Zwei Welten, zwei Stimmen – eine Liebe
„Tenor trifft Rockröhre“
Mit „Tenor trifft Rockröhre“ verschmelzen Suzan Baker und Malte Müller unterschiedliche Musikrichtungen. Das „Obermain-Duo“ gastiert an diesem Sonntag in Hallstadt und Ende Juni auf der Seebühne in Bad Staffelstein. Wie es zu diesem Cross-over kam und wie sich ihre Wege kreuzten, erzählen die Powerfrau und der einstige Regensburger Domspatz, der mit diversen namhaften Symphonieorchestern in die Welt hinauszog, im Gespräch.
Die Idee, Rock und Klassik zu verbinden, ist seit den Beatles nicht neu. Zumeist zelebriert in der Kombination von Rockband und Symphonieorchester. Als Duo, bestehend aus Rockröhre und Operntenor, indes ist diese Verquickung nahezu einzigartig. Seit 2024 vermischen die in Bad Staffelstein lebende Rocksängerin Suzan Baker – einst Frontfrau bei „MacLoud“ – und der aus dem kleinen Lichtenfelser Stadtteil Roth stammende Malte Müller beide Genres in überzeugender Weise, nur begleitet von Gitarre, Violoncello und Klavier. So zu erleben am Sonntag, dem 22. März, um 19 Uhr im Kulturboden in Hallstadt und am Sonntag, dem 28. Juni, um 19.30 Uhr auf der Seebühne in Bad Staffelstein.
Wie es zu diesem Cross-over (neudeutsch für: Kreuzung) kam und wie sich ihre Wege kreuzten, erzählen die Powerfrau und der einstige Regensburger Domspatz, der mit diversen namhaften Symphonieorchestern in die Welt hinauszog, im Gespräch mit dieser/m Zeitung/Medium.
Wie seid ihr beiden denn als Sanges-Duo zusammengekommen?
Malte Müller: Ich habe Dennis Lüddicke, unseren Gitarristen, bei einer CD-Produktion mit Weihnachtsvertonungen, die ich für die Aktion „Helfen macht Spaß” eingespielt hab‘, kennengelernt. Als wir nach Corona endlich ein Release-Konzert in der Stiftskirche Kloster Banz machen konnten, konnte ich Dennis‘ Partnerin Suzan für einen Gastauftritt gewinnen. Mir war Suzan als Größe in der Popularmusik bekannt, auch wenn ich sie bis dahin nicht persönlich getroffen hatte. Aber bereits von der ersten Probe an verstanden wir uns sehr gut und fanden uns auf gleicher Wellenlänge. Auch wenn wir musikalisch aus unterschiedlichen Welten kommen – Rock beziehungsweise Singer-Songwriting und Klassik – haben wir uns gleich auf einer Ebene getroffen: Die Liebe zu guter Musik, egal aus welchem Bereich sie kommt und die Freude am Musizieren und das Weitergeben dieser Freude an das Publikum verbinden uns. Von unserem gemeinsamen Auftritt inspiriert, fassten wir direkt am Abend des Konzertes in Banz den Entschluss, auch in der Zukunft ein gemeinsames musikalisches Projekt zu starten. Dabei war es uns wichtig, dass sich keiner verstellen muss. So interpretiere ich mit großer Freude die unsterblichen Rock- bzw. Popklassiker genauso wie bekannte italienische Arien aus Oper und Konzert. Genauso ist es bei Suzan. Für mich ist es immer ein besonderes Highlight, wenn wir einige Stücke im Duett singen. Gerade die unterschiedlichen Herangehensweisen von Suzan und mir machen diesen besonderen Reiz aus. Auch ist es uns wichtig, den Charakter eines Stückes trotz neuer Herangehensweise und Interpretation nicht zu verfälschen. Dabei unterstützen uns unsere herausragenden Musiker, die auch aus unterschiedlichen Musikwelten kommen und für dieses Projekt zusammengefunden haben. Wir alle haben eine unglaubliche Freude und Spaß am gemeinsamen Musizieren und wollen unser Publikum aus dem Alltag herausreißen und mitnehmen. Dank der wunderbaren neuen Arrangements von Dennis Lüddicke kommen beide Welten immer zur Geltung, ohne sich zu verraten.
