„Ihr seid die Zukunft der Landwirtschaft“
Freisprechungsfeier im Beruf Landwirt /Landwirtin für Oberfranken West
22 junge Männer und 10 junge Frauen aus den Landkreisen Bamberg, Coburg, Forchheim, Kronach, Kulmbach und Lichtenfels haben die Ausbildung zum staatlich anerkannten Beruf Landwirt/Landwirtin erfolgreich abgeschlossen. Darunter waren auch Absolventinnen und Absolventen des Bildungsprogramms Landwirt (BiLa), teilweise von außerhalb Oberfrankens. Bei einer Feierstunde im Lichtenfelser Stadtteil Trieb erhielten sie ihre Urkunden von der Regierung von Oberfranken, wie die Regierung von Oberfranken mitteilt.
Die Absolventinnen und Absolventen der klassischen Ausbildung haben eine dreijährige duale Ausbildung absolviert, bei der insbesondere auch die Praxis eine entscheidende Rolle spielt. Nach einem Berufsgrundschuljahr in Vollzeit waren sie zwei Jahre in landwirtschaftlichen Ausbildungsbetrieben tätig. Während dieser Zeit besuchten sie an einem Tag pro Woche die Freiherr-von-Rast Berufsschule Coburg, um das Wissen zu vertiefen. Ergänzend fanden Lehrgänge und Schulungen an Landmaschinen- und Tierhaltungsschulen statt.
Mit großer Freude blickte der stellvertretende Landrat des Landkreises Lichtenfels, Helmut Fischer, auf die Absolventen: „Wenn wir eine Freisprechungsfeier erleben, ist es etwas Besonderes. Was Sie geschafft haben, ist bemerkenswert. Wir brauchen erfolgreiche Betriebe in unseren Landkreisen.“ Die Landwirtschaft benötigt gut ausgebildete Fachkräfte, um für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet zu sein. Dafür gab Matthias Dotzler von der Regierung von Oberfranken den Absolventen mit auf den Weg: „Ich möchte Ihnen eines ans Herz legen: Bitte nutzen Sie die zahlreichen Fort- und Weiterbildungsangebote, denn man lernt nie aus.“
Zeugnisübergabe und Auszeichnung der Jahrgangsbesten
Zusammen mit Klaus Reininger von der Regierung von Oberfranken zeichnete Dotzler die fünf Besten des Jahrgangs aus: Verena Kirchner, Jonas Steiner, Tim Spörlein Johannes Konrad und Konrad Eichhorn. Sie konnten sich über eine DLG-Jahresmitgliedschaft freuen. Tanja Schilling, Klassenleiterin an der Freiherr-von-Rast-Berufsschule Coburg, würdigte Jonas Steiner zudem als Schulbesten. Sie zog ein ausschließlich positives Resümee dieses Jahrgangs: „Für die Schüler ist ihr Beruf Leidenschaft. Wir hatten als Lehrer Glück, sie unterrichten zu dürfen.“
Michael Bienlein, Kreisobmann des BBV Lichtenfels, gab den Absolventen mit auf dem Weg: „Ausbildung braucht Zeit. Sie haben sich diese Zeit genommen. Jetzt können Sie das Erlernte in der Praxis umsetzen.“ Unter den Gratulanten waren außerdem Georg Schauer, Vorsitzender des vlf Lichtenfels und Harald Weber, Behördenleiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Coburg-Kulmbach.
Landwirtschaft in Oberfranken
52 Meisterbriefe an Landwirtschaftsmeisterinnen und ‑meister übergeben
52 oberfränkische Landwirtinnen und Landwirte haben die höchste Stufe im praktischen Bereich erreicht: Im Rahmen einer Feierstunde haben neun Landwirtschaftsmeisterinnen und 43 Landwirtschaftsmeister aus den Landkreisen Bamberg, Bayreuth, Coburg, Hof, Kronach, Kulmbach, Lichtenfels und Wunsiedel im Fichtelgebirge ihre Meisterbriefe erhalten.
„Sie hatten den Mut, sich den Herausforderungen der Meisterprüfung zu stellen. Sie hatten ein Ziel vor Augen und haben dieses konsequent verfolgt und auch erreicht”, lobte Regierungsvizepräsident Thomas Engel die frischgebackenen Absolventinnen und Absolventen in seiner Begrüßung. “Als Landwirtinnen und Landwirte gestalten Sie das Landschaftsbild und erzeugen regionale Lebensmittel. Viele von Ihnen stellen auch regenerative Energie aus Holz, Biogas oder Photovoltaik zur Verfügung. Mit der Fortbildung zu Meisterinnen und Meistern der Landwirtschaft haben Sie sich nun umfassend qualifiziert, die großen fachlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen souverän zu meistern.”
Dr. Michael Karrer, Bildungsreferent im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, hielt den Festvortrag zum Thema “Bildung – ein Stück Lebenskraft”.
Die landwirtschaftliche Fortbildung in Bayern mit den Fachschulen und der Meisterausbildung vermittle den Studierenden ein Fundament, auf dem hohe Türme gebaut werden könnten. Ministerialrat Dr. Karrer zitierte Charles Darwin mit den Worten: „Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, auch nicht die intelligenteste, es ist diejenige, die sich am ehesten dem Wandel anpassen kann.”
„Unsere landwirtschaftlichen Betriebe produzieren hochwertige Lebensmittel“
Weitere Grußworte sprachen Landtagsabgeordneter Martin Schöffel und der Landrat des Landkreises Kulmbach, Klaus Peter Söllner. „Jedem muss klar sein: Unsere Lebensmittelversorgung kann nur durch eine starke Landwirtschaft gesichert werden. Unsere Bauernfamilien leisten einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt unserer einzigartigen Kulturlandschaft und sie erzeugen dabei hochwertige Lebensmittel“, betonte MdL Martin Schöffel. „Als Meisterinnen und Meister sind Sie Experten in Sachen Landwirtschaft. Dafür gebührt Ihnen unser Respekt.“ Gerade in Zeiten von globalen Krisen müsse die heimische Landwirtschaft gestärkt werden.
Auch Landrat Klaus Peter Söllner betonte die Bedeutung der Landwirtschaft. „Unsere landwirtschaftlichen Betriebe produzieren hochwertige Lebensmittel und stärken die regionalen Kreisläufe. Die Landwirtschaftsmeisterinnen und ‑meister sind ein wichtiger Mosaikstein für die positive Fortentwicklung Oberfrankens”, so der Landrat.
Im Anschluss zeichnete Ministerialrat Dr. Karrer die besten 20 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung aus, bevor die Landwirtschaftsmeisterinnen und ‑meister durch den Vorsitzenden des Bezirksverbandes landwirtschaftlicher Meister und Ausbilder in Oberfranken (VLM), Rudi Steuer, sowie VLM Oberfranken-Geschäftsführer Arno Eisenacher offiziell in den Verband der Landwirtschaftsmeister aufgenommen wurden.
Hintergrund zur Meisterfortbildung
Die Absolventinnen und Absolventen haben mit der Meisterqualifizierung die höchste Stufe der Fortbildung im praktischen Bereich erreicht. Sie sind damit bestens gerüstet, den eigenen Betrieb zu bewirtschaften oder als Führungskräfte in vor- und nachgelagerten Bereichen tätig zu werden.
Nach einem Jahr praktischer Tätigkeit in einem landwirtschaftlichen Betrieb besuchen die Fortbildungsteilnehmerinnen und ‑teilnehmer für drei Semester die Landwirtschaftsschule. Anschließend bereiten sie sich während eines weiteren Jahres mit berufsbegleitenden Lehrgängen und Prüfungen auf die Abschlussprüfung zum/zur Landwirtschaftsmeister/in vor.
Inhalte der Meisterprüfung sind unter anderem im Bereich der Produktions- und Verfahrenstechnik der Vergleich und die Bewertung von Produktionsverfahren bei der pflanzlichen oder tierischen Erzeugung mit einem 12 monatigen praktischen Arbeitsprojekt, im Bereich der Unternehmensführung die Analyse und Beurteilung eines fremden Betriebes und im Bereich der Mitarbeiterführung eine praktische Arbeitsunterweisung.
Neue Anbaufläche
Solawi Bamberg
Die Solidarische Landwirtschaft Bamberg, kurz Solawi, hat ein angespanntes Jahr hinter sich. Ende Oktober 2019 erfuhr der Verein, dass die Stadt Bamberg ihre Anbaufläche in der Südflur, nahe der brose-Arena, anderweitig verkaufen will. Allerdings bot das Rathaus der Solawi auch eine neue Landfläche, die nur ein paar Schritte entfernt liegt, zur Pacht an. Wir haben mit Elisabeth Prüm, Mitglied im Organisationsteam der Solawi, über das neue Stück Land gesprochen.
Die Solawi Bamberg sieht sich als Alternative zur konventionellen Landwirtschaft und hat sich dem nachhaltigen und ökologischen Anbau regionaler Produkte verschrieben. Allerdings werden die Ernteprodukte nicht an örtliche Zwischenhändler wie Supermärkte verkauft, sondern direkt vor Ort an die Kundinnen und Kunden abgegeben, die bei Solawi die Bezeichnung Ernteteiler tragen. Die Ernteteiler zahlen während des ganzen Jahres einen bestimmten Beitrag, wodurch sich unter anderem der Lohn des Gärtners finanziert, und bekommen ihren Anteil an der Ernte.
Frau Prüm, Solawi Bamberg wurde 2017 gegründet. Wie kommt der Verein bei der Bamberger Bevölkerung an, wie stark ist der Zuspruch?
Elisabeth Prüm: Unsere Warteliste ist so lang, dass es einer zweiten Solawi bedürfte, um alle Menschen, die dabei sein wollen, versorgen zu können.
Wie erklären Sie sich diese Beliebtheit?
Elisabeth Prüm: In Zeiten des fortschreitenden Klimawandels wächst bei vielen Menschen der Wunsch nach einer gesunden, fair produzierten Ernährung. Wir liefern dafür das biologisch angebaute Gemüse.
Wie haben Sie reagiert als Sie Ende Oktober erfahren haben, dass die Stadt Ihr Grundstück an der Südflur verkaufen wird?
Elisabeth Prüm: Wir waren entsetzt, vor allem, weil wir aus der Zeitung davon erfahren haben und nicht direkt von der Stadt informiert wurden.
Haben Sie von dem Angebot, ein anderes Stück Land unweit der Südflur pachten zu können, auch erst aus der Zeitung erfahren? Wie lief die Überbringung dieses Angebots ab?
Elisabeth Prüm: Nein. Von der Stadt kam schnell das Angebot einer Ausgleichsfläche. In einer gemeinsamen Ortsbegehung wurde dann das entsprechende Stück Land an der Südflur ausgesucht. Wir konnten Wünsche äußern, die auch überwiegend Gehör fanden.
Wie sahen diese Wünsche aus, welche wurden Ihnen nicht erfüllt?
Elisabeth Prüm: Entgegen des ursprünglichen Vorschlags konnten wir uns auf eine Fläche am Rand der Kurzumtriebsplantage an der Südflur einigen – dies gewährleistet einen leichteren Zugang. Es wurde auch eine Reihe Pappeln an der einen Schmalseite stehen gelassen als Begrenzung. Eine Hilfe beim Umzug konnte seitens der Stadt nicht zugesagt werden. Dafür haben wir nun einen langfristigen Pachtvertrag.
Oberbürgermeister Andreas Starke nannte die neue Pacht “eine gute Lösung”. Sehen Sie das auch so?
Elisabeth Prüm: Ja, es ist eine gute Lösung. Wir haben mit einem Pachtvertrag auf zehn Jahre eine langfristige Perspektive. Die Fläche ist größer als die bisherige, es können mehr Menschen mit Gemüse versorgt werden. Auch für unseren Selbsterntegarten namens Sega Süd ist Platz auf dem Gelände.
Ist das neue Gelände für Ihre Ansprüche geeigneter oder ungeeigneter als das alte?
Elisabeth Prüm: Dadurch, dass es größer ist, gibt es mehr Möglichkeiten, zum Beispiel können wir Obstbäume und Beerensträucher anbauen. Es ist allerdings auch viel zu tun: eine Hecke pflanzen und einen Zaun errichten beispielsweise. Dafür wird auch zusätzlich Geld gebraucht, sodass vor kurzem eine Crowd funding aktion gestartet wurde.
Wie läuft der Umzug aufs neue Gelände bisher?
Elisabeth Prüm: Die Stadt hat veranlasst, dass das Gelände gerodet und umgepflügt wurde und außerdem eine Gründüngung ausgebracht. Eine weitere Bodenbearbeitung ist zugesagt.
Viele weitere Arbeiten haben wir für den Winter geplant: So werden wir einen Folientunnel und einen Geräteschuppen aufstellen und Obstbäume pflanzen.
Was wird es in der nächsten Solawi-Saison dort alles geben? Welches Angebot, welche Projekte, welche Pläne haben Sie für 2021?
Elisabeth Prüm: Es können 30 neue Ernteteiler aufgenommen und fast das ganze Jahr über mit frischem Gemüse versorgt werden und: wir werden einen zweiten Gärtner anstellen. Außerdem sollen wie bisher im Rahmen der Projektwerkstatt des Bund Naturschutz unterschiedlichste Bildungsprojekte, Workshops und Führungen mit Schulklassen und vielen anderen Gruppen durchgeführt werden.