vbw-Rohstoffpreisindex
Rohstoffpreise geben nach, liegen aber fast 80 Prozent über dem Vor-Corona-Niveau
Der Rohstoffpreisindex der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. ist im Juli den zweiten Monat in Folge zurückgegangen. Gegenüber Juni sank der Index um 4,5 Prozent auf 195,5 Punkte.
Aufgrund starker Anstiege in den Vormonaten liegen die Preise jedoch weiter auf hohem Niveau. „Die sinkenden Preise seien noch kein Signal zum Aufatmen. Im Vergleich zum Durchschnitt des letzten Vorkrisenjahres 2019 lägen die Rohstoffpreise für die bayerische Wirtschaft sogar um fast 80 Prozent höher, verglichen mit dem Vorjahresmonat Juli immer noch um knapp 30 Prozent, meint vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. „Die Belastungen für unsere Unternehmen bleiben massiv. Wir brauchen hier dringend Entlastungen. Auch eine dauerhafte und verlässliche Friedenslösung des Iran-Kriegs sind dringend nötig. Ein zuverlässiger Bezug von Rohstoffen zu bezahlbaren Preisen ist grundlegend, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu sichern.“
Die Preise für Industriemetalle gingen im Juli um durchschnittlich 4,4 Prozent gegenüber Juni zurück. Verantwortlich dafür waren vor allem deutliche Preisrückgänge bei Aluminium (-8,8 Prozent) und Stahlschrott (-7,0 Prozent). Gegenüber dem Vorjahresmonat Juli 2025 lagen die Kosten für die im Index enthaltenen Industriemetalle hingegen um knapp 30 Prozent höher. Den dramatischsten Zuwachs im Jahresvergleich verzeichnete Wolfram (+457,5 Prozent). Mehr als doppelt so teuer wurden außerdem Tantal (+162,6 Prozent), Lithium (+144,6 Prozent) und Indium (+126,8 Prozent). Die Preise für Chrom (-9,7 Prozent), Blei (-7,6 Prozent) und Titan (-2,7 Prozent) gaben gegenüber dem Vorjahr hingegen nach. Die Preise für Edelmetalle gingen im Juli erneut deutlich um durchschnittlich 7,5 Prozent zurück. Neben Silber (-11,8 Prozent) wurden auch Platin (-6,0 Prozent) und Gold (-3,7 Prozent) günstiger. Aber im Vergleich zum Vorjahresmonat lag aber vor allem der Preis für Silber (+56,0 Prozent) weiterhin um einiges höher.
Der Teilindex für Seltene Erden stieg im Juli, entgegen dem allgemeinen Trend, um 3,5 Prozent gegenüber Juni an. „Gegenüber dem Vorjahreszeitraum lag der Index damit um knapp 50 Prozent höher. Sowohl im Vergleich zum Vormonat Juni als auch im Vergleich zum Vorjahresmonat Juli 2025 stiegen die Preise für das unter anderem in der Elektronikindustrie und der Medizintechnik eingesetzte Gadolinium mit einem Plus von 10,8 beziehungsweise 118,7 Prozent am stärksten“, erläutert Brossardt.
Angesichts der hohen Rohstoffkosten und geopolitischer Unsicherheiten fordert die vbw eine dringende politische Priorisierung der Rohstoffversorgung, um die industrielle Basis in Bayern zu sichern. „Die Rohstoffeffizienz und ‑substitution muss weiter mit marktgerechten Anreizen vorangetrieben werden, während gleichzeitig neue Märkte mit gleichwertigen Wettbewerbsbedingungen erschlossen werden müssen. Statt einer schleichenden Deindustrialisierung brauchen wir jetzt die Weichenstellung hin zu einer Reindustrialisierung“, sagt Brossardt abschließend.
Basisjahr für den vbw Rohstoffpreisindex ist 2015 (2015=100). In den vbw Rohstoffpreisindex fließen die Weltmarktpreise von 42 Rohstoffarten ein. Es handelt sich um Preise auf US-Dollar Basis. Diese werden gewichtet mit dem Importanteil des jeweiligen Rohstoffes nach Bayern. Der komplette vbw-Rohstoffpreisindex ist hier zu finden.
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Industrie – vor allem Autozulieferer – mit weniger neuen Ausbildungsverträgen
IHK: Mehrere Branchen mit spürbarem Zuwachs bei Azubis
Ein Einbruch bei den Automobilzulieferern, dafür ein ordentliches Plus etwa im Logistiksektor, bei den Textil- oder Papierherstellern, den Energieversorgern und den Finanzdienstleistern – so die aktuelle Entwicklung bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen der Mitgliedsbetriebe der IHK für Oberfranken Bayreuth.
Zum 31. Juli lag die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverträge bei der IHK für Oberfranken Bayreuth mit 1.940 gegenüber dem Vorjahr leicht im Plus – 32 Neueinträge mehr als im Vorjahr, aber 315 weniger als 2024. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass die Entwicklung regional und bei den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich verläuft.
Drei Entwicklungen machen den Unternehmen dabei das Leben schwer: Zum einen der schleppende Konjunkturverlauf, der sich in Teilbereichen zu einer Strukturkrise entwickelt hat. Zum zweiten die Entwicklung, dass sich Schulabgängerinnen und Schulabgänger immer später bewerben, was den Unternehmen die Planungen erheblich erschwert. Und zum Dritten die demografische Entwicklung: Auf jeden Berufseinsteiger kommen zwei Personen, die sich in den Ruhestand verabschieden. „Deshalb brauchen die Unternehmen – den herausfordernden Rahmenbedingungen zum Trotz – mehr denn je Fachkräftenachwuchs”, sagt Dr. Michael Waasner Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth.
