Der Rohstoffpreisindex der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. ist im Juli den zweiten Monat in Folge zurückgegangen. Gegenüber Juni sank der Index um 4,5 Prozent auf 195,5 Punkte.
Aufgrund starker Anstiege in den Vormonaten liegen die Preise jedoch weiter auf hohem Niveau. „Die sinkenden Preise seien noch kein Signal zum Aufatmen. Im Vergleich zum Durchschnitt des letzten Vorkrisenjahres 2019 lägen die Rohstoffpreise für die bayerische Wirtschaft sogar um fast 80 Prozent höher, verglichen mit dem Vorjahresmonat Juli immer noch um knapp 30 Prozent, meint vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. „Die Belastungen für unsere Unternehmen bleiben massiv. Wir brauchen hier dringend Entlastungen. Auch eine dauerhafte und verlässliche Friedenslösung des Iran-Kriegs sind dringend nötig. Ein zuverlässiger Bezug von Rohstoffen zu bezahlbaren Preisen ist grundlegend, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu sichern.“
Die Preise für Industriemetalle gingen im Juli um durchschnittlich 4,4 Prozent gegenüber Juni zurück. Verantwortlich dafür waren vor allem deutliche Preisrückgänge bei Aluminium (-8,8 Prozent) und Stahlschrott (-7,0 Prozent). Gegenüber dem Vorjahresmonat Juli 2025 lagen die Kosten für die im Index enthaltenen Industriemetalle hingegen um knapp 30 Prozent höher. Den dramatischsten Zuwachs im Jahresvergleich verzeichnete Wolfram (+457,5 Prozent). Mehr als doppelt so teuer wurden außerdem Tantal (+162,6 Prozent), Lithium (+144,6 Prozent) und Indium (+126,8 Prozent). Die Preise für Chrom (-9,7 Prozent), Blei (-7,6 Prozent) und Titan (-2,7 Prozent) gaben gegenüber dem Vorjahr hingegen nach. Die Preise für Edelmetalle gingen im Juli erneut deutlich um durchschnittlich 7,5 Prozent zurück. Neben Silber (-11,8 Prozent) wurden auch Platin (-6,0 Prozent) und Gold (-3,7 Prozent) günstiger. Aber im Vergleich zum Vorjahresmonat lag aber vor allem der Preis für Silber (+56,0 Prozent) weiterhin um einiges höher.
Der Teilindex für Seltene Erden stieg im Juli, entgegen dem allgemeinen Trend, um 3,5 Prozent gegenüber Juni an. „Gegenüber dem Vorjahreszeitraum lag der Index damit um knapp 50 Prozent höher. Sowohl im Vergleich zum Vormonat Juni als auch im Vergleich zum Vorjahresmonat Juli 2025 stiegen die Preise für das unter anderem in der Elektronikindustrie und der Medizintechnik eingesetzte Gadolinium mit einem Plus von 10,8 beziehungsweise 118,7 Prozent am stärksten“, erläutert Brossardt.
Angesichts der hohen Rohstoffkosten und geopolitischer Unsicherheiten fordert die vbw eine dringende politische Priorisierung der Rohstoffversorgung, um die industrielle Basis in Bayern zu sichern. „Die Rohstoffeffizienz und ‑substitution muss weiter mit marktgerechten Anreizen vorangetrieben werden, während gleichzeitig neue Märkte mit gleichwertigen Wettbewerbsbedingungen erschlossen werden müssen. Statt einer schleichenden Deindustrialisierung brauchen wir jetzt die Weichenstellung hin zu einer Reindustrialisierung“, sagt Brossardt abschließend.
Basisjahr für den vbw Rohstoffpreisindex ist 2015 (2015=100). In den vbw Rohstoffpreisindex fließen die Weltmarktpreise von 42 Rohstoffarten ein. Es handelt sich um Preise auf US-Dollar Basis. Diese werden gewichtet mit dem Importanteil des jeweiligen Rohstoffes nach Bayern. Der komplette vbw-Rohstoffpreisindex ist hier zu finden.
