Mit einem feierlichen Festakt im Hegelsaal der Konzert- und Kongresshalle hat die Stadt Bamberg am gestrigen Donnerstag, 30. April 2026, ihrem langjährigen Oberbürgermeister Andreas Starke für seine Dienste gedankt. Nach 20 Jahren an der Spitze der Stadt endet damit eine prägende Ära der Bamberger Kommunalpolitik. Gelassen und mit der bekannten Prise Humor verabschiedete sich Starke: „Ich scheide aus dem Amt aus, nicht aus dem Leben.“
Den charmanten Auftakt der Veranstaltung, die vom Hornquartett der Bamberger Symphoniker umrahmt wurde, lieferte die städtische Beamtenanwärterin Laura Altenhöfer. Sie wurde im November 2006 geboren und kennt somit nur Andreas Starke als Oberbürgermeister von Bamberg. „Ich war überrascht, dass das ab Morgen nicht mehr so sein soll. Deshalb frage ich mich: Werden die Busse pünktlich fahren? Wird der Müll abgeholt? Werden wir jetzt von den Hallstadtern überrollt?“, scherzte Altenhöfer.
Launisch machte Zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp weiter und sprach von der „Mietsache Andreas Starke“, die heute von der Stadt „wegen Eigenbedarfsanmeldung der Familie“ zurückgegeben werde. Er begrüßte die rund 700 Gäste, darunter viele Männer und Frauen, die Starke auf seinem Weg durch die Kommunalpolitik begleitet haben. Er lobte das Wirken von Starke in seiner Amtszeit: „Deine Art, Konflikte zu moderieren, Lösungen zu suchen und Kompromisse auszuloten, ist unübertroffen. Du hast diese Stadtgesellschaft in den vergangenen 20 Jahren in diesem Wachstum maßgeblich zusammengehalten.“
„Sie haben zugehört und vermittelt“
Im Anschluss würdigte Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Innern, für Sport und Integration, in seiner Ansprache das Wirken von Andreas Starke: „Nach 20 Jahren an der Spitze Bambergs endet heute eine Ära – verbunden mit Ihrem Namen, lieber Herr Starke. Sie waren ein Oberbürgermeister, der den direkten Kontakt zur Bürgerschaft gesucht hat. Gespräche vor Ort, Bürgersprechstunden und der Austausch mit den Stadtteilen waren für Sie selbstverständlich. Sie haben zugehört, erklärt und vermittelt.“
Wenn man auf Starkes Amtszeit zurückblicke, werde deutlich, dass dieser die Stadt nicht nur verwaltet, sondern entscheidend geprägt habe. „Sie haben Entwicklungen angestoßen, Projekte umgesetzt und dabei immer das Ganze im Blick behalten. Sie haben gezeigt, was kommunale Selbstverwaltung leisten kann, wenn sie mit Überzeugung, Augenmaß und Ausdauer ausgeübt wird. Ihr Wirken steht für Verlässlichkeit, Bodenständigkeit und einen klaren Kompass im Dienst der Bürgerinnen und Bürger. Sie haben Verantwortung übernommen und dieser Stadt über viele Jahre hinweg Richtung und Halt gegeben.” Als sichtbares Zeichen dieser Anerkennung verlieh Herrmann an Starke das kommunale Verdienstabzeichen in Silber.
Schlagfertig und selbstbewusst
Danach wurde es persönlich. Sein „stolzer, kleiner Bruder“ Christoph Starke erzählte mehrere Anekdoten und betonte, dass sein Bruder „Schlagfertigkeit und Selbstbewusstsein auf ganz eigene Weise verkörpert“ habe. „Du warst ein OB der besonderen Art, der seines Gleichen sucht“, brachte er seine Rede auf den Punkt.
Starkes Tochter Meike und Sohn Moritz erweiterten die Perspektive um die Sicht der Kinder. „Das Leben als Kind eines OB ist ein anderes: Privates und Öffentliches lassen sich nicht trennen“, erklärte Meike. Da werde ein privates Abendessen schnell mal zur Bürgersprechstunde. Moritz Starke appellierte an die Medien und die Öffentlichkeit, grundsätzlich sensibler mit Wertungen gegenüber Amtsträgern umzugehen: „Wir wissen wie es ist, wenn Schlagzeilen plötzlich persönlich werden.“
OB: Wohl der Stadt an erster Stelle
In seiner Abschiedsrede blickte Oberbürgermeister Andreas Starke auf zwei Jahrzehnte im Amt zurück mit einer Mischung aus Dankbarkeit, Selbstironie und klaren politischen Botschaften. Mit Blick auf eine funktionierende Gesellschaft betonte er die Bedeutung von Zusammenhalt und Interessenausgleich: „Vor allem in der Kommunalpolitik brauchen wir die Fähigkeit und den Willen zum Kompromiss.“ Er mahnte, das Wohl der Stadt stets über parteipolitische Interessen zu stellen.
Zugleich nutzte Starke die Gelegenheit, seinem Nachfolger alles Gute zu wünschen: „Ich gratuliere dem neu gewählten Oberbürgermeister Sebastian M. Niedermaier sehr herzlich. Alles Gute und viel Erfolg im Interesse unserer schönen Stadt.“
Starkes besonderer Dank galt seiner Familie, seiner Frau Helen Galal, seinen Weggefährten in Politik und Verwaltung sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung. Die Leistungsfähigkeit der Verwaltung bezeichnete Starke als entscheidende Grundlage für die positive Entwicklung Bambergs in den vergangenen Jahren.
„Gestaltungsmöglichkeit, Bürgernähe und Menschlichkeit“
Auch die Herausforderungen und Erwartungen an das Amt des Oberbürgermeisters schilderte er mit einem Augenzwinkern und großer Anschaulichkeit. Trotz aller Anforderungen sei das Amt für ihn stets eine erfüllende Aufgabe gewesen: „In diesem Amt steckt unheimlich viel Gestaltungsmöglichkeit, Bürgernähe und Menschlichkeit.“
Zum Abschluss seiner Rede unterstrich Starke die Bedeutung demokratischer Werte und rief dazu auf, den gesellschaftlichen Zusammenhalt aktiv zu stärken. „Wir dürfen Extremisten von links und rechts keine Chance lassen“, betonte er mit Blick auf aktuelle politische Entwicklungen.
Anschließend trug sich Andreas Starke in das Goldene Buch der Stadt Bamberg ein, ehe der offizielle Teil endete und der Dritte Bürgermeister Wolfgang Metzner den Empfang im Foyer der Konzert- und Kongresshalle eröffnete.
