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Levi Strauss Museum

Levi Strauss Museum

Aus­stel­lung: Dude Ran­ches oder wie Groß­stadt­cow­boys Mode machten

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Das Levi Strauss Muse­um in But­ten­heim zeigt in der Aus­stel­lung „Dude Ran­ches oder wie Groß­stadt­cow­boys Mode mach­ten“, wie die Jeans durch das tou­ris­ti­sche Ange­bot von „Dude Ran­ches“ einen Bedeu­tungs­schritt weg von der Arbeits­klei­dung und hin
zum Mode­ar­ti­kel mach­te. Eröff­nung ist am 16. Mai.

„Whe­re the romance of the West lives on“ – mit die­sem Spruch wirbt eine Anzei­ge aus den 1940er Jah­ren für eine „Dude Ranch“ im US-ame­ri­ka­ni­schen Wes­ten. Bei die­sen Urlaubs­zie­len han­del­te es sich um tat­säch­li­che Vieh­r­an­ches, die etwa seit Beginn des 20. Jahr­hun­derts und als Reak­ti­on auf eine längst begon­ne­ne Roman­ti­sie­rung des Wil­den Wes­tens wohl­ha­ben­de Städ­ter von der Ost­küs­te beher­berg­ten, um den eige­nen wirt­schaft­li­chen Stand zu ver­bes­sern und den Gäs­ten ein Frei­zeit­er­leb­nis der rus­ti­ka­len Art zu bie­ten. Das „Dude“ im Namen die­ser Bau­ern­hö­fe war damals eine umgangs­sprach­li­che Bezeich­nung für sehr modisch geklei­de­te Männer.

Auf die­sen Ran­ches konn­ten die Besucher:innen bei der Arbeit, die dort anfiel, mit­hel­fen, Pfer­de und Rin­der trei­ben oder bei Aus­rit­ten in die Natur das kar­ge, aber authen­ti­sche Leben der Cow­boys – inklu­si­ve Zwang­lo­sig­keit für Frau­en und Cha­rak­ter­bil­dung für Kin­der – nach­emp­fin­den. Dazu gehör­te es auch, sich ent­spre­chend zu klei­den – zum Bei­spiel mit der Arbeits­ho­se „Jeans“.

Da vie­le der Gäs­te der „Dude Ran­ches“ nach Ende des Urlaubs die Jeans mit in die Hei­mat im Osten nah­men und sie dort wei­ter­hin tru­gen, wan­del­te sich die gesell­schaft­li­che Bedeu­tung der Hose aber bald. Über die­sen Wan­del und die „Dude Ran­ches“ haben wir mit Dr. Tan­ja Rop­pelt, Lei­te­rin des Levi Strauss Muse­ums, gespro­chen.

Dude Ranches
Wer­be­an­zei­ge für eine „Dude Ranch“, Foto: Lynn Downey
Frau Rop­pelt, wie ent­stan­den die „Dude Ranches“?

Tan­ja Rop­pelt: Begon­nen hat­te ein den „Dude Ran­ches“ ähn­li­ches Geschäft im US-ame­ri­ka­ni­schen Wes­ten bereits Ende des 19. Jahr­hun­derts mit Jagd­ge­sell­schaf­ten. Zu den Blü­te­zei­ten kam es dann ab dem Ende des Ers­ten Welt­kriegs, die aber auch wäh­rend der Welt­wirt­schafts­kri­se der spä­ten 1920er Jah­re wei­ter­gin­gen und etwa bis zum Zwei­ten Welt­krieg andau­er­ten. Die meis­ten „Dude Ran­ches“ gab es in den ber­gi­gen nörd­lich gele­ge­nen Staa­ten wie Wyo­ming oder Ore­gon wäh­rend der kur­zen Som­mer­sai­son von etwa drei Mona­ten. Dort fuh­ren die Städ­ter hin, um aus der Stadt raus zu kom­men und den Som­mer im bes­se­ren Kli­ma der Rocky Moun­ta­ins zu ver­brin­gen. Ein wei­te­rer Schwer­punkt lag zudem im Süd­wes­ten in Ari­zo­na. Dort mach­te man eher im Win­ter Urlaub, um die mil­den Tem­pe­ra­tu­ren zu erle­ben. Außer­halb der Sai­son wech­sel­ten vie­le der Ran­ches je nach Ren­ta­bi­li­tät zurück zu Vieh­wirt­schaft und Ranchgeschäft.

