Ein Amt, das Wirt­schaft und Jus­tiz verbindet

Ehren­amt­lich täti­ge Han­dels­rich­ter aus dem IHK-Gre­mi­um Bam­berg ausgezeichnet

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Handelsrichter
IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfram Brehm (links) und IHK-Präsident Dr. Michael Waasner (rechts) haben die Handelsrichter Heribert Trunk und Ralf-Dieter Thiehofe (von links) aus dem IHK-Gremium Bamberg für ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit ausgezeichnet. Beide sind seit 2012 ehrenamtlich als Handelsrichter tätig. Foto: IHK für Oberfranken Bayreuth
Wenn juris­ti­scher Sach­ver­stand auf unter­neh­me­ri­sche Erfah­rung trifft, dann ler­ne man von­ein­an­der, und am Ende pro­fi­tier­ten alle Betei­lig­ten davon: die strei­ten­den Par­tei­en, die Wirt­schaft und der Rechts­staat. So hat IHK-Vize­prä­si­dent Wil­helm Was­i­kow­ski die Tätig­keit eines Han­dels­rich­ters erklärt. Beim erst­mals ver­an­stal­te­ten “Tag der Han­dels­rich­ter“ auf Klos­ter Banz wur­den zahl­rei­che Han­dels­rich­ter aus allen Tei­len Ober­fran­kens für Ihr lang­jäh­ri­ges ehren­amt­li­ches Wir­ken aus­ge­zeich­net, wie die IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth mitteilt.

Im Rah­men der Ver­an­stal­tung wur­den mit Ralf-Die­ter Thie­ho­fe und Heri­bert Trunk zwei Per­sön­lich­kei­ten aus dem IHK-Gre­mi­um Bam­berg (Stadt und Land­kreis Bam­berg) für ihr lang­jäh­ri­ges ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment als Han­dels­rich­ter aus­ge­zeich­net. Bei­de sind seit 2012 als ehren­amt­li­che Han­dels­rich­ter aktiv. Durch­ge­führt wur­de die Ver­an­stal­tung von der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth gemein­sam mit der IHK zu Coburg.

Die­se ganz beson­de­re Tätig­keit lebe von Bestän­dig­keit und von Men­schen, die Jahr für Jahr ehren­amt­lich Recht spre­chen, ohne dass es dafür Applaus oder Schlag­zei­len gibt, sagt Wil­helm Was­i­kow­ski, selbst seit 21 Jah­ren auch ehren­amt­li­cher Han­dels­rich­ter. Er ist nicht nur IHK-Vize­prä­si­dent und Vor­sit­zen­der des IHK-Gre­mi­ums Lich­ten­fels, son­dern selbst auch als Han­dels­rich­ter tätig. Sei­nen Wor­ten zufol­ge gehö­ren die Kam­mern für Han­dels­sa­chen bei den Land­ge­rich­ten zu den am wenigs­ten bekann­ten, aber wich­tigs­ten Insti­tu­tio­nen unse­rer Wirt­schaft. Dort wür­den Men­schen aus der Wirt­schaft ihre Erfah­run­gen unent­gelt­lich und neben dem eige­nen Beruf aus Über­zeu­gung ein­brin­gen. „Fair­ness, Ver­läss­lich­keit, Respekt vor den Regeln des Wett­be­werbs, das ist kein Bild aus dem Geschichts­buch, son­dern geleb­ter All­tag“, so Wil­helm Wasikowski.


Han­dels­rich­ter, die wis­sen, wie ein Unter­neh­men tickt

Wenn Unter­neh­men um Lie­fe­run­gen, Zah­lun­gen oder Ver­trä­ge strei­ten, dann benö­ti­ge es einen Ort, der nicht nur Para­gra­fen kennt, son­dern auch Bilan­zen lesen kann. Genau das sei die Stär­ke der Kam­mer für Han­dels­sa­chen. Berufs­rich­ter säßen dort gemein­sam mit Han­dels­rich­tern, die wüss­ten, wie ein Betrieb tickt, wie Lie­fer­ket­ten funk­tio­nie­ren und was ein Deckungs­bei­trag ist. “Das ist kei­ne Theo­rie aus dem Semi­nar­raum, das ist Pra­xis am Ver­hand­lungs­tisch“, macht der IHK-Vize­prä­si­dent deut­lich. Für die Unter­neh­men bedeu­te dies kon­kret: „Ver­fah­ren, die oft schnel­ler gehen und Ent­schei­dun­gen, die näher an der Rea­li­tät liegen.“


