Mitte des Jahres sein. Zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp dankte allen, die am Neujahrsempfang mitgewirkt haben, insbesondere dem Kammerorchester der Universität Bamberg unter Leitung von Universitätsmusikdirektor Wilhelm Schmidts für die musikalische Umrahmung, dem Mütterzentrum Känguruh für die Kinderbetreuung und der Gebärdendolmetscherin Alexa Dölle.
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Vielfalt als Chance
Neujahrsempfang der IHK für Oberfranken Bayreuth
Beim Neujahrsempfang der IHK für Oberfranken Bayreuth betont Präsident Dr. Michael Waasner die schwierige wirtschaftliche Lage der Region, insbesondere den Verlust von Industriearbeitsplätzen und die Notwendigkeit, Bürokratie abzubauen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. RTL-Managerin Mirijam Trunk hebt in ihrem Festvortrag die Bedeutung von Vielfalt und Diversität in Unternehmen hervor, die nachweislich Innovation und Unternehmenserfolg fördere.
Die IHK für Oberfranken Bayreuth hat ihren traditionellen Neujahrsempfang in der Eventarena Himmelkron ausgerichtet. Rund 200 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nutzten in der Eventarena Himmelkron die Gelegenheit zu Austausch und Standortbestimmung zum Jahresauftakt.
Dr. Waasner geht in seiner Ansprache auf die aktuelle Wirtschaftslage in Oberfranken ein. Seit 2019 hat die oberfränkische Industrie 11.500 Arbeitsplätze verloren, die Industrie beschäftigt so wenige Menschen wie nie zuvor, nur noch rund 125.000. Einen Beschäftigtenzuwachs gab es nur bei den Dienstleistungen und vor allem in der öffentlichen Verwaltung, wo 5.500 neue versicherungspflichtige Stellen entstanden. Dr. Waasner: „Für jeden zweiten Arbeitsplatz, der in der Industrie verloren ging, entstand einer in der Verwaltung. Meine Damen und Herren, das ist kein nachhaltiges Wachstumsmodell!” Leider stimmen auch die weiteren Perspektiven wenig optimistisch. „Die ersten Trendergebnisse der IHK-Konjunkturergebnisse zeigen, dass bei den Erwartungen für 2026 Pessimismus weiterhin überwiegt, wenngleich der Trend wieder in die richtige Richtung geht”, so der IHK-Präsident.
Oberfränkische Wirtschaft vor enormen Herausforderungen
„Wir müssen uns fragen: Haben wir noch das richtige Betriebssystem für unsere Wirtschaft? Oder laufen wir mit veralteter Software, während andere längst aufgerüstet haben?”, so Dr. Waasner. Er geht auf die Herausforderungen ein, vor denen die oberfränkische Wirtschaft steht. Der IHK-Präsident fordert, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und die Bürokratie abzubauen, Investitionen zu erleichtern, Unternehmen steuerlich zu entlasten, Arbeitsanreize zu verbessern und die Infrastruktur endlich auf das Niveau des 21. Jahrhunderts zu bringen. „Die Bereitschaft, Veränderungen anzugehen, ist in der Gesellschaft und in der Politik noch zu schwach ausgeprägt. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Region zu sichern.“
Unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen zusammenbringen
Ein besonderer Höhepunkt des Abends ist der Festvortrag von Mirijam Trunk, Chief Crossmedia Officer, Chief Sustainability & Diversity Officer von RTL Deutschland und Bestsellerautorin. Unter dem Titel “Verschiedene Köpfe kommen zu besseren Ergebnissen – wie Frauen und Männer gemeinsam mehr Vielfalt in Unternehmen bringen“ spricht sie über die Bedeutung von Diversität für Innovation und Unternehmenserfolg. Trunk macht deutlich: „Vielfalt ist viel mehr als Mann und Frau. Es geht darum, unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen zusammenzubringen, um bessere Lösungen zu finden.“
Sie schildert anschaulich, wie unbewusste Denkmuster und gesellschaftliche Prägungen die Arbeitswelt beeinflussen und wie wichtig es ist, diese zu hinterfragen: „Wir alle haben Bilder im Kopf, die unser Handeln bestimmen. Entscheidend ist, dass wir uns dessen bewusst werden und aktiv daran arbeiten, Vielfalt zu fördern.“ In ihrem Vortrag stellt sie gegenüber, wie unterschiedlich bestimmte Eigenschaften bei Frauen und bei Männern interpretiert werden. Zeige ein Mann Emotionen, gelte er als energisch und einfühlsam, eine Frau dagegen als “hysterisch und gaga.” Zeige ein Mann wenig Emotionen, habe er sich im Griff, eine Frau dagegen gelte als eiskalt.