Damit die „Dude Ran­ches“ funk­tio­nier­ten, brauch­te es ein medi­al-roman­ti­sches Bild des Wil­den Wes­tens und des Cow­boy­le­bens, das man bedie­nen konn­te. Wie weit war die­ses Bild in den 1920er Jah­ren, in denen zum Bei­spiel das Kino und spe­zi­ell der Cow­boy­film noch nicht beson­ders bekannt waren, bereits verbreitet?

Tan­ja Rop­pelt: Der his­to­ri­sche Cow­boy, also der Vieh­trei­ber, hat­te in den USA eigent­lich nur eine rela­tiv kur­ze Bestands­zeit – etwa von 1860 bis 1880. Aber sei­ne Sti­li­sie­rung zum ame­ri­ka­ni­schen Hel­den war danach nicht mehr auf­zu­hal­ten. Das begann vor der Ver­brei­tung des Kinos in den 1920ern zum Bei­spiel durch Gro­schen­ro­ma­ne. Dar­in wur­de der Wil­de Wes­ten als Ort der Wer­te wie Treue, Ehr­lich­keit und har­te Arbeit und zudem als cha­rak­ter­bil­dend beschrie­ben. Dem­ge­mäß setz­ten die „Dude Ran­ches“ im Wer­be­bild schon bald dar­auf, den Gäs­ten ein Ver­spre­chen auf Aben­teu­er im Wes­ten zu machen.

Wel­ches Publi­kum zogen die „Dude Ran­ches“ damit an?

Tan­ja Rop­pelt: Anfangs waren es fast nur Män­ner. Rela­tiv schnell wan­del­te sich das Publi­kum aber, die Leu­te brach­ten ihre Fami­li­en mit und sehr schnell mach­ten Frau­en einen gro­ßen Anteil der Gäs­te aus. Denn auf den Ran­ches war man ziem­lich frei von gesell­schaft­li­chen Zwän­gen. Der Umgangs­ton war locker, alle rede­ten sich mit Vor­na­men an, und vor allem war die Klei­der­ord­nung leger. Auf den Ran­ches konn­ten Frau­en Hosen tra­gen, was sie sich Anfang des 20. Jahr­hun­derts kaum irgend­wo sonst trau­en konn­ten. Der Auf­ent­halt bot ein Stück Frei­heit. Und die Kin­der aus den wohl­ha­ben­de Fami­li­en, die nicht sel­ten mit Pri­vat­leh­rer auf­ge­wach­sen waren, durf­ten sich dre­ckig machen. Auf der ande­ren Sei­te erhoff­ten sich die Eltern aber auch, dass die Kin­der die Wer­te des Wes­tens ver­in­ner­lich­ten. Auch hoff­te man, was die Söh­ne anging, oft auf eine gewis­se Ver­männ­li­chung durch das Leben auf der Ranch.

Konn­te ein Auf­ent­halt auf einer „Dude Ranch“ auch der Bestra­fung dienen?

Tan­ja Rop­pelt: Das kann ich nicht sagen. Aber bis­wei­len wur­den zum Bei­spiel jun­ge Män­ner mit Sucht­pro­ble­men auf die Ran­ches geschickt. Dort soll­ten sie durch har­te Arbeit und Alko­hol­ver­bot wie­der in die Spur gebracht werden.

