Stadtecho Fra­ge­bo­gen

Das Stadtecho fragt, Dia­na Linz antwortet

4 Min. zu lesen
Diana Linz
„Ich kenne das Leben, bin im Kino gewesen“, Diana Linz, Foto: Lichtspiel
In jeder Aus­ga­be des Stadtechos legen wir einer Bam­ber­ger Per­sön­lich­keit einen Fra­ge­bo­gen vor. Dies­mal hat Dia­na Linz die Fra­gen beant­wor­tet. Sie ist Geschäfts­füh­re­rin der bei­den Bam­ber­ger Kinos Licht­spiel und Odeon.
Frau Linz, auf einer Ska­la von 0 (über­haupt nicht) bis 10 (kom­plett): Wie hat sich Ihr Leben durch die Coro­na-Pan­de­mie verändert?

7, das Pri­va­te wirkt zum Glück dem Pan­de­mie­t­ru­bel entgegen.

Was braucht ein gutes Kino?

Gutes Kino bie­tet den Raum, um sich ein­zu­las­sen. Im bes­ten Fal­le kommt man als Besucher*in nach zwei Stun­den ver­än­dert und mit neu­en Impul­sen aus dem Saal.

Was braucht ein guter Film?

Er muss mich berüh­ren, mich anre­gen – zum Dis­kurs oder zum Nach­le­sen, in ande­re Wel­ten ent­füh­ren und über den Tel­ler­rand bli­cken, infor­mie­ren, even­tu­ell pro­vo­zie­ren – am liebs­ten in schö­nen Bil­dern und per­fekt wäre es, wenn alles zusam­men eintritt!

Wel­chen Film fan­den Sie zuletzt toll, wel­cher hat Sie enttäuscht?

Rich­tig ermat­tet bin ich davon, dass vie­le Fil­me mitt­ler­wei­le zu lang sind. Vie­les könn­te geraff­ter erzählt wer­den. Oft hat man das Gefühl, ein hal­be Stun­de weni­ger hät­te dem Werk sogar getan. Ent­täuscht war ich zum Bei­spiel In letz­ter Zeit bei RESPECT, der Film­bio­gra­fie über Are­tha Fran­k­lin. Rich­tig toll fand ich den japa­ni­schen Osca­ran­wär­ter DRIVE MY CAR, obwohl er so lang ist…

Wür­den Sie ger­ne öfter Fahr­rad fahren?

Ich fah­re täg­lich, aber meist nur zur Arbeit. Defi­ni­tiv wür­de ich ger­ne mehr Zeit für Tou­ren haben.

Töten Sie Insekten?

Wenn ich von ihnen ange­grif­fen werde.

Darf man in Ihrem Schlaf­zim­mer rauchen?

Auf kei­nen Fall!

Wel­che Dro­gen soll­ten Ihrer Mei­nung nach lega­li­siert werden?

Mir per­sön­lich rei­chen Wein und gutes Essen.

Ihr Leben wird ver­filmt. Wel­che Schau­spie­le­rin soll­te Sie spielen?

Fran­ces McDormand.

Zah­len Sie gern Rundfunkgebühren?

Ich höre weder Radio, noch sehe ich fern. Ich wür­de natür­lich lie­ber zah­len, wenn man bei der Pro­gramm­aus­wahl ein Mit­spra­che­recht hätte.

Wie vie­le Apps sind auf Ihrem Smart­pho­ne? Wel­che benut­zen Sie am meisten?

Kei­ne Ahnung. Die Apps zur Kom­mu­ni­ka­ti­on. Geschäft­lich für Social Media und zum Banking.

Wovon waren Sie zuletzt überrascht?

Immer wie­der von unse­ren Kinogästen.

Was ist Ihr größ­ter Wunsch?

Ein Leben zu füh­ren, hin­ter dem ich ste­hen kann.

Wie sieht ein per­fek­ter Tag für Sie aus?

In jedem Fall mit gelieb­ten Menschen.

Wor­über haben Sie sich zuletzt geärgert?

Die Wert­schät­zung und Stel­lung von Kul­tur in den poli­ti­schen Pan­de­mie­de­bat­ten (vor allem auch 2G Plus in der Kul­tur – wäh­rend in allen ande­ren Berei­chen 2G aus­reich­te). Schließ­lich bezeich­net sich Deutsch­land doch als Kulturnation.

Haben Sie ein Lieblingsgeräusch?

Regen­trop­fen an Schei­ben. Das Ent­kor­ken eines Wei­nes. Mee­res­rau­schen… Und: ger­ne auch mal Stille.

Wovor haben Sie Angst?

Vor Krieg und dem Zuwachs und Unter­wan­de­rung all­täg­li­cher Berei­che durch rech­te Ideologien.

Was war Ihr schöns­ter Kinomoment?

Die Span­nung und Erwar­tung wäh­rend das Saal­licht her­un­ter­ge­dimmt wird. Auch ger­ne das „Wie­der­erwa­chen-und-trotz­dem-noch-im-Film-ver­wei­len“ wäh­rend des Abspanns.

Wann haben Sie zuletzt geflirtet?

Jeden Tag ein wenig…

Auf wel­chen Moment Ihrer Lauf­bahn waren Sie am schlech­tes­ten vorbereitet?

Mit Charme funk­tio­niert alles irgend­wie… zudem geht alles vorbei!

Gibt es einen wie­der­keh­ren­den Alb­traum, der von Ihrem Beruf handelt?

