Ära endet nach 20 Jahren

Stadt Bam­berg ver­ab­schie­det OB Andre­as Starke

3 Min. zu lesen
Starke
Der scheidende Oberbürgermeister Andreas Starke trägt sich umgeben von seinen Enkelkindern ins Goldene Buch der Stadt Bamberg ein. Foto: Stadtarchiv Bamberg, Jürgen Schraudner
Mit einem fei­er­li­chen Fest­akt im Hegel­saal der Kon­zert- und Kon­gress­hal­le hat die Stadt Bam­berg am gest­ri­gen Don­ners­tag, 30. April 2026, ihrem lang­jäh­ri­gen Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Star­ke für sei­ne Diens­te gedankt. Nach 20 Jah­ren an der Spit­ze der Stadt endet damit eine prä­gen­de Ära der Bam­ber­ger Kom­mu­nal­po­li­tik. Gelas­sen und mit der bekann­ten Pri­se Humor ver­ab­schie­de­te sich Star­ke: „Ich schei­de aus dem Amt aus, nicht aus dem Leben.“

Den char­man­ten Auf­takt der Ver­an­stal­tung, die vom Horn­quar­tett der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker umrahmt wur­de, lie­fer­te die städ­ti­sche Beam­ten­an­wär­te­rin Lau­ra Alten­hö­fer. Sie wur­de im Novem­ber 2006 gebo­ren und kennt somit nur Andre­as Star­ke als Ober­bür­ger­meis­ter von Bam­berg. „Ich war über­rascht, dass das ab Mor­gen nicht mehr so sein soll. Des­halb fra­ge ich mich: Wer­den die Bus­se pünkt­lich fah­ren? Wird der Müll abge­holt? Wer­den wir jetzt von den Hall­stadt­ern über­rollt?“, scherz­te Altenhöfer.

Lau­nisch mach­te Zwei­ter Bür­ger­meis­ter Jonas Glüsen­kamp wei­ter und sprach von der „Miet­sa­che Andre­as Star­ke“, die heu­te von der Stadt „wegen Eigen­be­darfs­an­mel­dung der Fami­lie“ zurück­ge­ge­ben wer­de. Er begrüß­te die rund 700 Gäs­te, dar­un­ter vie­le Män­ner und Frau­en, die Star­ke auf sei­nem Weg durch die Kom­mu­nal­po­li­tik beglei­tet haben. Er lob­te das Wir­ken von Star­ke in sei­ner Amts­zeit: „Dei­ne Art, Kon­flik­te zu mode­rie­ren, Lösun­gen zu suchen und Kom­pro­mis­se aus­zu­lo­ten, ist unüber­trof­fen. Du hast die­se Stadt­ge­sell­schaft in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren in die­sem Wachs­tum maß­geb­lich zusammengehalten.“


„Sie haben zuge­hört und vermittelt“

Im Anschluss wür­dig­te Joa­chim Herr­mann, Baye­ri­scher Staats­mi­nis­ter des Innern, für Sport und Inte­gra­ti­on, in sei­ner Anspra­che das Wir­ken von Andre­as Star­ke: „Nach 20 Jah­ren an der Spit­ze Bam­bergs endet heu­te eine Ära – ver­bun­den mit Ihrem Namen, lie­ber Herr Star­ke. Sie waren ein Ober­bür­ger­meis­ter, der den direk­ten Kon­takt zur Bür­ger­schaft gesucht hat. Gesprä­che vor Ort, Bür­ger­sprech­stun­den und der Aus­tausch mit den Stadt­tei­len waren für Sie selbst­ver­ständ­lich. Sie haben zuge­hört, erklärt und vermittelt.“

Wenn man auf Star­kes Amts­zeit zurück­bli­cke, wer­de deut­lich, dass die­ser die Stadt nicht nur ver­wal­tet, son­dern ent­schei­dend geprägt habe. „Sie haben Ent­wick­lun­gen ange­sto­ßen, Pro­jek­te umge­setzt und dabei immer das Gan­ze im Blick behal­ten. Sie haben gezeigt, was kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung leis­ten kann, wenn sie mit Über­zeu­gung, Augen­maß und Aus­dau­er aus­ge­übt wird. Ihr Wir­ken steht für Ver­läss­lich­keit, Boden­stän­dig­keit und einen kla­ren Kom­pass im Dienst der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger. Sie haben Ver­ant­wor­tung über­nom­men und die­ser Stadt über vie­le Jah­re hin­weg Rich­tung und Halt gege­ben.” Als sicht­ba­res Zei­chen die­ser Aner­ken­nung ver­lieh Herr­mann an Star­ke das kom­mu­na­le Ver­dienst­ab­zei­chen in Silber.