Ein vor­herr­schen­des Klei­dungs­stück der Ran­ches war die Jeans. Die Aus­stel­lung im Levi Strauss Muse­um zeigt, wie die Hose sich wegen der Ran­ches in ihrer gesell­schaft­li­chen Bedeu­tung aber wan­del­te. Wie lief ihre Ent­wick­lung zum Mode­ar­ti­kel ab?

Tan­ja Rop­pelt: Vor dem Bekannt- und Beliebt­wer­den der „Dude Ran­ches“ war die Jeans rei­ne Arbeits­klei­dung für die Leu­te, die im Wes­ten die har­te Arbeit mach­ten. Ent­spre­chend deck­ten sich die Tou­ris­ten aus dem Osten auf den Ran­ches mit den Hosen ein. So kamen sie dort erst­mals mit die­sem Klei­dungs­stück in Berüh­rung, denn man woll­te sich an den Lebens­stil auf den Ran­ches anpas­sen. Nach ihrem Auf­ent­halt auf den Ran­ches nah­men die Leu­te die Jeans, oder auch das Wes­tern­hemd und den Cow­boy­hut, mit nach hau­se an die Ost­küs­te. Dort bega­ben sie sich damit dann auch immer häu­fi­ger in die Öffent­lich­keit, zum Bei­spiel auf Grill­par­tys. So konn­te man die Hose zei­gen und wel­chen anders­ar­ti­gen oder freie­ren Lebens­stil man im Wes­ten ken­nen­ge­lernt hat­te. Und spä­tes­tens als das Mode­ma­ga­zin „Vogue“ die Jeans in den 1930er Jah­ren auf­ge­grif­fen und als „True wes­tern chic“ bewor­ben hat­te, war der Sie­ges­zug der Hose unter modi­schen Gesichts­punk­ten kaum mehr aufzuhalten.

Das Bild der Jeans, das sich damals ver­brei­te­te, als Hose auf gewis­se Art gleich­be­deu­tend mit der Frei­heit des Wes­tens zu sein, ent­stand also nicht im Wes­ten, son­dern an der Ostküste?

Tan­ja Rop­pelt: Ja. Sie war zu Beginn als Arbeits­klei­dung zwar nur an der West­küs­te erhält­lich – Levi Strauss erschuf sie in San Fran­cis­co. Durch die Tou­ris­ten kam sie dann aber erst an die Ost­küs­te und ver­brei­te­te sich von dort, zum Mode­ar­ti­kel gewor­den, lan­des­weit. So wuchs auch ihre Salon­fä­hig­keit und irgend­wann war es sogar akzep­ta­bel, wenn Frau­en sie öffent­lich tru­gen. Auch wenn das noch bis in die 1940er Jah­re dauerte.

War „Levi’s“ damals der allei­ni­ge Her­stel­ler oder gab es bereits ande­re Marken?

Tan­ja Rop­pelt: Das Patent auf die durch Nie­ten ver­stärk­te Hosen war bereits Ende des 19. Jahr­hun­derts gefal­len. „Levi’s“ war zwar trotz­dem lan­ge Zeit am ver­brei­tets­ten, aber sehr schnell kamen dann auch ande­re Mar­ken auf den Markt wie Lee oder Wrangler.

Gibt es heu­te noch so etwas wie die „Dude Ranches“?

Tan­ja Rop­pelt: Ja, und der Schwer­punkt auf Arbei­ten oder Aus­rei­ten besteht auch wei­ter. Nur haben die Ran­ches sich doch ein gan­zes Stück wei­ter­ent­wi­ckelt und aktu­el­len Ansprü­chen ange­passt. Heu­te machen sie LGBTQ-Ange­bo­te, Fami­li­en- oder Erwach­se­nen­wo­chen, ver­fü­gen über Bade­zim­mer, Swim­ming­pools, Sport­ein­rich­tun­gen oder Golf­plät­ze. Auch gibt es Ent­wick­lun­gen Rich­tung vege­ta­ri­scher Spei­se­op­tio­nen und weg vom tra­di­tio­nel­len Steak.

Ab 16. Mai und bis 16. Febru­ar 2025 zei­gen Sie im Levi Strauss Muse­um die Aus­stel­lung „Dude Ran­ches oder wie Groß­stadt­cow­boys Mode mach­ten“. Was wird zu sehen sein?

Tan­ja Rop­pelt: Die Aus­stel­lung zeigt umfas­sen­des his­to­ri­sches Bild­ma­te­ri­al zum Leben auf den Ran­ches. Wir haben aber auch ein paar his­to­ri­sche tex­ti­le Stü­cke, wie Cow­boy­hem­den und natür­lich Jeans­ho­sen. Außer­dem hält die Autorin und frü­he­re Fir­men­his­to­ri­ke­rin von „Levi’s“, Lynn Dow­ney, die das Phä­no­men „Dude Ranch“ in ver­schie­de­nen Publi­ka­tio­nen unter­such­te, am 14. Mai am Lehr­stuhl für Ame­ri­ka­nis­tik der FAU Erlan­gen-Nürn­berg einen öffent­li­chen Vor­trag zu den Ranches.

Levi Strauss Museum

But­ten­heim meets Pop Art

Bedingt durch die Pan­de­mie geht die But­ten­hei­mer Kunst­rei­he „ART in B – Kunst in But­ten­heim“ im Levi Strauss Muse­um etwas lei­ser als gewohnt in die nächs­te Run­de. Im Mit­tel­punkt ste­hen auch in die­sem Jahr wie­der inter­na­tio­nal bekann­te Künstler.

ART in B ist auch ein Forum für Ideen, zur Wei­ter­ent­wick­lung und Stär­kung von Geist und See­le der Gemein­de, zur Stif­tung von Iden­ti­tät und zur Ergän­zung des gesell­schaft­li­chen Lebens – weit über die Gren­zen But­ten­heims hinaus.

„But­ten­heim meets Pop Art“ ist der Titel der dies­jäh­ri­gen Schau. Sie prä­sen­tiert einen bun­ten Mix an Wer­ken ver­schie­de­ner renom­mier­ter Künst­ler. Ver­tre­ten sind David Toll­mann, Udo Lin­den­berg, Ulri­ke Lan­gen, James Riz­zi, Mar­tin Sonn­leit­ner, Her­man Reichold und Patrik Preller.

Frisch und far­ben­froh wird so zum Bei­spiel mit den Mons­tern von Patrik Prel­ler, den detail­rei­chen Bil­dern von James Riz­zi, dem indi­vi­du­el­len Stil von Udo Lin­den­berg, Mar­tin Sonn­leit­ners Por­traits von berühm­ten Rock Stars, den inten­si­ven und groß­for­ma­ti­gen Wer­ken von David Toll­mann, Ulri­ke Lan­gens Sieb­dru­cken auf Alu­mi­ni­um­plat­ten oder den humor­voll-hin­ter­sin­ni­gen Wer­ken von Her­man Reichold einer der­zeit für Kunst und Kul­tur schwe­ren Zeit die Stirn geboten.

Die Wer­ke sind bis zum 4. Juli 2021 im Levi Straus Muse­um aus­ge­stellt. Abhän­gig von den Inzi­denz­wer­ten ist die Aus­stel­lung zu den Öff­nungs­zei­ten im Levi Strauss Muse­um zu besich­ti­gen, der Ein­tritt ist frei. Das Levi Strauss Muse­um bit­tet um Vor­anmel­dung per Mail unter levi-strauss-museum@buttenheim.de oder tele­fo­nisch unter 09545–442602.