Den Unternehmen geht der Nachwuchs aus
„Ginge es nach den Unternehmen, würden diese gerne noch viel mehr Auszubildende einstellen”, macht Dr. Waasner deutlich. „Über 3.000 unbesetzte Ausbildungsplätze bei schwacher Konjunktur, das zeigt: Unseren Betrieben fehlt nicht der Wille auszubilden, ihnen fehlt der Nachwuchs!”
Mit Ausbildung hohe Arbeitsplatzsicherheit
Der IHK-Präsident macht aber auch deutlich: „Eine Ausbildung ist kein Rückfallplan für schwächere Schülerinnen und Schüler. Sie ist der direkte Weg in ein sicheres Arbeitsverhältnis mit einem Lebensarbeitseinkommen auf dem Niveau von Hochschulabsolventinnen und ‑absolventen, vor allem bei anschließender Weiterbildung.”
Industrie bildet weniger aus
Bricht man die IHK-Zahlen auf die Branchen herunter, gibt es oft starke Schwankungen von Jahr zu Jahr. „Um diesen Zufällen etwas entgegenzuwirken, erfolgt in der nachfolgenden Analyse immer ein Vergleich der aktuellen Zahlen 2026 mit dem Mittelwert der Ausbildungszahlen 2024 und 2025”, erläutert IHK-Pressesprecher Peter Belina.
Ein Blick auf die drei Hauptgruppen Dienstleistungen, Handel/Tourismus und Industrie zeigt, dass die Entwicklung in den ersten beiden Gruppen stabil geblieben ist, während die Industrie bis zum 31. Juli rund 13 Prozent weniger Auszubildende eingestellt hat als im Schnitt der beiden Vorjahre.
Hier zeigt sich sehr deutlich, dass natürlich ein Zusammenhang besteht zwischen der wirtschaftlichen Lage einer Branche und den neu unterzeichneten Ausbildungsverträgen. Gerade die Automobilzulieferer – wichtigster Arbeitgeber Oberfrankens – verzeichnen einen spürbaren Rückgang bei den Neueintragungen. Der Einbruch erfolgte vor allem von 2024 auf 2025. Bei den 20 größten Ausbildungsbetrieben im Automotive-Sektor stürzte die Zahl der Auszubildenden regelrecht ab, das Minus betrug 43 Prozent – besonders groß war der Rückgang von 2024 auf 2025. „Ganz wichtig in diesem Zusammenhang: Es sind knapp zwei Handvoll Unternehmen, die einen derart radikalen Schnitt vornehmen mussten”, macht Belina deutlich. „Die restlichen Automobilzulieferer verzeichnen eine stabile, allenfalls leicht negative Entwicklung.”
Branchenspezifische Unterschiede bei der Entwicklung
Wirft man einen Blick auf alle Branchen mit mindesten 20 Neueintragungen im aktuellen Jahr, fallen vier Branchen auf mit einem deutlichen Rückgang und weitere acht mit einem beachtlichen Zuwachs auf.
Um 51 Prozent auf 20 ging die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse bei den Herstellern von chemischen Erzeugnissen zurück. Knapp 40 Prozent auf 52 Neueintragungen betrug der Rückgang bei den unternehmensnahen Dienstleistungen. Jeweils rund ein Viertel betrug der Rückgang bei den Herstellern im Bereich Datenverarbeitung, Optik, Elektro (zum Beispiel Unterhaltungselektronik, Optik oder elektromedizinische Geräte) sowie dem Maschinenbau.
Bei den unternehmensnahen Dienstleistungen sind – so die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit – noch etwa ein Viertel der angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt, bei den anderen Ausbildungsberufen jeweils noch rund ein Drittel.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch Branchen mit einem spürbaren Zuwachs an Neuverträgen, etwa im Logistiksektor (Lagerei +18 Prozent auf 86 und Landverkehr +69 Prozent auf 21). Dienstleistungen für Unternehmen und Privatpersonen (zum Beispiel Call Center, Messe- und Kongressveranstalter oder Inkassobüros) legen um ein Viertel zu, Textilhersteller, Energieversorger, Finanzdienstleister und Papierhersteller (einschließlich Kartons und Pappe) um 10 Prozent oder mehr.
Zum 31. Juli waren rund 40 Prozent aller Ausbildungsplätze im Logistik- und Textilsektor unbesetzt, bei den Papierherstellern sogar drei von vier angebotenen Ausbildungsplätzen.
Die meisten Neueintragungen verzeichnet übrigens der Einzelhandel mit 371, gefolgt vom Gastgewerbe (181), den Automobilzulieferern (ca. 170) den Finanzdienstleistungen (110) und dem Großhandel (108).
„Die meisten der Unternehmen, die noch Auszubildende suchen, stellen auch noch nach dem Beginn des Ausbildungsjahres zum 1. September ein”, macht Dr. Waasner deutlich. „Wer noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist – Bewerbungen lohnen sich auf jeden Fall noch”.
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vbw-Rohstoffpreisindex
Neuer Höchststand der Rohstoffpreise
Der Rohstoffpreisindex der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. ist im Mai erneut angestiegen. Gegenüber April legte der Index um 3,5 Prozent zu und erreichte mit 209,1 Punkten einen neuen Höchststand.
