Kür­zun­gen im Sozialbereich

Fair­trade-Fuß­bäl­le für städ­ti­sche Initiativen

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Sparmaßnahmen
Der Bamberger Caritasdirektor Michael Endres mahnt die geplanten Kürzungen im sozialen Sektor an: „Das würde vor allem das Kinder- und Jugendhilfeangebot zahlreicher Träger hart treffen.“ Foto: DiCV Bamberg
Die von Städ­ten, Kom­mu­nen, Land­krei­sen und Gemein­den ange­kün­dig­ten Spar­maß­nah­men im sozia­len Bereich berei­ten auch den Ver­ant­wort­li­chen des Diö­ze­san-Cari­tas­ver­ban­des Bam­berg (DiCV Bam­berg) gro­ße Sor­gen. Nach Ansicht des Bam­ber­ger Cari­tas­di­rek­tors Micha­el End­res gefähr­den die Kür­zun­gen vor allem auch das Wohl von Kin­dern und Jugendlichen.

„Als Cari­tas­ver­band ste­hen wir, aber auch ande­re Sozi­al-Orga­ni­sa­tio­nen wie etwa der der Lan­des­ver­band katho­li­scher Ein­rich­tun­gen und Diens­te der Erzie­hungs­hil­fen in Bay­ern über unse­re Ange­bo­te und Diens­te unter ande­rem auch in direk­tem Kon­takt mit Kin­dern, Jugend­li­chen und Fami­li­en, die auf ver­läss­li­che, gut aus­ge­stat­te­te Hil­fe­st­ruk­tu­ren ange­wie­sen sind. Wir wis­sen: Gera­de in einer Zeit mul­ti­pler Kri­sen, in der jun­ge Men­schen mit erheb­li­chen Belas­tun­gen kon­fron­tiert sind, wäre ein Rück­bau sozia­ler Ange­bo­te nicht nur kurz­sich­tig, son­dern tat­säch­lich grob fahr­läs­sig“, sag­te Micha­el End­res, Vor­stands­vor­sit­zen­der und Direk­tor des DiCV Bamberg.


Ehr­li­che Ana­ly­sen gefordert

Dage­gen stün­den die aktu­el­len Befun­de der Poli­tik. Sie hal­te jähr­li­che Kos­ten­stei­ge­run­gen von bis zu zehn Pro­zent in der Jugend­hil­fe sowie in der Ein­glie­de­rungs­hil­fe für nicht län­ger akzep­ta­bel. Laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt lagen die Aus­ga­ben von Bund, Län­dern und Kom­mu­nen für den Bereich der Kin­der- und Jugend­hil­fe 2023 bei rund 71,9 Mrd. Euro. Das sind 9,2 Pro­zent mehr als 2022. Im Ver­gleich dazu lagen die Auf­wen­dun­gen für die Kin­der- und Jugend­hil­fe im Jahr 2013 bei rund 35,5 Mrd. Euro. Kor­rekt sei: Inner­halb von zehn Jah­ren haben sich die Aus­ga­ben ver­dop­pelt. Die­ser Anstieg ist ins­be­son­de­re auf den Aus­bau der Kin­der­ta­ges­be­treu­ung zurück­zu­füh­ren (Vgl. Kom­Dat Dezem­ber 2024, Nr.3/2024). Der lag 2023 bei ca. 48,8 Mrd. Euro (67,9 Pro­zent). Wei­te­re Ursa­chen sei­en Tarif­ent­wick­lun­gen sowie all­ge­mei­ne Preis- und Kos­ten­stei­ge­run­gen. Die wesent­li­che Erkennt­nis aber sei, dass die Aus­ga­ben für die Kin­der- und Jugend­hil­fe im Ver­hält­nis zum Brut­to­in­lands­pro­dukt (BIP) ins­ge­samt sta­gnie­ren. Ihr BIP-Anteil lag zwi­schen 2021 und 2023 bei 1,7 Pro­zent und damit auf einem gleich­blei­bend nied­ri­gen Niveau. „Was wir brau­chen, sind ehr­li­che, reflek­tier­te Ana­ly­sen und kei­ne pau­scha­li­sier­ten Ent­schei­dun­gen, die jeder Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ent­beh­ren“, betont Endres.


