Für den öffent­li­chen Raum soll ein Gestal­tungs­hand­buch erar­bei­tet werden

Gestal­tungs­of­fen­si­ve Bam­berg: Kla­rer Rah­men für anspre­chen­des Stadtbild

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Stadtbild
Bei der Gestaltung des öffentlichen Raums geht es häufig auch um kleine Maßnahmen. So wurde im Jahr 2023 das Umfeld am Kranen aufgewertet, indem die alten Bänke durch neue, ansehnliche Sitzgelegenheiten ersetzt wurden. Foto: Stadtplanungsamt
Bam­berg soll sein ein­zig­ar­ti­ges Stadt­bild bewah­ren und zugleich sicht­bar wei­ter­ent­wi­ckeln. Der Bau- und Werkse­nat des Stadt­rats hat dazu jetzt den Start­schuss für die „Gestal­tungs­of­fen­si­ve Bam­berg“ gege­ben, wie die Stadt Bam­berg mit­teilt. Kern des Vor­ha­bens ist die Erar­bei­tung eines Gestal­tungs­hand­buchs für den öffent­li­chen Raum.

Es soll künf­tig kla­re Qua­li­täts­maß­stä­be und Ori­en­tie­rung für die Gestal­tung von Stra­ßen, Plät­zen und wei­te­ren öffent­li­chen Berei­chen geben – für die Stadt selbst eben­so wie für Gewer­be­trei­ben­de, Eigen­tü­me­rin­nen und Eigen­tü­mer sowie Pla­nen­de. „Bam­berg hat ein Stadt­bild, um das uns vie­le benei­den. Die­ses Erbe ver­pflich­tet uns, aber es darf uns nicht dar­an hin­dern, unse­re Stadt wei­ter­zu­ent­wi­ckeln“, sagt Ober­bür­ger­meis­ter Sebas­ti­an M. Nie­der­mai­er. „Wir wol­len des­halb genau­er hin­schau­en: Was macht einen öffent­li­chen Raum in Bam­berg beson­ders? Was passt zu unse­rer Stadt und was nicht? Und wie kön­nen wir gute Gestal­tung ein­fa­cher und ver­ständ­li­cher machen?“

Bam­berg ist seit 1993 UNESCO-Welt­erbe und gehört zu den bedeu­tends­ten his­to­ri­schen Stadt­land­schaf­ten Deutsch­lands. Gleich­zei­tig stei­gen die Anfor­de­run­gen an den öffent­li­chen Raum: Han­del und Gas­tro­no­mie brau­chen attrak­ti­ve Rah­men­be­din­gun­gen, Men­schen wün­schen sich Orte zum Ver­wei­len und Begeg­nen, neue Mobi­li­täts­for­men benö­ti­gen Raum und die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels machen mehr Begrü­nung, Ver­schat­tung, Ent­sie­ge­lung und ein ange­pass­tes Was­ser­ma­nage­ment erfor­der­lich. Auch Bar­rie­re­frei­heit und eine siche­re Mobi­li­tät müs­sen berück­sich­tigt werden.


Mehr Qua­li­tät, nicht mehr Bürokratie

Die Gestal­tungs­of­fen­si­ve soll die­se unter­schied­li­chen Anfor­de­run­gen künf­tig stär­ker zusam­men­füh­ren. Dabei geht es aus­drück­lich nicht dar­um, mög­lichst vie­le neue Vor­schrif­ten zu schaf­fen. Viel­mehr sol­len bestehen­de Rege­lun­gen über­prüft, aktua­li­siert und sinn­voll mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den. Der Leit­ge­dan­ke lau­tet des­halb: „So viel Rege­lung wie erfor­der­lich – so viel Gestal­tungs­spiel­raum wie möglich.“

„Mir ist wich­tig, dass wir nicht für alles neue Regeln erfin­den“, betont Nie­der­mai­er. „Wir brau­chen viel­mehr einen nach­voll­zieh­ba­ren Rah­men und vor allem ein gemein­sa­mes Ver­ständ­nis davon, wie wir unse­re Stadt ent­wi­ckeln wol­len. Gute Gestal­tung soll dabei nicht zum Hin­der­nis­lauf wer­den, son­dern Ori­en­tie­rung geben.“

Das geplan­te Gestal­tungs­hand­buch soll genau die­se Funk­ti­on über­neh­men. Anhand anschau­li­cher Posi­tiv- und Nega­tiv­bei­spie­le soll es zei­gen, wel­che Lösun­gen sich für Bam­berg eig­nen. Dabei soll für die Anwen­de­rin­nen und Anwen­der klar erkenn­bar sein, was recht­lich ver­bind­lich ist und was als gestal­te­ri­sche Emp­feh­lung dient. Das macht Anfor­de­run­gen nach­voll­zieh­ba­rer und kann zugleich Geneh­mi­gungs­pro­zes­se trans­pa­ren­ter machen. Das Pro­jekt ist im Rah­men der Städ­te­bau­för­de­rung grund­sätz­lich för­der­fä­hig. Die Stadt stimmt der­zeit mit der Regie­rung von Ober­fran­ken ab, in wel­cher Höhe För­der­mit­tel für die Erar­bei­tung des Gestal­tungs­hand­buchs ein­ge­setzt wer­den können.