In Deutschland gelte für Frauen weiterhin das Motto “Kind oder Karriere”. Nicht von ungefähr sei Deutschland internationaler Spitzenreiter bei Teilzeitarbeit. Auch hätten Kinder für Frauen spürbare Auswirkungen auf ihr Einkommen.
Vielfalt als strategische Chance begreifen
Unternehmen, die Diversität leben, sind nachweislich innovativer und erfolgreicher: „Mit einem vielfältigen Management erzielen Unternehmen 19 Prozent mehr Innovationen”. So Trunk. „Es geht darum, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die für alle Menschen passen – und damit neue Kundengruppen zu erschließen.“ Sie appelliert an die Führungskräfte in Oberfranken, Vielfalt als strategische Chance zu begreifen: „Vielfalt ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine zentrale Führungsaufgabe. Nur so können wir die Herausforderungen des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels meistern.“
Die gebürtige Bambergerin studierte Psychologie, Kommunikationswissenschaft und Politik in München und Washington D.C., absolvierte eine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München und arbeitete als Reporterin beim Bayrischen Rundfunk. Mit 27 wurde die heute 34-jährige Geschäftsführerin der Bertelsmann Audio Alliance und baute das Podcast-Geschäft des Unternehmens auf, bevor sie RTL-Managerin wurde.
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Neujahrsempfang der Stadt Bamberg
Andreas Starke mit Appell zum Zusammenhalt
Oberbürgermeister Andreas Starke appellierte beim Neujahrsempfang am Samstag an die Stadtgesellschaft, enger zusammenzurücken und die Initiative zu ergreifen, um die Schwächeren zu unterstützen und die Demokratie zu stärken. Festrednerin Dr. Jutta Allmendinger, Mitglied des Deutschen Ethikrates und Professorin an der Humboldt-Universität in Berlin, widmete sich der Gleichstellung in Deutschland. Ihre Analyse: Es ist noch ein weiter Weg für eine echte Gleichberechtigung hierzulande.
Der OB fand mit Blick auf AfD deutliche Worte: „Die Rhetorik ist schrecklich, viele Inhalte sind es auch. Sie bieten scheinbar einfache Lösungen an, schüren Wut und Angst. Sie präsentieren Feindbilder und wecken Neid und Missgunst. Autokratische Systeme in Russland und China werden verharmlost. Sie untergraben das, was unser Land seit 1945 getragen hat, nämlich Demokratie und Rechtsstaat.“
Erstmals wurde der Neujahrsempfang im Livestream auf der Homepage der Stadt Bamberg übertragen. Denjenigen in der voll besetzten Konzerthalle und vor den Bildschirmen, die gerne mit Vorsätzen in ein neues Jahr starten, gab Starke einige Anregungen mit auf den Weg: Er forderte nicht nur dazu auf, an politischen Diskussionsrunden vor Ort teilzunehmen, wählen zu gehen oder sich selbst zur Wahl zu stellen. Ihm war es auch ein Anliegen, dass sich viele an den Ehrenamtlichen ein Beispiel nehmen: „In meinen Augen sind sie die echten Alltagshelden.“ Netzwerke bilden, Zivilcourage zeigen und auf Menschen zuzugehen, waren weitere Appelle. Starke empfahl darüber hinaus, sich nur mit Hilfe von seriösen Medien zu informieren.