Seit einem Jahr ist der Index, abgesehen von einem minimalen Rückgang im August 2025, jeden Monat gegenüber dem jeweiligen Vormonat angestiegen. Im Vergleich zu Mai 2025 lag der Index um satte 42,5 Prozent höher. „Die massiven Preissprünge in den vergangenen Monaten kommen vor allem durch den Iran-Krieg. Wir hoffen, dass trotz des wiederaufflammenden Konflikts zwischen den USA und dem Iran schnell eine dauerhafte stabile Lösung gefunden werden kann. Wie schnell dies gelingt und wie schnell sich die Märkte erholen, ist unklar. Fakt ist: Unsere Unternehmen brauchen auf der Kostenseite dringend Entlastungen. Hier spielen die Rohstoffpreise eine große Rolle“, sagt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.
Die Preise für Industriemetalle stiegen im Mai leicht unterdurchschnittlich um 3,2 Prozent gegenüber dem Vormonat an. Deutlich teurer wurden im Mai vor allem Germanium (+27,4 Prozent), Lithium (+13,7 Prozent) und Zinn (+10,0 Prozent). Auch die Preise für die für Bayern sehr wichtigen Industriemetalle Kupfer (+5,1 Prozent) und Aluminium (+2,1 Prozent) legten weiter zu. „Nur wenige der im Index enthaltenen Industriemetalle wurden im Mai günstiger. Gegenüber dem Vorjahresmonat Mai 2025 verteuerten sich Lithium und Wolfram mit Abstand am stärksten. Der Preis für Lithium stieg um 210,8 Prozent, der Preis für Wolfram sogar um 556,6 Prozent“, erläutert Brossardt.
Der Preisindex der Seltenen Erden ging – entgegen dem allgemeinen Trend – leicht um 0,5 Prozent zurück. Günstiger wurden vor allem Praseodym und Dysprosium, jeweils um 4,3 Prozent sowie Neodym um 4,1 Prozent. Die Preise für Gadolinium (+6,2 Prozent) und Cerium (+2,5 Prozent) stiegen hingegen erneut an. Die Preise für Edelmetalle gingen im Mai gegenüber dem April um 0,2 Prozent zurück. Neben Palladium (-5,3 Prozent) wurden auch Gold (-2,8 Prozent) und Platin (-1,7 Prozent) günstiger. „Im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichneten hingegen alle im Index enthaltenen Edelmetalle deutlich höhere Preise. Das zeigt, dass wir uns nach wie vor auf einem deutlich zu hohen Preisniveau bewegen“, mahnt Brossardt.
Die vbw fordert angesichts der hohen Preise, den Bezug von Rohstoffen politisch dringend zu priorisieren: „Eine sichere Rohstoffverfügbarkeit zu bezahlbaren Preisen bleibt für die Unternehmen eine große Herausforderung. Um Abhängigkeiten von einzelnen Lieferländern und der geopolitischen Weltlage zu verringern, müssen wir dringend neue Märkte mit gleichwertigen Wettbewerbsbedingungen erschließen“, so Brossardt.
Basisjahr für den vbw Rohstoffpreisindex ist 2015 (2015=100). In den vbw Rohstoffpreisindex fließen die Weltmarktpreise von 42 Rohstoffarten ein. Es handelt sich um Preise auf US-Dollar Basis. Diese werden gewichtet mit dem Importanteil des jeweiligen Rohstoffes nach Bayern. Der komplette vbw-Rohstoffpreisindex ist hier zu finden.
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vbw-Rohstoffpreisindex
Rekordhoch bei Rohstoffpreisen im April – Belastung für die Industrie wächst weiter
Der Rohstoffpreisindex der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. legte im April 2026 gegenüber März um 4,3 Prozent auf einen neuen Höchststand von 202,1 Punkten zu, wie die vbw mitteilt. Damit wachse die Belastung für die Industrie weiter.
„Die Rohstoffpreise haben ein neues Allzeithoch erreicht und das bisherige Rekordniveau aus dem März 2022 überschritten. Die Dynamik der vergangenen Monate setzt sich fort und verschärft die ohnehin angespannte Lage für die Unternehmen im Freistaat weiter“, erklärt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.
Der Teilindex für Industriemetalle stieg im April um 4,5 Prozent. Besonders stark verteuerte sich Germanium (+16, 7 Prozent), das unter anderem für die Herstellung von Halbleitern und Solarzellen relevant ist. Auch Aluminium wurde mit einem Anstieg von 6,6 Prozent merklich teurer. Im Vergleich zum April 2025 zeigt sich eine extreme Entwicklung bei einzelnen Rohstoffen: „Der Preis für Wolfram stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat um 642,7 Prozent – und damit um mehr als das Siebenfache innerhalb eines Jahres. Das knappe Angebot trifft auf eine stark wachsende Nachfrage aus der Technologie- und Rüstungsindustrie. Wolfram wird unter anderem bei der Herstellung von KI-Chips und modernen Waffen eingesetzt. Aluminium verteuerte sich im Jahresvergleich um 50,9 Prozent. Das belastet die Unternehmen im Freistaat besonders stark, da Aluminium in vielen industriellen Anwendungen unverzichtbar ist und die Produktionskosten entsprechend deutlich steigen“, so Brossardt.