Wei­te­re Informationen:

http://www.levi-strauss-museum.de/

Ent­hül­lung Levi Strauss Bronzefigur

Levi Strauss Muse­um Buttenheim

Das ober­frän­ki­sche But­ten­heim ist um eine Attrak­ti­on rei­cher: Mit­te Okto­ber ent­hüll­te der För­der­ver­ein Levi Strauss Geburts­haus e.V. anläss­lich des 20-jäh­ri­gen Bestehens des Levi Strauss Muse­ums eine lebens­gro­ße Bron­ze­fi­gur von Levi Strauss, dem Erfin­der der Jeans. Mit Dr. Tan­ja Rop­pelt, der Lei­te­rin des Muse­ums, haben wir über den berühm­tes­ten Sohn des Städt­chens, klei­ne Geheim­nis­se der Figur und war­um die­se kei­ne Jeans trägt gesprochen.
Die Bron­ze­fi­gur von Levi Strauss wur­de im Jahr des 20-jäh­ri­gen Bestehens des Levi Strauss Muse­ums ent­hüllt. Wie­so hat das Levi Strauss Muse­um nicht schon frü­her eine Figur sei­nes Namens­ge­bers und Aus­stel­lungs­ob­jekts bekommen?

Tan­ja Rop­pelt: Es wur­de bereits in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach über eine Figur bezie­hungs­wei­se Sta­tue gespro­chen. Aller­dings hat­ten ande­re Pro­jek­te, wie zum Bei­spiel die Rea­li­sie­rung des Erwei­te­rungs­baus für das Levi Strauss Muse­um, zunächst Vor­rang. Nun, anläss­lich des 20-jäh­ri­gen Bestehens des Levi Strauss Muse­ums, haben sich die Plä­ne, eine lebens­gro­ße Figur von Levi Strauss zu schaf­fen, schließ­lich kon­kre­ti­siert. Der enor­me finan­zi­el­le Auf­wand, der hin­ter der Ent­ste­hung der Sta­tue steckt, schließ­lich muss­ten 60.000 Euro auf­ge­bracht wer­den, wur­de allein vom För­der­ver­ein Levi Strauss Geburts­haus e.V. getra­gen. Unter Füh­rung der Vor­stän­de Chris­toph Gatz und Erich Wer­ner wur­de die Sum­me über vie­le Jah­re mit uner­müd­li­chem Enga­ge­ment gesammelt.

Gestal­tet wur­de die Figur von Künst­ler Rai­ner Kur­ka. War­um haben Sie sich für ihn entschieden?

Tan­ja Rop­pelt: Es stan­den zunächst meh­re­re bil­den­de Künst­ler in der Aus­wahl. Rai­ner Kur­ka hat die mensch­li­che Figur in den Mit­tel­punkt sei­ner künst­le­ri­schen Arbeit gestellt und erschuf bereits Figu­ren mit erstaun­li­cher Aus­strah­lung – man den­ke zum Bei­spiel an die lebens­gro­ße Bron­ze­plas­tik auf der Bam­ber­ger Erbain­sel, die sich gro­ßer Beliebt­heit erfreut. Sein Schaf­fen wur­de zudem in Aus­stel­lun­gen im In- und Aus­land sowie durch Aner­ken­nun­gen und Prei­se gewür­digt. Letzt­end­lich über­zeug­te sein Gesamt­werk uns am meis­ten, so dass er den Zuschlag bekam.

Nach wel­chen Gesichts­punk­ten hat er die Figur gestal­tet? Haben Sie ihm Vor­ga­ben zur Gestal­tung gemacht?

Tan­ja Rop­pelt: Die Vor­stel­lung des För­der­ver­eins und sei­ner Vor­sit­zen­den war es, dass die Figur so lebens­nah wie mög­lich aus­se­hen soll­te. Der Künst­ler selbst setz­te sich im Vor­feld inten­siv mit der Lebens­ge­schich­te des Levi Strauss und dem vor­han­de­nen, sehr begrenz­ten, Bild­ma­te­ri­al aus­ein­an­der. Sein Ziel war es, eine Figur zu schaf­fen, die aus­sieht, als wäre Levi Strauss per­sön­lich dafür Modell gestan­den. Wir fin­den, dass ihm dies vor­züg­lich gelun­gen ist.