„Ohne Murren“ Steuern zahlen
Zuletzt mahnte er, die staatlichen Stellen, die die demokratische Grundordnung achten, zu unterstützen. Und „ohne Murren“ Steuern zu zahlen. „Nur eine Stadt, die nicht in eine prekäre Lage abrutscht, kann Sicherheit und soziale Balance garantieren, kann Schulen sanieren und Kindergartenplätze schaffen, kann Kultur finanzieren oder erforderliche Straßenreparaturen vornehmen.“
Zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp führte in den Festvortrag ein und stellte die Festrednerin Prof. Dr. h. c. Jutta Allmendinger, Ph.D., vor. Angesichts der Musizierenden auf der Bühne des Keilberth-Saals skizzierte Allmendinger das Gleichstellungs-Ideal. Untersuchungen hätten vor Augen geführt, dass paritätisch besetzte Orchester besonders harmonisch musizieren. Bei allen Verbesserungen erscheine das Ideal schwer erreichbar: Immer mehr Frauen finden sich in Führungspositionen, ihr Lebens- und Renteneinkommen ist höher geworden und immer mehr Männer bekennen sich dazu, dass sie ihre Kinder aufwachsen sehen möchten.
Entweder Kinder – oder Karriere
Frauen stünden vor der Frage, sich entweder für die Familie oder für die Karriere zu entscheiden. Wer die Karriere wähle, müsse Kinder meist ausschließen. „Diese Rahmenbedingungen führen dazu, dass die Geburtenrate weiter sinkt.“ Es benötige strukturelle Veränderungen, um diesen Trend umzukehren. Kinderbetreuung, Tätigkeiten im Haushalt und Pflege bedürften gesellschaftlicher Wertschätzung. Es müsse eine verlässliche Infrastruktur für die Kinderbetreuung geschaffen werden. Dass nur knapp die Hälfte der Männer Elternzeit in Anspruch nimmt, sei ein viel zu niedriger Wert. „Gleichstellungspolitik muss deshalb Männerpolitik sein“, forderte Allmendinger.
Dritter Bürgermeister Wolfgang Metzner warb für die Spendenprojekte: Gesammelt wurde für den Förderverein Soroptimist International Club Bamberg Kunigunde sowie für den Förderverein Zelt der Religionen.
Die Orgel spielte Dekanatskantorin Marketa Schley-Reindlova, für die weitere musikalische Umrahmung sorgten verschiedene Ensembles des E.T.A. Hoffmann Gymnasiums mit ihren Lehrkräften Natalia Solotych, Katharina Rosenberg und Johannes Klehr. Als Gebärdendolmetscherin war Alexa Dölle auf der Bühne zu erleben. Die Kinderbetreuung übernahm das Team vom Mütterzentrum Känguruh. Zur Einführung in den Festvortrag wurde ein Film über Gleichstellung in Bamberg gezeigt. Dieser Beitrag kann hier gesehen werden. Der Live-Stream, erstellt von der Bamberg Congress + Event GmbH, ist von über 100 Personen aufgerufen worden.
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Neujahrsempfang in Fürth
Erzbistum Bamberg zeigt „Leidenschaft für das Klima“
Unter dem Motto „Leidenschaft für das Klima“ hat das Erzbistum Bamberg in Fürth zu seinem Neujahrsempfang eingeladen. Erzbischof Herwig Gössl erinnerte am Samstag in seiner Ansprache an die Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus vor zehn Jahren. Festrednerin war die Augsburger Moraltheologin Prof. Kerstin Schlögl-Flierl, die in ihrem Vortrag dazu aufrief, „von der Hoffnung ins Handeln“ zu kommen.
Erzbischof Gössl stellte fest, dass in den vergangenen zehn Jahren die Sensibilität den Klimaschutz betreffend stetig gewachsen sei. Derzeit sehe er die Menschheit aber an einem Scheidepunkt: „Eine Mehrheit ist heute bereit, Klimaschutzprogramme zugunsten einer florierenden Wirtschaft zurückzufahren und Schöpfungsverantwortung als Luxusproblem zu begreifen.“
Auch wenn die Folgen des Klimawandels immer stärker spürbar seien, scheine der Enthusiasmus, sich für eine Begrenzung der Erderwärmung einzusetzen, deutlich abgekühlt zu sein. „In den Diskussionen wird diese Problematik, die letztlich eine Überlebensfrage der Menschheit ist, immer öfter in Gegensatz gebracht zu der ebenfalls bedeutenden, aber dem Einzelnen wesentlich näher liegenden Frage nach der wirtschaftlichen Entwicklung, dem eigenen Arbeitsplatz und dem erworbenen Wohlstand“, so Gössl.