Entgegen dem allgemeinen Trend ging der Teilindex für Seltene Erden im April um 3,3 Prozent zurück. Deutlich günstiger waren vor allem Samarium (-37,6 Prozent) und Praseodym (-11,1 Prozent). Gleichzeitig kam es bei einzelnen Rohstoffen wie Gadolinium (+17,5 Prozent) und Cerium (+11,5 Prozent) zu spürbaren Preisanstiegen. Auch die Preise für Edelmetalle gaben im April nach. Der entsprechende Teilindex sank gegenüber März um 2,5 Prozent. Neben Gold (-2,8 Prozent) vergünstigte sich auch Silber (-2,6 Prozent). Im Vorjahresvergleich blieb insbesondere Silber jedoch auf einem sehr hohen Niveau und ist weiterhin mehr als doppelt so teuer (+135,4 Prozent).
Angesichts der anhaltend hohen Preise fordert die vbw, den Bezug von Rohstoffen politisch zu priorisieren. „Wir müssen unsere Abhängigkeiten reduzieren, Lieferketten breiter aufstellen und die Kreislaufwirtschaft konsequent stärken. Nur so können wir die Versorgungssicherheit langfristig gewährleisten und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen sichern“, betont Brossardt.
Basisjahr für den vbw Rohstoffpreisindex ist 2015 (2015=100). In den vbw Rohstoffpreisindex fließen die Weltmarktpreise von 42 Rohstoffarten ein. Es handelt sich um Preise auf US-Dollar Basis. Diese werden gewichtet mit dem Importanteil des jeweiligen Rohstoffes nach Bayern. Der komplette vbw-Rohstoffpreisindex ist hier zu finden.
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IHK-Präsident Dr. Michael Waasner mahnt dringende Reformen an
Oberfranken: 15.252 Industriearbeitsplätze seit 2019 verloren
Oberfranken hat 15.252 Industriearbeitsplätze seit dem Jahr 2019 verloren, teilt die IHK für Oberfranken Bayreuth mit und bezieht sich bei den Berechnungen auf Daten des Bayerischen Landesamtes für Statistik zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
„Die Deindustrialisierung Oberfrankens schreitet ungebremst voran“, warnt Dr. Michael Waasner, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth. „Alleine von 2024 auf 2025 gingen 3.764 Industriearbeitsplätze verloren. Damit summieren sich die Beschäftigtenverluste in der Industrie seit 2019 auf 15.252.“ Dr. Waasner mahnt dringend eine Ertüchtigung des Standortes Deutschland an.
Der Beschäftigtenabbau um 15.252 oder 11,1 Prozent entspricht in etwa den Einwohnerzahlen von Städten wie Kronach (16.600), Selb (14.700), Pegnitz (13.700) oder Hirschaid (12.400). Hinzu komme ein Abbau von 1.406 Beschäftigten seit 2019 bei den “wirtschaftlichen Dienstleistungen” – nicht zuletzt, weil Aufträge aus der Industrie ausblieben.
Zahl der Industriebeschäftigten in Oberfranken auf historischem Tief
„Mit 121.545 hat die Zahl der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe einen historischen Tiefststand erreicht“, so Dr. Waasner. „Unsere schlimmsten Befürchtungen sind leider eingetreten.“
Für diese besorgniserregende Entwicklung gebe es drei Hauptgründe: die schlechten Standortbedingungen für die Industrie, die unsicheren internationalen Märkte und die Krise der deutschen Automobilhersteller, die voll auf die über 200 Automobilzulieferer in Oberfranken durchschlage.
Zwar gebe es laut Berechnungen der IHK für Oberfranken Bayreuth Zuwächse in anderen Wirtschaftszweigen, aber die reichten nicht aus, um die Verluste in der Industrie zu kompensieren, etwa in der öffentlichen Verwaltung (+5.741 seit 2019), im Gesundheits- und Sozialwesen (+3.342), im Bereich Verkehr und Logistik (+2.566), Erziehung und Unterricht (+2.557) oder den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (+2.134) Die Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist zwischen 2019 und 2025 mit einem Plus mit 4.224 oder 1,0 Prozent noch leicht gestiegen. Im vergangenen Jahr gingen in der Summe 1.858 Arbeitsplätze verloren.
Berlin habe erste Weichen gestellt, aber das reiche bei weitem nicht aus. Dr. Waasner fordert entschlossenes Handeln: „Arbeitskosten, Steuer- und Abgabenlast sowie Bürokratie müssen runter, Planungssicherheit und Infrastrukturausgaben rauf!“ Er erinnert an die Agenda 2010: Damals wurde Deutschland vom „kranken Mann“ zur wirtschaftlichen Lokomotive Europas. Oberfranken profitierte davon erheblich – die Arbeitslosigkeit sank, die Beschäftigung stieg.
Aber nicht nur in Brüssel, Berlin und München müssten die Weichen für die Zukunft gestellt werden, sondern auch auf kommunaler Ebene. „Noch mehr als bisher müssen auch in der Kommunalpolitik bei jeder Entscheidung Auswirkungen auf den Standort und die Wirtschaft mitgedacht werden”, so Dr. Waasner mit einem Appell an alle neu oder wieder gewählten Kommunalpolitikerinnen und ‑politiker.
Deutschland brauche Antworten auf eine sich radikal veränderte Weltordnung, den immer härter werdenden internationalen Wettbewerb und den demografischen Wandel. „Jetzt braucht es wieder einen Kraftakt, die Lage ist so ernst wie selten zuvor“, macht Dr. Waasner deutlich. „Wir brauchen ein Jahr der Reformen, eine Agenda 2030, eine Agenda für mehr Wachstum. Unsere Unternehmen brauchen wieder eine verlässliche Zukunftsperspektive. Und zwar jetzt!“
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Umsatzrückgang liegt nicht nur an der Corona-Pandemie
Bamberger Industrie unter Druck
Die Industrie im Raum Bamberg hat nicht nur unter der Corona-Pandemie gelitten, sondern hat auch mit strukturellen Problemen zu kämpfen. Dies zeigt ein von der IHK für Oberfranken vorgenommener Vergleich der Umsatzentwicklung 2021 gegenüber 2019.