Wie erfolgt die Auswahl der Stücke fürs Repertoire?
Malte Müller: Die Ideen kommen von uns allen. Natürlich ist Suzan mehr im Rockbereich bewandert als ich, wenngleich für mich die ausgewählten Rockklassiker keine unbekannten Kompositionen sind. Bei den klassischen Stücken kommen relativ viele Ideen von mir. Aber auch hier ist Suzan sehr vorgebildet und hat gute Einfälle, welche Stücke sich für unser Projekt eignen. Wichtig ist für uns nur das Eine: Es muss gute Musik sein. Für mich als klassischen Tenor sind viele Rockstücke, die ich mit meiner klassischen Stimme interpretiere, nicht weniger herausfordernd als manche italienische Arie. Zum Teil erfordern sie einen großen Tonumfang und gehen in extreme Lagen, genauso wie italienische Arien.
Und wie fühlt sich die Zusammenarbeit an?
Suzan Baker: Die Liebe zur Musik steht bei unserem Projekt im Mittelpunkt. Malte und ich haben uns sofort verstanden, und selbst die Proben mit ihm machen mir unglaublich Spaß. Ich bewundere Malte dafür, wie er als Tenor, aus der klassischen Musik kommend, sich so mühelos in die Rockmusik einfühlen kann und freue mich unglaublich, dass er dieses spannende Experiment wagt. Für mich ist unser Projekt “Tenor trifft Rockröhre” sehr inspirierend. Schon immer habe ich mich gern in fremdes, musikalisches Terrain gewagt und dabei habe ich mir stets einen eigenen Stil bewahrt. Mittlerweile blicke ich auf 35 Jahre Bühnenerfahrung zurück und habe mich immer wieder neu erfunden. Die Arbeit mit meiner damaligen Rockband MacLoud, die für ihre kraftvollen Auftritte bekannt war, hat mich geprägt, und dieser Einfluss spiegelt sich bis heute in meinem Duo-Projekt mit Dennis Lüddicke wider, mit dem wir seit 16 Jahren deutschlandweit touren. Jetzt, durch unser Klassik-Projekt und meine Zusammenarbeit mit Malte, öffnet sich mir wieder eine völlig neue Welt – und das passt perfekt zu meinem Drang, immer weiter zu wachsen und mich weiterzuentwickeln. Durch Dennis’ virtuoses Gitarrenspiel und die inspirierenden Celloklänge entfaltet sich eine völlig neue Ausdruckskraft. Genau das ermöglicht es mir, kraftvolle Stücke mit tiefen, emotionalen Momenten zu verbinden und das Publikum in eine ganz eindrucksvolle Klangwelt mit unvergesslichen Gänsehautmomenten mitzunehmen.
Wie oft tretet ihr im Jahr zusammen auf und wo werdet ihr überall gebucht?
Suzan Baker: Unser Projekt „Tenor trifft Rockröhre” stößt überall auf große, positive Resonanz. Wir freuen uns sehr auf unsere bevorstehenden Konzerte am 22. März im Kulturboden Hallstadt, sowie am 28. Juni auf der Seebühne Bad Staffelstein. Da unser Projekt noch relativ jung ist, hoffen wir auf viele, weitere, schöne Konzerte, besonders überregional und stehen dahingehend schon mit einigen Veranstaltern in gutem Kontakt.
Wie klappt das mit der Terminkoordination?
Malte Müller: Natürlich ist das nicht immer ganz so einfach. Neben Suzan und mir müssen auch noch unsere Musiker verfügbar sein. Manchmal muss dann auch etwas, wenn möglich, verschoben oder ein Ausweichtermin gefunden werden. Da ich als klassischer Sänger auch noch mit anderem Repertoire auftrete, insbesondere hat es mir auch der Liedgesang und die Entdeckung vergessenen Liedrepertoires angetan, muss alles gut koordiniert werden. Da Singen Hochleistungssport ist, müssen auch immer Regenerationsphasen eingeplant werden.