„Kin­der­schutz darf kein Rand­the­ma sein“

Mit Blick auf die Kom­mu­nal­wahl 2026 appel­liert des­halb auch End­res an die Lokal­po­li­tik in den Land­krei­sen, Städ­ten, Kom­mu­nen und Gemein­den: „Gera­de der Kin­der­schutz darf kein Rand­the­ma sein – er muss statt­des­sen zu einer kom­mu­na­len Kern­auf­ga­be wer­den. Wer aber staat­li­che Zuschüs­se unter rein kauf­män­ni­schen Gesichts­punk­ten kürzt, tut das gänz­lich unre­flek­tiert. The­men wie Inklu­si­on oder Chan­cen­gleich­heit erschei­nen dann nur­mehr als rein macht­po­li­tisch kol­por­tier­tes Kal­kül, das die Glaub­wür­dig­keit poli­ti­scher Ent­schei­dungs­trä­ger mas­siv schwächt. Statt­des­sen müs­sen Prä­ven­ti­on, frü­he Hil­fen, Schutz­kon­zep­te und betei­li­gungs­ori­en­tier­te Struk­tu­ren finan­zi­ell abge­si­chert wer­den.“ Denn sie zäh­len für End­res eben­so zur kri­ti­schen Infra­struk­tur wie etwa auch Inves­ti­tio­nen in die Digi­ta­li­sie­rung, die Ver­tei­di­gung und den Verkehr.


Sozia­le Rea­li­tät vs. gesetz­li­cher Anspruch

Vor die­sem Hin­ter­grund sei die geplan­te gesetz­li­che Ver­an­ke­rung der unab­hän­gi­gen Auf­ar­bei­tung sexua­li­sier­ter Gewalt durch das UBSKM-Gesetz (Unab­hän­gi­ger Bun­des­be­auf­trag­ter gegen sexu­el­len Miss­brauch von Kin­dern und Jugend­li­chen, UBSKM) ein ent­schei­den­der Schritt. Das seit dem 1. Juli 2025 in Kraft getre­te­nen Gesetz kön­ne aber de fac­to nur dann sei­ne vol­le Wir­kung ent­fal­ten, wenn auf kom­mu­na­ler Ebe­ne auch die nöti­gen finan­zi­el­len Res­sour­cen für Kin­der­schutz, Auf­ar­bei­tung und fach­li­che Beglei­tung bereit­ge­stellt wer­den. Die sozia­le Rea­li­tät dür­fe des­halb nicht hin­ter dem gesetz­lich fest­ge­schrie­be­nen Anspruch zurückbleiben.

Beson­de­re Auf­merk­sam­keit erfor­dern nach Ansicht der Cari­tas außer­dem geflüch­te­te Kin­der. Sie brau­chen päd­ago­gi­sche Beglei­tung, siche­re Per­spek­ti­ven und kind­ge­rech­te Rah­men­be­din­gun­gen – kei­ne restrik­ti­ven Maß­nah­men oder stan­dar­di­sier­te Unter­brin­gun­gen, die dem Kin­des­wohl nicht gerecht werden.

Der DiCV Bam­berg steht für eine star­ke Kin­der- und Jugend­hil­fe, für ver­läss­li­che Schutz­räu­me und für men­schen­wür­di­ge Per­spek­ti­ven – unab­hän­gig von Her­kunft, Sta­tus oder Reli­gi­on. Hin­ter den sozia­len Kür­zun­gen ste­hen poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen, die laut End­res Kon­se­quen­zen haben wer­den. „Wir müs­sen uns im Kla­ren sein: Wer ein­fach den Rot­stift ansetzt, der spart zwar auf den ers­ten Blick, ris­kiert aber gleich­zei­tig auch den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt und die Soli­da­ri­tät vor Ort, wenn sich Men­schen, Fami­li­en und Kin­der in Not nicht mehr auf sozia­le Hil­fen ver­las­sen kön­nen. Und die sehe ich schon jetzt und erst­recht in der Zukunft als fun­da­men­tal gefähr­det, wenn Städ­te, Gemein­den und Kom­mu­nen gemein­sam mit Bund und Län­dern hier nicht für Ent­las­tung sor­gen. Des­halb brau­chen wir jetzt die Unter­stüt­zung“, appel­liert End­res an die poli­ti­schen Entscheidungsträger.


Inves­ti­tio­nen in den Kinderschutz

Sozia­ler Rück­bau ist nach Ansicht von End­res kei­ne nach­hal­ti­ge Lösung. Des­halb for­dert der Bam­ber­ger Cari­tas­di­rek­tor Inves­ti­tio­nen in den Kin­der­schutz sowie die Teil­ha­be und Unter­stüt­zung für jun­ge Men­schen. Das sei kein Luxus, son­dern die Grund­la­ge für eine zukunfts­fä­hi­ge Gesell­schaft. Die zu gestal­ten, dafür bie­te die Kom­mu­nal­wahl 2026 eine Chan­ce, sozia­le Ver­ant­wor­tung ganz kon­kret wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. „Die soll­ten wir gemein­sam nutzen.“

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