„Vom Einbruch 2020 hat sich die Industrie im IHK-Gremium Bamberg wieder erholt, erreicht aber noch nicht die Ergebnisse von 2019”, fasst Sonja Weigand, Präsidentin der IHK für Oberfranken Bayreuth, die wichtigsten Ergebnisse einer aktuellen IHK-Analyse zusammen.
Dass die Umsatzentwicklung in den Industriebetrieben ab 50 Beschäftigten in den ersten zehn Monaten 2021 gegenüber 2020 deutlich zugenommen hat, ist aufgrund der Corona-Pandemie nicht überraschend, war die Umsatzentwicklung doch gerade im zweiten und dritten Quartal 2020 stark eingebrochen. Dass viele Industriebetriebe aber nicht nur durch die Corona-Pandemie unter Druck geraten sind, sondern der Wirtschaftsraum Bamberg auch mit strukturellen Problemen zu kämpfen hat, zeigt ein Vergleich der Umsatzentwicklung 2021 gegenüber 2019. Auch in diesem Zeitraum ging der Umsatz um 8,2 Prozent zurück.
Bei den Unternehmen in der Stadt lag der Umsatzrückgang bei 5,3 Prozent, im Landkreis sogar bei 10,9 Prozent. Auffällig: Im Landkreis Bamberg ist der Umsatz bereits seit 2018 rückläufig, in der Stadt – nach einer leichten Erholung 2019 – bereits seit 2016. Insgesamt erwirtschafteten die Unternehmen 2021 bis einschließlich Oktober einen Umsatz in Höhe von 3,53 Milliarden Euro, davon 1,79 Milliarden Euro in der Stadt und 1,75 Milliarden im Landkreis.
Strukturwandel der Kfz-Zulieferindustrie setzt Region verstärkt unter Druck
„Die Automobilindustrie befindet sich mitten in einem Strukturwandel, was auch die Zulieferer im Raum Bamberg deutlich zu spüren bekommen”, so Weigand. „Hinzu kommen die Lieferengpässe, die in den vergangenen Monaten nochmals deutlich zugenommen haben.”
Weniger Exporte
Rückgänge verzeichnen die Industrieunternehmen im Wirtschaftsraum Bamberg dabei vor allem bei den Exporten, die gegenüber 2019 um 13,6 Prozent zurückgegangen sind.
Diese Entwicklung blieb nicht ohne Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahlen, die zuletzt bei 22.439 lagen. Um 5,5 Prozent ist die Beschäftigtenzahl in den ersten zehn Monaten des Jahres 2021 gegenüber dem Vorjahr gesunken. Gegenüber 2019 – also dem Vor-Coronajahr – liegt der Beschäftigtenrückgang sogar bei 8,4 Prozent.
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Der Druck nimmt zu
Fachkräftemangel wird für immer mehr Unternehmen zum echten Problem
Der wachsende Fachkräftemangel ist in Oberfranken längst angekommen. Ein Blick auf die Detailergebnisse der jüngsten Konjunkturbefragung der IHK für Oberfranken Bayreuth zeigt, dass das Problem immer drängender wird, in manchen Branchen sogar mit dramatischen Folgen.
„Nur jedes fünfte Unternehmen, das derzeit offene Stellen anbietet, kann diese auch tatsächlich besetzen”, erläutert IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner.
Der Fachkräftemangel hat viele Gründe. So sorgt die demografische Entwicklung dafür, dass in Oberfranken immer weniger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zur Verfügung stehen. Außerdem hat bei jungen Menschen der Wunsch nach einer akademischen Ausbildung häufig Vorrang vor einem beruflichen Bildungsweg. Auch Potenziale aus Nachbarregionen, die in den letzten Jahrzehnten als Fachkräftequelle genutzt werden konnten, etwa die neuen Bundesländer oder die Tschechische Republik, sind weitgehend ausgeschöpft, da gut ausgebildete Fachkräfte längst auch dort Arbeit finden.
Fachkräftemangel als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung
In der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage stufen 61 Prozent aller befragten Unternehmen den Fachkräftemangel als unternehmerisches Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung ein. Das sind 13 Prozentpunkte mehr als noch im Januar 2021, also vor Ausbruch der Corona-Pandemie. 49 Prozent der Befragten berichten aktuell, dass sie derzeit offene Stellen längerfristig nicht besetzen können, 12 Prozent sehen keine Probleme, 39 Prozent haben derzeit keinen Personalbedarf, suchen also auch nicht.
80 Prozent der Unternehmen mit freien Stellen können diese nicht besetzen
„Betrachtet man nur die Unternehmen, die derzeit tatsächlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt suchen, dann können unter dem Strich derzeit 80 Prozent der Unternehmen mit offenen Stellen diese längerfristig nicht besetzen. Der Fachkräftemangel wird immer mehr zum Hemmschuh für die wirtschaftliche Entwicklung”, so IHK-Konjunkturreferent Malte Tiedemann. Besonders betroffen sind das Baugewerbe, die Logistik- und die Tourismuswirtschaft. „Die Frustration der Unternehmerinnen und Unternehmer nimmt zu. Viele fühlen sich der Situation machtlos ausgeliefert, weil sie Aufträge wegen Personalmangels ablehnen müssen”, so Hohenner.