Papst Franziskus erkenne im Thema Schöpfungsverantwortung eine höchst soziale Frage, die für den Fortbestand der Menschheit besondere Priorität habe. „Jeder von uns muss sich in gewisser Weise für die Zerstörung verantwortlich fühlen, der unser gemeinsames Haus ausgesetzt ist“, zitierte Gössl den Papst. Er bezog sich dabei neben der Umweltverschmutzung auch auf die unmenschliche Behandlung von Migranten, Desinformation und Ablehnung jeder Form von Dialog. Es bedürfe kultureller und struktureller Veränderungen für einen dauerhaften Wandel. „Der Kern der christlichen Botschaft“, so Gössl, „hängt zuinnerst zusammen mit unserer sozialen Verantwortung und mit der Umsetzung konkreter Schritte, auch im Blick auf globale Herausforderungen.“
Auch Professorin Schlögl-Flierl stellte in ihrer Rede fest, dass das zunehmende Wissen über den Klimawandel und die auch in Deutschland spürbaren Folgen bei vielen Menschen ohne Folgen für ihr Handel blieben. Als Beispiel nannte sie das Einkaufen im Biomarkt mit dem SUV. Im Kontext der Klimakrise werde Verantwortung gerne von einem Akteur zum nächsten geschoben, ohne dass eine Handlung in Gang komme. Mit der Frage der Klimaverantwortung habe sich im vergangenen Jahr auch der Deutsche Ethikrat befasst, in dem sie Mitglied ist. „Es wird anerkannt, dass Einzelpersonen sehr wohl Verhaltensänderungen zeigen müssen, eine moralische Mitwirkungspflicht haben, aber dabei kein moralisches Heldentum verlangt werden darf.“
Vielmehr müssten auf allen Ebenen die Akteure zusammenarbeiten, wodurch es zu einem sachlichen und konstruktiven Diskurs auf den verschiedenen Ebenen kommen müsse. Sie rief zu einer „lösungsorientierten Kommunikation“ auf: Politiker und Medien sollten weder überzogenen Alarmismus zeigen noch die Probleme verharmlosen. „Das Hinauszögern wirksamer Schritte ist aus Gründen der intergenerationellen Gerechtigkeit ethisch nicht zu rechtfertigen“, sagte die Professorin und forderte Handeln „jetzt und hier“.
Zu einem Diskurs bringe die katholische Kirche vielfältige Impulse ein. Auch 2023 habe Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben „Laudate Deum“ den aktuellen Zustand der Debatte rund um den Klimawandel angeprangert. Konkret schlug die Inhaberin des Lehrstuhls für Moraltheologie der Universität Augsburg vor, dass Privatpersonen beim Umweltbundesamt Anregungen einholen könnten, wie sie ihren Alltag Schritt für Schritt klimafreundlicher gestalten können. Dies sei in den Bereichen Energie, Reinigung und Ernährung mit einfachen Maßnahmen in jedem Haushalt möglich. Als Beispiele nannte sie das Reduzieren der Zimmertemperatur, das Trinken von Leitungswasser und den Verzehr von weniger tierischen Lebensmitteln. Beim Klimawandel gehe es um kleine Schritte. Jedes Handeln müsse auf die „Enkeltauglichkeit“ überprüft werden.
Der Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung würdigte in seinem Grußwort das Wirken der Kirche in der Gesellschaft. Die Kirche könne Kindergärten und Seniorenheime betreiben wie andere auch. Aber das Kernanliegen der Kirche sei die Verkündigung der frohen Botschaft.
Musikalisch gestaltet wurde der Empfang in der Fürther Stadthalle von der Musikgruppe „Patchwork“ der Musikschule Fürth unter Leitung von Jan Hembacher. Zu den Gästen zählten neben dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft.