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Skulpturen

Bild­hau­er­werk­statt und Aus­stel­lung zur Inter­na­tio­na­len Woche 

Skulp­tu­ren am Main-Donau-Kanal wer­den Wirklichkeit

Zur dies­jäh­ri­gen inter­na­tio­na­len Woche des Land­krei­ses Bam­berg wer­den die ers­ten drei Skulp­tu­ren der Kunst­be­geg­nun­gen am Main-Donau-Kanal bei Hirschaid, Alten­dorf und Neu­ses a.d.R. aufgestellt.

Wer die Bild­haue­rin­nen vor Ort bei ihrer Arbeit ken­nen­ler­nen möch­te, hat ab dem mor­gi­gen Mon­tag dazu Gele­gen­heit. Cis­sy van der Wel (Utrecht) wird im Hof der Korb­flech­te­rei Fried­rich in Alten­dorf bis zum 16. Sep­tem­ber ihre Skulp­tur „On taking root“ fer­tig stel­len. Direkt an der Kanal­rou­te des Reg­nitz­Rad­wegs gegen­über der Klär­an­la­ge Eggols­heim ver­leiht Ema­nue­la Camac­ci (Rom) ihrem Kunst­werk „Bet­ween“ den letz­ten Schliff. Petra Lan­ges „Was­ser­blu­me“ ist dann schon fer­tig und wird auf dem Kanal­damm zwi­schen Hirschaid und dem Kraft­werk bei Strul­len­dorf aufgestellt.

Eine Foto­aus­stel­lung zeigt vom 13. bis 25. Sep­tem­ber die Ent­wür­fe aller acht geplan­ten Skulp­tu­ren. Die Aus­stel­lung im Hof der Korb­flech­te­rei Fried­rich in Alten­dorf ist Mon­tag bis Frei­tag jeweils von 10 bis 18 Uhr und Sams­tag von 10 bis 16 Uhr frei zugänglich.

Am Mitt­woch, 15. Sep­tem­ber, ist das Fluss­pa­ra­dies Fran­ken von 14 bis 17 Uhr mit einem Info­stand eben­falls vor Ort und freut sich über inter­es­sier­te gro­ße und klei­ne Besu­cher. Der Ein­tritt ist frei. Es wer­den aber sehr ger­ne Spen­den für die Wei­ter­füh­rung der Kunst­be­geg­nun­gen ange­nom­men. Denn in den nächs­ten Jah­ren soll jeweils ein wei­te­res Kunst­werk am Reg­nitz­Rad­weg dazu kommen.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen sind zu fin­den unter https://www.flussparadies-franken.de/

Bild­hau­er Adel­bert Heil über Peter Maser

Ein unbe­kann­ter Erfin­der und Fahrzeugbauer

Vor 240 Jah­ren leb­te vor den Toren Bam­bergs der ehe­ma­li­ge Jesu­it Peter Maser. Er war ein geschick­ter Mecha­ni­ker und Erfin­der eines pedal­ge­trie­be­nen Fahr­zeugs. Bild­hau­er Adel­bert Heil hat ihm nun ein künst­le­ri­sches Denk­mal gesetzt und Masers Fahr­zeu­gen zum ers­ten Mal seit einem Vier­tel­jahr­tau­send wie­der eine Gestalt gegeben.

Nach der zeit­wei­li­gen Auf­lö­sung des Bam­ber­ger Jesui­ten­or­dens 1773 war Peter Maser Ver­wal­ter von Schloss See­hof gewor­den. In frei­en Stun­den betä­tig­te er sich außer­dem als Erfin­der. Um 1780, als an Auto­mo­bil oder Fahr­rad noch nicht zu den­ken war, bau­te er ein Gefährt mit Pedal­an­trieb.
Aller Wahr­schein­lich­keit nach. Denn Peter Maser und sei­ne Schöp­fung haben näm­lich kaum Ein­gang in die Geschichts­schrei­bung gefun­den. Selbst den ein­ge­fleisch­tes­ten Bam­berg­ken­ne­rin­nen und ‑ken­nern ist der Mann unbekannt.

Tat­säch­lich gibt es nur weni­ge wei­ter­füh­ren­de geschicht­li­che Quel­len, die Auf­schluss über Masers Leben und Arbei­ten geben. Fried­rich Nico­lai, Auf­klä­rer und Ver­le­ger aus Ber­lin, bereis­te zu die­ser Zeit das Land, um Mate­ri­al über loka­le Gege­ben- und Gepflo­gen­hei­ten und bemer­kens­wer­te Per­sön­lich­kei­ten zu sam­meln. All das fass­te er in sei­nem 12-bän­di­gen Werk “Beschrei­bung einer Rei­se durch Deutsch­land und die Schweiz im Jah­re 1781” zusam­men. Am 23. Mai 1781 erreich­te Nico­lai Schloss See­hof. Dort fiel ihm Peter Maser auf, der auf einem vier­räd­ri­gen, pedal­ge­trie­be­nen Gefährt, an des­sen vor­de­rem Ende zudem ein geschnitz­ter Pfer­de­kopf prang­te, im Park des Schlos­ses umher­fuhr. Eine Begeg­nung, die er sofort für sein Werk festhielt.

Die­se Berich­te über Bam­berg und Umge­bung gel­ten als Fund­gru­be für kul­tur­his­to­ri­sche und sozi­al­wis­sen­schaft­li­che Anga­ben über das aus­ge­hen­de 18. Jahr­hun­derts, aber die Beschrei­bung des Erfin­ders Maser geriet über die Jah­re in Ver­ges­sen­heit. Außer­dem hat­te es Nico­lai ver­säumt, eine Zeich­nung des Gefährts anzu­fer­ti­gen.
Auch etwai­ge, von Maser ange­fer­tig­te Bau­skiz­zen des Fahr­zeugs und sei­nes neu­ar­ti­gen Antriebs­sys­tems, genau wie das Fahr­zeug selbst, fie­len wahr­schein­lich Säku­la­ri­sa­ti­on und Puri­fi­ka­ti­on zum Beginn des 19. Jahr­hun­derts zum Opfer.

Fast ein Vier­tel­jahr­tau­send soll­te es dau­ern, bis der Bild­hau­er und Berg­an­za­preis­trä­ger Adel­bert Heil in der Staats­bi­blio­thek Bam­berg auf Nico­la­is Werk stieß und die Absicht ent­wi­ckel­te, die Gefähr­te Masers nachzubauen.

Über­schrift zu Maser aus den Bam­ber­ger Blät­tern 1924, Foto: Staats­bi­blio­thek Bamberg

Heils Nach­for­schun­gen nach Zeich­nun­gen des Gefährts Masers im Bam­ber­ger Stadt­ar­chiv, dem Staats­ar­chiv, dem Ger­ma­ni­schen Natio­nal­mu­se­um in Nürn­berg sowie im Deut­schen Muse­um in Mün­chen blie­ben jedoch erfolg­los.
So fer­tig­te er vier Bron­ze­skulp­tu­ren nach den vor­ge­fun­de­nen Beschrei­bun­gen an. Bei die­sen han­delt es sich um die ers­ten Dar­stel­lun­gen der Pedal­fahr­zeu­ge seit Peter Masers Zei­ten. Wir haben mit Adel­bert Heil über den unbe­kann­ten Erfin­der gesprochen.


Herr Heil, hat Peter Maser mit sei­ner Erfin­dung des Pedal­an­triebs in gewis­ser Wei­se auch das Fahr­rad erfunden?

Adel­bert Heil: Nein, das Fahr­rad hat er nicht erfun­den, aber auf dem Weg zur Erfin­dung des Fahr­rads hat er mit dem Pedal­an­trieb etwas vor­weg­ge­nom­men, was etwa 70 Jah­re spä­ter bei der Welt­aus­stel­lung 1867 zum Tra­gen kam. Fast 100 Jah­re vor­her hat­te der fran­zö­si­sche Fahr­zeug­bau­er Elie Richard 1690 in La Rochel­le einen pedal­ge­trie­be­nen Rei­se­wa­gen gebaut. Eine eigen­ar­ti­ge Tat­sa­che in der Geschich­te des Fahr­rads besteht dar­in, dass fast alle Ver­bes­se­run­gen zwei- ja zuwei­len drei­mal erfun­den wer­den muss­ten, bevor sie all­ge­mein ver­wen­det wur­den. So hat eine 1817 durch Karl von Drais in Mann­heim ent­wi­ckel­te zwei­räd­ri­ge Lauf­ma­schi­ne noch kei­ne Peda­le. Die Ent­wick­lung des Fahr­rads hat auch eine inter­es­san­te frän­ki­sche Kom­po­nen­te: Der in Obern­dorf bei Schwein­furt gebo­re­ne Orgel­bau­er und Erfin­der Phil­ipp Moritz Fischer bau­te 1853 an sei­ne Trais-Lauf­ma­schi­ne eine Tret­kur­bel. Wirk­lich vor­an ging es mit der Ent­wick­lung aber erst durch den fran­zö­si­sche Wagen­bau­er Pierre Michaux, der bei der Welt­aus­stel­lung 1867 ein pedal­ge­trie­be­nes zwei­räd­ri­ges Velo­ci­ped prä­sen­tier­te.
Ich bin übri­gens auch nicht der Ers­te, der auf Peter Maser auf­merk­sam macht. Auch schon vor knapp 100 Jah­ren hat man sich mit ihm, wenn auch abseits von grö­ße­rer Auf­merk­sam­keit, beschäf­tigt. So schrieb der Hoch­schul­pro­fes­sor Dr. Wil­helm Heß in den Bam­ber­ger Blät­tern vom 24. Febru­ar 1924 bereits über Maser und sein Fahrzeug.


Ist bekannt, was Peter Maser dazu getrie­ben hat, die­se Fahr­zeu­ge zu ent­wer­fen und herzustellen?

Adel­bert Heil: Das habe ich mich auch oft gefragt. Der Wunsch nach zug­tier­un­ab­hän­gi­gen Gefähr­ten muss damals ein­fach in der Luft gele­gen haben. Und anschei­nend war Maser ein Tüft­ler, der fähig war, die­se Idee zu verwirklichen.


Spiel­ten womög­lich wirt­schaft­li­che Absich­ten, also ein Gefährt für den Ver­kauf zu ent­wi­ckeln, eine Rol­le dabei?

Adel­bert Heil: Nein, das war eine Lieb­ha­be­rei. Maser war durch sei­ne Anstel­lung als Ver­wal­ter von Schloss See­hof finan­zi­ell abge­si­chert und hat­te Zeit, sich sei­nen Erfin­dun­gen zu wid­men. Und sei­ner Kunst – er hat ja auch gebild­hau­ert und Mosai­ken gefertigt.


War­um haben Sie sich der künst­le­ri­schen Dar­stel­lung der Fahr­zeu­ge von Peter Maser angenommen?

Adel­bert Heil: Seit Kin­des­bei­nen an inter­es­sie­ren mich die The­men “Auto” und “Mobi­li­tät”. Die Auto­mo­bi­li­tät hat unser Leben, und damit auch mei­nes, im 20. Jahr­hun­dert sehr geprägt. Nicht nur zum Schlech­ten, auch sehr zum Guten.


Wor­an haben Sie sich in Erman­ge­lung einer bild­li­chen Dar­stel­lung der Gefähr­te bei deren Gestal­tung orientiert?

Adel­bert Heil: Zunächst an Nico­la­is schrift­li­chen Auf­zeich­nun­gen. Er schreibt: „Vor­ne am Wagen sind der Kopf und der Vor­der­leib eines Pfer­des zu sehen. Die nied­ri­gen Vor­der­rä­der sind zum Len­ken und der Fah­ren­de hat einen Zaum an des Pfer­des Kopf in den Hän­den. An dem­sel­ben ist inwen­dig ein Hebel ver­mit­telt, anhand des­sen sich der Wagen sehr leicht len­ken lässt. Der­je­ni­ge, wel­cher im vier­räd­ri­gen Wagen sitzt, tritt mit den Füßen wech­sel­wei­se eine dop­pel­te Kur­bel und kann auf einem ebe­nen Wege selbst fahren.“


Ihre Skulp­tu­ren der Krea­tio­nen von Peter Maser emp­fin­den nicht nur sei­ne Gefähr­te nach – Sie haben sie zusätz­lich mit Figu­ren, sozu­sa­gen Pas­sa­gie­ren, ausgestattet.

Adel­bert Heil: Ja, um zu zei­gen, wie die Hand­ha­bung des Fahr­zeugs hät­te aus­se­hen kön­nen, habe ich Figu­ren auf ihm plat­ziert. Ich weiß nicht, wie Peter Maser aus­sah, aber ich bin sicher, dass er den Bild­hau­er Fer­di­nand Tietz und sei­ne Figu­ren im Schloss­park See­hofs kann­te. Es gibt dort an der Kas­ka­de den stei­ner­nen Her­ku­les und sei­ne hin­ter ihm ste­hen­de, den Lor­beer­kranz hal­ten­de Fama. Irgend­wann hat­te ich die Vor­stel­lung, Maser steht vor der Brun­nen­an­la­ge und hat die Visi­on von Her­ku­les mit Fama in sei­nem Fahr­zeug, was den kunst­ge­schicht­li­chen Topos des Tri­um­ph­wa­gens bedient oder aus heu­ti­ger Sicht ein Bild des Sie­ges­zu­ges der Auto­mo­bi­li­tät abgibt.


Wün­schen Sie sich, dass Ihre Dar­stel­lung der Gefähr­te, die nun die ers­te Dar­stel­lung die­ser Art ist, von jetzt an als Refe­renz für die Fahr­zeu­ge gilt?

Adel­bert Heil: Das wäre viel ver­langt, aber solan­ge es noch nie­mand ande­rer macht – war­um nicht.


Lie­ßen sich die Gefähr­te anhand Ihrer Dar­stel­lung nach­bau­en und auch fahren?

Adel­bert Heil: Ja, auch des­we­gen habe ich sie, zwar noch als Minia­tur­mo­del­le, nach­ge­baut. Aber ich ste­he in Kon­takt mit einer Mit­tel­schu­le, denen ich vor­ge­schla­gen habe, die Fahr­zeu­ge in Ori­gi­nal­grö­ße zu bauen.


Bis vor Kur­zem waren die Skulp­tu­ren im Bam­ber­ger Bür­ger­la­bor zu sehen. Wann und wo wer­den Sie sie wie­der ausstellen?

Adel­bert Heil: Vor­aus­sicht­lich gibt es am Sonn­tag den 23. Mai, dem 240. Jah­res­tag des Tref­fens zwi­schen Maser und Nico­lai, eine Aus­stel­lung im Park von Schloss See­hof, an eben jener Stel­le, wo sich Nico­lai und Maser begegneten.