Droht ein Szenario wie in Großbritannien?
Die Corona-Pandemie hat das Problem verschärft. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den von Corona besonders betroffenen Branchen haben während der Pandemie neue Arbeitsplätze in anderen Branchen gefunden. Der Aufschwung nach der Krise verstärkt den Druck auf den Arbeitsmarkt. Die Folge sind lange Wartezeiten auf dem Bau, mehr Ruhetage oder Besucherbegrenzungen in der Gastronomie oder der Kapazitätsanpassungen in Speditionen. Selbst Betriebsaufgaben gibt es inzwischen aufgrund des Fachkräftemangels. Hohenner: „Zustände wie in Großbritannien, wo wegen fehlender Lkw-Fahrer die Versorgung zum Teil zusammengebrochen ist, können auf Dauer auch bei uns nicht mehr völlig ausgeschlossen werden.”
Unternehmen setzen auf Ausbildung
Auf die Schnelle wird sich das Strukturproblem fehlender Fachkräfte nicht lösen lassen. Die Mitgliedsunternehmen der IHK für Oberfranken Bayreuth setzen vor allem auf die verstärkte Ausbildung des eigenen Nachwuchses (55 Prozent) und eine Steigerung der Arbeitgeberattraktivität (49 Prozent). Für 35 Prozent könnte die Einstellung von Fachkräften aus dem Ausland (35 Prozent) Teil der Lösung sein. „Hier brauchen unsere Unternehmen aber bessere Hilfestellung, um ausländische Fachkräfte zielgenau ansprechen und gewinnen zu können. Auch ist es dringend erforderlich, den bürokratischen Aufwand bei der Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland zu reduzieren”, so Hohenner.
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31 von 196 Kommunen erhöhen Realsteuerhebesätze
Kommunen in der Klemme bringen Unternehmen in die Klemme
2021 war aus finanzieller Sicht für die meisten Kommunen coronabedingt alles andere als ein Zuckerschlecken. Wichtigste Stellschrauben für die Kommunen auf der Einnahmenseite sind die Realsteuerhebesätze. Die IHK für Oberfranken Bayreuth hat die Kommunen befragt, wie sich 2021 die Hebesätze entwickelt haben.
31 Gemeinden der 196 im Einzugsgebiet der IHK haben entsprechende Erhöhungen vorgenommen. „Die Erhöhung der Realsteuern in Zeiten der Corona-Pandemie ist aus Sicht der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Bayreuth besonders bedenklich”, so IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner. „Die Corona-Krise belastet unsere Mitgliedsunternehmen in besonderem Maße, die derzeit teilweise erhebliche Gewinneinbußen verzeichnen müssen. Durch hohe Realsteuerhebesätze fließt im Ergebnis zusätzliches Geld bei den Unternehmen ab. Steuererhöhungen für Unternehmen, gehen daher immer zu Lasten von Substanz und Liquidität und schlagen sich negativ auf die Investitionen durch. Für die Unternehmen werden so die Voraussetzungen erschwert, Arbeits- und Ausbildungsplätze zu schaffen und zu erhalten.”
IHK-Umfrage zeigt eine Vielzahl von Erhöhungen auf
Zu den Realsteuern zählen neben der Gewerbesteuer auch die Grundsteuern A und B, erläutert Andreas Wandner, Referatsleiter Steuern, Finanzen, Handelsregister bei der IHK. „Bei 31 der 196 Gemeinden im Kammerbezirk gab es 2021 Erhöhungen. Dagegen hat keine Gemeinde Senkungen vorgenommen.” Im Vorjahr gab es 14 Erhöhungen und zwei Senkungen. Die Änderungen fallen regional unterschiedlich aus. Wandner: „2021 gab es aber kein einziges IHK-Gremium, in dessen Einzugsgebiet alle Realsteuern konstant geblieben sind.”
Im Einzelnen wurde, so die Ergebnisse der IHK-Umfrage, in 16 Kommunen die Gewerbesteuer erhöht. Die Grundsteuer A wurde in 21 und die Grundsteuer B in 25 Fällen angehoben. Senkungen wurden von keiner einzigen Gemeinde vorgenommen. „Der politische Fokus bei den Realsteuern liegt weiterhin auf der Grundsteuerreform. Bayern will hierbei von der Öffnungsklausel Gebrauch machen und hat ein eigenes Grundsteuergesetz im Entwurf vorgelegt”, so Wandner.
2021: Deutliche Erhöhung bei den Realsteuern
Im Vergleich zu den Vorjahren lässt sich 2021 eine deutlichere Erhöhung bei den Realsteuern ausmachen. Zudem planen derzeit bereits neun Gemeinden im Einzugsgebiet der IHK für Oberfranken Bayreuth Erhöhungen für 2022. Ein aus Sicht der oberfränkischen Wirtschaft wünschenswerter rückläufiger Trend kann daher derzeit nicht ausgemacht werden. Hohenner: „Die Kommunen stecken in der Zwickmühle. Einerseits benötigen sie Einnahmen, nennenswerte Mehreinnahmen lassen sich dabei eigentlich nur über die Realsteuerhebesätze erreichen. Andererseits müssen bei einer Erhöhung der Hebesätze die Unternehmen vor Ort bluten, die coronabedingt in den meisten Fällen sowieso bereits stark unter Druck stehen.”
Große regionale Unterschiede
Im Schnitt am höchsten ist der Gewerbesteuer-Hebesatz, so Wandner, der Projektleiter der Umfrage, in den Kommunen im IHK-Gremium Forchheim mit 374,5 Punkten, gefolgt von den Kommunen in den IHK-Gremien Bayreuth mit 361,5 Punkten und Lichtenfels mit 360,9 Punkten. Die niedrigsten Hebesätze haben im Schnitt die Kommunen im IHK-Gremium Kronach mit 325,1 Punkten und Kulmbach mit 331,4 Punkten. Im Schnitt verzeichnete der IHK-Kammerbezirk gegenüber 2020 ein Plus von 2,3 Prozentpunkten auf 351,9. 2010 lag der Schnitt noch bei 331,2 Punkten.
Mit 400 Prozentpunkten den höchsten Gewerbesteuerhebesatz weisen Bischberg und Gerach (beide Landkreis Bamberg), Emtmannsberg (Landkreis Bayreuth), Hallerndorf, Igensdorf und Poxdorf (Landkreis Forchheim) und die Stadt Hof auf. Mit 250 Prozentpunkten verzeichnet Reichenbach den niedrigsten Gewerbesteuerhebesatz.
Erhöhung der Hebesätze geht bei Unternehmern ins Geld
Der Gewerbeertrag wird mit bindender Wirkung durch die Finanzverwaltung für die jeweilige Kommune ermittelt. Als Berechnungsgrundlage gilt der steuerrechtliche Gewinn. Dieser Betrag wird mit der bundesweit einheitlichen Gewerbesteuermesszahl von 3,5 Prozent multipliziert. Dieser Gewerbesteuermessbetrag wird schließlich mit dem Gewerbesteuerhebesatz multipliziert. Beträgt ein Hebesatz beispielsweise 400 Prozentpunkte, so wird der dieser mit dem Faktor 3,5 multipliziert. Bei einem Hebesatz von 400 bedeutet das 400 x 3,5. Das Unternehmen muss also 14 Prozent des jährlichen Ertrags an seine Gemeinde abtreten. Einzelunternehmen und Personengesellschaften haben einen Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro, Kapitalgesellschaften, also etwa einer GmbH, steht kein Freibetrag zu.
Grundsteuer B. Teilweise spürbare Erhöhung
20 Gemeinden haben 2021 sowohl Grundsteuer A als auch Grundsteuer B erhöht, zwei Gemeinden die Grundsteuer A und fünf die Grundsteuer B. Besonders hoch fielen die Erhöhungen bei der Grundsteuer B dabei in der Stadt Bamberg aus mit einer Erhöhung um 110 auf 535 sowie in Igensdorf (Landkreis Forchheim) mit einer Erhöhung um 70 auf 410 Punkte. Bamberg verzeichnet nach dieser Erhöhung den höchsten Hebesatz bei der Grundsteuer B. Im benachbarten Hallstadt liegt der Hebesatz mit 250 Punkten am niedrigsten.
Während die Grundsteuer A für agrarisch genutzten Boden anfällt, fällt die Grundsteuer B bei baulich genutztem Boden an.
Kommunen: Nur wenige Stellschrauben für Mehreinnahmen
Die Kommunen sind haushaltsrechtlich deutlich stärker beschränkt als Bund und Länder. Die Möglichkeit einer unbegrenzten Kreditfinanzierung in Notfällen ist ihnen nicht gewährt. Haupteinnahmequellen der Kommunen sind einerseits Zuweisungen von Bund und Land, andererseits kommunale Steuereinnahmen. Bei den Steuern spielen die Gewerbesteuer und die Einkommenssteuer die wichtigste Rolle, dahinter folgen die Grundsteuern und die Umsatzsteuer. Den Kommunen stehen als Stellschrauben bei den genannten Steuern in erster Linie die Gewerbesteuer und die Grundsteuer zur Verfügung. Bei der Einkommenssteuer und der Umsatzsteuer handelt es sich um einen festgelegten Anteil an den entsprechenden Steuererträgen.
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Vor allem die Auslandsnachfrage beflügelt
Oberfränkische Industrie wieder auf Kurs
„Die oberfränkische Industrie hat den Corona-Schock offensichtlich überwunden”, so Gabriele Hohenner, Hauptgeschäftsführerin der IHK für Oberfranken Bayreuth. Der Umsatz im zweiten Quartal 2021 lag nicht nur 29,1 Prozent über dem Wert von 2020, sondern auch 1,9 Prozent über dem zweiten Quartal 2019.
Nach dem Umsatzeinbruch von über 20 Prozent im Juni 2020 hat sich die oberfränkische Wirtschaft wieder schnell erholt. Die Stabilisierung wurde dabei insbesondere von der Auslandsnachfrage getragen. „Wie hoch der Umsatzzuwachs ohne die aktuellen Engpässe bei der Rohstoffbeschaffung und den Kapazitätsausfällen bei Containern wären, lässt sich nicht quantifizieren”, so Hohenner. Mit 6,0 Milliarden Euro liegt der Umsatz im 2. Quartal 2021 rund 1,3 Milliarden Euro über dem Wert vom zweiten Quartal 2020 und immerhin 112 Millionen Euro über dem Ergebnis von 2019.
Umsatzzuwachs auch gegenüber Vor-Corona-Jahr 2019
Gegenüber dem zweiten Quartal 2019 legten vor allem die Kfz-Zulieferer mit einem Plus von 58 Prozent zu. Diese standen bereits 2019 enorm unter Druck, hier ist zunächst eine Stabilisierung bei der Nachfrage erfolgt. Teilweise ist dieser Zuwachs auf einen statistischen Effekt zurückzuführen. Aber auch die Hersteller von Glas und Keramik, Textilien und chemischen Erzeugnissen legten in den vergangenen zwei Jahren zweistellig zu. Spürbare Einbrüche hatten vor allem die Druckereien und die Hersteller von Möbeln zu verzeichnen.
