Jetzt ist noch mehr über Klima und Natur zu erfahren
Wachtelpaare in der Bamberger Südflur ausgewildert
Der Klimawandel stellt unsere Wälder vor große Herausforderungen. Am Stadtrand von Bamberg, eingebettet in ein idyllisches, bewaldetes Erholungsgebiet, lädt der Walderlebnispfad „Erlebe-Bruder-Wald“ Besucherinnen und Besucher dazu ein, die heimische Natur mit all ihren Facetten kennenzulernen, wie die Stadt Bamberg mitteilt.
Zwanzig spannende Stationen regen dazu an, die Natur zu entdecken, zu verstehen und aktiv zu erfahren. Den Besucherinnen und Besuchern wird der Zugang zum Wald, seinen Bewohnern, aber auch zu Rohstoff Holz und der Forstwirtschaft, die diesen Rohstoff produziert eröffnet. Der Pfad wird von den Bayerischen Staatsforsten gepflegt und wurde in enger Zusammenarbeit mit der Bayerischen Forstverwaltung sowie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg konzipiert. Nun wurden in Kooperation mit Prof. Thomas Foken zwei weitere Infotafeln ergänzt.
Eine der neuen Tafeln widmet sich der „Spätfrostgefahr“. Trotz der allgemein steigenden Temperaturen steigt das Risiko, dass Obstbäume durch späte Frostereignisse Schaden nehmen. Warum? Weil sich die Pflanzen durch wärmere Frühjahre zu früh entwickeln, sodass sich die Vollblüte und mögliche Frosttage immer häufiger überschneiden können.
Ebenfalls neu ist die Tafel „Waldklima – Stadtklima“. Sie macht erlebbar, wie die Temperaturen an warmen, sonnenreichen Tagen im Wald bis zu fünf Grad niedriger sein können als im Umland. Ein Thermometer zeigt die aktuelle Temperatur im Wald an, während ein QR-Code es ermöglicht, die Temperatur direkt auf dem Smartphone mit der Temperatur in der Bamberger Innenstadt (Promenade) zu vergleichen.
Diese neuen Tafeln unterstützen das städtische Projekt „MitMachKlima“, das Bürgerinnen und Bürger sensibilisieren und aktiv einbinden möchte, um den Klimawandel gemeinsam zu bewältigen.
Im Juli wurden die neuen Infotafeln im Rahmen einer kleinen Runde offiziell vorgestellt. Stephan Keilholz, Leiter des Forstbetriebs Forchheim der Bayerischen Staatsforsten, führte gemeinsam mit Revierförster Jonas Gürsching und Prof. Thomas Foken zu den neuen Tafeln. Zweiter Bürgermeister sowie Klima- und Umweltreferent Jonas Glüsenkamp begrüßte das Projekt ausdrücklich: „Der Walderlebnispfad ist eine großartige Möglichkeit, das Thema Klimawandel und Wald vor Ort erfahrbar zu machen. Wir freuen uns, diese wertvolle Bildungsarbeit zu unterstützen und laden alle Bürgerinnen und Bürger herzlich ein, den Pfad zu besuchen.“
Für Schulklassen werden Führungen von der Bayerischen Forstverwaltung angeboten. Weitere Informationen zum Walderlebnispfad gibt es unter www.erlebe-bruder-wald.de
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Vertikale Begrünungen für mehr Artenvielfalt und Klimaanpassung in Bamberg
Grüne Hecke an der Metallwand des Stadionbades
Im Rahmen des Förderprojektes MitMachKlima wurde kürzlich die etwa 100 Meter lange südliche Metallwand des Stadionbades mit einer Hecke bepflanzt, teilt die Stadt Bamberg mit. Wo früher eine nackte Metallwand die Besucher auf Ihrem Weg in den Volkspark begleitet hat, wird künftig eine schöne begrünte Hecke den Weg säumen. „Die neu begrünte Wand ist nicht nur eine wirkungsvolle Maßnahme gegen den Klimawandel, sondern auch ein wahrer Blickfang“, freut sich Bürgermeister Jonas Glüsenkamp.
Mit einer Länge von etwa 100 Metern und einer Begrünungsfläche von rund 200 Quadratmetern trägt diese Fassadenbegrünung sowohl zur Verschönerung des Stadtbildes als auch zur Verbesserung des Klimaschutzes bei. Neben der Aufwertung der Luftqualität und der Kühlung der Umgebungstemperatur, leistet die gepflanzte Hecke einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität und Artenvielfalt. Die bald schon dicht bewachsene Hecke bietet zahlreichen Tierarten Nahrung und Lebensräume. Die gelblich-weißen Rispenblüten, die der Liguster im Sommer bildet, stehen bei Insekten hoch im Kurs. Insbesondere bei Vögeln ist die Ligusterhecke sehr beliebt, da ihr dichter Wuchs sich ideal für den Nestbau und als Brutraum eignet. Die einheimische Heckenpflanze ist zudem sehr robust und kommt mit den meisten Widrigkeiten zurecht.