War­um soll­te die Figur aus Bron­ze sein, war­um grüßt sie mit dem Hut?

Tan­ja Rop­pelt: Bron­ze mit sei­ner wei­chen und war­men Far­be ist das dau­er­haf­tes­te, bewähr­tes­te Mate­ri­al für Kunst­wer­ke im Frei­en. Levi grüßt mit dem Hut, um Gäs­te in sei­nem Geburts­haus will­kom­men zu hei­ßen. Wir hat­ten ein Foto gefun­den, auf dem Levi mit einem Stroh­hut winkt. Die­ses dien­te als Vor­la­ge. Da der Zylin­der bekann­ter war, ent­schie­den wir uns, Levi damit win­ken zu lassen.

In der ande­ren Hand hält die Figur, ein biss­chen ver­steckt hin­ter dem Rücken, eine jener Nie­ten, die maß­geb­lich am Erfolg der Jeans betei­ligt waren. Bie­tet die Figur wei­te­re Details, für die man ein biss­chen genau­er hin­se­hen muss?

Tan­ja Rop­pelt: Zunächst ein­mal lädt die Figur in ihrer Lebens­echt­heit an sich zur genaue­ren Betrach­tung ein. Künst­ler Rai­ner Kur­ka legt Wert dar­auf, dass sich jeder Betrach­ter sei­ne eige­nen Gedan­ken zum Werk macht. Er möch­te, dass die Figur einer­seits eine star­ke Prä­senz zeigt, ande­rer­seits aber Raum für per­sön­li­che Inter­pre­ta­tio­nen lässt. Es ist sehr loh­nend, den Gesichts­aus­druck zu stu­die­ren, in dem sich das Leben eines Men­schen abzeich­net, der sich aus schwie­ri­gen Zei­ten empor­ge­ar­bei­tet hat, nun gelas­sen auf das Leben blickt und sich ein freund­li­ches, herz­li­ches Wesen bewahr­te. Der in die Hüf­te gestütz­te Arm soll die Besu­cher ani­mie­ren, sich ein­zu­ha­ken und Fotos zu machen und somit eine per­sön­li­che Ver­bin­dung zu Levi Strauss ein­zu­ge­hen. Die Nie­te erin­nert an das eine, klei­ne Detail, das die Jeans maß­geb­lich ausmacht.

Levi Strauss Museum: Links: Tanja Roppelt und die Levi Strauss-Figur, rechts: hinter ihrem Rücken hält die Figur eine Niete in der Hand
Links: Tan­ja Rop­pelt und die Levi Strauss-Figur, rechts: hin­ter ihrem Rücken hält die Figur eine Nie­te in der Hand
Mit dem wie­viel­ten Ent­wurf der Figur waren Sie zufrieden?

Tan­ja Rop­pelt: Der Künst­ler hat­te wäh­rend der Ent­ste­hung der Sta­tue dau­ernd Kon­takt zu uns – ent­spre­chend waren wir bereits vom ers­ten Ent­wurf sehr begeis­tert. Bespro­chen wur­den nur noch Details, wie zum Bei­spiel die Nie­te, wel­che Klei­dung Levi Strauss tra­gen soll, wie die Beleuch­tung der Sta­tue erfol­gen sollte.

Die Figur ist lebens­groß. Wie groß war Levi Strauss?

Tan­ja Rop­pelt: Es ist nicht genau über­lie­fert, wie groß Levi Strauss gewe­sen ist. Die Erstel­lung der Sta­tue erfor­der­te vom Künst­ler regel­rech­te Detek­tiv­ar­beit. Rai­ner Kur­ka hat die Grö­ße der Sta­tue schließ­lich anhand eines Fotos rekon­stru­iert, auf dem Levi Strauss neben einem Stuhl ste­hend abge­bil­det ist.