Schlag­fer­tig und selbstbewusst

Danach wur­de es per­sön­lich. Sein „stol­zer, klei­ner Bru­der“ Chris­toph Star­ke erzähl­te meh­re­re Anek­do­ten und beton­te, dass sein Bru­der „Schlag­fer­tig­keit und Selbst­be­wusst­sein auf ganz eige­ne Wei­se ver­kör­pert“ habe. „Du warst ein OB der beson­de­ren Art, der sei­nes Glei­chen sucht“, brach­te er sei­ne Rede auf den Punkt.

Star­kes Toch­ter Mei­ke und Sohn Moritz erwei­ter­ten die Per­spek­ti­ve um die Sicht der Kin­der. „Das Leben als Kind eines OB ist ein ande­res: Pri­va­tes und Öffent­li­ches las­sen sich nicht tren­nen“, erklär­te Mei­ke. Da wer­de ein pri­va­tes Abend­essen schnell mal zur Bür­ger­sprech­stun­de. Moritz Star­ke appel­lier­te an die Medi­en und die Öffent­lich­keit, grund­sätz­lich sen­si­bler mit Wer­tun­gen gegen­über Amts­trä­gern umzu­ge­hen: „Wir wis­sen wie es ist, wenn Schlag­zei­len plötz­lich per­sön­lich werden.“


OB: Wohl der Stadt an ers­ter Stelle

In sei­ner Abschieds­re­de blick­te Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Star­ke auf zwei Jahr­zehn­te im Amt zurück mit einer Mischung aus Dank­bar­keit, Selbst­iro­nie und kla­ren poli­ti­schen Bot­schaf­ten. Mit Blick auf eine funk­tio­nie­ren­de Gesell­schaft beton­te er die Bedeu­tung von Zusam­men­halt und Inter­es­sen­aus­gleich: „Vor allem in der Kom­mu­nal­po­li­tik brau­chen wir die Fähig­keit und den Wil­len zum Kom­pro­miss.“ Er mahn­te, das Wohl der Stadt stets über par­tei­po­li­ti­sche Inter­es­sen zu stellen.

Zugleich nutz­te Star­ke die Gele­gen­heit, sei­nem Nach­fol­ger alles Gute zu wün­schen: „Ich gra­tu­lie­re dem neu gewähl­ten Ober­bür­ger­meis­ter Sebas­ti­an M. Nie­der­mai­er sehr herz­lich. Alles Gute und viel Erfolg im Inter­es­se unse­rer schö­nen Stadt.“

Star­kes beson­de­rer Dank galt sei­ner Fami­lie, sei­ner Frau Helen Galal, sei­nen Weg­ge­fähr­ten in Poli­tik und Ver­wal­tung sowie den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern der Stadt­ver­wal­tung. Die Leis­tungs­fä­hig­keit der Ver­wal­tung bezeich­ne­te Star­ke als ent­schei­den­de Grund­la­ge für die posi­ti­ve Ent­wick­lung Bam­bergs in den ver­gan­ge­nen Jahren.


„Gestal­tungs­mög­lich­keit, Bür­ger­nä­he und Menschlichkeit“

Auch die Her­aus­for­de­run­gen und Erwar­tun­gen an das Amt des Ober­bür­ger­meis­ters schil­der­te er mit einem Augen­zwin­kern und gro­ßer Anschau­lich­keit. Trotz aller Anfor­de­run­gen sei das Amt für ihn stets eine erfül­len­de Auf­ga­be gewe­sen: „In die­sem Amt steckt unheim­lich viel Gestal­tungs­mög­lich­keit, Bür­ger­nä­he und Menschlichkeit.“

Zum Abschluss sei­ner Rede unter­strich Star­ke die Bedeu­tung demo­kra­ti­scher Wer­te und rief dazu auf, den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt aktiv zu stär­ken. „Wir dür­fen Extre­mis­ten von links und rechts kei­ne Chan­ce las­sen“, beton­te er mit Blick auf aktu­el­le poli­ti­sche Entwicklungen.

Anschlie­ßend trug sich Andre­as Star­ke in das Gol­de­ne Buch der Stadt Bam­berg ein, ehe der offi­zi­el­le Teil ende­te und der Drit­te Bür­ger­meis­ter Wolf­gang Metz­ner den Emp­fang im Foy­er der Kon­zert- und Kon­gress­hal­le eröffnete.

Weiterer Artikel

„Ihr Ein­satz war wirk­lich vorbildlich“

OB Star­ke ver­ab­schie­det aus­schei­den­de Stadt­rats­mit­glie­der und Bürgermeister