Die Pflanzen werden wohl noch etwas Anwachszeit benötigen, sind aber schnell wachsende Pflanzen und bedeuten auch heute schon mit ihrer Höhe von über einem Meter eine sichtbare und eindrucksvolle (optische) Verbesserung. Diese Art der Liguster-Pflanzen ist außerdem wintergrün und behält im Winter sein Laub zum größten Teil, bis sich im Frühjahr neue Blätter bilden. Je älter die Pflanze wird, desto weniger Blätter wird sie verlieren. Durch die Begrünung wird also auch das Erscheinungsbild des Stadionbades ganzjährig ästhetisch aufgewertet und verschönert dadurch den öffentlichen Raum. Um die nachhaltige Pflege der neuen Hecke zu gewährleisten, wird ein Tröpfchenschlauch installiert, der eine effiziente Bewässerung ermöglicht. Diese Maßnahme sorgt dafür, dass die Pflanzen optimal mit Wasser versorgt werden, während gleichzeitig der Wasserverbrauch minimiert wird.
Die Maßnahme wurde aus Fördergeldern des Projektes MitMachKlima des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Bamberg realisiert. Sie leistet einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz in der Stadt Bamberg und bedeutet eine optische Aufwertung des öffentlichen Raums.
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Neujahrsempfang in Fürth
Erzbistum Bamberg zeigt „Leidenschaft für das Klima“
Unter dem Motto „Leidenschaft für das Klima“ hat das Erzbistum Bamberg in Fürth zu seinem Neujahrsempfang eingeladen. Erzbischof Herwig Gössl erinnerte am Samstag in seiner Ansprache an die Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus vor zehn Jahren. Festrednerin war die Augsburger Moraltheologin Prof. Kerstin Schlögl-Flierl, die in ihrem Vortrag dazu aufrief, „von der Hoffnung ins Handeln“ zu kommen.
Erzbischof Gössl stellte fest, dass in den vergangenen zehn Jahren die Sensibilität den Klimaschutz betreffend stetig gewachsen sei. Derzeit sehe er die Menschheit aber an einem Scheidepunkt: „Eine Mehrheit ist heute bereit, Klimaschutzprogramme zugunsten einer florierenden Wirtschaft zurückzufahren und Schöpfungsverantwortung als Luxusproblem zu begreifen.“
Auch wenn die Folgen des Klimawandels immer stärker spürbar seien, scheine der Enthusiasmus, sich für eine Begrenzung der Erderwärmung einzusetzen, deutlich abgekühlt zu sein. „In den Diskussionen wird diese Problematik, die letztlich eine Überlebensfrage der Menschheit ist, immer öfter in Gegensatz gebracht zu der ebenfalls bedeutenden, aber dem Einzelnen wesentlich näher liegenden Frage nach der wirtschaftlichen Entwicklung, dem eigenen Arbeitsplatz und dem erworbenen Wohlstand“, so Gössl.
Papst Franziskus erkenne im Thema Schöpfungsverantwortung eine höchst soziale Frage, die für den Fortbestand der Menschheit besondere Priorität habe. „Jeder von uns muss sich in gewisser Weise für die Zerstörung verantwortlich fühlen, der unser gemeinsames Haus ausgesetzt ist“, zitierte Gössl den Papst. Er bezog sich dabei neben der Umweltverschmutzung auch auf die unmenschliche Behandlung von Migranten, Desinformation und Ablehnung jeder Form von Dialog. Es bedürfe kultureller und struktureller Veränderungen für einen dauerhaften Wandel. „Der Kern der christlichen Botschaft“, so Gössl, „hängt zuinnerst zusammen mit unserer sozialen Verantwortung und mit der Umsetzung konkreter Schritte, auch im Blick auf globale Herausforderungen.“
Auch Professorin Schlögl-Flierl stellte in ihrer Rede fest, dass das zunehmende Wissen über den Klimawandel und die auch in Deutschland spürbaren Folgen bei vielen Menschen ohne Folgen für ihr Handel blieben. Als Beispiel nannte sie das Einkaufen im Biomarkt mit dem SUV. Im Kontext der Klimakrise werde Verantwortung gerne von einem Akteur zum nächsten geschoben, ohne dass eine Handlung in Gang komme. Mit der Frage der Klimaverantwortung habe sich im vergangenen Jahr auch der Deutsche Ethikrat befasst, in dem sie Mitglied ist. „Es wird anerkannt, dass Einzelpersonen sehr wohl Verhaltensänderungen zeigen müssen, eine moralische Mitwirkungspflicht haben, aber dabei kein moralisches Heldentum verlangt werden darf.“
Vielmehr müssten auf allen Ebenen die Akteure zusammenarbeiten, wodurch es zu einem sachlichen und konstruktiven Diskurs auf den verschiedenen Ebenen kommen müsse. Sie rief zu einer „lösungsorientierten Kommunikation“ auf: Politiker und Medien sollten weder überzogenen Alarmismus zeigen noch die Probleme verharmlosen. „Das Hinauszögern wirksamer Schritte ist aus Gründen der intergenerationellen Gerechtigkeit ethisch nicht zu rechtfertigen“, sagte die Professorin und forderte Handeln „jetzt und hier“.
