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Bewerbermangel

Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer bre­chen ein – Han­del und Gas­tro­no­mie ohne Nachwuchs

Aus­bil­dungs­markt in Schief­la­ge: Rück­läu­fi­ge IHK-Zahlen

Trotz einer gro­ßen Zahl an unbe­setz­ten Aus­bil­dungs­plät­zen sinkt die Zahl der neu ein­ge­tra­ge­nen Aus­bil­dungs­ver­hält­nis­se bei den Mit­glieds­un­ter­neh­men der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth in den ers­ten sie­ben Mona­ten des Jah­res gegen­über 2024 spür­bar um 15 Pro­zent auf 1.908, wie die Kam­mer mitteilt.

Stieg die Zahl der Neu­ein­tra­gun­gen von Aus­bil­dungs­ver­hält­nis­sen seit 2021 im Ein­zugs­ge­biet der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth von 1.968 im Jahr 2000 auf 2.372 im Jahr 2024 kon­ti­nu­ier­lich an (jeweils bis 31. Juli), folg­te 2024 ein jäher Absturz auf 1.908 Neu­ein­tra­gun­gen. Da spielt natür­lich die Tat­sa­che hin­ein, dass es 2025 kaum Abitur­prü­fun­gen gibt. Das erklärt aber gera­de mal ein knap­pes Vier­tel des Rück­gangs von 464 Neueintragungen.

„Also haben wir uns auf die Suche bege­ben“, so IHK-Pres­se­spre­cher Peter Beli­na. Schließ­lich sei es sehr ernüch­ternd, wenn die IHK-Zah­len einen deut­li­chen Rück­gang bei den neu unter­schrie­be­nen Aus­bil­dungs­zah­len auf­zei­gen, man zwar Ver­mu­tun­gen für die Haupt­ur­sa­chen hat, den Zah­len aber nicht die Infor­ma­ti­on ent­lo­cken kann, war­um das so ist. Zusam­men mit Aus­bil­dungs­be­ra­ter Mat­thi­as Rank und Roman Rie­mer von der IT wur­den die IHK-Daten zur Aus­bil­dung 2024 und 2025 im Detail ana­ly­siert. Da wur­de dann rela­tiv schnell klar, war­um 2025 im Ver­gleich zum Vor­jahr spür­bar weni­ger Aus­bil­dungs­ver­trä­ge unter­schrie­ben wurden.


Kri­se bei Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rern bleibt nicht ohne Kon­se­quen­zen bei Ausbildung

„Haupt­grund ist der dra­ma­ti­sche Ein­bruch der Aus­bil­dungs­zah­len bei den Aus­bil­dungs­be­trie­ben im Bereich der Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer. Fünf unse­rer zehn wich­tigs­ten Aus­bil­dungs­be­trie­be gehö­ren zu die­ser Spar­te“, so Beli­na. „Das zeigt, wie sehr die­se Bran­che unter Druck steht.“ Die schlech­te Kon­junk­tur­la­ge trifft – wenn auch etwas abge­schwächt – auch den Ener­gie­sek­tor, den Maschi­nen­bau und die Medi­zin­tech­nik. „Bei die­sen drei Bran­chen gibt es aber einen ele­men­ta­ren Unter­schied zu den Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rern: Hier gibt es auch Unter­neh­men mit mehr Neu­ein­tra­gun­gen als im Vorjahr.“

„Bei zwei wei­te­ren Bran­chen haben wir eine grö­ße­re Zahl von Unter­neh­men gefun­den mit spür­bar rück­läu­fi­gen Neu­ein­tra­gun­gen, im Han­del und im Gas­tro­no­mie­be­reich“, ergänzt IHK-Aus­bil­dungs­be­ra­ter Mat­thi­as Rank. „Die Ursa­che ist hier aber eine ganz ande­re. Hier han­delt es sich um Bran­chen mit einer hohen Zahl an unbe­setz­ten Aus­bil­dungs­plät­zen. Die Unter­neh­men wür­den ger­ne deut­lich mehr aus­bil­den, fin­den aber kei­nen Nach­wuchs.“ Mit­tel­fris­tig dro­he den Betrie­ben eine spür­ba­re Fachkräftelücke.


Schlech­te Idee: Ohne Aus­bil­dung oder Stu­di­um ins Berufs­le­ben starten

Mit Sor­ge beob­ach­tet Rank den Trend, dass immer mehr Jugend­li­che weder stu­die­ren noch eine Aus­bil­dung antre­ten. „Unge­lernt arbei­ten zu gehen, mag im ers­ten Moment ver­lo­ckend sein, schließ­lich ver­dient man mehr Geld als wäh­rend der Aus­bil­dung“, so Rank. „Aber die­se Situa­ti­on dreht sich nach der Aus­bil­dung sehr schnell um, von der Arbeits­platz­si­cher­heit gar nicht zu reden.“ Wäh­rend jemand in Deutsch­land mit abge­schlos­se­ner Berufs­aus­bil­dung laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt 2022 im Schnitt 3.521 Euro ver­dient und mit Zusatz­qua­li­fi­zie­rung, etwa als Meis­te­rin, Fach­wirt, Fach­kauf­frau oder Ope­ra­ti­ve Pro­fes­sio­nal 4.826 Euro, beträgt das Ein­kom­men bei Per­so­nen ohne beruf­li­chen Aus­bil­dungs­ab­schluss im Schnitt gera­de mal 2.817 Euro. „Die beruf­li­che Aus­bil­dung ist nicht nur der Grund­stein für ein siche­res Ein­kom­men, son­dern auch für eine sta­bi­le Erwerbs­kar­rie­re“, macht Rank deutlich.

„Über ein Drit­tel aller Aus­bil­dungs­plät­ze ist nach wie vor nicht besetzt. Wer sich also spon­tan dazu ent­schließt, eine Aus­bil­dung zu begin­nen, wen­det sich ent­we­der an die Agen­tur für Arbeit oder direkt an ein Aus­bil­dungs­un­ter­neh­men“, so Rank. „Ganz wich­tig: Auch nach dem offi­zi­el­len Aus­bil­dungs­be­ginn am 1. Sep­tem­ber ist noch ein Ein­stieg in die beruf­li­che Aus­bil­dung möglich!“

Unter­neh­men sehen oft Män­gel bei Ausbildungsreife

Bewer­ber­man­gel bremst Aus­bil­dungs­markt in Ober­fran­ken aus

Die Rezes­si­on hat nach dem Arbeits- auch den Aus­bil­dungs­markt erreicht, wie die IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth mit­teilt. Vie­len Unter­neh­men feh­le für eine Aus­bil­dung ein­fach die wirt­schaft­li­che Per­spek­ti­ve. Trotz­dem bleibt es für die Aus­bil­dungs­un­ter­neh­men die größ­te Her­aus­for­de­rung, über­haupt Aus­zu­bil­den­de zu fin­den, wie eine aktu­el­le Umfra­ge der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth unter ihren Mit­glieds­un­ter­neh­men deut­lich macht.

Die IHK-Umfra­ge zeigt: Nur 14 Pro­zent der Betrie­be wol­len zum Aus­bil­dungs­jahr 2025/​/​26 mehr Aus­bil­dungs­plät­ze schaf­fen als im Vor­jahr, 28 Pro­zent haben das Ange­bot ver­rin­gert. Haupt­grund sind feh­len­de wirt­schaft­li­che Per­spek­ti­ven und finan­zi­el­le Mit­tel. „Das ver­schärft den Fach­kräf­te­man­gel wei­ter, denn auf einen Schul­ab­gän­ger kom­men aktu­ell fast zwei Baby-Boo­mer, die in den Ruhe­stand gehen“, macht Dr. Micha­el Waas­ner deut­lich, Prä­si­dent der IHK für Ober­fran­ken Bayreuth.

„Nicht besetz­te Aus­bil­dungs­plät­ze sind ein Rie­sen­pro­blem“, bestä­tigt Wolf­ram Brehm, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth. 57 Pro­zent der befrag­ten IHK-Aus­bil­dungs­be­trie­be haben für das Aus­bil­dungs­jahr 2025/​/​26 kei­ne ein­zi­ge Bewer­bung erhal­ten, bun­des­weit liegt der Anteil bei 48 Prozent.


Bes­se­re Rah­mend­be­din­gun­gen für Schu­len und Betrie­be gefordert

Neben dem Man­gel an Bewer­bun­gen sehen die Unter­neh­men auch Defi­zi­te bei der Aus­bil­dungs­rei­fe. Dr. Waas­ner: „Beson­ders wich­tig aus Sicht der Unter­neh­men sind dabei das Arbeits- und Sozi­al­ver­hal­ten, gefolgt von der grund­le­gen­den men­ta­len Leis­tungs­fä­hig­keit.“ Beson­ders häu­fig wer­den sei­tens der Aus­bil­de­rin­nen und Aus­bil­der Defi­zi­te bei Dis­zi­plin (63 Pro­zent) und Belast­bar­keit (59 Pro­zent) genannt. Dage­gen sind grund­le­gen­de IT- und Medi­en­kennt­nis­se (nur sechs Pro­zent mit Män­geln) und Team­fä­hig­keit (acht Pro­zent) meist aus­rei­chend vorhanden.

Vie­le Unter­neh­men for­dern eine bes­se­re Aus­stat­tung der Schu­len. 90 Pro­zent wün­schen sich mehr anwen­dungs­ori­en­tier­tes Ler­nen, zwei Drit­tel eine enge­re Zusam­men­ar­beit zwi­schen Schu­le und Betrieb sowie mehr Inves­ti­tio­nen in Per­so­nal und Infrastruktur.

„Unse­re Unter­neh­men wol­len aus­bil­den. Dafür brau­chen Sie aber bes­se­re Rah­men­be­din­gun­gen“, so Dr. Waas­ner. „Es feh­len nicht nur kon­junk­tu­rel­le Impul­se. Unse­re Unter­neh­men müs­sen sich auch dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass die ange­hen­den Azu­bis in den all­ge­mein­bil­den­den Schu­len das not­wen­di­ge Rüst­zeug mit­be­kom­men. Enga­gier­te Leh­rer tref­fen viel zu oft auf eine inad­äqua­te tech­ni­sche und digi­ta­le Aus­stat­tung.“ Sowohl Schu­len als auch Unter­neh­men brau­chen dar­über hin­aus mehr Unter­stüt­zung bei der Inte­gra­ti­on von jun­gen Men­schen mit Migrationshintergrund.

Besorg­nis­er­re­gend ist die hohe Zahl an Jugend­li­chen, die ohne for­ma­le Qua­li­fi­ka­ti­on ins Berufs­le­ben star­ten wol­len. „Das hat sicher auch etwas damit zu tun, dass sich vie­le nicht gut in den Ange­bo­ten der Berufs­ori­en­tie­rung zurecht­fin­den“, so IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Brehm. Noch einen Schritt wei­ter geht IHK-Prä­si­dent Dr. Waas­ner: „Wir brau­chen daher eine ver­pflich­ten­de und pra­xis­ori­en­tier­te Berufs­ori­en­tie­rung als bun­des­wei­te Pflicht­auf­ga­be an allen Schu­len.“ Gym­na­si­en etwa dürf­ten nicht ein­sei­tig über das Stu­di­um, son­dern müss­ten auch über die guten Per­spek­ti­ven einer Aus­bil­dung informieren.


IHK-Aus­bil­dungs­Scouts brin­gen Pra­xis in die Schulen

„Eine beruf­li­che Aus­bil­dung bie­tet dank ihrer Durch­läs­sig­keit und den viel­fäl­ti­gen Wei­ter­bil­dungs­mög­lich­kei­ten mit Abschlüs­sen, die dem Bache­lor oder Mas­ter gleich­ge­stellt sind, eine ech­te Zukunfts­per­spek­ti­ve“, so Dr. Waas­ner. Umso wich­ti­ger sei es, dass Schul­ab­gän­ger die­ses Ange­bot auch kennen.

Mit den Aus­bil­dungs­Scouts gibt es auch sei­tens der IHK ein erfolg­rei­ches Ange­bot zur Berufs­ori­en­tie­rung. „Hier berich­ten ech­te Azu­bis aus der Regi­on über ihre Erfah­run­gen. Das ist Berufs­ori­en­tie­rung auf Augen­hö­he“, so Brehm.