An der Figur fällt auf, dass sie nicht auf einem Sockel, son­dern direkt auf dem Boden vor dem Levi Strauss Mue­se­um steht. Was hat es mit die­ser gestal­te­ri­schen Maß­nah­me auf sich?

Tan­ja Rop­pelt: Rai­ner Kur­ka ver­schaff­te sich anhand der vor­han­de­nen Quel­len auch Ein­bli­cke in den Cha­rak­ter des Jeanser­fin­ders, der trotz sei­ner Erfol­ge ein beschei­de­ner und boden­stän­di­ger Mensch geblie­ben zu sein schien. Des­halb steht er in But­ten­heim bewusst nicht auf einem Sockel, son­dern auf dem Boden, auf Augen­hö­he mit den Gäs­ten. Für Rai­ner Kur­ka machen Levis Eigen­schaf­ten, sich den Her­aus­for­de­run­gen des Lebens zu stel­len, hilfs­be­reit gegen­über jenen zu sein, die weni­ger Glück hat­ten und den Mit­men­schen mit Offen­heit, Freund­lich­keit und Beschei­den­heit zu begeg­nen, zum Vor­bild für die heu­ti­ge Zeit.

Außer­dem scheint die Figur kei­ne Jeans zu tra­gen. Wie weit ist bekannt, ob oder wie oft Levi Strauss sei­ne eige­ne Erfin­dung trug?

Tan­ja Rop­pelt: Jeans­ho­sen waren rei­ne Arbeits­klei­dung für alle Pio­nie­re des Wil­den Wes­tens, vor allem für Cow­boys und Minen­ar­bei­ter. Dies waren Berufs­stän­de, die haupt­säch­lich schmut­zi­ge und kör­per­lich anstren­gen­de Arbeit ver­rich­te­ten und ent­spre­chend robus­te Klei­dung benö­tig­ten. Im 19. Jahr­hun­dert traf Klei­dung eine star­ke Aus­sa­ge zur gesell­schaft­li­chen und beruf­li­chen Posi­ti­on ihres Trä­gers. Es ist daher höchst unwahr­schein­lich, dass Levi Strauss, als erfolg­rei­cher Geschäfts­mann, jemals Jeans getra­gen hat.

Gibt es schon Rück­mel­dun­gen aus But­ten­heim oder von über­re­gio­na­len Gäs­ten? Wie sehen die­se aus?

Tan­ja Rop­pelt: Selbst­ver­ständ­lich stan­den wir bereits in der Ent­ste­hungs­pha­se der Sta­tue in Kon­takt mit den Nach­kom­men von Levi Strauss, die die Sta­tue aus­ge­spro­chen begrü­ßen. Die vie­len begeis­ter­ten Gäs­te, die ein Urlaubs­fo­to zusam­men mit Levi Strauss auf­neh­men, spre­chen für sich. Da die Figur vom För­der­ver­ein des Muse­ums gestif­tet wur­de, waren vie­le But­ten­hei­mer bereits in der Ent­ste­hungs­pha­se in das Pro­jekt invol­viert und haben die­ses unter­stützt. Zudem bie­tet die Sta­tue den Ein­hei­mi­schen eine wei­te­re Mög­lich­keit zur Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Levi Strauss Muse­um. Auch der rege Zuspruch an der Ent­hül­lungs­fei­er, die vie­len per­sön­li­chen posi­ti­ven Reak­tio­nen sowie die Kom­men­ta­re in den sozia­len Medi­en geben posi­ti­ve Rück­mel­dung. Die Sta­tue ist auf jeden Fall – dar­über sind wir uns alle einig – eine Berei­che­rung für den Auf­tritt des Muse­ums sowohl in den Medi­en als auch in tou­ris­ti­scher Hinsicht.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter:
www.levi-strauss-museum.de