Welt­erbe und Zukunft zusammenbringen

Im Mit­tel­punkt steht die Qua­li­tät des Stadt­bil­des und des öffent­li­chen Raums. Das UNESCO-Welt­erbe und der Denk­mal­schutz sol­len mit den Anfor­de­run­gen einer leben­di­gen Innen­stadt, wirt­schaft­li­cher Ent­wick­lung, Bar­rie­re­frei­heit, Mobi­li­tät und Kli­ma­an­pas­sung ver­bun­den werden.

Zu den vor­ge­se­he­nen Gestal­tungs­prin­zi­pi­en gehö­ren unter ande­rem der behut­sa­me Erhalt und die Wei­ter­ent­wick­lung des Welt­erbes, eine hohe Auf­ent­halts­qua­li­tät, eine mög­lichst kon­sis­ten­te Gestal­tung des öffent­li­chen Rau­mes sowie Begrü­nung, Ver­schat­tung und Ent­sie­ge­lung. Auch Stadt­mo­bi­li­ar, Beleuch­tung, Beschil­de­rung und tech­ni­sche Infra­struk­tur sol­len betrach­tet werden.

Dabei nimmt die Stadt auch sich selbst in die Pflicht. „Wenn wir von pri­va­ten Eigen­tü­mern und Gewer­be­trei­ben­den Qua­li­tät und ein gutes Gespür für das Bam­ber­ger Stadt­bild erwar­ten, müs­sen wir bei unse­ren eige­nen Stra­ßen, Plät­zen, Möbeln, Beleuch­tun­gen und Beschil­de­run­gen mit gutem Bei­spiel vor­an­ge­hen“, betont Bau­re­fe­ren­tin Anne­gret Mich­ler. Die Gestal­tungs­of­fen­si­ve soll des­halb nicht nur Vor­ga­ben für ande­re for­mu­lie­ren, son­dern auch die Qua­li­tät kom­mu­na­ler Maß­nah­men in den Blick nehmen.

„Die Dis­kus­si­on um die Kas­ta­ni­en am Michels­berg hat gezeigt, wie wich­tig es ist, gestal­te­ri­sche Fra­gen früh­zei­tig zu klä­ren und nach­voll­zieh­bar zu machen. Mit gemein­sa­men Gestal­tungs­prin­zi­pi­en und kon­kre­ten Leit­de­tails schaf­fen wir Ori­en­tie­rung – etwa für den Stra­ßen­bau oder die Gestal­tung von Baum­schei­ben im denk­mal­ge­schütz­ten Umfeld. So wird für die Bür­ger­schaft frü­her deut­lich, wel­che Lösun­gen mög­lich sind und wor­an wir uns ori­en­tie­ren. Zugleich erleich­tern wir Abstim­mun­gen und machen unse­re Pla­nun­gen effi­zi­en­ter“, betont Bau­re­fe­ren­tin Anne­gret Michler.


Gemein­sam mit der Stadtgesellschaft

Die Erar­bei­tung soll fach­über­grei­fend und unter Betei­li­gung wich­ti­ger Akteu­re erfol­gen. Eine ver­wal­tungs­in­ter­ne Arbeits­grup­pe mit Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern unter ande­rem aus Stadt­pla­nung, Denk­mal­schutz, Welt­erbe, Wirt­schafts­för­de­rung, Stra­ßen­ver­kehr, Kli­ma- und Umwelt­be­reich sowie Bau- und Ver­ga­be­recht soll die fach­li­chen Grund­la­gen erarbeiten.

Zudem ist ein Run­der Tisch „Gestal­tungs­of­fen­si­ve Bam­berg“ vor­ge­se­hen. Dort sol­len unter ande­rem Han­del und Gas­tro­no­mie, Eigen­tü­mer­schaft, Archi­tek­tur und Stadt­ge­stal­tung, Welt­erbe und Denk­mal­pfle­ge, die Inter­es­sen­ver­tre­tung für Men­schen mit Behin­de­run­gen sowie Bür­ger­schaft und wei­te­re rele­van­te Grup­pen ihre Per­spek­ti­ven einbringen.

„Wir wol­len, dass am Ende nicht nur ein Ord­ner mit Regeln im Rat­haus steht“, sagt Ober­bür­ger­meis­ter Nie­der­mai­er. „Wir wol­len ein Bild davon ent­wi­ckeln, wie Bam­berg mit sei­ner beson­de­ren Geschich­te auch in Zukunft aus­se­hen und sich anfüh­len soll.“

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