„Damit hat Oberfranken die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch längst nicht überwunden, da etwa Einzelhandel, Gastronomie und Beherbergungsgewerbe, aber auch Messebauer und ‑veranstalter oder Schausteller die Auswirkungen von Corona oft noch sehr deutlich spüren”, so Hohenner.
Aber zumindest scheint sich die Entwicklung in der Industrie stabilisiert zu haben. Dass die Ampeln dort weiter auf Grün stehen, zeigen auch die Ergebnisse der letzten IHK-Konjunkturbefragung, wo sich die Industrieunternehmen für das Jahr 2021 optimistisch äußern.
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Lieferengpässe und Preissteigerungen bei Rohprodukten
Volle Auftragsbücher und doch Kurzarbeit?
Seit 2019 sind die Preise bei etlichen Rohstoffen laut Statistischem Bundesamt regelrecht explodiert, Kurzarbeit ist daher trotz voller Auftragsbücher leider die bittere Wahrheit laut der IHK für Oberfranken Bayreuth.
In vielen Branchen besteht eine hohe Nachfrage, etwa im Bausektor oder auch in vielen Industriebranchen, ob bei Kfz-Zulieferern, in der Kunststoff- oder der Stahlverarbeitung. Gleichzeitig sind Rohstoffe und Halbwaren nur mit erheblichen Lieferfristen oder gar nicht erhältlich. Hohenner: „Aktuell steigen die Erzeugerpreise so stark an wie zuletzt bei der zweiten Ölkrise 1982. Eine beängstigende Entwicklung.”
Das Statistische Bundesamt veröffentlicht monatlich für über 1.500 Rohstoffe Preisindizes. Seit 2019 sind die Preise bei etlichen Produkten regelrecht explodiert, etwa bei Holz, Stahl oder Kupfer, aber auch bei elektronischen Bauteilen wie Chips oder Halbleitern, bei Dämmstoffen, selbst bei Kronkorken. Die Preise sind in vielen Fällen um 50 Prozent und mehr angestiegen.
Holz: Vielschichtige Gründe für Knappheit
Das Beispiel Holz zeigt, welche Auswirkungen die Produktknappheit hat. „Sehr stark betroffen sind hier nicht nur die Bauindustrie und ‑handwerk, sondern inzwischen praktisch alle Branchen, weil auch Holzpaletten und Holzpackmittel knapp werden”, so Peter Belina von der IHK für Oberfranken Bayreuth.
Die Gründe für die aktuelle Situation sind vielfältig. Beim Holz etwa kommen gleich einige Aspekte zusammen. Dass die Nachfrage enorm angestiegen ist, liegt nicht zuletzt daran, dass vor allem China und die USA Konjunkturprogramme aufgelegt haben, wodurch die Nachfrage enorm angestiegen ist. Andererseits steht weniger weiterverarbeitbares Holz zur Verfügung. Durch die extreme Trockenheit der vergangenen Jahre sei der Borkenkäferbefall in Mitteleuropa sehr hoch, dadurch steht weniger Holz zur Weiterverarbeitung zur Verfügung. In den USA und Kanada und Russland wüten Waldbrände. Russland schließlich hat einen Exportstopp von Holz nach China verhängt.
Stahl: Nachfrage in China sehr stark gestiegen
China war bis vor zwei Jahren größter Exporteur von Stahl, das Land hat bei der Produktion einen Weltmarktanteil von 50 Prozent. Seit einigen Monaten importiert das Land Stahl. Hohenner: „Die Auswirkungen bekommen wir auch in Europa zu spüren.”
Wasser und Feuer bremsen Chipproduktion
Belina: „Ganz andere Gründe gibt es für die Engpässe bei Chips und Halbleitern.” Für die Produktion werde viel Wasser benötigt, aufgrund einer extremen Dürre in Taiwan, einem der Hauptexportländer, musste dort die Produktion monatelang reduziert werden. Der Brand in einem großen Chipwerk in Japan habe zu weiteren Engpässen geführt. Europa und vor allem die Kfz-Hersteller wollen unabhängiger von den asiatischen Vorlieferanten werden, eine solche Wende lässt sich aber nicht kurzfristig realisieren.
Weiterhin knappe Transportkapazitäten aus Fernost
Hinzu kommen außerordentliche Engpässe und Preissteigerungen beim Containerverkehr etwa zwischen China und Europa. Der SCFI-Index (Shanghai Containerized Freigt Index) zeigt, dass die Preise Ende Juli rund viermal so hoch waren wie 2019, Tendenz weiter steigend. Weltweit ist der Bau von über 300 Containerschiffen in Auftrag gegeben, aber auch deren Realisierung benötigt Jahre.
„Die Lieferketten werden die Konjunktur noch über Monate beschäftigen. Kurzfristige Lösungen sind nicht in Sicht”, macht Hohenner deutlich. „Generell wächst die Erkenntnis, dass Europa unabhängiger werden muss etwa von Lieferanten aus Fernost. Auch das Recycling von Produkten wird wichtiger werden.”
In ersten Branchen erfolgt bereits eine Neuausrichtung bei den Lieferketten. Der IHK für Oberfranken Bayreuth berät hierzu bereits etliche Unternehmen in Kooperation mit den deutschen Auslandshandelskammern.