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Kult-Status zwischen Kabarett und Comedy
Tom Gerhardt
Der Kölner Komiker und Schauspieler Tom Gerhardt wurde einer breiten Öffentlichkeit vor allem durch den Kinofilm „Voll normaaal“ (1994), dessen Fortsetzungen und die von 1999 bis 2010 ausgestrahlte Sat. 1‑Fernsehserie „Hausmeister Krause – Ordnung muss sein“ bekannt. 40 Jahre nach seinem ersten Bühnen-Programm hat der sympathische Entertainer jetzt seine verrücktesten und beliebtesten Figuren in ein neues Solo-Programm gesteckt. „Volle Packung!“ ist unterhaltsame Comedy und Grund genug im lockeren Gespräch mit Tom Gerhardt seine langjährige Karriere überblicksartig Revue passieren zu lassen.
Nach Abitur und Grundwehrdienst haben Sie zunächst studiert. Waren Germanistik und Philosophie dann doch nicht das Richtige für den weiteren Lebensweg?
Ich war zunächst als freier Lokaljournalist in Köln tätig, dann beim Fernsehen für Jürgen von der Lippe und als sich später dann schlagartig Erfolg mit dem Comedy-Programm „Dackel mit Sekt“ einstellte, habe ich mich erstmal für die Bühne entschieden.
Mit „Voll normaaal“ und den Fortsetzungen „Ballermann 6“ (1997) und „Die Superbullen“ (2011) wurden sie zum Komödienstar. Im ersten Film spielten Sie gleich drei Rollen?
Ja, Megaproll Tommie mit der Pudelmütze, Mega-Spießer Dieter Krause sowie Ekelpaket Heinz. Film, Setting und Charaktere, auch die der Fernsehserie „Hausmeister Krause – Ordnung muss sein“, basieren auf Figuren aus meinem wilden Bühnen-Unwesen.
Zwischen Köln und Düsseldorf herrscht in vielerlei Hinsicht Rivalität. Mit der Band Die Toten Hosen verstehen Sie sich aber sehr gut?
Yo, aber lange ist es her: Da habe ich für das Lied „Rambo-Dance“ auf dem Album „Kauf mich!“ (1993) das Intro eingesprochen und sie haben bei „Voll normaaal“ einen Gastauftritt und treffen auf mich, als es um den Kampf Düsseldorfer Altbier gegen Kölner „Ramsdorfer Kölsch“ geht.
Mit der TV-Serie „Hausmeister Krause – Ordnung muss sein“ haben Sie sich endgültig etabliert. Ausgestrahlt wurde 1999 bis 2010 auf Sat1, 80 Episoden in acht Staffeln. Wer außer Ihnen war maßgeblich am Schreiben beteiligt?
Die Berliner Thomas Platt und Julius Grützke – die haben schon für „Werner“ Ideen entwickelt. Meine Kölner Muse Franz Krause (er spendete damals seinen Nachnamen), die energetischen Münchner Timo Schmelzer und Martin Zeltner. Und Produzent Hermann Weigel, der zusammen mit dem unvergesslichen Bernd Eichinger (unter anderem „Der Name der Rose“, „Der Untergang“) auch diese Produktion übernommen hatte.
Hat der Erfolg der TV-Serie vor allem mit der Besetzung zu tun, die für eine deutsche Sitcom äußerst passgenau ausgewählt wurde?
Ich denke schon, denn die Familie von „Dieter Krause“ ist perfekt: Ich rede von meiner Frau „Lisbeth“ (Irene Schwarz), Dieters Sohn „Tommie“ (Axel Stein) und seiner Tochter „Carmen“ (Janine Kunze): Das geht nicht besser. Und auch nicht zu vergessen mein Kurzhaardackel Bodo, „dat jute Tier“. Aber auch in anderen Rollen haben die Darsteller geglänzt: zum Beispiel Dieters Vorgesetzter „Herr Makielski“ (Jürgen Tonkel), der Präsident des Dackelclub KTC 1881. e.V., meist Martin Stier und natürlich Dieter Krauses bester Freund: Herbert Fink, die treue Seele, die von Dieter schamlos ausgenutzt wird. Herrlich gespielt von Detlev Redinger.
Ich fand vor allem die Episoden besonders lustig, in denen Sie als Hausmeister mit den Hippies Rudolf und Gesine (´die verdammichten Marihuana-Raucher´) zu tun haben. Haben Sie Lieblingsfolgen?
Ja, da gibt‘s einige, aber wo wir beim Thema sind: Wenn Dieter Krause „Razzia bei de Drogenbrüder“ mit Kampf-Dackel Bodo gemacht hat, dann musste ich mich beim Dreh immer schwer beherrschen, um nicht loszulachen…
Für Ihre Arbeit haben Sie einige Ehrungen und Auszeichnungen erhalten, darunter den Deutschen Comedypreis. Was bedeuten Ihnen diese Preise?
Ach ja – natürlich freue ich mich über die Anerkennung… aber für mich zählt ganz überwiegend das Publikum. Und übrigens – der Comedy-Preis: Seit ich vor einigen Jahren eine Art wokes Standgericht gegen Luke Mockridge angegriffen habe, das während der Show pathetisch angeführt wurde von Maren Kroymann und Hazel Brugger, die sich veranlasst sahen, mit gewichtigen Anschuldigungen, dafür aber ohne Beweise, dem „Angeklagten“ Luke schlimmen Sexismus vorzuwerfen und ihn aus dem Kreis der anständigen Komiker dauerhaft auszuschließen. Als ich diese eilfertige woke „Gerichtsbarkeit“ als Lynchjustiz bezeichnet habe, war Schluss mit lustig. Seitdem werde ich nicht mehr eingeladen, hehehe…
Hausmeister Krause fand auch den Weg auf die Bühne. Läuft das Programm bis heute noch?
2022 hatte das Theaterstück von Drehbuchautor Franz Krause und mir Premiere in Essen. Und wir sind damit immer noch auf Tournee, im Herbst 2026 unter anderem in Soest, Hennef und Hannover. Wir hatten schon über 500 Aufführungen quer durch Deutschland. Nach einem intensiven Jahrzehnt mit Kino und TV fühlt es sich gut an, wieder auf der Bühne zu stehen. Das galt zuvor auch schon für das Theaterstück „Dinner für Spinner“ von Autor Francis Weber/Regisseur René Heinersdorff und die Komödie „Ketten der Liebe“, die wir auch selber verfasst haben – mal wieder mit Franz Krause. Da geht es um einen ausgerasteten Fan, der nicht zu bremsen ist.
Mit ihrem 2010 geborenen Sohn Rodrigo haben Sie zusammen ein Buch geschrieben. Um was geht es?
Wir wurden durch den Klassiker „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch inspiriert. So haben wir „Mats & Murat“ entwickelt. Es geht um zwei Flegel aus unserer Zeit, zwei nichtsnutzige Katastrophen-Kids und ihre respektlosen Streiche. Und das Buch wurde dann kongenial von Kaha Schroers illustriert.
Nach Hallstadt kommen Sie demnächst als Solokünstler. Um was geht es in Ihrem Programm „Volle Packung!“?
Ich bin auch hier natürlich in meiner Parade-Rolle als „Hausmeister Krause“ zu sehen, spiele aber auch diverse andere Rollen: Zum Beispiel Dieters Tochter Carmen, Sohn Tommie – ja klar!, mit kultiger Pudelmütze und obligatorischem Auspuff. Einen hyper-aggressiven Weihnachtsmann, ein großes, männliches Körperteil, das seine eigene, neue „Identität“ gefunden hat…
Im Dezember 2025 sind Sie 68 Jahre alt geworden. Spielt die Rentenplanung bereits eine Rolle für Sie?
Nein, ich mache weiter, solange das Publikum will. Wenn‘s denen Spaß macht, macht es auch mir Spaß!
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Zwischen Punkrock und epischen Klanglandschaften
Matze Rossi
Der Schweinfurter Songwriter, Sänger und Gitarrist Matze Rossi ist heute als bekannter Solokünstler unterwegs. Seiner umfangreichen Diskografie fügt er mit der aktuellen LP/CD „Wunder.punkt“ neues Material hinzu. Für ihn das persönlichste und reflektierteste Werk, das er je gemacht hat. Die darauf enthaltenen 10 Lieder sprechen von den Herausforderungen des Lebens, von der Verletzlichkeit und von den kleinen und großen Wundern, die uns prägen. Selbstverständlich geht er damit auch auf Tournee, am 16. Oktober ist er im Kulturboden in Hallstadt zu Gast.
Mit welcher Musik bist du als Kind/Jugendlicher aufgewachsen. Wer hat dich beeinflusst, selber Musik zu machen?
Ich bin mit sehr musikbegeisterten Eltern groß geworden, bei uns liefen die Beatles, die Stones, Bob Dylan, Jazz, Blues, aber auch Klassik. Das hat mir schon früh gezeigt, dass Musik mehr ist als Unterhaltung: Sie ist eine Sprache, die Menschen verbindet, beruhigt und wachrüttelt. Mit 11 oder 12 war mir klar, dass ich selbst Musik machen und mit meinen Songs durch Städte und Länder reisen möchte. Damals habe ich auch meine erste Band gegründet.
Hast Du professionell ein Instrument erlernt und ggf. sogar ein Studium mit Bezug zu Musik absolviert?
Als Kind hatte ich vier Jahre Klavier- und drei Jahre Trompetenunterricht. Allerdings hatten meine Lehrer*innen nicht die Geduld oder vielleicht auch nicht die Lust, mir das beizubringen, was ich eigentlich machen wollte. Oder ich war zu ungeduldig. Deshalb ist das, was ich heute spiele, komplett autodidaktisch und intuitiv.
Wann hast du die Entscheidung getroffen, als Songwriter/Sänger deinen Lebensunterhalt zu verdienen? War von Anfang an klar, auf Deutsch zu singen?
2015, nach dem Tod meines guten Freundes Wauz, Sänger der Band Red Tape Parade. Bei einem Krankenhausbesuch sagte er mir, dass das Leben zu kurz ist, um seine Leidenschaft und Bestimmung nicht zu leben. Diese Worte begleiten mich seitdem. Ich habe schon immer auf Deutsch geschrieben, manchmal auch auf Englisch. Aber in meiner Muttersprache kann ich mich am besten ausdrücken, auch wenn es mir melodisch oft leichter fällt, auf Englisch zu singen.
Wie kam es, dass aus deinem Geburtsnamen Matthias Nürnberger der Künstlername Matze Rossi wurde. Gibt es da irgendeinen Bezug zu „Signor Rossi/Herr Rossi sucht das Glück“, der italienischen Trickfilm-Figur von Bruno Bozzetto?
Ja, absolut! „Signor Rossi“ war eine prägende Kindheitserinnerung, genau wie ich, immer auf der Suche nach dem Glück. 2000 habe ich bei meiner Band Tagtraum einen Song mit dem Titel „Herr Rossi“ geschrieben, und ab da blieb der Name an mir hängen.
Wie würdest du kurz deine künstlerische Entwicklung zwischen der Band Tagtraum, deinem Debüt „solo(w) boy, so-low“ bis hin zum neuen Album skizzieren?
Tagtraum war mein Leben, wir haben in ganz Europa getourt, bis wir merkten, dass wir im Punkrock alles gesagt hatten. Ich begann ruhiger und akustischer zu schreiben, während die anderen ihre eigenen Wege gingen. Aber eigentlich hat sich nicht viel geändert: Ich beobachte die Welt, spüre die Menschen und schreibe Songs darüber. Jeder Tag, an dem ich Musik machen darf, ist für mich ein Highlight. Das größte Geschenk bleibt, wenn mir Menschen nach Konzerten erzählen oder in Mails beschreiben, was sie durch meine Lieder erleben und was sie für sie bedeuten.
Auf den Bandkontext hast du nicht durchgängig verzichtet. Mit Gaston und Signals To Aircraft gab es Gruppen, deren Teil du warst. Bis heute?
Gaston war ein Versuch, eine feste Backing-Band aufzubauen – finanziell aber schwer umzusetzen. Bei Signals To Aircraft habe ich als Gitarrist gespielt, was ich sehr genossen habe, weil ich mal nicht im Mittelpunkt stand. Heute gibt es meine „Altherren-Punkband“ Bad Drugs, wir haben ein Album draußen („Old Men, Young Blood“), aber wir sind eher eine Proberaum-Band. Mit Rossi selbst gibt es 2025 ein besonderes Band-Highlight: Am 29.11. nehme ich im Audiolodge-Studio in Schwanfeld mit Publikum mein drittes Live-Album auf – das einzige Konzert mit Band.
Um welche Inhalte geht es auf deinem neuen Album „Wunder.punkt“? Primär um reine Unterhaltung, eine Art Infotainment oder mehr um eine kritische Auseinandersetzung mit Gesellschaft und Politik
„Wunder.punkt“ ist definitiv kein reines Unterhaltungs-Album. Die Songs sind wie kleine Fenster in meine Gedanken- und Gefühlswelt. Da geht es um Verletzlichkeit, Zweifel, Hoffnung, Verlust, aber auch um die kleinen und großen Wunder, die uns allen begegnen. Retrospektiv betrachtet zieht sich vor allem ein Thema durch: sich der eigenen Verletzlichkeit bewusst zu werden und daraus Kraft zu schöpfen. Lieder wie die Single „Gitarre Stift Papier“ erzählen von meinem Weg, mit Musik meinen Platz im Leben zu finden, „Rotweinflaschenlänge“ geht um echte Begegnungen und das Zuhören, „Ich denk so oft an dich“ ist eine sehr persönliche Erinnerung an meinen verstorbenen Freund Wauz und mit „Weit“ schaue ich fast sehnsüchtig auf die Möglichkeit, dass wir alle die Schönheit und Weite um uns wahrnehmen und aufhören uns klein zu machen. Gesellschaft und Politik spielen dabei immer indirekt mit, weil ich glaube, dass persönliche Auseinandersetzung nie losgelöst von der Welt um uns herum ist. Wenn wir über Nähe, Verlust, Ehrlichkeit oder Hoffnung singen, dann ist das automatisch auch ein Kommentar zu unserer Zeit.
Wer unterstützt dich in Sachen Booking und Label-Arbeit, oder bist du auch komplett selbständig?
Ich komme aus dem Punkrock und DoItYourself ist meine Lebensdevise. 2004–2015 habe ich alles auf meinem eigenen Label Dancing In The Dark veröffentlicht. Von 2015 bis 2024 war ich bei End Hits Records, echte Lehrjahre was das Musik-Business angeht, zum Glück ist Betreiber, Oise Ronsberger, schon seit bald 30 Jahren ein guter Freund. Seit 2024 mache ich wieder alles über mein eigenes Label. Das Booking übernimmt Grand Hotel van Cleef aus Hamburg. Alles andere, Social Media, Patreon, Management, mache ich komplett selbst. Ich bin sehr froh, dass mich meine Familie, allen voran meine Frau, immer tatkräftig unterstützt.
Wie wichtig ist es dir Videos zu drehen und/oder auf Social Media-Kanälen präsent zu sein? Für hohe Reichweiten muss man in der Regel auch entsprechende Geldsummen einsetzen.
Klar, Social Media ist wichtig, aber auch ein kapitalistisch getriebenes Spiel mit Algorithmen. Ich versuche, mich nicht abhängig zu machen. Ich bin überall präsent, aber ohne Druck.
Was können alte und neue Fans von deinem Auftritt in Hallstadt erwarten?
Meine Konzerte sind immer Überraschungen, ich spiele selten nach einer Set-Liste. Ich lasse mich vom Publikum tragen und entscheide spontan, welcher Song als nächstes passt.
Neben dem Künstler Matze Rossi gibt es auch die Privatperson. Wie und wobei entspannst du abseits der Musik am besten?
Das ist ein fließender Übergang. Deshalb ist es so, dass ich immer zu viel mache und übe mich bewusst im „weniger machen“, oder wie meine Kinder sagen würden: im „Chillen“. Ich liebe es, mit unseren Hunden im Wald zu sein oder meiner Frau bei den Pferden zu helfen. Da bin ich ein ziemlich guter „Mister“ und „Pfosten-in-die-Erde-Hauer“.
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Tan Caglar im Interview
„Rollt bei mir!: Wenn Träume laufen lernen“
Im Rahmen des Bamberger Literaturfestivals kommt Tan Caglar mit seinem Buch „Rollt bei mir!: Wenn Träume laufen lernen“ zur Lesung in den Kulturboden Hallstadt. Wir durften ihn im Vorfeld interviewen.
Herr Caglar, mit Ihrem Buch „Rollt bei mir!: Wenn Träume laufen lernen“ kommen Sie zur Lesung in den Kulturboden Hallstadt. Wie sehr freuen Sie sich, beim zehnjährigen Jubiläum des Bamberger Literaturfestivals in diesem Jahr dabei zu sein?
Tan Caglar: Ich freue mich immer sehr, wenn es um meine Biografie geht, da diese natürlich nicht nur sehr nah an meinem Leben, sondern mein Leben ist. Dieses nun beim Literaturfestival teilen zu dürfen, ist eine große Freude.
Kennen Sie Bamberg und gefällt Ihnen die Stadt?
Tan Caglar: Ich mag die Gegend sehr. Nicht nur landschaftlich. Als großer Basketball-Fan, der ich schon immer war, kam ich nie an Bamberg vorbei 🙂
In Ihrem Buch, das 2019 erschienen ist, erzählen Sie Ihre Autobiografie. Wie kam Ihnen die Idee dazu?
Tan Caglar: Ich wurde immer öfter darauf angesprochen, meine Lebensgeschichte mal niederzuschreiben, da diese sehr bewegt war. Da gab es viele Facetten und Herausforderungen. Als mir bewusst wurde, dass es viele Menschen geben könnte, denen das etwas geben mag, hab ich mich dazu entschieden.
Möchten Sie den Leuten, die Ihre Lesung besuchen, eine Message mit auf den Weg
geben?
Tan Caglar: Ich glaube nicht, dass es meine Motivation Nr. 1 ist, Menschen Tipps zu geben. Das würde ich mir nicht erlauben, da jede Geschichte sehr individuell ist. Aber es ist schön zu sehen, dass Menschen aus meiner Geschichte immer mal was für sich mitnehmen können. Das wiederum motiviert mich sehr.
„Rollt bei mir!: Wenn Träume laufen lernen“ beschreibt auch Klischees über Menschen mit Behinderungen, übervorsichtige Mitbürger und Inklusionsprobleme. In Ihrer Eigenschaft als Comedian schreiben Sie darüber selbstverständlich mit einer guten Portion Humor. Wie wichtig ist Ihnen Humor im Alltag?
Tan Caglar: Humor ist für mich die wichtigste Sprache, um auch schwierige Themen zu transportieren. Er räumt Unsicherheit beim Gegenüber aus. Wenn wir auf Menschen treffen, die Humor haben oder eine gewisse Ironie, spüren wir oft eine gewisse Erleichterung. Diese Power hat Humor. Und einem selbst hilft es mindestens genauso, wenn nicht sogar mehr. Man darf auch nie vergessen: Humor ist aus dem Schmerz geboren.
Welche Veränderungen haben Sie seit Erscheinen Ihres Buches für Menschen mit Handicap beobachtet?
Tan Caglar: Insgesamt entwickelt sich die Inklusion in den letzten zehn Jahren sehr gut. Wir sind noch nicht so weit wie Amerika, Kanada oder England, aber das Bewusstsein entwickelt sich. Wenn mein Buch dazu einen kleinen Beitrag geleistet hat, wäre das ein großes Kompliment.
Gab es in Ihrem eigenen Leben auch Veränderungen seitdem und mit welchem Kapitel würden Sie Ihr autobiografisches Buch heute gerne ergänzen?
Tan Caglar: Als ich das Buch beendet hatte, war ich noch kein Schauspieler. Dieser Bereich deckt einen großen Teil meines Berufslebens ab. Ich würde ihn gerne nachreichen, da er mir viel gegeben hat. Vor allem die Menschen, die ich kennenlernen durfte.
Der Comedian Bülent Ceylan hat Ihr Buch mit einem Zitat auf dem Cover gewürdigt. Er ist in diesem Jahr auch als Autor zu Gast beim Bamberger Literaturfestival 2025. Wie haben Sie sich kennengelernt?
Tan Caglar: Bülent hatte damals die „Bülent Ceylan Show“ auf RTL. Dort hatte er eine Rubrik, die nannte sich „Tolle Türken“. Zu dieser hat er mich eingeladen, weil er gesehen hat, dass ich Basketballer und Model war zu der Zeit. Also mit Comedy hatte ich noch nichts zu tun. In der Sendung hab ich dann Klimmzüge mit ihm und Kaya Yanar gemacht. Eine tolle Erfahrung.
Was verbindet Sie beide und was mögen Sie an Bülent Ceylan? Haben Sie seine neue Krimikomödie „Yallah, Mord!“ auch gelesen?
Tan Caglar: Bülent ist ein toller Mensch. Trotz, dass er einer unseren größten Comedians ist, ist er sehr bodenständig und keineswegs abgehoben. Immer freundlich, aber auf eine authentische Weise. Ich mag ihn sehr. Das neue Buch konnte ich noch nicht lesen, aber jetzt hab ich ja eins auf der Liste. Danke 🙂
Sie waren schon in unterschiedlichen Bereichen tätig: als Para-Basketballprofi, Motivationstrainer, Model, Stand-Up-Comedian und inzwischen auch als Schauspieler. Etwa in der ARD-Serie „In aller Freundschaft“ in der Rolle des Chirurgen Dr. Ilay Demir oder im Berliner Tatort in der Rolle von Malik Aslan in der Mordkommission. Welcher dieser Berufe sagt Ihnen am meisten zu und wo sehen Sie sich in Zukunft oder werden wir Sie sehen?
Tan Caglar: Das Ironische dabei ist, dass ich als Kind entweder Arzt oder Polizist werden wollte. Naja, jetzt kann ich wenigstens so tun, als ob 🙂 Was meine Zukunft bringt, kann ich noch nicht genau sagen. Wenn ich irgendwas in diesem Geschäft gelernt habe, dann dass alles unberechenbar ist. Es ist wie in jedem Beruf, wenn du erfolgreich sein willst, musst du dranbleiben und kämpfen. Ich starte dieses Jahr erstmal wieder als Comedian durch. Ich bin mit meinem neuen Programm „Der Teufel trägt Rollstuhl“ in ganz Deutschland unterwegs.
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Hallstadt
Kulturboden-Programm: Coverbands, Kabarett, Songwriter
Letzte Woche hat der Kulturboden Hallstadt sein neues Programm vorgestellt. In der Spielzeit 2024 //2025 treten Coverbands, Kabarett-Acts und verschiedene Songwriter auf.
Das Programm im Kulturboden Hallstadt, das bereits seit der Eröffnung des Veranstaltungshauses im Herbst 2015 über die Grenzen Oberfrankens hinaus bekannt ist, bietet auch in dieser Spielzeit eine vielteilige Liste an regionalen und überregionalen Künstler:innen. Vor allem Tribute- und Coverbands sowie Kabarettveranstaltungen und Songwriter-Konzerte werden in den nächsten Monaten nach Hallstadt kommen.
So treten im Oktober etwa die ABBA-Tribute-Band BABA Explosion, UDOMAT und die Panikgenossen – Deutschlands größte Udo Lindenberg Tribute Band, The Johnny Cash Show von The Cashbags und Weitersagen singt Westernhagen auf.
Im November steht „The Music of QUEEN“ an, die Red Hot Chilli Pipers, ReCartney, eine Beatles-Cover-Band, und die Tote-Hosen-Tribute-Band Opium fürs Volk.
Den Dezember eröffnen Marley’s Ghost, gefolgt von den Ultimate Eagles und Street Fighting Men, einer Rolling-Stones-Tribute-Band. Kurz vor Weihnachten spielen Viva La Vida Coldplay-Lieder ehe Kilmister mit einem Tribut an Motörhead das Jahr abschließen.
Kabarett und Songwriter
Aber auch Kabarett steht auf dem Programm des Kulturbodens. Im Oktober eröffnen Michael Altinger, Friedemann Weise, Helmut Schleich, Julia Alsheimer, Sekt and the City und Markus Langer. Im November folgen die Kay Ray Show, Ingmar Stadelmann, Wigald Boning und Bernhard Hoëcker, Andreas Rebers und Lisa Fitz.
Den Dezember bestreiten NightWash, Wolfgang Krebs, Egersdörfer und Filsner, Vogelmayer und Gery Gerspitzer, Fastenprediger Wolfgang Reichmann und Hanuta Gonzales.
Musikalisch wird es erneut, wenn etwa Martin Kälberer, Pam Pam Ida, Werner Schmidbauer oder Simon und Jan in Hallstadt spielen. Pippo Pollina tritt im November auf, genau wie Andreas Kümmert und Band.
Weitere Informationen zum Programm, auch im Jahr 2025, hat der Kulturboden online hinterlegt.