In den Anfangs­jah­ren habe ich immer wie­der geträumt, dass ich eine 35mm-Kopie beim Umrol­len schrot­te und ich am Ende in einem ver­kno­te­ten Berg von Film­ma­te­ri­al stehe.

Mit wel­chem gro­ßen Film kön­nen Sie gar nichts anfangen?

Oh – mit vie­len! Fan­gen wir mal an mit Mad Max, Star Wars, Mar­vel-Fil­me… Ich bin
nicht gemacht fürs gro­ße Hollywoodspektakel.

Was ist Ihr Lieblingsschimpfwort?

Blöd­bom­mel.

Bei wel­chem his­to­ri­schen Ereig­nis wären Sie gern dabei gewesen?

Natür­lich am 1. Novem­ber 1895 im Ber­li­ner Varie­té Win­ter­gar­ten, da gab es die ers­te öffent­li­che Film­vor­füh­rung Deutsch­lands, oder am 28. Dezem­ber des­sel­ben Jah­res im Salon am Pari­ser Bou­le­vard des Capu­ci­nes, als die Brü­der Lumiè­re das ers­te Kino der Welt eröff­ne­ten. Aber ich wäre auch ger­ne in den 1920er Jah­ren in die Bau­haus­aka­de­mie gegangen.

Wel­che Feh­ler ent­schul­di­gen Sie am ehesten?

Wenn man ehr­lich und auf­recht im Umgang ist, fast alles.

Was ist Ihre schlech­tes­te Angewohnheit?

Sehr knapp zu Ter­mi­nen zu erscheinen.

Ihre Lieb­lings­tu­gend?

Mei­ne Begeisterungsfähigkeit.

Ihr Haupt­cha­rak­ter­zug?

Befin­de ich mich hier in einem Bewer­bungs­ge­spräch fürs Stadtecho?

Was hät­ten Sie ger­ne erfunden?

Ich wür­de ger­ne über­haupt mal was erfinden…

Wofür sind Sie dankbar?

Für Zeit mit allen Liebsten!

Was lesen Sie gerade?

„In der Män­ner-Repu­blik: Wie Frau­en die Poli­tik eroberten“.

Wel­ches Buch haben Sie zuletzt nicht zu Ende gelesen?

Zuletzt wag­te ich wäh­rend des letz­ten Lock­downs einen erneu­ten Anlauf: Tho­mas Manns „Die Bud­den­brooks“, zum vier­ten Mal nicht über die ers­ten 50 Sei­ten hinausgekommen.

Was ist Ihr Lieb­lings­buch, Lieb­lings­al­bum, Lieblingsfilm?

Das kann ich so leicht nicht beant­wor­ten. Es gibt so viel Tol­les zu lesen, zu hören und zu sehen – je nach Stimmung.

Was war Ihre größ­te Modesünde?

Mode ist ein Lebens­ge­fühl. Ein­fach machen.

Was ist Ihr liebs­tes Smalltalk-Thema?

Film.

Was zeigt das letz­te Foto, das Sie mit Ihrem Han­dy auf­ge­nom­men haben?

Den Ode­on-Schicht­plan für März.

Mit wem wür­den Sie ger­ne eine Nacht durchzechen?

Mit mei­nen Liebs­ten. Und den Coen-Brüdern…

Wovon haben Sie über­haupt kei­ne Ahnung?

Autos, Fuß­ball.

Was fin­den Sie langweilig?

Steu­er­erklä­rung, Buchhaltung.

Sie sind in einer Bar. Wel­ches Lied wür­de Sie dazu brin­gen zu gehen?

Natür­lich kommt jetzt, wie schon so oft an die­ser Stel­le, „Atem­los“ von Hele­ne Fischer. Aber ich gehe nicht in Bars, in denen das läuft!

Was ist Ihre Vor­stel­lung von Hölle?

Qua­len erlei­den oder „Atem­los“ von Hele­ne Fischer hören.

Wie glau­ben Sie, wür­de die Dia­na Linz von vor zehn Jah­ren auf die Dia­na Linz von heu­te reagieren?

„Hey Dia­na, Du hast Dich ja fast nicht verändert… ;)!“

Gibt es etwas, das Ihnen das Gefühl gibt, klein zu sein?

Auf einem Berg zu ste­hen und hin­ab zu blicken.

Ich kann nicht leben ohne…

Ich möch­te nicht… ohne mei­nen Partner.

In wel­chen Club soll­te man unbe­dingt mal gehen?

In Bam­berg fehlt der Mor­ph­club… Lei­der bin ich zu sel­ten im Jazz­club – aktu­ell auch geschlos­sen. Übel und gefähr­lich in Ham­burg, Clär­chen Ball­haus oder das Kater Blau in Berlin.

Sind Sie Tän­ze­rin oder Steherin?

Tän­ze­rin.

Stel­len Sie sich vor, Sie könn­ten wäh­len – was für ein Tier wären Sie gerne?

Ein Kra­ken.

Wel­ches Pro­blem wer­den Sie in die­sem Leben nicht mehr in den Griff bekommen?

Ich wür­de sagen vie­le, aber ich möch­te auch nicht alles in den Griff bekommen.

Das Stadtecho gibt eine Run­de aus. Was trin­ken Sie?

Tags­über ger­ne einen Ita­lie­ner – abends einen Cam­pa­ri Amalfi.

Dia­na Linz, Febru­ar 2022.
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