Zu einem Diskurs bringe die katholische Kirche vielfältige Impulse ein. Auch 2023 habe Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben „Laudate Deum“ den aktuellen Zustand der Debatte rund um den Klimawandel angeprangert. Konkret schlug die Inhaberin des Lehrstuhls für Moraltheologie der Universität Augsburg vor, dass Privatpersonen beim Umweltbundesamt Anregungen einholen könnten, wie sie ihren Alltag Schritt für Schritt klimafreundlicher gestalten können. Dies sei in den Bereichen Energie, Reinigung und Ernährung mit einfachen Maßnahmen in jedem Haushalt möglich. Als Beispiele nannte sie das Reduzieren der Zimmertemperatur, das Trinken von Leitungswasser und den Verzehr von weniger tierischen Lebensmitteln. Beim Klimawandel gehe es um kleine Schritte. Jedes Handeln müsse auf die „Enkeltauglichkeit“ überprüft werden.
Der Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung würdigte in seinem Grußwort das Wirken der Kirche in der Gesellschaft. Die Kirche könne Kindergärten und Seniorenheime betreiben wie andere auch. Aber das Kernanliegen der Kirche sei die Verkündigung der frohen Botschaft.
Musikalisch gestaltet wurde der Empfang in der Fürther Stadthalle von der Musikgruppe „Patchwork“ der Musikschule Fürth unter Leitung von Jan Hembacher. Zu den Gästen zählten neben dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft.
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Klimawandel
Weißtannen im Klimawandel-Test
Mit einer Versuchsfläche unterstützt die Stadt Bamberg ein bundesweites Projekt der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft vor dem Hintergrund des Klimawandels.
Der Weipelsdorfer Wald der Bürgerspitalstiftung Bamberg ist einer von sieben Standorten in Bayern, in denen eine Versuchsfläche für die Anpflanzung von Weißtannen eingerichtet wurde. Damit unterstützt die Stadt Bamberg ein bundesweites Projekt zur Etablierung der Weißtanne unter Leitung der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Deutschland e. v. (ANW).
Hintergrund: Die klimastabile und ebenso leistungsstarke Weißtanne ist in Zeiten des Klimawandels eine Option, einer rohenden Verknappung von weißem Nadelholz zu begegnen. Die Weißtanne ist aus wirtschaftlicher Sicht die einzige Alternative zur Fichte, die in unseren Breiten zweifellos zu den Verlierern der Klimaerwärmung gehört.
Im Rahmen des Projektes Weißtanne 2.0, das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert wird, soll einerseits die Weißtanne in unseren Wäldern auf größerer Fläche neu eingebracht werden. Parallel hierzu werden deutschlandweit 58 eingezäunte, 0,25 Hektar große Beobachtungsflächen angelegt. Auf diesen Flächen werden Weißtannenpflanzen zweier verschiedener Herkünfte gepflanzt und deren Wuchsverhalten langfristig wissenschaftlich untersucht.
Verglichen wird die heimische Weißtanne, die an die bisherigen örtlichen Gegebenheiten angepasst ist, mit Weißtannenpflanzen aus Rumänien. Diese wachsen in einer Region, in der derzeit ein Klima vorherrscht, das nach einigen Klimamodellen zukünftig in Deutschland erwartet wird. Von den sieben Versuchsflächen in Bayern ist befindet sich nun eine im Weipelsdorfer Wald. Neben einer Erweiterung des Genpools erhofft sich das Projektkonsortium einen Erkenntnisgewinn zur Anpassungsfähigkeit der Weißtanne unter den Zeichen des Klimawandels.
„Die Stadt Bamberg freut sich, einen Beitrag zum zukunftsorientierten Thema ‚nachhaltige Sicherung eines gesunden Mischwaldes‘ leisten zu können“, so Forstamtsleiter Johannes Hölzel.
Warum Weißtannen?
Nach der bisherigen landläufigen Meinung ist die Weißtanne eine Baumart der Mittelgebirge. Wie Forschungsergebnisse aber zeigen, ist die Weißtanne in der Lage, auf vielfältigen Standorten auch im Flachland gesund und mit Zukunftsperspektive zu wachsen. Dies gilt auch bei den zu erwartenden klimatischen Veränderungen. Die Weißtanne ist somit eine wirtschaftlich interessante Baumart für zukunftstaugliche Mischwälder.
Gleichzeitig hat die Weißtanne auch eine sehr hohe ökologische Bedeutung. Sie wurzelt viel tiefer als die Fichte, wird von den Fichtenborkenkäfern geschmäht und kann ein sehr hohes Alter erreichen. Damit trägt sie in hohem Maße zur dauerhaften Stabilisierung des Ökosystems Wald bei, sehr zum Nutzen der vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt und des Menschen.