Han­dels­rich­ter – eine frän­ki­sche Erfindung

Tra­di­ti­on als Fun­da­ment, Rechts­si­cher­heit als Vor­aus­set­zung und Inno­va­ti­on als Zukunft, so beschreibt Dr. Adri­an Roß­ner, pro­mo­vier­ter Lan­des­his­to­ri­ker und CEO des Wis­sen­schafts­zen­trums für Künst­li­che Intel­li­genz im Klos­ter Speins­hart den Drei­klang, der die Arbeit der Han­dels­rich­ter ziem­lich genau umfasst. Er spannt in lau­ni­gen Wor­ten einen wei­ten Bogen über meh­re­re Jahr­hun­der­te ober­frän­ki­sche Indus­trie­ge­schich­te und stellt dabei auch fest, dass das Amt des Han­dels­rich­ters eine frän­ki­sche Erfin­dung sei, die bis zum Anfang des 16. Jahr­hun­derts zurückreiche.

Wie wert­voll kauf­män­ni­sches Wis­sen im Gerichts­saal ist, dar­über berich­tet Dr. Andre­as Engel, Prä­si­dent der IHK zu Coburg. Er ist seit 22 Jah­ren als ehren­amt­li­cher Han­dels­rich­ter tätig. Er spricht von einem Rol­len­wech­sel. Wäh­rend man im eige­nen Unter­neh­men die Ver­ant­wor­tung für Beschäf­tig­te, Kun­den, Inves­ti­tio­nen, Ver­trä­ge und wirt­schaft­li­che Ent­schei­dun­gen zu tra­gen habe, blei­be die unter­neh­me­ri­sche Erfah­rung im Gerichts­saal zwar wich­tig, aber die Rol­le sei eine ande­re, denn ein Han­dels­rich­ter sit­ze dort nicht als Inter­es­sens­ver­tre­ter der Wirt­schaft, son­dern als Rich­ter, unab­hän­gig und dem Gesetz ver­pflich­tet. Genau die­ser Rol­len­wech­sel mache das Amt so beson­ders: „Wir brin­gen unse­ren unter­neh­me­ri­schen Blick mit, aber wir müs­sen bereit sein, ihn aus einer neu­en Per­spek­ti­ve zu betrachten.“ 


Unter­schied­li­che Erfah­rungs­wel­ten kom­men zusammen

Eine Kam­mer für Han­dels­sa­chen funk­tio­nie­re gera­de des­halb so gut, weil dort unter­schied­li­che Erfah­rungs­wel­ten zusam­men­kom­men, brach­te Andre­as Engel das Erfolgs­re­zept der Han­dels­rich­ter-Tätig­keit auf den Punkt. Bei­de Sei­ten ergän­zen sich. Der Jurist wer­de durch den Kauf­mann nicht zum bes­se­ren Juris­ten. Und der Kauf­mann wer­de durch die Robe nicht plötz­lich zum Juris­ten. Aber bei­de bräch­ten etwas ein, was die jeweils ande­re Sei­te so nicht mit­brin­gen kann.

Die Anfor­de­run­gen an Han­dels­rich­ter wür­den der­zeit stei­gen, die Zahl der Streit­ver­fah­ren gehe jedoch zurück. Das berich­tet Andre­as Bau­er, Vize­prä­si­dent des Land­ge­richts Coburg. Als Grün­de nennt er unter ande­rem, dass ver­mehrt außer­ge­richt­li­che Ver­glei­che getä­tigt werden.


Ehren­amt mit her­aus­ra­gen­der Bedeu­tung für Gemeinwesen

IHK-Prä­si­dent Dr. Micha­el Waas­ner stellt die gro­ße Bedeu­tung des Ehren­am­tes her­aus. Ehren­amt­li­che Tätig­kei­ten hät­ten eine her­aus­ra­gen­de Bedeu­tung für das Gemein­we­sen und sei­en eine star­ke Res­sour­ce für den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt, macht der IHK-Prä­si­dent deut­lich. Des­halb kön­ne ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment nicht hoch genug geschätzt wer­den. „Ehren­amt ist von Natur aus sinn­stif­tend, lehr­reich, befrie­di­gend, es ist nicht nur frucht­bar für die Gemein­schaft, son­dern auch für den Einzelnen.“

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